Hofer schnuppert Höhenluft für Seilbahn Schweiz

Die Berner Agentur Hofer Kommunikation gestaltet das CI/CD des Verbandes Seilbahnen Schweiz neu.

Die Berner Agentur Hofer Kommunikation gestaltet das CI/CD des Verbandes Seilbahnen Schweiz (SBS) neu. Das Mandat hat die Agentur in einem Pitch gegen drei Konkurrenten errungen. Zur Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit, die unter anderem auch Aktivitäten im Wintersport sowie im öffentlichen und touristischen Verkehr umfasst, werden die Seilbahnen Schweiz ab Herbst 2007 mit einem zeitgemässen Profil auftreten. Dieses soll die Kernkompetenzen des Verbandes markant abbilden, heisst es in einer Mitteilung. Dem in Bern domizilierten Verband gehören 405 Seilbahnunternehmen als Vereinsmitglieder und 70 Industrieunternehmen als befreundete Mitglieder an.

GEMI: Elektronische Medien legen zu

Der Goldbach Electronic Media Index (GEMI) zeigt, dass das Total der Medieninvestitionen im Juli von 170 auf 171 Index-Punkte leicht angestiegen ist.


Der Goldbach Electronic Media Index (GEMI) zeigt, dass das Total der Medieninvestitionen im Juli von 170 auf 171 Index-Punkte leicht angestiegen ist. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2006 haben die elektronischen Medien zugelegt. Sie weisen ein klares Plus aus von 5 Index-Punkten auf 327 (322). TV steigert sich auf 332 (327) Index-Punkten und das Medium Radio verzeichnet mit 3 Indexpunkten auf 250 (247) auch eine deutliche Steigerung. Internet wächst kontinuierlich, d.h. um 4 Index-Punkte auf 220 (216). Der Zuwachs von Teletext beträgt 2 Punkte, von 146 auf 148. Der GEMI basiert auf den publizierten Daten von Media Focus für Werbeinvestitionen in der Schweiz.

Das TV-Tool zum Anbeissen

Technologie In den USA ist ein Wundergerät auf dem Markt, das Kritiker wie Werbetreibende schon jetzt wahlweise in Begeisterung oder Angst und Schrecken versetzt: die Slingbox.

Technologie In den USA ist ein Wundergerät auf dem Markt, das Kritiker wie Werbetreibende schon jetzt wahlweise in Begeisterung oder Angst und Schrecken versetzt: die Slingbox.Die Slingbox ist ein unscheinbares Zusatzgerät für den Fernseher, das es den Nutzern ermöglicht, das vertraute Fernsehprogramm von zu Hause aus überallhin auf der Welt mitzunehmen und es auf dem Laptop oder dem Handy zu sehen. Ein Geschäftsreisender aus Texas zum Beispiel kann alle Basketballspiele der NBA inklusive der Dallas Mavericks – sein Heimteam – anschauen und sich mit Nachrichten seiner lokalen TV-Sender auf dem Laufenden halten. Tatsächlich verkaufte der Hersteller Sling Media bereits in den ersten acht Monaten nach dem Launch im Januar 2005 über 100000 Geräte. Die Box, die wie ein überdimensionaler Schokoriegel aussieht, ist für rund 200 Dollar nicht nur per Internet, sondern sogar in den populären Handelsketten von Bestbuy und Circuit City erhältlich.
«Die Form erinnert uns daran, wie süss es ist, das vertraute Fernsehen von überall auf der Welt aus sehen zu können», sagt Slingbox-Gründer Blake Krikorian. Die neue Technologie ist nicht nur ein Publikumserfolg, sondern wurde ausserdem vom Time Magazine zu einer der «besten Erfindungen des Jahres 2005» gekürt.
Lokales Publikum in der FerneWeniger positive Reaktionen hat die Slingbox in der durch die Tivo-Revolution (Festplattenrekorder) ohnehin schon nervösen US-Werbebranche ausgelöst. Nicht nur kann der moderne Fernsehzuschauer die Werbung eines Marketers überspringen. Unternehmen müssen sich ausserdem Sorgen darüber machen, dass ein Teil ihres Publikums geografisch nicht in der Nähe ist, wenn etwa für den lokalen Supermarkt und sein Sonderangebot von Frischgeflügel geworben wird.
Unklar ist auch, ob und wie schnell sich das Gerät auf dem Massenmarkt ausbreiten wird. «Ich glaube nicht, dass wir ähnliche Reichweiten sehen werden wie beim digitalen Videorecorder», urteilt Alex Halavais, Informatikprofessor an der Buffalo-Universität in New York.
Er verweist darauf, dass der Tivo und seine Brüder in bereits zwölf Prozent der US-Haushalte mit TV-Gerät stehen. «Solange die grossen Medienkonzerne zögern, diese Technologie anzubieten, wird sie sich nur schleppend verbreiten.» Andere Industriebeobachter sind ausserdem besorgt, dass die Slingbox illegalerweise Inhalte weiterverbreitet.
Dabei könnte die Slingbox den Marketern, wenn richtig genutzt, zu ungeahnten Erfolgen verhelfen. Sling Media unternimmt zum Beispiel diverse Anstrengungen, lokale Unternehmen von den Möglichkeiten zu überzeugen, die Kundschaft auch im Urlaub zu erreichen. Das Gerät kann ausserdem als Ersatzfernseher benutzt werden: Etwa wenn Vati im Wohnzimmer einen Spielfilm sehen will, können die Kids im Kinderzimmer noch immer ihre Cartoonsendungen am Computer einschalten.
Zusätzliche Services angepeiltKlar ist, dass das Potenzial, mit Marketern zusammenzuarbeiten, vorhanden ist. «Es muss auf die Dauer mehr sein, als nur eine Box zu verkaufen», sagt Lori Schwartz, Direktorin für neue Medien beim Kommunikationsunternehmen Interpublic Emerging Media Lab. «Die Möglichkeiten, zusätzliche Services anzubieten, sind da.»
Diese zusätzlichen Dienste könnten zum Beispiel so aussehen, dass der Zuschauer, wenn er eine gesponserte Show sieht, während des Sponsorenhinweises sofort zu detaillierten Infos der entsprechenden Marke weiter- klicken kann. Engagement ist das Ziel, damit sich die Kunden näher mit dem Produkt befassen. «Dadurch wird eine Zielgruppe künftig nicht mehr nur geografisch definiert, sondern nach den Verhaltensweisen der Konsumenten», sagt Schwartz. «Wir rücken allmählich weg von lokaler Werbung hin zu Nischenmärkten.» Ein Trend, den die Slingbox verstärkt.
Das Gerät hat sogar schon zwei Nachahmer gefunden: Sony brachte vor kurzem das «LocationFree TV» heraus, das es ermöglicht, Fernsehen mit Hilfe einer Playstation zu empfangen. Auch OrbNetworks hat eine ähnliche so genannte Place Shifting Software entwickelt. In der Kabelindustrie beginnt man bereits über ein eigenes Place-Shifting-Produkt nachzudenken. «Die Technologie bewegt sich bereits in Richtung Video on Demand», glaubt Halavais. «Die Slingbox ist nur ein Teil dieses Trends.»
«Mobile Kommunikation greift um sich»Brian Jaquet,
der Kommunikationsdirektor bei Sling Media, erklärt die Vorteile der Slingbox.WW: Sling Media hat gerade nach Grossbritannien expandiert. Glauben Sie, dass die Slingbox auch international erfolgreich sein kann?Brian Jaquet: Ja. Der Trend zur mobilen Kommunikation greift auf der ganzen Welt um sich. Bedenken Sie, dass man mit der Slingbox nicht nur Zugriff auf sein Fernsehprogramm zu Hause hat, sondern auch seinen Tivo dort anschliessen kann, sein Satellitenradio und sogar die Überwachungskameras im Eigenheim, sodass man vom Büro aus checken kann, was der Babysitter so anstellt. Unser System ist kompatibel mit über 5000 Video-Distributionsgeräten. WW: Ist es nicht schrecklich kompliziert, das alles technisch zu installieren?Jaquet: Nicht mehr, als es die Bedienung eines Videorecorders ist. Die Box hat In- und Output-Anschlüsse, da kann man alles anschliessen, einschliesslich der Breitband-Internetsettings zu Hause, sofern man einen Router hat. WW: Aber einen Mac kann man nicht anschliessen, sondern nur Microsoft-Produkte?Jaquet: Doch, wir haben gerade die erste Beta-Version für Apple-Geräte gelauncht.WW: Arbeiten Sie bereits mit Marketern zusammen?Jaquet: Nicht direkt, obwohl die Slingbox ein wunderbares Medium für Werbetreibende ist. Man kann damit auch im Urlaub seine lokalen Werbespots sehen, um die damit generierten Quoten werden auch von Nielsen erfasst.WW: Planen Sie auch den deutschsprachigen Markt zu erobern?Jaquet: Wir haben unseren Launch in Grossbritannien im Juni als Beginn unseres europäischen Engagements angekündigt, mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Aber wir haben damit nun auch die Möglichkeit, Fernsehen im PAL-Format zu empfangen, um es dann per Laptop weiterzuverbreiten. Gerti Schön

Ganz schön in der Klemme

Büromaterial Biella will sich als Innovationsmarke positionieren. Die Plattform dafür bilden ein neuartiger Klammhefter und zwei Trendsportler.

Büromaterial Biella will sich als Innovationsmarke positionieren. Die Plattform dafür bilden ein neuartiger Klammhefter und zwei Trendsportler.Digitalisierung und mobile Arbeitsplätze würden zum papierlosen Büro führen. Wie falsch die Prognosen waren, zeigt eine 2005 durchgeführte Befragung des Zürcher Forschungsinstituts GfS bei über 600 Schweizer Firmen. Bei diesen ist der Papierverbrauch in den vergangenen Jahren sogar um gut 20 Prozent angestiegen. Zugleich stieg mit den sich ändernden Jobprofilen und der Effizienzsteigerung die Nachfrage nach einfachen, aber schönen Ordnungstools, die temporäres Ablegen, schnelles Wiederfinden und professionelles Präsentieren ermöglichen.
Auf die neuen Bedürfnisse hat Biella mit der Produktlinie «designed for the mobile office» reagiert. Stellvertretend für die moderne Produktpalette steht der patentierte Klammhefter «Backflip», der mit dem iF-Product-Design-Award ausgezeichnet wurde. Für die Lancierung der Linie fiel die Wahl auf ihn, weist er doch das grösste Differenzierungs- und Image-belebende Potenzial auf.
«Mappen und Ablagesysteme werden vom Konsumenten meist nicht gezielt gekauft und nachgefragt», bringt Biella-Geschäftsführer Stefan Bigler den Markt des Büromaterials auf den Punkt. Entsprechend schwierig sei es, neu entwickelte Artikel bei potenziellen Nutzern bekannt zu machen.
Da das Zielpublikum kaum zur Laufkundschaft einer Papeterie gehört, muss sie über andere Kanäle angesprochen werden. «Wie, wo und mit welchen Massnahmen lassen sich in einem übersättigten Markt Produkte bewerben, die auf den ersten Blick wenig spektakulär erscheinen?», lautete deshalb die Herausforderung für Stefan Bigler und das beauftragte Team der Berner Polyconsult vor der Markteinführung.
Obschon das Produkt einem breiten Konsumentenspektrum gute Dienste leisten kann, fokussierten die Verantwortlichen ihre Massnahmen in der ersten Phase auf die werbeattraktive Zielgruppe der Schüler und Studenten.
Als kreativer Aufhänger der Kampagne dient der tatsächliche Backflip (Rückwärtssalto) eines Sportlers, der in einem gewagten Sturz abrupt endet. Wie die bekannten Ovomaltine-Spots nutzt Biella die Zugkraft der Trendsportarten Snowboard und BMX für die Umsetzung des Key Visual. Im Falle Biella kann man es nicht länger, sondern, so die Botschaft, auf Anhieb: «Biella bringt den Backflip für jedermann.»
Im Vorfeld der Kampagne hatten bereits breit angelegte VF-Massnahmen die Wiederverkäufer vorbereitet und die Aufmerksamkeit der Kundschaft geweckt. In der klassischen Werbung realisierte Biella mit Polyconsult zwei Spots, die eine sinnbildliche Brücke schlagen zwischen den Sportlern und der Funktionsweise des Klemmhefters – beide in Aktion. Nach der ersten Welle, die E-Board-Spots, Cards for free und Plakate umfasst, folgt im Herbst die Verlagerung der Massnahmen an den POS und voraussichtlich auf Post-TV.  
 
Luca Aloisi

Lebrument: Spiegel für die Medienbranche

Der Präsident des Verbandes der Schweizer Presse und Verleger der Südostschweiz kommentiert in der Handelszeitung die Megatrends der Medienwirtschaft.


Der Präsident des Verbandes der Schweizer Presse und Verleger der Südostschweiz kommentiert in der Handelszeitung die Megatrends der Medienwirtschaft. Zuerst zu den Zahlen: Werber und Haushalte haben im letzten Jahr 14,5 Mrd. Franken in die Medien investiert. Davon stammen 10,3 Mrd. aus den Haushalten, die restlichen 4,2 Mrd. aus der Werbung. Seit 2000 ist der Anteil der Werbewirtschaft kontinuierlich gesunken, insgesamt 15 Prozent. Die Schweizer Familien hingegen, haben letztes Jahr rund 300 Mio. mehr aus als im Vorjahr (siehe
«Verband Schweizer Presse veröffentlicht Studie über Medienausgaben»).Solche Werte werden erst seit 2004 erhoben. Hanspeter Lebrument gibt in der aktuellen Handelszeitung zu Bedenken, dass sich nun frühere Versäumnisse rächten. Immer sei von Pressesterben die Rede gewesen, aber nie wurde analysiert. Die Medienwirtschaft habe es lang für unnötig erachtet, Bewertungen und Analysen zu erstellen.
Jetzt aber schaffen die Zahlen aus den Studien des Verbandes der Schweizer Presse und der Stiftung Schweizerische Werbestatistik Fakten. Ein Megatrend, der sich aus allen Statistiken ableiten lasse, sei eine Verlagerung der Investitionen, schreibt Lebrument. Investiert wird heute nicht mehr in den Inhalt – weder auf Konsumenten- noch auf der Businessseite. Haushalte wie Wirtschaft geben ihr Geld lieber für den elektronischen Zugang (Access) zu den Medien und Hardware aus.
Das heisst für Lebrument nicht, dass die Leute Qualität nicht mehr schätzen – die privaten Haushalte haben dem gedruckten Wort durchaus die Treue gehalten. Will die Medienbranche weiter wachsen, so das Resumé des Verbandspräsidenten, muss sie sich in ihrem Kerngeschäft, dem Inhalt, Änderungen schaffen. Besonders die traditionellen Häuser müssen sich sputen, denn die Lieferanten von Access und Hardware haben sich längst auch im Content-Geschäft breit gemacht.   

Der Kuchen wird nicht grösser

René Worni über Schönrednerei rund um die Veränderungen durch die Radio- und Fernsehverordnung und das neue RTV-Gesetz.

René Worni über Schönrednerei.In England ist die öffentlich-rechtliche BBC werbefrei, die Privaten dagegen dürfen alles. Das britische Modell ist das Lehrstück schlechthin, wenn es um die Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Medien geht. Hier zu Lande taugt das Modell allerdings nichts. Allein mit Gebühren finanziert, gäbe es in der Romandie und im Tessin zwar öffentliches Radio, jedoch kein öffentliches Fernsehen. Zu kostspielig. Wer dies in Frage stellt, der müsste sich auch daran stossen, dass die Beförderung eines Briefes von Zürich ins Calancatal gleich viel kostet wie selbige nach Schlieren oder Wollishofen. Das ist nichts weiter als Service public.
Die Veränderungen durch die Radio- und Fernsehverordnung und das neue RTV-Gesetz sind demnach keine grundlegenden.
Am meisten bekommen es die Fans von gewissen SF-Unterhaltungssendungen zu spüren. So etwa, wenn die Schoggisoap «Lüthi und Blanc» nach 250 Folgen ohne Nachfolgeserie aus dem Programm verschwindet. Offenbar könnte SF durchaus eine Nachfolge lancieren, wenn die SRG künftig nicht auf Einnahmen aus dem intern so genannten «Requisiten-Placement» verzichten müsste.
Das Verschwinden weiterer Sendungen wie zum Beispiel der Kochsendung «al dente» sind denkbar. Da wüsste das Gebühren zahlende, aber ratlose Publikum bestimmt gerne mehr über Höhe und Bedeutung dieser Einnahmen, sei es nur, um verstehen zu können, warum seine Lieblingssendung aus dem Programm verschwindet.
Wenn der Bundesrat von asymmetrischer Finanzierung der Medien spricht, die Kommerzialisierung von Programminhalten der nationalen Sendeanstalten bremsen und die Bestimmungen für die Privaten liberalisieren will, so grenzt das an Schönrednerei. Er tut so, als bekämen  die Privaten mit der Liberalisierung im engen Schweizer Markt eine sichere ökonomische Grundlage.
Doch man nimmt der SRG lediglich etwas Gebühren und Werbung weg, verbietet ihr Unterbrecherwerbung und Product Placement. Andererseits wird der Kuchen für die Privaten nicht wesentlich grösser.
René Worni

Ruoss verkauft doch nichts

Nachfolgeregelung Radio Sunshines Zukunft ist weiter offen.

Nachfolgeregelung Radio Sunshines Zukunft ist weiter offen.Die Besitzverhältnisse bei Radio Sunshine bleiben, wie sie sind. «Ich habe für mich die Angelegenheit ‹Nachfolge› für längere Zeit ad acta gelegt», schreibt Mehrheitsaktionär Markus Ruoss der Werbewoche. Es habe sich weder «die richtige ‹strategische› Partnerschaft ergeben», noch sei ihm ein gutes Kaufangebot unterbreitet worden. Ruoss bedauert beides. «Es wäre schön gewesen, eine langfristig gute Einbindung zu finden», schreibt er.Ruoss hatte sich Ende 2003 per Brief auf Käufer- beziehungsweise Partnersuche gemacht. Dabei betonte er immer, dass Sunshine nicht unter Druck stehe. «2005 hatten wir das beste Ergebnis seit etwa acht Jahren!», hebt er auch jetzt wieder hervor. Gut ein Dutzend Kauf- oder Kooperationsangebote, darunter eines von der LZ Medien, gingen ein, doch die meisten sagte er bald ab. Drei sistierte er bis zur definitiven Ausgestaltung des RTVG. Nun hat er auch diese ausgeschlagen.
Markus Knöpfli

Games setzen auf Angriff

Videospiele Die Gamebranche befindet sich im Umbruch. An der Schwelle zum nächsten Hardwarezyklus gilt es, neue Marktanteile zu erobern.

Videospiele Die Gamebranche befindet sich im Umbruch. An der Schwelle zum nächsten Hardwarezyklus gilt es, neue Marktanteile zu erobern.Wer durch die einschlägigen Videospielmagazine blättert, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie oft kann man noch Krieg führen? Seite für Seite schlagen sich Trolls und Elfen die Schädel ein, mähen Maschinengewehre Nazi-Schergen nieder, und in verschiedenen futuristischen Szenarien kämpft die Menschheit schlicht ums Überleben. Die Videospielindustrie scheint die Vorurteile, die weit herum gegen sie bestehen, selber zu zementieren. Gefragt, reagieren die Vertreter der interaktiven Unterhaltungsbranche bisweilen mit einem etwas ratlosen Schulterzucken und der Bemerkung: «Der Markt will das so.» Der Markt. Seit einigen Jahren hat der globale Umsatz mit Videospielen und der dazugehörenden Hardware die Einspielergebnisse Hollywoods an den Kinokassen hinter sich gelassen. Im vergangenen Jahr waren dies 29,14 Milliarden Dollar (+8%), während die US-Filmstudios sich gemäss der Motion Picture Association of America mit 23,24 Mrd. Dollar (– 7,9%) begnügen mussten. Der Schweizer Markt weist den gleichen Trend auf: Die Kinobranche erwirtschaftete 2005 222 Mio. Franken (–12,5% gegenüber 2004), der gesamte Videogamemarkt wuchs auf 271 Mio. Franken (+4%) an.
Durststrecke einberechnetDer Grund für das derzeitige Aufrüsten mit martialischen Inhalten ist ein altbekannter und wenig geliebter: Die Videospielbranche befindet sich in einer Übergangsphase. Die aktuelle Konsolengeneration hat zwar nicht ausgedient, aber die nächste ist entweder schon da (Xbox 360) oder steht in den Startlöchern: Nintendo Wii wird im Herbst erwartet, Sonys Hightech-Bolide Playstation 3 am 17. November.
In dieser schwierigen Zeit, in der die Umsätze ins Schlingern geraten und die Börsenkurse einbrechen, weil die Videogamer kein Geld in «veraltete» Hardware investieren und deshalb kaum Käufe tätigen, gilt es das Terrain frisch zu besetzen.
Dabei geraten die Hardcore-Gamer ins Visier, diejenigen Spieler, die weit mehr pro Woche zocken als TV glotzen. Nach ihrem Geschmack richtet sich die erste Welle von Titeln: «Hast du ‹Gears of War› schon gesehen», fragte prompt ein Besucher der Electronic Entertainment Expo E3 in Los Angeles, der grössten Videospiel-Show der Welt, seinen Kollegen und ergänzte gleich: «Wenn du noch keine Xbox 360 hast, dann kaufst du dir spätestens eine, wenn du diesen Hammer angespielt hast.»
Besagter Egoshooter zählt zur garstigeren Sorte, aber wartet mit grafischem Raffinement der Superlative just am gleichen Tag auf, an dem die Playstation 3 auf den Markt kommt.
Heikle PreispositionierungDoch wenn die Granatsplitter der ersten Scharmützel um die Gamergunst verflogen sind, gilt es das Blickfeld zu erweitern und zu fragen: Welche Plattform bringt was mit sich? War diese Frage in der Vergangenheit auch in Transitionsphasen vergleichsweise einfach zu beantworten, zeigen sich 2006 verschiedene Unbekannte.
Mit einem weltweiten Marktanteil von rund 70 Prozent ist Sony noch unbestrittener Marktführer. Ihre Playstation 2 wurde über 100 Millionen Mal verkauft, entsprechend stark ist die Anbindung von unabhängigen Spieleproduzenten wie Electronic Arts, Ubisoft oder Konami (dazu mehr nächste Woche in: Die Player der Videogame-Branche). Als Sony im Mai die Preise des Nachfolgemodells Playstation 3 mit 749 Franken (20 Gigabyte Harddisk) beziehungsweise 899 Franken (60 GB-HD) bekannt gab, ging ein Krachen durchs Gebälk.
Nach der Verschiebung der Markteinführung der Hardware sorgte der japanische Konzern mit einer neuen Preishöchstmarke für Negativschlagzeilen. Sicherlich steckt mit einem Blue-ray-Player, High-Definition-Tauglichkeit und der brandneuen Cell-Chiptechnologie eine Menge Hightech in der Kiste, aber schon jetzt stimmen viele das Liedchen an: «Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld?»
In ihrer Marktanalyse kommt das US-Forschungsinstitut DFC Intelligence zum Schluss, dass der hohe Preis der PS3 zu einer Verlangsamung des Industriewachstums führen wird und Sony in Sachen verkaufte Hardware-Einheiten hinter Microsoft und Nintendo zu liegen kommen könnte. Mit dieser Einschätzung steht DFC nicht allein. Auch Gerhard Florin, General Manager International Publishing von Electronic Arts, sagte gegenüber der Werbewoche: «Auch Nintendo hatte mal einen Marktanteil von 80 Prozent.» Heute liegt er bei rund 10 Prozent.
Wenn zwei sich streiten …Während dem Platzhirsch das Röhren wohl bald vergeht, hat Microsoft – um beim Bild zu bleiben – die Hörner mit der Xbox erfolgreich abgestossen und trumpft seit bald einem Jahr selbstsicher mit der Xbox 360 auf. Dieser zeitliche Vorsprung bedeutet nicht nur verkaufte Einheiten – gemäss Bill Gates persönlich sollen es heuer zehn Millionen Stück werden. Auf der Programmationsebene kommt zum Start der Konkurrenz bereits die zweite Generation Spiele auf den Markt, die insbesondere visuell noch stärker ausfallen wird. Darüber hinaus ist auch eine Preiskorrektur von Seiten des US-Softwareriesen zu erwarten, aktuell kostet die Xbox 360 mit 20 Giga-HD 579 Franken.
Bekanntlich freut sich der Dritte, wenn zwei sich streiten. Dieser heisst Nintendo und schert sich einen Deut um die Hightech-Huberei der beiden anderen Konsolenanbieter. Mit ihrer Next-Generation-Hardware, eigenwillig Wii genannt, setzen sie weder auf High-Definition-Auflösung noch auf ein kommendes Trägerformat wie Blue-ray oder HD-DVD. Dafür sei es zu früh, meinen die Mannen hinter Super Mario und Co. Stattdessen soll das Feeling im Vordergrund stehen, und dafür haben sie eigens eine neuartige Steuerung entwickelt, die mit den bisherigen sehr wenig gemein hat.
In Anbetracht dieser unstabilen Ausgangslage sind turbulente Kämpfe um Marktanteile zu erwarten, aus denen Sony durchaus als Verlierer hervorgehen kann. Das mag niemand verschreien, zu sehr ist die Videospielindustrie und nicht zuletzt Sony selber vom Erfolg der Playstation 3 abhängig.
Sollte diese nicht der gewünschte Hit werden, sieht es auch für das Blue-ray-Format und damit generell für die Zukunft des japanischen Unterhaltungselektronikkonzerns schlecht aus – oder wie Chris Reeves, Chef von Sony Computer Entertainment Europa, im Gespräch mit der Werbewoche zweckoptimistisch meinte: «Die PS3 spielt eine entscheidende Rolle. Es besteht ein Erwartungsdruck, aber wir werden Erfolg haben.»   
Marc Bodmer

Wie viel Werbung darfs denn sein?

Fernsehen Kein Product Placement, keine Unterbrecherwerbung mehr für die SRG: Das steht im Entwurf der Radio- und Fernsehverordnung. Das Schweizer Fernsehen sieht die hauseigene Soap-Produktion gefährdet.

Fernsehen Kein Product Placement, keine Unterbrecherwerbung mehr für die SRG: Das steht im Entwurf der Radio- und Fernsehverordnung. Das Schweizer Fernsehen sieht die hauseigene Soap-Produktion gefährdet.Ende dieser Woche läuft die Anhörungsfrist für die Verordnung zum neuen Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) ab, das voraussichtlich im Frühjahr 2007 in Kraft treten wird. Die Verordnung regelt die Details zum Gesetz, das vom Parlament im März verabschiedet wurde. Für Diskussionsstoff sorgte bislang vor allem das Gebührensplitting. Doch auch in einem anderen Bereich enthält der Entwurf der Radio- und Fernsehverordnung (RTVV) Zündstoff: Er schränkt die Werbemöglichkeiten in den Fernsehprogrammen der SRG SSR ein.«Kommerzialisierung eindämmen»Schon im Gesetzgebungsverfahren beabsichtigte der Bundesrat, eine möglichst liberale Regelung für die privaten Radio- und Fernsehveranstalter zu finden. Anders sieht es für die gebührenfinanzierte Veranstalterin aus: Der Verordnungsentwurf geht weiter als die heute geltenden Beschränkungen. Er verbietet der SRG Unterbrecherwerbung in Spielfilmen und untersagt ihr grundsätzlich jede Form von Product Placement.
«Damit soll die Kommerzialisierung von Programminhalten eingedämmt werden», schreibt das Bundesamt für Kommunikation in seinen Erläuterungen zur RTVV. Explizit verboten ist im Entwurf überdies erstmals auch Werbung in den Internetauftritten der SRG.
Zwar sind im RTVV-Entwurf einzelne Ausnahmen definiert, so für die Übertragung von Sportanlässen oder die Sponsoren von Wettbewerbspreisen, die nach wie vor genannt werden dürfen. Doch insgesamt wird die SRG Einnahmeneinbussen hinnehmen müssen, wenn die Verordnung so in Kraft träte, wie der Entwurf vorliegt.
Betroffen sind Sendegefässe, in denen aus Product Placement Einnahmen generiert werden: beim Schweizer Fernsehen (SF) namentlich die Soap «Lüthi und Blanc» und eigenproduzierte Fernsehfilme. Von den Werbebeschränkungen nicht betroffen ist dagegen PresseTV, das für seine Sendungen auf SF 2 eine eigene Konzession hat und künftig von den liberalen Regeln für Private profitieren wird.
SF-Soap gefährdetSolange die Anhörungsfrist noch läuft, will die SRG gemäss Max Gurtner, Leiter Unternehmenskommunikation, dazu offiziell keine Stellung nehmen. SF-Direktorin Ingrid Deltenre hat jedoch bereits Ende Juni gesagt, dass die «finanziellen Rahmenbedingungen» darüber entscheiden werden, ob es für die Schoggisoap «Lüthi und Blanc» eine Nachfolgeserie geben wird, wenn diese nach über 250 Folgen im kommenden Jahr eingestellt wird. Dass Deltenre damit die rechtlichen Rahmenbedingungen für Product Placement gemeint hat, lässt sich unschwer erraten.
 
Das bestätigt SF-Pressechef Urs Durrer: «Natürlich hätte ein Verbot des Requisitenplacement Auswirkungen aufs Programm von SF. Es ist wahrscheinlich, dass wir auf einzelne Sendungen verzichten müssten.» Am stärksten betroffen wäre wohl die einheimische Produktion fiktionaler Serien und Filme. Ob auch Unterhaltungssendungen tangiert sind, ist vorderhand unklar. Das Kochquiz «Al dente», das eng mit der Marke Betty Bossi verknüpft ist, soll auch im kommenden Jahr im Programm bleiben. Änderungen am Montagabendprogramm hat SF keine vorgesehen. Zudem expandiert die Show, die von RingierTV im Auftrag von SF hergestellt wird, munter in die Westschweiz. Ab Ende August läuft sie auch auf TSR.
MillioneneinbussenSRG-Generaldirektor Armin Walpen liess sich in den letzten Tagen ebenfalls inoffiziell vernehmen: In einem Positionspapier, das an ausgewählte Medien verschickt wurde und das laut Gurtner nicht die offizielle Stellungnahme der SRG sei, rechnet Walpen mit Einbussen von 8 bis 11 Mio. Franken, wenn Unterbrecherwerbung und Product Placement untersagt würden. Hinter vorgehaltener Hand heisst es im Fernsehstudio Leutschenbach denn auch, dass andernorts im Programm gespart werden müsste, wenn die vom Product-Placement-Verbot betroffenen Sendungen weiterhin im Programm bleiben sollen.
Angesichts dieser Ausgangslage darf man wohl damit rechnen, dass sich die SRG in ihrer Stellungnahme zum RTVV-Entwurf gegen das Verbot von Product Placement in ihren Programmen äussern wird. Neben den finanziellen Einbussen drängt sich schliesslich noch ein weiteres Argument auf: Product Placement ist eine international weit verbreitete Praxis. Entsprechend wären in ausländischen Film- und Fernsehproduktionen, die die SRG einkauft, auch weiterhin platzierte Produkte zu sehen. Verbieten kann der Gesetzgeber Product Placement nämlich nur, wenn die SRG vom Auftraggeber eine geldwerte Gegenleistung erhält.
Keine TV-Gebühren für FirmenWer ein empfangsbereites Radio- oder TV-Gerät besitzt,
muss Gebühren zahlen. So will es der Gesetzgeber. Der Entwurf der RTVV klärt nun erstmals die Frage, wann der Empfang von Radio- und Fernsehprogrammen am Computer gebührenpflichtig ist. Für viele Unternehmen könnte dies theoretisch happige Gebühren bedeuten. Explizit hält der RTVV-Entwurf fest, dass für multifunktionale Geräte – wie PCs – Gebühren bezahlt werden müssen, wenn sie «hinsichtlich Vielfalt des empfangbaren Programmangebots und Empfangsqualität gleichwertig» sind wie herkömmliche Geräte. Im Klartext: Die meisten Firmen werden bezüglich Fernsehgebühren wohl ungeschoren davonkommen. Noch kann ein PC ohne Zusatzausrüstung einen Fernseher nicht ersetzen. Wer jedoch via Internet-Streaming Hintergrundmusik im Büro hört, muss den PC als Radioempfänger künftig anmelden.

Adrian Schärr

Territorien besetzen

Editorial Die Sommerpause ist vorbei, und die Werbewoche startet mit einer prallen Ausgabe in das zweite Halbjahr.

Editorial Die Sommerpause ist vorbei, und die Werbewoche startet mit einer prallen Ausgabe in das zweite Halbjahr. Der Videogamemarkt boomt. Weltweit wurden 2005 29 Milliarden Dollar mit Videospielen umgesetzt, das sind beinahe 6 Milliarden mehr als die Einspielergebnisse der grossen US-Filmstudios an den Kinokassen. Die neue Hightech-Konsolengeneration ist schon da (Microsoft) oder kommt im Herbst auf den Markt (Sony und Nintendo). Wir beginnen mit einer Serie über Videogames, die in den nächsten beiden Nummern fortgesetzt werden wird.Die friedlichen und  paradiesischen Zeiten im Wirtschaftsgebiet 31 gehören endgültig der Vergangenheit an. Als bekannt wurde, dass die Basellandschaftliche Zeitung mit der Mitteland Zeitung kooperieren wird, war dies für den Basler Zeitungsverleger Matthias Hagemann ein Schlag ins Gesicht. Die BaZ startet nun eine Grossoffensive. Die Lokalberichterstattung wird massiv ausgebaut, und die neue Grossauflage wird primär dort gestreut, wo die Basellandschaftliche Zeitung besonders stark ist. Mehr dazu finden Sie hier. Unsere USA-Korrespondentin stellt ein neues Wundergerät vor, das in den Staaten zu heftigen Diskussionen Anlass gibt und jetzt mit England auch den europäischen Markt im Visier hat. Die Slingbox ermöglicht mit wenig Aufwand das lokale Fernsehprogramm via Internet überallhin mitzunehmen.Grégoire Schnegg, Generaldirektor von Pathé Suisse, ist unser Interviewpartner im Wocheninterview. Darin äussert sich der Einzelkämpfer unter anderem zu den aktuellen Konzentrationstendenzen in der Kinobranche und zum Cinecom-Monopol.
Pierre C. Meier, Chefredaktor

Weidmanns Heil!

Aufgefallen Marc Bodmer über Hollywoods Lockstoffmaschinerie, die getrost auf den voyeuristischen Urinstinkt des die Schulbank drückenden Männchens setzen kann.

Kino Oh, welch erhebender Anblick. Da frohlockt das urbane Jägerherz und stimmt an zum Halali: «Feuer frei aufs Arschgeweih!» Zwar behaupten schnöde Fährtenleser des Trendgeschäfts, dass solcherlei Tätowierungen der Ausrottung entgegentrotten und subkutanen Implantaten aus chirurgischem Stahl und anderem mehr Platz machen sollen. Doch bis solch metropoler Darwinismus sich durchsetzt, kann Hollywoods Lockstoffmaschinerie immer noch getrost auf den voyeuristischen Urinstinkt des die Schulbank drückenden Männchens und dessen ältere Artgenossen, die studiosi odiosi (hassenswerte Studenten), setzen und attraktive Luder (jedes tote Tier, mit dem man Raubwild und Raubzeug anlocken möchte) auslegen.
«John Tucker Must Die», eine 08/15 – damit ist nicht ein Kaliber gemeint – Teenie-Komödie gibt den Platzhirsch eines College, besagten Tucker, zum Abschuss frei, weil er verschiedenen rehäugigen Überläuferinnen (Halbwüchsige) parallel ans Feuchtblatt (weibliches Geschlechtsteil) will. Rache ist Blutwurst, heisst es fortan, und die Gehörnten lassen verschiedene Fallen springen, in die der Bock meist blind latscht, sich aber mit aalglatter Routine wieder herauswindet.
Doch hier geht es nicht um Inhalte, sondern Form, und da spricht der hollywoodsche Lockstoff nicht nur Zukunftsböcke an. In diesem Sinne: «Weidmanns Dank.»
Marc Bodmer

Das Kinobusiness spielt Hardcore in eigener Sache

Kino Von der Öffentlichkeit kaum beachtet, mauserte sich Pathé Suisse innert sechs Jahren von einer Einmannfirma zur grössten Schweizer Kinokette.

Kino Von der Öffentlichkeit kaum beachtet, mauserte sich Pathé Suisse innert sechs Jahren von einer Einmannfirma zur grössten Schweizer Kinokette.Als sich 2000 die australische Kinokette Village Roadshow aus der Schweiz zurückzog und das hier zu Lande grösste Multiplexkino Balexert in Genf (13 Säle, 2900 Plätze) an die eben gegründete Firma Pathé Suisse verkaufte, zollte dem kaum jemand Beachtung. Pathé Suisse, ein Ableger des französischen Kinobetreibers Pathé, und sein Generaldirektor Grégoire Schnegg wurden von einer breiteren Öffentlichkeit erst 2004 wahrgenommen, als der Kinobetreiber sein zweites Multiplex in Zürich-Dietlikon (10 Säle, 2500 Plätze) eröffnete und damit punkto Sitzplatzangebot zum drittgrössten Player in der Branche wurde – nach Kitag und Europlex. Doch als Pathé im Mai 2006 die Übernahme von Europlex ankündigte, nahm man wiederum kaum davon Notiz.
Eigentlich erstaunlich, denn Pathé avanciert gemessen an Sitzplätzen und Besuchermarktanteilen zum grössten Schweizer Kinobetreiber – und dies, nur kurz nachdem die bisherige Marktleaderin Kitag 2005 die Dietrich-Gruppe mit dem Zürcher Multiplex Cinemax/ Abaton (12 Säle, 2350 Plätze) übernommen und ihren Vorsprung kräftig ausgebaut hatte.
Powerplay in der RomandieDank der Europlex-Übernahme hat Pathé mit dem Flon in Lausanne ein drittes Multiplex (7 Säle, 1900 Plätze), dazu drei so genannte Multisalles in Genf und Lausanne. Multisalles sind Grosskinos mit drei bis acht Sälen, jedoch ohne integrierte Einkaufsläden oder Restaurationsbetriebe wie bei den Multiplex. Pathé übernimmt ferner drei Europlex-Einzelkinos, wird diese aber bald- möglichst abstossen, weil sich die Firma auf Grosskinos konzentriert.
Schon im Oktober eröffnet Pathé sein viertes Multiplex mit 8 Sälen und 2400 Sitzplätzen in der Basler Vergnügungsmeile Steinenvorstadt. Dort wird Grégoire Schnegg zudem mit zwei benachbarten Kinobetreibern eine Partnerschaft eingehen, sodass am Rheinknie schliesslich elf Säle programmlich aufeinander abgestimmt werden können.
Ab Herbst wird Pathé somit in vier Schlüsselstädten präsent sein, wobei die Firma in Genf und Lausanne je auf Marktanteile von 70 bis 80 Prozent kommt und in Basel rund 50 Prozent erreichen dürfte. Grégoire Schnegg schaut durchaus mit Stolz auf die letzten sechs Jahre zurück: «2000 startete ich ganz allein, mittlerweile haben wir bald vier Multiplexkinos, 300 Mitarbeiter und gut 50 Millionen Franken Umsatz», sagt er.
Es wird nun spannend sein zu sehen, wie Pathé seine neue Rolle als Marktleader und wichtigster Multiplexbetreiber spielen wird. So ist das Rennen zwischen Kitag und Pathé um den Zuschlag bei zahlreichen weiteren Schweizer Multiplexprojekten bereits im Gang. Als Marktleader hat Pathé zudem in den Verhandlungen mit der Kinowerbevermarkterin Cinecom ein ganz anderes Gewicht, da der Kinobetreiber jederzeit einem neuen Vermarkter die Türen öffnen könnte.
In Frankreich zum Beispiel kooperiert Pathé mit dem Vermarkter Mediavision. Dieser hatte von 1999 bis 2004 hier zu Lande schon einmal ein Gastspiel in der Romandie, konnte jedoch in der Deutschschweiz nicht Fuss fassen und musste aufgeben.
Basel als PrüfsteinSeither hält Cinecom wieder das Kinovermarktungsmonopol, das jedoch wegen der Unzufriedenheit einiger kleiner Kinobetreiber erste Risse aufweist (WW 27/06). Um diese nicht grösser werden zu lassen, wird Cinecom künftig vorsichtiger agieren müssen. Insbesondere mit Pathé, denn der Marktleader könnte einem möglichen Cinecom-Konkurrenten den Zugang sowohl in die Deutsch- als auch in die Westschweiz verschaffen. Die Verhandlungen mit Pathé um die Multiplexpacht in Basel bilden deshalb für die PubliGroupe-Tochter den ersten Prüfstein.
Nummer 1 EuropasPathé ist eine Tochter der französischen Europalaces,
der grössten Kinobetreiberin Europas. Diese entstand 2001 aus der Fusion von Pathé und Gaumont, den zwei wichtigsten und traditionsreichsten Kinoketten Frankreichs. Die Europalaces-Gruppe, die über 780 Kinos in Frankreich, den Niederlanden, Italien und der Schweiz besitzt, generiert heute rund 700 Millionen Euro Umsatz. Markus Knöpfli
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