Inserateproduktion Eine XML-basierte Technologie schickt sich an, die Inserateplanung und -verwaltung zu revolutionieren.In der Werbewoche, Ausgabe 11/2006, wurden die vielfältigen Anwendungs- szenarien der Standard- Metasprache XML (Extensible Markup Language) vorgestellt. Von der Betrachtung ausgenommen waren die branchenspezifischen XML-Vokabulare JDF (dazu mehr in einer späteren Ausgabe) und AdsML, deren Potenzial zur Kosteneinsparung und zur Produktionsvernetzung zwischen Agenturen und grafischen Dienstleistern jeweils einen eigenen Beitrag verdienen. Die im März behandelten Anwendungen spiegelten einen Grossteil der universellen Nutzbarkeit von XML wider (siehe Kasten). Neben diesen Anwendungen wurden speziell für die interne Vernetzung der Druckindustrie und deren externe Vernetzung mit Agenturen weitere XML-Vokabulare geschaffen, allen voran das auftragsbeschreibende Format JDF und die Anzeigen-Markierungssprache AdsML. Sie sollen Fehler in der Kommunikation vermeiden und zur sicheren, effizienten und weitgehend automatischen Abwicklung von Druck- und Cross-Media-Aufträgen beitragen.
Da die stärker denn je involvierten Agenturen sich immer mehr Premedia-/Prepress-Kompetenz aneignen und fertige Seiten an die Druckereien liefern können, besteht ein ernsthaftes Interesse an einer zeitsparenden oder sogar Echtzeit-Zusammenarbeit zwischen Agenturen und Druck- und Mediendienstleistern. Hinzu kommt die möglichst aufwandarme, ebenfalls automatisierbare Abwicklung profaner Business-Prozesse.
AdsML: Anzeigenabwicklung zwischen Agentur und VerlagenDas XML-Vokabular AdsML (Advertising Markup Language) bietet ein international standardisiertes Framework. Dieses Gerüst gliedert einerseits den Workflow in technische und kaufmännische Prozesse, andererseits können daran bisherige, weniger umfassend wirksame Standard-Werkzeuge «andocken».
AdsML erleichtert somit den Einsatz dreier Werkzeuge, mit denen Werbung beinhaltende Daten durch alle Stadien der Bearbeitung bei Anzeigenkunden, Werbeagenturen, Grafikdesignern, Reprohäusern und Verlagen ausgetauscht werden können. Bei den Werbedaten handelt es sich in erster Linie bzw. anfänglich um Zeitungs- und Zeitschriftenanzeigen. Die Werkzeuge sind:
adConnexion (eine XML-basierte Alternative zum XML-fremden Standard Edifra), das die Prozesse der kaufmännischen Auftragsabwicklung (Booking) und der digitalen Anzeigengestaltung und -platzierung (Artwork) vereinigt – unabhängig von der jeweiligen Datenbank- und Anzeigensystemlösung im Verlag;
SpaceML (Specifications for Publisher & Agency Communications Exchange Markup Language) für das Senden von Seiten mit freiem Anzeigenraum (Ad Space) und dessen Bestätigen und Abrechnung bei einer Buchung;Crest (Classified Advertising Remote Markup and Transmission) für das Übernehmen und Platzieren von Fliessanzeigen, d. h. fortlaufenden Kleinanzeigen.Diese Werkzeuge, die auch für sich allein ohne das AdsML-Framework verwendet werden können, überlagern sich bei der Aufbereitung mit einigen AdsML-Prozessen, hauptsächlich ergänzen sie sich aber untereinander (siehe Kasten AdsML-Prozesse).Erst im Herbst 2004 veröffentlicht, ist AdsML noch sehr spärlich verbreitet, vorerst vor allem in Pilotprojekten. In der Schweiz ist es noch nicht implementiert, aber das Interesse ist vorhanden. Im über 60 Mitglieder umfassenden AdsML-Konsortium sind denn auch drei Schweizer Unternehmen vertreten: der in Baden ansässige Automationsspezialist ABB Schweiz AG, das Zürcher Verlagshaus Ringier AG und der Schlieremer Druckdaten-Netzwerkbetreiber PrintOnline AG.
Zeitungen und Zeitschriften erst der AnfangAdsML ist damit zum einen eine technische Angelegenheit. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass die verwendete Markierungssprache samt Framework nur Mittel zum Zweck ist.
Die Beteiligung der oben genannten Schweizer Unternehmen könnte glauben machen, dass sich AdsML vor allem auf die gedruckten Medien konzentriert. Dem ist nicht so. So soll mit AdsML zukünftig in sämtlichen Medien Werbung gebucht werden können. Zeitschriften und Zeitungen bilden dabei den Anfang, und hier sind bereits wie erwähnt erste Spezifikationen realisiert.
Darüber hinaus sollen mit AdsML dereinst auch die Verwaltung und Steuerung von Werbung auf Medien wie Radio, Fernsehen und Internet, aber auch auf Endgeräten wie Handys und PDA adressiert werden können (siehe Kasten «AdsML-basierte Werbung»). Ebenso soll sich mit der auf dem AdsML Framework genannten Basistechnologie zukünftig auch Werbefläche auf Anzeigetafeln und Plakatstellen buchen lassen.
Es lohnt sich daher auf alle Fälle nicht nur, aber auch für Werbeagenturen, sich mit dem XML-Dialekt AdsML zu befassen.
Dieter Kleeberg
XML: Zaubern in der AnzeigenabwicklungDie Rolle von XML
in neuartigen Produktionsszenarien und Geschäftsmodellen ist sehr vielfältig. Neben der im Text beschriebenen Anzeigenabwicklung ist mit XML folgendes möglich:Strukturieren und Indizieren von Layout- und Web-Dateien, z. B. für die Überwachung der Inhalte auf Vollständigkeit oder für die korrekte Wiedergabe in den verschiedensten Print- und E-Medien;
Anlegen und Verwalten von Content-Management-Systemen unter geeigneten Datenbank-Abfragesprachen;datenbankgestütztes, zielgruppenorientiertes und individualisiertes Publizieren, u. a. mit Hilfe des digitalen Drucks variabler Daten und des automatischen mehrsprachigen Versionierens («Roundtripping») bis hin zur Integration von Warenwirtschaftssystemen in die Katalogproduktion;Layouten von immer gleich strukturiertem Text durch Re-Import anstelle des Zuweisens von Stilvorlagen;Erstellen und Versionieren interaktiver SVG-Grafiken;Erstellen von PDF-Formularen samt automatischer Übernahme der Online-Formulareinträge;automatisches Übernehmen strukturierter News-Daten (von Nachrichtenagenturen, Börsen, Sportveranstaltern, Meteodiensten und TV-Anstalten) in multimediale Redaktionssysteme;Ausgeben eines browserfähigen oder ans PDF anhängbaren Prüfreports nach dem PDF-Preflight;Codieren von Farbdaten in Containerformaten, z. B. GretagMacbeth CxF (Color Exchange Format);Mehrfachverkauf/-nutzung von Webserver-Inhalten (Syndikation);Erstellen von kostenpflichtigen oder freien Newsportalen, Netzzeitungen und News-Diensten (Weblog, Newsfeed usw.) sowie das automatische Herunterladen von Mediendateien mit geeigneten Endgeräten (RSS-Feed, Podcasting);browserkompatibles Ansprechen von Produktionsservern im Prepress-Workflow unter dem SOAP-Protokoll (Simple Object Access Protocol; ermöglicht Datenaustausch zwischen Systemen).Wer steckt hinter AdsML?Mit AdsML wurde
ein erster globaler Standard geschaffen, der einen End-to-End-Workflow im Anzeigengeschäft ermöglicht. AdsML ist entstanden in Co-Autorenschaft von Ifra (internationale Vereinigung der Zeitungsdruckereien und Medienhäuser), IDEAlliance (International Digital Enterprise Alliance) und NAA (Newspaper Association of America).
Die Ifra ist darüber hinaus Autor von adConnexion und unterstützt ausserdem JDF mit IfraTrack (Jobtracking bzw. Anzeigen-Auftragsverfolgung in Zeitungsverlagen). IDEAlliance ist Autor von SpaceML (einem Standard für Werbemedien) und NAA Autor von CREST (Standard für Kleinanzeigen).
Letzte Releases waren im Juni 2006 AdsML 2.0.7 und adConnexion 2.0. Damit umfasst AdsML die notwendigen Werkzeuge, um Anzeigendaten aller Art und in allen Medien austauschen zu können.
AdsML-ProzesseFür die Anzeigenabwicklung mit Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen sind folgende Werkzeuge verfügbar:
Standard = Ifra AdsML Framework
AdsML Envelope: Jobticket (digitale Auftragstasche);
AdsML Bookings, adConnexion, SpaceML, Crest: Anzeigenraum-Reservierung, Auftragsbestätigung, Buchung;AdsML Materials, adConnexion: Druckunterlagen, druckfertige Anzeigen;AdsML Financial Documents, adConnexion, SpaceML, Crest: Rechnung, Zahlungsbeleg;Strukturierte Beschreibung der Anzeigen, adConnexion: alle Metadaten, z. B. mit Adobe XMP in PDF-Dateien einbettbar.Möglichkeiten für den Anzeigenraum-Käufer als…
Endkunde: Anzeigenbestellung, Rechnung bezahlen, Belegexemplarauswertung nach dem Druck;
Werbeagentur mit Vorstufen-Kompetenz: Anzeigenraum-Reservierung / -Buchung, Anzeigengestaltung/Digitalproof; Belegexemplarauswertung nach dem Druck.Möglichkeiten für den Anzeigenraum-Verkäufer (Verlag) in der…
Anzeigenabteilung, -annahmeagentur: Anzeigenauftragannahme / -bestätigung, Übernahme der gelieferten Anzeigen (bei Bedarf eigene Anzeigengestaltung / Digitalproof), Produktionsüberwachung, Koordination Gestaltungs- und Fliessanzeigen mit der Redaktion, Belegexemplarversand und Rechnungstellung an Werbung Treibende;
Redaktion mit Umbruch-Kompetenz: Platzieren der Gestaltungs- und Fliessanzeigen im Layout gemäss Käuferwunsch und Rubrikenvorgaben, Ausführen von Änderungswünschen in der Anzeigenplatzierung; eventuell zusätzliche Aufbereitung der Werbedaten für elektronische Medien;Prepress-Abteilung der Druckerei: Endseitenproduktion, Seiten- und Druckformproof, Plattenbebilderung.