Komm zum Kiosk, Kapitalist!

Gratispresse Cash daily startet mit einem Problem: Wie bringt Ringier wirtschaftsaffine Leser täglich an den Kiosk?

Gratispresse Cash daily startet mit einem Problem: Wie bringt Ringier wirtschaftsaffine Leser täglich an den Kiosk?Cash daily, seit längerem im Gespräch, startet am 8. September mit einem Paukenschlag: «Wir werden von Anfang an in 1150 Kiosken der Valora präsent sein und so, quasi über Nacht, die ganze Deutschschweiz abdecken. Damit bieten wir eine Reichweite, wie es bisher keine Gratiszeitung vom Start weg erreichte», sagt Christoph Bauer, seit kurzem Geschäftsführer der Cash-Gruppe. Sein Optimismus ist gross: «Im ersten Jahr garantieren wir täglich 75’000 abgesetzte Exemplare», sagt er.Tatsächlich erscheint das weitverzweigte Verkaufsstellennetz der k-Group als idealer Vertriebskanal, immerhin verzeichnen die k-Kioske pro Tag über eine Million Kundenbesuche. Da ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die in Boxen oder im Kassenbereich der Auslage präsentierten Cash-daily-Gratisexemplare weggehen wie warme Semmeln. Kein Wunder, haben sich vor fünf Jahren auch schon 20 Minuten und Metropol um einen Platz am Kiosk bemüht (siehe unten).
Über Wirtschaft liest man meistens im Abonnement Bei genauerem Hinsehen bietet der gewählte Vertriebsweg jedoch nicht nur Vorteile. Werden die potenziellen Cash-daily-Leser, die sich gewöhnlich mit Gratiszeitungen an der Busstation oder am Bahnhofeingang bedienen, für das neue Ringier-Gratisblatt einen Umweg an den nächsten Kiosk machen – und sich schlimmstenfalls in eine Warteschlange einreihen? Entscheidend ist der Inhalt, keine Frage. Doch wird Cash daily – gemessen an den schon bestehenden Gratiszeitungen – so unentbehrlich sein, dass man sich in der morgendlichen Rushhour in die Reihe stellen mag?
Ausserdem beziehen an Wirtschaft Interessierte ihre Zeitungslektüre mehrheitlich über ein Abonnement und kaum am Kiosk. Dies geht aus der Wemf-Auflagenstatistik 2005 hervor. Demnach werden an einem durchschnittlichen Tag von den Titeln Cash, Finanz und Wirtschaft, Handelszeitung, Bilanz und Stocks nur gerade 2200 Exemplare am Kiosk verkauft. Nimmt man den täglichen Einzelverkauf der NZZ dazu (9500 Exemplare, teilweise jedoch aus Zeitungsboxen), kommt man auf maximal 10’000 wirtschaftlich interessierte Personen pro Tag, die ihre bevorzugte Lektüre am Kiosk erstehen.
Natürlich kaufen wirtschaftsaffine Personen nicht nur Zeitungen, sondern frequentieren einen Kiosk auch wegen Zigaretten oder Pfefferminzbonbons – und greifen bei der Gelegenheit auch gleich zu Cash daily. Solche Einkäufe geschehen indessen spontan, unregelmässig und zu beliebiger Tageszeit. Der  Informationswert von Cash daily ist aber am Morgen, bei Börsenstart, am grössten – und er sinkt mit jeder Stunde. Weshalb sollte man sich am Mittag noch ein Cash daily zu Gemüte führen?
Wenn selbst die Bezahlzeitung Blick an Kiosken schätzungsweise 75’000 Exemplare absetzt, so werde dies dem kostenlosen Cash daily erst recht gelingen. Wer so argumentiert, vergisst, welch grossen werblichen Aufwand Ringier regelmässig betreibt, um die verkaufte Blick-Auflage täglich auf diese Höhen zu bringen. Zudem ist zu erwarten, dass die Halbwertszeit des Blick länger hält als jene von Cash daily. Kaum anzunehmen, dass allzu viele Blick-Käufer gleichzeitig ein Gratisblatt mitnehmen. Zu unterschiedlich sind die Leserprofile.
Vorteil – und AchillesferseDer Vertriebsweg über den Kiosk wirft eine weitere Frage auf: Wer sich das Gratisblatt besorgen will, gerät zwangsläufig unter Kaufdruck. In gewissen Abständen mag man sich dem zwar aussetzen, aber nicht täglich und womöglich immer an derselben Verkaufsstelle.
Dies zeigt: Das k-Group-Netz ist für Cash daily nicht nur ein  strategischer Vorteil, sondern auch Achillesferse. Was überwiegt, wird sich zeigen – und hängt nicht zuletzt von den Kommunikationsanstrengungen der Macher ab. Dessen ist man sich bei Ringier bewusst. «Wir haben mit der Agentur Publicis eine Lancierungskampagne aufgebaut, mit der wir in einem ersten Schritt sowohl die Zeitung wie auch den Vertrieb über die k-Kioske bewerben», sagt Bauer. Die Startauflage beträgt über 100’000 Exemplare, die nicht nur an den k-Kiosken aufliegen, sondern in einer ersten Phase auch von Kolporteuren verteilt werden. Die neue Zeitung wird zudem über 30 weitere Vertriebspartner wie Flughäfen und Grossfirmen verteilt.
«Im Vordergrund steht jetzt Cash daily», sagt Bauer. Alle übrigen Cash-Produkte – die Wochenzeitung, Cash TV, Cash Online, Cash Mobile – sollen erst in der zweiten Lancierungsphase breit kommuniziert werden. Bauer: «Wir werden dabei im Lesermarkt immer nur ein konkretes Angebot pushen und das einzelne Produkt mit seinem direkten Nutzen für den Kunden hervorheben. Im Werbemarkt werden wir uns hingegen von Beginn weg als Anbieter von multimedialen Werbemöglichkeiten positionieren.»   
Einzige Wirtschafts-TageszeitungLange behandelten die Tageszeitungen
das Thema Wirtschaft entweder elitär oder restriktiv. Bis 1989, als Ringier Cash auf den Markt brachte. Die grösseren Tageszeitungen (inklusive Blick) zogen nach: Auf den Wirtschaftsseiten wurde die Sprache verständlicher, Grafiken, Infoboxen und Bilder kamen dazu. Kurz: Cash hat die Wirtschaftsberichterstattung revolutioniert, so weit, dass man in den Verlagen bald schon Pläne für eine Wirtschafts-Tageszeitung wälzte – vor allem während der Boomjahre an der Börse. Doch es blieb bei den Plänen. Ausser bei Ringier. Mit Cash daily und einem Medienverbund wagt man sich bei Ringier jetzt an die zweite Revolution. Ob diese gelingt, entscheidet der Mehrwert, den das neue Blatt gegenüber den bereits gut gemachten Wirtschaftsseiten der Tageszeitungen bietet.
Vertriebsmodell: nichts Neues2001 und 2002 lagen schon einmal Gratiszeitungen
an Kiosken der k-Group auf: Valora machte damals mit 20 Minuten (und anfänglich auch mit Metropol) einen ausgedehnten Versuch – gegen den Protest zahlreicher Verleger, unter ihnen auch Ringier. Nach 13 Monaten brach Valora den Test ab, ohne zu sagen, weshalb. Fest stand: Der Umsatz der rund 200 ausgewählten Verkaufsstellen konnte mit der Gratisabgabe zwar nicht gesteigert werden, doch es liess sich auch «kein negativer Einfluss» ausmachen. Im Gegenteil: «Die Distribution von Pendlerzeitungen am Point of sale steigert die Kundenfrequenz und generiert Koppelkäufe», hielt Valora fest. So kauften 31 Prozent der Personen, die am Kiosk 20 Minuten bezogen, auch eine zweite Zeitung, 8 Prozent eine Zeitschrift und 22 Prozent sonst etwas. 39 Prozent gaben kein Geld aus. Wieviele Gratiszeitungen täglich am Kiosk bezogen wurden, teilte Valora nicht mit.
Markus Knöpfli
Mehr über Cash daily in dieser Werbewoche:
Hardselling für ein Gratisblatt

USA: Geofilter sperren Digi-TV Zuschauer aus

Mit Geofiltern sichern Fernsehstationen im Zeitalter des Online-TVs ihr Lizenzgeschäft.


Mit Geofiltern sichern Fernsehstationen im Zeitalter des Online-TVs ihr Lizenzgeschäft.Nicht nur in Amerika stellen immer TV-Sender ihre Sendungen vermehrt kostenlos online. Doch das Fernsehgeschäft ist territorial geprägt, deshalb könnten die Downloads das Lizenzgeschäft mit lokalen und internationalen Sendern empfindlich beeinträchtigen. Nun kommen vermehrt Geofilter zum Einsatz, um Kunden einzelner Partner oder aus bestimmten Ländern vom Online-Angebot fernzuhalten. Wie Heise.de meldet, können beispielsweise bei Fox nur noch Zuschauer aus den USA vom Online-Angebot Gebrauch machen. Deshalb bleibt der Zuschauer nicht mehr anonym, derzeit funktioniert die Erkennung durch die IP-Adresse. Eine weitere Zunahme und Verfeinerung der Geofiltertchniken dürfte jedoch im Zusammenhang mit dem Datenschutz heikel werden.

Chromos übernimmt CBC

Digitaldruck Das Dielsdorfer Handelsunternehmen für Druck und Verpackung, Chromos AG, hat auf den 1. September die CBC imaging solutions aus Wädenswil integriert.

Digitaldruck Das Dielsdorfer Handelsunternehmen für Druck und Verpackung, Chromos AG, hat auf den 1. September die CBC imaging solutions aus Wädenswil integriert. Damit wird die Chromos-Gruppe gemäss Mitteilung zum einzigen Systemanbieter in der Schweiz, der im Digitaldruck neben den üblichen DIN-Formaten (bei Chromos abgedeckt durch Drucksysteme von HP Indigo) auch Printer für die Produktion von Überformaten bis zu fünf Metern Druckbreite anbietet. Mit der Integration erweitert die Gruppe ihre Fachkompetenz in den Bereichen Foto und Grafik. Chromos habe sich zum Ziel gesetzt, Kunden und Interessenten in sämtlichen Märkten von der Grundidee über die Konzeption bis hin zum Betrieb digitaler Grossformat-Gesamtlösungen zu unterstützen.

Ein Meister fällt vom Himmel

Aufgefallen Andreas Panzeri über den Sender «Supreme Master», der eine neue Dimension der Spiritualität und Erfüllung verspricht.

Fernsehen «Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen», glaubt der Volksmund zu wissen. Das wird sich am 7. September ändern. «Supreme Master» heisst nämlich ein neuer TV-Sender, der genau zum Erscheinungsdatum dieser Werbewoche mit einem neuen Programm vom Himmel fallen will. «Supreme Master Television» sendet rund um die Uhr und ist über Hotbird 6 auf 13 Grad zu empfangen. Auf dem Werbeflyer für das neue Medium ist dieser Hotbird mit einem Papagei visualisiert. Oder soll mit diesem für sein unbedarftes Plappern bekannten Vogel vielleicht etwas über das zu erwartende Programm angedeutet werden? «Positive Sendungen», die eine neue Dimension der Spiritualität und Erfüllung ins Leben bringen, sowie «Worte der Weisheit» oder «das Herz erwärmende Gespräche zwischen Meisterin und Schülern über die Geheimnisse des Universums» werden dem Publikum angekündigt. Ob eines dieser Gefässe beim Schweizer Fernsehen den Anwalt mit einer Plagiatsklage hinter dem Ofen hervor lockt, ist noch offen. Statt auf solche von 3+ zum Beispiel geschätzte PR von der Konkurrenz muss «Supreme Master» deshalb weiter auf unadressierte Flyer setzen. Interessant auffallend ist diese Werbung trotzdem – für ein Medium, das eigentlich von der vordersten Front der technischen Entwicklung sendet.
Andreas Panzeri

Willkommen, bitte Platz nehmen

Kultur TBS Identity hat für das Luzerner Theater eine Abo-Kampagne realisiert, die sitzt.

Kultur TBS Identity hat für das Luzerner Theater eine Abo-Kampagne realisiert, die sitzt.Platz nehmen und abheben: Das Luzerner Theater startet soeben in die neue Spielzeit. Der Saisonstart im ältesten Dreispartenhaus der Schweiz wird von einer intensiven Abo-Kampagne begleitet. Dazu entwickelte TBS gemeinsam mit der Theaterdirektion eine spezielle Kampagnenidee. In Luzern und Umgebung werden an geeigneten, aber möglichst unerwarteten Orten – etwa in Quartier-Kneipen, Geschäften, Schaufenstern oder im Strandbad – Theaterstühle platziert, auf denen das Luzerner Theater sein Publikum selbstbewusst anspricht. Da stehen auf Klappsitz und Rückenlehne Claims zu lesen wie: «Platz nehmen und abheben» oder «Wer bei uns sitzt, sieht die Ferne».
Eine Plakatkampagne inszeniert diese kommunizierenden Theaterstühle und fordert zum Kauf eines Abos auf. «Dieses Zusammenspiel zwischen real platzierten Objekten und begleitender medialer Kampagne soll letztlich ein Theater repräsentieren, das auf sein Publikum zugeht, sich einmischt und in Stadt und Region präsent sein will», meint Dominique Mentha, seit 2004 rühriger Theaterdirektor in Luzern.
Der gebürtige Berner studierte zunächst Konzert- und Operngesang an der Musikhochschule in München. Seine rege Tätigkeit als Konzert- und Opernsänger machte ihn in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz bekannt. 1987 wurde Mentha Oberspielleiter des Musiktheaters am Stadttheater Würzburg, anschliessend an den Städtischen Bühnen Münster. 1992 wurde er zum Direktor des Tiroler Landestheaters in Innsbruck ernannt, und von 1999 bis zu seinem Wechsel nach Luzern hatte er die künstlerische Leitung der Volksoper Wien inne.
In der Luzerner «Provinz», die in Theaterkreisen schon lange nicht mehr als solche gilt, eröffnet Mentha  die Saison gleich mit zwei Uraufführungen: Im ehemaligen Luzerner Schlachthof gelangt ein neues Stück von Gisela Widmer zur Premiere
sowie die Groteske «Atoll».
Damit wird erstmals das im Februar vom Luzerner Stimmvolk gewünschte Areal bespielt, auf dem sich nach einem Umbau ab 2008 unter anderem auch die neuen Proberäume befinden werden. «Die ungewöhnliche Wahl des Ortes entspringt auch unserem Wunsch, das Luzerner Theater noch stärker in der Stadt zu verankern», meint der Direktor – was TBS Identity mit ihren Stühlen somit absolut folgerichtig umgesetzt hat.
Andreas Panzeri

KonsumTV beendet seinen Spagat

Presse-TV RingierTV richtet seine Sendung konsumTV positiver aus und findet mit Coop einen neuen Hauptsponsor. Mit einer konsequenten Multimediastrategie wird jedoch zugewartet.

Presse-TV RingierTV richtet seine Sendung konsumTV positiver aus und findet mit Coop einen neuen Hauptsponsor. Mit einer konsequenten Multimediastrategie wird jedoch zugewartet.Ob bei Cash, Gesundheit Sprechstunde oder al dente, Ringier baut das Crossmedia-Angebot mit Print, TV, Internet und Mobile aus. Das Ziel ist immer dasselbe: Der Konsument soll möglichst zeit- und ortsunabhängig auf die Inhalte zurückgreifen können. Und die Werbekunden sollen die Konsumenten über die verschiedenen Kanäle in möglichst zahlreichen Lebenslagen ansprechen können.Ein Gefäss, bei dem Ringier seine Multichannel-Strategie noch mit angezogener Handbremse fährt, ist die Fernsehsendung konsumTV. Nicht, dass die 14-tägliche Sendung am Sonntagabend von Ringier stiefmütterlich behandelt würde, im Gegenteil. Auch dort wird umgebaut und konzeptionell verändert, letztmals vor einem Jahr. Damals erhielt die Sendung auf PresseTV mit Eva Camenzind und Marc Caprez ein Co-Moderatorenpaar, die Zuschauerbeteiligung im Studio wurde ausgebaut, neue Rubriken kamen hinzu.
Auftritt rundum erneuertAm 1. Oktober 2006 steht nun bereits der nächste Umbau bevor. Hannes Britschgi, seit einem Jahr  Programmleiter bei RingierTV, spricht von einem «gesamterneuerten Auftritt». Rein optisch sticht das neue Logo von Frame eleven sowie ein vom Bühnenbildner Carlo Angelini (sternTV und TV total) entworfenes Studio-Dekor ins Auge.
Doch auch konzeptionell gibt es eine Zäsur: «Statt kritisch zu beleuchten, was in der Welt des Konsums alles falsch laufen kann, informiert konsumTV neu über Trends, neue Produkte, gibt Tipps für Haushalt, Freizeit und Hobby und berät in Geldfragen», sagt Britschgi. Der von nun an eher positive und unterhaltende Ansatz des neuen Magazins hat zwei Gründe: Die Live-Studiosendung soll sich stärker vom Kassensturz auf SF 1 abheben. Man verfüge für Warentests ohnehin über das kleinere Budget.
Eine weitere Schwierigkeit: konsumTV finanziert sich mittels Sponsoring. «Ob gerechtfertigt oder nicht – wir hatten immer ein Glaubwürdigkeitsproblem. Diesen Spagat wollen wir nun beenden», sagt Britschgi, der einst beim Kassensturz arbeitete.
Trotz Neuausrichtung wird konsumTV nicht völlig umgekrempelt: Das Co-Moderatorenteam bleibt, ebenso die Rubriken Haus und Garten, Hobby, Multimedia und Geld. Ferner findet pro Sendung weiterhin eine Auktion statt, deren Erlös einer karitativen Organisation zukommt.
Offen ist, wie sich die Zuschauerzahlen entwickeln werden. Heute kommt die Live-Studiosendung auf rund 170’000 Zuschauer und auf einen Marktanteil von neun Prozent. Britschgi ist zuversichtlich: «Unsere Marktforschung zeigt: Der Sendeplatz am Sonntagabend kommt gut an. Die Sendung wird also weiterhin ein Publikum finden.»
Das Neukonzept stösst auf positive Reaktionen: Coop steigt am 1. Oktober als Hauptsponsor ein. Die Nummer zwei unter den Grossverteilern sieht ihr Engagement bei konsumTV als «einen Beitrag zu einer offenen und nützlichen Information über all jene Themen, die mit der Lebensqualität unserer Konsumenten eng verbunden sind», wie es in einer Pressemeldung heisst. Britschgi wiederum lobt Coop als Gesprächspartner «mit viel Erfahrung», der bei Bedarf seine Labors und sein Fachwissen zur Verfügung stelle.
Eine konsequente Multichannel-Strategie lässt aber bei konsumTV weiterhin auf sich warten. «Intern wurde eine solche zwar auch schon thematisiert, aber wegen dem Relaunch haben wir sie noch zurückgestellt», sagt Britschgi. Im Printbereich könne man jedoch auf die Medienpartnerschaft mit der CoopZeitung setzen. «Das ist für uns bereits eine neue Dimension.» Und was geschieht mit dem vierteljährlich erscheinenden, achtseitigen Gratisheft konsumTV (Auflage 260’000 Exemplare)? Der RingierTV-Programmleiter will hier vorerst nichts ändern.
Markus Knöpfli

Sprung nach vorn oder Sprung über die Klippen?

Gastkommentar Werbefinanzierter Gratis-Musik-Download hätte schon viel früher kommen sollen, findet Alec von Tavel.

Gastkommentar Werbefinanzierter Gratis-Musik-Download hätte schon viel früher kommen sollen, findet Alec von Tavel.Selten hat eine Meldung in der Musikbranche für so viel Aufregung gesorgt: Der weltgrösste Musikproduzent Universal will über Spiralfrog seine Musik «gratis» ins Netz stellen. Der Musikkonsument muss als Gegenleistung während des Downloads Werbung konsumieren. Im Gegensatz zu vielen Branchenkollegen hat mich diese Meldung weder schockiert, noch hat sie mir den Glauben an die Zukunft der Musikbranche zurückgebracht. Es ist etwa fünf Jahre her, seit ich meinen Mitstreitern im Vorstand von IFPI Schweiz (International Federation of the Phonographic Industry) ziemlich genau das Geschäftsmodell von Spiralfrog vorstellte, ohne Hoffnung, die Idee könnte im IFPI-Vorstand, welchen die Major-Companies dominieren, auf Gegenliebe stossen. In den meisten Köpfen der Musikmanager sind die Gratis-Downloads noch immer schuld, dass es der Musikbranche heute so schlecht geht. Das Zusammengehen von Universal mit Spiralfrog kann ein Lösungsansatz sein. Nur ist auch da das richtige Vorgehen entscheidend.
Musikfirmen und Werber sind jetzt vor neue Herausforderungen gestellt. Die Frage lautet, für welche Produkte kann man mit welcher Musik werben? Welches Publikum erreicht man mit werbefinanzierter Gratismusik aus dem Web? Sicher gibt es auch Künstler, die nicht von McDonald’s und Toyota bezahlt werden wollen. Wer auf diese Fragen die richtigen Antworten hat, der wird mit dem neuen Modell genau so erfolgreich sein, wie dies der Gratiszeitung 20 Minuten geglückt ist. Ich wage zu behaupten, dass 20 Minuten keine schlechtere Zeitung ist als der Blick, nur weil 20 Minuten gratis ist und der Blick etwas kostet. Und weniger rentabel ist 20 Minuten deswegen auch nicht.
Musikproduzenten, Werbetreibende und Werber erhalten mit Spiralfrog eine neue Spielwiese. Die Spielregeln kennen wir noch nicht im Detail. Auf jeden Fall ist es ein Spiel, bei dem alle gewinnen, aber auch alle verlieren können. Wichtig ist nur, dass wir nebst den Spielregeln auch Taktik und Strategie verstehen, die zu einem Sieg führen. Google, MySpace und YouTube sind Geschäftsmodelle, die zeigen, wie sich mit Gratisleistungen im Web gutes Geld verdienen lässt.
Ein Überraschungsmoment hatte die Meldung aber auch für mich. Beim Besuch der Spiralfrog-Website stach mir ein Name ins Auge: Jay Berman. Dieser steht gleich hinter dem Chairman als erster Direktor von Spiralfrog. Genau dieser Jay Berman war früher Chairman der IFPI in London und in dieser Funktion quasi der weltoberste Musikpiraten- und «Peer-to-Peer»-Jäger. Hat er jetzt die Fronten gewechselt, weil er eingesehen hat, dass der Kampf der Musikindustrie gegen Gratis-Downloads verloren ist, oder ist es die Erkenntnis, woher in Zukunft die Erträge der Musikindustrie kommen könnten?
Alec von Tavel ist Gründer und Chef des Independent-Musiklabels Disctrade.

Mund-zu-Mund-Propaganda im Web

Viral Marketing Das trendige Tool birgt aussergewöhnliche Chancen, aber auch eine Reihe von Gefahren.

Viral Marketing Das trendige Tool birgt aussergewöhnliche Chancen, aber auch eine Reihe von Gefahren. Im Winter 2005 sorgte eine 85-jährige britische Lady für Schlagzeilen. Zusammen mit ihrem Dackel Daisy wollte sie den Everest besteigen. Die Story entpuppte sich als clevere Werbekampagne des Schweizer Bergsportausrüsters Mammut.  Viral Marketing nennen Marketingprofis solche oder ähnliche Aktionen. Die Idee ist ganz einfach. Während klassische Werbekampagnen den Konsumenten beispielsweise über Inserate suchen, steht beim Viral Marketing der Konsument im Mittelpunkt. Eine Nachricht wird wegen ihres ungewöhnlichen Charakters virtuell von User zu User über Webseiten, Blogs, E-Mails oder Chatrooms übertragen. Innert kürzester Frist werden Meldungen so an Privatpersonen verbreitet. Dabei werden die sozialen Netzwerke ausgenutzt, damit sich eine Nachricht herumspricht. Ganz nach der Motto: Mund-zu-Mund-Propaganda. Da die netzwerkartige Verbreitung dem Verhalten eines biologischen Virus ähnelt, nennt man diese Form deshalb auch Viral Marketing.
Seit sich das Internet ausbreitet, seit die Vernetzung untereinander wächst, laufen die Verbreitungsprozesse ungewöhnlicher  Botschaften im Zeitraffer ab und werden zu wahren Epidemien. Prominentes Beispiel: das Moorhuhn. Die Firma Johnnie Walker bot das Spiel kostenlos zum Download an, es wurde  innert kürzester Zeit zu einem absoluten Kultgame im Internet. Ein weiteres Beispiel: Der Film «Blair Witch Project», der als Low-Budget-Produktion 1999 in die Kinos kam. Der Film wurde nicht zuletzt deshalb ein Erfolg, weil es den Filmemachern gelang, per E-Mail und auf Foren für Mundpropaganda zu sorgen.
Zu klein für grosse KampagnenAuch in der Schweiz liegt Viral Marketing definitiv im Trend. Jedoch noch im bescheidenen Rahmen, sagt Markus Gabriel, Inhaber der Zürcher Crossover-Agentur Angelink. «Viral Marketing ist noch nicht so stark im Bewusstsein der Auftraggeber», so Gabriel. Kommt hinzu, dass die Schweiz sehr klein sei für grössere Kampagnen und deshalb eher nicht als Brutstätte von Viral Marketing gelte.
Schweizer Firmen werden aber nicht drum herum kommen, das Internet und dessen Entwicklung genauer zu beobachten. Das Monitoring der Blogosphere beispielsweise, so Gabriel, werde noch nicht ganz so seriös gemacht. Fakt sei, dass übers Internet kommuniziert und Meinungen ausgetauscht werden. Deshalb analysiert Gabriel systematisch die Netzwerke im Internet, mit denen Viral Marketing betrieben werden kann. Heute werden 80 Prozent aller Internetseiten von Privatpersonen betrieben.
Auch wenn Viral Marketing hochdynamisch ist und die weltweite Ausbreitung des Internets dem entgegen kommt: Der vernetzte Meinungspool stellt neben Chancen auch  Gefahren dar. Eine der Gefahren wird oft unterschätzt: das Prinzip Bumerang. Auch wenn heute innert kürzester Frist Botschaften verbreitet werden können, ist es den Usern möglich, schnell einen Gegenschlag oder eine Gegenkampagne zu starten.
Beispiel Jean-Remy von Matt, Teilhaber der Agentur Jung von Matt: Als dieser sich in einer Frustmail an seine Mitarbeiter gegen die Art und Weise echauffierte, wie Blogger die Du-Bist-Deutschland-Kampagne kritisierten, dauerte es nur wenige Minuten, bis sein Schreiben auf zahlreichen Blogs zu finden war. Konsequenz: Von Matt relativierte einige seiner Aussagen und entschuldigte sich für seine Äusserungen. Oder Beispiel Chevrolet: Mitte März stellte Chevrolet eine Internetseite online, die es den Besuchern ermöglichte, eine Anzahl von Videoclips mit ihren eigenen Werbeslogans zu vervollständigen. Darauf reagierten viele Internetuser zynisch und verwiesen auf das Problem Klimaerwärmung.
Für Markus Gabriel hat Viral Marketing trotz der unberechenbaren Eigendynamik Zukunft. Gabriel: «In jeder Firma gibt es einen Scherzkeks, der in den Pausen Witze erzählt oder einen Mail-Lacher an seine Kollegen verschickt. Das muss man ausnutzen.»    
Christian Lüscher
Vegetarier-GameMiss the Chicken
ist der Name eines Online-Games ähnlich wie Moorhuhn. Es gewinnt nicht derjenige Spieler, der am meisten Hühner abschiesst, sondern ausnahmsweise keines trifft. Das mit Wirz Werbung speziell für Vegetarier konzipierte Game wirbt für das Restaurant Hiltl um jüngere Kundschaft. Produziert hat das Game die Firma Visioprint aus Zürich (www.hiltl.ch).

Rotor stösst auf Degen Bier an

Die Zürcher Kommunikationsagentur Rotor wurde nach einer Strategiepräsentation beauftragt, Degen Bier als neue Bier-Marke im Premiumbereich zu positionieren.


Die Zürcher Kommunikationsagentur Rotor wurde nach einer Strategiepräsentation beauftragt, Degen Bier als neue Bier-Marke im Premiumbereich zu positionieren. Vom Packaging über die Markteinführung bis hin zur langfristigen Markenführung entwickelt Rotor alle Kommunikationsaufgaben für die neue Mikrobrauerei. Deren Spezialität: Die verschiedenen Biersorten werden unpasteurisiert und unfiltriert gebraut und zielen dank den charaktervollen und eigenständigen Rezepturen klar auf ein Nischenpublikum ab. Erste Resultate werden ab Herbst zu sehen sein.

Kampagnen-Recycling

Regionalpresse Die Basellandschaftliche Zeitung verkündet den Lesern neue Zeiten.

Regionalpresse Die Basellandschaftliche Zeitung verkündet den Lesern neue Zeiten.Am 16. September übernimmt die Basellandschaftliche Zeitung (bz) Konzept, Mantelteil und Layout der Mittelland Zeitung (MZ). Mit einem Unterschied: Im Zeitungskopf prangen weiterhin die Wörter Basellandschaftliche Zeitung in Frakturschrift, dazwischen ein rotes bz-Kürzel. Immerhin: In der roten Linie unter dem Logo steht neu Mittelland Zeitung. «Wir werden den Zeitungskopf der MZ frühestens im Frühjahr 2007 einführen», sagt Verleger Mathis Lüdin.
Für die Kommunikation kann Lüdin jene Teaser-Kampagne adaptieren, die die Aargauer Zeitung vor einem Jahr für den eigenen Relaunch realisiert hatte: Ein Plakat- und Inseratesujet zeigt eine abgedeckte bz-Frontseite, wobei die Abdeckung an einer Stelle aufgerissen ist und den Betrachter einen Teil der Layout-Veränderung erahnen lässt. Die Auflösungsplakate zeigen dann die aktuelle bz-Frontseite vollständig. Mit dem Claim: «Jetzt am Kiosk und im Abo – Ihre bz und noch mehr».
Markus Knöpfli

Cablecom sponsort Special Olympics

Tue Gutes und rede darüber: Cablecom unterstützt ab sofort die Schweizer Stiftung Special Olympics. Ursache ist die geänderte Sponsoringstrategie.


Tue Gutes und rede darüber: Cablecom unterstützt ab sofort die Schweizer Stiftung Special Olympics. Diese veranstaltet Sportanlässe für geistig und mehrfach behinderte Menschen. Cablecom unterstützt die Anlässe gleich zwiefach: Zum einen finanziell, zum anderen durch Cablecom Mitarbeitende als Helfer an den Anlässen. Die dafür aufgewendete Zeit dürfen die Arbeitnehmer auf Arbeitszeit kompensieren.
Hinter der Unterstützung steht die neue Sponsoringstrategie von Cablecom. Neu soll gesellschaftliches Engagement ins Zentrum gestellt werden. Mit den Engagement des Unternehmens kann das 14 Sportarten umfassende Programm von Special Olympics um Sportarten wie Golf oder Segeln erweitert werden, die bisher nicht angeboten wurden. Der Auftakt für die Zusammenarbeit werden die nationalen Sommerspiele der Special Olympics in Zug am 15. bis 17. September sein.

Mehr Gestaltung bei Freicom

Die St. Galler Kommunikationsagentur Freicom verstäkt das Gestaltungsteam mit Nicolás Durán. Mit Durán verfügt Freicom seit Anfang August über einen zweiten Art Director.


Die St. Galler Kommunikationsagentur Freicom verstäkt das Gestaltungsteam mit Nicolás Durán. Mit Durán verfügt Freicom seit Anfang August über einen zweiten Art Director. Zusammen mit Caroline Noser, ebenfalls Art Director, leitet er die Grafik der freicom, die anspruchsvolle CI/CD-Projekte ebenso kompetent umsetzt wie Print- und Multimedia-Kommunikationsmittel. Zuletzt war Durán bei der Erat Design Group in Arbon tätig.
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