Anzeigenverkauf Kilian Gasser und die WOZ haben für die Jubiläumsausgabe über 20 Seiten Inserate verkauft.
Mit einem grossen Fest feiert die Wochenzeitung WOZ am 7. Oktober das 25-jährige Bestehen. Zur Party rund um ein Vierteljahrhundert linke Wochenpresse kommt natürlich auch eine Jubiläumsausgabe auf den Markt. Diese wird von prominenten Strassenverkäufern wie den Politikern Therese Frösch und Daniel Vischer oder Medienleuten wie Karl Lüönd und Patrick Rohr sowie weiteren Promis von Beat Schlatter bis Franz Hohler auf den Strassen verkauft. Auch in dieser Jubiläumsausgabe selber finden sich zahlreiche Sympathisanten, die der WOZ per Inserat eine weiterhin wichtige Zukunft wünschen. Der grosse «Überraschungsgast» bei dieser Aktion: Auch die Credit Suisse schaltet in der Jubiläumsausgabe ein ganzseitiges Inserat. Die ungewohnte Verkaufsaktion ist über die Werbeakquisition und Verlagsberatung von Kilian Gasser und die WOZ-Werbeabteilung abgelaufen. Und zwar mit einem «extremen Hardselling», wie es sonst nicht einmal die penetrantesten Boulevardmedien wagen würden. Gasser nennt es «eine Stürmi-Kampagne». Die Grundidee dazu stammt von der Werbeagentur Spillmann Felser Leo Burnett. Ausgeführt wurde sie von Gasser und seinen Genossen mit ebenso viel Fantasie wie Hartnäckigkeit, bis schliesslich bei der Inseratenaktion «sensationell» über 22 Anzeigenseiten für die WOZ im Kasten waren.
Ungewohnt forschIn einer ersten Phase hat Kilian Gasser 150 ausgewählte Werbeauftraggeber angeschrieben. Dann wurde zweimal nachgefasst. Zuerst gab es auch gehässige Reaktionen, bis die mit der «Stürmi-Kampagne» genervten Medialeute nach einem Mail realisierten, dass sich ihre kreativen Kollegen von Spillmann Felser Leo Burnett hinter der Idee versteckten. «Viele wollten im Verteiler bleiben, um selber verfolgen zu können, was weiter geschieht», schmunzelt Gasser.
Und so folgten immer mehr weitere ungewohnt forsche Aufforderungen wie «Buchen Sie jetzt endlich ein Inserat, dann lassen wir Sie in Ruhe». Neben E-Mails wurden – altmodisch, aber offenbar auffallender – auch Faxaufforderungen zum Buchen von Inseraten verschickt. Auf diese hat es «mehr Reaktionen als auf Mails gegeben», staunt Gasser. Die Mails konnten hingegen mit witzigen Filmchen überzeugen, in denen Einblendungen mit der Aufforderung «WOZ bitte buchen!» eingespielt wurden. Als weitere Massnahmen wurden trashige MMS verschickt.
«Die Jubiläumsausgabe senkt natürlich die Hemmschwelle zum Buchen für ein Inserat», glaubt Gasser. Das lässt sich intern besser als Geste der Sympathie vertreten, auch wenn die WOZ in einem «normalen» Mediaplan nicht möglich wäre. Allerdings: Die Credit Suisse stellt in ihrem ganzseitigen Inserat einen nachhaltigen Fonds als Finanzprodukt vor, was durchaus auch für alternative WOZ-Leser von Interesse sein könnte.
Für die SBB, die auf den Verkaufsterror witzig reagiert haben – «Nun lassen Sie uns endlich in Ruhe, wir buchen» –, gehört die WOZ-Leserschaft tatsächlich zum Zielpublikum. Ebenso konnte die Migros problemlos für ihre engagierten Produkte werben. Coop ist schon länger bei der WOZ mit dabei, ebenso hat Denner die WOZ-Leser als wichtige Zielgruppe bereits erkannt.
Für zukünftige Verkaufsaktivitäten sind die «Ersttäter» der Jubiläumsausgabe natürlich Türöffner. Tatsächlich ist die Zielgruppe ja ziemlich interessant. Und wenn die CS sich erlauben kann, in der WOZ zu inserieren, dann…
Nicht mitgespielt bei der Jubiläumsaktion haben die meisten Konkurrenzblätter. Dafür hat einer dieser Verleger Kilian Gasser ein Jobangebot unterbreitet mit der Bemerkung: «Einen so hartnäckigen Verkäufer könnten wir in unserem Haus auch gut gebrauchen.»
Als Abschluss der Verkaufsaktion hat die WOZ sich bei den ganz hartnäckigen Inserateverweigerern schliesslich mit einem Set Jasskarten bedankt. Das Geschenk sollte ein Trost sein, dass die WOZ potenzielle Inserenten nicht mit einem Luxus-weekend im Süden ködern kann. «Wenigstens ein Jassweekend in den eigenen vier Wänden.» Und falls man jetzt doch noch seine Meinung ändere: Die WOZ nimmt auch nach der Jubiläumsausgabe weiterhin gerne Anzeigen entgegen.
Andreas Panzeri