Internette Vermarkterin

Catrin Rubenson will als Geschäftsführerin von TradeDoubler in Zürich dem Onlinemarketing zum Durchbruch verhelfen.

Catrin Rubenson will als Geschäftsführerin von TradeDoubler in Zürich dem Onlinemarketing zum Durchbruch verhelfen.Ihr Urgrossvater war der erste fliegende Reporter in Schweden. Er hat für das Schwedische Handels- und Seefahrts-Blatt aus der ganzen Welt über schwedische Auswanderer berichtet. Heute könnte der fliegende Reporter auch über seine Urenkelin eine spannende Erfolgsgeschichte schreiben. Catrin Rubenson ist seit September Geschäftsführerin bei TradeDoubler in Zürich. Das Netzwerk wurde 1999 in Schweden gegründet und ist inzwischen einer der führenden Anbieter für Onlinemarketing und Vertriebslösungen. TradeDoubler ist in 17 europäischen Ländern mit über 300 Mitarbeitenden vertreten. Führende Unternehmen in ganz Europa arbeiten eng mit TradeDoubler zusammen. Zielsetzung der «erfolgsbasierten Marketinglösungen» sind das Erzielen höherer
Erträge sowie die Optimierung des Onlinemarketingbudgets. TradeDoubler bietet klassische Branding-kampagnen, das Onlinemarketing- Managementsystem Media Toolbox und Affiliatemarketing an. In der Schweiz ist das Unternehmen seit dem Jahr 2004 aktiv.
Die jetzt neue, im Onlinegeschäft erfahrene Geschäftsleiterin aus Schweden wagte nach der Matura den «ersten Karriereschritt» als Au- pair nach Zürich. Dann studierte sie Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing und Sprachen – Deutsch, Französisch, Englisch – in Schweden und schloss das Studium mit dem Doppeldiplom Internationales Management in Linz erfolgreich ab. Nach dem Magister kam sie der Liebe wegen wieder in die Schweiz. Bei einem schwedischen Papierhersteller in Zürich ergab sich die Chance, auch im Ausland für ein Unternehmen ihrer Heimat zu arbeiten.
Als 1998 der Telefonmarkt in der Schweiz liberalisiert wurde, öffneten sich bei einem weiteren skandinavischen Unternehmen die Türen. Bei Tele2, dem schwedischen Medienkonzern, der international die Pendlerzeitung Metro lanciert hat, wurde Rubenson mit dem Aufbau des Salesbereichs Businesskunden Schweiz betraut.
Neue Technologien und Entwicklungen haben Rubenson schon immer fasziniert. Als sie ein Inserat für einen Productmanager bei Jobwinner sah, war es keine Frage, sich bei diesem Start-up zu bewerben. Bei der Tamedia-Tochter stieg sie bis zur Marketingleiterin auf. Obwohl als «late mover» in den Markt eingestiegen, ist Jobwinner inzwischen auf Position 2 in der Schweiz. Rubenson zeigt sich «sehr stolz» über diesen Erfolg, dem sie auch das Angebot von TradeDoubler verdankt.
Die Zeit bei Tamedia bezeichnet sie als «sehr lehrreich». Neben «Schwiizerdütsch» hat sie auch ihr Know-how über das Internetgeschäft erworben sowie ein Netzwerk in der Medienbranche aufgebaut. Vertiefen will sie ihr Managmentwissen jetzt auch noch mit einem Nachdiplomstudium in Business und Psychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten.
Für Rubenson funktioniert es perfekt, dass sie in ihrer «zweiten Heimat Schweiz» ihre schwedischen Wurzeln nicht abbrechen muss. Glücklich ist die Geschäftsleiterin im Exil, dass sie regelmässig persönlich in Stockholm rapportieren muss. Nach diesem Interview reiste sie für zehn Tage zu einem Treffen sämtlicher Geschäftsführer von TradeDoubler in das Stammhaus nach Stockholm.
«Als Schwedin für eine schwedische Firma im Ausland zu arbeiten, ist ideal. Mein Fokus liegt jedoch auf dem Schweizer Markt. Für mich ist es wichtig, die Sprache zu beherrschen und die Kultur zu verstehen, in der ich lebe.» Trotzdem will sie die schwedischen traditionellen Kulturfeste wie Midsommer oder Santa Lucia, das Lichtfest am 13. Dezember, hier weiter leben. Gefeiert wird das Fest jetzt neu auch im Büro von TradeDoubler.
Hier arbeitet unter den sechs TradeDoublers eine Person im Verkauf. Ein Accountmanager unterstützt die Kunden dabei, zu mehr Umsatz zu gelangen und bei der Optimierung ihres Onlinemarketings. «Deshalb heisst das Unternehmen auch TradeDoubler», erklärt Rubenson. Ein Campaignmanager kauft Media ein und arbeitet dabei eng mit dem Publishermanager zusammen, der das ganze Publishernetzwerk betreut. Insgesamt arbeitet TradeDoubler mit über 115000 Publishern und 1000 Kunden in ganz Europa zusammen. Ein Technicalmanager setzt für Kunden die Affiliateprogramme auf, richtet die Systeme ein und unterstützt Kunden bei technischen Fragen.
Firmen wie Jelmoli oder Sprüngli, die mit E-Commerce Umsatz generieren, können bei TradeDoubler die marktführenden Technologien nutzen. Auf der anderen Seite arbeitet TradeDoubler zusammen mit Onlineplattformen, Portalen und Websites, auf denen man für die Kunden Werbung aufschaltet. «Wir bauen langfristige Partnerschaften mit unseren Kunden.»
Unter den Kunden findet man zum Beispiel alpha.ch. Für die Lancierung dieses Portals hat TradeDoubler eine klassische Online-kampagne durchgeführt. Für ExLibris werden die Produkte online vertrieben. Weitere Kunden sind Apple, Dell, Bluewin und LeShop.
Das avancierte technische System von TradeDoubler bietet ein Tracking, das für den Kunden alles analysieren kann. «Wir wissen genau, wie viele Impressions, wie viele Clicks, Leads oder Verkäufe über eine bestimmte Plattform zu welchen Tageszeiten generiert worden sind.» Ein Kunde, der mit TradeDoubler Online-marketing macht, kann über eine Lösung intern die totale Kontrolle haben: Onlinemarketing, Affiliatemarketing, E-Mail-Marketing – alle elektronischen Aktivitäten im Marketingbereich können über TradeDoubler mit einer Lösung gesteuert werden.
Im Affiliatemarketing ist TradeDoubler schweizweit der einzige Anbieter. In der Schweiz ist die Branche noch rückständig gegenüber zum Beispiel Schweden oder England. Es zeigt sich aber ein stetiges Wachstum. Die im Jahr 2000 gegründete Firma hat 2002 schon den Break-even erreicht, «in einer Zeit, wo viele Onlinefirmen wegen des geplatzten Internetbubble Konkurs gegangen sind». Im Jahr 2005 generierte der Konzern TradeDoubler einen Umsatz von 117 Millionen Euro. Dies entspricht einem Wachstum gegenüber 2004 von 82 Prozent.
Für Rubenson «wissen viele Marketingverantwortliche noch gar nicht, was Onlinemarketing ihnen alles bringen kann». Fast alle surfen im Netz, die Werbeausgaben betragen jedoch nur ein Prozent vom ganzen Kuchen. Diesen Anteil mit TradeDoubler mehr als nur zu verdoppeln, sieht sie als ihre Herausforderung.
Andreas Panzeri

650 TV-Fachleute besuchen Screen-Up

Am Dienstag trafen sich nationale und internationale TV-Grössen in Zürich an der Screen-Up & Congess 2006. Die Screenings und Auftritte der privaten Sender sowie der SRG stiessen auf grosses Interesse.


Am Dienstag trafen sich nationale und internationale TV-Grössen in Zürich an der Screen-Up & Congess 2006. Die Screenings und Auftritte der privaten Sender 3+, Kabel 1, M6, MTV, ProSieben, RTL, RTL II, Sat.1, Super RTL, TVM3, VIVA Schweiz, VOX sowie der Programme der SRG stiessen auf grosses Interesse, wie die Veranstalter in einer Mitteilung melden. Über 650 Fachleute aus den Bereichen Medien, TV-Produktion, Media- und Werbeagenturen sowie Werbevermarktern bevölkerten den Anlass im Kino Abaton.
 
Die Referate von Dirk Ziems zu morphologischen Forschungsergebnissen zur Markenprägung durch TV-Werbung sowie von Prof. Dr. Bernd Schmitt der Columbia University New York zu den neuesten wissenschaftlichen Studien zum Thema «Media meets innovative Branding» waren gut besucht. Das interaktive Fernsehen Betty-TV präsentierte erstmals Zahlen und auf dem «Versus Chair» duellierten sich die Kontrahenten zum Thema «Braucht es in 10 Jahren noch Mediaagenturen?». TVM3 war mit Plasma-Shows am Anlass vertreten und der Musiksender MTV bot den anwesenden Teilnehmern eine Networking-Lounge an.
 
IGEM-Talk: Was kann TV für Ihre Marke tun?Beim Talk der Interessengemeinschaft Elektronische Medien (IGEM) entbrannte die Diskussion bereits nach wenigen Minuten. Sat.1 Geschäftsführer Roger Schawinski und SF Direktorin Ingrid Deltenre lieferten sich schnelle Wortwechsel über die neue Radio- und Televisions-Verordnung, die zurzeit im Parlament behandelt wird. 3+ Geschäftsführer Dominik Kaiser betonte trotz angelaufenen Gerichtsstreitigkeiten zwischen seinem Privatsender und dem Schweizer Fernsehen die konstruktive und intensive Kommunikation zwischen ihm und Ingrid Deltenre. Die Geschäftsführerin der RTL Television, Anke Schäferkordt, beleuchtete mit sachlichen Statements, dass es – nach den USA – auch in Europa an der Zeit ist, dass Kabelnetzbetreiber nicht mehr von Konsumenten und von Programmanbietern gleichzeitig Geld verlangen, sondern, dass die Netzbetreiber den produzierenden Sendern ihren hochwertigen Content vergüten. MTV-Chefin Catherine Mühlemann schilderte die Vorteile ihrer Nischenstrategie und erwähnte die jetzigen und zukünftigen Chancen der Diversifikation: „Triple-Play – also der Einbezug von TV, Online und mobilen Endgeräten in die Vermarktung – is King“.

Zenhäusern & Partner holen Uta Harnischfeger an Bord

Uta Harnischfeger ist als Kommunikations-Beraterin bei der Zürcher Agentur Zenhäusern & Partner eingestiegen.


Uta Harnischfeger ist als Kommunikations-Beraterin bei der Zürcher Agentur Zenhäusern & Partner eingestiegen. Sie arbeitete zuvor während elf Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalistin in Asien, den USA und Europa. Unter anderem schrieb Harnischfeger für die Japan Times in Tokio und die Nachrichtenagentur Dow Jones in New York und Frankfurt. Als Frankfurt-Korrespondentin für die Financial Times berichtete sie fünf Jahre über deutsche DAX-30 Unternehmen und schrieb für die Associated Press in Genf. Zudem trainierte sie regelmässig Vorstandsmitglieder grosser deutscher Unternehmen in Medienarbeit und Kommunikation.

Unicef nutzt Blog für Aidskampagne

Aids Unicef fordert die Community auf, gegen Aids zu bloggen. Die Aktion stösst auf viel Resonanz.

Aids Unicef fordert die Community auf, gegen Aids zu bloggen. Die Aktion stösst auf viel Resonanz. 
«Jeder Blogpost zählt. Auch wenn wir am Ende nur ein leises Stimmchen darstellen im Interessenlärm von Pharma, Papst und Politik», schreibt eine Bloggerin und fordert die Blogosphäre dazu auf, die Unicef-Kampagne «Du und ich gegen Aids» zu unterstützen. Anfang dieses Jahres lancierte Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, die Kampagne «Du und ich gegen Aids». Die Macher der Kampagne setzen neben der klassischen Plakatkampagne zusätzlich auf «Word of Mouth», also auf Mundpropaganda. Und das in ihrer modernsten Form: den Weblogs.
Neuland BlogosphäreMit der Aktion «Bloggen gegen Aids» fordert Unicef die Blogosphäre dazu auf, gegen Aids zu bloggen. Blogger sollen im eigenen Blog in ihren Artikeln auf die Anliegen von Unicef und die Gefahr Aids hinweisen. Nach Carsten Schmidt, Projektleiter bei Unicef, werde die Stärke des Weblogs als schnelles und vernetztes Nachrichtenmedium optimal genutzt.
Seit April setzen die Initiatoren der Kampagne auf den Multiplikationseffekt der Blogosphäre, um die Unicef-Botschaften viral fortzupflanzen. Dass sich Blogs für Werbekampagnen erfolgreich verwenden lassen, illustrieren die Zahlen eindrücklich. Seit der Lancierung der Aktion haben rund 90 Blogger ihren Weblog auf der Unicef-Internetseite registriert. Mehrere Hundert Blogger dürften sich bis heute in ihren Weblogs der Unicef-Themen angenommen und auf die Unicef-Site verlinkt haben.
Ursprünglich wurde die Kampagne «Du und ich gegen Aids» ohne die Aktion «Bloggen gegen Aids» gestartet. Erst als sich die Unterschriften- und Statementsammlung auf der Unicef-Homepage als Erfolg abzeichnete, engagierten die Initiatoren der Kampagne Fachleute aus der Blogosphäre, die dann für Unicef ein Blog-Konzept entwickelten. «Nach dem Erfolg der Statementaktion war Bloggen gegen Aids die logische Konsequenz», sagt Carsten Schmidt.
Mit der Aktion «Bloggen gegen Aids» hat Unicef Neuland betreten. Carsten Schmidt: «Wir wussten nicht, wie die Mechanismen einer lose vernetzten virtuellen Gemeinschaft funktionieren. Jetzt wissen wir, wie sich Blogs einsetzen lassen, um Menschen zu aktivieren und sich für ein wichtiges Thema einzusetzen.»
Unicef hat gemeinsam mit Partnern wie Unaids die Kampagne «Du und ich gegen Aids» gestartet. Anlass für die Kampagne ist unter anderem die Entwicklung in Asien, weil sich dort neben Afrika ein zweites Epizentrum der tödlichen Krankheit entwickelt. Das Hilfswerk will auf die vielen Kinder und Jugendlichen aufmerksam machen, die zu den «vergessenen Opfern» von Aids gehören. Laut Unicef sterbe jede Minute ein Kind an den Folgen der Immunschwäche. Mit der Kampagne «Du und ich gegen Aids» will Unicef das Ausmass der Katastrophe für Kinder und Jugendliche sichtbar machen und mehr Hilfe für betroffene Kinder mobilisieren.
Grosse UnterstützungBis heute unterstützen mehr als 480’000 Menschen die Unicef-Kampagne mit ihren Unterschriften. Zudem haben mehrere Tausend User ihre Unterstützung mit einem individuellen Statement auf der Unicef-Site begründet. Überraschend viele von ihnen geben dabei persönliche Betroffenheit als Grund für ihr Engagement an. Beispielsweise der 12-jährige Kevin: «Ich kämpfe mit Unicef gegen Aids, weil es wichtig ist, sich vor Aids zu schützen und mehr darüber zu erfahren, wie man sich schützen kann.»
Unicef will erreichen, dass die Pharmaunternehmen die Preise für Aidsmedikamente senken und geeignete Medikamente für HIV-infizierte Kinder entwickeln. Mehr als 660’000 Kinder in Entwicklungsländern brauchen virenhemmende Arzneimittel, doch bislang werden nur 20’000 damit versorgt. Von den Regierungen in Industrie- und Entwicklungsländern fordert Unicef mehr Aufklärung und Zugang zur Schulbildung für alle Kinder. Und: Unicef fordert die Regierungen dazu auf, mehr Geld bereitzustellen, um von Aids betroffene Kinder zu unterstützen. Bislang kommt nur ein Bruchteil der Entwicklungshilfe Gesundheitsdiensten und der Betreuung von Aids-waisen zugute.
Christian Lüscher

Die Geldmaschine piazza.ch

Tauschbörse Die Werbeagentur Malstube zeigt, wie einfach man auf dem Internetmarktplatz Piazza.ch Geschenke in gutes Geld verwandeln kann.

   Tauschbörse Die Werbeagentur Malstube zeigt in einer neuen Kampagne, wie einfach man auf dem Internetmarktplatz Piazza.ch die lieblosen Geschenke in gutes Geld verwandeln kann. Neben Plakaten werden bald Radiospots, in denen sich Geburstagskinder und frisch getraute Bräute sarkastisch für lieblose Geschenke bedanken, zu hören sein. Zusätzlich war die Malstube aufgefordert, eine Lösung für Kleininserate zu finden: In einer Parodie auf Discounterwerbung werden Gegenstände beworben, die keiner haben will und damit das extrem breite Angebot von Piazza.ch dramatisieren: verkalkte Bügeleisen, permanent abstürzende Computer und abgewetzte Teppiche.

Adcare gewinnt neue Websites und knackt 4-Millionen-Grenze

Adcare, der Verein zur Unterstützung gemeinnütziger Organisationen, hat im ersten Halbjahr neben Sbb.ch 15 weitere Websites zur Kooperation gewinnen können.

Adcare, der Verein zur Unterstützung gemeinnütziger Organisationen, hat im ersten Halbjahr neben Sbb.ch 15 weitere Websites zur Kooperation gewinnen können. Über vier Millionen Kontakte konnten so gewonnen werden. In der Startphase war es das Portal der SBB mit über 1.4 Millionen Benutzern monatlich. In den letzten 6 Monaten haben sich Websites wie 20minuten.ch, Baz.ch, Beobachter.ch, Cash.ch, Comparis.ch, Espace.ch, Partyguide.ch und Tagesanzeiger.ch vom Adcare-Gedanken anstecken lassen, wie der Verein mitteilt. Medienanbieter und Medienvermarkter erhalten immer wieder Anfragen gemeinnütziger Organisationen, für günstige Werbekonditionen. Adcare will führende Schweizer Medienanbieter mit Organisationen, die von der ZEWO zertifiziert oder von der Bundessteuer als gemeinnützig anerkannt sind, vernetzen. Adcare führt jeden Monat eine Ausschreibung durch, an der kostenlose Werbeplätze zu vergeben sind. Der Verein will das Netzwerk an Werbeanbietern für die Ausschreibungen laufend ausbauen.

Cinecom-Kinos bleiben stabil

Kinoreichweiten In Bern und Basel nimmt der Anteil der jungen Kinogänger rasant ab. In der Westschweiz sank er erstmals unter 50 Prozent.

Kinoreichweiten In Bern und Basel nimmt der Anteil der jungen Kinogänger rasant ab. In der Westschweiz sank er erstmals unter 50 Prozent.  
Von den rund 530 Kinosälen in der Schweiz hat die Kinovermarkterin und PubliGroupe-Tochter Cinecom gut 400 unter Vertrag. Das muss man wissen, wenn man die von der Mach Basic ausgewiesenen Kinoreichweiten betrachtet. Denn diese gelten jeweils nur für jene Kinos, die bei Cinecom in Pacht sind und somit über diese auch mit Kinowerbung erreicht werden können. Wenn also die Mach Basic 2006-2 für die ganze Schweiz 435’000 wöchentliche Kinobesucher ausweist, 2000 mehr als noch vor einem halben Jahr, dann sind damit nicht alle Kinogänger abgebildet, sondern nur jene, die eines der Cinecom-Kinos besucht haben. Alle andern werden in dieser Studie nicht gezählt.Für die Werbewirtschaft spielt das zumindet derzeit keine allzu grosse Rolle. Zwar werden ungefähr 100 Kinos nicht ausgewiesen, doch werden einige von diesen ohnehin nicht kommerziell betrieben. In andern Fällen akquirieren die Betreiber ihre (meist lokale) Werbung selbst. Da es aber unter den Kinobetreibern eine noch verhaltene «Los von Cinecom»-Bewegung zu geben scheint (die Werbewoche berichtete darüber), hat die Vermarkterin dieses Jahr bereits sechs Kinosäle weniger unter Vertrag als noch vor einem Jahr. In den aktuellen Mach-Basic-Zahlen spiegelt sich dies noch kaum wieder, da der grösste Teil der Erhebungszeit noch 2005 war. In Zukunft aber könnte je nach Entwicklung der Cinecom-kritischen Haltung unter den Kinobesitzern ein genaueres Prüfen der Zahlen nötig werden.
Vorerst aber lässt sich sagen, dass die Reichweiten der Cinecom-Kinos generell stabil bleiben bei 22,62 Millionen Besuchern. Es sind nirgends signifikante Zuwächse oder Verluste festzustellen. Immerhin erreichte Cinecom in der ganzen Erhebungsperiode 104’000 Kinobesucher mehr als bei der Mach Basic 2006-1, doch auch 884’000 weniger als noch vor einem Jahr.
Am meisten erodieren die Kinoreichweiten in der Deutschschweiz, sie liegen um 24’000 unter dem Wert von 2005 und um 27’000 unter dem Spitzenwert von 2004. Anders in der Romandie: Dort nehmen die Kinobesuche wieder leicht zu und federn die Deutschschweizer Verluste etwas ab, doch auch hier liegt man noch unter dem Wert von 2004.
Eines zeigen die Zahlen erneut: Der Anteil der jungen Besucherinnen und Besucher nimmt weiter ab. So machen die 14- bis 34-Jährigen insgesamt noch 51 Prozent der Besucher in den Cinecom-Kinos aus, vor einem Jahr war ihr Anteil noch um
4 Prozentpunkte höher. In der Westschweiz ist ihr Anteil erstmals auf unter 50 Prozent, auf 46 Prozent, gesunken.
 
Besonders stark sinkt der Anteil der jungen Kinogänger aber in Bern: Innerhalb eines Jahres reduzierte er sich von 64 auf 54 Prozent. Ähnlich in Basel: Vor Jahresfrist machten dort die Jugendlichen noch einen Anteil von 54 Prozent aus, nun sind es 9 Prozentpunkte weniger. Auch Zürich, Genf und Lausanne liegen unter der 50-Prozent-Marke. Junge Kindobesucher hinzugewinnen konnte dagegen der Pool St.Gallen/Schaffhausen, wohl in erster Linie dank der noch jungen Multiplexkinos in beiden Städten.   
Auch Kinomagazine erodierenDie Reichweiten der Gratiskinozeitschriften
ist insgesamt am Sinken, innerhalb eines Jahres gingen sie von monatlich 743’000 auf 697’000 Kontakte zurück (–6%), was etwa die Reichweitenentwicklung der jungen Kinobesucher widerspiegelt. Interessant: Die Leserzahlen der beiden Deutschschweizer Magazine Close-up und Film demnächst näherten sich einander an. Ersteres hat seit 2004 zugelegt und kommt jetzt auf 198’000 Leser, Letzteres hat innerhalb eines Jahres signifikante 37’000 Leser verloren und erreicht jetzt noch 221’000 Leser. Stark schwindende Tendenz weist auch Live in der Romandie aus, es erreicht 93’000 Personen, 32’000 weniger als vor zwei Jahren. Avant Première hält sich stabil bei 185’000 Lesern. Markus Knöpfli

Ein Prosit auf die Biervielfalt

Bier Ruf Lanz hat für Cardinal zugleich die Subbrands und die traditionsreiche Dachmarke aufgefrischt.

Bier Ruf Lanz hat für Cardinal zugleich die Subbrands und die traditionsreiche Dachmarke aufgefrischt. 
Schon seit 1788 erfrischt Cardinal mit ausgezeichnetem Bier. Die Freiburger Brauerei zeichnet sich jedoch nicht nur durch eine grosse Tradition, sondern auch durch Innovation aus. So überrascht Cardinal die Geniesser im Land regelmässig mit frischen Bierspezialitäten. Ruf Lanz hat deshalb für Cardinal eine Kampagne gebraut, welche die verschiedenen Subbrands ins Zentrum stellt und durch ihre hohe Wiedererkennbarkeit zugleich die traditionsreiche Dachmarke stärkt.
Die einzelnen Sujets dramatisieren die Vorzüge des jeweiligen Cardinal-Subbrands auf überraschende Art. Dabei verzichten sie auf den üblichen Stammtisch-Bierhumor und bedienen sich einer mehr ästhetischen und kunstvoll reduzierten Bildsprache.
Plakative SujetsCardinal Draft, welches für Nachtschwärmer gebraut wurde, hat Ruf Lanz zu einer Taschenlampe stilisiert. Den edlen Charakter von Cardinal Spéciale signalisieren Weinhalter und Tropfenfänger. Münzenartig aufeinandergestapelte Deckel weisen darauf hin, dass sich Liebhaber von Cardinal Sans Alcool auch nach einer durchzechten Nacht das Taxigeld sparen können. Das klassische Cardinal Lager wiederum krönt den Alltag, weshalb der umgekehrte Deckel frappant an eine Krone erinnert. Und dass das Weihnachtsbier für einmal nicht nur so heisst, sondern auch so aussieht, gewährleistet ein grafisch veränderter Schaum, der sich wie ein Nikolausbart über das Glas ergiesst.
Diese und weitere plakative Sujets können seit September 2006 auf unzähligen Plakatstellen in der ganzen Schweiz sowie auf Inseraten degustiert werden.
Bayern, Fribourg, Rheinfelden und wieder FribourgIm Jahre 1788
beschliesst der Wirt des beim Berner Tor gelegenen Gasthauses «Zum Lachs» in Fribourg neben dem Anwesen eine Brauerei für seinen Sohn zu errichten. Dieser hat seine Ausbildung bei einem bayerischen Braumeister beendet. Damit betreten die beiden Neuland, denn bisher war Bierbrauen Mönchen und Getreidebauern vorbehalten. Nach mehreren Besitzerwechseln geht die Brauerei an einen Spross der Uhrmacherfamilie Blancpain aus dem Jura. Damit wird dem gelben Gerstensaft auch unternehmerisches Denken beigemischt.
1890 wird der Bischof von Fribourg vom Papst zum Cardinal geweiht, dazu wird ein eigenes Festbier gebraut mit dem Label Brasserie du Cardinal. Die Brauerei wird rasch grösser und zügelt von der Altstadt Richtung Bahnhof. Dort wird sie zur echten Fribourger Institution. Bier wird populär, und die Umsätze steigen.
1970 gründen die Brasserie du Cardinal, die Brasserie Beauregard in Fribourg, die Salmen-Brauerei in Rheinfelden, die Brasserie de la Comète in La Chaux-de-Fonds sowie die Brauerei Wädenswil die Sibra Holding. Zwei Jahre später messen sich die fünf Braumeister im Jass, um den Namen des nun nationalen Bieres zu bestimmen. Cardinal gewinnt und wird zur national vertriebenen Marke. 1996 kündigt Feldschlösschen-Hürlimann, welche inzwischen die Mehrheit des Kapitals der Sibra Holding erworben hat, die Schliessung der Cardinal-Brauerei an. Es gibt aber Widerstand. Feldschlösschen unterzeichnet 1998 ein Abkommen, dass Cardinal weiter gebraut werden soll.
Andreas Panzeri

Im Tarifdschungel wird gerodet

Insertionstarife Immer mehr Tageszeitungen stellen zumindest teilweise auf das neue, etwas einfachere Tarifsystem um. Sogar der Tages-Anzeiger zieht auf Anfang 2007 nach.

Insertionstarife Immer mehr Tageszeitungen stellen zumindest teilweise auf das neue, etwas einfachere Tarifsystem um. Sogar der Tages-Anzeiger zieht auf Anfang 2007 nach. 
Das Malheur ist bekannt: Die Tarife der Printmedien sind aus Sicht der Werbeauftraggeber und Agenturen zu unterschiedlich, zu unübersichtlich und häufig nicht zeitgemäss, sondern alten (Drucker-)Traditionen verhaftet. Das Handling der Gattung Print ist entsprechend kompliziert. Wer wissen will, wo die Auftraggeber der Schuh drückt, kann in den Geschäftsberichten des Verbandes Schweizer Werbeauftraggeber (SWA) nachblättern: Die längste Forderungsliste ist jeweils an die Printmedien gerichtet. Auch im Bericht 2005 sind noch immer 18 Punkte aufgeführt (siehe unten) – trotz der Anstrengungen der Publicitas und einiger Verlage (unter ihnen die NZZ), das Tarifsystem der Verlage zu vereinheitlichen.
Immerhin sind es etwa 15 grössere Tageszeitungen, die seit diesem Jahr einen Farbmillimeterpreis anbieten. Dazu gehören auch einige Westschweizer Tageszeitungen, die diesen Schritt bereits früher vorgenommen hatten. 13 dieser Titel führten parallel dazu auf 2006 auch Fixformattarife ein, also feste Preise für vierfarbige Inserategrössen (etwa Panoramaseiten, ganze und halbe Seiten). Meist sind diese Fixformate gar etwas günstiger, als wenn sie auf der Basis des Farbmillimeterpreises berechnet würden.
Viele Titel blockten bisherDie Basler Zeitung, der Tages-Anzeiger, die Berner Zeitung und auch die drei Tessiner Tageszeitungen Corriere del Ticino, la Regione Ticino und Giornale del Popolo vollzogen diesen Schritt allerdings bisher nicht. Von den kleineren Tageszeitungen mit Auflagen unter 50000 Exemplaren ganz zu schweigen. Kein Wunder, doppelte der SWA letzte Woche in einem Communiqué noch einmal nach und forderte im Hinblick auf das Publimedia-Forum vom 27. September, dass nun endlich «alle Verlage» das neue Tarifmodell einführen sollen (WW 33/06).
Doch so weit ist die Verlegergilde nicht. Trotzdem kann Rainer Sauser, Marketingdirektor der Publicitas, ein paar Fortschritte vermelden. «Es sind auch dieses Jahr wieder mehr Titel, die die Preisreform angehen», verrät er einen Tag vor dem Publimedia-Forum. Sein Trendbericht basiert auf  einem Sample von 40 teils auch kleineren Tageszeitungen in P-Regie. «Von diesen hat sich etwa ein Fünftel neu dazu bekannt, per 2007 Fixformate einzuführen», sagt Sauser. Zusammen mit den 13 Titeln vom letzten Jahr dürften es somit schon bald zwei Dutzend Tageszeitungen sein, die mit integriertem Farbmillimetertarif und mit Fixformaten den Kern des neuen Systems umsetzen. Gemäss Sauser wächst auch die Zahl jener Blätter, die ihre Tarifpalette vereinfachen.
So werden etwa acht Titel in ihrer nächsten Tarifdokumentation nur noch einen Schwarzweiss- sowie einen Vierfarbentarif aufführen, die Zuschläge für zwei- oder dreifarbige Anzeigen sowie für Pantone-, Haus- oder Europaskalafarben entfallen. Zwei weitere Punkte, das Rabattieren der Stellenanzeigen sowie ein Gewichtstarif für Beilagen, werden gar die meisten der 40 Titel erfüllen. «Es sind nur noch ein paar wenige, die das noch nicht haben», sagt Sauser.
Mit dieser Zwischenbilanz ist der Marketingdirektor der PubliGroupe zufrieden: «Es ist erneut eine starke Bewegung hin zu der vorgesehenen Branchenlösung feststellbar. Diese wird immer breiter abgestützt.» Er rechnet damit, dass sie sich gar noch verstärken wird, denn erfahrungsgemäss würden sich gegen Ende Jahr einige zögernde Verlage noch zum Mitmachen entschliessen.
Wohlweislich nennt Sauser keine Namen. Denn solange die Tarife nicht publiziert sind, ist bei den Verlagen auch nichts in Stein gemeisselt. Eines steht aber fest: Die erwähnten sechs Titel sind an Sausers vermeldeten Fortschritten (noch) nicht beteiligt, denn er hat von ihnen bis dato keine Rückmeldung erhalten. Anders die Werbewoche: Sie kann zumindest aus Zürich Good News vermelden: Auch der Tagi stellt per 2007 auf den integrierten Farbmillimetertarif um. Anzunehmen ist, dass die Metropool-Partner BaZ und BZ ebenfalls nachziehen werden.
SWA-Forderungen an die Printmedien«Das Inseratemarketing
ist zu wenig auf den Kundennutzen ausgerichtet», reklamiert der SWA im Jahresbericht 2005. Er fordert denn auch generell «mehr Servicementalität, mehr Flexibilität und bessere Beratung». Konkret hält er die Printtarife für «zu unterschiedlich». «Die Preise basieren oft mehr auf Tradition als auf ausgewiesener Leistung», kritisiert er. Entsprechend lautet der Wunsch: «Der Farb-millimeterpreis ist bei weiteren Titeln einzuführen.» Preiszuschläge für Farben und Bundüberlauf seien angesichts der heutigen Drucktechnik zu überprüfen. Zudem erwartet der SWA diverse Vereinheitlichungen, etwa bei den Beilagenpreisen oder bei den Rabattierungs- und Abschlussgrundsätzen. Dass Stellenanzeigen und Finanzinserate mehr kosten als vergleichbare kommerzielle Werbung, will der SWA ebenfalls nicht goutieren. Deshalb pocht er grundsätzlich auf «eine klare Neuregelung und eine Vereinfachung der Preisstruktur – und darauf, dass er dabei auch ein Wörtchen mitreden darf.
Neue PhilosophieDem neuen Tarifsystem,
für das die Publicitas Überzeugungsarbeit leistet, liegt eine veränderte Philosophie zu Grunde: Statt von einem Basispreis auszugehen und Kunden mit Zuschlägen zu «erschrecken», bietet man neu tendenziell günstige Fixformate an, wobei Normabweichungen möglich, jedoch im Verhältnis zu den Fixformaten etwas teurer sind. Mit einem Preisnachlass belohnen will man auch jene Kunden, die ihre Anzeige fixfertig und nach bestimmten technischen Normen anliefern. Heute wird dies oft anders gehandhabt: Wer gute Qualität liefert, wird «bestraft», weil er gleich viel bezahlt wie ein Kunde, dessen Inserat erst erfasst werden muss.
Markus Knöpfli

GEMI neu mit Adscreen

Werbemarkt II Die Brutto-Werbeinvestitionen in den elektronischen Medien wurden gemäss GEMI im August weiter erhöht.

Werbemarkt Die Brutto-Werbeinvestitionen in den elektronischen Medien wurden im August weiter erhöht. Der Goldbach Electronic Media Index (GEMI) zeigt für TV, Radio, Internet und Teletext zusammen einen Anstieg von 330 auf 332 Punkte. Der Index des Gesamtwerbemarktes ist im August von 171 auf 172 Indexpunkte leicht angestiegen.Der GEMI weist ab August neu auch Adscreen aus, dies gleich mit dem höchsten Zuwachs von 14 Indexpunkten auf 205. Weil auch Internet einen Sprung um 4 Indexpunkte auf 225 verzeichnet, holen die beiden «New Generation Media» auf. Radio mit 250 und Teletext mit 148 Indexpunkten verzeichneten hingegen keine Steigerung. Fernsehen konnte sein Wachstum mit 1 Indexpunkt auf 333 fortsetzen.
Der GEMI basiert auf den publizierten Daten von Media Focus für Werbeinvestitionen in der Schweiz und der Werbeaufwandstatistik AIS der Wemf für Adscreen mit Index 100 im Dezember 2004.
 
Rona Grünenfelder

 

13. Publimedia Forum: Mediale Kreativität als Schwerpunkt

Zum 13. Mal fand am Mittwoch das Publimedia-Forum vor rund 400 Werbeauftraggebern sowie Kommunikationsfachleuten aus Verlagen, Werbe- und Mediaagenturen statt.

Zum 13. Mal fand am Mittwoch das Publimedia-Forum vor rund 400 Werbeauftraggebern sowie Kommunikationsfachleuten aus Verlagen, Werbe- und Mediaagenturen statt. Mit Fakten und Neuigkeiten über Veränderungen im Zeitungs- und Zeitschriftenangebot 2007 eröffnete Daniel Strobel, CEO Publimedia, den jährlichen Anlass im World Trade Center in Zürich. Fazit seiner Ausführungen: Die Presse hält im Lesermarkt ihre Marktanteile und erhöht mit innovativen Angeboten und attraktiven Preismodellen die Wettbewerbsfähigkeit im Kampf um die Verteilung des Werbekuchens. Das zentrale Thema der diesjährigen Forum-Veranstaltung war dem Thema «Media is the new creative» gewidmet. In Referaten von Peter Magnani, Managing Director, OMD International in London, und Dominique von Matt, Geschäftsführer/Mitinhaber der Werbeagentur Jung von Matt/Limmat, wurden die dynamischen Entwicklungen im Mediamarkt sowie deren nachhaltige Auswirkungen auf die Aufgaben- und Rollenverteilung von Media- und Kreativagenturen, Medienanbietern sowie Werbeauftraggeber beleuchtet.
Anschliessend wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Pierre C. Meier, Chefredaktor WerbeWoche, lebhaft und kontrovers diskutiert, wie Media und Kreation künftig aufeinander zugehen sollten. Fazit der Diskussion: Es wird keine einheitlichen Erfolgs-Modelle geben, aber die Aufgabengebiete einer Werbeagentur und Mediaagentur dürften sich künftig wieder stärker überschneiden. Eine entscheidende Rolle wird dabei der Werbeauftraggeber spielen, der in Zukunft mehr Verantwortung und auch Kontrolle über den effizienten Einsatz der Mediaausgaben übernehmen muss.
 
Die Referate, Teilnehmerliste, Fotos sowie weitere Informationen zum 13. Forum sind unter
zu finden.

Macho-Mauzereien

Kolumne Heute ist ein Mitglied der Regierung zu loben. Einmal ist kein Mal. Und was wiegt in Zeiten randalierender PR schon ein Lob, meint Oliver Fahrni.

Kolumne Heute ist ein Mitglied der Regierung zu loben. Einmal ist kein Mal. Und was wiegt in Zeiten randalierender PR schon ein Lob…Nein, nicht der Minister für und gegen Justiz. Den plagen andere Sorgen, Karikaturen etwa. Immerhin, er hat gerade zwei Abstimmungen gegen die Ausländer gewonnen, und das Thema wird er uns im Wahljahr 2007 in allen erdenklichen Variationen kredenzen, sekundiert vom willfährigen Teil der Journalisten. Keine geringe Leistung auch sein Opfer-Gestus. Er bastelt die Gesetze, er hat wirtschaftliche Macht, er gebietet über die grösste Kommunikationsmaschine, die je ein Politiker aus der Schweiz sein Eigen nannte, und eine Wochenzeitung und reichlich Platz in allen anderen Medien; der Mainstream ist neoliberal, die Regierung steht weit rechts, und die Gewinne der Konzerne blinken astronomisch – doch dieser Mann schafft es, die Schweiz als bedrohtes Land in den Klauen einer roten etatistischen Elite darzustellen. Wahrheitswidrig wie vieles an ihm. Eigentlich ein Fall für die Medien…Den Chapeau lüften wir hingegen kurz vor einer Bundesrätin: Aussenministerin Micheline Calmy-Rey ist die andere Schweiz. Beharrlich und gegen manche Anfeindung hat sie den israelischen Kriegszug im Libanon kritisiert (und den Angriff der Hizbollah), die Einstellung der Kämpfe gefordert, den schnellen Rückzug. In Palästina insistiert sie auf einer Verhandlungslösung (Genfer Initiative). Ein neuer Uno-Menschenrechtsrat ist unter ihrem Antrieb entstanden. Im diplomatischen Corps hat sie nach der Visa-Affäre aufgeräumt – persönlich, in Islamabad. Frauenrechte, auch im EDA, Kampf gegen den Menschenhandel, Reform der Vereinten Nationen, Konfliktvermeidung und Friedenssicherung, humanitäre Hilfe und Entwicklung – MCR setzt Akzente. Der Schweizer Präsenz bekommts. «In Menschen- und Völkerrechtsfragen haben wir eine grosse Glaubwürdigkeit. Wir können etwas leisten, viele Länder erwarten das von uns.»
Aktive Neutralität nennt sie das. Derlei irritiert, vorab jene Leisetreter, die denken, je niedriger das politische Profil des Landes sei, desto bessser lebe der Offshore-Finanzplatz. Dort zumindest ist die Schweiz heute global Nummer 1. Geschäftsgrundlage ist ein gezischtes «Pssst».
Nicht, dass Calmy-Rey grundlegende Positionen der Aussenpolitik revidieren würde – eher arbeitet sie am Vorhaben, dieses Selbstbild eines Landes der Freiheit und Menschenrechte in Deckung mit seiner Praxis zu bringen. Eine abweichende Stimme, etwa bei der bundesrätlichen Vertuschung der geheimen US-Gefangenentransporte, erhebt sie nicht – doch sie besteht bei jeder Gelegenheit auf der Verbindlichkeit internationalen Rechts.
Wahrscheinlich wäre dies alles für die Isolationisten nur halb so enervierend, kämen ihr Politik und Medien mit den üblichen Macho-Mauzereien bei. Zwar murmelte das helvetische Leitblatt kaum vernehmlich von emotionaler Politik, die nichts wisse von den militärischen Notwendigkeiten. Bei MCR verfängt derlei nicht. Noch weniger jeder Versuch, ihre Weiblichkeit gegen sie in Anschlag zu bringen, Frisur, Gatte oder Tenue vor sie zu stellen (nicht einmal in der Softcore-Version «erstaunlich, wie gut sie Emotionen und Professionalität zusammenbringt»). Sie hat die Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie gezähmt. Lächelnd-bestimmt, mitunter in weltläufiges Parlando gekleidet ist ihr Auftritt. Souverän im eigentlichen Sinne. Locker trägt sie eine Botschaft, die da lauten könnte: Kann sein, dass ich einen sehr guten Job mache, weil ich Frau bin. Bewegte Zeiten brauchen Staatsfrauen.
Vermutlich hat die Warenästhetik der Geschlechter keinen Zugriff auf sie, weil sie dies nicht macht, sondern ist. Zu beweisen hat die frühere Unternehmerin und Genfer Regierungschefin, Grossmutter und Ministerin nichts. Einen wie den SVP-Chef Ueli Maurer kann so etwas in Rage bringen. Man müsse Calmy-Rey das EDA wegnehmen, sagte er, als sie einen Schweizer Sitz im Uno-Sicherheitsrat ins Gespräch brachte. Hier ist Black&Decker-Land: Was an der Hecke über steht, was nach dem Licht sich streckt, wird sogleich gerade gestutzt. Könnte es sein, dass die Schweiz ihre Aussenministerin nicht verdient?
Oliver Fahrni ist freier Publizist, war bis 2001 stv. Chefredaktor der Weltwoche, danch Auslandchef der Hamburger Woche.

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