Zu guter Letzt: Ryanair pappt Passagieren Werbung direkt vor die Nase

Die Flugpassagiere von Ryanair werden künftig nicht nur auf dem normalen Weg umworben. Bald strahlen ihnen auch Anzeigen von den Rückseiten der Sitze entgegen.

Die Flugpassagiere von Ryanair werden künftig nicht nur auf dem normalen Weg umworben. Bald strahlen ihnen auch Anzeigen von den Rückseiten der Sitze entgegen. Wie die Nachrichtenagentur SDA am Mittwoch berichtet, soll die Werbung die Flugpreise bei Ryanair weiter senken. Ob die Werbebotschaft sich jedoch wie gewollt in die Köpfe der Fluggäste einbrennt oder ob sie zu viel des Guten ist, bleibt dahin gestellt. Verantwortlich für die Massnahme ist die Zürcher Marketingagentur InviseoMedia, die mit dem irischen Unternehmen einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben hat. Bis 2012 will die Fluggesellschaft ihre Passagierzahl von 42 auf 70 Millionen jährlich steigern.

Mehr Werbeinvestitionen im August

Werbemarkt I Der Werbemonat August hat im Vorjahresvergleich um 10 Prozent zugelegt.

  Werbemarkt Der Werbemonat August hat im Vorjahresvergleich um 10 Prozent zugelegt. Das kumulierte Plus 2006 beträgt 6,4 Prozent. Internet (+33%) und die Printgattungen lagen 10 Prozent und mehr über dem Vorjahreswert. Auch Fernsehen (+5,7%), Radio (+5,1%), Plakat (+3,2) und Teletext (+0,8%) haben zugelegt. Einzig die Kinowerbung verbuchte mit –36,6 Prozent ein Minus.Folgende Schlüsselmärkte legten am stärksten zu: Energie (+71%), Bekleidung (+66%), Kosmetik/Körperpflege (+31%), Fahrzeuge (+25%) und Finanzen (+18%). Weniger investiert haben unter anderem Tabakwaren (–37%) und Verkehr (–28%).
 
 

Pierre Buntschu verlässt Edipresse

Pierre Buntschu, stellvertretender Chefredaktor der Tageszeitungen 24 Heures und La Tribune de Genève, verlässt das Westschweizer Verlagshaus Edipresse per Ende Jahr, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilt.

Pierre Buntschu, stellvertretender Chefredaktor der Tageszeitungen 24 Heures und La Tribune de Genève, verlässt das Westschweizer Verlagshaus Edipresse per Ende Jahr, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilt. Buntschu verlässt das Unternehmen, um eine eigene Consulting-Firma im Bereich Medien, Marketing und Kommunikation zu gründen. Er war sechs Jahre für Edipresse tätig und war Mitglied der Geschäftsleitung. Unter anderem verantwortete er die Anpassung des Anzeigenangebotes der Tageszeitung Le Matin im Tabloidformat.

Mrg erneuert Internet-Auftritt

Die Basler Werbeagentur Mrg ist aus ihrer alten Homepage herausgewachsen. Neu ist die Seite nicht mehr so verspielt, sondern fokussiert auf Inhalte und wichtige Facts über die Agentur.

Die Basler Werbeagentur Mrg ist aus ihrer alten Homepage herausgewachsen. Neu ist die Seite nicht mehr so verspielt, sondern fokussiert auf Inhalte und wichtige Facts über die Agentur, wie einer Mitteilung zu entnehmen ist. Ausserdem gewährt die neue Page einen Blick in die Seele von Mrg, denn das gesamte Team ist mit Foto und einem persönlichen Textchen vertreten. Auch die aktuellen Arbeiten sind emotional in Szene gesetzt. Besonderen Wert wurde auf eine einfach Navigation und ein klares Design der Page gelegt. Mit 39 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie 60 Mandaten zählt Mrg zu den mittelgrossen Agenturen in der Schweiz. In den letzten drei Jahren wurden die Beratung und auch die Kreation kontinuierlich ausgebaut. Neue Kunden konnten zudem stetig dazu gewonnen werden. Auch die polygrafische Abteilung und die Packaging-Design-Unit wurden komplett umstrukturiert.

3+ steigert Reichweite und Marktanteil

Ab sofort können 1'677'884 Haushalte in der deutschsprachigen Schweiz den neuen Schweizer Privatsender 3+ empfangen. Seit Sendestart am 31. August konnte 3+ die Reichweite von 75 Prozent auf über 82 Prozent steigern.

Ab sofort können 1’677’884 Haushalte in der deutschsprachigen Schweiz den neuen Schweizer Privatsender 3+ empfangen. Seit Sendestart am 31. August konnte 3+ die Reichweite von 75 Prozent auf über 82 Prozent steigern. Bis Ende Jahr soll die Verbreitung des Senders auf den Deutschschweizer Netzen rund 85 Prozent betragen, teilt das Unternehmen am Mittwoch mit. Diese Reichweite wäre mit den Schweizer Werbefenstern der deutsche Privatsender vergleichbar. Ab 3. Oktober wird das Programm von 3+ auch digital über Cablecom empfangbar sein. In der Schweiz empfangen 90 Prozent der Haushalte die Sender über Kabel, die restlichen 10 Prozent terrestrisch und über Satellit. An der Screen-up in Zürich gab Sendeleiter Dominik Kaiser ausserdem bekannt, dass 3+ bereits einen Marktanteil von durchschnittlich 2 Prozent erobert habe. Gerechnet hatte man zuvor mit 1,4 Prozent. Damit komme der neue Schweizer Sender bereits auf einen höheren Marktanteil als Super RTL. Kaiser eröffnete zudem, dass das Unternehmen eine Partnerschaft mit 20 Minuten eingegangen sei und dass er plane, bereits nächstes Jahr einen zweiten Kanal zu starten.
In Sachen Werbung sei 3+ sehr offen, betonte Kaiser weiter an der Screen-up. «Wir sind offen für Product Placement», so Kaiser. Auch in die bis anhin noch nicht ganz geklärten Besitzverhältnissen gab er Einblick. Neben den 89 Prozent der Aktien, die er selbst halte und sich mit privaten Darlehen finanziert habe, besitzt Programmdirektor Torsten Prenter zehn Prozent. Ein Prozent liegt zudem bei TV-Produzent Martin Schäfer, erklärte Kaiser gegenüber dem Kleinreport.

Tele lässt Bilder sprechen

Programmzeitschrift Wyler Werbung macht für das TV-Heft Tele mit verspielten Ideen Imagewerbung.

Programmzeitschrift Wyler Werbung macht für das TV-Heft Tele mit verspielten Ideen Imagewerbung. 
Nicht Auflage bolzen, sondern einfach wieder einmal Präsenz zeigen, lautete der Auftrag für die neue Tele-Kampagne. «Tele ist ein Produkt ohne Probleme», erklärt dazu Ruedi Wyler. Seine Agentur hat das begehrte Budget von Ringier in einem Pitch gewonnen. In der angelaufenen Kampagne soll nun kommuniziert werden, dass die Programmzeitschrift Tele nicht nur einen TV-Fahrplan bietet. Rund 40 Prozent des Inhalts präsentieren sich als Magazin-Teil mit Themen rund um Kino, Medien und Tratsch aus diesen Welten.«Möglichst liebenswürdig» wollte nun Wyler mit seinen Sujets entsprechende Geschichten aus dieser Welt erzählen. Diese sollen beim Betrachter eine Sympathie auslösen. Die Geschichten sind aber nicht zu Ende erzählt, sondern wollen, dass die Zuschauer «selber ein bisschen Fantasie ins Sujet projizieren können». Das heisst: Man kann seine eigenen Gedanken anstellen, wieso der überirdische Liebling ET mit dem TV-Aushängeschild Viola Tami Kontakt aufnehmen will. Was schreit Torhüter Pascal Zuberbühler dem aufgebrachten Dino entgegen? Einfach ein Vergnügen beim Betrachten auslösen soll die Montage mit King Kong und den zwei Sängern – was als Bildspiel natürlich sofort die Assoziation «Die drei Tenöre» zur Folge hat.
Wyler wäre bei seinem Gestalten gerne ein wenig «politisch unkorrekter» geworden. Bereits bei einer Kampagne für die Programmzeitschrift TV täglich hat er früher einmal Geschichten erfunden wie «Pamela Anderson gibt ihr letztes Hemd her, nur um im TV täglich auf die Titelseite zu kommen.»
Entsprechend freche Geschichten hätten die abgebildeten Figuren und Promis in dieser Kampagne jetzt aber kaum mehr zugelassen. Es war schon «Kampf genug», dass Wyler einen Promi wie ET überhaupt für sein Projekt gewinnen konnte. Mehr als 27 Telefonanrufe ins Jenseits beziehungsweise zum Inhaber der Figurenrechte hat es dazu gebraucht. ET stellte dabei die Bedingung, dass er auf keinen Fall zu sexy wirken dürfe. Auch musste in einem Vertrag ganz genau abgegrenzt werden, wie lange ein Plakat mit ET als Werbehelfer für Tele hängen darf.
Gewarnt durch solche Vorschriften, hat Wyler mit King Kong gar nicht erst den persönlichen Kontakt gesucht. Ein anonymer Affe kann beim Betrachter die gleichen Assoziationen wecken.
Pflegeleichter waren die echten menschlichen Promis. Werbung für das Tele ist für solch populäre Stars schlussendlich ein Geben und Nehmen. «Es sind aber alle angefragt worden», versichert Wyler. Inspiriert durch Hitchcock, hat dieser sich sogar auch noch selber in ein Inserat geschlichen. Weil Frankenstein ebenfalls eine gewisse Scheu zum Auftreten als Werbefigur an den Tag legte, hat Wyler am Original ein paar Retouchen anbringen müssen. Der Professor aus dem Horrorfilm ist jetzt in einem Kittel von Wyler zu sehen und musste selber ein paar kosmetische Operationen über sich ergehen lassen.
Alles in allem sollen diese Bildgeschichten, die «nicht als Fotomontagen, sondern Fotos in Relation» zu lesen sind, möglichst eine ähnliche Unterhaltung transportieren, wie sie auch das Tele verspricht. Die Reihe kann beliebig fortgesetzt werden und wird in allen Ringier-Titeln geschaltet, aber auch bei Annabelle, Magazin, Facts und anderen.   
Andreas Panzeri 

Wild auf Kräutertee

Tee Ruf Lanz wirbt mit einem neuen Sujet für die Teespezialitäten im Hotel Dolder Waldhaus in Zürich.

   Tee Seit 2004 wirbt Ruf Lanz fürs ehrwürdige Hotel Dolder Waldhaus in Zürich. Aufhänger sind jeweils die Teespezialitäten. Man erinnert sich an das Sujet «Prince of Wales tea». Die Teetasse hatte zwei Henkel, die wie die Ohren des britischen Thronfolgers abstanden. Nun tischt die Ideenküche von Ruf Lanz ein weiteres Sujet auf. Es hat die aktuelle Wildsaison im Visier und spielt wieder auf überraschende Art mit der Tasse. Diese liegt hier so auf der Untertasse, dass sie frappant an einen Jägerhut erinnert. Denn während der Jagdsaison serviert das Hotel Dolder Waldhaus die Kräutertees.

AHV Luzern engagiert Planet

Die Luzerner Agentur für Kommunikation und Gestaltung Planet konnte sich im Pitch gegen vier Mitkonkurrenten durchsetzen und wurde von der AHV Luzern mit der Erarbeitung eines neuen Messekonzepts beauftragt.


Die Luzerner Agentur für Kommunikation und Gestaltung Planet konnte sich im Pitch gegen vier Mitkonkurrenten durchsetzen und wurde von der AHV Luzern mit der Erarbeitung eines neuen Messekonzepts beauftragt. Die neue Umsetzung soll erstmals an der Zentralschweizer Erlebnismesse «LUGA» zum Einsatz kommen, wie es in einer Mitteilung heisst.

«Ein Burn-out kommt immer zu spät»

Umsteiger Jürg Brechbühl über die Gründe, wieso er sich als CD bei Contexta vielleicht aus der Werbung zurückziehen und beruflich neu orientieren will.

Umsteiger Jürg Brechbühl über die Gründe, wieso er sich als CD bei Contexta vielleicht aus der Werbung zurückziehen und beruflich neu orientieren will.  
WW: Nach einer erfolgreichen Karriere bei Advico Young & Rubicam, Spillmann Felser Leo Burnett und jetzt drei Jahren CD bei Contexta wollen Sie aus der Werbung aussteigen. Was folgt am Tag danach?Jürg Brechbühl: Bis an Weihnachten mache ich Pause. Neu orientieren. Ich will mir ein paar Wünsche erfüllen. Zum Beispiel einen Italienischkurs in Ravenna.WW: Ihr Ausstieg hat überrascht. Mit einer gewissen Narrenfreiheit können Sie jetzt reden. Was läuft schief in der Werbung?Jürg Brechbühl: Das kann nicht in einem Satz gesagt werden. Ich bin auch nicht in einer solchen Stimmung. Ich bin neugierig auf die nächsten drei Monate. Ich bin jetzt Anfang 50 in einem Alter, wo ich vielleicht zum letzten Mal noch einmal neue Weichen stellen kann. Ich habe nicht das Gefühl, ich müsste jetzt wie abrechnen mit der Werbung. WW: Das heisst: Sie haben die Werbung nicht vollständig satt?Jürg Brechbühl: Es ist für mich nicht so, dass ich die Werbung absolut satt habe. Die Branche bleibt spannend. Aber es hat sich einiges verändert in den letzten neun Jahren, seit ich als Quereinsteiger nach 20 Jahren Schulzimmer in die Werbung gewechselt habe.WW: Was hat sich verändert?Jürg Brechbühl: Werbung hat gesellschaftlich an Bedeutung verloren. Sie geniesst wenig Relevanz. Früher hat man über gute oder schlechte Werbung öffentlich diskutiert, hat sich aufgeregt. Heute ist bei Nichtwerbern die Werbung kein Thema mehr. Früher hat der Werbefilm oft die grossen Filme im Kino inspiriert. Heute kopieren die Werbefilmer die neuen Ideen aus dem Spielfilm. Werbung setzt keine Trends mehr. Das passiert in neuen Künsten und im Internet – aber kaum mehr in der Werbung. WW: Wo fehlt das Feuer?Jürg Brechbühl: Es hat sich sicher nicht alles negativ verändert. Ich muss auch sagen: Ich habe mich natürlich mit verändert. Das ist immer ein Zusammenspiel. Aber Cary Steinmann hat Recht, wenn er bei seinem Aussteigen sagte, der Spassfaktor sei ein bisschen abhanden gekommen. Als ich in den 90er-Jahren eingestiegen bin, hat man mit mehr Musse, Zeit und Spass arbeiten können. Was mich beunruhigt, ist, dass die Werbung trotz härterer Gangart aber nicht besser geworden ist. In den letzten Jahren sind wir an Ort stehen geblieben und pflegen eine gewisse Mittelmässigkeit.WW: Sie haben sofort in der höchsten Liga mittexten können. Was sind gute Erinnerungen aus dieser Zeit?Jürg Brechbühl: Schön für mich war, dass ich in einem fortgeschrittenen Alter wirklich noch einmal einen Beruf von Grund auf neu erlernen konnte. Das war spannend. Auch damals habe ich die Sekundarschule nicht sattgehabt. Ich sah aber eine neue Chance in der Werbung – und das musste ich packen. Es ist besser, aus einem Beruf auszusteigen, wenn man noch Lust hat, als einfach in ein Burn-out hineinzuwachsen. Ich spüre noch kein Burn-out. Wenn man eines hat, ist es dann immer zu spät. Es gibt Leute die sagen: Schade, hört der auf. Aber vielleicht heisst es in drei Jahren: Wann geht der endlich, der bringt es nicht mehr.WW: An was leiden Sie bereits jetzt?Jürg Brechbühl: In unserer Branche arbeitet man oft in einem luftleeren oder ein bisschen künstlichen Raum. Meine Frau ist Goldschmiedin. Sie hat in meinen Augen einen tollen Beruf. Sie macht etwas mit ihren Händen. Am anderen Tag findet der Kunde das Schmuckstück schön. Und das ist in der Werbung nicht immer so. Man kommt manchmal abends nach Hause und weiss gar nicht, was man tagsüber gemacht hat. Obwohl das vielleicht ein bisschen pointiert ausgedrückt ist.WW: Was hat Ihre Frau zum Aussteigen gesagt?Jürg Brechbühl: Da habe ich immer volle Unterstützung. WW: Was machen Sie ab Weihnachten?Jürg Brechbühl: Da ist noch nichts klar. Die nächsten drei Monate sollen zum Finden da sein: Bleibt es die Kommunikationsbranche, oder will ich zurück zu meinen Wurzeln als Lehrer. Allenfalls wäre es auch eine interessante Kombination beider Welten als Dozent am Sawi oder an einer Kunstgewerbeschule. Ich kann mir auch etwas im pädagogisch-sozialen Bereich vorstellen. WW: Was hat Sie damals für die Werbung motiviert?Jürg Brechbühl: Das war ein Jugendtraum von mir. Ich wollte schon als 16-Jähriger Werbetexter werden. Aber in den 60er-Jahren hat in dieser Branche niemand auf uns gewartet. So bin ich zuerst einmal Lehrer geworden und habe das sehr gerne gemacht. WW: Viele Leute durchlaufen inzwischen mehrere Berufe. Wieso ist Ihre Faszination für Werbung erloschen?Jürg Brechbühl: Ob der Traum ausgelebt ist? Ein bisschen schon, ja. Es geht wie mit vielen Träumen – es kommt auch das alltägliche Business dazu. Das ist oft härter, als man es erwartet hat. Wir sind ein Wirtschaftszweig, wo Geld verdient werden muss. Es muss rentieren, und da bleibt das Menschliche manchmal etwas zurück.WW: Sie liebäugeln mit einem sozialen Beruf. Wollen Sie die Werbung auch ethisch hinterfragen? Jürg Brechbühl: Eher mehr Lebenssinn finden. Werbung ethisch hinterfragen kann man nicht, wenn man so lange in der Werbung gearbeitet hat. Sonst wäre etwas falsch gelaufen. Vielleicht gibt es aber einen nachhaltigeren Sinn, wenn man zum Beispiel mit jungen Menschen arbeiten kann, als wenn ich eine tolle Kampagne mache.WW: Als Lehrer am Sawi könnten Sie junge Leute in eine richtige Richtung lenken?Jürg Brechbühl: Man könnte es probieren.WW: Aus welchen Gründen haben Sie Contexta verlassen ?Jürg Brechbühl: Es hat sich so ergeben. Die drei Jahre bei Contexta waren für mich sehr gute und spannende Jahre. Nicht nur mit «Beck & Bondi» haben wir grosse Erfolge feiern können. Da ist jetzt ein Team gewachsen. Contexta ist eine grosse Agentur, und ich finde, es ist absolut richtig, dass auch jüngere Leute ihre Chance bekommen. WW: Wie viel haben die Kunden zu Ihrer Enttäuschung in der Werbung beigetragen?Jürg Brechbühl: Es ist zu einfach zu sagen, die Kunden seien schuld. Man spürt aber immer mehr die Mentalität: Wer zahlt, befiehlt. Der wirtschaftliche Druck führt dazu, dass sich Kunden vermehrt in die Kreation einmischen. Sie texten eigene Headlines und wollen auch die Fotos selber bestimmen. Das Misstrauen hat klar zugenommen. Viele Kunden haben das Gefühl, die Agentur wolle ihnen etwas aufschwatzen unter dem Etikett «kreativ». Die Migros oder Swisscom sind für mich die positiven Ausnahmen, wo grosse Konzerne in der Schweiz noch echten Mut zu guter Werbung erlauben.WW: Die berühmten 50 Prozent, die man als Geld zum Fenster rauswirft …Jürg Brechbühl: Kreativität wird nach wie vor ausgespielt gegen Marktwirkung. Dabei ist es mehrfach bewiesen, dass kreative Werbung auch besser verkaufen kann. Trotzdem sind diese Vorurteile da, und Kunden wollen lieber mittelmässige Werbung. Klar: Wenn sie diese mit grossem finanziellem Druck einsetzen, kann die Wirkung nicht ausbleiben. Es ist in diesem Bereich auch schwieriger geworden, an die Entscheidungsträger heranzukommen. Es hat immer mehr Leute, die mitentscheiden, aber dabei auch grosse Angst haben. Die wirtschaftliche Situation ist ja auch so, dass viele Leute Angst haben müssen um ihre Jobs. Diese wollen auf keinen Fall einen Fehler machen. Und sicher keinen Fehler macht man, wenn man sich für nichts Neues entscheidet. Das hat man in den letzten drei Jahren extrem spüren können.WW: Sind Sie müde geworden zu kämpfen?Jürg Brechbühl: Es wäre viel zu einfach, nur die Kunden für die schlechte Werbung verantwortlich zu machen. Auch die meisten Agenturen kämpfen nicht mehr so richtig für ihre kreativen Würfe wie früher. Aus den gleichen Gründen. Es hat viele neue Agenturen gegeben, aber der Kuchen ist nicht grösser geworden. Der wirtschaftliche Druck auf die Agenturen hat sogar zugenommen. In den 90er-Jahren hat man einen Kunden ohne kreatives Verständnis noch wegschicken können. Eine Agentur mit 40 Leuten kann sich das heute nicht mehr leisten und muss auch oft seltsame Wünsche erfüllen. Heute werden von namhaften Agenturen Spots gemacht, für die sie früher sich noch geschämt hätten. Das ist aber nicht nur in der Werbung so. WW: Was sind gute Erinnerungen?Jürg Brechbühl: Es waren mehr schöne Momente als schlechte. Schön war, wenn wir eine gute Kampagne wirklich umsetzen konnten, einen Film machen, der beim Publikum ankommt. Noch mehr als Anerkennung vom ADC haben mich positive Rückmeldungen von Leuten ausserhalb der Branche gefreut. Das ist uns bei «Beck & Bondi» mehrmals passiert.WW: Welchen Tipp möchten Sie an junge Werber weitergeben?Jürg Brechbühl: Sich an den Besten zu orientieren.Interview: Andreas Panzeri

Sie und Er überarbeitet

Sonntagspresse Das Magazin Sie und Er will kompakter werden.

Sonntagspresse Das Magazin Sie und Er will kompakter werden.Im Mai des letzten Jahres stellte Ringier seinem SonntagsBlick ein Magazin zur Seite, das seither die vorherige Magazinbeilage ersetzt. «Schnörkellosen Journalismus» hatten sich die Macher auf die Fahne geschrieben, ein Sachverhalt, der dem breiteren Publikum wohl eher Rätsel auftrug, denn für gesteigerte Erwartungen sorgte. Knapp anderthalb Jahre nach dem Launch des Blattes, das als veritable Illustrierte und nicht als blosse Beilage rezipiert werden will, erfährt es auf den 1.Oktober eine leichte Überarbeitung. Im Wesentlichen will man das aufwändig gestaltete und von grossflächigen Bildreportagen dominierte Magazin näher an das Mutterblatt SonntagsBlick heranführen.
SoBli-Chefredaktor Christoph Grenacher will nicht von einem Relaunch sprechen. «Sie und Er wird leicht überarbeitet», sagt er. Die auffälligste Veränderung präsentiert sich auf der Titelseite. «Wir arbeiten fortan mit randabfallenden Bildern auf der Front», so Grenacher. Daselbst prangt denn auch in der Ecke links oben – um alle Missverständnisse auszuschliessen – das Logo des Mutterblattes SonntagsBlick.
Im Wesentlichen haben die Macher die Leserführung mit zusätzlichen Serviceelementen optimiert. Das Heft präsentiere sich jetzt «kompakter und griffiger», meint Grenacher. Am Format wurde nichts verändert. Weiterhin bleibt auch der Umfang mit 64 Seiten gleich. «Wir verstehen uns nach wie vor als Illustrierte, wo neben den grossen bilddominierten Strecken auch viele kleinteilige Servicebeiträge stehen», sagt er.
Das Blatt teilt sich in zwei Magazinteile. Einer davon ist ein neues Ressort mit Namen Enjoy. Dort werden Lifestylethemen, Mode, Beauty, Design, Reisen, Essen und Trinken abgehandelt. Der andere Teil gehört der Kultur. Daneben stehen die Komponten einer Illustrierten mit den kleinteiligen Elementen. «Wir hoffen, dass es uns gelingt, Sie und Er noch besser im Leser- und im Werbemarkt zu positionieren», sagt Grenacher. Das will er dann auch offensiver kommunizieren.    
 
René Worni

Missdeutungen

Aufgefallen Andreas Panzeri erhofft sich ein wenig Erhellung rund um den unbekannten Marktwert der vielseitig vermarkteten Xenia.

  Platzierungen Da soll ein Mann die Welt noch verstehen – oder wenigstens den SonntagsBlick. «In der Schweiz heiss begehrt», steht als Headline in einer Anzeige mit Xenia Tchoumitcheva für Suzuki. «Wer will mich?», fragt die verzweifelte Vize-Miss-Schweiz im gleichen Blatt in einem Artikel über ihr sechsmonatiges Martyrium als Single. «Xenia» für 93.75 Franken statt 125 wird zur dritten Verwirrung im gleichen SoBli haarscharf auf einer Seite daneben angeboten. Diese «Xenia» entpuppt sich allerdings als «Stehleuchte, Nickel matt» mit 25 Prozent Rabatt bei Micasa. Womit wenigstens von dieser Lampe ein wenig an Erhellung rund um den somit unbekannten Marktwert der vielseitig vermarkteten Xenia abfallen könnte.  
Andreas Panzeri  

Das süsse Geheimnis der Ärzte

Grossverteiler Publicis zeigt für die Migros in einer crossmedialen Kampagne, welches die Lieblingsprodukte der Schweizer sind.

Grossverteiler Publicis zeigt für die Migros in einer crossmedialen Kampagne, welches die Lieblingsprodukte der Schweizer sind. 
Kinder wollen Farmer und die Eltern Sirup. Das ist das Resultat einer gross angelegten Umfrage über die Kaufgewohnheiten der Migros-Kunden. Im Juni hat der Grossverteiler mit der Frage «Und was ist Ihr Lieblingsprodukt?» einen Wettbewerb lanciert. Bei diesem kürten Kunden ihr Lieblingsprodukt aus dem gesamten Sortiment und konnten mit ihrer Teilnahme attraktive Preise gewinnen. Die Aktion läuft noch bis Ende November, aber da bereits über 200’000 Besucher auf der Wettbewerbs-Site waren, «ist es Zeit für eine Zwischenbilanz», meint Beat Mühlemann, Leiter Marketing Kommunikation beim Migros-Genossenschafts-Bund.Die bisher ausgewerteten Antworten haben Überraschendes an den Tag gebracht. So haben Teenies und 90-Jährige dasselbe Lieblingsprodukt: Energy-Drinks. Unerwartet auch: Zwei Drittel aller Sirupliebhaber sind Erwachsene, die meisten kinderlos. Und was für Singles ein interessanter Hinweis sein könnte: Glatzköpfe und Blondinen treffen sich mit Vorliebe vor dem Jogurtgestell und greifen nach dem gleichen Moccabecher. Auch Schreiner stehen auf Jogurt, allerdings der Marke Excellence. Politiker löffeln gerne Actilife Breakfast, und Jungfrauen mit dem Sternzeichen Jungfrau lechzen nach Bifidus.
Das alles weiss der orange Riese dank der Auswertung von bisher mehr als 100’000 Teilnahmekarten und Onlinefragebogen. Und Big Dealer weiss noch viel mehr. Ein Teil dieser Erkenntnisse wird nun von Publicis in einem neuen TV-Spot aus dem Hause Condor und in einer neuen Print- und POS-Welle kommuniziert. Weitere Lieblingsresultate können auf
angesehen werden. Auch das Migros- Magazin deckt in jeder Ausgabe interessante Geschichten und Zusammenhänge zwischen Kundensegmenten und Produkten auf. Mehr über die tieferen Absichten dieser Befragung und weitere Hintergründe zur Aktion will die Migros uns in einer späteren Phase verraten.Vorerst wird noch bis zum 30. November gefragt: «Und was ist Ihr Lieblingsprodukt?» Bis zum Schluss der Umfrage können auf der Migros-Website weiterhin jede Woche 10 volle Einkaufswagen gewonnen werden. Wer um den Hauptpreis spielt, kann mit etwas Glück 1 Jahr lang gratis einkaufen im Gesamtwert von 20’000 Franken.
 
Andreas Panzeri
get_footer();