Grösste internationale Zeitung setzt auf XPress 7

Publishing Quark hat bekannt gegeben, dass Metro International im gesamten globalen Netzwerk QuarkXPress 7 einführt.

Publishing Quark hat kürzlich bekannt gegeben, dass Metro International, gemäss Quark die grösste und am schnellsten wachsende internationale Zeitung der Welt, für ihr gesamtes globales Netzwerk die Einführung von QuarkXPress 7 beschlossen hat. Bei Metro International erscheinen 69 Ausgaben in 19 Sprachen in 93 grösseren Städten in 21 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika und Asien. Die tägliche Verteilung der kostenlosen Zeitungen verlange, dass Metro International stets auf der Suche nach Kosteneinsparungen ist. Dies waren nach Angaben der Unternehmensleitung sehr wichtige Gründe für das Upgrade auf QuarkXPress 7. 

Bundesgericht verbietet Pfizer-Broschüre

Das Pharmaunternehmen Pfizer darf die Broschüre «Kopfschmerzen oder Migräne? - Ein Ratgeber» nicht mehr verteilen. Darin wird laut eines Urteils des Bundesgerichts unerlaubte Werbung für Arzneimittel betrieben.

Das Pharmaunternehmen Pfizer darf die Broschüre «Kopfschmerzen oder Migräne? – Ein Ratgeber» nicht mehr verteilen. Darin wird laut eines Urteils des Bundesgerichts unerlaubte Werbung für Arzneimittel betrieben. Pfizer muss zudem für die Berichtigung der Fehlinformationen sorgen (siehe ). Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic sah in der Broschüre und dem Begleitbrief, die an 939’000 Frauen gesendet worden waren, unerlaubte Werbung. Das Heilmittelinstitut verbot Pfizer am 9. Mai 2005, die Broschüre und das Begleitschreiben weiter zu verbreiten. Mit der Beschwerde blitzte Pfizer erst bei der Eidgenössischen Rekurskommission ab (am 14. Dezember 2005), und zudem hat auch das Bundesgericht die Beschwerde abgewiesen (10. August 2006). Swissmedic begrüsse den Entscheid des Bundesgerichts, heisst es in einer Mitteilung der SDA. Pfizer will nun Kontakt mit Swissmedic aufnehmen, um die Vorgehensweise in Sachen Berichtigung zu besprechen.

Den Sonntag neu entdecken

Zeitungen AY&R hat für die SonntagsZeitung eine Kampagne mit langfristigem Potenzial gestaltet.

Zeitungen AY&R hat für die SonntagsZeitung eine Kampagne mit langfristigem Potenzial gestaltet.«Wir sind gespannt», meint Caroline Thoma, Verlagsleiterin bei der SonntagsZeitung. Die neue Kampagne von Advico Young & Rubicam mit Pudel, Windel und Banane als Eyecatcher über drei ganze Anzeigenseiten hat intern polarisiert: Ist das die SonntagsZeitung? Diese kann 2007 das 20-jährige Bestehen feiern und nicht nur stabile Zahlen bei der Leserschaft, sondern sogar eine leichte Zunahme bei den Anzeigen vorweisen. All das hat dem Verlag Mut gemacht, schon vor dem Jubiläumsjahr mit der neuen Werbung «bewusst etwas frecher aufzutreten».Die SonntagsZeitung liess im letzten Sommer eine Markenstudie machen. Wie steht man bei den Lesern? Die Erkenntnisse rund um die Attribute «vorbildlich» und «zeitintensiv» wurden drei Agenturen präsentiert. Diese mussten daraus die neue Positionierung ableiten. Bei all diesen Diskussionen war auch die Redaktion massgeblich involviert. Advico Young & Rubicam überzeugte schliesslich mit einer strategischen Grundidee rund um den Claim: «Zeit zum Entdecken».
Während der Woche ist Information oft mehr Arbeit als Musse. Die News prasseln auf uns herunter, die Zeit für Hintergründe und Weiterführendes fehlt. Zum Glück gibt es den Sonntag – und die SonntagsZeitung. In dieser sind die täglichen Themen – neben den eigenen, vielfältig recherchierten Inhalten – lediglich ein Ausgangspunkt, welche für eine Fülle an Informationen, Inspirationen und thematischen Querverweisen sorgen.
Mit der neuen «Entdecker»-Kampagne positioniert sich die SoZ an der Spitze der sonntäglichen Informationskette: Neue Themen und Informationen werden von der SonntagsZeitung entdeckt und aufgegriffen, bevor sie den Weg in andere Medien finden.
Informativer MehrwertDer Claim der letzten Kampagne hiess: «Es gibt nur eine SonntagsZeitung.» Das hat sich jetzt ein bisschen überholt, nachdem die neu dazu gekommene NZZ am Sonntag sich «immer mehr Richtung SonntagsZeitung entwickelt», wie man beim Verlag an der Werdstrasse glaubt. «Es fehlen nur noch zwei Bünde – Reisen und Multimedia.» Mit der Situation von drei funktionierenden grossen Zeitungen am Sonntag sind die Leser jetzt zur Entscheidung gezwungen: Welche ist mein Leibblatt – denn Zeit für alle drei haben wohl nur die wenigsten. «Wir wollen die Nummer eins bleiben», gibt sich Caroline Thoma kämpferisch.
Die meisten Titel in Deutschland wie auch die NZZ am Sonntag und der SonntagsBlick können am Sonntag auf eine Dachmarke bauen. Die SonntagsZeitung zeigt keinen offensichtlichen Bezug zum Tages-Anzeiger. Dafür verkauft sie sich gleich unter dem Gattungsbegriff. Dass die SonntagsZeitung in der Mitte zwischen SoBli und NZZaS wahrgenommen wird, empfinden ihre Macher als eine gute Ausgangslage. Diese Stellung muss aber noch stärker positioniert werden.
«Am Sonntag erwacht die Neugier», glaubt Caroline Thoma. Statt nur kurze Infos aufzunehmen, findet man Zeit für interessante Geschichten. In der neuen Kampagne macht AY&R den informativen Mehrwert der SoZ somit bereits in der Werbung erlebbar. Dazu werden vordergründig banale Alltagsthemen mit einer Fülle von überraschenden Fakten unterlegt. So liest man auf einer Teaser-Anzeige «Werktags ist eine Fliege einfach nur eine Fliege», gefolgt von einer Doppelseite mit der genauso lakonischen Feststellung «Sonntags ist eine Fliege mehr als einfach nur eine Fliege». Dazu gibt es überraschende Infos und Fakten rund ums Thema zu entdecken, welche von der medizinischen Verwendung von Fliegenlarven bis zur traurigen, aber wahren Geschichte eines durch eine Fliege verschuldeten Selbstmords reichen.
Die Sujets zeigen auf, wie jedes Thema nicht nur mit einem Schlagwort, sondern mit interessanten Erweiterungen abgehandelt werden kann. Im Alltag geht man über viele Dinge hinweg, die dann am Sonntag mit etwas mehr Musse vertiefend entdeckt werden können. Um das Konzept grundsätzlich zu visualisieren, wurden bewusst banale Dinge wie ein Pudel, eine Banane oder Windeln gewählt. An diesen wird mit viel Fantasie stellvertretend aufgezeigt, wie die SoZ-Redaktion dann am Sonntag auch mit echten Themen vorgehen könnte. Die Handschrift in den Inseraten soll ausdrücken, dass es hier um eine lebhafte Information und nicht um lexikalische Inhalte geht.
Der Claim «Zeit zum Entdecken» ist nicht nur ein Spruch, sondern eine strategische Grundaussage, die sich noch unter viele weitere Ideen setzen lässt. Bis jetzt vermisste man beim Verlag eine Kampagne, die über mehrere Jahre gefahren werden kann. Das sollte jetzt möglich sein. Die neue Kampagne hat einen starken Wiedererkennungseffekt, was eine Deklination auf die verschiedensten Medien vom Plakat über den Plastiksack bis zum kleinsten Füllerinserat erlaubt. Auch für Guerilla-Massnahmen sei die Idee geeignet. «Die Basis ist gelegt», ist Urs Schrepfer bei AY&R überzeugt.
Die ersten vier Sujets der Kampagne sind ab Anfang Oktober in den meisten grossen Deutschschweizer Titeln im Einsatz. Weitere Aktivitäten und Massnahmen werden voraussichtlich anfangs 2007 folgen.
Andreas Panzeri

Swiss TXT definiert Vermarktungsstruktur neu

Die SRG-Teletext-Tochter Swiss TXT baut im Zuge der Regionalisierung per Anfang 2007 ihre Verkaufstruktur um.

Die SRG-Teletext-Tochter Swiss TXT baut im Zuge der Regionalisierung per Anfang 2007 ihre Verkaufstruktur um. Neu betreut ein eigenes Beratungs- und Verkaufsteam die Vermarktung der crossmedialen Angebote (Teletext, Online und Mobile) in der  Deutschen und Französichen Schweiz. Die beiden neuen Key Account Manager heissen Albert Hangartner und Rita Nock und sind für die Vermarktung von crossmedialen Kommunikationslösungen in der Deutschschweiz zuständig. Hangartner verfügt über 25 Jahre Erfahrung im Medienbereich und tritt seine Stelle am 1. November an. In seiner letzten Funktion war er acht Jahre bei Blick und Sonntagsblick als Gebietsverkaufsleiter tätig. Nock startet am 1. Januar 2007 Swiss TXT. Sie arbeitete zuvor während fünf Jahren bei TeleZüri in der Kundenberatung und im Sponsoring.

Bullshit! Wir?

Kolumne Locker hingezauberter Schein überdeckt quälende Defizite der Kommunikation, obwohl sie für die Alltagsgestaltung zunehmend wichtiger wird, meint Jürgen Häusler.

Kolumne Locker hingezauberter Schein überdeckt quälende Defizite der Kommunikation, obwohl sie für die Alltagsgestaltung zunehmend wichtiger wird. Seit Wochen ist «Bullshit» von Harry G. Frankfurt auf der Bestseller-Liste für Sachbücher. Viele Leser muss es deswegen nicht gefunden haben. Optimisten frohlocken, dass die Zahl der gekauften Bücher ständig zunehme, Realisten wissen, dass die Zahl der gelesenen Bücher wohl abnimmt. Und unter den Mitgliedern der Kommunikationsbranche dürfte sich diese Schere im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt noch deutlicher auftun. Nicht notwendigerweise, weil diese weniger lesen, so die Hoffnung, sondern weil sie mehr kaufen, so die Vermutung.Dabei müsste sich gerade die Kommunikationsbranche mit Bullshit auseinandersetzen. Denn nach Frankfurt repräsentiert sie (neben Politikern) die prototypischen Produzenten von «Bullshit». Und sein Vorwurf ist bei näherer Betrachtung – also nach der Lektüre des Buches – alles andere als schmeichelhaft.
Frankfurt wirft der Kommunikationsbranche nicht einfach vor, dass diese Lügen verbreite. Denn Lügen setzen eine ernsthafte Beziehung zur Wahrheit voraus. Wer Bullshit produziert, dem fehlt dieser Bezug. Die Kommunikationsbranche sei «nicht dem nötigen Bemühen um die Wahrheit verpflichtet». Die Vorwürfe lauten Gedankenlosigkeit, Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit. Der Autor greift Bullshit als Programm zur Umgehung der lästigen und schwierigen Suche nach der Wahrheit an.
Und dieser Angriff hat offensichtlich seine Berechtigung. Es sind die mangelnde Sehnsucht nach absoluter Qualität und das fehlende Bedürfnis nach Nachhaltigem, die hier angegriffen werden. Die oberflächliche Übertreibung ersetzt immer häufiger die Suche nach dem wesentlichen Kern der Angelegenheit. Das sprühende Feuerwerk von immer Neuem zerstört geradezu routinemässig das Werthaltige und Erhaltenswerte. Die schnelle Freude über das freundliche Nicken der vielen beendet den verantwortungsbewussten Kampf um das langfristig Richtige. Der mit lockerer Hand hingezauberte Schein überdeckt die quälenden Defizite des realen Erlebnisses.
Und dies, obwohl die Ergebnisse professionell gesteuerter Kommunikation offensichtlich mehr und mehr an Bedeutung für die Gestaltung unseres Alltags bis hin zur Gestaltung unserer Gesellschaft gewinnen. Längst sind es die grossen Weltmarken, die Menschen auf allen Kontinenten anweisen, wie und was sie zu tun haben, zum Beispiel zu essen haben.
Der globale Erfolg des Fast Food ist nicht das Ergebnis des in Marktforschung zutage getretenen Wunsches der Konsumenten. Und wenn es um die Bekämpfung der schlimmsten Konsequenzen dieses Erfolges geht – Fettsucht schon bei Kleinkindern in den USA als nationale Katastrophe erster Ordnung –, wenden sich aller Augen auch schon längst eher auf grosse Marken denn auf staatliche Gesundheitseinrichtungen. Marken sind mächtig – müssen oder dürfen wir zur Kenntnis nehmen.
Wir sollten vor diesem Hintergrund das Motto von Wittgenstein, so wie es Frankfurt zitiert, nicht aus den Augen verlieren: «In früheren Zeiten der Kunst / Bearbeiteten Handwerker mit grösster Sorgfalt / Jeden kleinsten und unsichtbaren Teil / Denn die Götter sind überall.»
Wir brauchen diesen höchsten Respekt für die absolute Qualität nicht aus Angst vor den Göttern. Wir brauchen ihn wegen des Respekts vor den Konsequenzen unserer Arbeit. Als Mitglieder der Kommunikationsbranche sollten wir es vermehrt den von Wittgenstein zitierten Handwerkern gleichtun: Diese liessen sich nicht auf Pfusch ein.
Jürgen Häusler ist CEO der Gruppe Interbrand, Zintzmeyer und Lux sowie Honorarprofessor an der Universität Leipzig

Politisch gefärbt

Mode Spillmann, Felser, Leo Burnett lässt Schweizer Gemeinderäte für Kleider aus der Migros posieren.

Mode Spillmann, Felser, Leo Burnett lässt Schweizer Gemeinderäte für Kleider aus der Migros posieren.Kate Moss und Heidi Klum aufgepasst: Jetzt kommt Konkurrenz aus der Schweiz. Und zwar nicht von spindeldürren, jungen Mädchen, sondern von politischen Schwergewichten. Spillmann, Felser, Leo Burnett hat nämlich erstmals in der Schweiz 13 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte auf den Laufsteg geschickt und in einer Modekampagne für die Migros abgelichtet. Seit einem Jahr schon lässt der Grossverteiler seine Mode von Models präsentieren, die keine sind: So zeigten sich bereits mehr als 100 Schweizerinnen und Schweizer als Amateur-Klums für die Migros.
Mit dieser Kampagne will der Grossverteiler ganz bewusst einen Kontrapunkt setzen zu der durchgestylten und für viele Leute unglaubwürdigen Modewerbung anderer. «Wir wollen damit zeigen, dass in unseren Kleidungsstücken nicht nur Models gut aussehen, sondern eben auch ganz normale Leute», so Claudia Haueter, Werbeleiterin bei der Migros.
Warum zeigt die Migros nun Schweizer Gemeinderäte? Mathias Babst, Art Director bei Spillmann, Felser, Leo Burnett: «Gemeinderäte sind sympathische Repräsentanten der Schweizerinnen und Schweizer – total bodenständig und vernünftig – genau wie die Migros.»
Abgelichtet wurden die Polit-Models vom Fotografen Nathan Beck, der mit einer kleinen Crew während Tagen durch die Schweiz fuhr, die Gemeinderäte einkleidete und fotografierte. Die Kampagne erscheint als Beilage und Anzeige in Zeitungen und Zeitschriften und in der Migros selbst am Verkaufspunkt.
Liste M für den modischen GemeinderatAnna Engeler, Olten
Jonas Hertner, Olten
Andy Gafner, Oberwil i. S.
Marco G. Walser, Freienbach
Esther Britschgi, Cham
Bernadette Kern, Möhlin
Manuel Schweizer, Bäriswil
Astrid Mucha, Wolfhalden
Giovanna Delmenico, Novaggio
Luzia Hofmann, Jona
Marianne Streiff, Köniz
Yvonne Feri, Wettingen
Daniel Wyss, Arlesheim
Andreas Panzeri

Am Digi Trend Forum blieb Content der King

Das 2. Digi Trend Forum ging am Dienstag vor gegen 100 Teilnehmern in der neuen Zürcher Börse erfolgreich über die Bühne. Zehn Referenten widmeten sich der Frage, ob Channel oder Content im digitalisierten Medienmarkt die Nase vorn haben. Lesen Sie hier die Zusammenfassung der spannendsten Voten.

Das 2. Digi Trend Forum ging am Dienstag vor gegen 100 Teilnehmern in der neuen Zürcher Börse erfolgreich über die Bühne. Zehn Referenten suchten eine Antwort auf die Frage, ob Channel oder Content im digitalisierten Medienmarkt die besseren Karten hätten. Das Digi Trend Forum wurde vom Verlag Media-Daten AG in Rüschlikon durchgeführt und von Pierre C. Meier, Chefredaktor der Werbewoche, moderiert. Den Anfang machten mit Leandro Boschelle von Cablecom und Giovanni Conte von Swisscom zwei klassische Channel-Vertreter. Ihre Ausführungen zeigten allerdings deutliche Unterschiede. Während sich nämlich Cablecom in erster Linie nur als Distributor sieht, mischt die Swisscom auch im Content-Geschäft mit. So führte Conte als Vorteile von Bluewin-TV unter anderem auch die exklusiven Inhalte und das Video on Demand ins Feld. Die Ansicht, dass sich nur neue, bzw. originäre Inhalte an die Konsumenten verkaufen liessen, führten auch weitere Referenten ins Feld. Christian Gartmann von ProSiebenSat.1 Media bezeichnete diese Inhalte sogar als Treibstoff der technischen Innovation. Die Möglichkeiten, diese Inhalte zu verkaufen sind allerdings beschränkt. Denn das Medienbudget der Haushalte ist endlich. Dies zeigte sich auch in der Zusammenfassung der Studien „TV – Medium der Zukunft?“ von Publisuisse-CEO Martin Schneider. Immerhin werden es aber neue Modelle erlauben, massgeschneiderte Angebote zu entwickeln. Je weniger jemand zahlen will, desto höher wird der Anteil der Werbung sein, der mit einem bestimmten Inhalt mitgeliefert wird.
Auf dem Weg zum publikumsgenerierten Content? Der Inhalt wird heute aber immer mehr auch vom Publikum geliefert. Ein interessantes Beispiel dazu stellte Marc Görtz, CEO von Ringier TV vor. An der Talentscreen 06 in Zürich hatten Amateurfilmer die Möglichkeit, innerhalb von 48 Stunden zu einem vorgegebenen Thema (ohne Budget) einen Kurzfilm zu drehen. Daran beteiligten sich nicht weniger als 130 Teams, die schliesslich 93 Filme einreichten. Diese Filme wurden auf talentscreen.tv abgelegt und innert weniger Wochen und ohne jede Werbung von 25 000 Unique Users mit 215 000 Pageviews angesehen und 8000 mal bewertet. Auf Grund des hohen Interesses will Ringier diese Website jetzt zu einem Portal ausbauen auf dem Filme mit HandyCam, mit WebCam oder mit MobileCam abgelegt werden können. Zusätzlich sorgt ein Medienverbund der Abendzeitung heute und von Sat.1 Schweiz für eine weitere Bekanntmachung dieser Idee. Ob es ein Erfolg wird, weiss Marc Görtz nicht, er weiss aber, dass es in diesem Metier nicht ohne Versuch und Irrtum geht. Und weil die Ansprüche einzelner Zuschauersegmente immer weiter auseinanderklaffen, wird es gerade für die grossen Fernsehkanäle immer schwieriger, ein Massenpublikum zu erreichen. Ingrid Deltenre, Direktorin des Schweizer Fernsehens hielt dazu fest, dass sich die Ansprüche der Mehrheit immer weniger mit den Ansprüchen der diversen Minderheiten decken.
Radiolandschaft sucht nach Wegen in die Digitalisierung Noch recht unklar scheint die digitale Zukunft des Radios zu sein. Auf der einen Seite zeigte Giuseppe Scaglione die neuen Möglichkeiten der Radioverbreitung via Internet auf. Im Zeitalter des Podcastings ist es aber auch für Radiosender überlebenswichtig, sich über die Moderation oder das Musik-Know-how zu profilieren. Für ihn liegt die Zukunft des Radios im Internet, das bei Zunahme der mobilen Breitband-Versorgung auch den Nachteil der nur stationären Nutzungsmöglichkeit verliert. Wesentlich schwieriger gestaltet sich dagegen die Ablösung von UKW durch digitale Verbreitungskanäle wie DAB. Bruno Oetterli machte anhand einiger weniger Zahlen klar, wie schwierig dieser Umstieg wird. Denn für das Publikum wird DAB erst interessant, wenn dort exklusive Inhalte verbreitet werden, die auf ein hohes Interesse stossen. Die Produktion solcher Programme ist aber nicht gratis. Und über Werbung können sie erst dann finanziert werden, wenn sie genügend Publikum erreichen. Bis es soweit ist, werden Jahre vergehen in denen dem Aufwand kaum ein Ertrag gegenübersteht. Ohne Investoren mit einem langen Atem geht es also nicht.
Noch einmal anders präsentiert sich die Situation bei der Presse, wo die Digitalisierung maximal bis zur Druckplatte reichen kann. Am radikalsten mit dieser Situation geht Urs Gossweiler, der initiative Verleger der Jungfrau Zeitung damit um. Im Zentrum steht bei ihm das Internet über das die Redaktion sämtliche Inhalte direkt eingibt. Die zweimal wöchentlich erscheinende, gedruckte Ausgabe ist dann nur noch ein Abfallprodukt und wird direkt und ohne weitere Zwischenschritte aus der Website generiert. Auf neuen Wegen wandelt seit kurzem ja auch Cash mit seinem Verbund Cash daily. Im Gespräch mit Tagungsmoderator Pierre C. Meier wurde klar, dass die Werbewirtschaft im Moment nur bedingt so organisiert ist, dieses Angebot in seiner ganzen Breite nutzen zu können.
 
Content bleibt KingKlar wurde am 2. Digi Trend Forum, dass Content weiterhin King bleibt. Denn nur originäre Inhalte lassen sich vermarkten. Und die Werbewirtschaft wird sich zunehmend darauf einstellen müssen, dass Medien nur noch einen Teil der Massen erreichen und dass deshalb aufwändige flankierende Massnahem unumgänglich sind. Dass dies weit reichende Auswirkungen auf die Honorierungsmodelle oder auf die Nutzungsforschung hat, liegt auf der Hand.

Peter Zec wird IDA-Vorsitzender

Die International Design Alliance hat Professor Dr. Peter Zec zum Nachfolger von Jacques Lange und damit zum neuen Vorsitzenden für ein Jahr ernannt.


Die International Design Alliance (IDA) hat Professor Dr. Peter Zec zum Nachfolger von Jacques Lange und damit zum neuen Vorsitzenden für ein Jahr ernannt. Der Präsident von Icsid, Leiter des Design Zentrums Nordrhein Westfalen und Initiator des Red Dot Design Award bekleidet laut Mediencommuniqué somit das höchste offizielle Amt der Designgemeinschaft.
 
Die IDA ist eine strategische Vereinigung der beiden Designdachverbänden Icsid und Icograda. Seit 2005 realisiert sie gemeinschaftliche Initiativen und versucht die Rolle der Designverbände als einflussreiche NGOs, die unter anderem von UNO oder UNESCO in designrelevanten Bereichen beratend hinzugezogen werden, zu stärken.
 
Zec liegt für die Dauer seines Vorsitzes besonders die verstärkte Lobbyarbeit und ein großes Engagement im Bereich der Designausbildung am Herzen, heisst es in der Mitteilung weiter. Darüber hinaus freue er sich auf die Weiterarbeit an seinem Projekt «World Design Capital», einem Wettbewerb, der alle zwei Jahre ausgeschrieben wird und an dem Städte aus aller Welt teilnehmen können.

Alles perfekt

Theater Mit der neuen Spielzeit «Perfect Moment» und mit einem von ViznerBorel realisierten Spielzeit-Magazin startet die Winkelwiese in den Theater-Herbst.

Theater Mit der neuen Spielzeit «Perfect Moment» startet die Winkelwiese in den Theater-Herbst. Das Publikum kann sich auf fünf Premieren freuen. Zum Beispiel auf «Stilleben in einem Graben» des erfolgreichsten italienischen Dramatikers Fausto Paravidino. Begleitet wird die neue Spielzeit vom Spielzeit-Magazin Winkel und einem Plakataushang. Beides ist von ViznerBorel realisiert worden.

Der kreative Betörer

Roland Kümin will mit Incite Media die Werbung am POS zu einem Erlebnis für alle Sinne machen.

Roland Kümin will mit Incite Media die Werbung am POS zu einem Erlebnis für alle Sinne machen.Wie kann man einen Kunden begeistern? Das ist das Spannungsfeld, in welchem Roland Kümin schon lange tätig ist. Ideen dazu findet der Gründer von bereits zwei erfolgreichen Firmen zum Beispiel beim Kleiderkauf mit seiner Lebenspartnerin. Da wartet der frühere Maschinen-Ingenieur nicht gelangweilt neben der Probier-Kabine. Der heutige Marketing-Spezialist schaut sich neugierig im Shop um – und merkt, auf was die Kunden emotional am meisten reagieren. In den USA hat Kümin auf diese Weise festgestellt, dass In-store-Television schon sehr weit fortgeschritten ist. Wal-Mart und andere Retail-Ketten haben ihr eigenes Fernsehen. Auf diesen Bildschirmen im Laden werden Kunden informiert, unterhalten und auch live mit aktuellen News versorgt. «Wieso nicht auch bei uns?», überlegte sich Kümin. Jetzt wird in Regensdorf diese Woche unter der Federführung seines Partners Habegger AG ein futuristisch gestyltes und grosses Dienstleistungszentrum von Kümins vor wenigen Monaten gegründeten Incite Media eröffnet.
Der Werbemarkt ist im Umbruch. «Retailing und Advertising verschmelzen», stellt Kümin fest. Am POS müssen damit alle Sinne des Konsumenten betört werden können. Das führt zu einer Symbiose zwischen Marketingverständnis, Content und Technologie. Die Aufgabenstellung wird damit komplexer werden. «Eine normale Werbeagentur kann das nicht mehr alleine bewältigen», meint Kümin.
Seine Incite Media versteht sich als Gesamtanbieter, um am Point of Sale Marketing zu betreiben. Für das Bereitstellen, Installieren und Betreiben der Hardware hat Kümin die erfahrene Habegger AG als Partner in seine Firma eingebunden. Habegger als einer der bedeutendsten Technikspezialisten der Eventbranche betreut in Kooperation mit Incite Media die Infrastruktur, die Displays und die Vernetzung. Die
Filmproduktion Bluepark als dritter Spezialist zeichnet für die Production und Post-Production verantwortlich. Kümin und sein bereits zehnköpfiges Team übernehmen das Content-Management und orchestrieren die Botschaften kreativ für das neue Medium.
Die Display-Technologie hat sich gewaltig weiter entwickelt. Diese neuen Möglichkeiten sind auch von den Kosten her erschwinglich geworden. Dazu erlaubt die neue Technologie, die Marketing-Prozesse zu digitalisieren. Wo früher für Werbung am POS noch Printprodukte mit Hilfe einer Transportlogistik in den Laden gekarrt werden mussten, können die neuen Medien heute digital viel einfacher an jeden Punkt geleitet werden.
Und bereits steht die nächste Revolution vor der Ladentür. «Organic LED» ist eine dünne und bewegliche Folie, die man im Laden rund um eine Säule wickeln oder sonst beliebig verformt in die Architektur einbauen kann. Darauf werden über das digitale Netzwerk «schon übermorgen bewegte Bilder geschaltet», ist Kümin überzeugt.
Mit Incite Media will er mittelfristig europaweit die Big Brands beliefern. Diese müssen im Zuge des E-Commerce zu Multi-Touch-Point-Organisationen werden. Auf dem Weg dorthin will der neue Dienstleister diesen Brands helfen, damit sie am POS und noch einen Schritt weiter in der virtuellen Welt ihre Botschaften «emotionalisiert zu ihren Kunden transportieren können».
Das erste Projekt durfte Incite Media für Esprit realisieren. Für die Modekette hat man vernetzte Display-Systeme gebaut und diese Flächen individuell in die Architektur der Läden integriert. Für ein Schweizer Reiseunternehmen soll jetzt ein Multimedia-Konzept für zukünftige Shops entwickelt werden. Das neue Modell eines Reisebüros präsentiert sich als Lounge und soll mit seiner multimedialen Plattform für Reiselustige zu einem eigentlichen Community-Treff werden.
Von solchen IT-Welten ist Kümin bereits in seinem Studium als Maschinen-Ingenieur infiziert worden. Damals in den 80er-Jahren hielt in der Industrie gerade das Computer Aided Design Einzug und Kümin zählte zu den Pionieren, die eine Produktidee zuerst auf dem Computer virtuell «produzierten». Dann wechselte er zu NCR. Als System Engineer musste er dort den Kunden die eigenen Applikationen und Lösungen demonstrieren. Das führte ihn schliesslich in den Bereich Verkauf und Marketing bei Firmen wie Apollo Computer und Sun Microsystems.
Und für ein weiteres amerikanisches Software-Unternehmen baute er erfolgreich den Markt in der Schweiz und in Süddeutschland auf. Dann hat ihn «ein Esel geritten». Kümin sagte sich: «Wieso kann ich das nicht für mich selber machen statt als Söldner für ein amerikanisches Unternehmen?»
1995 gründete er seine erste Firma. Actano wirkte zuerst als Dienstleister für CAD-Applikationen. Weil man «als Berater aber nicht mehr als 24 Stunden pro Tag verrechnen kann», suchte Kümin weiter nach einer Idee, welche sich besser multiplizieren lässt. Actano spezialisierte sich als Software-Hersteller im Bereich Projekt-Management für die Automobilindustrie und beliefert heute alle grossen Marken. Nachdem das Unternehmen von 0 auf 150 Leute gewachsen war, hat Kümin Actano verkauft.
Aufgebaut, zum Erfolg gebracht und schliesslich verkauft hat Kümin auch seinen zweiten Start-up, Monzoon Networks. Diese Firma betreibt heute erfolgreich ein Public-WirelessLAN-Netzwerk in der Schweiz.
Was treibt ihn jetzt dazu, mit Incite Media bereits die dritte Firma zu gründen? «Vielleicht bin ich ein Start-up-Junkie», schmunzelt Kümin. Einige besteigen Berge. Seine Passion ist es, «Ideen in die Realität zu tragen». Er findet Erfüllung im Prozess, Leute zu begeistern, Investoren zu überzeugen, Mitarbeiter zu finden und Kunden zu suchen. «Wie in der Physik gilt es, den Anfangswiderstand zu überwinden. Es braucht viel Energie zum Anschieben. Dann rollt es – aber nur, wenn man es richtig macht.» Kümin ist stolz, dass all seine Gründungen noch aktiv sind.
Andreas Panzeri

Pixel-Showdown an Photokina

Fotografie Um im übersättigten Digitalkameramarkt zu bestehen, setzen die Anbieter auf Spiegelreflexkameras.

Fotografie Um im übersättigten Digitalkameramarkt zu bestehen, setzen die Anbieter auf Spiegelreflexkameras.Am 1. Oktober schlossen in Köln die Tore der Photokina. Die Messeleitung geizte dabei nicht mit Superlativen und bezeichnete die diesjährige Auflage der alle zwei Jahre stattfindenden «Weltmesse des Bilds» als die «grösste Photokina aller Zeiten». Grösse zeigten vor allem die Marktführer im Fotobereich, die mehr Quadratmeter für immer mehr Produkte beanspruchten. Einige Anbieter waren hingegen nicht mehr vertreten, auch im Fotobereich hat eine Konsolidierung stattgefunden. Konica Minolta etwa wurde von Sony geschluckt, die High-End-Anbieter Leaf und Sinar gehören heute zu Kodak und Leica (siehe unten).
Es gibt immer weniger reine Kamerahersteller. Ob Canon, Epson, Fujifilm, HP, Kodak Panasonic oder Sony: Alle sind riesige Konzerne, der Fotobereich ist oft nur ein Teil des Angebots. Die Produktpalette dieser Anbieter reicht von der Kompaktkamera und dem Tischdrucker für den Hobbyfotografen bis zur digitalen Spiegelreflex mit Auflösungen im zweistelligen Megapixelbereich und professionellen Grossformatdruckern.
Je nach Herkunft verfolgt jedes Unternehmen eine andere Strategie. Kodak, aus der Filmfabrikation kommend, ist durch Übernahmen diverser Firmen zum grossen Digitaldruckanbieter geworden; der in der Unterhaltungselektronik führende Konzern Sony wurde durch die erwähnte Integration von Konica Minolta quasi über Nacht mit zum führenden Digitalkamera-Anbieter.
Kompakte haben ZukunftAm meisten Innovationen waren in Köln bei den Kompaktkameras auszumachen. Mit technischen Neuerungen versuchen die Anbieter, sich in einem gesättigten Markt zu behaupten. So verfügen die Kompaktkameras meistens über gleiche und gar höhere Auflösungen als die digitalen Spiegelreflexkameras und werden mit neusten Bildverbesserungs- und Bildaufnahmetechniken ausgestattet. Auflösungen von sieben oder zehn Megapixel sind in dieser Kategorie keine Rarität mehr. Die immer kleiner werdenden Kameras sind zudem nicht selten mit bis zu zehn- oder gar zwölffachen optischen Zooms ausgestattet.
Erstmals waren an der Photokina Kompaktkameras zu sehen, die sich vollständig über den rückseitigen Monitor bedienen lassen, der damit nicht nur zur Bildvisualisierung, sondern auch als Touchscreen fungiert. Wohin die Reise bei den Kompakten führen könnte, zeigte Sony: Verbindet man deren Cybershot T50 mit einem kompatiblen GPS-Modul (ermöglicht die satellitengestützte Positionsangabe), dann lassen sich die aktuellen GPS-Koordinaten mit in das Bild einbinden. Eine mitgelieferte Software sortiert die Fotos geografisch und zeigt zu Hause am PC den Aufnahmestandort anhand von Google-Karten und Stadtplänen.
Zwischen den WeltenMit der Erstarkung der Spiegelreflexkameras haben die Superzoom-Kameras – auch Megazooms genannt – an Bedeutung verloren. Hersteller, die bisher im oberen Amateur-/Semiprofisegment auf diesen Zwitter aus Spiegelreflex- und Kompaktkamera setzten, haben ihre Produktepalette inzwischen um digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) erweitert. Panasonic hat dies durch neu entwickelte Modelle wie die Lumix L1 erreicht – Sony mit der a 100 durch die Integration von Konica Minolta.
Dennoch wurden während oder kurz vor der Photokina auch neue Superzooms vor- bzw. ausgestellt. Drei Beispiele: Kodak stellte auf der Photokina mit der mit einem 7,1 MP-Chip ausgestatteten Kodak EasyShare Z710 das neueste Modell seiner Megazoom-Digitalkameras vor. Mit einem 10 MP-Sensor, Bildstabilisator und Prozessor für die Gesichtserkennung (um darauf die Belichtung einzustellen) geht die neue PowerShot G7 von Canon ins Rennen um die Gunst des Käufers. Die neue «My Category»-Funktion indiziert und sortiert die Fotos automatisch nach Kategorien – je nachdem, welche Aufnahmeeinstellung benutzt wurde. Panasonic zeigte mit der Lumix DMC-FZ50 bereits Mitte Jahr den Nachfolger der Lumix DMC-FZ30 vor. Es handelt sich dabei um eine Superzoom-Kamera für das «Prosumer»-Marktsegment – mit 12¥-Zoom-Objektiv und 10 MP Auflösung.
Spiegelreflexkameras im TrendDie digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR) liegen derzeit im Trend und genossen an der Photokina die grösste Aufmerksamkeit. Bei keinem anderen Kameratyp sind derzeit die Wachstumsraten so hoch wie bei den DSLR. Das kommt nicht von ungefähr, denn DSLR sind Kompaktkameras weit überlegen. Mit ihrem bewährten Konzept und vor allem dank den auswechselbaren Objektiven lassen sich mit DSLR (abgesehen von den hier nicht berücksichtigten Kamerabacks) die besten Resultate erzielen.
Was die Objektive angeht, versuchen verschiedene Hersteller einen Standard zu etablieren. Dieser von Olympus und Kodak ins Leben gerufene und von Fuji, Leica, Panasonic, Sanyo und Sigma mitgetragene «Four Thirds Standard» soll ermöglichen, dass sich Objektive mit unterschiedlichen Kameras verwenden lassen.
Sämtliche Hersteller von Spiegelreflexkameras bieten inzwischen auch preisattraktive Produkte für ambitionierte Hobby- und semiprofessionelle Fotografen an. Etablierte Hersteller von DSLR-Kameras wie Canon (EOS 400D), Fuji (FinePix S6500fd), Nikon (D80), Olympus (E-400), Sigma (SD14) und (wieder) Pentax (K10) können sich nicht zurücklehnen. Im Gegenteil, sie müssen sich den Markt mit Panasonic (Lumix), Samsung (GX-10) und vor allem Sony (a 100) teilen.
High-Tech ist inzwischen überall anzutreffen. Der Bogen reicht von Staubentfernungssystemen und Anti-Shake-Einrichtungen über die auch in den Kompaktkameras eingeführten Möglichkeiten zur automatischen Gesichtserkennung und entsprechenden Aufnahmeunterstützungen.
Abzuwarten bleibt, wie sich die Kameras mit Live-MOS-Sensoren entwickeln, die das Darstellen von Livebildern auf den Displays ermöglichen. Diese Visualisierung ist bei traditionellen DSLR nicht möglich, da der vor dem CCD- oder CMOS-Sensor sitzende Spiegel im Kameragehäuse ein Livebild verunmöglicht.
Der Kampf um kleine und kleinste Unterschiede zwischen den Anbietern erstreckt sich vom Gewicht (Olympus E-400 als die leichteste und kleinste DSLR) über den Sensor (höhere Auflösungen; neuer Live-MOS-Sensor bei Panasonic und Olympus) bis zu technischen Features (Bildverwacklungsstabilisatoren etc.) und dem Zugang zu einem riesigen Angebot an Objektiven (Canon, Nikon, Sigma, Sony). Praktisch und fast von allen Anbietern zu haben sind neue Lösungen, die dem Staub an den Kragen gehen, der sich beim Objektivwechsel unweigerlich im Gehäuse verirrt.
Design und PixelDie Ambitionen beim Gehäusedesign halten sich bei den DSLR in Grenzen – lediglich DSLR-Neueinsteiger Panasonic vermochte hier mit einem schlichten und gleichzeitig eleganten Gehäuse zu überraschen. So kann deren Lumix L1 gar als DSLR im Retrodesign bezeichnet werden. Auch die Anbieter von Kompaktkameras versuchen, beim Design besondere Akzente zu setzen. Das führt leider dazu, dass sich die Gehäuse immer ähnlicher werden. So war auf der Photokina, was das Kameradesign betrifft, kein eigentlicher Trend oder gar eine einzige wirkliche Überraschung auszumachen. Metallisch glänzende Gehäuse, hie und da auch in Farbe bei den Kompaktkameras, und schwarze Gehäuse bei den DSLR.
Geblieben ist der offenbar unaufhaltsame Trend, den Kameras immer höher auflösende CCD-Zellen einzusetzen. Waren vor noch nicht allzu langer Zeit 5 Megapixel das Mass aller Dinge bei den Kompaktkameras, so waren 7 oder gar 10 MP an der Photokina zumindest keine Seltenheit mehr.
Doch neben den höher auflösenden Chips wird vor allem den kompakten Digitalkameras immer mehr Technologie implantiert. Meist handelt es sich dabei um digitale Hilfsmittel, die zu besseren Bildern führen. Der Bogen spannt sich von Korrekturen des «Rote Augen»-Effekts über Anti-Shake-Technik zur Vermeidung von Verwacklungen bis zu Gesichtserkennungen (samt entsprechender Belichtungskorrektur) oder höheren ISO-Empfindlichkeiten (um das Aufhellen von dunklen Hintergründen zu ermöglichen).
Als ein kommender Trend könnte sich das 16:9-Bildformat abzeichnen. Panasonic hat hier mit der Lumix LX2 bereits das Nachfolgemodell einer 16:9-Kamera vorgestellt – bei der Sony T2 kann auf Wunsch im 16:9-Format fotografiert werden. Sinn macht dieses Bildformat durchaus, denn bei den für die Bildvisualisierung eingesetzten TV-Geräten und Laptops setzt sich dieses Format immer mehr durch.
Wohin mit den Daten?Durch die grösseren Auflösungen wachsen die Datenmengen exorbitant. Zudem wird digital viel mehr fotografiert … es kostet ja nichts. Das Problem beginnt mit dem Speichern und der Auswahl bzw. dem Verwalten der Bilder.
Epson und Canon (neu: Canon Media Storage Viewer) haben hier Geräte im Markt, die den Anwender vom PC befreien: Mit 30 und mehr Gigabyte grossen Festplatten und mehreren Zoll grossen Displays ausgestattet eignen sich diese Geräte als portable Speicherlösung. Acht Gigabyte lassen neue, teilweise erstmals vorgestellte Flash-Speicher zu. Gekoppelt mit den hohen Akkuleistungen der Kameras muss sich der ambitionierte Fotograf nun kaum mehr Sorgen um Speicherplatz und Kameraverfügbarkeit machen.
Adobe und Apple haben an der Photokina ihre High-End-Lösungen für die Verwaltung und das Organisieren von Fotos vorgestellt. Konkret stellte Apple das kostenlose (und notwendige) 1.5-Update der Software Aperture vor, das in allen Bereichen des gesamten Workflows verbessert wurde. Adobe zeigte seine neue und ebenfalls verbesserte Betaversion Adobe Photoshop Lightroom, die sich Interessenten gratis vom Internet herunterladen und eine beschränkte Zeit testen können.
Drucken ohne PC – Videos schauen am DruckerDie Digitalkamera emanzipiert sich mehr und mehr vom PC. Das klassische Verbinden der Kamera via USB-Kabel mit dem Computer, um zu Bildausdrucken zu kommen, ist vor allem dank immer ausgefeilteren Druckern kaum mehr notwendig. So können einfache Bildverfremdungen und die Wahl von Ausschnitten entweder an der Kamera oder zunehmend, wie es auf der Photokina teilweise zu sehen war, auch am Drucker vorgenommen werden.
Kleine Displays an den Druckern erlauben vielfältige Möglichkeiten: Neben dem Zusammenstellen von Bildern zu einem Bogen können auch schon mal – zumindest bei den Modellen von HP – von der Kamera überspielte Videosequenzen abgespielt werden.
Dass der Fotodruck am heimischen Inkjetdrucker nicht unbedingt der günstigste Weg ist, um zu Bildern zu kommen, ist bekannt. Alle etablierten Fotodienstleister bieten hier Lösungen an, damit der Anwender sich die Bilder per Post zustellen lassen oder etwa bei seiner Filiale vom Grossverteiler abholen kann. Preislich dazwischen liegen Bilder, die mit so genannten Fotokiosk- oder Fototerminallösungen hergestellt wurden, die man an immer mehr Standorten findet. Vor Ort im Laden kann der Hobbyfotograf damit ab seiner mitgebrachten CD oder von der Speicherkarte seine Bilder selbst ausdrucken. An der Photokina war kaum ein grosser Drucker- und (ehemaliger) Filmanbieter präsent, der nicht auch solche Kiosklösungen vorstellte.
Run auf die PortaleEin grosses Problem für die Hersteller von Druckern ist die Tatsache, dass die Bilder der Anwender sehr oft auf den Festplatten verbleiben. Wer sie nicht gleich oder in nützlicher Frist organisiert, wird dies wohl kaum mehr tun. Und damit werden diese Bilder auch nicht ausgedruckt.
HP, ein führender Anbieter von Computern und Druckern, will hier nun seine Kompetenzen verbinden. Das Unternehmen hat Lösungen entwickelt, womit der Privatanwender seine Bilder auf Servern bei HP speichern und sich von dort jederzeit Fotoabzüge erstellen lassen kann. Damit wird gemäss HP ein weiteres Problem gelöst: Die Bilddaten sind sicherer vor einem Verlust. Denn: Bilder sind Erinnerungen. Naturkatastrophen wie Katrina belegten, so war bei HP zu erfahren, dass Bilder den Menschen nach solchen Ereignissen am meisten fehlten.
Um Kunden enger an sich und ihre Drucksysteme zu binden, unternehmen die führenden Anbieter von Digitaldrucksystemen noch andere Anstrengungen. Durch Übernahmen oder Partnerschaften sichern sich diese mehr und mehr den Zugang zu entsprechenden Webportalen. So hat HP im letzten Jahr das im englischen Sprachraum führende Portal Snapfish.com und in jüngerer Vergangenheit das deutsche Portal Pixaco (das ebenfalls in Snapfish umbenannt werden soll) übernommen.
Xerox ist mit myphotofun.com im Rennen und stellte ein Automatic Image Enhancement genanntes, automatisches System vor, das mangelhafte Bilder verbessert, ohne dass gute Fotos dabei leiden. Kodak setzt hier etwa auf seine eigene Website Kodak EasyShare Gallery – und bei der Ausgabe auf das Kodak-Nexpress-Digitaldrucksystem.
Wächst zusammen, was zusammengehört?Besucher der nächsten Photokina 2008, die sich nur für die Fotografie interessieren, seien bereits heute vorgewarnt: Reine Digitalkameras, die «nur» fotografieren können, werden sich dann vermutlich in der Minderheit befinden. Der Trend hin zu Fotohandys, zu integrierten, musikspielenden Playern für Diashows, zu mit GPS-Systemen verknüpften Devices ist unaufhaltsam. Beim Kampf um den Konsumenten werden dabei die Brands immer wichtiger. Es bleibt abzuwarten, ob sich die ehemals reinen Fotoapparate- oder Filmhersteller langfristig gegen die Foto-Newcomer aus dem Handy-Segment durchzusetzen vermögen.
Etwas anders im Profibereich. Hier sind Kompatibilität, Verlässlichkeit und eine einfache Bedienung wichtiger als das Abspielen von Diashows. So werden sich auch auf der Photokina 2008 zwischen den kompakten Kameras und den DSLR bezüglich der Ausstattung wohl tiefe Gräben auftun.
Vermutlich wird das Navi-MP3-Fotohandy an der nächsten Photokina allgegenwärtig sein. Einen Vorgeschmack, wie solche Geräte aussehen können, gab wie erwähnt Sony mit der Cybershot T50 – hier fehlt nur noch die Handyintegration.
ZusammenschlussAm Eröffnungstag der Messe
gab Leica Camera den Kauf des bislang von Jenoptik gehaltenen 51-Prozent-Anteils am Schweizer Unternehmen Sinar – einem Hersteller von Mittel- und Grossformatkameras – bekannt. Postwendend haben Leaf, ein zur Kodak Graphics Communication Group gehörender Entwickler, Hersteller und Anbieter von digitalen Kamerarückteilen für Profifotografen, und Jenoptik «ihr Engagement für eine langfristige Geschäfts- und Technologiepartnerschaft» angekündigt. Jürgen Franck

Farbendruck Weber in neuen Händen

Offsetdruck Drei neue Rotoman-Anlagen bei der Bieler Farbendruck Weber waren für MAN Roland der Aufhänger für ein zweitägiges Technologieforum in Interlaken.

Illustrationsrollenoffsetdruck Drei neue Rotoman-Anlagen bei der Bieler Farbendruck Weber AG waren für MAN Roland der Aufhänger für ein zweitägiges Technologieforum in Interlaken.Gleich mit drei automatisierten 16-Seiten-Anlagen begegnet Farbendruck Weber dem Kostendruck des Marktes. Zwei der neuen Rotoman können 16 Seiten A4 und im Zusammenlauf 32 Seiten produzieren. Die dritte Rotoman ist so ausgestattet, dass sie auch 2×8 und 4×4 Seiten sowie von Rolle auf Bogen produzieren kann. Dazu verfügt Weber über eine 48-Seiten- Rollendruckanlage Lithoman und über vier Bogendruckmaschinen Roland 700 und 900.Die Maschinen erlauben dem Unternehmen, Imagebroschüren, Produkt- und Verkaufskataloge, Corporate-Publishing-Magazine, Prospekte und Flyer optimal herzustellen. Auch werden die hohen Ansprüche von Luxusmarkenherstellern wie Swatch Group, TAG Heuer oder Hermès an die Bildwirkung im Detail, in der Brillanz und im Kontrast erfüllt. Für die rund 300 Teilnehmer des Rotoman-Forums bekam die Gestaltung des Wandels in der Druckindustrie durch die Übernahme der Farbendruck Weber noch eine ganz andere Dimension. Denn Weber ist von ihrer Besitzerin, der französischen Gruppe Partenaires-Livres, an die deutsche Gruppe Arques/Arquana, Starnberg, verkauft worden, die am Forum Position bezog.
Arques Industries AG ist Deutschlands erste börsenkotierte Gesellschaft, die auf den Erwerb und die Restrukturierung von Unternehmen in Umbruchsituationen spezialisiert ist. In ihrem Portfolio befinden sich etwa Chemie- und Maschinenbauunternehmen, ein Kinderwagenhersteller und eine Papiermühle (Wolfsheck von Stora Enso). Das Wertschöpfungspotenzial dieser Firmen wird mit einem eigenen Team revitalisiert.
Die Arques-Tochter Arquana International Print & Media AG konzentriert sich auf die Konsolidierung («Buy & Build») von Rollenoffset- und Verpackungsdruckereien. Unter ihrem Dach befinden sich bereits Colordruck (Pforzheim), J.P. Bachem (Köln), Johler Druck (Neumünster), Wanfried Druck (Wanfried/D), Evry Rotatives (Paris) und Sochor Group (Zell am See/A), die zusammen 187 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Farbendruck Weber ist mit über 50 Millionen Euro der grösste und wohl modernste Betrieb in diesem Gebilde. Die ehrgeizige Gruppe will bis 2008 einen Umsatz von über 500 Millionen EUR erzielen, in Deutschland Top 3 und in Europa Top 5 der Rollenoffsetdrucker sein.
Hans Joachim Laue
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