BaZ tritt PubliGroupe auf die Füsse

Presse Das Einvernehmen mit BaZ-Pächterin Publicitas ist an vielen Fronten getrübt: Der Geschäftsbericht der Basler Zeitung Medien birgt Zündstoff.

Presse Das Einvernehmen mit BaZ-Pächterin Publicitas ist an vielen Fronten getrübt: Der Geschäftsbericht der Basler Zeitung Medien birgt Zündstoff. 
Die Unternehmensgruppe Basler Zeitung Medien (BZM), die ihr Geschäftsjahr jeweils Ende Juni abschliesst, weist für 2005/2006 einen Reingewinn von 4,3 Millionen Franken aus (plus 62,9%). Gleichzeitig sank aber der Gruppenumsatz von 276,2 auf 272,0 Millionen Franken. Den Mehrertrag ermöglichten primär Einsparungen in der Höhe von 12,7 Millionen Franken sowie der Verkauf unrentabler Bereiche. So stiess die BZM im Geschäftsjahr 2005/2006 die TV-Produktionsfirma Allcomm ab.In den meisten der acht angestammten Unternehmensbereiche sind ebenfalls Umsatzrückgänge auszumachen. «Vor allem wegen des Inseraterückgangs und der ungünstigen Margenentwicklung im Druckbereich», erklärt Verleger Matthias Hagemann. So erwirtschaftete das Stammhaus Basler Zeitung (BaZ) zwei Millionen Franken weniger als im Vorjahr, der Umsatz des Baslerstab sank von 27,7 auf 25,7 Millionen Franken und bei Birkhäuser + GBC (Akzidenzdruck) reduzierten sich die Einnahmen gar um 6,7 Millionen auf 68,6 Millionen Franken.
Nur geringe Einbussen mussten der Bereich Prepress, die Lokalzeitungen sowie die Vertriebsfirma Prevag hinnehmen. Mehrumsätze generierten dagegen die Firma Birkhäuser + GBC Spezialprodukte (+ 1,3 Millionen Franken) sowie Radio Basel 1 (+ 10 Prozent).
Die Gewinne, welche die Gruppe seit dem Turnaround vor drei Jahren ausweist, beruhen primär auf Einsparungen. Dass dies nicht nachhaltig ist, weiss auch Verleger Hagemann. «Die Einsparungen sind an sich durchaus nachhaltig, wir haben unsere Strukturen auf die gegenwärtige Einnahmenhöhe ausgerichtet. Aber natürlich sind wir auf Umsatzwachstum aus. Darum haben wir einiges unternommen, um rentable Mehrumsätze zu generieren», sagt er. Bei Radio Basel 1 sei dies bereits gelungen. Seit Beginn des laufenden Geschäftsjahres schreibe der Sender schwarze Zahlen, sagt Hagemann.
Umsatzankurbelnde Vorkehrungen leitete die BZM auch bei der BaZ ein: Seit kurzem erscheint eine Grossauflage für das Baselbiet, zudem wurde die Redaktion deutlich aufgestockt. Für beides investiert die BZM laut Hagemann einen einstelligen Millionenbetrag. Diese Massnahmen zeitigen offenbar erste Erfolge: Die Inserateeinnahmen seien bereits über Budget. Halte die Konjunktur an, würden die Investitionen womöglich schon im ersten Jahr gedeckt, sagt der BaZ-Verleger.
Key Media prescht vorEbenfalls einnahmensteigernd ist die erst eineinhalbjährige BZM-Tochter Key Media: In ihrem ersten vollen Geschäftsjahr steuerte sie bereits 13,5 Millionen bei und wirft sogar einen Gewinn in nicht genannter Höhe ab.
Key Media ist ein interessantes Gebilde. Nach offizieller BZM-Lesart soll sie primär das Crossmedia-Geschäft unter den BZM-Medien ankurbeln. Tatsächlich aber vermittelt sie die BaZ auch solo, also in Konkurrenz zu deren Pächterin Publicitas. Zudem vermittelt sie andere in- und ausländische Titel. Vor allem aber hat sie einige Exklusiv-Kunden.
Die BZM gründete Key Media wegen des Kundenstamms des heutigen BaZ-Verlagsleiters Roland Steffen: Dieser kam von der Publicitas-Filiale Aarau und brachte von dort mehrere grössere Kunden mit. Dies ist wohl der BaZ-Pächterin PubliGroupe, die zu 37 Prozent an der BZM beteiligt ist, ein Dorn im Auge. «Mit Key Media haben wir für Herrn Steffens Kundschaft ein juristisches Gefäss geschaffen, was uns insofern gelegen kam, als wir damit die Publicitas Basel zu grösseren Leistungen motivieren können», gibt Matthias Hagemann zu.
Wie gross der Umsatz ist, den Key Media für die BaZ generierte, kann der Verleger nicht sagen. Sicher aber ist: Im Umsatz von 134,1 Millionen Franken, den das BaZ-Stammhaus ausweist, sind nur der gesunkene P-Umsatz und der ebenfalls rückläufige Umsatz aus dem Zeitungsdruck enthalten, nicht jedoch der Anteil aus den Key-Media-Akquisitionen. Möglicherweise hat also der BaZ-Inserateumsatz gar nicht so stark gelitten, wie dies auf den ersten Blick den Eindruck macht. Hagemann bestätigt: «Dank den Anstrengungen von Key Media für die BaZ ist es uns gelungen, einen Teil des rückläufigen Inserateumsatzes im Stammhaus aufzufangen.»
P an vielen FrontenIm Clinch mit der P ist die BZM auch wegen der Mittelland Zeitung, die dank ihrer Kooperation mit der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) im Baselbiet Fuss gefasst hat. Immerhin ist die P an zwei von fünf MZ-Verlagen beteiligt und auch Pächterin des Verbundes. Bei der bz ist sie zudem Regienehmerin. «Die P geriet dadurch in einen Interessenskonflikt: Wie soll sie in Liestal die MZ, die bz und gleichzeitig unsere Grossauflage vermitteln?», fragt Hagemann.
Hinzu kommt, dass die Filialen Basel, Aarau, Olten und Solothurn P-intern gesamthaft von Moreno Cavaliere, dem Direktor der P Basel, geleitet werden. «Wir sind mit der P in konstruktiven Gesprächen, damit dieses Problem gelöst werden kann», sagt Hagemann. Wie die Lösung aussehen sollte, will er nicht sagen.
Im Wesentlichen sind zwei Ansätze denkbar: Entweder die P ändert im Gebiet Nordwestschweiz-Mittelland ihre Strukturen oder die BaZ steigt aus dem Pachtverhältnis aus. Oder beides. Verleger Hagemann enthält sich dazu eines Kommentars. Doch die Werbewoche weiss aus interner Quelle der P: Veränderungen bei den Strukturen sind eingeleitet. Diese sollen schon bald kommuniziert werden. So lange wollte die BZM angesichts der neuen Lage in Liestal jedoch nicht warten. «Wir vermarkten unsere Grossauflage in Liestal selbst», sagt Hagemann.
Tatsächlich hat die BZM dort ein Büro eröffnet – interessanterweise keine Filiale der Key Media, sondern des BaZ-Verlags. Damit wird die BaZ gleich von drei Akteuren vermarktet.

FernsehenKaum hatte die BZM
die TV-Produktionsfirma Allcomm verkauft, flirtete sie schon mit dem mittlerweile eingestellten Baselbieter TV-Sender NW1. Wie passt dies zusammen? Allcomm gehöre nicht zum definierten Kerngeschäft der BZM und sei zudem nicht rentabel gewesen, darum habe man sich von ihr getrennt, sagt Matthias Hagemann. Ein Lokal-TV-Sender dagegen läge durchaus im Rahmen des Kerngeschäfts. Hätte die BZM bei NW1 die bisherige Konzession beibehalten können, die ein im Wochenrhythmus erneuertes Programm vorsah, dann hätte die Gruppe den Sender betreiben können. «Wir hätten uns beim Programmausbau einfach nach den Einnahmen gerichtet», sagt Hagemann. Doch habe man den Eindruck gewonnen, dass das Bakom von einem Grossverlag tagesaktuelle Sendungen erwartet – weshalb die BZM schliesslich verzichtete.
SonntagsausgabeDie Mittelland Zeitung
erwägt bekanntlich eine Sonntagsausgabe nach dem Vorbild der Südostschweiz. Das hätte auch Folgen für die BaZ, da diese Ausgabe das Baselbiet und vor allem Basel kaum links liegen lassen würde. «Falls die MZ tatsächlich eine siebte Ausgabe lanciert, wird die BZM angemessen reagieren», sagt Matthias Hagemann. An die Lancierung einer eigenen, kostenpflichtigen Sonntagsausgabe glaubt er nicht – jedenfalls nicht im Alleingang. Mögliche Partner sieht er jedoch keine, «seit wir mit der MZ in direktem Wettbewerb leben». Laut denkt er aber über die Lancierung einer Gratis-Sonntagszeitung nach, wie das die Badische Zeitung seit einiger Zeit tut. «Wenn man jemandem am Sonntag brutal weh tun will, dann mit einer Gratiszeitung», sagt der Verleger.
Markus Knöpfli

Startbahnwest entwirft Erscheinungsbild für ambulante Chirurgie

Rundum, das Zentrum für ambulante Chirurgie, eröffnete im September in Baden-Dättwil. Die Zürcher Agentur Startbahnwest hat den gesamten Auftritt entwickelt.

Rundum, das Zentrum für ambulante Chirurgie, eröffnete im September in Baden-Dättwil. Die Zürcher Agentur Startbahnwest hat den Namen, Logo und den gesamten Auftritt – der vom Briefpapier bis zum Give-away reicht – entwickelt. Zur Eröffnung wurden für den Tag der offenen Tür Anzeigen geschaltet sowie Einladungen verschickt. Auch bei weiteren Projekten wird Rundum durch Startbahnwest betreut. Das Zentrum befindet sich nicht nur in einem Rundturm, im Rundum sind auch verschiedene Chirurgen tätig, die es erlauben mit einem grossen Behandlungsangebot die Patienten zu versorgen. Dr. Christian Hort, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive, Ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie hat seine Praxis im Rundum. Er wird sämtliche ambulanten Operationen im Zentrum durchführen. Der Operationssaal steht aber auch anderen Ärzten aus der Region zur Verfügung, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist.

Mantellösung

Kooperation Zürcher Landzeitung ist erstmals erschienen.

Kooperation Zürcher Landzeitung ist erstmals erschienen.Am 3. Oktober erschien am Zürichsee und im Zürcher Ober- und Unterland eine sozusagen neue Zeitung. Unter dem Titel Zürcher Landzeitung machten die drei Blätter Zürichsee Zeitung, Zürcher Oberländer und Zürcher Unterländer mit der Jahrzehnte alten Idee einer vereinigten Landzeitung ernst. Eine gemeinsame, zehnköpfige Mantelredaktion produziert täglich Inhalte für die Ressorts Zürich, Inland, Ausland, Wirtschaft, Kultur sowie für die Letzte Seite. Der Zusammenschluss steht im Zusammenhang mit der am 6. November startenden Regionaloffensive des Tages- Anzeigers. Die Mantelredaktion befindet sich in Stäfa, im Stammhaus der Zürichsee Zeitung.
Indem die überregionalen Ressorts der drei Zeitungen zu einer einzigen Redaktion zusammengelegt wurden, versprechen sich die Macher mehr Power in den Regionalressorts. Das geht nicht ohne erheblichen Koordinationsaufwand. In den Heimredaktionen wurden deshalb eigene Journalistenteams geschaffen, die sich ausdrücklich mit der Regionalisierung von Themen befassen. Dreh- und Angelpunkt scheint der diensthabende Redaktor der Mantelredaktion. Er tätigt täglich drei Konferenzen mit den Heimredaktionen und soll den Überblick zur überregionalen und regionalen Themenlage nicht aus den Augen verlieren.
In der Zürcher Landzeitung geben die drei Zeitungen, namentlich die Chefredaktoren, auch gewisse Kompetenzen ab. «Wir nehmen uns die Freiheit, im Tagesgeschäft die Zeitung unabhängig zu gestalten», sagt Michael Schönenberger, der neue Leiter der Mantelredaktion.
René Worni

Nicht aufgefallen

Aufgefallen Andreas Panzeri über den unsportlichen Namen «Zigi», heimliche Sponsoren und über Werber, die mit der Euro 08 unerlaubt Werbung für sich selber machen.

Fussball Nein, so blöd kann ein Verantwortlicher bei der Euro 08 gar nicht sein, dass ihm nicht aufgefallen sein müsste, was der Volksmund unter «Zigi» versteht. Da die Organisatoren der EM sicher gemerkt haben, dass der Name «Zigi» absolut unsportlich ist und deshalb ungeeignet für einen Wettbewerb, bei dem die sportliche Jugend das Naming für ein Maskottchen bestimmen darf, muss deshalb angenommen werden: Die Verdächtigungen stimmen, dass die Zigarettenindustrie heimlicher Sponsor von «Zigi» ist, weil sie damit bestehende Werbeverbote geschickt ausdribbeln kann.
Auch die Heroin-Dealer haben dieses Foulspiel zum Verführen der Jugend ja bereits früher mit dem Namen «Fix» probiert. Weshalb die Inhaber der Figurenrechte Fix & Foxi jetzt eine Plagiatsklage abklären lassen.
Ärger gibt es aber auch für einige Werber. Reinhold Weber («Provinzmanöggel»), Frank Baumann («austauschbar»), Frank Bodin («einfachste Abklärungen vergessen») haben sich mit harschen Kritiken an «Zigi» in den Medien profiliert und damit mit der Euro 08 unerlaubt Werbung für sich selber gemacht – und dies, ohne offiziell anerkannte Sponsoren zu sein.
 
Andreas Panzeri

Das Goldene Ohr verlängert Einsendeschluss

Der Einsendeschluss für den Vier-Länder-Wettbewerb wurde bis Freitag 13. Oktober 2006 verlängert.

Der Einsendeschluss für den Vier-Länder-Wettbewerb wurde bis Freitag 13. Oktober 2006 verlängert. Die Macher haben sich entschlossen, den Kreativen, Agenturen, Tonstudios und Auftraggebern eine Woche länger Zeit zu lassen, um ihre Radiospots, Jingles und Corporate Audio Konzepte einzureichen, heisst es in der Mitteilung. Die Einsendungen werden nach Idee, Umsetzung und Medienadäquatheit beurteilt. Die Preisverleihung findet am 26. Oktober statt (siehe ).

Unfälle beginnen im Kopf

Versicherungen Ruf Lanz zeigt für Suva, dass auch die beste Versicherung den Verlust an Lebensqualität nicht ersetzen kann.

Versicherungen Ruf Lanz zeigt für Suva, dass auch die beste Versicherung den Verlust an Lebensqualität nicht ersetzen kann.Die Suva setzt alles daran, die bei ihr versicherten Personen und Unternehmen bei der Erhöhung der Sicherheit am Arbeitsplatz und in der Freizeit zu unterstützen. Auch die neue Kampagne für die Angebotsmarke SuvaRisk appelliert an die Eigenverantwortung. Zwar sind alle, die bei einem Suva-versicherten Unternehmen mehr als acht Stunden pro Woche arbeiten, automatisch auch gegen Nichtberufsunfälle versichert. Und erhalten im Falle eines Unfalles die Heilungskosten sowie Taggeld ausbezahlt. Aber den (vorübergehenden) Verlust der Lebensqualität kann auch die Suva nicht ersetzen. Es lohnt sich also nicht, unnötige Risiken einzugehen.
Das dramatisieren nun ein neuer TV-Spot sowie eine Inseratekampagne von Ruf Lanz auf überraschende Art. «Die Suva ist eine der Versicherungen, die nicht langweilige Versicherungswerbung will», freut sich Markus Ruf. Sein Team hat deshalb auf Humor in den Printsujets ebenso wie auf eine etwas anspruchsvollere Bildsprache im TV-Spot setzen können. Darin sitzt eine gebrechliche alte Dame im Tram auf ihrem Sitz. Plötzlich rappelt sie sich langsam auf – ein neu hereinkommener Fahrgast (den man raffinierterweise selber nicht sieht) ist offenbar nach einem Unfall so schrecklich zugerichtet, dass die Dame selbst in ihrem hohen Alter nicht anders kann, als dem Bemitleidenswerten ihren Platz anzubieten. Die Auflösung aus dem Off: «Ein Unfall kann Sie schrecklich zurichten. Passen Sie auf sich auf. Auch wenn Sie bei der Suva gegen Unfälle am Arbeitsplatz und in der Freizeit versichert sind.»
Gedreht wurde der subtile Spot von Markenfilm Schweiz, Regie führte das englisch-norwegische Regie-Duo Nic & Sune.
Flankierend zum originellen TV-Spot wurden auch Inserate gestaltet. Diese sollen das Publikum mit einer auffälligen visuellen Übertreibung sensibilisieren: So sind die Hinterköpfe der porträtierten Zeitgenossen, die offenbar nach einem Unfall sehr lange im Bett liegen mussten, buchstäblich flach herausgekommen.
Andreas Panzeri

Wanted: Junge Kreative

Gattungswerbung Der Verband Schweizer Presse ruft wieder zum Young-Creative-Wettbewerb «Das kann nur ein Inserat».

Gattungswerbung Der Verband Schweizer Presse ruft wieder zum Young-Creative-Wettbewerb «Das kann nur ein Inserat».Welches junge Team will landesweit mit einem Abdruck seiner Ideen bekannt werden? Die Kampagne «Das kann nur ein Inserat» des Verbandes Schweizer Presse geht 2007 in ihre vierte Folge. Wie bereits letztes Jahr sollen die zwölf Sujets von jungen Kreativduos (bis Jahrgang 1978) realisiert werden.Eine hochkarätige Jury wählt dann aus, welche Inserate für die Gattungswerbung Inserate in fast allen Publikationen im Land geschaltet werden. Neben der Ehre winken interessante Geldpreise für die professionelle Ausarbeitung der prämierten Ideen. Die drei besten Teams dürfen zudem am europäischen Finale des Wettbewerbs «BestYET» teilnehmen. Dort gibt es als Preis eine Reise nach Cannes zu gewinnen.
Der Wettbewerb der Schweizer Presse wird in diesem Jahr von Matter & Gretener beworben. Für ihre Sujets hat die Agentur legendäre Werber zu Ikonen im Stil von Heiligenbildchen gestylt. Mitgespielt mit viel Spass an der Idee hat Erik Vervroegen, der Creative Director von TBWA/Paris. Diese Agentur hat die letzten vier Jahre in Cannes am meisten Löwen geholt.
Für den Nachwuchs verrät der CD sein Erfolgsrezept: «Ich mache jetzt seit zwanzig Jahren Werbung, und noch nie ist mir eine gute Idee in den Schoss gefallen. Da war immer sehr viel Arbeit dabei, sehr viel Schmerz, sehr viel Wieder-und-wieder-von-vorn-Anfangen. Und um nicht die Energie zu verlieren, die Leidenschaft, ja vielleicht sogar die Wut, die es braucht, um herausragende Werbung zu machen, ist extrem viel Kraft notwendig.»
Ähnlich Mut machen wollen in zwei weiteren Sujets Alex Bogusky von Crispin Porter + Bogusky sowie Marcello Serpa von AlmapBBDO. Alle drei Legenden gaben nicht nur mit Vergnügen ihre Einwilligung zur Kampagne, sondern schickten auch noch eine Auswahl von Fotos, «damit ihre Heiligsprechung möglichst überzeugend ausfallen konnte», wie Matter & Gretener verrät.
Andreas Panzeri

Ökotrend wird Mainstream

Lebensmittel Organisch produzierte Waren kommen in den USA bei den Verbrauchern an. Whole Foods mit derzeit 183 Läden fördert den Trend mit innovativen Marketingmethoden.

Lebensmittel Organisch produzierte Waren kommen in den USA bei den Verbrauchern an. Whole Foods mit derzeit 183 Läden fördert den Trend mit innovativen Marketingmethoden.Bei Whole Foods, so sagt die Kundschaft, wird das Einkaufen zum Erlebnis: Da sind die Äpfel so blank poliert, dass man sich darin wiedererkennt, der Käse ist so appetitlich aufgereiht, dass man sich kaum entscheiden kann, und manchmal durchzieht der Duft von frisch gebackenem Weissbrot die Halle. «Experiential Marketing» also, wo alles auf dem Erlebnis aufbaut, kombiniert mit einer ganzheitlichen Lifestyle-Strategie, darauf gründet der Erfolg der amerikanischen Supermarktkette Whole Foods, die derzeit Industriegiganten wie Wal-Mart oder Safeway ins Grübeln bringt.
«Die Firma hat einen Massenmarkt für organische Produkte für den ernährungsbewussten Mittelstand in den USA geschaffen», sagt Bernd Schmitt, Marketingprofessor an der New Yorker Columbia Universität. «Und zwar eindeutig mit Experiential Marketing, wie etwa mit fokussierter Beleuchtung, durch detaillierte, ernährungsorientierte Beschreibungen der Produkte und durch das Produktesortiment als solchem.»
Sogar Live-Musik und ein Schokobrunnen, in den die Kunden frischgewaschene Früchte tauchen können, wurden in einigen Filialen erspäht. «Bei Whole Foods geht es in Wirklichkeit darum, eine Geschichte zu erzählen, um Bilder, Text und Ideen, die den Kunden in ihrer Welt entgegenkommen», sagt Tim Girvin, Markenberater für internationale Handelsunternehmen. «Alles ist in diese ganzheitliche Botschaft integriert.» Seit Ende letzten Jahres gibt es dort sogar ökologisch verträgliche Kleidung wie etwa Öko-Jeans und rezyklierte Handtaschen zu kaufen.
Das Konzept ist erfolgreich: Whole Foods mit seinen 183 Filialen verzeichnete in den letzten Jahren einen Wachstumsschub von durchschnittlich rund 20 Prozent im Jahr. «Das Unternehmen hat sich damit in einer Marktnische etabliert», sagt Robb Hecht, Marketingprofessor am New Yorker Baruch College. «Jeder will zur Zeit auf diesen Wagen aufspringen.»
Der Erfolg von Whole Foods lässt Branchenkolosse aufhorchen, deren Geschäft seit Jahren stagniert. Wal-Mart etwa hat vor kurzem organische Produkte in einigen Filialen eingeführt, um damit neue Bevölkerungsschichten anzusprechen. Im Juli startete der Konzern ausserdem als Teil einer breit angelegten Imagekampagne einen Werbefeldzug für Biofood unter dem Slogan «Introducing Organics at the Wal-Mart price.» Das Unternehmen will damit zeigen, dass auch die üblicherweise teure Bioware zu günstigen Preisen zu kaufen ist.
Sogar Safeway, mit 1775 Filialen die grösste Supermarktkette der USA, hat im Februar einen «Lifestyle Store» in Boulder, Colorado, eröffnet, wo nicht nur organische Lebensmittel, sondern auch Sushi und frisch geröstete Nüsse angeboten werden. Auch appetitlich zubereitete Speisen zum Mitnehmen werden verkauft, eine Strategie, die Whole Foods perfektioniert hat und damit rund zehn Prozent seines Umsatzes hereinbringt. Wie die Kunden reagieren, steht noch aus.
«Ich glaube nicht, dass Wal-Mart oder Safeway in der Lage sein werden, den emotionalen Erlebnischarakter der Markenidentität von Whole Foods zu kopieren», glaubt Andreas Back, Partner im Marketing-Consulting-Unternehmen Prophet in Hamburg, der einige Jahre lang in den USA gearbeitet hat und ein bekennender Whole-Foods-Fan geworden ist. «Ihre Läden strahlen einfach nicht dieses Feelgood-Erlebnis aus, die können sich nur eine kleine Scheibe vom Konzept abschneiden.»
Whole Foods gibt relativ wenig Geld für Werbekampagnen oder gar die in den USA so populären Coupons aus. Das Werbebudget beträgt in der Regel nicht einmal ein Prozent seines Umsatzes. «Whole Foods hat das Spiel mit den Rabatten nicht nötig», sagt Hecht. «Es läuft alles über Kundenbindung und Word-of-Mouth.» Diese Kundenbindung wird auch damit erzeugt, dass Whole Foods vorwiegend Mitarbeiter einstellt, die am Bio-Konzept interessiert sind und in der Lage sind, die Kundschaft fachmännisch zu beraten.
Ausserdem bekommen die Angestellten ein höheres Gehalt als den in der Branche oft üblichen Mindestlohn – ein Aspekt, der vor allem für Wal-Mart zu einem Imageproblem geworden ist, für Whole Foods jedoch positive Reaktion in den lokalen Medien auslöst. «Die Konkurrenz achtet weniger auf Teambildung», urteilt Hecht. «Bei Whole Foods wird den Angestellten das Gefühl vermittelt, dass es keine Hierarchien gibt, das schafft dieses Gefühl von Kameradschaft.»
Sprung nach EuropaWhole Foods begann 1980 mit einem einsamen Laden in Austin, Texas, und war ein sofortiger Hit bei den Kunden. Mackey war einer der Mitbegründer. Das Unternehmen expandierte über die Jahre landesweit, und zwar häufig durch Übernahmen und Fusionen mit kleineren ökologisch ausgerichteten Ketten – eine Strategie, die nun erstmals auch international angewandt wurde. Im vergangenen Jahr wagte Whole Foods den Sprung nach Europa, indem es sich bei der britischen Edel-Kette «Fresh & Wild» einkaufte. Das Unternehmen plant, in den nächsten Jahren 75 neue Läden in Grossbritannien zu eröffnen.
Zum Prinzip der Umweltverträglichkeit gehört für Mackey ausserdem die Kooperation mit lokalen Unternehmen. Schlagzeilen machte auch die jüngste Initiative, keine lebenden Lobster mehr bei Wohle Foods zu verkaufen. «Alle Krustentiere, einschliesslich Lobster und Krabben, scheinen zu einem gewissen Grad ein Bewusstsein, Schmerzempfinden sowie die Fähigkeit zu lernen zu haben», heisst es in einer Pressemitteilung. Viele Zulieferer würden die Tiere wochenlang in überfüllten Becken halten, was nicht den Whole-Foods-Standards einer «humanen Behandlung» entspreche. Praktischerweise tut dies auch dem Image der Firma gut.
«Whole Foods vermittelt einem das Gefühl, man ist ein guter Mensch, wenn man dort einkauft, und das ist den Amerikanern wichtig», sagt die PR-Beraterin Christine Hohlbaum. «Das Konzept der humanen Tierhaltung passt da hundertprozentig dazu.»
Gerti Schön

Inkognito zum Star

Lifestyle Kürzlich interpretierten Schauspieler für die SI Style die Werbekampagne von Jung von Matt/Limmat mit dem Claim «SI Style, das Zeug zum Star» live auf der Strasse.

   Lifestyle War es ein Celebrity-Pärchen, das sich kürzlich von drei Paparazzi belagert durch die Zürcher Innenstadt geshoppt hat? Den neugierigen Passanten zufolge schon – hörte man doch deutlich die Namen Brad Pitt und Angelina Jolie. Zudem liess sich zahlreiches Tuscheln und Köpfedrehen beobachten. Trotzdem war alles ganz anders. Die Auflösung des Rätsels fand sich in der SI Style. Es waren nicht Prominente aus Hollywood, sondern Schauspieler, welche die Werbekampagne von Jung von Matt/Limmat mit dem Claim «SI Style, das Zeug zum Star» für eine Promotion live auf der Strasse interpretierten. Die Schauspieler spielten somit lebensnah die Leserinnen und Leser von Style.

Wie das Leben so spielt

Theater Publicis hat für das Zürcher Schauspielhaus den Unterschied zwischen Leben und Tod verfilmt.

Theater Publicis hat für das Zürcher Schauspielhaus den Unterschied zwischen Leben und Tod verfilmt.Ein Traumjob für jeden Regisseur: Sämtliche Klischees von hohem Drama oder vielleicht besser Melodrama – mit Selbstmord, Totschlag und Happy-end – durfte Patrick Senn von Condor zu einem Rundumschlag über das ganze Leben abhandeln. Und dies in wenigen Sekunden. Der emotionsgeladene Spot für das Zürcher Schauspielhaus basiert auf einer Idee von Publicis. Die Werber hielten sich dazu an Oscar Wilde, der bekanntlich einmal sagte: «Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben.» Genau diese Aussage wird vom Team um Markus Gut nun für das Zürcher Schauspielhaus «zum Leben erweckt». Im Einsatz sind Schauspieler aus dem Ensemble von Direktor Matthias Hartmann. Sie interpretieren die Kernaussage des Spots «Wie das Leben so spielt» auf variantenreiche Art. Denn das Leben schreibt täglich ein neues Drehbuch, und im Theater hat man die Möglichkeit, es zu erleben, live und hautnah. Kurz: Grosses Kino auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Der Spot läuft in allen Arthouse-Kinos und ist seit Anfang September on air.   
Andreas Panzeri

Partnerschaft zwischen Gradual und Markzware

Publishing Eine Partnerschaft soll die nahtlose Integration von Markzwares Preflight-Tools in die Switch-Produktreihe von Gradual sichern.

Publishing Gradual Software, Spezialist im Bereich der Software-Lösungen für die Automatisierung des Publishing-Prozesses, kündigt eine Partnerschaft mit Markzware an, dem Entwickler der FlightCheck-Software-Reihe für das Preflighting. Die Partnerschaft soll gemäss Mitteilung die nahtlose Integration von Markzwares Preflight-Tools in die Switch-Produktreihe von Gradual und den Anwendern durch die Kombination aus Preflighting für verschiedene Dateiformate und Automatisierungsfunktionen einen hohen Effizienzgrad im professionellen Publishing sichern.

Neue Agentur ZürichTokio am Start

Am 1. Oktober hat die neu gegründete Zürcher Kommunikationsagentur ZürichTokio das Geschäft aufgenommen. Damit ist die Dachmarke «Code» Vergangenheit.

Am 1. Oktober hat die neu gegründete Zürcher Kommunikationsagentur ZürichTokio das Geschäft aufgenommen. Der Weg unter der Dachmarke «Code», der 1996 begonnen hatte und mit namhaften Erfolgen gepflastert ist, ist zuende (siehe ). Die neu gegründete Agentur habe nun die Reise mit ZürichTokio vor sich, heisst es im Communiqué. Wie Agenturinhaber Daniel Donati gegenüber der Werbewoche ausführt, beruht die Namensfindung auf einem durchdachten Konzept: Der Reise an sich. «Unser ganzer Auftritt basiert auf dem Reisegedanken. Dies aus verschiedenen Gründen: zum einen sind wir sehr kosmopolitisch geprägt, sind viel unterwegs und lassen uns aus aller Welt inspirieren. Zum andern ist letztlich jeder kreative Prozess eine Art Reise; angetrieben von Neugier, Fantasie und Entdeckungslust, stets in Bewegung, immer auf der Suche nach neuen Wegen, das ist unser Ziel», meint Donati.
Die Agentur beschäftigt 10 Mitarbeitende und verfügt über ein starkes Portefeuille: Kunden wie Manor, Daimler, Migros Kulturprozent, SF DRS und Club Q finden sich darunter. In Zukunft will die Agentur neben den bisherigen Stärken Design und Branding auch vermehrt auf klassische Werbung setzen. Erste Etappenerfolge werden in Kürze zu sehen sein.
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