BaZ tritt PubliGroupe auf die Füsse
Presse Das Einvernehmen mit BaZ-Pächterin Publicitas ist an vielen Fronten getrübt: Der Geschäftsbericht der Basler Zeitung Medien birgt Zündstoff.
Die Unternehmensgruppe Basler Zeitung Medien (BZM), die ihr Geschäftsjahr jeweils Ende Juni abschliesst, weist für 2005/2006 einen Reingewinn von 4,3 Millionen Franken aus (plus 62,9%). Gleichzeitig sank aber der Gruppenumsatz von 276,2 auf 272,0 Millionen Franken. Den Mehrertrag ermöglichten primär Einsparungen in der Höhe von 12,7 Millionen Franken sowie der Verkauf unrentabler Bereiche. So stiess die BZM im Geschäftsjahr 2005/2006 die TV-Produktionsfirma Allcomm ab.In den meisten der acht angestammten Unternehmensbereiche sind ebenfalls Umsatzrückgänge auszumachen. «Vor allem wegen des Inseraterückgangs und der ungünstigen Margenentwicklung im Druckbereich», erklärt Verleger Matthias Hagemann. So erwirtschaftete das Stammhaus Basler Zeitung (BaZ) zwei Millionen Franken weniger als im Vorjahr, der Umsatz des Baslerstab sank von 27,7 auf 25,7 Millionen Franken und bei Birkhäuser + GBC (Akzidenzdruck) reduzierten sich die Einnahmen gar um 6,7 Millionen auf 68,6 Millionen Franken.
Nur geringe Einbussen mussten der Bereich Prepress, die Lokalzeitungen sowie die Vertriebsfirma Prevag hinnehmen. Mehrumsätze generierten dagegen die Firma Birkhäuser + GBC Spezialprodukte (+ 1,3 Millionen Franken) sowie Radio Basel 1 (+ 10 Prozent).
Die Gewinne, welche die Gruppe seit dem Turnaround vor drei Jahren ausweist, beruhen primär auf Einsparungen. Dass dies nicht nachhaltig ist, weiss auch Verleger Hagemann. «Die Einsparungen sind an sich durchaus nachhaltig, wir haben unsere Strukturen auf die gegenwärtige Einnahmenhöhe ausgerichtet. Aber natürlich sind wir auf Umsatzwachstum aus. Darum haben wir einiges unternommen, um rentable Mehrumsätze zu generieren», sagt er. Bei Radio Basel 1 sei dies bereits gelungen. Seit Beginn des laufenden Geschäftsjahres schreibe der Sender schwarze Zahlen, sagt Hagemann.
Umsatzankurbelnde Vorkehrungen leitete die BZM auch bei der BaZ ein: Seit kurzem erscheint eine Grossauflage für das Baselbiet, zudem wurde die Redaktion deutlich aufgestockt. Für beides investiert die BZM laut Hagemann einen einstelligen Millionenbetrag. Diese Massnahmen zeitigen offenbar erste Erfolge: Die Inserateeinnahmen seien bereits über Budget. Halte die Konjunktur an, würden die Investitionen womöglich schon im ersten Jahr gedeckt, sagt der BaZ-Verleger.
Key Media prescht vorEbenfalls einnahmensteigernd ist die erst eineinhalbjährige BZM-Tochter Key Media: In ihrem ersten vollen Geschäftsjahr steuerte sie bereits 13,5 Millionen bei und wirft sogar einen Gewinn in nicht genannter Höhe ab.
Key Media ist ein interessantes Gebilde. Nach offizieller BZM-Lesart soll sie primär das Crossmedia-Geschäft unter den BZM-Medien ankurbeln. Tatsächlich aber vermittelt sie die BaZ auch solo, also in Konkurrenz zu deren Pächterin Publicitas. Zudem vermittelt sie andere in- und ausländische Titel. Vor allem aber hat sie einige Exklusiv-Kunden.
Die BZM gründete Key Media wegen des Kundenstamms des heutigen BaZ-Verlagsleiters Roland Steffen: Dieser kam von der Publicitas-Filiale Aarau und brachte von dort mehrere grössere Kunden mit. Dies ist wohl der BaZ-Pächterin PubliGroupe, die zu 37 Prozent an der BZM beteiligt ist, ein Dorn im Auge. «Mit Key Media haben wir für Herrn Steffens Kundschaft ein juristisches Gefäss geschaffen, was uns insofern gelegen kam, als wir damit die Publicitas Basel zu grösseren Leistungen motivieren können», gibt Matthias Hagemann zu.
Wie gross der Umsatz ist, den Key Media für die BaZ generierte, kann der Verleger nicht sagen. Sicher aber ist: Im Umsatz von 134,1 Millionen Franken, den das BaZ-Stammhaus ausweist, sind nur der gesunkene P-Umsatz und der ebenfalls rückläufige Umsatz aus dem Zeitungsdruck enthalten, nicht jedoch der Anteil aus den Key-Media-Akquisitionen. Möglicherweise hat also der BaZ-Inserateumsatz gar nicht so stark gelitten, wie dies auf den ersten Blick den Eindruck macht. Hagemann bestätigt: «Dank den Anstrengungen von Key Media für die BaZ ist es uns gelungen, einen Teil des rückläufigen Inserateumsatzes im Stammhaus aufzufangen.»
P an vielen FrontenIm Clinch mit der P ist die BZM auch wegen der Mittelland Zeitung, die dank ihrer Kooperation mit der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) im Baselbiet Fuss gefasst hat. Immerhin ist die P an zwei von fünf MZ-Verlagen beteiligt und auch Pächterin des Verbundes. Bei der bz ist sie zudem Regienehmerin. «Die P geriet dadurch in einen Interessenskonflikt: Wie soll sie in Liestal die MZ, die bz und gleichzeitig unsere Grossauflage vermitteln?», fragt Hagemann.
Hinzu kommt, dass die Filialen Basel, Aarau, Olten und Solothurn P-intern gesamthaft von Moreno Cavaliere, dem Direktor der P Basel, geleitet werden. «Wir sind mit der P in konstruktiven Gesprächen, damit dieses Problem gelöst werden kann», sagt Hagemann. Wie die Lösung aussehen sollte, will er nicht sagen.
Im Wesentlichen sind zwei Ansätze denkbar: Entweder die P ändert im Gebiet Nordwestschweiz-Mittelland ihre Strukturen oder die BaZ steigt aus dem Pachtverhältnis aus. Oder beides. Verleger Hagemann enthält sich dazu eines Kommentars. Doch die Werbewoche weiss aus interner Quelle der P: Veränderungen bei den Strukturen sind eingeleitet. Diese sollen schon bald kommuniziert werden. So lange wollte die BZM angesichts der neuen Lage in Liestal jedoch nicht warten. «Wir vermarkten unsere Grossauflage in Liestal selbst», sagt Hagemann.
Tatsächlich hat die BZM dort ein Büro eröffnet – interessanterweise keine Filiale der Key Media, sondern des BaZ-Verlags. Damit wird die BaZ gleich von drei Akteuren vermarktet.
FernsehenKaum hatte die BZM
die TV-Produktionsfirma Allcomm verkauft, flirtete sie schon mit dem mittlerweile eingestellten Baselbieter TV-Sender NW1. Wie passt dies zusammen? Allcomm gehöre nicht zum definierten Kerngeschäft der BZM und sei zudem nicht rentabel gewesen, darum habe man sich von ihr getrennt, sagt Matthias Hagemann. Ein Lokal-TV-Sender dagegen läge durchaus im Rahmen des Kerngeschäfts. Hätte die BZM bei NW1 die bisherige Konzession beibehalten können, die ein im Wochenrhythmus erneuertes Programm vorsah, dann hätte die Gruppe den Sender betreiben können. «Wir hätten uns beim Programmausbau einfach nach den Einnahmen gerichtet», sagt Hagemann. Doch habe man den Eindruck gewonnen, dass das Bakom von einem Grossverlag tagesaktuelle Sendungen erwartet – weshalb die BZM schliesslich verzichtete.
SonntagsausgabeDie Mittelland Zeitung
erwägt bekanntlich eine Sonntagsausgabe nach dem Vorbild der Südostschweiz. Das hätte auch Folgen für die BaZ, da diese Ausgabe das Baselbiet und vor allem Basel kaum links liegen lassen würde. «Falls die MZ tatsächlich eine siebte Ausgabe lanciert, wird die BZM angemessen reagieren», sagt Matthias Hagemann. An die Lancierung einer eigenen, kostenpflichtigen Sonntagsausgabe glaubt er nicht – jedenfalls nicht im Alleingang. Mögliche Partner sieht er jedoch keine, «seit wir mit der MZ in direktem Wettbewerb leben». Laut denkt er aber über die Lancierung einer Gratis-Sonntagszeitung nach, wie das die Badische Zeitung seit einiger Zeit tut. «Wenn man jemandem am Sonntag brutal weh tun will, dann mit einer Gratiszeitung», sagt der Verleger.
Markus Knöpfli
