Beromünster verstummt
Radio Die «DRS Musigwälle» steigt auf digitales Radio um. 2008 wird der Sender Beromünster definitiv stillgelegt.
Radio Die «DRS Musigwälle» steigt auf digitales Radio um. 2008 wird der Sender Beromünster definitiv stillgelegt.Die «DRS Musigwälle», die in diesen Tagen ihr zehnjähriges Bestehen feiert, ist eine Erfolgsgeschichte. Schweizer Radio DRS (SR DRS) hat sie 1996 als Komplementärprogramm zu DRS 1 lanciert, um jenes Publikum zu erreichen, dem selbst das behäbige erste DRS-Programm noch zu modern daherkommt. Sie sendet ein meist unmoderiertes und daher kostengünstiges Musikprogramm, das sich aus Volksmusik und traditionellen Schlagern zusammensetzt. Ein erwünschter Nebeneffekt: Der Anteil schweizerischer Musik in diesem Programm beträgt 34 Prozent, und dies schönt die Gesamtbilanz von SR DRS, das in keinem anderen Programm so viele Schweizer Produktionen ausstrahlt. Mit diesem Mix erreicht die «Musigwälle» einen Marktanteil von erstaunlichen vier Prozent, was täglich über 300 000 Hörerinnen und Hörern entspricht.
Diese Zahlen sind vor allem deshalb erstaunlich, weil die «Musigwälle» nicht über terrestrische UKW-Sender ausgestrahlt wird. Rund die Hälfte ihres Publikums erreicht sie über Mittelwelle, den Rest über Kabel, Satellit, Internet und Digitalradio.
Und dies ist auch der Haken der Erfolgsgeschichte: Der Mittelwellensender nahe beim luzernischen Beromünster muss nach 75 Jahren Betrieb saniert werden, weil er die im Jahr 2000 festgelegten Grenzwerte für elektromagnetische Wellen nicht einhält. Messungen riefen damals die gut vernetzten Mobilfunkgegner auf den Plan, die Proteste und Eingaben organisierten.
Die Swisscom Broadcast AG, die den Sender im Auftrag der SRG SSR betreibt, hätte den Sender mit einer Ausnahmebewilligung gern bis 2015 laufen lassen – bis die Mittelwellen-Technologie endgültig veraltet gewesen wäre. Doch die Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern stieg darauf nicht ein. Begründung: zu hohe Belastung der Umgebung durch Elektrosmog. Sie legte fest, dass der Sender bis Ende des Jahres 2008 entweder saniert oder stillgelegt werden müsse.
In eine veraltete Technologie zu investieren, schien der Swisscom Broadcast AG aber nicht sinnvoll, weil eine Sanierung ohnehin auf eine Reduktion der Sendeleistung und damit auch der Reichweite hinausgelaufen wäre. Deshalb wird der Sender in zwei Jahren abgeschaltet.
Segmentspezifische KommunikationÜbrig bleiben der «Musigwälle» danach nur noch die Verbreitungswege über Kabel, Satellit, Internet und vor allem das Digital Audio Broadcasting (DAB). «Die DRS Musigwälle wird die DAB-Technologie intensiv benötigen, um die ab 2008 wegfallende Verbreitung über Mittelwelle zu kompensieren», sagt Ursula Kottmann, Leiterin Kommunikation von SR DRS.
Angesichts der rund 150’000 Hörerinnen und Hörer, die zum Umstieg motiviert werden müssen, sind das keine rosigen Zukunftsaussichten. Die «Musigwälle» hat «hauptsächlich ein mittleres und älteres Publikum», wie Kottmann sagt. Dieses hat sich in Grossbritannien zwar gegenüber der digitalen Technologie durchaus aufgeschlossen gezeigt, weil sie leicht zu bedienen ist. Trotzdem hat SR DRS schon jetzt mit Werbemassnahmen für DAB begonnen, um einem befürchteten Einbruch der Hörerzahlen zu begegnen.
«Wir sind daran, die Digitaltechnologie bekannter zu machen. Was die ’DRS Musigwälle’ betrifft, gehen wir die Kommunikation zur Zeit sehr segmentspezifisch an, zum Beispiel mit Informationen an die Volksmusikverbände», sagt Ursula Kottmann. Eine solche «segmentspezifische» Kampagne läuft momentan: Unter dem Titel «Glück im Stall» werden 100 Digitalempfänger für Bauernhöfe verlost. Vorläufig scheint dies zu reichen. Langfristig ist jedoch eine breitere Kommunikation geplant. Die Detailplanung beginne im Dezember dieses Jahres, erklärt Kottmann.
Was mit dem markanten Sendeturm bei Beromünster geschieht, wenn er 2008 stillgelegt wird, sei zur Zeit noch offen, sagt Swisscom-Sprecher Sepp Frey. Interessengruppen möchten einen Abbruch verhindern. «Der Landessender ist ein Kulturdenkmal, das unbedingt erhalten werden muss», meint Hanspeter Bürki, Präsident des Fördervereins HistoriAV. Im Verein sind Sammler von historischen Radiogeräten zusammengeschlossen.
Auch der Schweizer Heimatschutz setzt sich für einen Erhalt ein. «Die Swisscom ist als Bundesbetrieb gesetzlich verpflichtet, ihre Kulturdenkmäler zu erhalten», sagt Philipp Maurer, Geschäftsführer des Schweizer Heimatschutzes. Eine Lösung für die hohen Unterhaltskosten hat vorderhand jedoch noch niemand gefunden.
Eine starke Marke verschwindetWenn der Landessender Beromünster
den Betrieb einstellt, verschwindet auch eine einst hervorragend etablierte Marke. Seit über vierzig Jahren nennt sich das Schweizer Radio nicht mehr Beromünster, sondern DRS. Dennoch ist der Begriff immer noch tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Seine Geburt war im Jahr 1931 ein Zufall. In der Frühzeit des Rundfunks trugen die meisten Sender den Namen ihrer Standortgemeinde. Der schweizerische Sender lag jedoch auf Gemeindegebiet von Gunzwil – kein klingender Name. Und auch den Namen der Nachbargemeinde Münster konnte man nicht verwenden, weil im deutschen Münster bereits ein Sender in Betrieb war. So erinnerte man sich an den mittelalterlichen Namen Beromünster und benannte Münster kurzerhand um. Keine andere Gemeinde dieser Grösse wurde in der Folge so bekannt.
Adrian Scherrer
Diese Zahlen sind vor allem deshalb erstaunlich, weil die «Musigwälle» nicht über terrestrische UKW-Sender ausgestrahlt wird. Rund die Hälfte ihres Publikums erreicht sie über Mittelwelle, den Rest über Kabel, Satellit, Internet und Digitalradio.
Und dies ist auch der Haken der Erfolgsgeschichte: Der Mittelwellensender nahe beim luzernischen Beromünster muss nach 75 Jahren Betrieb saniert werden, weil er die im Jahr 2000 festgelegten Grenzwerte für elektromagnetische Wellen nicht einhält. Messungen riefen damals die gut vernetzten Mobilfunkgegner auf den Plan, die Proteste und Eingaben organisierten.
Die Swisscom Broadcast AG, die den Sender im Auftrag der SRG SSR betreibt, hätte den Sender mit einer Ausnahmebewilligung gern bis 2015 laufen lassen – bis die Mittelwellen-Technologie endgültig veraltet gewesen wäre. Doch die Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern stieg darauf nicht ein. Begründung: zu hohe Belastung der Umgebung durch Elektrosmog. Sie legte fest, dass der Sender bis Ende des Jahres 2008 entweder saniert oder stillgelegt werden müsse.
In eine veraltete Technologie zu investieren, schien der Swisscom Broadcast AG aber nicht sinnvoll, weil eine Sanierung ohnehin auf eine Reduktion der Sendeleistung und damit auch der Reichweite hinausgelaufen wäre. Deshalb wird der Sender in zwei Jahren abgeschaltet.
Segmentspezifische KommunikationÜbrig bleiben der «Musigwälle» danach nur noch die Verbreitungswege über Kabel, Satellit, Internet und vor allem das Digital Audio Broadcasting (DAB). «Die DRS Musigwälle wird die DAB-Technologie intensiv benötigen, um die ab 2008 wegfallende Verbreitung über Mittelwelle zu kompensieren», sagt Ursula Kottmann, Leiterin Kommunikation von SR DRS.
Angesichts der rund 150’000 Hörerinnen und Hörer, die zum Umstieg motiviert werden müssen, sind das keine rosigen Zukunftsaussichten. Die «Musigwälle» hat «hauptsächlich ein mittleres und älteres Publikum», wie Kottmann sagt. Dieses hat sich in Grossbritannien zwar gegenüber der digitalen Technologie durchaus aufgeschlossen gezeigt, weil sie leicht zu bedienen ist. Trotzdem hat SR DRS schon jetzt mit Werbemassnahmen für DAB begonnen, um einem befürchteten Einbruch der Hörerzahlen zu begegnen.
«Wir sind daran, die Digitaltechnologie bekannter zu machen. Was die ’DRS Musigwälle’ betrifft, gehen wir die Kommunikation zur Zeit sehr segmentspezifisch an, zum Beispiel mit Informationen an die Volksmusikverbände», sagt Ursula Kottmann. Eine solche «segmentspezifische» Kampagne läuft momentan: Unter dem Titel «Glück im Stall» werden 100 Digitalempfänger für Bauernhöfe verlost. Vorläufig scheint dies zu reichen. Langfristig ist jedoch eine breitere Kommunikation geplant. Die Detailplanung beginne im Dezember dieses Jahres, erklärt Kottmann.
Was mit dem markanten Sendeturm bei Beromünster geschieht, wenn er 2008 stillgelegt wird, sei zur Zeit noch offen, sagt Swisscom-Sprecher Sepp Frey. Interessengruppen möchten einen Abbruch verhindern. «Der Landessender ist ein Kulturdenkmal, das unbedingt erhalten werden muss», meint Hanspeter Bürki, Präsident des Fördervereins HistoriAV. Im Verein sind Sammler von historischen Radiogeräten zusammengeschlossen.
Auch der Schweizer Heimatschutz setzt sich für einen Erhalt ein. «Die Swisscom ist als Bundesbetrieb gesetzlich verpflichtet, ihre Kulturdenkmäler zu erhalten», sagt Philipp Maurer, Geschäftsführer des Schweizer Heimatschutzes. Eine Lösung für die hohen Unterhaltskosten hat vorderhand jedoch noch niemand gefunden.
Eine starke Marke verschwindetWenn der Landessender Beromünster
den Betrieb einstellt, verschwindet auch eine einst hervorragend etablierte Marke. Seit über vierzig Jahren nennt sich das Schweizer Radio nicht mehr Beromünster, sondern DRS. Dennoch ist der Begriff immer noch tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Seine Geburt war im Jahr 1931 ein Zufall. In der Frühzeit des Rundfunks trugen die meisten Sender den Namen ihrer Standortgemeinde. Der schweizerische Sender lag jedoch auf Gemeindegebiet von Gunzwil – kein klingender Name. Und auch den Namen der Nachbargemeinde Münster konnte man nicht verwenden, weil im deutschen Münster bereits ein Sender in Betrieb war. So erinnerte man sich an den mittelalterlichen Namen Beromünster und benannte Münster kurzerhand um. Keine andere Gemeinde dieser Grösse wurde in der Folge so bekannt.
Adrian Scherrer
