Inserateproduktion PrintOnline setzt statt auf seinen Hausstandard auf das Regelwerk von PDFX-ready. Was die Abwicklung von digitalen Inseratedaten angeht, hat das Schlieremer Unternehmen PrintOnline von Anfang an versucht, die Datenlieferanten dahin zu bewegen, sich vorhandener und aktueller Technologien zu bedienen. Allerdings konnten nicht alle «Fahrpläne» wie gewünscht durchgesetzt werden. Dies gibt deren Geschäftsführer Kurt Obrist auch unumwunden zu: «Vorgesehen war, dass die Sender von digitalen Anzeigen die in den Inseraten verwendeten Bilddaten im RGB-Farbraum belassen und mit einem entsprechenden ICC-Profil verknüpfen. Der Empfänger sollte die entsprechende Farbseparation durchführen.» Dieser Workflow hätte eine breite Akzeptanz des RGB-Farbraums sowohl bei den Sendern als auch bei den Empfängern der Daten erfordert – doch damit tut sich die grafische Branche schwer. «Die Werbeauftraggeber wollen die Separationen selbst ausführen», weiss Obrist aus Erfahrung. «Und die Empfänger wollen die Verantwortung für diesen Vorgang nicht übernehmen.»
PDF/X-3 auf erweiterter PDFX-ready-Basis angestrebt Was das PDF-Format betrifft, setzt PrintOnline beim elektronischen Inserateaustausch auf die PDF/X-Technologie. Nicht zuletzt um dem Format PDF/X-3 (ISO-Standard PDF/X-3:2002) zu einer breiteren Akzeptanz zu verhelfen, wurde Anfang 2005 von wichtigen Players – darunter die Ugra, der Branchenverband VSD, Adobe, PrintOnline – ein Verein gegründet.
Der Verein PDFX-ready, dem Kurt Obrist als Präsident vorsteht, hat sich gut etabliert. Die Erzeugung von PDF/X-3-Daten nach X-ready-Vorgaben findet verstärkt Zuspruch – nicht mehr nur bei den Sendern/Empfängern von Inseraten, sondern auch im Akzidenzdruck. PrintOnline profitiert durch X-ready davon, dass sich die Datensender heute nicht mehr an deren «Hausstandard», sondern an einem breiter abgestützten, von PDFX-ready definierten Regelwerk orientieren können.
«Bringt man die Ziele von PDFX-ready auf den Punkt, dann ist es das Erstellen eines sauberen PDF – auf Basis von PDF/X-3. Die von uns veröffentlichten Settings sind umfassender als PDF/X-3, weil wir überzeugt sind, dass dieser ISO-Standard alleine nicht ausreicht», erklärt Obrist. Nach seiner Einschätzung gewährt das PDF-Derivat X-3 zwar die sichere Ausgabe, doch erst die X-ready-Kriterien stellten zusätzlich die Qualität sicher. Um diese qualitativen Bestrebungen auf breiter Front zu etablieren, bringt sich PDFX-ready via PDF-Experte und X-ready-Mitglied Stephan Jaeggi gar bei der Ghent-PDF-Workgroup ein, dem internationalen Pendant zu PDFX-ready. «Das Ziel», so Obrist, «ist ein weltweiter Datenaustausch-Standard auf PDF-Basis. Via PDFX-ready können wir aktiv daran mitwirken.»
Sägen am eigenen AstDoch sägt PrintOnline nicht am eigenen Ast, wenn man sich via X-ready für ein problemlos erstell- und verarbeitbares PDF/X einsetzt, das auch in qualitativer Hinsicht den eigenen Anforderungen genügt? Obrist verneint: «Natürlich nicht, denn die Prüfung von PDF-Daten ist nur ein Teilaspekt, den wir als Inseratedrehscheibe abdecken. Mit Poldirect betreiben wir vordergründig ein Portal, das die zeitgenaue Abwicklung von Inseraten ermöglicht. Zudem sind auch mit einer breiten Akzeptanz von PDF/X-3 die mit dem Datenaustausch einhergehenden Probleme ja nicht vom Tisch.»
Damit spricht Obrist die mangelhaften Bildauflösungen, fehlende Kontrollelemente etc. an. «Es kommen regelmässig neue Programm- und bald auch PDF/X-Versionen heraus, die getestet und für die Rezepte erarbeitet werden müssen. Uns wird daher die Arbeit auch bei der Datenprüfung in absehbarer Zeit nicht ausgehen.»
Konkret stehen mit PDF/X-4 und bereits PDF/X-5 Nachfolgeformate des PDF-Exchange-Formats vor der Veröffentlichung: «PDFX-ready wird entsprechende Settings bereitstellen, sobald diese von der ISO verabschiedet sind.» Mit PDF/X-5 soll es möglich werden, künftige ICC-Profile, die auf einem zentralen Server gehalten werden, einzubinden. Wer weiss, vielleicht gelingt dann der Durchbruch beim RGB-Workflow doch noch.
PDFX-ready PDFX-ready ist ein Verein.
Gegründet Anfang 2005 von unterschiedlichen Partnern aus dem Umfeld der grafischen Industrie, hat sich X-ready schnell etabliert. So zählt der Verein per Ende September 2006 rund 260 beitragszahlende Mitglieder. Unternehmen können sich als PDF-Ersteller (Creator Classic) und die im Unternehmen beschäftigten Mitarbeiter als Creator Classic Expert zertifizieren lassen. Auf der Empfängerseite unterscheidet PDFX-ready nach solchen Druckereien/Verlagen, die reine Vierfarbendaten aufbereiten (Output Classic CMYK), und nach solchen, die zusätzlich auch Daten mit Schmuckfarben verarbeiten (Output Classic Spot). Neben einer zu entrichtenden Mitgliedsgebühr müssen Sender einen Online-Test bestehen und die Empfänger spezielle Testformen drucken. Ein «Output Classic Expert»-Test ist in Entwicklung. Zukünftige HerausforderungenDas Alleinstellungsmerkmal des PDF-Formats könnte bei der Ausgabe von digitalen Druckvorlagen schon bald durch Microsoft herausgefordert werden. Zudem klopft AdsML (siehe Werbewoche 31/2006) an die Tür. Wir haben Kurt Obrist nach dem Potenzial dieser sich abzeichnenden Technologien befragt.
WW: Neben neuen PDF/X-Versionen zeichnet sich mit dem XML-Vokabular AdsML ein neuer Standard ab. In wie weit verfolgen Sie diesen Standard? Kurt Obrist: Aktiv und sehr genau. Zusammen mit Christian Rohrbach, iWare, vertrete ich im AdsML-Konsortium die Interessen der Schweiz. WW: Wie beurteilen Sie AdsML?Kurt Obrist: Wir sehen AdsML bei der Anzeigenübermittlung als richtungsweisend, weil wir glauben, dass auch auf der administrativen Seite eine Standardisierung erforderlich ist. Dabei muss AdsML glücklicherweise nicht als Ganzes implementiert werden, es reichen auch nur Teile davon. Die kürzlich lancierte Version AdsML 2.0 ermöglicht dieses Auftrennen. Damit lässt sich AdsML vom theoretischen Ansatz wohl bald in die Praxis überführen. Ich persönlich verfolge dabei vor allem das Modul «Materiallieferung», das die elektronische Datenlieferung einschliesst.WW: Welches Ziel verfolgt der sich abzeichnende AdsML-Standard?Kurt Obrist: Der ganze Buchungs-, Zahlungs- und Datentransport kann und soll damit weitestgehend automatisiert werden. Konkret können die Inserenten bzw. Werbeauftraggeber mit diesem Standard die richtigen Aufträge mit den entsprechenden Rechnungen zusammenstellen – und für den Inserateempfänger bzw. Verleger lassen sich die Werbedokumente mit den entsprechenden Aufträgen koppeln. WW: In das kommende Microsoft- Betriebssystem Vista soll ein neues Dokumentenformat integriert werden. Wie beurteilen Sie diese XPS (XML Paper Specification) genannte Technologie?Kurt Obrist: XPS könnte, sobald es auch wirklich belichtet werden kann, unseren Markt überschwemmen. Dabei vermute ich, dass diese neue Dokumentenbeschreibung am Anfang von unserer Branche unterschätzt wird. Aber vielleicht wird XPS zu Beginn auch nur zu einem Zwischenformat, um daraus PDF-Dokumente zu erzeugen. Geprüft und verteilt werden müssen schliesslich auch derart aufbereitete Dokumente.Jürgen Franck