Schaffhausen ist nicht Zürich
Elektronische Medien Die neuen, vom Bakom vorgeschlagenen Radio- und TV-Versorgungsgebiete der Schweiz stossen in Schaffhausen auf Kritik. Man pocht auf Eigenständigkeit.
eigenständigen Versorgungsgebiet Schaffhausen. Die räumliche Definition der Versorgungsgebiete bildet die Grundlage, auf welcher sich angestammte Medien für neue Konzessionen ihrer Sender bewerben und dadurch im Rahmen des neuen Radio- und Fernsehgesetzes in den Genuss von Gebührengeldern der SRG kommen.
Biel, auf Grund der Zweisprachigkeit ein versorgungstechnischer Sonderfall für Medien, wurde als eigenständiges Gebiet definiert, Schaffhausen dagegen nicht. Neininger sieht seinen Medienraum jedoch gleichfalls als Sonderfall. «Will man eigenständige Medien erhalten, dann kann man Schaffhausen weder der Ostschweiz noch Zürich zuordnen.»
Im kleinen Kanton wäre man dringend auf das Attribut angewiesen, denn das Schaffhauser Fernsehen schreibt jährliche Verluste von 100’000 bis 200’000 Franken. Der Sender ist auf die Zusammenarbeit und den Synergienutzen mit anderen Regionalmedien angewiesen. «Will man in der Region überleben, dann müssen die Medien funktionieren können», sagt Neininger. Multimediale Ausrichtung wird ennet des Rheins bereits seit längerem gross geschrieben.
Als vor zwei Jahren die AG für Werbemedienforschung (Wemf) mit dem Versuch, die Karte der Schweizer Medienplätze mit neu 20 statt 25 Wirtschaftsgebieten neu zu zeichnen, zum Debakel in der Branche geriet, klassierte sie Schaffhausen als eigenständigen Medienplatz. Vor der Frage, wo in der Schweiz Medien überleben, analysierte die Wemf auch die Pendlerströme. Im Fall von Schaffhausen werden die nach Zürich «Abpendelnden» durch «Zupendler» aus dem süddeutschen Raum weitgehend kompensiert. Solche Überlegungen waren Teil der Argumentation, die für einen eigenständigen Medienraum am Rhein sprechen.
Die Bewertung der Wemf hat für Neininger insofern objektiven Charakter, als er sich als Vorstandsmitglied des Verbandes Schweizer Presse und Mitglied der mit den Versorgungsgebieten befassten Arbeitsgruppe schon Parteilichkeit vorwerfen lassen musste.
Neininger will keinen Konflikt Beim Erscheinen dieser Ausgabe der Werbewoche tagt der Verlegerverband zu den Bakom-Vorschlägen. Neininger will nicht von einem Konflikt mit dem Bakom reden, welches in weiten Teilen den Vorstellungen des Verbandes Schweizer Presse folge. Man werde aber noch einmal darauf hinweisen, dass man mit der vorgeschlagenen Aufteilung Schaffhausen betreffend nicht glücklich sei. «Wir gehören nicht zu Zürich, die Zürcher haben wir ja sogar im Fussball geschlagen», meint Neininger.
«Wir wollen vom Verlegerverband aus an unserem Vorschlag mit 14 Gebieten festhalten», sagt auch Südostschweiz-Verleger und Verbandspräsident Hanspeter Lebrument. Verbandsintern seien keine Änderungsanträge eingegangen.
Der Vorschlag der Verleger hatte zuvor im Zusammenhang mit dem Sendegebiet des Ostschweizer Senders von Günther Heuberger, Tele Top, für Unruhe gesorgt. Lebrument gibt sich distanziert in dieser Frage. «Wir haben die Gebiete klar definiert und zu einzelnen Sendern keine offizielle, auch keine offiziöse Stellungnahme abgegeben.» Im Unterschied zum Bakom würdigten die Verleger das Sendegebiet von Tele Top nicht als einheitlichen Raum vom St. Galler Rheintal bis nach Winterthur.
Die Grossagglo finanziert ProgrammfensterDer Vorschlag des Bakom
sieht 13 Versorgungsgebiete für private Fernsehanstalten vor, die später in den Genuss von Gebührengeldern kommen. In einer Meldung des Bakom heisst es: «Die neuen Planungsrichtlinien krempeln die regionale Fernsehlandschaft um: weniger konzessionierte Programme, dafür grössere Versorgungsgebiete für professionelle TV-Stationen mit Gebührenanteil. Die Gebiete umfassen neu auch die Grossagglomerationen. Dort soll die Gebührenunterstützung dazu dienen, Programmfenster für die Kantone Schaffhausen und Glarus zu finanzieren.» Zu weiteren Neuerungen zählt das Bakom, dass in der Ostschweiz ein einheitliches Versorgungsgebiet von Winterthur bis zum St. Galler Rheintal vorgesehen sei und die Kantone Waadt und Freiburg zu einem Versorgungsgebiet zusammengefasst würden. Dasselbe geschehe mit Neuenburg, Jura und dem Berner Jura. Biel behält als zweisprachige Region ein eigenes Versorgungsgebiet.
René Worni
