Corporate Publishing Die Corporate Publisher brauchen flexible Systeme für eine zunehmend dezentrale Produktion. Internationalisierung, dezentrale Produktion und immer exaktere Zielgruppenkommunikation erfordern ganz neue Organisationsstrukturen. Dies haben auch die Software-Häuser und Systemintegratoren erkannt, die sich derzeit bei Corporate-Publishing-Dienstleistern die Klinke in die Hand geben. Eifrig wie nie zuvor werden komplexe Organisationsstrukturen installiert mit dem Ziel, die Produktionseffizienz zu erhöhen. Denn diese kann leicht schwinden, wenn immer mehr Kundenmagazine in zunehmend mehr Sprachvarianten und Wechselseiten umzusetzen sind. Allein das BMW Magazin erscheint heute in 24 Sprachen; link, das Magazin des Publikumsrates und der Mitgliedschaften der SRG idée suisse Deutschschweiz, entsteht neunmal pro Jahr mit sechs Regionalausgaben in Form von Wechselseiten. Corporate Publisher, die oft zeitgleich mehrere ähnlich aufwändige Medien betreuen, müssen ihre Organisationsstrukturen diesen Herausforderungen anpassen. Schliesslich fruchtet hier auch, was die Branche stets selbst einfordert: die zunehmend exaktere Zielgruppenkommunikation.
Systemübergreifend kompatibelUmso eifriger sind die Dienstleister jetzt um das Optimieren ihrer Organisationsabläufe bemüht. Bei geschätzten 3000 Magazinen im Markt mit steigender Tendenz und einer Auflage von heute bereits über einer Milliarde Exemplaren pro Jahr haben längst auch die Systemanbieter den neuen Markt entdeckt und bemühen sich um passende Lösungen.
Nicht zuletzt mit dem Ziel, den Anbietern einen massgeschneiderten Anforderungskatalog zur Verfügung zu stellen, unterstützte das Forum Corporate Publishing (FCP) eine Umfrage des Branchenportals CPWissen, um herauszufinden, wo die Corporate Publisher in Sachen Ablauforganisation der Schuh drückt. Das Ergebnis ist eindeutig: Corporate Publisher brauchen in erster Linie sehr flexible Systeme. Ausnahmslos alle 36 Umfrageteilnehmer akzeptieren selbst Einsteigerlösungen nur dann, wenn sie einen späteren Ausbau erlauben. Sie erwarten, dass ihr neues Redaktionssystem die dezentrale Produktion unterstützt. 94 Prozent halten die systemübergreifende Kompatibilität für «sehr wichtig» oder «wichtig» – sie erwarten also Systeme, die auf Macintosh-Computern ebenso laufen wie auf WindowsRechnern.
Nicht minder wichtig ist der Support: Zur Grundversorgung gehört die werktäglich bis 20 Uhr erreichbare Hotline.
Individuelle Lösungen gefordertAnbieter, die bis dato oft auf Systeme für Grossredaktionen trainiert waren, denken sich derzeit in die spezifischen Anforderungen der Corporate Publisher hinein. Denn die Unterschiede sind schon erheblich: Anders als viele Verlagsobjekte entstehen die meisten Kunden- und Mitarbeitermedien mit einem hohen Anteil an ausgelagerten Mitarbeitern.
Ein typisches Beispiel ist die zweimonatlich erscheinende Mitarbeiterzeitung BoschZünder, die redaktionell bei Robert Bosch in Stuttgart entsteht und grafisch und produktionstechnisch in Berlin betreut wird; Korrektoren und Druckereien verteilen sich über ganz Deutschland. Die Übersetzer – BoschZünder erscheint in acht Sprachausgaben – haben ihre Büros auch ausserhalb der Landesgrenze. Dazu kommen die in klassischen Verlagsstrukturen fehlenden Kundenabstimmungsprozesse.
Für Corporate Publisher zählen sie zum Alltag und sind doch wiederum von einem Projekt zum nächsten, von einem Dienstleister zum anderen sehr unterschiedlich. 80 Prozent wollen ihre Kunden zwar elektronisch gern in die Freigabeverfahren einbinden, aber nur sieben Prozent schätzen es, den gesamten Produktionsprozess ihren Kunden zu öffnen.
Branchenlösung: FehlanzeigeSo bleibt als Fazit festzustellen, dass es die Branchenlösung schlechthin nicht gibt. Redaktionssysteme im Corporate Publishing sind sehr individuelle Lösungen, adaptiert auf die jeweiligen Kunden ebenso wie auf die unterschiedliche Produktionsphilosophie der Dienstleister.
Wenn auch die grosse Einstiegswelle in Redaktionssysteme gerade erst anrollt, so zeichnet sich schon jetzt eine Win-Win-Situation ab. Die Corporate Publisher profitieren von geordneten und transparenten Prozessen, die sie künftig auch in der Akquise neuer Aufträge in die Waagschale werfen können, und die Systemanbieter profitieren von einer dauerhaften Benchmark in Know-how und Kompetenz. Denn kaum eine andere Verlagsbranche dürfte sie ähnlich stark fordern und ihre Systeme ähnlich komplett und konsequent einsetzen wie die Corporate Publisher. Das einzige System des Weltmarktführers Quark zum Beispiel, das mit allen Modulen in der Praxis arbeitet, steht nicht etwa bei einem Grossverlag mit Hunderten von Mitarbeitenden, sondern bei einem Hamburger Corporate Publisher mit 25 Arbeitsplätzen.
Michael Höflich
Michael Höflich ist Geschäftsführer Forum Corporate Publishing.
Daten und FaktenDie Vielfalt an Redaktionssystemen
sowie deren jeweilige Vor- und Nachteile bildet das aktuelle Special cpwissenFACTS Redaktionssysteme ab. Neben etlichen Best-Practice-Anwendungen aus der CP-Branche finden sich hier weitere Ergebnisse der Umfrage von FCP und CPWissen sowie eine im Markt bislang einzigartige Übersichtstabelle zu den wichtigsten Systemen, ihr jeweiliges Leistungsprofil und ihre Preisstruktur. (mh)