Management by E-Mail

Kolumne Der Chef sitzt in seinem Büro mit Sichtkontakt zum Mitarbeiterstab. Doch statt sich aus dem Sessel zu bewegen, schreibt er lieber jeden Tag Dutzende von Mails an seine Angestellten.

Kolumne Der Chef sitzt in seinem Büro mit Sichtkontakt zum Mitarbeiterstab. Doch statt sich aus dem Sessel zu bewegen, schreibt er lieber jeden Tag Dutzende von Mails an seine Angestellten.Die Chefredaktorin (hier ein Beispiel aus Zürich) ist von Amtes wegen viel unterwegs. Zudem arbeitet sie in einem anderen Teil des Gebäudes als ihr Team. Die Crew bekommt sie vor allem an Heftkritik-Sitzungen zu sehen. Dort fällt sie laut Mitarbeitern dadurch auf, dass sie die Leute nicht ansieht beim Sprechen. Und: Sie gebe sich im direkten Gespräch viel versöhnlicher, als ihr «Ton» in ihren Mails jeweils vermuten lasse, heisst es. Insgesamt entsteht ein Bild von (Zitat): «Distanziert, überfordert, nimmt sich und das Produkt viel zu wichtig». Die Frau, im normalen Leben ein warmherziger Mensch, versteht die Welt nicht ob dieser Wahrnehmung. Statt der Sache auf den Grund zu gehen, verschanzt sie sich noch mehr im Büro und kommuniziert teilweise tagelang nur noch per Mail mit ihren Leuten. Die Auswirkung auf das Betriebsklima: Die Redaktionsmitglieder sind näher zusammen gerückt, verteidigen sich auch schon mal gegenseitig vor der Chefin und entfernen sich zusehends von dieser Führungsperson. An Team-Spirit ist nicht mehr zu denken.Eine totale Ausnahme, denken Sie jetzt? Mitnichten! E-Mail ermöglicht zwar eine schnelle und kostengünstige Kommunikation. Doch das Führen eines Teams kann nicht per Mail erledigt werden. Da geht es um Stil, Persönlichkeit und Respekt anderen Menschen gegenüber. Klare Grenzen müssen gezogen werden. Inhalte wie Besprechungsprotokolle, Vertragsentwürfe, Angebote, Bewerbungen und andere personenbezogene Daten werden per Mail übermittelt. Doch Personalführung kann nun mal nicht per Mail erledigt werden.
 
Die interne E-Mail-Kommunikation hat direkten Einfluss auf die Unternehmenskommunikation, auf das Betriebsklima und auf die Unternehmensphilosophie. Dies scheint vielen Führungspersonen nicht bewusst zu sein. Und daher werden die E-Mails generell und die Konsequenzen aus der E-Mail-Kommunikation stark unterschätzt. Immer mehr Führungskräfte führen neuerdings auf Distanz. Jeder, der schon mal in einer Kaderposition tätig war, weiss, dass nichts so aufwändig ist, wie Mitarbeiter zu «hegen und pflegen». Der Mail-Verkehr bringt eine vermeintlich optimale Lösung im Umgang mit Mitarbeitenden. Doch was vom Vorgesetzten als wertvolle Zeit- und Energieersparnis empfunden wird, nimmt der Mitarbeiter als Abkapselung, Non-Kommunikation und auf jeden Fall in negativer Form wahr. Weiteres Beispiel gefällig?
Der CEO einer stark expandierenden Start-up-Firma ist etwa so präsent wie «Q» im neusten James- Bond-Streifen. Es gibt ihn, oh ja. Plötzlich zirpt der PC «You’ve
got mail», und schon schreibt er aus Asien oder den USA, wie er sich die nächsten Tage in der Schweiz sitzungsmässig vorstellt. Der Mitarbeiterstab wird informiert: «Nächste Woche ist der Chef da.» Meetings werden organisiert. Am Vorabend des Sitzungsmarathons heisst es «You’ve got mail»: Alle Meetings annullieren. Der Chef fliegt kurzerhand nach Paris. Und die Angestellten? Sie führen sich quasi selbst und suchen erst mal Entspannung nach dieser kurzen Hektik.
 
Interne Kommunikation ist innerbetriebliche Public-Relations. Interne Kommunikation bedeutet, Kultur vermitteln, Flagge zeigen, ein Wir-Gefühl schaffen. Wer die interne Kommunikation beherrscht, beeinflusst massgeblich die Zufriedenheit seiner Mitarbeitenden am Arbeitsplatz und macht sie so zu Meinungsmultiplikatoren. Führen heisst Verantwortung übernehmen. Erfolge erzielen kann jeder Chef nur gemeinsam mit einem Team, das motiviert und leistungsbereit ist. E-Mail-Verkehr darf deshalb niemals die direkte interne Kommunikation ersetzen.
Zum Schluss noch den: Kurz vor Ende Jahr will jeder seine Lohnerhöhung. Chef X, bekannt für seine offene Tür, wimmelt seit einigen Tagen alle ab. Zu viel Sozialkontakt? Ein Overkill durch Mitarbeitende? Offenbar. Dann ein Mail an alle: «Auf Grund der knappen Zeit in diesem Jahr bitte ich Euch, auf Lohngespräche mit mir zu verzichten. Mailt mir stattdessen Eure Vorstellungen.» Kein Witz!
Wer per Mail führt, fällt als Führungsperson durch. In diesem Sinne: Schöne Festtage.
Karin Müller,
früher Journalistin, betreibt heute ihr eigenes Kommunikationsbüro in Zürich.

Zu guter Letzt: «Be positive. Drink negative»

Winter und Weihnachten sind seit jeher die unschlagbare Kombination, wenn es darum geht, überflüssige Pfunde auf dem Fahrgestell anzusammeln. nun versprechen aber Nestlé und Coca Cola eine Lösung: Den kalorienverbrennenden Softdrink Enviga.

Winter und Weihnachten sind seit jeher die unschlagbare Kombination, wenn es darum geht, überflüssige Pfunde auf dem Fahrgestell anzusammeln. Schuld daran sind unter anderem Unternehmen wie Nestlé, deren Schoggi uns die Grosis und Liebsten gerade zur Weihnachtszeit augenzwinkernd zustecken. Nicht erst seit dem Verpackungs-Gau mit Cailler hat der Nahrungsmittelriese seine unternehmerische Verantwortung erkannt und werkelt schon seit längerer Zeit am notwendigen Schritt in Richtung «Wellness-» und «Gesundheitsunternehmen». Ein starker Partner wurde gesucht, der dasselbe Problem hat. Und gefunden: Coca Cola. In den nächsten Monaten wird mit dem Slogan «Be positive. Drink negative» ein neuer Softdrink seine Probezeit auf dem US-Markt absolvieren. Revolutionär an dem Produkt ist nicht der Name -«Enviga» -, der wie ein neues Betriebssystem von Microsoft tönt, sondern die Wirkung. Enviga soll nämlich mehr Kalorien verbrennen, als es enthält. Die Formel dafür: Grüner Tee und verdammt viel Koffein. Silbergrün stehen die Dosen jetzt bereits in den Testläden, ab Januar gibt es Enviga in den gesamten USA. Schon Ende 2007 dürfte Enviga dann den europäischen Markt erobern.
Wer nun aber glaubt, künftig nach dem Weihnachtsgeschlemme einfach einen Dosensoftdrink kippen zu können, um sein Gewicht in Ordnung zu halten, dürfte von Enviga enttäuscht werden. Denn ein gesunder Mensch verliert beim Konsum einer Dose des Getränks gerade Mal 20-30 Kalorien. Zum Vergleich: Ein Stück Brot hat in etwa 200 Kalorien. Lass uns zehn Büchsen des Wundermittels trinken und schon liegt ein Stück Brot mehr drin. Super. Da dürfte man beim mehrmaligen einarmigen Stemmen der Dose weit mehr Kalorien verbrauchen.
Natürlich ist Enviga ein Marketing-Gag erster Güte. Zudem darf man auch nicht zu stark nach den Forschungsergebnissen fragen – denn diese ruhen auf statistisch schmalen Schultern. Gerade mal 32 Probanden nahmen an der klinischen Studie von Nestlé teil. Und auch der verkaufsankurbelnde Claim von Enviga «The Calorie Burner» wird nichts daran ändern, dass die Menschheit ihre überflüssigen Pfunde eben nur schwitzend und strampelnd wirklich effizient los wird. Aber vielleicht hilft Enviga gerade dann – denn es enthält fast drei Mal so viel Koffein wie Coca-Cola und ungefähr ebensoviel wie Red Bull.

TBWA wünscht sich eine Playstation

Pünktlich zur Adventszeit flattern sonderbare Wunschzettel durch den Blätterwald. Weihnächtlich dekoriert, bringt TBWA Zürich auf Anzeigen die geheimsten und innigsten Wünsche kleiner und grosser Kinder aufs Blatt.

Pünktlich zur Adventszeit flattern sonderbare Wunschzettel durch den Blätterwald. Weihnächtlich dekoriert, bringt TBWA Zürich auf Anzeigen die geheimsten und innigsten Wünsche kleiner und grosser Kinder aufs Blatt. Die Protagonisten wünschen sich PlayStations und knallharte Games. Die Anzeigen erscheinen bis zu Weihnachten regelmässig in der Tagespresse.

Presserats-Präsident Studer beobachtet intensive medienethische Diskussion

Berufsethische Diskussionen gehören im Medienalltag immer häufiger zur Tagesordnung. Im Gegensatz zu vor 50 Jahren habe die Anzahl an beim Presserat eingereichten Beschwerden von einer Handvoll jährlich auf rund hundert zugenommen.

Berufsethische Diskussionen gehören im Medienalltag immer häufiger zur Tagesordnung. Das beobachtet der Präsident des Schweizer Presserats Peter Studer, wie einem Interview auf Journalisten.ch zu entnehmen ist. Im Gegensatz zu vor 50 Jahren habe die Anzahl an Beschwerden von einer Handvoll jährlich auf rund hundert zugenommen. Studer vermutet hinter diesem Anstieg den Konkurrenzdruck zwischen den Medien. Seiner Meinung nach sollten Qualitätszeitungen stark auf das Kapital der Glaubwürdigkeit setzen, was wiederum handwerkliche Qualität und eine ethische Grundlage voraussetzt. Der 71-jährige Studer blickt auf eine über fünfzigjährige journalistische Karriere zurück. Seit 2001 ist er Präsident des Presserats. Wie dem Interview zu entnehmen ist, plant er Ende 2007 seinen Rücktritt. Studer ist der Überzeugung, dass im Presserat nicht allein Medienschaffende und Publikumsvertreter sitzen sollten. Er wünscht sich auch Vertreter der SRG sowie Verleger und hofft, dass die Verhandlungen zwischen Presserat und Verlegern im Jahr 2007 ein gutes Ende fänden.

Radio 105 rockt mit neuem Spartensender

Der Jugendsender 105 erweitert sein digitales Angebot mit einem Rockradio. Möglich gemacht hat dieses neue Programm unter anderem eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Heineken, das die Rolle als Präsentationspartner übernimmt.

Der Jugendsender 105 erweitert sein digitales Angebot mit einem Rockradio. Möglich gemacht hat dieses neue Programm unter anderem eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Heineken, das die Rolle als Präsentationspartner übernimmt und auch fest ins Senderlayout eingebunden ist. Der neue Sender spielt Rock-, Indie- und Alternative-Sound und richtet sich an die 18-34-Jährigen, wie 105 am Mittwoch bekannt gab.   

«Werbung ohne Einfall wird zum Abfall.»

Jean Etienne Aebi Das Konzept zur radikalen Kursänderung des ADC mit seiner Öffnung für alle Marktpartner ist heuer das wichtigste Verdienst von Jean Etienne Aebi, der in diesem Jahr zum zweiten Mal den ADC präsidiert.

Jean Etienne AebiDas Konzept zur radikalen Kursänderung des ADC mit seiner Öffnung für alle Marktpartner ist heuer das wichtigste Verdienst von Jean Etienne Aebi, der in diesem Jahr zum zweiten Mal den ADC präsidiert. Dazu gehört auch seine Offensive zur neuen Wirkungssteigerung der Werbung durch Kreativität. Dank gelungener Selbstorganisation hat Aebi aus dem ADC-Präsidium einen satten Zweitagejob pro Woche machen können. Mit dem Effekt, dass bereits 27 Kollegialmitglieder aus anderen Disziplinen, 16 Unternehmen als Fördermitglieder und 15 Sponsoren inklusive Generalsponsor PubliGroupe die Sache des ADC zu ihrer eigenen gemacht haben. 
Der unabhängige Kommunikationsberater und Creative Consultant für Unternehmen und ihre Agenturen kann auf eine über 30-jährige Praxis als Kreativer (Art Director, Texter, TV-Producer, Creative Director) sowie als Berater, Stratege und Geschäftsführer zurück blicken.
Aebi als einer der meist ausgezeichneten Kreativen ist auch verantwortlich für alle drei letzten Effies in Gold (ZVV, Die Mobiliar, Migros Expo.02). Er war Mitglied in praktisch allen namhaften Jurys für Werbung (inklusive Cannes Filmjury) wie auch in den Vorständen des ADC of Europe und BSW. Sein Buch «Einfall oder Abfall – Was Werbung warum erfolgreicher macht» ist zu einem Bestseller geworden.

Verlass mich nicht!

Tabak Sulzer, Sutter verabschiedet nach der Wahl des neuen Parisienne-Designs die Verlierer im Kino.

Tabak Sulzer, Sutter verabschiedet nach der Wahl des neuen Parisienne-Designs die Verlierer im Kino. Die Packungs-Designs, die nicht gewonnen haben, werden zum Mond geschossen, den Rinnstein hinunter gespült, oder sie kommen schlicht und einfach unter die Räder. In kurzen Spots nimmt Parisienne von ihnen Abschied. Und das zu einem nostalgischen französischen Chanson. Wer den Packungen, die nicht gewonnen haben, nachtrauert, kann sich über www.parisienne.ch eine Hülle seines Lieblings-Designs bestellen. Zusätzlich zu den drei Verliererspots und dem Gewinnerspot gibt es Posters, Anzeigen und je ein Verabschiedungs-DM-Toolkit.

Der Dauerläufer

Werner Bosshard geht mit 62 in Pension und blickt zurück auf 41 Jahre bei Advico Young & Rubicam.

Werner Bosshard geht mit 62 in Pension und blickt zurück auf 41 Jahre bei Advico Young & Rubicam.Heute anrufen, übermorgen  die Stelle antreten. So funktionierte die Arbeitswelt noch, als Werner Bosshard 1965 sein Diplom von der Handelsschule in den Händen hielt. Da er sich während der Schulzeit noch keine Gedanken machte, was er einmal werden könnte, ergab sich sein erster Job entsprechend ungeplant. Er wurde Fakturist bei einem Südfrüchte-Importeur. Bald konnte er dort aber «die Bananen nicht mehr sehen». Wie weiter? Rat wusste ein ehemaliger Deutschlehrer, der zufällig einen Bekannten bei Advico hatte. Wieso nicht Werbung? Nach einem Vorstellungsgespräch – heute anrufen, übermorgen arbeiten – wechselte Bosshard nach Gockhausen. «Es war ein Schlüsselerlebnis, den kreativen Geist in einer Agentur zu spüren. Hier erlebte ich das Arbeiten nicht mehr als Pflicht, sondern als etwas Kreatives: Gestalten und dabei erst noch Spass haben.» Mit dieser Begeisterung begannen 41 Jahre in Gockhausen.
 Die Werbeagentur Advico wurde 1947 von Victor Cohen gegründet und zog 1958 nach Gockhausen. Bei Bosshards Eintritt 1965 war sie bereits eine der grossen in der Schweiz, mit Büros in Wiesbaden und Mailand. Bosshard startete als Werbeassistent in Gockhausen, holte «im Schnellzug» die Ausbildung nach – und konnte 1969 beim eben gegründeten Sawi die Prüfung ablegen. 1973 folgte das Diplom zum Werbeleiter, ebenfalls im ersten derartigen Kurs in Biel.
Provins, Galactina und Biomalt, General Motors, Novelectric-Haushaltgeräte, Riri Reissverschlüsse oder Bic Kugelschreiber – mit dem berühmt gewordenen Spot, in welchem ein Kugelschreiber das Logo kritzelt – waren damals Advico-Kunden. Bosshards wichtigstes Budget wurde schliesslich die Bankgesellschaft. «25 Jahre lang investierte ich 80 Prozent meiner Zeit für diesen Kunden», meint Bosshard stolz. Er hat alle Veränderungen der SBG ebenso wie die Entwicklung der Schweizer Bankenwerbung mitgeprägt.
Die Bankenwerbung steckte damals noch in den Kinderschuhen. Geduldet waren höchstens «kleine Inserätchen». In den 60er-Jahren wurde Advico zum Pionier mit dem ersten TV-Spot. Später wurde Bankenwerbung am TV verboten. «Eine politische Geschichte, zum Schutz der kleineren Institute, die sich das nicht leisten konnten.» So wich Advico mit der Bankgesellschaft ins Kino aus.
Bosshard erinnert sich an einen Spot mit dem damals noch jungen Ueli Beck. Beim Kegeln endete ein Filmdialog mit dem Satz: «Aber eines wollte ich noch sagen, mit der Schweizerischen Bankgesellschaft habe ich immer gute Erfahrungen gemacht.» Zum Ohrwurm in einer TV-Kampagne für die Banquiervereinigung wurde «Es Bankkonto sött me ha». Das war die Zeit, wo der Zahltag noch in barer Münze im Täschchen verteilt wurde.
Zum Pionier wurde Bosshard für seinen Kunden auch mit der ersten Schweizer Bankenwerbung im Ausland. Ganzseitige Anzeigen im Time Magazine, «da haben bei der Präsentation viele ältere Bankdirektoren die Welt nicht mehr verstanden» – braucht die Bank das?
Als Bosshard mit Bankenwerbung anfing, gab es bei der Bankgesellschaft einen einzigen Werbeleiter und einen Assistenten. Zum Schluss war es eine Marketing-Abteilung mit mehreren Dutzend Spezialisten.
Advico hatte in all diesen 25 Jahren mit den Bankgesellen bei der Werbung den Lead und betreute auch das Corporate Design, zum Beispiel beim Wechsel auf das Signet mit dem rot umrandeten Kreuz – waagrecht SBG, senkrecht UBS – oder später das liegende U. Das wurde wie damals noch üblich ohne grosses Designer-Brimborium eingeführt. Der SBG-Präsident Robert Holzach sagte einfach: «Ich will das!» – und das U wurde zum Logo.
Zwar haben sich in seiner Zeit bei AY&R mehrmals auch Headhunter gemeldet. Die Arbeit bei Advico war aber so vielseitig, dass für Bosshard auch ohne Wechsel genug Abwechslung herrschte. Auch der spätere CEO und Mitbesitzer Bruno Widmer «ist massgeblich dafür verantwortlich», dass Bosshard so lange in der Agentur blieb. «Er hat mir den Rücken freigehalten, damit ich kreativ arbeiten konnte. Das Klima und die menschliche Zusammenarbeit waren optimal.»
1989 hat Advico mit Young & Rubicam fusioniert. Für Bosshard ist es «eine der wenigen geglückten Fusionen, wo zwei Kulturen zusammen gekommen sind und innert kürzester Zeit verschmelzen konnten». Advico stand für die grosse und finanziell gesunde Agentur, mit Stärken in der  Beratung, für die Werner Bosshard verantwortlich war. Bei Young & Rubicam fanden sich eher die jungen Leute. «Der Altersdurchschnitt sank bei der Fusion um zehn Jahre», weiss Bosshard. Dafür brachten die neuen Leute einen entsprechend jungen Geist, gepaart mit «ein bisschen mehr Chaos».
In dieser Phase gewann Bosshard mit seinem Team auch weitere grosse Kunden wie den Telecom-Dienstleistungsbereich der Post. In weiteren vier Jahren wurde die Arbeit für diesen Kunden schliesslich zum Kumulationspunkt von Bosshards klassischer Werbeberatung. Der Senior-Berater «wollte zuerst gar nicht realisieren», wie immer mehr Budgets an neue Teams vergeben wurden. Dann fand der altgediente Werber aber noch einmal einen völlig jungen Dreh.
Es war anfangs der 90er-Jahre, als der ganze Desktop-Bereich immer mehr zum Thema wurde. Das war die Umstellung vom Kleben und Reinzeichnen zur Arbeit mit dem Computer. Zwar wusste man noch nicht, wie sich diese Technik entwickeln würde. Bosshard hatte aber bereits die visionäre Idee, dass man all diese neuartigen Jobs rationell in einer «Factory» bündeln könnte.
15 Jahre lang hat er diesen Spin-Off innerhalb der Agentur zu einer funktionierenden Dienstleistung aufgebaut. Aus vier Leuten wurden acht Desktoper und drei Produktioner. «Was man früher auswärts gab, wurde zum Setzen, Retouchieren und Repro neu in der Factory betreut.» Dazu hat Bosshard auch eigene Aufträge für Geschäftsberichte, Corporate Design und kleinere Budgets in seiner Factory betreut. Seine letzte Aufgabe war die Gestaltung und Realisation vieler Drucksachen für die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer.
Mit solchen kreativen Arbeiten hat er «viele hochqualifizierte Leute an das Haus binden können, die sonst – bei nur noch langweiligen Routinejobs am Computer – gegangen wären».
Bei solchen Überlegungen zu seiner Personalführung will Bosshard noch einmal voller Stolz auf seine Zeit bei Advico zurück blicken. Nicht nur er, auch viele seiner Mitarbeiter sind in diesem guten Klima einiges länger als durchschnittlich geblieben.
Und jetzt?
Bevor er pensioniert werden musste, wollte Bosshard lieber selber noch einmal ein sinnvolles Umfeld für seine Talente finden. Die nächsten drei Jahre wird er zu 50 Prozent als Schulpräsident in Meilen wirken. «Die Veränderungen in der Schule, geforderte Lehrer und Jugendliche in der heutigen Zeit – da warten viele Aufgaben», meint er.
Und einen unverwirklichten Traum? Auch das gibt es bei Werner Bosshard. Seit längerem interessiert er sich für fernöstliche Religionen wie Buddhismus und Hinduismus. Schon mehrmals ist er für einen Kurztrip nach Indien geflogen. Irgendwann in den nächsten zwei Jahren will der Frühpensionär «ganz sicher» zum erstenmal für mehr als drei Wochen nach Indien reisen.
 
Andreas Panzeri

Futurecom sammelt Spenden mit Kiwanis

Die Club-Organisation Kiwanis Schweiz-Lichtenstein hat in Zusammenarbeit mit der Zürcher Agentur Futurecom Interactive eine Spendenwebsite lanciert, die Kinder in Ghana vor dem Erblinden bewahren soll.

Die Club-Organisation Kiwanis Schweiz-Lichtenstein hat in Zusammenarbeit mit der Zürcher Agentur Futurecom Interactive eine Spendenwebsite lanciert, die Kinder in Ghana vor dem Erblinden bewahren soll. Laut einem Communiqué sollen mit der Aktion Kinder und Jugendliche in der Schweiz animiert werden, Geld zu sammeln. Wer spendet, erwirbt im Gegenzug eines der ca. 7000 Pixelfelder auf der Website und legt damit das hinterlegte Bild Stück für Stück frei. Gleich auf der Startseite von Es-werde-licht.ch wird der Besucher von einer eindrücklichen Demonstration empfangen: Ein Countdown zählt alle zehn Sekunden auf Null – und lässt parallel das Bild langsam ausblenden. Damit wird in Echtzeit bewusst gemacht, wie oft ein Mensch in Armut erblindet und wie es sich dabei anfühlt: schwarz.
Der Spendeprozess funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Die jungen Spender finden über die Clubsuche den Kiwanis Club in ihrer Nähe. Jeder der 193 Clubs hat eine eigene Seite mit 36 Pixelfeldern, wobei ein Pixelfeld für 50 Franken erworben werden kann. Nach Eingang der Zahlung wird das reservierte Pixelfeld – und somit ein Stück des Bildes – aufgedeckt. Spende für Spende wachsen so die Bilder mit Sujets aus Ghana. Das «gespendete Licht» wird damit einfach aber effektvoll visualisiert.

Mit dem Trend – und dagegen

Druckveredelung Steinemann Technology stellte kürzlich an einem Open-House seine Maschinen zur Druckveredelung vor.

Druckveredelung Steinemann Technology stellte kürzlich an einem Open-House seine Maschinen zur Druckveredelung vor.Kreativität und Design sind der eine Weg, um im umkämpften Werbemittelmarkt noch aufzufallen – eine hochwertige Produktion gepaart mit speziellen Effekten ein anderer Ansatz. Ideal wäre wohl die Kombination, wenn also Kreative die mit der hochwertigen Produktion einhergehenden Chancen besser ausschöpfen würden. Diese These vertritt man zumindest beim Veredelungsspezialisten Steinemann Technology AG (Steinemann). Das St. Galler Maschinenbauunternehmen hat sich wohl auch deshalb vorgenommen, neben Veredelungsbetrieben und Druckereien auch vermehrt bei Werbeagenturen sowie der Industrie – zum Beispiel im Kosmetik- und Pharmasektor – auf die Möglichkeiten, die die Drucksachenveredelung eröffnet, aufmerksam zu machen. Oliver Jentschke, Verkaufsverantwortlicher der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) bei Steinemann, erklärte im Vorfeld einer Open-House-Veranstaltung, dass die Möglichkeiten im Bereich der Veredelungen bei den Agenturen zu wenig bekannt seien. Es fehle vielerorts am Wissen um die vielfältigen Möglichkeiten, woraufhin die vielen Vorteile der Druckveredelung oft ungenutzt blieben. 
Reagieren auf TrendsDass sich Druckereien mehr durch Veredelungstechniken im Wettbewerb differenzieren sollten, glaubt Christof Stürm, CEO der Steinemann Technology AG: «Die Fähigkeit, Drucksachen zu veredeln, wird für Druckereien zum strategischen Wettbewerbsfaktor.» Dazu zählen gemäss seinen Ausführungen einzigartige Effekte, die zum Fühlen, Riechen und/oder genaueren Hinsehen auffordern oder die die Oberfläche des Druckerzeugnisses schützen.
Insgesamt sprechen tatsächlich viele Gründe für das Veredeln von Druckprodukten. Ein härter werdender Wettbewerb, einhergehend mit der Tatsache, dass Produkte mehr und mehr über ihr Label und die dahinter stehende Marke oder das Design verkauft werden, verlangt, dass die Werbung oder die entsprechende Verpackung eine Spur kreativer, hochwertiger daherkommt als etwa die eines No-Label-Mitbewerbers.  
Laminieren mit der SyriusEin Manko, was das Auffallen zumindest in der DACH-Region angeht, hat das Unternehmen offenbar auch bei sich festgestellt. Denn obwohl die Steinemann Technology als innovatives und weltweit erfolgreiches Unternehmen bezeichnet werden kann, war es bislang recht ruhig um den Ostschweizer Maschinenbauer. Mit Marketingaktivitäten will das Unternehmen das nun ändern.
So hat Steinemann an der Open-House-Veranstaltung am Hauptsitz in St. Gallen mit der neuen Laminiermaschine Syrius eine Neuheit präsentiert. Mit ihrer Produktionsgeschwindigkeit bis 100 m/Minute bzw. 10000 Bogen/Stunde setzt sie gemäss Reto Stibi, Leiter Technik der Steinemann Graphic Division, in
Sachen Produktivität einen neuen Standard. Die Syrius laminiert Bogenformate von 280 mm ¥ 310 mm bis maximal 1060 mm ¥ 1450 mm und Grammaturen von 100 g/m2 bis 600 g/m2. Besonders flexibel zeigt sich die Maschine auch im Hinblick auf die einsetzbaren Laminierfolien. So können die gängigen Folientypen (OPP, PET, PVC, Thermo und Acetat) in Stärken von 10 µm bis 100 µm verarbeitet werden. Diese Laminierfolien können wahlweise glänzend, mattiert, gefärbt, transparent oder metallisiert sein und sogar Hologramme enthalten. Die neue Syrius-Maschinengeneration wird ab Ende des Jahres lieferbar sein.
Lackieren mit der HibisNeben der Vorstellung der Syrius galt das grösste Interesse am Open House der Lackiermaschine Hibis 104 – wohl auch weil von Lackeffekten eine grössere Faszination ausgeht als vom Laminieren, bei dem der Schutz des Druckerzeugnisses im Vordergrund steht.
Die Hibis ermöglicht das Veredeln oder Effektlackieren im Siebdruck. Das rotative Lackierverfahren erreicht hier Geschwindigkeiten bis 7300 Bogen/Stunde und bietet damit die zwei- bis dreifache Leistung konventioneller Siebdruckmaschinen – sowohl bei vollflächigem Lackieren als auch bei Spot-Lackierungen. Dank des besonders stabilen, im Rundsieb eingesetzten Gewebes können Lacke bis zu Schichtdicken von 125 g/m2 passergenau aufgetragen werden, womit sich maximale Glanzeffekte oder spezielle Effekte erzielen lassen.
Ende 2005 hatte Steinemann für die Hibis 104 zudem ein neues, optionales Flexowerk mit Kammerrakel vorgestellt. Die Maschine kann so in kürzester Zeit von einer Sieb- zu einer Flexodruckmaschine umgerüstet werden. Dieses Flexodruckwerk empfiehlt sich vor allem dann, wenn Kostenaspekte im Vordergrund stehen. Allerdings ist hier die Lackauftragsmenge deutlich eingeschränkt – sie liegt nur gerade bei
4 bis 7 g/m2 und fällt damit deutlich hinter den Auftragsmengen im Siebdruckverfahren zurück. Neu ist, dass durch die Verwendung einer Photopolymerplatte auch partielle Lackierungen im Flexowerk realisiert werden können. «Mit diesen innovativen zusätzlichen Optionen haben wir die marktführende Position unserer rotativen Highend-Siebdruckmaschine Hibis 104 noch einmal signifikant gestärkt. In unserer Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeiten wir an einer Vielzahl weiterer Innovationen, mit denen wir die bisherigen Limitationen der Veredelung von Druckerzeugnissen überwinden und die Möglichkeiten der Offline-Veredelung von Druckerzeugnissen noch besser ausschöpfen wollen», verspricht Stibi.
Erste Erfolge in der DACH-RegionDass sich Systeme wie die Hibis auch bei den Kunden rechnen, beweise die Installation bei Ruesch Druck in Rorschach. Die unweit von Steinemann gelegene Druckerei setze die Hibis konsequent ein und sei für Steinemann auch Vorzeigebetrieb, erklärte Christof Stürm. Dies auch, weil sich das Unternehmen als klassische Druckerei und nicht etwa als Veredelungsbetrieb für die Offline-Veredelung entschieden hat.
Dabei bleibt das Potenzial für Maschineninstallationen noch gross. Neben einem deutschen Verpackungsunternehmen und der Ruesch Druck ist Steinemann in der DACH-Region bei weiteren Unternehmen derzeit nur in Verhandlung. Offenbar muss der Markt für hochwertige Veredelungstechnologie tatsächlich erst noch entwickelt werden. In anderen Ländern, allen voran Spanien und Mexiko, präsentiere sich hier ein deutlich positiveres Bild.          
 
Jürgen Franck

«Werbung ist der schönste Job der Welt.»

Uwe Schlupp Gestartet hat der CD von KSB/SJ seine Karriere in der schönsten Branche der Welt bei namhaften Agenturen in seiner Heimatstadt Düsseldorf.

Uwe SchluppGestartet hat der CD von KSB/SJ seine Karriere in der schönsten Branche der Welt bei namhaften Agenturen in seiner Heimatstadt Düsseldorf. In der Schweiz ging es vor elf Jahren weiter als AD und CD bei den Zürcher Agenturen Publicis und Weber Hodel Schmid. Im April 2004 gründete Uwe Schlupp zusammen mit Daniel Krieg die Zwei-Mann-Agentur Krieg Schlupp Springer & Jacoby. Mit schnellen Budgetgewinnen und kreativen Highlights für Kunden wie Maurice Lacroix, Malik Management Zentrum, Siemens Mobile, Bilanz und Viva wurde die Agentur schnell grösser. Der Gewinn des Coop-Pitches verhalf der inzwischen auch noch von Christoph Bürge verstärkten Krieg Schlupp Bürge / Springer & Jacoby zum definitiven Durchbruch. Im Jahrbuch der Werbung 2006 wird KSB/SJ als «Newcomer-Agentur des Jahres» gefeiert. Der wichtigste Erfolg im vergangenen Jahr war für Krieg, Schlupp, Bürge sicher die Kampagne «Für mich und dich» für Coop sowie der Gewinn des VW-Budgets in der Schweiz. Schlupp dazu passend:
«Werbung kann viel bewegen.»

«Werbung ist die schönste Nebensache der Welt!»

Markus Gut Er ist stolz, dass er Publicis wieder auf den ersten Platz des Rankings führen konnte – und für seine Kunden UBS und Zurich Financial Services in diesem Jahr auch internationale Awards gewann.

Markus GutEr ist stolz, und es ist «ein schönes Gefühl», dass er Publicis wieder auf den ersten Platz des Rankings führen konnte – und für seine Kunden UBS und Zurich Financial Services in diesem Jahr auch internationale Awards gewinnen.
Der schönste Preis für Gut ist aber eine Goldmedaille bei einer Messe im Tessin für seinen Grappa al Mulinetto. Diesen keltert er mit Americana-Trauben oder zu deutsch «Katzenseicherli» in seinem eigenen Weingut im Süden.
Beruflich führte Markus Gut als CCO der Publicis Gruppe Schweiz im vergangenen Jahr erfolgreich alle Kreativen der Werbeagentur Publicis, der Direktmarketing-Agentur Fisch Meier und von Publicis Factory in den neuen Räumlichkeiten beim Stadelhofen zusammen.
 
Seine wichtigsten Kampagnen zur Zeit sind «You & us» für UBS mit der Schweizer Umsetzung «Sie & …», die für UBS erstmals drei Preise bei den Eurobest gewonnen hat. Bei der Kampagne für das Strassenmagazin Surprise wurden die Verkäufer für den Fotografen Alberto Venzago in schicke Anzüge gesteckt, was ebenfalls mehrere internationale Preise eingebracht hat.
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