Cherchez la femme

Pierre C. Meier über die Wahl zum Werber und zur Kampagne des Jahres.

Bereits zum 31. Mal hat die Leserschaft der Werbewoche den «Werber des Jahres» gekürt. Nominiert waren sechs Persönlichkeiten der Schweizer Werbeszene, ausgewählt von einer prominenten Jury, bestehend aus ehemaligen Werbern und Werberinnen des Jahres. Leider war auch dieses Jahr weder eine Frau noch ein Vertreter aus der Romandie unter den Nominierten.Der Werber des Jahres 2007 heisst Peter Felser. Die Wahl war eindeutig: 28 Prozent der Stimmen entfielen auf den Mitinhaber der Zürcher Werbeagentur Spillmann Felser Leo Burnett. Sein Geschäftspartner Martin Spillmann hatte die vom Schweizer Künstler Max Grüter gestaltete Trophäe namens Egon schon im Jahre 2004 entgegennehmen können.
Vor vier Jahren gründete Pius Walker «die kleinste Agentur der Welt». Dieses Jahr erreichte er mit knapp 15 Prozent aller Stimmen den beachtlichen zweiten Platz. Auf Platz drei liegt mit 14 Prozent der Stimmen Alexander Jaggy, der Creative Director und Teilhaber der Zürcher Werbeagentur Jung von Matt/Limmat.
Zum achten Mal verlieh eine breite Publikumsjury die Auszeichnung «Kampagne des Jahres». Zur Auswahl standen zehn wichtige Arbeiten von zehn Agenturen. Neben der Leserschaft der Werbewoche haben sich auch die Leserinnen und Leser der Programmzeitschrift TV-Star an der Wahl beteiligt. Mit beinahe 30 Prozent der Stimmen wählten sie die Stop-Aids-Kampagne des BAG zum Sieger. Konzipiert und realisiert hat sie die Werbeagentur Euro RSCG. Auf Platz zwei mit 13 Prozent der Stimmen liegt die Beck-&-Bondi-Kampagne für die Swisscom Fixnet der Berner Agentur Contexta. Nur knapp dahinter mit 12 Prozent folgt die Lieblingsprodukt-Kampagne der Migros von Publicis.
Pierre C. Meier, Chefredaktor

Direktbuchungs-Dschungel

Werbung Immer mehr Verlage bieten den Agenturen Direktbuchungsentschädigungen an – zu allen möglichen Konditionen. Langsam wird es unübersichtlich.

Werbung Immer mehr Verlage bieten den Agenturen Direktbuchungsentschädigungen an – zu allen möglichen Konditionen. Langsam wird es unübersichtlich. Für Mediaagenturen, die direkt beim Verlag statt über Publimedia buchen, fällt ein Mehraufwand an – nicht nur beim Buchen selbst, sondern auch beim Controlling und beim Abrechnen. Vor zwei Jahren hat Tamedia damit begonnen, Grossagenturen, die bei Tamedia-Titeln direkt buchen, für ihren Mehraufwand zu honorieren. Tamedia gewährt seither und auch im laufenden Jahr eine «Direktbuchungsentschädigung» (DBE) von 1,5 Prozent, sofern die Agentur pro Jahr ein Mindestvolumen von einer Million Franken bei Tamedia-Titeln platziert. Übertrifft die Agentur zudem das Volumen des Vorjahres, erhöht Tamedia die DBE auf 2 Prozent.So weit, so klar und übersichtlich. Doch mittlerweile hat die DBE-Welle beinahe alle Eigenregieverlage erfasst – und weitere dürften mitsurfen wollen. Neben dem DBE-Angebot 2007 von Tamedia stehen auch die Angebote von Ringier, Edipresse, der Berner Zeitung und des Walliser Boten für dieses Jahr fest. Klar ist ferner, dass die Gruppe HandelsZeitung und die Jean Frey AG ebenfalls eine DBE einführen. «Wir konnten aber die Konditionen noch nicht festlegen», sagt CEO Ralph Büchi. Noch nicht entschieden hat die Weltwoche, während die Eigenregietitel Freiburger Nachrichten und Schaffhauser Nachrichten auf eine DBE verzichten.
Aus Sicht der Mediaagenturen besteht das Problem darin: Die Angebote sind völlig uneinheitlich und beinahe so vielfältig wie die Tarifdokumentationen der jeweiligen Printtitel. Zum Mehraufwand beim Buchen kommt somit auf die Agenturen auch die Mehrarbeit beim Konsultieren der diversen DBE-Konditionen hinzu. Dafür wird Publimedia garantiert nie ein (Gratis-)Tool anbieten. Die Werbewoche verschafft hier aber einen ersten, jedoch nur vorläufigen Überblick.
Das Ringier-Angebot sieht auch im 2007 eine DBE von einem Prozent vor, ein Anheben des Satzes, wie zunächst erwogen, liess man bleiben. Dafür weitet der Konzern die Titelpalette, die bisher die Cash-Gruppe sowie 15 Zeitschriften umfasste, neu um die Titel Blick, SonntagsBlick, Sie + Er und Heute aus. Das ist insofern bemerkenswert, als zwischen Blick-Gruppe und Publimedia eine gültige Vereinbarung für die Inseratekommission besteht. Darum hatte die Blick-Gruppe bisher keine DBE gewährt. Die Kehrtwende begründet Thomas Passen, bei den Ringier-Zeitschriften zuständig für den Leser- und Werbemarkt, damit, dass nun ja auch die NZZ trotz P-Regie eine Art DBE-Angebot vorbereite (siehe S. 1). «Wenn selbst Titel in P-Regie mitmachen, sehen wir keinen Grund, weshalb die Kommissionsvereinbarung für uns verbindlicher sein soll. Wir hätten dann wirklich einen Wettbewerbsnachteil», sagt er.
Ringiers DBE-Angebot unterscheidet sich noch in drei andern Punkten von jenem von Tamedia: Das jährliche Mindestvolumen, das Agenturen bei Ringier-Titeln platzieren müssen, um die DBE beziehen zu können, beträgt nur eine halbe Million Franken. Ferner erhöht Ringier die DBE nicht, wenn Mehrvolumina gegenüber Vorjahr erreicht werden. Hingegen gewährt Ringier die DBE nicht nur den Agenturen, sondern explizit auch den direktbuchenden Kunden – um diese nicht gegenüber Agenturen zu diskriminieren. Anders sieht man es bei Tamedia: «Unsere Direktbuchungsentschädigung ist auf die Serviceleistungen der Mediaagenturen ausgerichtet», sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer.
Ganz anders handhabt Edipresse seine eben eingeführte DBE: Diese wird vorerst nur von den Zeitschriften gewährt, bei den Zeitungen, die in P-Pacht sind, steht man Gewehr bei Fuss. «Hier warten wir noch auf einen Lösungsvorschlag der Publicitas», sagt Marcel Siegenthaler, Leiter Werbemarkt Edipresse Schweiz, mit einem Seitenblick zur NZZ. Wie bei Ringier gilt die Edipresse-DBE sowohl für Agenturen als auch für Kunden. Speziell ist aber, dass Edipresse mit jeder Agentur je einen individuellen DBE-Prozentsatz (zwischen 1,5 bis 2 Prozent) und ein individuelles Mindestvolumen aushandelt – entsprechend deren Kundenportfolio und Leistungsumfang. «Die Leistungen der Agenturen punkto Belege, beim Fakturieren oder bei den Zahlungsfristen sind eben höchst unterschiedlich», begründet Siegenthaler das Vorgehen. Und er fügt warnend hinzu: «Es gibt Standardleistungen der P, die einfach gut sind. Die DBE-gewährenden Verlage werden diesbezüglich noch ihre Erfahrungen machen.»
Noch einmal anders geht die Espace Media Groupe vor: Sie bietet Agenturen und Kunden eine DBE von 1,5 Prozent, jedoch nur für Buchungen bei der Berner Zeitung und ihren Splitausgaben sowie auf dem Portal www.espace.ch. Das Angebot gilt vorerst für ein Jahr, «danach entscheiden wir, ob wir das Tool in dieser Form bestehen lassen oder ob wir es modifizieren», sagt Anzeigenleiter Matthias O. Hütköper.
Die vorerst letzte bekannte DBE-Variante kommt aus dem Oberwallis: Auch der Walliser Bote (WB) gewährt den Agenturen – und nur ihnen – 1,5 Prozent. Dafür schreibt er kein Mindestvolumen vor. «Wir sind auch froh um kleine Volumina», kommentiert Jörg Salzmann, Mitglied der Geschäftsleitung beim WB-Herausgeber Mengis Druck & Verlag.
Gespannt wartet die Branche nun nicht nur auf die Entscheide bei den Eigenregieverlagen HandelsZeitung, Jean Frey und Weltwoche, sondern vielmehr darauf, was sich in Zürich tut. Denn wie die Weichen dort auch immer gestellt werden, andere Verlage mit P-Regie beobachten die Vorgänge an der Falkenstrasse mit Argusaugen. Allen voran die Edipresse-Zeitungen. Gespannt dürfte man auch bei der Basler Zeitung sein, wo man als erster Titel in P-Pacht überhaupt eine DBE erwog (siehe WW 41/06), derzeit aber noch in Verhandungen mit der P festsitzt. Jedenfalls wurde am Rheinknie bisher kein definitiver Entscheid pro oder contra DBE gefällt, sagt CEO Beat Meyer.
Markus Knöpfli

Piraten solls an den Kragen gehen

Copyright Matter & Gretener klären auf mit einer Kampagne gegen Fälschung und Markenpiraterie: «Stop Piracy».

Copyright Matter & Gretener klären auf mit einer Kampagne gegen Fälschung und Markenpiraterie: «Stop Piracy».Das Thema ist hochaktuell: Ob Vernichtung von Arbeitsplätzen, Gesundheitsschäden, Unterstützung des organisierten Verbrechens oder unwürdige Arbeitsbedingungen – Beim Kauf gefälschter Produkte wie auch beim Raubkopieren bezahlt immer jemand den Preis für das vermeintliche Schnäppchen. Geschätzte zwei Milliarden Franken gehen allein in der Schweiz der Wirtschaft durch gefälschte Produkte verloren. Weltweit werden bereits fünf bis sieben Prozent der international gehandelten Güter gefälscht. Die «Kavaliersdelikte» reichen dabei vom illegalen Kopieren von Filmen über das Kaufen von gefälschten Rolex-Uhren in den Ferien bis zum Medikament aus dem Internet. Die 2005 lancierte Plattform Stop Piracy – eine Public Private Partnership unter der Führung des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum (IGE) und des Schweizer Komitees der Internationalen Handelskammer (ICC Switzerland) – will jetzt für mehr Wissen und Gewissen sorgen. Die Kampagne ist privat lanciert, wird aber vom politischen Bern unterstützt.
Appell an die FairnessMatter & Gretener haben den Auftrag Anfang September in einem Pitch gewonnen. In ihrer Sensibilisierungskampagne arbeitet die Kreativagentur nun mit pointierten Schlagzeilen. Diese sollen für Betroffenheit sorgen und das Bewusstsein erhöhen für die Folgen und Gefahren von Fälschungen und Raubkopien. Die Kampagne will auch an die Fairness eines jeden Einzelnen appellieren. Die Kampagne richtet sich an alle am Product Flow Beteiligten – Produzenten, Importeure, Händler, Behörden, Konsumenten – und ist auf Plakatstellen in der Deutsch- und der Westschweiz zu sehen. Diverse weitere Kampagnenmittel sind vorgesehen.
Beim Schweizer Zoll werden pro Jahr bereits über 500 Interventionen wegen Fälschungen notwendig. Im Landesinnern ist bis jetzt erst ein einzelner Fall bekannt, wo im Bündnerland jemand mit 300 Franken für Piraterie gebüsst worden ist. Es existiert auch noch kein wegweisender Bundesgerichtsentscheid. Wir bewegen uns somit zu einem grossen Teil noch in einer Grauzone, was Piraterie und damit illegales geistiges Eigentum ist. Vor allem im Pharma-Bereich kursieren «dank» dem Internet zahlreiche gefälschte Lifestyle-Medikamente von Viagra bis Vitamine. Die Kampagne zeigt auf, dass solche Medikamente für Vertrauensselige nicht nur illegal, sondern auch gefährlich sein können. Es gibt keine Hygienevorschriften und auch keine Gesundheitskontrolle. Ähnlich gewagt ist das Einbauen von gefälschten Ersatzteilen beim Auto. Vor allem in Südamerika hat das schon zu zahlreichen schlimmen Unfällen geführt.
Die Kampagne will somit sensibilisieren: Wer Fälschungen kauft, schadet nicht nur der Wirtschaft, sondern auch sich selber. Eine Fälschung ist kein «guter Deal» – nur weil die anderen mehr bezahlen.
Die Kampagne ist am Dienstag dieser Woche im Flughafen Unique in Kloten von Bundesrat Christoph Blocher einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden. Die Medienkonferenz des ihm unterstellten Instituts für Geistiges Eigentum wurde bewusst hier angesetzt, weil bei Ferienreisen die Verlockungen der Piraterie sehr gross sind.
Die Kampagne ist trotz Bundesrat aber nicht vom Bund finanziert. Als Sponsoren für die einzelnen Sujets treten verschiedene Vertreter der betroffenen Branchen auf, so zum Beispiel Suisa (Musik), Safe (Film), SMH (Uhren) sowie Swissmedic, Interpharma und der Verband der Zigarettenindustrie.
Bei einer solch breiten Abstützung war es naturgemäss nicht leicht, sich bei einem gemeinsamen Auftreten bezüglich Sujets zu finden. Die Lösung mit einer Typo-Kampagne ist für CD Daniel Matter deshalb ideal ausgefallen. Die griffigen Texte können anders als visuelle Umsetzungen für alle Branchen gleich eingesetzt werden. Zudem spart man mit solch einfachen Textplakaten auch Geld, das man lieber für eine umso breitere Streuung einsetzt, wie Stratege Marcus Gretener rechnet. Die aufklärenden und witzigen Texte sollen später auch auf verschiedensten Botschaftsträgern wie zum Beispiel auf Erfrischungstüchlein im Flugzeug, Bordkarten, Rechnungen von Internetfirmen, Couverts von Reisebüros oder Flyern in Apotheken gedruckt werden können.
Für Matter & Gretener sollten die Plakate auch durch eine bewusste Mischung von Werbung und amtlicher Mitteilung auffallen – «Arbeit im öffentlichen Raum statt Öffentlichkeitsarbeit». Diese wird trotzdem synchron zur Kampagne von der PR-Agentur Richterich & Partner gezielt im Bereich der Medien eingesetzt. Weitere Infos zur Kampagne werden auch auf einer Website, www.stop-piracy.ch, publik gemacht.   
Andreas Panzeri

Walker ist Newcomer des Jahres

Agenturen Im Wettbewerb rund um das Jahrbuch der Werbung wurde die Zürcher Werbeagentur Walker zur «Newcomer-Agentur des Jahres 2006» für den Raum Schweiz und Österreich gewählt.

Agenturen Im Wettbewerb rund um das Jahrbuch der Werbung wurde die Zürcher Werbeagentur Walker zur «Newcomer-Agentur des Jahres 2006» für den Raum Schweiz und Österreich gewählt.Der Econ Verlag prämiert im Wettbewerb um das Jahrbuch der Werbung jährlich die besten Werbekampagnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und kürt die Newcomer-Agentur des Jahres. Das Jahrbuch der Werbung ist seit 40 Jahren das Standardwerk für besondere branchenspezifische Werbung aus dem deutschsprachigen Raum. Preisverleihung und Buchpräsentation finden dieses Jahr am 1. März in Berlin statt. Als Newcomer des Jahres hat nach KSSJ und SFLB in den letzten Jahren mit Walker bereits wieder eine Agentur aus Zürich den Preis im Raum Schweiz-Österreich gewonnen. Newcomer-Agentur für Deutschland wird Con Carne, Köln. Walker, der in diesen Tagen auch Platz 2 als Werber des Jahres erreichte, wurde damit in nur vier Jahren irgendwie zum «Walker of Fame». Angefangen zu wandeln auf dem berühmten Boulevard der Sterne hat «die kleinste Werbeagentur der Welt» mit einem Budget für die WC-Ente. Der grosse Lärm um das stille Örtchen konnte nicht ohne Wirkung bleiben. Die Kampagne für die WC-Ente hat in zwei Jahren innerhalb der Kundschaft aus der demografisch schwächsten Zielgruppe die stärkste gemacht. Die jungen und abgewanderten Konsumenten sind wieder zurückgekommen. Der Umsatz für die Ente wuchs zweistellig.
Die Agentur von Pius Walker wurde mit ihren Kampagnen für weitere Produkte der Firma Düring beim New York Festival, bei der Klappe in Deutschland sowie beim ADC Deutschland und Schweiz mehrfach ausgezeichnet und hat die Schweiz 2005 auch in Cannes mit einem Platz auf der Film-Shortlist vertreten.
«Wir arbeiten gerne für Kunden, welche zu den Allerbesten gehören wollen. Kunden, die wissen, dass ihre Marke einzigartig ist und deswegen nicht mit Standardlösungen beworben werden darf», ist somit mehr als nur wohl formulierte Eigenwerbung in der Philosophie von Walker.
Das hat im Sommer 2005 auch Hans Beer überzeugt. Er wechselte von Kundenseite zu Walker und verkauft seither statt Konsumprodukte deren Werbung. Neben einfachen Konsumgütern wie der WC-Ente sind inzwischen auch Blumen für Fleurop, Mineralwasser von Passugger und Menschenrechte mit Amnesty International zu den Aufgaben von Walker gekommen. Von einer Nischen-Agentur kann deshalb bei der nach wie vor kleinen Agentur schon lange nicht mehr gesprochen werden.
Walker ist keine Standardagentur: «Wir sind unverschämt unabhängig und ehrgeizig klein», meint Pius Walker. Damit ist auch das Ziel formuliert, «dank der kleinen Einheit Qualität zu bieten, die auch international bestehen kann». Walker leistet sich «keinen Wasserkopf». Dafür aber eine solide Plattform und ein wachsendes internationales Netzwerk aus einigen der hellsten Köpfe der Branche im In- und Ausland.
Bereits kurz nach der Gründung ist die «kleinste Agentur der Welt» im Kreativranking der Werbewoche im Jahre 2005 in die Top Ten der Schweizer Kreativagenturen aufgenommen worden. Ein Jahr später ist es nun bereits Rang 6.
Für Beer und Walker ist es die Strategie, die jede Kampagne nachhaltig prägen muss. «Wir haben die meisten Kunden mit einer Strategiepräsentation gewonnen. Das ist entscheidend heute, man muss die Weichen richtig stellen können. Dann tun sich automatisch auch viele Möglichkeiten für das kreative Potenzial auf.»
Dieses Prinzip spiegelt sich nicht nur im Umsatz der Walker-Kunden wider, sondern auch bei den grossen internationalen Kreativawards. So wurden die Kampagnen von Walker kürzlich beim Epica, bei den New York Festivals sowie beim Eurotest mit Gold ausgezeichnet.
Aber was unterscheidet die Walker-Kampagnen vom gängigen Werbe-Mainstream? «Walker serviert dem Konsumenten ein zartes Steak, jedoch auf beiden Seiten kräftig angebraten. Und nicht in pürierter Form mit einem Röhrli dazu», meint Pius Walker. Für Hans Beer ist es Werbung, die mit der Zielgruppe auf gleicher Augenhöhe spricht. Vielleicht ist sie deswegen auch so nachhaltig.
Als Pius Walker nach zehn Jahren beruflicher Wanderschaft im Ausland in die Schweiz zurückkehrtet, hat er eine Liste mit zehn Wunschkunden für seine eigene Agentur aufgeschrieben. Produkte, die er unbedingt bewerben wollte. «Diese Liste war unser Businessplan. Ziemlich abenteuerlich, wenn man heute zurückdenkt.» Inzwischen sind drei der zehn Wunschkandidaten im Kasten.
Andreas Panzeri

Wocheninterview mit Lothar Dostal

Wocheninterview Lothar Dostal, der CEO der Ziegler Druck, erklärt sein Verhältnis zu Tamedia, wie sich der Landbote endlich von der Publicitas abnabelt und warum er auf die Vernunft von Kollege Norbert Neininger hofft.

Der CEO der Ziegler Druck agiert gekonnt auf dem Schlachtfeld der Zürcher Zeitungswirren. Im Gespräch mit René Worni erklärt er sein Verhältnis zu Tamedia, wie sich der Landbote endlich von der Publicitas abnabelt und warum er auf die Vernunft von Kollege Norbert Neininger hofft.WW: Der Landbote wird mit der Thurgauer Zeitung zusammen «Die Nordostschweiz». Sind Sie glücklich über diesen Entscheid?Lothar Dostal: Voll und ganz. Ich glaube, dass eine Zeitung wie der Landbote mit 38’000 Auflage im harten Regionalzeitungsmarkt alleine schlechte Karten hat für die Zukunft. Das Zusammenspannen mit einem etwa gleich grossen Partner ist deshalb sicher die gescheitere Lösung, als abzuwarten, ob es irgendwann von alleine besser wird.WW: Warum richtet sich eine Zeitung, die stark nach Zürich orientiert ist, jetzt in den tiefen Thurgau aus?Dostal: Es gibt in Winterthur eine alte Tradition, die sich eher gegen Zürich abgrenzt, was 1836 überhaupt das Entstehen des Landboten als Abschottung zur Zürcher Zeitung befördert hat. Das ist zwar Geschichte. Aber es gibt heute noch eine starke Tendenz in Winterthur und in der Region, sich von Zürich abzugrenzen.WW: Es gibt bedeutende Pendlerströme nach Zürich.Dostal: Da haben Sie Recht. Wenn man nicht in Winterthur arbeitet, dann arbeitet man in Zürich. Die Pendlerströme reichen aber weiter, sie kommen von Frauenfeld und aus dem Thurgau.WW: Es gab ja einen Aufschrei der Thurgauer Regierung, die um ihr integratives Blatt fürchtet, denn der zentrumsschwache Kanton droht in zwei Teile zu zerfallen.Dostal: Den Aufschrei gab es, als Tamedia die Thurgauer Zeitung übernommen hatte.WW: Doch jetzt sind plötzlich zwei Zeitungen da, nicht eben förderlich für den Zusammenhalt.Dostal: Ich glaube, die jetzige Reaktion war nicht negativ, weil der Thurgau im Prinzip ein zweigeteilter Kanton ist. Deshalb ist es nur logisch, dass die Thurgauer Zeitung mit dem Landboten zusammenspannt und nicht mit dem St. Galler Tagblatt. So gesehen ist auch der Thurgauer Regierungsrat nicht so unglücklich. Würden Politiker gelegentlich ihre wirtschaftlichen Scheuklappen ablegen, dann würden auch sie sehen, dass Presseunternehmen heute unter veränderten Marktgegebenheiten versuchen müssen, existenzsichernde Massnahmen zu treffen. Eine attraktive Zeitung kann man heute nur ab einer bestimmten Grösse machen.WW: Verkauf und Abobewirtschaftung der Nordostschweiz sind bei der Thurgauer Zeitung angesiedelt, die ökonomischen Fäden zieht also das Mutterhaus Tamedia. Das erweckt den Eindruck, der Landbote begebe sich stark in die Abhängigkeit von Zürich.Dostal: Bei der Gründung des Verbundes war klar, die Unternehmen sollen ihre Eigenständigkeit bewahren. Wir haben mit über 50 Mitarbeitenden eine sehr gute Redaktion und 2005 einen Relaunch gemacht. Das Konzept unserer Zeitung hat sich bewährt und ist auch von den Partnern als gut taxiert worden. Deshalb war es naheliegend, die Kernkompetenz des Landboten auch weiterhin für beide zu nutzen. Umgekehrt war der Landbote in der Vermarktung bisher von der Publicitas abhängig. Wir hatten keine eigenen Ressourcen in der Werbevermarktung.WW: Diese hätten Sie immer schon gern unabhängig von Publicitas gemacht?Dostal: Ja, oder wenigstens mit mehr Mitsprache und besseren Konditionen. Und die Thurgauer Zeitung hat diese Erfahrung. Sie hat den lokalen Markt immer selber bearbeitet. Sie hat sich etwas früher als wir von der Publicitas im nationalen Verkauf abgenabelt. Für uns war es naheliegend, dass man die dort vorhandenen Erfahrungen nutzt und die Kompetenz dorthin verlagert.WW: Kaum haben die Zürcher die Thurgauer Zeitung gekauft, wird diese auf Konzernkurs getrimmt, und der Landbote tut jetzt dasselbe. Man schwenkt auf die Tamedia-Strategie ein, die nicht mit der Publicitas zusammenarbeitet.Dostal: Was ist denn der Sinn und Zweck der Publicitas für regionale Tageszeitungen im heutigen Werbemarkt? Obwohl wir in den letzten vier Jahren sehr starke Veränderungen erlebt haben – Internet, Gratiszeitungen, Sonntagszeitungen und ein immer härterer Kampf der lokalen und regionalen Zeitungen –, haben wir in dieser Zeit praktisch keine Bewegung bei der Kommission der Publicitas gehabt. Wir haben versucht, im Rahmen des Kombi 1 als auch im Inserateverbund Nordostschweiz, den es ja bis 2004 gegeben hat, die Publicitas davon zu überzeugen, dass es einen Synergieeffekt geben muss, wenn man statt bloss eine Zeitung deren sechs zu vermarkten hat. Die Publicitas hat das nie anerkannt und war auch nie bereit, ihre Konditionen so zu verbessern, dass es die Verbünde gestärkt hätte. Da kam für uns die Frage: Kann Publicitas auf die Länge der Partner sein, der uns weiterbringt?WW: Kann das denn Tamedia?Dostal: Tamedia ist ein Partner, der uns weiterbringen kann, weil er Knowhow und eine nationale Ausstrahlung hat und weil sein Kurs nicht parallel zur Publicitas verläuft, im Gegensatz zum Kurs der NZZ. Das war für uns ein wesentlicher Punkt. Wir sind zum ersten Mal überhaupt in der jüngeren Geschichte des Landboten in der Lage, uns von der Publicitas zu lösen, sieht man die letzten 15 Jahre an. Dazu wären wir allein nie fähig gewesen. All unsere Versuche vorher, die Publicitas zur Einsicht zu bewegen, sind leider fehlgeschlagen.WW: Weshalb?Dostal: Theodor Gut, Verleger der Zürichsee Zeitung, der sich an der Dreikönigstagung über den Druck durch Tamedia beschwert hat, sass hier in diesem Büro. Ganz ohne Druck. Wir haben ihn gefragt, welche Lösungen wir – zusammen mit der P, denn diese war ja bei Gut beteiligt – im Bereich gemeinsame Vermarktung, redaktioneller Mantel und gemeinsamer Druck anstreben könnten. Gut meinte, über solch interessante Fragen müsste man in den nächsten fünf bis zehn Jahren sicher einmal nachdenken. Das war wohl ziemlich exakt auch die Haltung der P. So viel Zeit haben wir aber nicht mehr gesehen.WW: Der idealen Zürcher Landzeitung fehlt der Landbote. Offenbar beharrten Sie auf der Führungsrolle in diesem Verbund, was man in Stäfa nicht gern sah.Dostal: Den Landboten haben wir immer als Komplettzeitung verstanden. Er war wesentlich stärker als die Zürcher Landzeitungen in ihrer Parallellage zum Tages-Anzeiger und befand sich stets in der besseren Ausgangsposition. Deshalb haben wir die Führungsrolle zumindest im redaktionellen Teil angestrebt. Klar sahen wir auch Kompetenzzentren, zum Beispiel den Zeitungsdruck in Oetwil oder die Mantelredaktion bei uns. Am meisten Synergien bringt es, die jeweiligen Stärken der Partner zu nutzen. Doch dazu waren die Zürcher Landzeitungen nicht bereit. Sie sind erst jetzt unter dem Druck der Regionalausgaben des Tages-Anzeigers näher zusammengerückt.WW: Wie sieht es denn mit dem Druck aus bei Ihnen? Tamedia gab im Thurgau viel Geld aus und muss Synergien geradezu forcieren. Dostal: Druckversuche gab es keine. Der Entscheid, in die Nordostschweiz zu gehen, wurde nach Verhandlungen und Abwägungen durch den Verwaltungsrat der Ziegler Druck- und Verlags-AG gefällt. Dort ist Tamedia-CEO Martin Kall zwar als Mitglied vertreten, aber er wurde logischerweise nicht mit einbezogen, weil er selber tangiert ist. Natürlich hat Zürich versucht, die beiden Zeitungen näher zusammenzubringen, um sie wirtschaftlich zu stärken. Wollte Tamedia daraus Kopfblätter machen, hätte sie andere Interessen verfolgt. Man hat sehr wohl ein Interesse, diese beiden eigenständigen Zeitungen im Verbund parallel zum Tages-Anzeiger zu stärken.WW: Es heisst, Tagi-Regionalstratege Rolf Bollmann seien vertraglich die Hände gebunden, auch in Winterthur eine Tagi-Regionalausgabe zu lancieren. Was ist da dran?Dostal: Das ist ein ganz weit verbreiteter Irrtum.WW: Dann hängt also doch ein Damoklesschwert über der Winterthurer Presse?Dostal: Zum Vergleich: Die Berner Zeitung versucht in Solothurn, mit einem teuren Kampfblatt in einem Gebiet Boden zu gewinnen, wo sie sehr schwach ist. Das tut sie nur, weil ihr ein Verbund mit der Solothurner Zeitung nicht geglückt ist. Das St. Galler Tagblatt hat es im Thurgau versucht, ohne Erfolg. Der Tages-Anzeiger würde in Winterthur in einer ähnlichen Position stehen, weil er hier eine verhältnismässig schwache Verbreitung hat und der Landbote wesentlich stärker ist.WW: Da hat offensichtlich auch die langjährige Winterthur-Seite des Tagi nichts daran geändert.Dostal: Das hat ihm auch nicht viel weiter geholfen. Anders als im Zürcher Land wäre es für den Tages-Anzeiger hier ein viel schwierigerer Kampf. Folglich hat man sich zu Recht gesagt, wir verbünden uns lieber mit dem Landboten, als dass wir ihn angreifen müssen. Und wir verbünden uns umgekehrt lieber mit dem, der uns angreifen könnte, anstatt die Fahne der Eigenständigkeit hochzuhalten, um mit ihr am Schluss dann doch unterzugehen. Die vertragliche Abmachung ist jedoch eine reine Erfindung. Das schweizerische Wettbewerbsrecht lässt solche Marktabsprachen gar nicht zu. Dem Tages-Anzeiger steht also jederzeit frei, in Winterthur einen Split zu lancieren, was er sich aus wirtschaftlichen Überlegungen reiflich überlegen muss.WW: Was war Ihr erster Gedanke, als bekannt wurde, dass Tamedia die Thurgauer Zeitung vollständig übernehmen würde?Dostal: Ich fand das sehr gut.WW: Die Branche hat sich gefragt, was der Konzern bloss mit dieser Thurgauer Zeitung anfangen will.Dostal: Für uns waren die Thurgauer Zeitung und auch die Schaffhauser Nachrichten immer die logischen Bündnispartner, und wir hätten sehr gern einen Zusammenschluss gesehen – noch vor einem Zürcher Landzeitungsverbund. Aber auch hier war die Situation teilweise durch die Besitzverhältnisse schwierig. Es gelang uns nicht, zu vernünftigen Einigungen zu kommen. Als Tamedia in Frauenfeld gekauft hat, war uns klar, dass der Weg mit der Thurgauer Zeitung für uns einfacher wird.WW: Die Schaffhauser Nachrichten fehlen allerdings in diesem Verbund.Dostal: Wir versuchen jetzt zu zweit, Verleger Norbert Neininger davon zu überzeugen, dass man sinnvoll kooperieren kann auch ohne gegenseitige Beteiligungen und ohne gemeinsame Firmen gründen zu müssen. Sie glauben mir sicher, dass wir nicht wegen der Einsparung von etwas mehr als drei Stellen die Kooperation eingegangen sind. Unser Synergiepotenzial ist gerechnet worden und ist weitaus höher.WW: Wo sehen Sie weiteren Synergienutzen?Dostal: Ausser dem Onlinebereich, in dem wir ebenfalls zusammenarbeiten werden, sehen wir dort, wo wir redaktionell eine sehr gute Leistung bringen können, auch Wachstumschancen. Die Thurgauer Zeitung wird für ihre Leser wesentlich interessanter, bekommt mehr Umfang und wird stark an den Landboten angenähert. Wir werden durch die Anzeigenkombination im Werbemarkt ein attraktives Angebot machen können. Die Nordostschweiz wird also zu einer Zeitung mit zwei Titeln und starken regionalen Ausprägungen zusammenwachsen. Das Gleiche würden wir natürlich für Schaffhausen sehen.WW: Verleger Neininger hat schon mit Brimborium den Relaunch seiner Schaffhauser Nachrichten gefeiert und wird kaum sein Layout umkrempeln und sich obendrein der Häme aussetzen, er habe die – von ihm selber so hoch gelobte – Eigenständigkeit aufgegeben.Dostal: Da stimme ich Ihnen zu, das wird nicht schon auf den 1. April geschehen. Doch ist da alles in Stein gemeisselt? Die Zeitungsdruckerei in Herblingen zum Beispiel, die sie mit der AZ zusammen unterhalten, kann nicht voll vierfarbig drucken. Da braucht man früher oder später eine bessere Lösung.WW: Weshalb diese Zuversicht, wo doch Schaffhausen mehr und mehr einem gewissen gallischen Dorf ähnelt?Dostal: Ich glaube, dass Norbert Neininger auch gewisse Sachzwänge sieht. Im Werbemarkt ist er ja nach seinem eigenen Bekunden sehr gerne bereit, mit uns zusammenzubleiben. Zu seiner grossen Befürchtung, man würde ihm seine Eigenständigkeit rauben, kann ich nur sagen, dass wir nicht Aktienbesitzer der Schaffhauser Nachrichten werden wollen. Ich glaube, wir können wirtschaftlich sinnvolle Lösungen finden – natürlich mit Kompromissen auf seiner Seite. Es kann nicht jeder sein eigenes Layout und seine Struktur hundertprozentig beibehalten, sonst gibt es keinen Verbund. Wir setzen da auf Freiwilligkeit, auf ein bisschen bessere Erkenntnis und noch mehr auf wirtschaftliche Vernunft. Nicht auf Druck. Wir glauben, dass bei den Schaffhauser Nachrichten, die ja letztendlich ihr Stiftungskapital sichern und ihren Stiftungszweck im Auge haben muss, irgendwann die Erkenntnis wächst, dass man in einem Verbund zu dritt stärker ist als alleine mit bloss 20’000 Auflage.WW: Damit käme Die Nordostschweiz über die magische Grenze von 100’000 Exemplaren Auflage hinaus.Dostal: Absolut. Da machen Urs Lüdin in Frauenfeld und ich auch gar keinen Hehl daraus, dass die Türe der Nordostschweiz weit offen steht und wir nach neuen Formen des Inseratekombis suchen.WW: Tagi Plus, das der Landbote mit dem Tages-Anzeiger eingegangen ist, hat die anfänglich hohen Erwartungen enttäuscht.Dostal: Das Tagi-Plus-Kombi ist ein Zusatzangebot, das wir nach der Übernahme der Thurgauer Zeitung durch Tamedia eingegangen sind. Es hat unsere Erwartungen nicht erfüllt. Solange wir nicht mit in den nationalen Metropool eingebunden sind, macht das für uns keinen Sinn. WW: Doch die Nordostschweiz braucht zwingend eine nationale Anbindung.Dostal: Das ist das Ziel. Wie weit wir dort eine nationale Anbindung an einen anderen Titel kriegen, das werden wir sehen. Erst mal müssen wir dieses Jahr noch mit der Vermarktung der Publicitas über die Bühne kommen.WW: Wie entwickelt sich die Kooperation mit Tamedia im Druckbereich?Dostal: Wir sind die drittgrösste Rollenoffsetdruckerei in der Schweiz und drucken alle Tamedia-Zeitschriften. Tamedia druckt den Landboten und den Stadtanzeiger. Das funktioniert auf beiden Seiten sehr gut.WW: So blieb Ihnen der Kauf teurer Rotationsmaschinen erspart.Dostal: Wir haben uns vom Zeitungsoffset verabschiedet, weil man das mit einer Zeitung allein nicht sinnvoll betreiben kann. Mit zweien schon besser, mit dreien problemlos. Auch da lag ein klares Konzept auf dem Tisch, zusammen mit Schaffhausen, Thurgau und uns eine gemeinsame Zeitungsdruckerei zu betreiben. Doch das hat leider nicht geklappt. So blieb uns die Option einer eigenen Zeitungsdruckerei – wirtschaftlich sinnlos – oder in Oetwil mit den Landzeitungen zu drucken. Dann hätten wir keinen Ersatz für die Wertschöpfung im eigenen Haus gefunden. So drucken wir bei Tamedia, die uns einen Ersatz für die Wertschöpfung geben konnte durch den Druck ihrer Zeitschriften.WW: Publizistische Verantwortung hier, Verlagsgeschäft in Frauenfeld – geteilte Verantwortlichkeiten. Wird sich dadurch Ihr Job verändern?Dostal: Das Zeitungsgeschäft besteht bei uns zu einem Drittel aus dem Lesermarkt. Die Aboeinnahmen bleiben bei uns. Wir sind auch verantwortlich für die Marketingkosten. Nur das operative Management der gemeinsamen Aktionen wird im Thurgau gemacht, das Marketingbudget jedoch von jeder Unternehmung selber aufgestellt und kontrolliert. Beim Inseratemarketing haben wir jetzt mehr Einflussmöglichkeiten als vorher bei der Publicitas. So gesehen wird sich mein Berufsleben eher bereichern.WW: Sie waren früher auch einmal bei Tamedia tätig. Spielen da noch alte Seilschaften?Dostal: Kaum (lacht). Da sind nicht mehr sehr viele von der damaligen Crew vorhanden.Lothar DostalGeburtsdatum:
1945Zivilstand:
Verheiratet (3 Töchter)Wohnort:
BachenbülachDer Diplomkaufmann und Reprofotograf hat sich in den Bereichen Vorstufe, Druck sowie Marketing in Deutschland und der Schweiz weitergebildet. Dostal weilte zwei Jahre in Ostafrika, wo er ein Marketingprojekt realisierte. Nach der Managementausbildung in St. Gallen war er seit 1977 bei verschiedenen Grossunternehmen der Verlagsbranche in leitender Position aktiv, so auch als Verkaufs- und Marketingdirektor im Druckzentrum des Tages-Anzeigers. Seit 1999 leitet Lothar Dostal die Geschäfte der Ziegler Druck- und Verlags-AG in Winterthur.
Zürcher Zeitungswirren: Auslöser war die Publicitas mit ihrem Deal mit der NZZ und dem gleichzeitigen Aktientausch ihrer Beteiligung an den Zürcher Landzeitungen.Zeitungsmonopole: Werden sich auf die Länge nicht ganz vermeiden lassen. Mindestens gibt es Blockbildungen.Anzeigenpreisdumping: 20 Minuten hat einen 1000-LeserPreis von etwa 35 Franken, grosse Tageszeitungen 60, unser Anzeigenpreis kostet etwa 90 Franken. Da kann man sich vorstellen, was die Werbeindustrie erwartet. Doch das kann nicht Dumping sein. Wir müssen unsere Kosten reduzieren, um vernünftige 1000-Leser-Preise anbieten zu können, damit wir die Vorteile der regionalen Presse und der abonnierten Zeitung gegenüber der Gratispresse der Werbeindustrie auch zu vernünftigen Kosten anbieten können.

Gratispostille für Hausbewohner

Gratispresse Ex-Jean-Frey-CEO Filippo Leutenegger launcht eine neue Hochglanz-Gratiszeitschrift rund ums Haus und will Reichweiten bolzen.

Gratispresse Ex-Jean-Frey-CEO Filippo Leutenegger launcht eine neue Hochglanz-Gratiszeitschrift rund ums Haus und will Reichweiten bolzen.Als im Dezember im Hotel Hyatt die Vertreter von Axel Springer und Jean Frey vom Podest herunter den Übernahme-Deal bekannt gaben, sass Jean-Frey-CEO Filippo Leutenegger in der ersten Reihe im Publikum. Hauptaktionär Tettamanti hatte sich gegen die Angriffsstrategie seines CEO entschieden und JF an Springer verkauft. So musste Leutenegger den Sessel räumen. Er nahm sein Zeitschriftenprojekt mitsamt dessen Projektleiter Rehné Herzig, der bereits acht Monate daran gewerkelt hatte, mit und realisiert es jetzt im Alleingang. Die neuen Besitzer wollten wohl das Projekt nicht weiter verfolgen, das erst in den Startlöchern steckte. Leutenegger hat inzwischen eine neue Aktiengesellschaft mit Namen Medienarena gegründet und Herzig als CEO eingesetzt. Herzig war lange Jahre unter anderem bei Ringier in verschiedenen leitenden Positionen und vorher beim schwedischen Medienkonzern Bonnier tätig. Der gebürtige Däne hat Erfahrung mit der Gratispresse skandinavischer Provenienz und ehrgeizige Pläne. Die neue Zeitschrift mit dem Titel «Neue Ideen» soll in einer Auflage von 722’000 Exemplaren durch die Post in alle privaten Häuser der Schweiz verteilt werden und mittelfristig 1,2 Millionen Leser erreichen. «Wir machen keine Immobilienzeitschrift, wie das fälschlicherweise in verschiedenen Medien berichtet wurde», sagt Herzig. Neue Ideen richtet sich an alle Hausbesitzer und -bewohner. Die Interessenlage dieser Zielgruppe ist breit. Die Inhalte sollen denn auch von Inneneinrichtung und Design bis zu Kochen sowie People und Lifestyle reichen. Homestorys mit Prominenten, die sich in der eigenen Wohnlandschaft exhibitionieren, verstehen sich da von selbst.
Herzigs Überlegungen sind denkbar einfach. In der Schweiz gibt es etwa 950’000 Hausbesitzer und Hausbewohner, etwa 22 Prozent davon sperren sich mit Stopp-Klebern gegen unerwünschte Werbesendungen. Der Rest ergibt die Auflage. Etwa die Hälfte der rund 90’000 jährlich eingereichten Baugesuche in der Schweiz betrifft Private, die ihr Geld lieber in eine neue Küche oder in einen Wintergarten investieren. Pro Jahr sind das laut Herzig gegen 13 Milliarden Franken, die seine Zielgruppe investiert. Dieser Markt ist für Inserenten hochinteressant, aber kaum erschlossen. Wenn zum Beispiel Electrolux inseriert, dann will man nicht bloss Kühlschränke anpreisen, sondern auch Emotionen verkaufen. Inserate dieser Art kommen zwar in den 17 in Frage kommenden Special-Interest-Titeln optisch am besten zur Geltung.
Keiner jedoch kommt über eine Auflage von 30’000 hinaus, und ihr Erscheinungsrhythmus ist völlig verschieden. Um die fehlende Reichweite zu kompensieren, weichen Inserenten in die weniger geeignete Tages- und Sonntagspresse aus. Dort sieht Herzig seine Nische und ist überzeugt, die erwartete Reichweite ohne Mühe zu erreichen. Damit wäre das Blatt nach Migros Magazin und Coop Zeitung Nummer drei im Markt. Zudem boomt die Baubranche, laut Advertising Index hat die Werbung im entsprechenden Segment zwischen 2003 und 2005 um bis zu 28 Prozent zugelegt. Herzigs Idee ist nicht neu. Bereits vor 15 Jahren hatte man bei Ringier die Idee nach skandinavischen Vorbildern diskutiert. Aber die Zeit war für die Gratispresse in der Schweiz noch nicht reif.
Wenn die Inserenten bei Neue Ideen richtig einsteigen, dann möchte Rehné Herzig sein Blatt, das er als neue Gattung auf dem Markt verstanden wissen will, 24-mal pro Jahr erscheinen lassen. Bis jetzt sind zehn Nummern jährlich geplant. Der Däne versteht dabei seine Zeitschrift nicht als Konkurrenz zur Hauspostille des Schweizerischen Hauseigentümerverbandes. Dieses sei eher ein politisches Organ und komme etwas lustlos daher. «Viele Werbekunden brauchen eben nicht nur Reichweite, sondern auch eine gute Druckqualität.» Eine Ausgabe soll mindestens 64 Seiten umfassen – nach oben offen. Auf so viel Hochglanz dürften wohl einige Inserenten anspringen.   
 
René Worni

Tamedia setzt Druck auf

Spedition Tamedia will die Schaffhauser Nachrichten mit Konkurrenz im Bereich Zustellung in den Verbund Nordostschweiz zwingen.

Spedition Weil die Schaffhauser Nachrichten (SN) ihre Zustellorganisation nicht an die Zuvo, die Vertragungsfirma von Tamedia und NZZ, abtreten wollte, expandierte die Zuvo per Anfang 2007 nach Schaffhausen. Seither verträgt die Zuvo die rund 5000 Tagi- und NZZ-Exemplare in Schaffhausen, nicht mehr die SN. «Ein ökologischer Unsinn», sagt SN-Verleger Norbert Neininger bloss. Ansonsten zeigt er sich als treuer Verfechter der freien Marktwirtschaft.Doch die Zuvo-Konkurrenz in Schaffhausen gehört zu einer Reihe von Massnahmen, mit denen Tamedia die SN in den Verbund Nordostschweiz zwingen will.  Gegründet wurde dieser letzte Woche von der Tamedia-Tochter Thurgauer Zeitung (TZ) und dem Landboten. Auch die SN war eingeladen, Neininger lehnte aber ab. Wohl darum senkten TZ und Landbote einseitig den Tarif des Kombi1, dem auch die SN angehört. Die Folge: Umsatzverlust für die SN. Die Zuvo-Expansion soll die SN nun noch weiter schwächen und gefügig machen.
Markus Knöpfli

Agentur01 fusioniert und expandiert

Bern: Die zwei Agenturen Agentur01 und Icoon Integrated haben sich per 1. Januar unter dem Namen Agentur01 zusammengeschlossen und übernehmen per 1. Februar die Werbeagentur Camponovo und Partner.

Die zwei Berner Agenturen Agentur01 und Icoon Integrated haben sich per 1. Januar unter dem Namen Agentur01 zusammengeschlossen. Künftig wollen sie integrierte Kommunikationslösungen unter einem Dach realisieren. Mit dem Zusammenschluss will die neue Agentur 01 auf ein verändertes Kommunikationsbedürfnis reagieren und neben der klassischen Werbung die Bereiche New Media und Public Relations verstärken.  
Ausserdem übernimmt die Agentur01 per 1. Februar die Berner Werbeagentur Camponovo und Partner. Nach zehn Jahren gibt Inhaberin Daniela Camponovo ihre Full-Service-Werbeagentur auf und übergibt die Geschäfte, um sich selbst noch einmal neu zu orientieren, wie es in einer Mitteilung heisst. Mit der Wahl von Agentur01 sei sichergestellt, dass sämtliche Kundenaufträge analog dem bisherigen Credo der Agentur realisiert werden, so Camponovo.
 
Camponovo steht der Agentur01 im Jahr 2007 bei Bedarf zur Verfügung. Bei der nun auf acht Leute angewachsenen Agentur01 zeichnen Urs Bänninger (Konzept/Text), Daniel Tobler (Beratung) und Andreas Rupp (Art) verantwortlich.

Radio Rumantsch sendet bald rund um die Uhr

Radio Rumantsch will ab Herbst 2007 täglich 24 statt wie bisher 19 Stunden senden. Dazu ist das Programm kontinuierlich ausgebaut worden. Ausserdem wurde der Online-Auftritt neu gestaltet und im Laufe des Jahres soll ein neues Angebot für Kinder und Jugendliche kreiert werden.

Radio Rumantsch RR will ab Herbst 2007 täglich 24 statt wie bisher 19 Stunden senden. Dazu ist das Programm kontinuierlich ausgebaut worden. Ausserdem wurde der Online-Auftritt neu gestaltet und im Laufe des Jahres soll ein neues Angebot für Kinder und Jugendliche kreiert werden.  
Das Programm des romanischen Radios ist seit Anfang November 2006 vielfältiger geworden. Neu ist ab 5 Uhr Volksmusik und zwischen 22 und 24 Uhr Musik aus Graubünden zu hören. Die letzten Nachrichten werden neu um 23 Uhr ausgestrahlt, eine Stunde später als bisher. Des Weiteren sind am Samstag eine Diskussionssendung und ein Forum dazugekommen, in dem Persönlichkeiten der Rumantschia eine Carte blanche erhalten.
 
Die Mehrleistungen wurden dank zusätzlicher Mittel der SRG möglich, wie Bernard Cathomas, Direktor von Radio e Televisiun Rumantscha RTR erklärt. Auf der Redaktion seien vier neue Stellen geschaffen worden. Der Ausbau der Sendezeit von 19 auf 24 Stunden soll daher ohne weitere zusätzliche Arbeitskräfte bewerkstelligt werden, so Cathomas.
 
Online-Auftritt ausgebaut  
Neu gestaltet wurde auch der Internet-Auftritt. Unter der Adresse
sei alles zu finden, «was in romanischer Sprache produziert wird», sagte Maurus Dosch, Leiter des Multimedia-Projekts gegenüber der SDA. Zugriff besteht auf alle Sendungen von RTR, aber auch auf die Meldungen der Agentura da Novitads Rumantscha, der einzigen Nachrichtenagentur in rätoromanischer Sprache. 
 
Neue Wege beschreitet Radio Rumantsch auch mit dem Angebot für Kinder und Jugendliche. Im Laufe des Jahres wird eine Internet-Plattform entwickelt, die es Kindern erlauben soll, Musikprogramme und Inhalte interaktiv mitzugestalten.
 
 
Hörerzahlen sind angestiegen  
Je grösser die Kenntnisse der Sprache, desto höher liegt der Anteil der Hörerschaft. 69 Prozent der Personen, die Rätoromanisch auch schreiben können, hören den Sender. Die Zahl der jungen Hörerinnen und Hörer stieg von 45 auf 55 Prozent und dies obwohl das Musikprogramm «weicher und volkstümlicher» geworden ist, wie die SDA berichtet.
 
 
RR erzielte in zweiten Halbjahr 2006 einen Markanteil von 16 Prozent, dies sind 3 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Laut der AG für Medienforschung betrug die Reichweite 24 Prozent. RTR verfügt über 24 Millionen Franken pro Jahr, was 1,5 Prozent des Budgets der SRG ausmacht. Inklusive Lehrlingen und Praktikanten beschäftigt RTR 144 Personen, die sich 118 Vollzeitstellen teilen.

Action TV geht mit «Werber des Jahres» definitiv auf Sendung

Mit Action TV geht der Internet-Event-Kanal für die Schweizer Werbe- und Mediaszene ins Netz. Das Streaming-Fenster ist eine Dienstleistung der Event- und Promotionsagentur Action Agency mit Sitz in Zürich.

Mit Action TV geht der Internet-Event-Kanal für die Schweizer Werbe- und Mediaszene ins Netz. Das Streaming-Fenster ist eine Dienstleistung der Event- und Promotionsagentur Action Agency mit Sitz in Zürich. Nach einem erfolgreichen Test an der letztjährigen EDI-Verleihung geht Action TV mit einer Berichterstattung über die Party zum «Weber des Jahres» nun definitiv auf Sendung. Gegenüber dem Test wurde bereits auch ein Redesign der Site durchgeführt. Ab Donnerstag wird ein längerer Beitrag über den Werber-des-Jahres-Event online geschaltet. Ebenfalls gecovert werden demnächst die ADC-Würfel-Verleihung samt Party und weiteren Events. Gestreamt und gesehen werden kann Action TV unter

Mobius Award für Exxtra

Exxtra gewann mit dem TV-Spot Molfina «Dressing Room» den Mobius-Award. Der Mobius Advertising Award wird seit 1971 verliehen und bestätigte auch 2006 mit über 5000 Einsendungen aus mehr als 30 Ländern seinen Ruf als einer der wichtigen Kreativ-Wettbewerbe.

Exxtra gewann mit dem TV-Spot Molfina «Dressing Room» den Mobius-Award. Der Mobius Advertising Award wird seit 1971 verliehen und bestätigte auch 2006 mit über 5000 Einsendungen aus mehr als 30 Ländern seinen Ruf als einer der wichtigen Kreativ-Wettbewerbe. Es ist eine Auszeichnung, welche von Vertretern der Werbeindustrie ins Leben gerufen wurde und für «The world standard for excellence in advertising» steht. Bis heute setzt sich die Jury für diesen Kreativwettbewerb aus weltweit führenden Köpfen der Kommunikations-Branche zusammen, sowohl von Agentur- wie auch von Auftraggeber-Seite. Die Preisverleihung des 36. Mobius Awards findet am 16. Februar in Los Angeles statt.

Neuer Anzeigenpool für Uni-Publikationen

Mit dem Swiss-Science-Pool erhält die Schweiz eine neue Anzeigenkombination. Diese besteht aus fünf Publikationen der Universitäten Basel, Bern, Fribourg und Genf sowie der ETH Zürich.

Mit dem Swiss-Science-Pool erhält die Schweiz eine neue Anzeigenkombination. Diese besteht aus fünf Publikationen der Universitäten Basel, Bern, Fribourg und Genf sowie der ETH Zürich. Ab sofort sollen Werber und Auftragsgeber «die top-ausgebildeten Besserverdienenden» ohne Streuverluste ansprechen können, heisst es in einer Mitteilung. Der Swiss-Science-Pool sei eine Anzeigenkombination für die ganze Schweiz, da man mit einer Auflage von 84’500 Exemplaren in fünf Städten plus Agglomerationen vertreten sei. 95 Prozent werden per Postversand den Lesern nach Hause geschickt.
get_footer();