Basel ist neue Hauptstadt: Das kann nur ein Plakat

Plakatforschung Publicis hat für APG bewiesen, dass Aussenwerbung Unmögliches möglich macht: Die Schweiz wählte eine neue Hauptstadt.

Plakatforschung Publicis hat für APG bewiesen, dass Aussenwerbung Unmögliches möglich macht: Die Schweiz wählte eine neue Hauptstadt.Mit der unbekannten und plötzlich schweizweit berühmten Angie Becker hat das Spielchen angefangen. Dann sollte darüber abgestimmt werden, ob Hase Bugsy in die Bratpfanne muss oder nicht. Bei beiden Phantomkampagnen hat Publicis für ihren langjährigen Kunden Affichage die Wirkung von Plakaten testen wollen. Naheliegend, dass bei der geheimnisvollen Aktion Anfang Januar ebenfalls vermutet worden ist, dass Publicis wieder einen neuen Streich für die APG ausgeheckt hat. Geschickt wurden allerdings ein paar Finten gelegt, wie die Werbewoche in ihrer letzten Ausgabe aufzeigen konnte. Wir lagen nicht falsch, haben allerdings medial brav mitgespielt bei der politisch nicht ganz korrekten Abstimmung «Die Schweiz wählt eine neue Hauptstadt». 1848 wurde Bern von der Bundesversammlung zur Bundeshauptstadt der Schweiz gewählt. Dass dieses politische Traktandum auch 159 Jahre nach der Gründung des Bundesstaates noch die Gemüter erregt, zeigen die Folgen dieser Werbekampagne.
Viel diskutiertes ThemaDie Wahl der neuen Bundeshauptstadt wurde schnell zu einem viel diskutierten Thema, das sich in Zeitungskommentaren, Leserbriefen und Weblogs niederschlug. Stadtpräsidenten gaben Interviews, und Mütter füllten die Seiten des «swissmomforum» im Internet. Trittbrettfahrer tauchten auf, wie etwa die Stadt Luzern, welche die Wählerschaft mittels einer zum Verwechseln ähnlichen Internetadresse auf ihre offizielle Website lockte. Schliesslich schaltete sich auch noch Bundesbern ein: Zum einen monierte die Bundeskanzlei die Verwendung des Schweizerwappens, und zum anderen rief sie alle Bundesangestellten zu einem Wahlboykott auf…
Wissenschaftliche BegleitungDamit konnte Publicis für die APG beweisen: Mit Aussenwerbung kann etwas erreicht und konkret Mobile Marketing betrieben werden. Das Plakatunternehmen will die Wahl nun in einer Studie für ihre Kunden aufbereiten. Die Botschaft: Plakat, E-Board, SMS und Internet bilden in der richtigen Kombination ein komplettes Marketingtool. Auch das Psychologische Institut der Universität Zürich arbeitet an einer begleitenden Studie zum Projekt.
Bei der Wahl lagen Basel und Zürich über längere Zeit Kopf an Kopf an der Spitze. Gewonnen hat schliesslich Basel mit 42,4 Prozent vor Zürich mit 41,9, dahinter Bern 12,7 und Genf 2,9 Prozent. Mitgemacht haben 13600 Stimmberechtigte.
Andreas Panzeri

«Stop Aids» von Euro RSCG wird Kampagne des Jahres

Ranking Die Leserschaft von Werbewoche und TV-Star hat die Kampagnen des Jahres gewählt.

Ranking Die Leserschaft von Werbewoche und TV-Star hat die Kampagnen des Jahres gewählt.SiegerMit nackten Tatsachen kämpfte und focht sich Euro RSCG zum Sieg. Die «Kampagne des Jahres» thematisiert mit stilvollen Hinguckern, wie wichtig Selbstschutz im Leben sein kann. Das Bundesamt für Gesundheit als Auftraggeber investiert rund neun Millionen Franken pro Jahr in die Aids-Prävention, wovon etwa ein Drittel in die Kampagne fliesst. Verglichen mit den Kosten einer lebenslangen Therapie nach einer Ansteckung – durchschnittlich 200’000 Franken – eine wirkungsvolle Investition. Das Team um Frank Bodin und CD Petra Bottignole setzen mit ihrer Aufklärungsarbeit nicht mehr nur präventiv auf «Stop Aids», sondern haben auch den Slogan «Love Life» ins Leben gerufen. Die strategische Neuausrichtung soll an Stelle einer «Verhinderungsbotschaft» den Nutzen einer persönlichen Prävention kommunizieren. Die vorgängige «Love Life»-Kampagne von Euro RSCG ist bereits im letzten Jahr mit dem dritten Platz beim Crossmedia Award ausgezeichnet worden.
Zweiter RangEin heitereres Thema hat im letzten Jahr den von einer Profi-Jury vergebenen Crossmedia-Platz Nummer 2 gewonnen und ist jetzt auch vom Publikum in diesem Rang für die «Kampagne des Jahres» bestätigt worden. «Beck & Bondi» aus dem Hause Contexta hat sich zum allgegenwärtigen Werbeträger für Swisscom Fixnet entwickelt und macht seinem Zielpublikum ganz offensichtlich Spass.
Dritter PlatzWitziges gefiel auch auf dem dritten Platz. Zur Bewerbung des breiten Produktsortiments lancierte Publicis für die Migros eine stattliche, crossmediale Umfragekampagne mit vielen originellen Sujets rund um das Thema «Mis Lieblingsprodukt isch…».
Andreas Panzeri

Die Querdenkerin

Regula Fecker hat sich als eine Ein-Frau-Agentur selbstständig gemacht und will weiterhin Strategien auch für die Grossen entwickeln.

Regula Fecker hat sich als eine Ein-Frau-Agentur selbstständig gemacht und will weiterhin Strategien auch für die Grossen entwickeln.Im Sitzungszimmer hängt eine alte Schiefertafel aus einem Schulhaus statt ein Flachbildschirm. Ein mit Büchern voll gestopfter Speiselift zeigt, dass der Raum im ersten Stock früher einmal als «Säli» für eine Beiz an der Zürcher Langstrasse diente. In der neu gegründeten Agentur von Regula Fecker spürt man beim ersten Eindruck nichts davon, dass die eben selbstständig gewordene Strategin eine Trendsetterin im Bereich Crossmedia ist. Der Einrichtung ist auch wenig anzumerken, dass Fecker schon im Werber-Mekka New York sowie im trendigen Berlin gearbeitet hat. Ein Sofa wie aus dem Brockenhaus und ein Tisch, der mehr nach WG-Küche als nach Strategie-Unterlagen für grosse Fische ruft. Aber: «Die Kunden kommen sehr gerne hierher», meint die junge Vertreterin einer neuen Werbergeneration und bemerkt, dass der Büroeingang gleich neben dem Sexshop eigentlich mitten im Milieu unserer Gesellschaft positioniert sei.Regula Fecker ist gleich nach dem Gymnasium in die Werbung eingestiegen. Zuerst in die Beratung bei einer ganz kleinen Agentur in Zürich. Dann hat sie mit 20 zur damaligen Honegger von Matt gewechselt. Hier wollte Fecker insgesamt sieben Jahre bleiben und hat so «den ganzen wichtigen Teil der Geschichte dieser Agentur miterlebt». Nach drei Jahren konnte sie ins Planning wechseln, das gerade neu aufgebaut wurde. «Ich liebe es, mir den Kopf zu zerbrechen, ein Kommunikationsproblem neu anzugehen und Gedanken zu denken, die noch niemand vor mir hatte», meint sie zu dieser Herausforderung.
Sie geht auch gerne Sachen auf den Grund. Deshalb wollte sie sich weiterbilden und flog für drei Monate an die von Crispin Porter Bogusky geprägte Miami Ad School nach Amerika. «Der Intensivkurs hat mein Denken erweitert», schwärmt sie. Jedes Weekend wird ein bekannter Planner eingeflogen. Für die Stars der Branche steht in Miami ein Ferienhaus zur Verfügung. Teilweise findet der Unterricht am Strand statt. «Man erlebt die Gurus so persönlich wie sonst nie.» Trotzdem wird hart gearbeitet. Wöchentliche Projekte mit verschiedenen Schwerpunkten aus dem Bereich Markenführung, Marktforschung, Zielgruppenforschung, Mediastrategie. Innerhalb der drei Monate mussten die Studierenden mit Kreativen zusammen auch ein eigenes Projekt entwickeln. Feckers Gruppe hat einen Pitch für FedEx erarbeitet.
Die Abschlusspräsentation hat die Schweizerin gewonnen. Sie war mit dem Konzept auch Jahrgangsbeste. Ihre Idee basierte darauf, dass 80 Prozent aller Kunden den Weg ihres Pakets über das Internet verfolgen. Woran liegt das? «An der Faszination, die der Kunde verspürt, wenn er durch einen Mausklick den Start eines Flugzeugs auslösen kann.» So formulierte Fecker die Strategie: «FedEx ermöglicht es auch kleinen Fischen, Gott zu spielen.» Das fänden KMU natürlich relevant, weil sie sonst immer die Underdogs sind.
Die Idee hat ihr einen Job in New York eingebracht. Ein Dozent hat sie – kaum zurück in der Schweiz – angerufen: «Do You wanna job in New York?» So flog sie wieder über den Teich und arbeitete eineinhalb Jahre für TBWA\Chiat\Day im Team von David Hackworthy als Planner. «Von ihm habe ich neben Dominique von Matt am meisten gelernt.»
2004 ist ihr Mentor Hackworthy nach London gezogen und hat dort  The Red Brick Road gegründet. Auch für Fecker war damit die Zeit für eine Rückkehr nach Europa gekommen. Sie folgte einem Angebot von TBWA Berlin. Dort durfte sie die Führung des Planning übernehmen. «In dieser Zeit konnten wir den Etat für Siemens weltweit gewinnen», ist sie stolz. Trotzdem wollte sie nicht länger als acht Monate in Berlin bleiben, der Beziehung in Zürich wegen. Mit New York sei das gegangen. Man war einfach weit weg. Berlin lockte jedes Wochenende mit einem Blitzbesuch. Aber dafür fehlte die Zeit. So ist Regula Fecker schliesslich wieder mit offenen Armen nicht nur vom Freund, dem Werbefotografen Jonathan Heyer, sondern auch von ihrem alten Arbeitgeber Jung von Matt Limmat aufgenommen worden. Nach zwei Jahren als Planner machte sie sich mit «Regula Fecker, Strategische Planung» selbstständig.
Wie kann man jemanden zu etwas motivieren? Regula Fecker wollte immer «etwas machen, das eine Verbindung zwischen Denken und Handeln herstellt. Das etwas auslöst.» Mit den Erfahrungen, die sie in ihrem bisherigen Wirken sammeln konnte, war es jetzt für Fecker «der richtige Zeitpunkt zum Selbstständigwerden». Sie findet es von Vorteil, dass sie als unabhängige Strategin auch eine Media-Neutralität garantieren kann. Auf eine Idee setzen und nicht schon zu Beginn fragen: Gibt es einen TV-Spot oder Plakate? Es gibt immer mehr neue Medien oder wenigstens anders fragmentierte.
Ihre Kunden sind Werbe- und Mediaagenturen, gleichzeitig aber auch Werbeauftraggeber. Einige wollen erforschen lassen: Wie kann ich meiner Agentur bessere Grundlagen liefern? Hier sieht sich Fecker als Schnittstelle zwischen Kunden und Agentur. Sie will auch international arbeiten und hat aus London von ihrem Ex-Chef bereits einen Auftrag bekommen.
Fecker kann auf ein gutes Beziehungsnetz zählen. Sie ist in der Ausbildungskommission des BSW. Viele Kontakte haben sich auch als Kursleiterin beim Sawi ergeben. Dort hat sie den Intensivkurs Crossmedia Kompressor aufgebaut.
Zu ihrem Spezialgebiet meint sie, dass immer mehr Kunden mittlerweile in den Content eingreifen. Man will zum Beispiel Sendeformate mitgestalten. So lässt sich eine Abwanderung vom klassischen Werbeteil in den Content beobachten. Das sei teilweise geschickt gemacht wie bei 20 Minuten. Bei anderen Projekten wirkt es «teilweise noch unbeholfen». YouTube oder MySpace werden zwar mit Argusaugen von der ganzen Werbeszene beobachtet und kopiert – aber trotzdem noch nicht richtig begriffen. «Man merkt, wenn Werber auf einen Zug aufspringen wollen.» Das Gleiche gilt beim Podcast. «Da sehe ich viele Chancen. Aber es werden nur die naheliegendsten Sachen umgesetzt.»
Auch privat ist Regula Fecker in verschiedenen Bereichen für die Kommunikation engagiert. Sie hat für Freunde den Aufbau des Snowboard-Labels Eleven begleitet und die Marke in sieben Jahren zur Nummer 2 in der Schweiz und Nummer 8 in Europa gemacht. Im Bereich NPO arbeitet sie für «Tischlein deck dich», wo abgelaufene Lebensmittel an Bedürftige verteilt werden. Ein Anliegen ist ihr auch die Werbung  für den ETH-Spin-off MyClimate, wo Leute wie sie bei jedem Flugticket einen fixen Prozentsatz als Kompensation für die CO2-Emissionen einbezahlen. Und zur Erholung macht Fecker «Yoga – wie jeder Mensch auf dieser Welt». 
 
Andreas Panzeri

Neue SF-Wissensshow heisst Einstein

Die neue Wissenschaftsshow, die bald das Sendeformat «MTW» beim Schweizer Fernsehen ablöst, trägt den Namen «Einstein». Wer die Sendung - die im Frühling starten soll - moderiert, ist noch unklar.

Weit hinten, hinter den Wortbergen, fern der Länder Vokalien und Konsonantien leben die Blindtexte. Abgeschieden wohnen sie in Buchstabhausen an der Küste des Semantik, eines grossen Sprachozeans. Ein kleines Bächlein namens Duden fliesst durch ihren Ort und versorgt sie mit den nötigen Regelialien. Es ist ein paradiesmatisches Land, in dem einem gebratene Satzteile in den Mund fliegen. Nicht einmal von der allmächtigen Interpunktion werden die Blindtexte beherrscht – ein geradezu unorthographisches Leben.

Kudelski akquiriert OpenTV

Das Waadtländer Technologie-Unternehmen Kudelski hat die im Oktober angekündigte Akquisition von OpenTV abgeschlossen. Kudelski verfügt nun über eine Kontrollmehrheit am kalifornischen Provider für Zulassungstechnologien für Digital-Fernsehen.

Das Waadtländer Technologie-Unternehmen Kudelski hat die im Oktober angekündigte Akquisition von OpenTV abgeschlossen. Kudelski verfügt nun über eine Kontrollmehrheit am kalifornischen Provider für Zulassungstechnologien für Digital-Fernsehen, wie die Nachrichtenagentur SDA am Mittwoch berichtet. Kudelski hatte der Besitzerin Liberty Media 132,12 Mio. Dollar für die Beteiligung von 26,7 Prozent am Kapital und 74,7 Prozent der Stimmrechte an OpenTV bezahlt. Gemäss früheren Angaben wirkt sich die Akquisition ab 2008 positiv auf den Kudelski-Gewinn aus.

Kampagne des Jahres: «Stop Aids» von Euro RSCG räumt ab

Auch die Kampagne des Jahres ist am Mittwoch im Zürcher Kaufleuten ausgezeichnet worden. Gewählt haben die Leserinnen und Leser der Werbewoche sowie des TV-Stars die Stop-AIDS-Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit.

Auch die Kampagne des Jahres ist am Mittwoch im Zürcher Kaufleuten ausgezeichnet worden. Gewählt haben die Leserinnen und Leser der Werbewoche sowie des Magazins TV-Star mit knapp 30 Prozent die «Stop Aids»-Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit. Konzipiert wurde die Werbung von der in Zürich ansässigen Agentur Euro RSCG. Den zweiten Platz belegte die «Beck-&-Bondi»-Kampagne der Berner Werbeagentur Contexta (13 Prozent), an dritter Stelle ist die Migros-Kampagne «Lieblingsprodukte» von Publicis mit 12 Prozent Stimmenanteil zu finden. Lesen Sie mehr in der aktuellen Werbewoche Nr. 2 oder unter
«Stop Aids» von Euro RSCG wird Kampagne des Jahres
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Filmbulletin baut aus

Neu erscheinen ab 2007 jährlich neun Ausgaben der Schweizer Filmzeitschrift Filmbulletin. Die zuvor viermal jährlich erschienenen Zwischenausgaben werden damit durch vollwertige Hefte ersetzt.

Neu erscheinen ab 2007 jährlich neun Ausgaben der Schweizer Filmzeitschrift Filmbulletin. Die zuvor viermal jährlich erschienenen Zwischenausgaben werden damit durch vollwertige Hefte ersetzt, heisst es in einer Medienmitteilung vom Dienstag. Geboten werden sollen neu mehr illustrierte Themenschwerpunkte, mehr Filmkritik und mehr Filmkultur. Die Januar-Ausgabe von Filmbulletin ist, passend zu den Solothurner Filmtagen, dem aktuellen Schweizer Film gewidmet. Das Filmbulletin erscheint im 49. Jahrgang mit einem jährlichen Umfang von rund 450 Seiten. Es ist nach eigenen Angaben auf seiner Internet-Homepage für die kritische, historische und theoretisch fundierte Beschäftigung mit dem Film.

Hassliebe

René Worni über den Aufstand gegen die Publicitas.

René Worni über den Aufstand gegen die Publicitas.Publicitas ist allüberall. Kaum ein Kaff, wo die PubliGroupe-Tochter nicht eine Inserateannahmestelle betreibt. Publicitas beliefert alle Printmedien mit Inseraten, auch solche, mit denen sie nicht unter Vertrag steht. Ihre unangefochtene Stellung in der Schweizer Printlandschaft zeitigte auch schon wettbewerbsrechtliche Vorbehalte. «Wenn wir die Aufmerksamkeit der Weko nicht auf uns ziehen, dann machen wir unseren Job nicht richtig», pflegt PubliGroupe-Generaldirektor Hans-Peter Rohner gelegentlich zu sagen. Die Perspektive sorgt nicht wirklich für Behagen.
Jetzt gärt es im Printbusiness, dem Kerngeschäft des Konzerns. Immer mehr Verlage wenden sich vom Giganten ab, die sich über Jahre nicht mit offener Kritik exponieren wollten. Denn alle sind auf die Publicitas-Dienstleistungen angewiesen. Seit Tamedia vor zwei Jahren im Zuge der Annäherung von PubliGroupe und NZZ begann, Mediaagenturen zu belohnen, welche die Publicitas übergingen, ist eine Lawine am Rollen.  Die Liste mit Verlagen, die ähnliche Entschädigungen und Rabatte gewähren, wird lang und länger. Das scheint mehr zu sein als blosser Kampf um Marktanteile. Auch vertraglich gebundene so genannte Regietitel gehen über die Bücher. Sie nehmen das Inserategeschäft bei der ersten sich bietenden Gelegenheit selber in die Hand.
Die Gründe sind meist vielschichtig. Neu dabei ist, dass man der Kritik an der Publicitas Taten folgen lässt. So betreut zum Beispiel die Basler Zeitung ihre Key Accounts über eine eigene Firma und besorgt das Inserategeschäft in Liestal im Kampf gegen die Basellandschaftliche Zeitung selber. Man hält die Publicitas nicht für fähig, zwei Konkurrenten im Markt gleichermassen fair zu bedienen.
Offene Kritik hagelt es auch im neuen Presseverbund Nordostschweiz, der sich gänzlich abnabeln und den Inserateverkauf selber an die Hand nehmen will. Man stellte wiederholt fest, dass es der Publicitas egal ist, ob sie eine einzige oder eine Allianz von sechs Zeitungen verkauft und sich massgeschneiderten Lösungen verschloss. Da und dort macht sich angestaute Hassliebe gegen einen Konzern Luft, der sich zwar ausdrücklich dem Erhalt der Pressevielfalt verschrieben hat, doch diese vielleicht nicht immer ganz ernst nimmt.
René Worni, Redaktor

Zu guter Letzt: Fernsehen aus Liebe zum Fleisch

Fleisch? Wir lieben oder wir hassen es. Dazwischen gibt es nichts. Ausser vielleicht, dass es uns egal ist. Oder dass wir es nur ein bisschen hassen. Oder nur ein bisschen lieben. Aber damit hört die Palette menschlicher Gefühle für Fleischwaren auch schon auf.

«Fleisch? Wir lieben oder wir hassen es. Dazwischen gibt es nichts. Ausser vielleicht, dass es uns egal ist. Oder dass wir es nur ein bisschen hassen. Oder nur ein bisschen lieben. Aber damit hört die Palette menschlicher Gefühle für Fleischwaren auch schon auf. Mal abgesehen von den Menschen, die Fleisch jetzt nicht gerade lieben, aber doch ganz ok finden. Oder die es zwar nicht mögen, aber auch nicht unbedingt von hassen reden würden.» So tönt der Willkommenstext eines Internet-TV-Formats mit etwas – gewöhnungsbedürftigem – Inhalt: Fleischerei.tv. Das Projekt hat aber nichts – wie Sie jetzt vielleicht denken mögen – mit Schmuddeleien zu tun. Nein; auf diesem Baustein des World Wide Webs, auf diesem Weblog, sind Oden an Fleisch und Wurst zu finden. Die Fleischerei-Macher sehen die Wurst als guten Freund. Und haben ihre Liebe und Gedanken in eine Reihe fettige Clips gepackt.

Peter Felser ist Werber des Jahres 2007

Der 31. Werber des Jahres ist gewählt und am Mittwoch im Zürcher Kaufleuten gekürt worden. Die Leserinnen und Leser der Werbewoche entschieden sich diesmal für Peter Felser (45), Mitinhaber der Werbeagentur Spillmann/Felser/Leo Burnett.

Der 31. Werber des Jahres ist gewählt und am Mittwoch im Zürcher Kaufleuten gekürt worden. Die Leserinnen und Leser der Werbewoche entschieden sich diesmal für Peter Felser (45), Mitinhaber der Werbeagentur Spillmann/Felser/Leo Burnett, der den Egon von Moderatorin Melanie Winiger entgegen nehmen durfte. Nach Martin Spillmann (Werber des Jahres 2004) darf sich nun zum zweiten Mal ein kreativer Kopf aus der jungen Zürcher Werbeagentur Werber des Jahres nennen. «Diese Wahl freut mich sehr. Es zeigt, dass die kreative Leistung und die unternehmerische Entwicklung der Agentur Spillmann/Felser/Leo Burnett von Werbeauftraggebern und Werbekollegen/-innen anerkannt wird. Der Aufstieg unter die Top 3 der Kreativagenturen und das gleichzeitige fulminante Wachstum der Agentur ist allerdings nur mit einem starken Team möglich», sagt Peter Felser im Interview mit der Werbewoche und bedankt sich gleichzeitig bei seinen Partnern und Mitarbeitern. Aus ihren Federn stammen unter anderem die Unterwäschewerbung für die Migros oder die Mount-Everest-Kampagne (Mary Woodbridge) für Mammut. Als gute Werbung bezeichnet Felser Werbung, die berührt, die begeistert und die man nochmals sehen will. Werber des Jahres 2006: 1. Platz für Peter Felser
2. Platz für Pius Walker
3. Platz für Alexanger Jaggy

Lesen Sie mehr in der aktuellen Werbewoche Nr. 2 oder unter Peter Felser – Werber des Jahres 2007
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Der entstellte Service public

Kolumne Ihre zum Wasserkopf aufgeblähte Führungsstruktur macht die deutschen Öffentlich-Rechtlichen nahezu bewegungsunfähig. Hier zu Lande hat man mehr Bodenhaftung, findet Stephan Russ-Mohl.

Kolumne Ihre zum Wasserkopf aufgeblähte Führungsstruktur macht die deutschen Öffentlich-Rechtlichen nahezu bewegungsunfähig. Hier zu Lande hat man mehr Bodenhaftung.Für sich genommen und aus der Schweiz betrachtet, mag es eine Lappalie sein, in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks allenfalls eine Fussnote: Deutschlands prominentester TV-Moderator, Günther Jauch, wird nun doch nicht den wichtigsten deutschen Polit-Talk moderieren, die Nachfolgesendung zu «Christiansen» am Sonntagabend. Sieht man die Blamage im Fall Jauch jedoch im Kontext all der anderen Skandale, Affären und Fehlentscheidungen, durch welche die ARD in jüngster Zeit von sich reden machte, ergibt sich ein anderes Bild. Es stellt sich die Frage, ob jene Form des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die sich unser grosser Nachbar im Norden leistet, zum Auslaufmodell wird.Aufzulisten sind mehrere Schleichwerbungs- und Korruptionsskandale. Der gravierendste um die Soap «Marienhof» währte zehn Jahre lang, bevor ein investigativer Reporter die Machenschaften entdeckt hat. Mit einem fragwürdigen Sponsoringvertrag hat sich zudem die ARD die Exklusivberichterstattung über den gedopten Radsportler Jan Ullrich gesichert und dazu Gebührengelder zweckentfremdet. Peinlich auch das Hickhack um die Stasi-Verstrickungen des Sportreporters Hagen Bossdorf und die Ein- und Wiederausladung des russischen Ex-Schachweltmeisters und Regimekritikers Kasparow in die Christiansen-Sendung – um nur einige weitere Fälle zu nennen. Dass es gelungen ist, internetfähige PCs mit Rundfunkgebühren zu belegen, zeugt darüber hinaus von dreister Selbstbedienungsmentalität.
Die ARD präsentiert sich ohne funktionierende Aufsichtsgremien, sie ist überdimensioniert und damit exorbitant teuer. Ihre vielstimmige und zum Wasserkopf aufgeblähte Führungsstruktur macht sie nahezu bewegungsunfähig, es gibt zu viele autistisch-selbstverliebte Hierarchen, die weder in ihre Sender noch ins Publikum hineinzuhorchen vermögen. Das Problem sind dabei übrigens noch nicht einmal die Parteizugehörigkeiten der meist im Reissverschlusssystem (einer links, der Nächste rechts) gekürten öffentlich-rechtlichen Amtsinhaber. Wie schon vor Jahren von Kurt Biedenkopf scharfsinnig analysiert, neigen diese vielmehr dazu, sich über Parteigrenzen hinweg zu kartellisieren, also sich wechselseitig zu stützen und sich so gegen jedwede Kontrolle zu immunisieren.
Obendrein wird der Service public bis zur Unkenntlichkeit entstellt und damit eigentlich überflüssig: Die
öffentlich-rechtlichen konkurrieren zu den Hauptsendezeiten viel zu sehr mit den privaten Anbietern, statt auf Programmangebote zu setzen, die sinnvoll ergänzten, was der Markt ohnehin an Soaps, Krimis, Infotainment, an teuren Sportübertragungen und Unterhaltungsshows sowie an billigen Talkformaten hervorbringt.
Auf die Schweiz sind diese Beobachtungen allerdings nicht eins zu eins übertragbar: Die Gebühr pro Kopf ist zwar noch höher als in Deutschland. Aber die Einkünfte der SRG idée suisse nehmen sich gleichwohl im Vergleich zu ARD und ZDF bescheiden aus – es gibt eben nur acht statt achtzig Millionen Einwohner, die potenziell als Gebührenzahler anzapfbar sind. Trotzdem muss das Geld reichen, um in drei verschiedenen Sprachen passable TV-Programme anzubieten. Die Fernsehgewaltigen sind – wie der breit angelegte Diskurs um das neue Leitbild gezeigt hat – gesprächsbereiter und offener, sie haben zugleich mehr Bodenhaftung. Bedrängt von der ausländischen Konkurrenz, wird in den Programmen allenfalls die «Swissness» bis ins gelegentlich Kleinkarierte überakzentuiert.
Dennoch sollten wir registrieren, wie bei unseren Nachbarn die öffentlich-rechtlichen Anbieter ins Straucheln geraten. Das gilt auch für die italienische RAI und den österreichischen ORF. Gewiss, der neue ARD-Vorsitzende Raff und sein Stuttgarter Intendanten-Kollege Peter Voss haben Recht: Ohne Jauch gehts auch. Jauch punktet indes ebenfalls, wenn er im Spiegel-Gespräch die «Irrlichter», «Profilneurotiker» und «Wichtigtuer» in den Führungsetagen der ARD anprangert. Es ginge eben auch ohne den Ballast der gigantesken Rundfunkbürokratien. Small is beautiful: Womöglich liefe mit schlankeren Sendern sogar vieles runder – also mit halb so vielen Rundfunkintendanten, TV-Direktoren und sonstigen öffentlich-rechtlichen Würdenträgern, die sich allzu oft nur gegenseitig blockieren.
Stephan Russ-Mohl leitet das Europäische Journalismus-Observatorium der Universität Lugano.

Köbi Kuhn unter Strom

Stromwirtschaft Publicis inszeniert den Nationaltrainer als Sympathieträger für Axpo.

Stromwirtschaft Publicis inszeniert den Nationaltrainer als Sympathieträger für Axpo.Köbi Kuhn sorgt auch abseits vom Fussballfeld für Spannung. Der Trainer unserer Nationalelf und frisch erkorene «Schweizer des Jahres» spielt die Hauptrolle in fünf Werbespots für Axpo. Zusammen mit dem bekannten Schweizer Regisseur Michael Steiner («Grounding», «Mein Name ist Eugen») hat die Agentur Publicis witzig-kauzige Kurzgeschichten erfunden, in denen sich alles um Strom und Köbi National dreht. Der Auftrag kommt von den Verantwortlichen des Energieunternehmens Axpo, die das Thema Strom auf eine neue, erfrischende und sympathische Art kommunizieren wollen.Axpo ist schon länger als namensgebender Sponsor in der Fussball-Superleague engagiert. Dort ist die Verbindung zu Köbi Kuhn entstanden. Der Nationaltrainer war deshalb ein fest gesetzter Spieler im Briefing der Axpo. Die Agentur Publicis um CD Philipp Skrabal musste – beziehungsweise durfte – in der Folge ihre Kampagne rund um den populären Sympathieträger konzipieren. Entstanden sind fünf Geschichten, die in der breiten Bevölkerung grundsätzlich einmal eine neugierige Stimmung für alle Fragen rund um Energie und insbesondere eine positive und von Vertrauen geprägte Haltung gegenüber Axpo evozieren sollen. Motto: Alle brauchen Strom, aber nur wenige überlegen sich, woher dieser kommt.
Am Stammtisch geht es hoch zu und her, wenn Köbi Kuhn auf liebenswürdige Zeitgenossen trifft. Da wird heftig diskutiert, leidenschaftlich gejasst, und beim Fussballspielen in der Beiz geht auch ein Aquarium in die Brüche. In jedem Film ist etwas anderes los in Köbi Kuhns Quartierbeiz. Aber am Ende geht es immer um Energie und wie wir in Zukunft damit umgehen wollen. Die Storys sind von Michael Sauter, Nina-Britt Rauer und Simon Staub erfunden worden, produziert hat sie Condor Films.
Seit Weihnachten werden die Spots in den Kinos gezeigt. Zeitgleich ist die von Futurecom interactive realisierte Website energiedialog.ch live aufgeschaltet worden, auf der die Themen der Spots aufgenommen und mit der breiten Öffentlichkeit weiter diskutiert werden. Ab Ende Februar 2007 werden die Energie-Geschichten vom Stammtisch auch im TV zu sehen sein. Man darf also schmunzeln und sich fragen: Wie energiegeladen ist Axpo in der Zukunft? Bekannt ist schliesslich, dass für eine Sicherung unserer Bedürfnisse in den nächsten Jahren Milliarden von Franken in neue Energien investiert werden müssen.
Andreas Panzeri
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