Rabatte Die Mediaagenturen begrüssen die neue Handlingsentschädigung von NZZ und Publimedia. Die Verlage mit P-Regie freut es auch, diese allerdings mit Vorbehalt.Urs Schneider, Inhaber der Mediaagentur MediaSchneider, begrüsst die Handlingsentschädigung (HE), die NZZ und Publimedia fürs Buchen bei NZZ-Titeln beschlossen haben (siehe Kasten). «Wie die Direktbuchungsentschädigung hilft sie, unsere Unkosten zu decken», sagt er. Dennoch ist er «etwas irritiert». «Warum wird die HE nur bei NZZ-Titeln gewährt und nicht bei allen Verlagen mit Publicitas-Regie?», fragt der Mediastratege.Damit spricht Schneider vielen Mediaagenturen aus dem Herzen. Denn eine bloss NZZ-bezogene HE kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Von einem «ersten Schritt in die richtige Richtung» spricht deshalb Chris Flückiger, Geschäftsführer von Mediatonic. «Es zeigt, dass die P langsam versteht, worum es wirklich geht.» Kritisch merkt er aber an, dass die HE «im Prinzip nichts anderes als ein Preisrabatt» sei, den Mediatonic an die Kunden weitergeben werde – wie andere Rabatte auch. Anders bei der Direktbuchungsentschädigung (DBE): Diese darf Mediatonic jeweils behalten.
Ganz anders bei Konnex: Die Agentur lässt sich von den Kunden nach Aufwand honorieren, nicht nach Volumenprozenten, weshalb sie alle Rabatte, die DBE und jetzt auch die neue HE ihren Kunden weitergibt. «Für uns spielt die HE deshalb keine Rolle. Aber für Agenturen, die nach Prozent bezahlt werden, ist sie sicher eine zusätzliche Einkommensquelle», anerkennt Konnex-Mitinhaber Ronny Schmid.
Noch völlig offen ist, wie der Verband Schweizerischer Werbeauftraggeber reagiert. Direktor Jürg Siegrist will «das Thema Entschädigungen nun global unter die Lupe nehmen».
Ein besonderes Interesse an der neuen HE bekunden natürlich Verlage mit Publicitas-Regie. Auch sie gehen davon aus, dass sich die HE nicht nur auf die NZZ beschränken kann. Alle wollen gleich lange Spiesse gegenüber den Eigenregieverlagen mit DBE. «Die HE forciert natürlich unsere Überlegungen, doch wissen wir noch zu wenig darüber», sagt etwa Beat Meyer, CEO der Basler Zeitung Medien, die als erster P-Regieverlag an einer Entschädigungsform herumstudierte. Auch Erwin Bachmann, CEO der zur NZZ-Gruppe gehörenden LZ Medien, findet die HE «einen interessanten Ansatz», über den er nun aber erst mit der P sprechen werde. Ähnlich klingt es bei AZ Medien, bei der Bieler Gassman AG und seitens Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument, Chef der Südostschweiz. «Doch was in Zürich Brauch ist, folgt meist mit etwas Verzögerung auch bei uns», sagt Lebrument.
Marcel Siegenthaler, Leiter Werbemarkt von Edipresse Schweiz, ist vorsichtiger. Zwar erwartet er für die Edipresse-Zeitungen, die allesamt in P-Pacht sind, ebenfalls eine Lösung «insbesondere für Matin bleu, denn dieser steht in direkter Konkurrenz zu Tamedias 20 minutes, wo eine DBE gewährt wird». Dennoch will er zuerst wissen, wie die HE im Detail finanziert wird: Bezahlt die P, bezahlt der Verlag – oder beide? Eine Frage, die NZZ und P bisher unbeantwortet liessen (siehe WW 3/07). «Wir sind jedenfalls nicht gewillt, diese Kosten zu übernehmen», sagt Siegenthaler. Eine HE sei Sache der P, weil ihr die Agenturen ja mit professionellen Vorleistungen Arbeit abnähmen. «Darum soll die P die HE doch von der Inseratekommission nehmen, die wir ihr bezahlen.»
Die Handlingsentschädigung in KürzeLetzte Woche beschlossen Publimedia und die NZZ-Gruppe,
den Grosskunden und Mediaagenturen ab Anfang Jahr eine «Handlingsentschädigung» von einem Prozent zu gewähren, sofern sie jährlich mindestens für 0,5 Millionen Franken Inserate bei NZZ, NZZ am Sonntag und dem neuen Magazin Z buchen. Sie reagieren damit auf die Direktbuchungsentschädigung, die die meisten Eigenregieverlage jenen Agenturen offerieren, die unter Umgehung der P direkt beim Verlag buchen. Markus Knöpfli