Thomas Bolliger ist CD bei Grendene, Ogilvy & Mather geworden und will hier die richtige Mischung von Kontinuität und Generationswechsel anstreben.Luigi Grendene und Thomas Bolliger kennen sich bestens. Schon in den frühen Achtzigerjahren hat Bolliger bei Grendene & Lanz mit seinem heutigen Chairman für rund zwei Jahre zusammengearbeitet. Luigi Grendene, der sich 1996 entschlossen hatte, seine über viele Jahre erfolgreiche Agentur ins Ogilvy-Netz einzubinden, will als Chairman und CD mit 62 Jahren kürzer treten. Er verlässt die Agentur wunschgemäss Ende April. Als neuer Creative Director von Grendene, Ogilvy & Mather wirkt bereits seit dem 3. Januar Thomas Bolliger.Der neue Kreativchef an der Zürcher Bergstrasse arbeitet mit Begeisterung in der Werbung, weil er sich in dieser Branche mit immer wieder neuen Themen auseinander setzen kann: «Man lernt Kommunikationsprobleme aus den unterschiedlichsten Bereichen kennen und findet Wege, die richtigen Botschaften an ihr Publikum zu bringen.»
An Ogilvy sei besonders reizvoll, gleichzeitig Hirz Joghurt, Allianz Versicherungen und Fahrzeuge von Jaguar, Land Rover oder Ford verkaufen zu dürfen und parallel dazu Brands wie SAP, Mattel, IBM und Dove zu betreuen. «Das ist eine tolle Herausforderung und sehr aussergewöhnlich für eine Agentur mit 30 Leuten», freut sich Bolliger.
Erstmals geschnuppert in dieser Welt der Kommunikation und Ideen hat er mit einer Grafikerlehre bei zwei kleinen Agenturen in Zürich. «Mich faszinierte damals die Aussage, wonach man in der Werbung den Eskimos Kühlschränke verkaufen kann», erinnert er sich eines Bonmots, welches damals in der Phase seiner Berufswahl kursierte. Schon bald entdeckte er dann, dass Werbung mehr als nur das von ihm gelernte Design ist. So wollte der junge Grafiker unbedingt zur GGK. «Das war die damals führende Agentur, bei der man einfach sein musste.»
Von den «coolen Arbeiten» aus der Zeit an der Seestrasse erinnert sich Bolliger besonders an einen «riesigen Leporello», den sie damals für IWC machten. Die Uhr war für eine Tauchfähigkeit bis 5000 Meter konzipiert. Das zeigten die Werber mit einem faltbaren Prospekt, der quer durch das ganze Büro reichte und sich bildlich durch alle Schichten des Meeres bewegte. Bestätigt in seiner Berufswahl fand sich der junge Grafiker auch mit der Kampagne für die Swissair, wo Menschen rund um den Globus mit ihren Tickets fotografiert wurden. «Von der Schweiz aus in der ganzen Welt Werbung für Produkte aus der Schweiz zu machen, das war für mich damals logisch und ganz selbstverständlich», meint Bolliger.
Während seiner vier Jahre in dieser Umgebung hat sich der Grafiker auch in den Bereichen Film und Foto umgesehen und viel gelernt. Schliesslich sagte er sich: «Was andere können, das kann ich auch.» Bolliger sah seine Chance bei Grendene & Lanz, einer kleineren Agentur, bei der jeder Einzelne viel mehr seiner Talente ins Team einbringen konnte, weil es dort wesentlich flachere Hierarchien gab. Bolliger war bei G&L auch erstmals ganz direkt für Kunden wie zum Beispiel Xerox verantwortlich.
Schon bald merkte Bolliger, dass es «noch viel zu lernen gab», und wechselte wieder zu einer Grossagentur. Bei Wirz arbeitete er «mit vielen Cracks» der Branche zusammen und war bei allen Phasen der Konzeption mit dabei. So lernte er «die ganze Facette der Werbung kennen».
Bolliger fühlte sich schliesslich herausgefordert, seine Kompetenzen auch in leitender Funktion einbringen zu können. Er wechselte als AD zu BBWH. In dieser wieder kleineren Agentur wirkte er fünf Jahre. Man betreute die Kommunikation rund um die Fusion BBC mit Asea zu ABB. Spannende Aufgaben in diesen politisch gefärbten Achtzigerjahren waren auch eine Image-Kampagne der Alusuisse für das Alurecycling. Bolliger visualisierte mit einer Fliege auf einer Milchpackung, dass es Sinn machte, eine ganz dünne Schicht Alu in eine Verpackung zu integrieren, damit die Milch keimfrei bleibt. Und noch heute freut er sich beim Einkaufen am blauen Enzian auf der Butterpackung, die er damals für Floralp konzipiert hatte.
In dieser Zeit war es auch ein Thema, dass Bolliger als Partner bei BBWH einsteigen sollte. Er fühlte sich aber noch zu jung und reiste lieber mit seiner Frau – damals AD bei Advico – ein halbes Jahr quer durch Amerika.
Zurück in der Schweiz stieg er kurz bei Jean Etienne Aebis eben fusionierter Agentur mit dem langen Namen ein. Bolliger merkte aber, dass hier nicht nur viele Buchstaben im Logo, sondern auch «zu viele Agenturen in einer» steckten. Es wohlte ihm wieder bei Wirz, wo er ein zweites Mal anheuerte und jetzt die letzten 16 Jahre wirkte. In dieser Zeit hat Wirz auch den Markteintritt von Sunrise betreut. Bolliger durfte dieses Budget als CD-Art leiten. Daneben wirkte er weiterhin als AD auch für andere Kunden. Als Sunrise verloren ging, betrachtete Bolliger dies als den idealen Zeitpunkt, sich wieder einmal Gedanken über seine Zukunft zu machen.
Eine eigene Agentur war für Bolliger keine Option, obwohl man sich mit Kollegen über solche Ideen Gedanken gemacht hat. Bolliger hat auch in eigener Regie immer wieder Kulturplakate gestaltet wie zum Beispiel für den Tanznovember oder anlässlich eines gewonnenen Wettbewerbs für die Schweizerischen Frauenturntage. Aber nur noch selbstständig tätig zu sein, als grafisches Atelier, wäre für Bolliger nicht das Wahre gewesen. Seine Faszination ist «ganz eindeutig die Grossagentur».
Sein Ziel bei Ogilvy ist jetzt, das internationale Netzwerk zu nutzen und in Kombination mit seinem Know-how diese Beziehungen für bestehende und neue Kunden einbringen zu können. Sein Traum: «Vermehrt für Schweizer Konzerne von hier aus international erfolgreiche Werbung machen zu können.»
Andreas Panzeri