Neue Lösung, doch altes Problem bleibt
Privatfernsehen Die Westschweizer Privat -TVs haben ein Problem: Trotz erweitertem Kombi und neuer Vermarkterin fehlt es ihnen an Performance und an brauchbaren Zahlen.
Privatfernsehen Die Westschweizer Privat -TVs haben ein Problem: Trotz erweitertem Kombi und neuer Vermarkterin fehlt es ihnen an Performance und an brauchbaren Zahlen.Die Lokal-TV-Szene der Westschweiz ist noch heterogener und eigenwilliger als jene der Deutschschweiz. Während letztere sich schon im letzten Jahrtausend zu einer sprachregionalen Werbekombination, dem TeleNewsCombi (TNC) zusammenschloss, war dies in der Romandie erst vor eineinhalb Jahren möglich – und geschah dennoch nur halbbatzig: Zwar kam das RomandieNewsCombi (RNC) zustande, doch nur dank dem geduldigen Ziehen und Stossen der Vermarkterin Radiotele. Zudem machten bloss fünf Sender mit: TVRL in Lausanne, ICI-TV in Vevey, Canal 9 in Sierre (VS), Canal Nord-Vaudois in Yverdon und Canal Alpha in Cortaillod (NE). Nicht dabei waren der Genfer Sender Léman Bleu und Tele Bielingue (Biel).Mittlerweile besteht aber auch das RNC nicht mehr, es wurde per Ende 2006 gekündigt. Der Grund: Léman Bleu und Télé Bielingue konnten sich doch noch zum Mitmachen entscheiden, weshalb das RNC vom neuen Télé Romandie Combi (TRC) abgelöst wird. Damit wird erstmals die ganze Romandie aus einer Hand mit Lokal-TVs abdeckbar. Vor kurzem haben die sieben Sender zudem bereits SRG-Vermarkterin Publisuisse zu ihrer Vermarkterin erkoren. Dies löste allerdings bei PubliGroupe-Tochter Radiotele, die ebenfalls offeriert hatte, Erstaunen aus. «Ich hatte damit gerechnet, dass wir von den Westschweizer Sendern noch einmal zu einem Gespräch eingeladen würden. So war es jedenfalls angekündigt», sagt Radiotele-Geschäftsführer Bruno Oetterli. Ähnliches ist seitens IP Multimedia zu hören.
Doch Oetterli kann sich mit dem Entscheid abfinden. «Publisuisse wird nun zeigen müssen, wie erfolgreich sie in diesem Markt agieren kann. Bis anhin hat sie ja primär TV-Sender der SRG vermarktet», sagt er. Doch stimmt das? Immerhin ist Publisuisse seit 2002 Co-Vermarkterin des Deutschschweizer TeleNewsCombi (TNC), zusammen mit Radiotele, sie dürfte also durchaus gewisse Erfahrungen im Lokal-TV-Markt haben. Dazu Oetterli: «Der TNC-Umsatz kommt hauptsächlich über uns oder dann von den Agenturen, die online über den Publiplan buchen.» Einige TNC-Sender bestätigen dies. Publisuisse-Marketingleiter Markus Hollenstein hingegen will keine Stellung nehmen.
Vergleichsdaten fehlenOetterli weist auf einen weiteren Punkt hin: Trotz Vermarkterin Publisuisse «bleibt das Hauptproblem der Westschweizer Lokal-TVs bestehen. Die meisten verfügen über keine Telecontrol-Daten. Somit sind sie weiterhin nicht mit TSR oder den ausländischen Sendern vergleichbar.» Tatsächlich vermochte Telecontrol (TC) schon für das bisherige RNC bloss globale Zahlen auszuweisen: Die fünf Sender kamen 2006 auf eine durchschnittliche Nettoreichweite von 112500 Zuschauern, zusammen mit Léman Bleu und Tele Bielingue dürften es etwa 170000 Personen sein. Doch senderspezifische Angaben oder gar WerbeblockRatings sind wegen der geringen Nutzung allenfalls bei Léman Bleu und TVRL möglich – bei den übrigen sind die Fallzahlen zu gering. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Sender nur über kleinräumige TV-Gebiete verfügen.
Der ungenügende Leistungsausweis scheint allerdings nicht überall ein Problem zu sein. «Weil die Lokal-TVs in der Romandie ja nicht die Lead-Sender sind, spielt das Fehlen der TC-Daten keine grosse Rolle», sagt etwa Gregor Doser, Head of Electronic Media bei der Media-Agentur Mediaedge:cia Switzerland. Meist platziere man ja keine grossen Summen in diesem Medium, sondern versuche primär, Kampagnen zu optimieren, meint er.
Doch damit ist auch klar: Falls die Westschweizer Sender versuchen wollen, etwas aus dem Schatten der TSR zu treten, brauchen sie eine höhere Nutzung und dann auch TC-Daten. Das wissen auch die Senderbetreiber. Was sie tun, um ihr Programm zu verbessern, ist allerdings unklar. Das Manko fehlender Daten versuchen sie hingegen etwas abzuschwächen, indem sie sich neu bei der Grundlagenforschung der SRG-Tochter Publica Data anhängen. Deren wöchentliche Interviews sollen mit Fragen zum Zuschauerverhalten in der Westschweiz ergänzt werden, so dass quartalsweise etwa 1500 Interviews zur Westschweizer Lokal-TV-Nutzung ausgewertet werden können. PDAG-Geschäftsführer Rolf Müller bestätigt entsprechende Gespräche, betont aber, dass noch nichts definitiv sei. Zudem werde die PDAG dies nur ausnahmsweise und während höchstens zwei Jahren machen. Ferner stellt er klar, dass die aus den Interviews gewonnenen Erkenntnisse ebenfalls keine Aussagen auf Sender- oder Werbeblockebene zulassen würden.
Markus Knöpfli
Doch Oetterli kann sich mit dem Entscheid abfinden. «Publisuisse wird nun zeigen müssen, wie erfolgreich sie in diesem Markt agieren kann. Bis anhin hat sie ja primär TV-Sender der SRG vermarktet», sagt er. Doch stimmt das? Immerhin ist Publisuisse seit 2002 Co-Vermarkterin des Deutschschweizer TeleNewsCombi (TNC), zusammen mit Radiotele, sie dürfte also durchaus gewisse Erfahrungen im Lokal-TV-Markt haben. Dazu Oetterli: «Der TNC-Umsatz kommt hauptsächlich über uns oder dann von den Agenturen, die online über den Publiplan buchen.» Einige TNC-Sender bestätigen dies. Publisuisse-Marketingleiter Markus Hollenstein hingegen will keine Stellung nehmen.
Vergleichsdaten fehlenOetterli weist auf einen weiteren Punkt hin: Trotz Vermarkterin Publisuisse «bleibt das Hauptproblem der Westschweizer Lokal-TVs bestehen. Die meisten verfügen über keine Telecontrol-Daten. Somit sind sie weiterhin nicht mit TSR oder den ausländischen Sendern vergleichbar.» Tatsächlich vermochte Telecontrol (TC) schon für das bisherige RNC bloss globale Zahlen auszuweisen: Die fünf Sender kamen 2006 auf eine durchschnittliche Nettoreichweite von 112500 Zuschauern, zusammen mit Léman Bleu und Tele Bielingue dürften es etwa 170000 Personen sein. Doch senderspezifische Angaben oder gar WerbeblockRatings sind wegen der geringen Nutzung allenfalls bei Léman Bleu und TVRL möglich – bei den übrigen sind die Fallzahlen zu gering. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Sender nur über kleinräumige TV-Gebiete verfügen.
Der ungenügende Leistungsausweis scheint allerdings nicht überall ein Problem zu sein. «Weil die Lokal-TVs in der Romandie ja nicht die Lead-Sender sind, spielt das Fehlen der TC-Daten keine grosse Rolle», sagt etwa Gregor Doser, Head of Electronic Media bei der Media-Agentur Mediaedge:cia Switzerland. Meist platziere man ja keine grossen Summen in diesem Medium, sondern versuche primär, Kampagnen zu optimieren, meint er.
Doch damit ist auch klar: Falls die Westschweizer Sender versuchen wollen, etwas aus dem Schatten der TSR zu treten, brauchen sie eine höhere Nutzung und dann auch TC-Daten. Das wissen auch die Senderbetreiber. Was sie tun, um ihr Programm zu verbessern, ist allerdings unklar. Das Manko fehlender Daten versuchen sie hingegen etwas abzuschwächen, indem sie sich neu bei der Grundlagenforschung der SRG-Tochter Publica Data anhängen. Deren wöchentliche Interviews sollen mit Fragen zum Zuschauerverhalten in der Westschweiz ergänzt werden, so dass quartalsweise etwa 1500 Interviews zur Westschweizer Lokal-TV-Nutzung ausgewertet werden können. PDAG-Geschäftsführer Rolf Müller bestätigt entsprechende Gespräche, betont aber, dass noch nichts definitiv sei. Zudem werde die PDAG dies nur ausnahmsweise und während höchstens zwei Jahren machen. Ferner stellt er klar, dass die aus den Interviews gewonnenen Erkenntnisse ebenfalls keine Aussagen auf Sender- oder Werbeblockebene zulassen würden.
Markus Knöpfli
