Privatfernsehen Die neue Konkurrenz durch Züri Plus im Versorgungsgebiet Zürich, Glarus, Schaffhausen sorgt an der Werdstrasse kaum für rote Köpfe.Vor kurzem weilte eine Delegation von TeleZüri zusammen mit Vertretern der Unternehmensleitung von Tamedia beim Schaffhauser Regierungsrat, um die Expansion von TeleZüri mit einem Programmfenster in den kleinen Kanton ennet des Rheins zu diskutieren. Das Tochterunternehmen von Tamedia interessiert sich für die Kantone Schaffhausen und Glarus, die gemäss den Vorschlägen des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) zusammen mit dem Kanton Zürich ein neues Versorgungsgebiet für ein künftiges Regionalfernsehen mit Leistungsauftrag bilden sollen.Doch jüngst hat sich neue Konkurrenz formiert (siehe WW 04/07): Die Schaffhauser Medien (Meier + Cie.), die Südostschweiz, Ringier, TV-Vermarkterin Goldbach und der Glattaler Lokalsender Züri Plus wollen ebenfalls im betreffenden Gebiet tagesaktuelles Zürcher Regionalfernsehen machen.
An der Werdstrasse herrscht wenig Aufregung über die neue Konkurrenz. «Diese überrascht nicht, es werden wohl noch weitere Konkurrenten in Zürich, aber auch in anderen Kantonen auftauchen», sagt Andreas Meili, UL-Mitglied und Leiter elektronische Medien bei Tamedia. Meilis Gelassenheit wird schnell verständlich, denn der Bund muss die neuen TV-Versorgungsgebiete erst noch definitiv festlegen, den Leistungsauftrag definieren und bestimmen, welche zu konzessionierenden Sender wieviele Gelder aus dem Gebührentopf erhalten sollen. Voraussichtlich im Juni werden die neuen Konzessionen dem neuen RTVG entsprechend ausgeschrieben. Wer den Leistungsauftrag am besten erfüllt, der wird konzessioniert. «TeleZüri kann das, andere müssen das erst beweisen», sagt Meili. «Wir wollen auf jeden Fall für Zürich attraktives Fernsehen machen», sagt Meili, «und sind deshalb an der Konzession für Zürich interessiert.» Voraussetzung dabei ist, dass das Gebiet genügend gross und der Leistungsauftrag vernünftig definiert wird. Meili will jedenfalls TeleZüri weiter entwickeln, mit oder ohne Konzession oder Gebühren. «Wenn der Bundesrat Gebühren vorsieht für die Produktion von speziellen Programmfenstern für Schaffhausen und Glarus, dann begrüssen wir diesen Vorschlag», erklärt er.
So gesehen müsste auch der Kanton Thurgau für den Tamedia-Sender von Interesse sein, da der Konzern mit der Thurgauer Zeitung bereits vor Ort ist. Meili macht keinen Hehl daraus, dass man sich auch für die Ausstrahlung von TeleZüri in anderen Kantonen mit starken Wechselbeziehungen zu Zürich einsetzt. Da kommt nicht nur der Thurgau in Frage, auch Zug oder Teile des Aargau (Baden, Freiamt) wären von Interesse. «Ein vernünftig grosses Sendegebiet ist wichtig, auch mit zusätzlichen Programmfenstern, zum Beispiel im Kanton Thurgau.»
Die Vorteile liegen auf der Hand. Mit Konzession und Leistungsauftrag ist man der regionalen Konkurrenz weit voraus, und der Platz im Kabelnetz ist gesichert. Für den Fall, dass die Konzession an einen Mitbewerber geht, hält man an der Werdstrasse Alternativen bereit, über die man vorerst nichts verraten will.
Begehrte SendeplätzeBisher ist TeleZüri
dank einer privatrechtlichen Vereinbarung mit der Cablecom im Kabelnetz aufgeschaltet. Andreas Meili, Leiter elektronische Medien bei Tamedia, geht davon aus, dass Sender ohne Konzession künftig eine Verbreitungsgebühr werden entrichten müssen. Der Glattaler Sender Züri Plus, seit Herbst 2002 unter Ex-Olympia-Fünfkämpfer Peter Steinmann aus dem vormaligen Hasli TV hervorgegangen, hat dagegen eine Konzession. Im Hinblick auf die Digitalisierung hat Cablecom den Sender aber bereits 2003 zu Gunsten von U1 vom Kabel genommen. Bei der Vergabe der analogen Sendeplätze richtet sich die Cablecom offiziell nach den Reichweitenwerten, die durch Telecontrol erhoben werden.
Über die Vertragspraxis mit den nichtkonzessionierten Sendern schweigt sich der Kabelnetzbetreiber aus. Man unterhalte mit den internationalen Sendern CNN, MTV und HSE24 Verträge, teilt ein Cablecom-Sprecher mit.
Bekanntlich hat die Praxis von Cablecom, reichweitenschwache Sender vom Kabel zu nehmen und nur noch digital anzubieten, nicht nur das Publikum massiv verärgert, sondern auch die Politik beschäftigt: Nach persönlichem Protest des stellvertretenden italienischen Aussenministers Franco Danieli in Bern gegen die Entfernung von Rai Uno und Canale 5 schreibt der Bund künftig Cablecom vor, welche Sender zwingend im analogen Angebot zu führen sind.
Obwohl analoges Fernsehen als Auslaufmodell gilt, wird es noch Jahre dauern, bis es ganz der digitalen Technologie weichen wird. Bis 2009 wird Cablecom voraussichtlich 25 vom Bund vorgeschriebene Sender analog anbieten. Die analogen Sendeplätze sind demnach weiterhin von Bedeutung, wie das Beispiel von ORF2 illustriert. Der Sender hatte 2,4 Prozent Reichweite verloren, nachdem er auf einen hinteren Sendeplatz zu Gunsten von 3+ verschoben wurde.
René Worni