Die Zürcher Agentur Reinhold hat den Kunden Graubünden Ferien verloren – und verabschiedet sich mit einem ganzseitigen Inserat. Gaudenz Thoma, der neue CEO der Tourismusorganisation, hatte den Entscheid zur Trennung nach lediglich fünf Tagen im Amt gefällt. Dem Büro Reinhold wurde dies per Brief mitgeteilt, was dessen Chef Reinhold Weber in einem Communiqué folgendermassen kommentiert: «Wie wenn es in Chur noch kein Telefon gäbe». Weber lässt in seiner Mitteilung die guten Zeiten mit Graubünden Ferien Revue passieren und erinnert an die erste Anzeige für den Kunden, die 1988 geschaltet wurde. Man habe dazumal zusammen mit dem damaligen Graubünden-Chef Marco Hartmann eine völlig neue Ära in der Tourismuswerbung eingeläutet: «Handfeste Inhalte, recherchierte Geschichten, frei von jeglichem Tourismus-Klischee, doppelseitig und sehr redaktionell präsentiert und immer mit einer ordentlichen Prise Humor», wie es in der Mitteilung heisst. Dieser neue Approach habe in Titeln wie Spiegel, Weltwoche, Tages-Anzeiger oder NZZ für grosses Aufsehen und enorme Resonanz gesorgt. Davon hätten jeweils Dutzende von Zuschriften gezeugt, die sich auf diese echten Bündner Anzeigengeschichten bezogen.
In seinem Communiqué
gibt Weber auch gleich eine Replik auf die Frage, was die Agentur nun ohne den Bündner Kunden machen werde: «Ich habe einige Graubünden-Chefs erlebt, mit etlichen hervorragenden Leuten hunderte von Anzeigen, Filmen, Radio-Spots, Events, PR-Aktionen, VKF-Übungen, Direct Mails, Give aways und wasweissich ausgeheckt, drei Jahre lang auch für Schweiz Tourismus gearbeitet und dabei unzählige Medaillen abholen dürfen – unsere Agentur wird hoffentlich nicht allzu lange ohne Tourismuskunde bleiben», wird Weber zitiert, «und da wir eben einen grossen Süssgetränke-Etat gewonnen haben, tut uns auch der Honorarverlust nicht allzu weh.» Auf den Entscheid des neuen CEOs Gaudenz Thoma gibt die Agentur Reinhold am Montag auf ihre eigene Art Antwort: mit einer ganzseitigen Anzeige im ersten Bund der Graubünden-Ausgabe der Südostschweiz. Sie zeigt den Brief von Thoma in voller Länge. Darunter bedankt und verabschiedet sich Reinhold Weber mit den folgenden Worten:
«Dankeschön, dass ich Sie nach 20 Jahren Tätigkeit für Graubünden bereits an Ihrem fünften Arbeitstag per Post kennen lernen durfte. Diese Pille schmeckt zwar bitter, dennoch wünschen wir Ihnen viel Erfolg mit diesem neuen Werbestil. Allen Bündnerinnen und Bündnern wünschen wir alles Gute. Danke, es hat echt Spass gemacht mit Euch!»