Adrian Ebenberger hat mit Ebenberger & Partner die erste Schweizer Denkfabrik für Identity Management gegründet.
Er will nicht über Wirtschaftsbosse herziehen. Adrian Ebenberger ist aber der Meinung: «Jedes Management sollte sich von Zeit zu Zeit den Freiraum nehmen und sich wieder einmal überlegen: Was mache ich überhaupt?» Einfach am Rad drehen und das möglichst immer schneller, «das führt langfristig zu einem grossen Problem», glaubt der erfahrene Marken- und Kommunikationsspezialist. Und er ist überzeugt: Diejenigen, die sich von Zeit zu Zeit hinterfragen, was sie tun und wohin sie wollen, werden jene sein, die «in Zukunft die Nase vorne haben, Innovationen auf den Markt bringen und damit den Markt der Zukunft bestimmen».Nach achtzehn Jahren Kommunikation mit eigener PR-Agentur ist auch Ebenberger zum Punkt gekommen, wo er sich fragte: Was mache ich eigentlich? Es wird immer mehr produziert, aber eigentlich produziert man oft am Ziel vorbei. Das war ein Grund, wieso er sich sagte: «Stopp. Machen wir eine Auslegeordnung. Wie kann ich den Sinn und den Kundennutzen für Kunden erhöhen?»
Vor drei Jahren hat er seine PR-Agentur mit fünf Leuten in Stäfa aufgelöst und «auch örtlich neu orientiert» in Männedorf neu angefangen. Mit seiner Frau und dem Design-Fachmann Michael Eckle wurde jetzt im Februar die Ebenberger & Partner gegründet. Das neuartige Büro versteht sich als «Denkfabrik für Identity, Veränderungsmanagement, Kommunikation und Design». Ebenberger und sein Team wollen Unternehmen helfen, «Werte zu entwickeln und mit gezielter Kommunikation ihre Positionierung und Einzigartigkeit dauerhaft zu stärken».
In einem Klima des Wandels, austauschbarer Produkte und wachsender Konkurrenz gewinnen Identität, Individualität und klar erkennbare Werte zunehmend an Bedeutung. Unternehmen benötigen klare Differenzierungsmerkmale und ein eigenständiges Profil, damit sie sich von ihren Mitbewerbern deutlich erkennbar unterscheiden.
Ebenberger kann mit einer Studie belegen, dass etwa ein Drittel der Kundenbindung durch das Image der Anbieter und Lieferanten beim Kunden entsteht. Aber «64 Prozent der Angestellten kennen die Werte ihres Arbeitgebers gar nicht. Und das, obwohl die Mitarbeiter die zentralen Botschafter eines Unternehmens sind.» Das heisst: «Etwa nur jeder dritte Arbeitnehmer kennt und lebt die Werte seines Unternehmens.»
Ebenberger & Partner hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, Unternehmen auf dem Weg zu dieser Einzigartigkeit zu unterstützen. Was grenzt diese neuen Berater selber ab gegen eine Werbeagentur oder ein herkömmliches PR-Büro?
Der zentrale Ansatz ist wohl, dass Ebenberger zuerst gemeinsam mit dem Management «die Werte eines Unternehmens hinterfragt und neu definiert». Genau darauf kommt es an: Wertschöpfung durch Wertschätzung. Die Werte bilden das Fundament für die Strategie, die Leistungen, die Kultur und die Kommunikation des Unternehmens. Dafür hat Ebenberger aus der Praxis heraus ein eigenes «Identity-Management-Konzept» entwickelt.
Wer sind wir? Was machen wir? Was sind unsere Kernkompetenzen? Wie können wir uns weiter entwickeln? Diese Fragen werden oft gar nicht gestellt. Die Folge davon ist eine zunehmende Angleichung der Unternehmungen und Angebote. Diese orientieren sich an Benchmarks, das heisst: Sie werden immer ähnlicher, differenzieren sich nicht mehr, was zur Folge hat, dass der Kunde nur noch über den Preis entscheidet.
Anders – und im Sinne Ebenbergers – läuft es dagegen bei einer Marke wie Swatch. Hier spielt eine solche Einzigartigkeit. Wie aber ist das bei Banken möglich, die schon auf Ebenbergers Kundenliste zu finden sind? «Es hängt vom Management ab», meint der Change-Berater. «Wenn das oberste Management seine Werte definiert und eine starke Kultur vorlebt», wird es funktionieren. Wer googelt, findet auf dem Bankenplatz Zürich 250 Banken – und jede braucht eine Existenzberechtigung. Das heisst: Wie hebt man sich ab? Was macht man anders, dass man sich abhebt und die Kunden überzeugt?
Seit der Gründung von Ebenberger & Partner haben sich auch Werbe- und Designagenturen für eine Zusammenarbeit interessiert. Aber auch hier soll der Prozess ein wenig anders verlaufen.
Ebenbergers Beratung ist bei allen Aufgaben im oberen Management positioniert. «Ein solcher Prozess kann nicht von der Werbeabteilung in die Wege geleitet werden.» Der konventionelle Prozess funktionierte früher so: Man holt sich eine Agentur, macht ein neues Design und formuliert ein neues Leitbild. «Ein Haus rot anstreichen und dann erklären, man sei die Progressiven der Stadt, genügt nicht», bricht Ebenberger die Theorie auf einen pragmatischen Punkt.
Und «runterbrechen» vom Management zur Basis ist auch sein wichtigster Job. «Es funktioniert erst, wenn die Menschen mit ins Boot genommen werden. Man muss mit den Mitarbeitenden eine Community bilden, ihnen klare Ziele geben. Denn sie sind die wichtigsten Akteure des Unternehmens.»
Was wollen wir? In welchem Markt bewegen wir uns? Wie sehen die Märkte der Zukunft aus? Wie können wir uns in diese Richtung bewegen, dass wir möglichst frühzeitig dort sind, damit wir uns nicht anpassen müssen, sondern unsere eigenen Märkte aufbauen können? Welches sind die Anforderungen an uns, dass wir auch in fünf Jahren noch erfolgreich sein können?
Die Antworten dazu werden am besten in einem Workshop erarbeitet. Das Management sucht gemeinsam mit dem Change-Berater nach Ideen: Wie motivieren wir die Leute? Wie schaffen wir den Community-Gedanken? Die Lösungen werden dann in weiteren Workshops auch für die Mitarbeiter kommuniziert.
Ebenberger und sein Design-Fachmann Eckle verfügen dank langjähriger Tätigkeit für nationale und internationale Unternehmen über weitreichende Kompetenzen in Markenmanagement, Kommunikation, Design und Veränderungsmanagement. Ihr neu gegründetes Beratungsunternehmen verfügt über erstklassige Referenzen. Ebenberger war bei einem der grössten Change-Management-Projekte für ein Bundesdepartement im Kernteam beteiligt, wo er mehrere Agenturen und Filmteams koordinierte, strukturierte und leitete. Er hat auch eine grössere Möbelgruppe in einem solchen Prozess betreut oder Unternehmen aus dem Maschinenbau, Banken und Pharma-Unternehmen.
Bevor er seine heutige Berufung gefunden hat, durchlief Ebenberger einen «ganz wirren Werdegang». Nach einer Ausbildung in der Maschinenkonstruktion wechselte er in die Software-Entwicklung. Später wurde er Werbetexter, Journalist, zuerst im Tagesjournalismus bei verschiedenen Zeitungen, aber auch Informatik-Redaktor, stv. PR-Verantwortlicher bei einem Finanzdienstleistungsunternehmen. Zuletzt war er Chefredaktor von Budget, einem früheren Management-Magazin des SKV, bevor er sich vor achtzehn Jahren mit einer eigenen PR-Agentur selbstständig machte. Im Verlauf dieser Karriere hat er nebenbei auch noch Betriebswirtschaft studiert sowie eine Ausbildung in PR-Beratung absolviert.
Andreas Panzeri