Vermarkter PubliGroupe richtet sich neu aus. Die neue Strategie, die am 28. März präsentiert wurde, baut auf Crossmedia-Vermarktung und Allmedia-Beratung. Letzteres dürfte die MediaAgenturen hellhörig machen.Die bisherige PubliGroupe-Struktur mit den fünf Divisionen Publipresse (Print- und Online-Vermarktung in der Schweiz), PubliDirect (Gelbe und Weisse Seiten) und Publicitas Promotion Network (PPN, Aktivitäten im Ausland), Corporate und «Geschäfte im Aufbau» (Radiotele, Web2com, Cinecom, Namics) gehört bald schon der Vergangenheit an. Künftig grenzt die PubliGroupe ihre Geschäftsbereiche nicht mehr nach In- und Ausland ab, sondern nach Tätigkeiten, egal, wo sie ausgeführt werden. In Zukunft werden deshalb in einem Bereich sowohl schweizerische als auch ausländische Aktivitäten zusammengefasst – sofern sie artverwandt sind.So wird neu die Print- und Online-Vermarktung innerhalb der Divisionen Publipresse und PPN im neuen Bereich «Media Sales» zusammengefasst und dort mit der Vermarktung von Kino, Radio, Websites, TV, AdScreen und Mobile gebündelt. Ziel ist es, die einzelnen Medien aus einer Hand und bei Bedarf auch crossmedial und länderübergreifend anbieten zu können. «Wir werden Media Sales so ausrichten, dass wir für Agenturen und Werbeauftraggeber als kompetenter Vermarktungs- und Servicepartner für alle Medien wahrgenommen werden», sagte Hanspeter Rohner, CEO der PubliGroupe, an der Bilanzkonferenz vom 28. März. Der Hauptumsatz des Bereichs Media Sales wird mindestens am Anfang zu rund 80 Prozent aus der Schweiz kommen. Doch dies dürfte sich bald ändern. «Der Geschäftsausbau erfolgt hauptsächlich im Ausland», sagte Rohner.
Nischentätigkeiten, etwa das Vermarkten von Inflight-Medien in Asien (heute Teil von PPN), wird PubliGroupe künftig im Bereich «Custom Publishing» unterbringen. Im Bereich Search & Find subsummiert PubliGroupe die Vermarktung der Weissen und Gelben Seiten, das Portal local.ch und weitere ähnlich gelagerte Aktivitäten vorab in der Schweiz, teilweise auch im Ausland.
Beratungsbedarf wächstBleibt noch der neue Bereich «Marketing & Digital Services»: Fest steht, dass etwa die auf E-Consulting ausgerichtete Firma Namics hier untergebracht wird. Doch die konkrete Ausrichtung dieses Bereichs ist noch am wenigsten klar umrissen (siehe Interview auf Seite 17). Rohner wies darauf hin, dass die Verflechtungen zwischen interaktiven, mobilebasierten, elektronischen und klassischen Medien zunähmen und sich die Anzahl der kommerziell nutzbaren Möglichkeiten vervielfachen würden. «Deshalb wird auch die Beratung von werbetreibenden Kunden zu einer noch wichtigeren Disziplin.» Umso mehr, als Werbeausgaben heute immer häufiger als Media-Investment angesehen würden. Rohner: «Viele Unternehmen wollen heute wissen, wo sie ihre Werbegelder investieren und wann sie dafür einen Return on Investment erzielen können. Mediaforschung, Mediaeffizienzmessung und Media-Analysen sind deshalb Disziplinen, die in den nächsten Jahren markant wichtiger werden. Und da wollen wir mit eine Rolle spielen.»
PubliGroupe scheint in diesem Bereich eine Goldgrube zu wittern. Das Vermarktungsgeschäft im Medienbereich bleibe zwar das Fundament der PubliGroupe, sagte der CEO, doch es werde «sukzessive durch ein ertragsstarkes Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft ergänzt». Anzunehmen ist, dass der Bereich «Marketing & Digital Services» vermehrt bei den Media-Agenturen über den Zaun frisst oder versuchen wird, mit Aktivitäten und Tools in direkte Konkurrenz zu ihnen zu treten.
Interessant ist, dass nun auch PubliGroupe das Modewort Crossmedia benutzt und es sogar zu einem wesentlichen Bestandteil der neuen Strategie macht. Doch Rohner ist sich bewusst, dass der Begriff vielfältig interpretierbar und deshalb missverständlich ist. Er definiert Crossmedia deshalb als «effektive, strategische Bündelung verschiedener Medien für ein klar abgestimmtes Marketingziel». Gleichzeitig grenzte er sich von dem ab, was heute viele Multimediahäuser unter dem Stichwort Crossmedia anbieten, nämlich «Rabattkombinationen, bei denen man gut gehende Produkte mit schlecht gehenden bündelt und hofft, damit den schlecht gehenden etwas Aufwind zu verschaffen. Das ist für mich nicht Crossmedia», hält Rohner fest. Und weist darauf hin, dass Vermarktungskompetenzen allein nicht mehr genügten, denn mit den digitalen Medien werde der Medienmarkt immer komplexer – auch in technischer Hinsicht. Das Know-how im Umgang mit diesen Medien werde deshalb zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. «Wir haben heute eine Grundkompetenz im Haus – und zwar in verschiedenen Sprachen. Das alles zu verknüpfen im Hinblick auf die Crossmedia-Welt, wird eine unserer Herausforderungen, die wir im Rahmen der neuen Strategie angehen wollen», so Rohner.
Pascal Böni soll in den VR einziehen Fritz Schuhmacher,
Ex-Mitinhaber der Internationalen Treuhand AG (Itag) in Basel, trat Ende 2005 aus dem PubliGroupe-Verwaltungsrat aus. Er hatte sein Mandat zur Verfügung gestellt, weil gegen die Itag wegen Vermögensdelikten ermittelt worden war. Der grösste Einzelaktionär der PubliGroupe, die Stiftung Jean-Robert Gerstenhauer mit einem Aktienanteil von 11 Prozent, ist seither nicht mehr im PubliGroupe-VR vertreten. Am 30. April soll sich das nun ändern. Der GV wird die Wahl des neuen Itag-Inhabers Pascal Böni vorgeschlagen.
Markus Knöpfli