Fotografie Nach Aperture von Apple hat nun auch Adobe mit Lightroom eine Lösung für anspruchsvolle Fotoamateure und -profis. Software zu entwickeln ist kein einfaches Unterfangen. Den herkömmlichen und schwierigen Weg hat Apple gewählt und vor gut 18 Monaten die Bildverwaltungssoftware Aperture 1.0 veröffentlicht. Doch so wie damals Adobe mit InDesign 1 hätte auch Apple besser warten und statt einer zweifelhaften 1.0-Version erst später eine ausgereifte Software auf den Markt bringen sollen. Der als Highlight gepriesene RAW-Import genügte anspruchsvollen Fotografen nicht, zudem packte Apple sämtliche Daten als alleiniger Ansatz in eine Datenbank. An der Photokina im letzten Herbst reagierte Apple und lancierte mit Aperture 1.5 das notwendige Update, das nun dem ansonsten sehr hohen Apple-Standard entspricht und das auch andere Formen der Bilddatenverwaltung ermöglicht. Mit Version 1.5 wurde zudem der Preis der Software deutlich reduziert. Zur gleichen Zeit wurde von Adobe eine neue, für jeden herunterladbare Beta-Version des Konkurrenzprodukts Lightroom lanciert. Auffälliger Unterschied: Während Apple versuchte mit einer überarbeiteten Version die Gunst der Kundschaft zurück zu gewinnen, liess Adobe die Anwender im Vorfeld testen. Diesen Ansatz, Programme von Anwendern beurteilen und Feedback einfliessen zu lassen, hat Adobe mit der Übernahme von Macromedia übernommen. Durch die Integration der ehemals Macromedia-Labs genannten Plattform lassen sich Fehlstarts wie bei InDesign oder Aperture bei Adobe wohl zukünftig vermeiden. Lightroom blieb jedenfalls ein Fehlstart erspart.
Zwei überzeugende LösungenSowohl Aperture als auch Adobe Photoshop Lightroom, so dessen vollständiger Name seit der Markteinführung, überzeugen in den aktuellen Versionen als professionelle Bildverwaltungsprogramme. Beide Programme erlauben non-destruktive Bildverarbeitung, womit das Originalbild unverändert bleibt und die Bearbeitungsschritte vom Ursprungsbild getrennt aufgezeichnet werden. Derart kann jederzeit auf frühere Versionen oder auf das Ursprungsmaterial zurückgegriffen werden. Sowohl Aperture als auch Lightroom bieten darüber hinaus praktische Funktionen, um ausgewählte Bilder einfach auf Webseiten zu präsentieren. Dank vorgefertigter und leicht zu verändernden Templates lassen sich mit wenigen Handgriffen ansprechende Web-Fotogalerien generieren und uploaden. Bei Lightroom ist eine FTP-Funktion integriert, Aperture exportiert in Ordnerstrukturen, die manuell hochgeladen werden müssen. Auch das durch Color Management gestützte Ausdrucken von Fotoabzügen erleichtern die beiden Multifunktionsprogramme.
Vorteile auf beiden SeitenVariables Zoomen, nebeneinander liegende Bilder gleichzeitig zoomen, die «smarten» Alben und smarten Web-Galleries, das automatische Stapeln während des Imports, Ein-Klick-Backup, Verzahnung mit Apple-Programmen wie iLife um damit DVDs, Filme aber auch Podcasts oder Präsentationen herzustellen, sind herausragende Merkmale der aktuellen Version Aperture 1.5.3. Vor allem die smarten Alben bzw. Verzeichnisse sind ein nicht zu unterschätzendes Feature, weil sich damit die Bildverwaltung deutlich vereinfachen lässt. Bilder können zudem nach Metadaten sortiert werden, die sich auch noch vielfältig anpassen lassen. Zudem ist Aperture via AppleScript oder Automator steuerbar. Weiter können sämtliche Einstellungen, Metadaten, Alben, Web-Galerien als Projekte via Exportfunktion zu einer zweiten, mit Aperture ausgerüsteten Station transferiert werden. Die Arbeitsumgebung lässt sich vielfältig einstellen, auf mehrere Monitore aufteilen und es lassen sich verschiedene Listendarstellungen wählen. Einzigartig bei Aperture ist eine Layoutumgebung und Anbindung, um Fotobücher zu gestalten und herstellen zu lassen.
Beim Herausforderer Lightroom gefällt die präzise Steuerung der Schwarzweiss-Umsetzung. Dank der protokollierten Farb- und/oder Bildkorrekturen ist es möglich, auf einfachste Weise auf Alternativversionen zuzugreifen oder ältere Versionen zu erstellen. Bilder können als ein weiteres Plus schon beim Import mit Metadaten versehen oder sehr einfach vom Import ausgeschlossen werden. Während die weniger wichtige Bildpräsentation auf dem Monitor (Diashow) mit Aperture vergleichbar ist, punktet Lightroom beim Ausdruck von Bildern, der etwas besser an die Bedürfnisse der Fotografen angepasst ist. Sehr einfach sind derart sowohl Einzelbilder als auch Bildzusammenstellungen für den Ausdruck von Kontaktabzügen zu erstellen. Als Alleinstellungsmerkmal können Web-Galerien innerhalb der «Dunkelkammer» sowohl im HTML- als auch Flash-Format erzeugt, exportiert und wie erwähnt via FTP auf einen Webserver geladen werden. Lightroom bietet hier deutlich mehr Möglichkeiten; so steht eine grössere Auswahl an vorgefertigten Mustern bereit, die sich zudem sehr einfach in der Hauptsache farblich anpassen lassen.
Mehr Gemeinsamkeiten als UnterschiedeDie Gliederung des Lightroom-Workflows in die Schritte «Bibliothek», «Entwickeln», «Diashow», «Drucken» und «Web» ist sinnvoll, wenn auch gewöhnungsbedürftig; die etwas lieblose Anordnung der fünf Worte und damit der Verzicht von Symbolen unverständlich. Damit sind dessen Schwachpunkte aber schon abgehandelt. Was das Softwaredesign angeht, schenken sich beide Programme nichts. Die anpassbaren, in Schwarz und Grautönen gehaltenen Oberflächen sind elegant gestaltet und signalisieren, dass sich die Produkte an Pro-Anwender richten.
Deutliche Unterschiede gibt es hingegen bei den Hardware-Anforderungen, die oft ausschlaggebend sein werden. Apple hat die Anforderungen an seine Kundschaft unverständlich hoch angesetzt. Ein G5 (ab 1,6 GHz) muss es schon sein. Umso mehr erstaunt, dass Lightroom auf der Apple-Plattform (!) sich mit deutlich weniger zufrieden gibt. Hier reichen bereits ein G4-Rechner und 768 MB RAM. Auch unter Windows XP ist ein mit einem Pentium-4-Chip ausgestatteter Rechner ausreichend. Für Windows-Anwender oder Apple-Anwender mit älterer Hardware ist die Sache damit klar. Apple-Anwender, die über eine aktuelle Hardware verfügen, sollten sich von beiden Programmen Demoversionen herunterladen und ausgiebig testen. Hier ist der Entscheid zwischen Aperture und Lightroom letzlich Geschmackssache. Denn die Unterschiede zwischen Apple Aperture 1.5.3 und Adobe Photoshop Lightroom sind unterm Strich marginal – mit kleineren Vor- und Nachteilen auf beiden Seiten.
Fotoverwaltung auf dem Mac oder PCWer Bilder am Mac oder PC verwalten will, hat bereits auf Betriebssystemebene gute Werkzeuge, dies zu tun. Diashows sind in Mac OS X wie auch in Windows Vista, eine einfache Verwaltung ist via Ordnerstrukturen möglich.
Der nächste Level sind Werkzeuge wie etwa die neue Adobe Bridge, die mit jedem Creative-Suite-Paket ausgeliefert wird. Vor allem die neue Bridge (CS 3) ermöglicht eine sehr einfache Bildverwaltung, lässt eine Verschlagwortung zu, erlaubt das Vergleichen von Bildern und ermöglicht gar das direkte Importieren von Bildern im RAW-Format.
Ein hochwertiges und preiswertes Programm, allerdings nur für Mac-Anwender, ist die im Paket iLife integrierte Applikation iPhoto. Die sehr eigene Bildverwaltungslösung hält, was die Datenverwaltung in separaten Ordnerstrukturen angeht, Ansprüchen von Profis jedoch kaum Stand.
Oberhalb dieser Applikationen thronen neben den Programmen Aperture und Adobe Photoshop Lightroom zum Beispiel Microsofts Expression Media (ehemals iView Media Pro), Fotostation (Mac/Win) von Fotoware oder umfassendere Asset-Management-Lösungen.
Jürgen Franck