Mediaagenturen Die neue Strategie, welche die PubliGroupe am 28. März präsentierte, enthält Zündstoff für Mediaagenturen. Doch erst ein kleiner Teil von ihnen hat dies begriffen. Das Vermarktungsgeschäft im Medienbereich bleibe zwar das Fundament der PubliGroupe, doch es werde «sukzessive durch ein ertragsstarkes Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft ergänzt». Dies sagte der PubliGroupe-CEO Hanspeter Rohner Ende März an seiner Bilanzpressekonferenz. Und weiter: «Die Beratung von werbetreibenden Kunden wird künftig zu einer noch wichtigeren Disziplin», die PubliGroupe zudem im neuen Geschäftsbereich «Marketing & Digital Services» (siehe WW 14/07) bündeln will. Dieser Bereich, so heisst es im aktuellen PubliGroupe-Aktionärsbrief, «umfasst ein Beratungs- und Dienstleistungsportfolio für Werbekunden und Agenturen zur Umsetzung von Kommunikations- und Medienstrategien» und er werde «schneller als die andern Segmente wachsen». Anzunehmen ist, dass die PubliGroupe mit Aktivitäten und Tools in direkte Konkurrenz zu den Mediaagenturen treten wird.Viele Mediaagenturen haben dies noch nicht realisiert. Von der Werbewoche darauf angesprochen, zeigen sich mehrere ahnungslos. «Muss ich mich damit auseinandersetzen?», fragt gar OMD-CEO Christof Kaufmann. «Logisch ist es ein Thema, ein grosses Thema sogar», sagt dagegen Walter Merz, Geschäftsführer des BSW Swiss Leading Agences. Demnächst werde der BSW deshalb darüber beraten. «Ein brisantes Thema», anerkennt auch Stephan Küng, CEO von Initiative Media Western. Doch fehlten ihm noch genügend Informationen, um sich wirklich eine Meinung bilden zu können.
Andern ergeht es ähnlich, so etwa Urs Rueb, Mitinhaber von MediaPlus. «Wir müssen abwarten und sehen, zu was die PubliGroupe Farbe bekennt», meint er. Sollte sie im Bereich Abwicklungen bleiben, wäre dies für ihn okay. «Falls sie aber Planungen sämtlicher Mediagattungen anbieten will, wäre dies falsch. Denn das ist letztlich die Aufgabe der Mediaagenturen.» Zudem sehe er hier einen Interessenkonflikt der PubliGroupe mit ihrem Kerngeschäft, den Zeitungspachten.
Urs Schneider, Besitzer der Agentur Mediaschneider, gibt sich weniger zurückhaltend. «Das gibt Krieg», ruft er aus. Denn für ihn ist klar: «Die P plant eine Allmediaberatung mit crossmedialem Anstrich. Damit fährt sie den Werbe- und Mediaagenturen frontal an den Karren.» Hinzu komme, dass sie das neue Beratungsgeschäft mit Unterstützung der Verlage aufbaue – schliesslich stammt das Haupteinkommen der P aus der Schweizer Printwerbung.
Der «Angriff der P» überrascht Schneider nicht, er betrachtet ihn als Retourkutsche, etwa weil die meisten Agenturen der «Direktbuchungsentschädigung» von Tamedia, Ringier & Co zugestimmt hatten. Doch Schneider wundert sich, dass die P «ihre besten Auftraggeber» so vor den Kopf stösst. «Das kommt schief heraus», kommentiert er – und verweist auf die internationalen Netzwerke. «Es ist eine problematische Strategie, der es an Glaubwürdigkeit mangelt.»
Keinen Krieg, immerhin aber ein «Riesenchaos» konstatiert Riccarda Mecklenburg, Vorsitzende der Geschäftsführung bei der m&m Media Holding, «für den Fall, dass die PubliGroupe ihre künftige Beratung so anbieten sollte wie heute schon bei der Publimedia – nämlich gratis». Denn dann werde es für die Agenturen in der Schweiz eng. «Die nationalen Agenturen wird es verblasen. Und die internationalen Netzwerke, die zwangsläufig hier bleiben, werden ihr Schweizer Geschäft über ihr Auslandgeschäft subventionieren müssen.» Für die eigene Mediaagenturgruppe macht Mecklenburg sich jedoch keine Sorgen. «Wir sind dank unserer Auslandstrategie ganz gut aufgestellt.»
«Grenzen der Professionalität»Nicht nur schwarz sieht Yvonne Boller, Geschäftsführerin von Universal McCann Schweiz, die Zukunft. Wohl sei die P dank ihrer marktbeherrschenden Position in der Lage, den Preis für Beratung und Planung auch mal unter das Kostendeckungsniveau zu drücken und die Werbeauftraggeber mit vordergründig guten Konditionen zu locken. «Aber mit ihrer Rollenvermischung kommt die PubliGroupe nun definitiv an die Grenze ihrer Professionalität, denn sie will ja gleichzeitig Vermarkterin, Vermittlerin, Beraterin und Medienbesitzerin sein.»
Dieses «Rollenpuff», so Boller, sei für die Mediaagenturen aber auch die Chance: «Denn wir können die Beratung neutraler, bedürfnisorientierter und somit professioneller machen.» Letztlich entscheide ohnehin der Kunde, welchen Preis ihm welche Qualität wert sei.
Das sagt der SWABeim Verband Schweizer Werbeauftraggeber (SWA) hat Direktor Jürg Siegrist den neuen Wind aus Lausanne durchaus wahrgenommen, doch die Sache ist ihm noch etwas zu nebulös. «Woher nimmt die PubliGroupe das Knowhow? Will sie etwa eine Mediaagentur übernehmen? Falls ja, ist sie sich bewusst, dass sie die Agenturen damit gegen sich aufbringt?», fragt er und fügt hinzu: «Derzeit habe ich zu wenig Fakten; das Bild muss noch klarer werden.»
Markus Knöpfli