Mediapulse Auf Marco De Stoppani, den Präsidenten der neuen Stiftung Mediapulse, warten viel Arbeit und mancher Balanceakt. Die Erwartungen an Marco De Stoppani, den früheren Verlagsdirektor der Neuen Zürcher Zeitung, sind hoch. Von Gesetzes wegen muss die von ihm geführte Stiftung Mediapulse «unabhängig und der Wissenschaftlichkeit verpflichtet sein». Auch wird eine transparente, nach Aktivitäten getrennte Buchhaltung verlangt. De Stoppani setzt aber die Latte noch höher: An der Pressekonferenz anlässlich der Stiftungsgründung am 24. April plädierte er für ein möglichst weitgehendes Verständnis von Transparenz sowie für die Gleichbehandlung aller Mediapulse-Kunden. «Die Werte Unabhängigkeit, Transparenz und Gleichbehandlung wurden beim SRG-Forschungsdienst auch bisher schon voll gelebt», betonte De Stoppani, doch nun könnten sie «noch effizienter» wahrgenommen werden.De Stoppani hütete sich zwar, allzu konkrete programmatische Aussagen zu machen. Doch er tönte an, dass er beispielsweise bei den diversen, bis Ende Jahr aufzugleisenden Kooperationsverträgen mit Zulieferern und Auftragnehmern (etwa Swisscom, Telecontrol, IHA-GfK oder Conso) mehr Transparenz einfliessen lassen will. Ferner will er eine offenere Haltung bei den jährlichen Berichten der Medienwissenschaftlichen Kontrollkommission (MWKK) zumindest zur Diskussion stellen. Diese waren bisher nur einem kleinen, von der SRG bestimmten Kreis zugänglich.
Dass er seine neue Rolle «im Spannungsfeld zwischen Forschung und Kommerz» spielen muss, dessen ist sich De Stoppani bewusst. Unabhängigkeit sei denn auch leichter zu deklarieren als zu leben, gehe es doch darum, «nicht dem Druck von Partikularinteressen zu unterliegen», sagte er. Dank der paritätischen Vertretung von SRG, Privatanbietern und Werbewirtschaft im Stiftungsrat (siehe Kasten) sei die Stiftung zwar politisch gut austariert, doch dies sei nur eine Seite der Medaille. «Finanziell besteht keine Unabhängigkeit», sagte De Stoppani, und erinnerte daran, dass sich der Forschungsbetrieb nicht aus dem Stiftungskapital, sondern mit jährlich zwei Millionen Franken aus den Emfpangsgebühren sowie über den Verkauf der erhobenen Daten finanzieren muss. Und da besteht ganz offensichtlich ein Klumpenrisiko. «Wir haben ein paar wenige Grosskunden und derzeit ein flüssiges Vermögen von nur gerade 50 000 Franken», gab er zu bedenken. Will wohl heissen: Nur wenn alle Kunden, insbesondere die SRG, der Stiftung treu bleiben, ist der Forschungsbetrieb aufrecht zu erhalten.
Neben der Anpassung der diversen Verträge stehen vor allem zwei Dinge zuoberst auf De Stoppanis Prioritätenliste. Zum einen muss der Verwaltungsrat der Mediapulse AG (des ehemaligen SRG-Forschungsdienstes) mit sechs Stiftungsratsmitgliedern neu besetzt werden. Ferner ist noch offen, wie die Vermarktung der Forschungsdaten organisiert werden soll. Bisher war dies die Aufgabe der SRG-Tochter Publica Data AG, die die Daten allerdings nur den Privaten und der Werbewirtschaft verkaufte. Die SRG bezog ihre Daten direkt beim Forschungsdienst. Dass diese Ungleichbehandlung nicht mehr goutiert wird, ist klar. Eine Abkehr bedeutet aber, dass die SRG als bisherige Besitzerin der Forschung neu selbst zu deren Kundin wird. «Ein grosser Schritt für die SRG», sagte De Stoppani, der das Finden einer guten Lösung denn auch als «heikel» bezeichnete – «auch weil es um viel Geld geht».
Bereits stehen auch im Forschungsbereich diverse folgenschwere Entscheide an, die die SRG in den letzten zwei Übergangsjahren nicht mehr (allein) entscheiden wollte. So warten beispielsweise die Werbeauftraggeber auf die Freigabe der PIN-Daten, die Kinobranche wünscht sich, dass die multifunktionale Mediawatch, eine weiterentwickelte Version der Radiocontrol-Uhr, neu auch für die Kinomessung eingesetzt wird. Und schliesslich braucht es künftig eine enge Zusammenarbeit zwischen der neuen Internetforschung Net-Metrix und Mediapulse. Selbst eine spätere Integration von Net-Metrix in die Stiftung ist nicht ausgeschlossen. Womit dann auch die Verleger mit im Boot wären. Doch das ist noch Zukunftsmusik.
Die Mitglieder des StiftungsratsDie folgenden 18 Interessenvertreterinnen und -vertreter gehören dem Stiftungsrat an: Stephanie Weiss (Radio DRS), Dino Balestra (RTSI), Marc Savary (SRG), Rainer Keller (SRG), Martin Schneider (Publisuisse), Walter Rüegg (Radio DRS), Nathalie Rochat-Wehrli (Westschweizer Radioverband), Martin Muerner und Martin Freiburghaus (beide Verband Schweizer Privatradios), Filippo Lombardi, Claude Alain Stettler und Andreas Meili (alle Telesuisse), Klaus Kappeler (Goldbach Media), Christian Gartmann (PubliGroupe), Stephan Küng (IGEM), Jürg Siegrist (SWA), Urs Schneider (BSW), Gérald le Meur (Fédération Romande de publicité). Präsidiert wird der Rat von Marco de Stoppani.
Markus Knöpfli