Druck Rechtzeitig zum bevorstehenden Börsengang stellte MAN Roland zwei Varianten seiner Roland-700-Baureihe vor.Nach schwierigen Jahren hat der Druckmaschinenhersteller MAN Roland im Jahr 2005 den Turnaround geschafft und das Geschäftsjahr 2006 erfolgreich abgeschlossen. Im hart umkämpften Bogenbereich konnte der Konzern gar den Umsatz um elf Prozent steigern, der in den vergangenen Jahren allerdings auch zurückgegangen war. Seit dieser Zeit verantwortet die Investment-Gesellschaft Allianz Capital Partners (ACP) die Geschicke des Unternehmens. Der Mehrheitsaktionär ACP hat nach der Herauslösung aus dem Industriekonzern MAN AG mit dessen bisheriger Druckmaschinensparte Grosses vor und will MAN Roland nun an die Börse bringen.
Erfolgsfaktoren für PrintAn einem Technologieforum im Frühjahr stellte das Unternehmen den rund 600 aus Europa, Übersee und Fernost angereisten Druckfachleuten wohl auch deshalb neben neuen «Next Generation»-Maschinen die neue Strategie und sich abzeichnende Trends vor. Gemäss Markus Rall, Vorstand für den Bereich Bogenmaschinen der MAN Roland Druckmaschinen AG, ist die Übernahme für ACP eine lohnende Investition. «Denn», so erklärt Rall am Technologieforum überzeugt, «Print besitzt Zukunft und ist ein Markt mit wachsendem Potenzial.»
Der Erfolg von Print kommt nicht von ungefähr. MAN Roland macht hier gleich eine ganze Menge Faktoren aus: So setzt das Unternehmen auf ein pfiffiges Design, konsequente Markenführung, durchgängige Farbigkeit, zielgruppenorientierte redaktionelle Qualität, haptische Einzigartigkeit, Flexibilität und Aktualität, attraktive Seitenformate und Papiere, spannende Veredelungen und Effekte, Cross-Marketing und -Selling sowie – last but not least – auch innovative Produktionstechnologien. Mit diesem Massnahmenpaket, so Rall, lassen sich Mehrwerte für Leser und Anzeigenkunden schaffen.
Offenbar hat sich MAN Roland auch bei den Drucksacheneinkäufern bzw. den Printbuyern umgehört. Diese haben klare Erwartungen, wie eine schnellere Umsetzung von der Idee bis zum Printprodukt, erwarten etwa ein differenziertes Qualitätsangebot und suchen, was zu erwarten war, Preisflexibilität.
Value Added Printing als AntwortAls Trends macht MAN Roland neben dem Digitaldruck und einem zunehmenden Preiswettbewerb auch strategische Neuausrichtungen bei Druckereien aus: Betriebe diversifizieren nach Ansicht des Unternehmens und wandeln sich vermehrt zum Mediendienstleister. Das bleibt natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Druckmaschinenhersteller. Diese setzen sowohl auf technische Ansätze wie Vernetzung und Automatisierung, engagieren sich aber auch zunehmend als Anbieter von Systemlösungen und rücken dazu mehr und mehr die Beratungskompetenz in den Vordergrund.
MAN Roland will hier seinen Kunden dabei helfen, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Unter dem Dachbegriff Value Added Printing setzt der Druckmaschinenhersteller zum einen auf Effizienz (durch neue Maschinenkonzepte) und Wertigkeit (durch neue Geschäftsmodelle). Was die Effizienz angeht, hat der weltweit zweitgrösste Druckmaschinenhersteller auf Basis seiner Druckmaschinenplattform Roland 700 Next Generation mit den Maschinen Roland 700 DirectDrive und Roland 700 HiPrint zwei neue Druckmaschinen präsentiert, die das Unternehmen als Antwort auf den Ansatz des propagierten Value Added Printing für das Bogendrucksegment sieht.
Highlights der beiden New-Generation-Modelle sind das vergrösserte Druckformat (740 ¥ 1050 oder 780 ¥ 1050), eine auf 17 000 Bogen/Stunde (Schöndruck) respektive 13 000 Bogen/Stunde im Schön- und Wiederdruck erhöhte Druckgeschwindigkeit sowie neu die Möglichkeit, bei langen Maschinenkonfigurationen einzelne Druckwerke zu deaktivieren. Mit der DirectDrive-Variante geht der Konzern damit den Rüstzeiten an den Kragen, die gerade in Zeiten von sinkenden Auflagen einen höheren Stellenwert einnehmen, während MAN Roland mit der HiPrint den Allroundern unter den Druckereien in Zukunft eine sehr vielseitig einsetzbare Maschine anbieten wird.
Wenn die Konzepte des Konzerns samt der Abrundung der 700er-Baureihe vom Markt angenommen werden, dann könnte nicht zuletzt auch der Börsengang die Gesundung von MAN Rolands Bogendrucksparte weiter beflügeln.
Zwei Segmente, zwei Maschinenkonzepte
Mit der Druckmaschinenbaureihe Roland 700 Next Generation beschreitet MAN Roland unter einer vom Unternehmen mit Added Value Printing bezeichneten Gesamtstrategie zwei Lösungsansätze: Zum einen setzt der Konzern auf Effizienz durch neue Maschinenkonzepte und zum anderen auf Produktwertigkeit durch neue Geschäftsmodelle. Mit der Roland 700 DirectDrive und der Roland 700 HiPrint bietet MAN Roland die entsprechenden Produkte an. Damit adressiert das Unternehmen eine Gruppe von Kunden, die viele Auftragswechsel und Auflagen im unteren Tausenderbereich durchführen.
Für die Kundengruppe, die in erster Linie schnelle Rüstvorgänge fordert, wurde die Roland DirectDrive mit direkt angetriebenem Plattenzylinder entwickelt. Die Rüstzeitverkürzung bei der Roland 700 DirectDrive beruht im Wesentlichen auf der Entkopplung von Prozessen. Konkret kann dadurch parallel der Plattenzylinder mit neuen Druckplatten versehen werden, während der Drucker zeitgleich das Farb- und Feuchtwerk waschen und mit dem Farbeinlauf starten kann.
Die grosse Mehrheit der Kunden sucht in erster Linie eine verlässliche Allround-Maschine, die ein breites Produktespektrum abdeckt. Sie stellen auf Grund ihrer Auftragsstruktur weniger ein Höchstmass an Automatisierung, sondern die Konfigurationsvielfalt in den Vordergrund. Für dieses Segment hat MAN Roland die Roland 700 HiPrint gebaut. Die möglichen Konfigurationen reichen von der Vier- und Fünffarbenversion über lange Anlagen mit oder ohne Wendung bis zum Spitzenmodell Roland 700 HiPrint Ultima, die sich mit Farb- und Lackierwerken sowie Zwischentrocknern für die anwenderspezifischen Anforderungen individuell zusammenstellen lässt. Herausragendes Merkmal der Roland 700 HiPrint ist die hohe Inline-Veredelungsvielfalt. Dazu zählen neben verschiedenen Lackierverfahren (Einfach- und Doppellack, UV-Technologie, Spot- und Effektlackierung) auch der Kaltfolientransfer mit dem InlineFoiler Prindor sowie das Prägen und Stanzen.
Jürgen Franck