Lajos Vizner und Guillaume Borel liefern mit ihren Kampagnen für Ikea und andere Kunden Stoff zum Reden am Laufmeter.
«Kommunikation, bei der kein Funke springt, kann auch kein Feuer entfachen.» Nach diesem Grundsatz will die Agentur ViznerBorel das «feu sacré» in jeden ihrer Jobs hinein tragen. Seit knapp vier Jahren gibt es die Agentur. In dieser Zeit ist sie von drei auf zwölf Mitarbeitende gewachsen. Mit einer unübersehbaren Kampagne für Stoffe aus der Ikea hat ViznerBorel soeben für Furore gesorgt. Aktuell an den Schweizer Plakatwänden kleben auch ihre Ideen für Heineken Bier und demnächst eine Kampagne für den Neukunden Schild. Mit mehreren Kampagnen für Igora fordert ViznerBorel die Schweiz zu 100 Prozent Alurecycling auf. Alle diese kreative Kommunikation wird in den Räumen der früheren Maternité in Zürich erarbeitet. Dort, wo oberhalb des Römerhofs früher Kinder geboren wurden, werden heute Ideen zur Welt gebracht. Etwas anders als bei Babys soll für Lajos Vizner und Guillaume Borel aber das Wachstum ihrer Agentur verlaufen. Das Ziel: «Wir wollen klein bleiben, um auch in Zukunft für unsere Kunden persönlich da sein zu können.»
Diese Vorstellung einer Agentur hat sich bei Vizner und Borel bereits gedeckt, bevor sie zum erstenmal gemeinsam über solche Agenturpläne gesprochen haben. «Das Telefon weiterhin selber abnehmen, die Kopien selber machen und bei Not einmal selber Inserate reinzeichnen», erklärt Chefberater und Stratege Lajos Vizner. Und der CD Guillaume Borel formuliert: «Wir funktionieren wie ein kleiner Zirkus, wo man am Morgen Requisiteur ist und am Abend Direktor.» Einhellig finden schliesslich beide: «Wir wollen Spass haben an der kreativen Arbeit in all ihren Facetten.»
Ein solcher Geist muss sich natürlich auch in der Arbeit spiegeln. Der Event mit 200 Stoffbahnen von je 11 Meter Länge für Ikea hat im Zürcher Hauptbahnhof auch den Passanten in den 36 Lounge-Sofas sichtbar Spass an Werbung bereitet. Ähnlich Aufsehen erregend war einst ein Event, wo ViznerBorel zusammen mit Stefan Merz Event den Zürcher Rennweg absperren liess, um die Neueröffnung von Kids Town mit einem Gratiskonzert der Kinderband «Schtärneföifi» zu feiern.
«Agentur für Kommunikation» und bewusst nicht nur «Werbeagentur» nennt sich ViznerBorel. «Werbung ist nur ein kleiner Teil der Kommunikation», erklärt Guillaume Borel. Und Lajos Vizner ergänzt: «Wir bieten alles an, was aus dem klassischen Marketing-Kommunikationsbereich kommt. Dazu gehören immer mehr auch Events.»
Die Philosophie der beiden ist dabei, wie ein Generalunternehmer zu funktionieren und je nach Bedarf mit spezialisierten Partnern zusammen zu arbeiten. Wichtig ist ihnen auch, dass diese dasselbe «Herzblut» verkörpern wie sie selbst. Kleinere Dinge machen sie aber selber, schliesslich haben die beiden Chefs all diese angebotenen Disziplinen in den letzten zwanzig Jahren bereits an den verschiedensten Orten durchgespielt.
Er könne «schön zeichnen», meinte der einstige Berufsberater zu Vizner. Dieser entgegnete allerdings: «Ich kann nur gut zeichnen, wenn ich Lust dazu habe.» So wurde ihm schliesslich Hochbauzeichner empfohlen. Mehr Spass machte aber nach kurzer Zeit eine KV-Stifti bei der Redifusion. Über diesen «wertvollen Umweg» hat Vizner dann doch noch zur Kunstgewerbeschule gefunden und schliesslich zu einem Temporärjob in einer kleinen Agentur. «Hier habe ich am ersten Tag schon begeistert Überstunden gemacht – und bin damit richtig in die Werbung eingeführt worden.»
Vizner liess sich weiter zum Werbeassistenten und Leiter Marketingkommunikation ausbilden, arbeitete bei J.W. Thompson und bekam dann eine weitere Chance bei Advico Young & Rubicam. Hier war Vizner «tagsüber Berater und nachts Art Buyer», was ihn fachlich sehr weiter brachte. Trotzdem wollte er einen Break und hat sich für ein halbes Jahr als Kellner ins «Très Kilos» abgesetzt, um sich irgendwie neu zu finden. Was will ich sein: Kreativer oder Berater? Der Entschluss: «Es braucht auch Berater, die das Verständnis für die Kreation haben.»
Vizner stieg wieder ein bei Publicis, nach fünf Jahren folgten Ogilvy, GGK Basel und dann die Smart Factory von WHS, wo er zuletzt als Managing Director wirkte. Bei Wirz hat er die Unit für Sunrise aufgebaut, bevor es noch einmal zu einem Break kam. Vizner übernahm als Geschäftsführer die Szenen-Beiz «Giesserei» in Zürich, bevor es zum zweiten Comeback in der Werbung kam.
In der letzten Anstellung arbeitete er zum ersten Mal mit Guillaume Borel zusammen, den er schon seit seiner Jugendzeit kannte. Als sich beide neu orientieren mussten, reifte bei ihnen der Gedanke, ihre eigene Kommunikationsagentur zu gründen.
Guillaume Borel ist nach der Kunstgewerbeschule mit einem Praktikum bei der Jugendzeitschrift Team und später Magma in die Welt der Medien eingestiegen. Dann durfte er vier Jahre lang die Kunst der Grafik bei Domenic Geissbühler am Zürcher Opernhaus erlernen. Der Einstieg in die Werbung erfolgte gleich bei grossen Agenturen wie Wirz, Aebi, GGK Basel und dann vier Jahre in Wien bei Demner, Merlicek und Bergmann. Als CD hat Borel Kampagnen für ORF, Novartis, Media Markt, Swisscom, Euro Airport, Zürich Financial Services oder McDonald’s verantwortet. Weil seine Kinder in die Schule mussten, kehrte Borel in die Schweiz zurück und arbeitete hier bei TBWA und kleineren Agenturen, wo er schliesslich Vizner traf.
«In der Topliga mitspielen, aber keinen aufgeblasenen Apparat betreiben», ist ihr gemeinsames Agentur-Credo. Beide sind gleichberechtigte Partner und haben auch keine sture Trennung bei der Arbeitsteilung – «was eine Stärke ist». In vielen Grossagenturen haben sie konkurrenzierende Teams erlebt, die gegeneinander arbeiten. «Der Kunde soll Erfolg haben. Wer die Idee hat, spielt keine Rolle.»
Zu den wichtigen Kunden, mit denen ViznerBorel ihren eigenen Erfolg aufbauen konnte, gehört seit Beginn Denner. Nach ersten Radiospots und dem Markenaufbau haben hier auch ziemlich freche Filme den Markenauftritt geprägt. Denner spielt auch in der Freizeit von Lajos Vizner eine Rolle. Der frühere DJ organisiert regelmässig Partys für Leute ab 30. Weil das Miller’s Studio zu klein geworden ist, werden jetzt diese als «Denner Party» zum Kult gewordenen Events im Foyer der Maag Music Hall über die Bühne gehen. Der nächste am 19. Mai. Ein weiteres Hobby ist der Trainerjob für die Junioren von Herrliberg, seit einer seiner Zwillinge dort mit Fussballspielen begonnen hat.
Guillaume Borel schaltet auch in seiner Freizeit am liebsten noch einmal den Compi ein. «Mein Beruf ist auch mein Hobby», meint der «Macher-Typ». Da kann es nicht erstaunen, dass auch sein ältester Sohn in diese Fussstapfen treten will und bereits den Vorkurs für die Kunstgewerbeschule bestanden hat.
Andreas Panzeri