Das internationale Werbefestival in Cannes hat für die Eidgenossen erfreulich begonnen. Die Werbewoche sprach mit den Gewinnern. Pius Walker erzählt, wann er von seinem Goldgewinn erfahren hat. Kurt Schmid von Lowe erklärt, dass die Awards für ihn ein gutes Omen für die weitere Zusammenarbeit mit Draftfcb sind. Und Rolf Zimmermann von SFLB betont, dass ihm Kreativpreise alleine nichts nützen. Am Dienstag ging der erste Gold-Löwe in die Schweiz. Die Agentur Walker strich daneben auch noch Silber ein. Walker war noch nie in Cannes und stand deshalb ein bisschen verloren auf dem Flughafen herum, als gleich nah dem Einschalten des Handys bereits Löwengebrüll an sein Ohr drang: Gold und Silber für die Amnesty-International-Kampagne. Ein schöner Empfang an der Côte d’Azur!
Ein Bronze-Löwe in der Kategorie «Direct» ging am Montag an Spillmann/Felser/Leo Burnett für Schweiz Tourismus. Gerechnet habe er nicht mit dem Preis, sagte Rolf Zimmermann, Managing Director von SFLB, der Werbewoche. «Aber unsere Kampagne hatte weltweit Aufmerksamkeit erregt. Damit kann man die Jury leichter überzeugen als mit einer Arbeit, die nur in der Schweiz bekannt ist.» Besonders freut Zimmermann, dass die Kampagne auch wirtschaftlichen Erfolg generierte: Das anvisierte Ziel, die Übernachtungen in Schweizer Hotels während der WM 06 zu steigern, sei erreicht worden. «Kreativpreise allein nützen mir nichts. Mich interessieren Arbeiten, die kommerziell etwas bringen. Das garantiert Aufträge – was für die Agentur wichtiger ist als ein Preis.» Die Juroren in Cannes beurteilen allerdings nur die kreative Seite. «Optimal ist natürlich, wenn eine Kampagne beides verbindet: Kreativität und Ergebnisse am Markt», so Zimmermann. Den Preis entgegen nehmen wird Creative Director Martin Spillmann, der SFLB in Cannes vertritt.
Draftfcb/Lowe holte am Montag gleich zwei Lions für ihre DM-Kampagne für Artesanos Camiseros. «Wir freuen uns natürlich sehr darüber», sagte Kurt Schmid, CEO von Lowe Schweiz, der Werbewoche. «Ein Lion ist schliesslich immer aussergewöhnlich». Die Agentur konnte für die Idee, Gegenstände wie Bäume und Hydranten mit Hemden einzukleiden, Bronze und Silber einstreichen. «Die Kampagne ist fröhlich. Ich freue mich, dass von der Jury ein Weg honoriert wurde, mit dem man auch einen kleinen Laden unter die Leute bringen kann», so Schmid.
Schmid selbst reist nicht nach Cannes: «Ich war noch gar nie am Festival». Seine Agentur vertritt Creative Director Keith Loell, der massgeblich an der Entwicklung der Artesanos-Camiseros-Idee beteiligt war.
Die Preise sind für Schmid auch ein gutes Omen für die weitere Zusammenarbeit mit Draftfcb. Die beiden Agenturen sind seit letztem Jahr verbunden, betreuen aber nach wie vor ihre Kunden eigenständig. Die Kooperation hat sich laut Schmid bis jetzt sehr gut angelassen: «Erfreulich sind nicht nur die jetzt gewonnen Lions, sondern auch der Erfolg am Markt, beispielsweise der Gewinn von Cailler oder die 1818-Kampagne. Wir sind wieder zurück.»