Ein verrücktes Los

Wettbewerb Die Loterie Romande lanciert ein neues Rubbellos, das die Agentur Trio kreierte. Auch die Einführungskampagne entwarf die welsche Agentur.

Wettbewerb Die Loterie Romande lanciert ein neues Rubbellos, das die Agentur Trio kreierte. Auch die Einführungskampagne entwarf die welsche Agentur. Zum Los: Mit «Fou de …» können die Spieler einen Mini Cooper S Cabrio oder 40000 Franken in bar gewinnen. Wer nicht gewinnt, kann sein Glück ein zweites Mal im Internet versuchen. Unter der Rubbelfläche von «Fou de …» verbergen sich die Symbole eines Mini Cooper S Cabrio und Gewinne, die von 4 bis 10000 Franken gehen können. Erscheint beim Aufrubbeln derselbe Betrag dreimal, dann ist er gewonnen. Erscheint der Mini dreimal: gute Fahrt!

Den Medien bleibt mehr übrig

Laut der Stiftung Werbestatistik Schweiz sind die Nettowerbeumsätze im Jahr 2006 erneut gestiegen. Marktanteile gewonnen haben dabei die beiden Gattungen Fernsehen und Aussenwerbung, die Presse blieb immerhin stabil.

 Laut der Stiftung Werbestatistik Schweiz sind die Nettowerbeumsätze im Jahr 2006 erneut gestiegen. Marktanteile gewonnen haben dabei die beiden Gattungen Fernsehen und Aussenwerbung, die Presse blieb immerhin stabil. Zum dritten Mal in Folge ist der Nettowerbeaufwand wieder am Steigen. Der Tiefpunkt war 2003, als die Nettowerbeumsätze für die ganze Schweiz bei 5,123 Milliarden Franken lagen. Mittlerweile sind sie nun bei 5,632 Milliarden Franken angelangt, also praktisch wieder auf dem Niveau von 2001. Auf den ersten Blick zumindest.
Doch dem ist nicht so, der aktuelle Gesamtwert ist mit den Vorjahren nicht wirklich vergleichbar. Denn bei den Messen und Ausstellungen erfuhr die Statistik eine Erweiterung, die das Nettovolumen deutlich höher erscheinen lässt (siehe Kasten «Messen und Ausstellungen»). Wäre die Statistik genau wie bisher erhoben worden, läge der aktuelle Nettogesamtwert wohl noch rund 130 000 Franken unter jenem von 2001. Da die Wemf die Statistik aber für 2005 ebenfalls nach dem neuen Muster nachgerechnet hat, lässt sich dennoch folgende Aussage machen: Die 5,632 Milliarden Nettoumsatz im Jahr 2006 liegen rund 180 Millionen Franken oder 3,3 Prozent höher als der vergleichbare Wert von 2005.
Betrachtet man die einzelnen Mediengattungen, zeigt sich, dass ausser Teletext (–23,7 Prozent), Radio (–2,9 Prozent) und Kino (unverändert) alle Gattungen gegenüber dem Vorjahr leicht zulegen konnten. Die Zuwachsraten betrugen bei der Aussenwerbung 7 Prozent, beim Fernsehen 4,5 Prozent, bei der Presse 3,1 Prozent, bei der Direktwerbung 3 Prozent und bei den Adressbüchern 0,7 Prozent. Erstmals sind auch Online und Ad-Screen aufgeführt – diese aber erst mit Bruttowerten und deshalb ausserhalb der Gesamtstatistik.
Interessant ist die Feststellung, dass die Nettowerbeumsätze 2006 gegenüber dem Vorjahr in etwa gleich stark oder sogar leicht stärker gewachsen sind als das Bruttoinlandprodukt (BIP), das gegenüber dem Jahr 2005 um 3,3 Prozent zulegte. In den vergangenen Jahren (Ausnahme: 2004) lagen die Nettowerbeumsätze jeweils sehr deutlich unter dem BIP-Wachstum.
Bei den Nettowerbeinvestitionen in die Presse dürfte folgender Aspekt auch für die künftige Entwicklung der Schweizer Zeitungslandschaft von Bedeutung sein: Für Inserate in Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen wurden letztes Jahr 1,688 Milliarden Franken investiert, 4,5 Prozent mehr als 2005. Am meisten legte der Sonntagsmarkt zu (+10,1 Prozent). Noch mehr aber profitierten die gratis vertriebenen Tages- und Wochenzeitungen: Ihre Nettowerbeumsätze stiegen auf 298 Millionen Franken – 40 Millionen oder 15,2 Prozent mehr als 2005. Diese Mehreinnahmen mussten die bestehenden Gratistitel aber mit den vier Newcomern Matin Bleu, 20 minutes, Heute und Cash daily teilen. Die abonnierten Pressetitel legten übrigens nur um 2,5 Prozent zu.
Schaut man dies nach Sprachregionen an, zeigt sich die Situation noch von einer anderen Seite: In der Deutschschweiz legten die Tages- und die regionale Wochenpresse (ohne Sonntagstitel) um insgesamt 4,5 Prozent zu, die gratis vertriebenen Titel wuchsen um 7,5 Prozent – doppelt so stark wie die abonnierte Presse. In der Romandie und im Tessin wuchsen die Tages- und die Wochentitel zwar um 4,8 Prozent oder 18 Millionen Franken. Dieser Zuwachs und noch mehr dazu – total 22 Millionen – gingen aber vollumfänglich in die Gratistitel, vorab wohl zu Matin Bleu und 20 minutes. Die abonnierte Presse verzeichnete gegenüber 2005 gar ein Minus von 1,1 Prozent.
Positiver sieht es für die West- und die Südschweiz bei der Publikums-, bei der Finanz- und Wirtschaftpresse sowie bei den Spezial- und den Fachzeitschriften aus: Die Titel in den französisch- und in den italienischsprachigen Gebieten schliessen immer mit einem Plus, in der deutschsprachigen Schweiz hingegen durchs Band mit einem Minus ab.
Bei der TV-Werbung (ohne Sponsoring) legten erneut die Schweizer Privatsender am meisten zu, sie steigerten sich um 13,8 Prozent, während die ausländischen Werbefenster um 7 und die SRG um 0,2 Prozent zulegten. Inklusive Sponsoring sind die prozentualen Umsatzzunahmen der Schweizer Privaten und der Werbefenster hingegen beinahe egalisiert. Das Sponsoring von TV-Sendungen weist denn auch eine wesentlich höhere Zuwachsrate als die TV-Werbung auf: Es legte um 11 Millionen auf 54 Millionen Franken zu (plus 27,1 Prozent).
Radiowerbung war dagegen weniger gefragt. Ohne Sponsoringanteil – und damit ohne SRG-Sender – reduzierte sich der Nettowerbeumsatz um 10 Millionen auf 104 Millionen Franken (–8,3 Prozent), wobei die Deutschschweiz prozentual und absolut stärker blutete als West- und Südschweiz. Bezieht man das Sponsoring und damit auch den Anteil der SRG-Radios ein, zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim TV: Sponsoring stösst auch beim Radio auf starke Nachfrage. Es wuchs letztes Jahr um 6 auf 34 Millionen Franken (+19,1 Prozent) und macht bereits ein Fünftel des Nettoumsatzes dieser Gattung aus.
Markus Knöpfli

Rohner lässt spekulieren

Publicitas An der P-Verlegertagung trat Hanspeter Rohner forsch auf. Damit liess er viele Fragen offen – und Raum für Spekulationen. Doch gefragt wären Visionen und Antworten.

Publicitas An der P-Verlegertagung trat Hanspeter Rohner forsch auf. Damit liess er viele Fragen offen – und Raum für Spekulationen. Doch gefragt wären Visionen und Antworten.An der Publicitas-Verlegertagung vom 13. Juni in Thun haute PubliGroupe-CEO Hanspeter Rohner auf den Putz. Er gab zum einen bekannt, dass er den Rahmenvertrag mit Tamedia per Ende 2007 gekündigt habe. Zwar sei man am Verhandeln. «Aber wenn wir uns nicht einigen können, wird es auch ohne Tamedia gehen», sagte Rohner. Was das in letzter Konsequenz heissen würde, führte er allerdings nicht aus. Würde die Publicitas den Tamedia-Titeln nicht einmal mehr Inserate vermitteln? Selbst wenn dies die Auftraggeber wünschen? Oder war dies bloss eine Drohgebärde?Eine zweite Aussage Rohners liess aufhorchen. «Die Zeiten, als die Publigroupe die Mutter Teresa der Schweizer Zeitungen war, sind vorbei», sagte er. Inwiefern er die P als Wohltäterin sieht, überliess er wiederum der Interpretation der Zuhörer. Offensichtlich mit Absicht. Denn auch die Werbewoche, die ihn per Mail auf die beiden Aussagen ansprach, erhielt von Rohner keine Erklärungen.
 
Unter den Verlegern reagierte man unterschiedlich auf Rohners Voten. An der Tagung selbst gab es weder Fragen noch Widerspruch. Doch die meisten Teilnehmer schienen die Rede nicht allzu ernst zu nehmen. Einer, der nicht genannt werden will, tat sie primär als «lauter Gebrüll» ab. «Ich wette, Tamedia und Publicitas werden sich am Ende doch auf einen Vertrag einigen», fügte er hinzu.
Auch Erwin Bachmann, VR-Delegierter der LZ Medien, spricht primär von «zugespitzter Rhetorik» und davon, dass die Suppe wohl nicht so heiss gegessen werde, wie sie serviert wurde. Salopper tönt es aus dem Rüebliland: «Was wollte Hanspeter Rohner uns eigentlich sagen?», fragt schmunzelnd Ueli Eckstein, Leiter Printmedien der AZ-Medien-Gruppe. Auf Interpretationen will er sich jedenfalls nicht einlassen.
Und Hanspeter Lebrument, der sich an der Tagung vertreten liess, stellt sich gar vor den Publigroupe-CEO: «Ich will meinen Freund Hanspeter Rohner nicht kommentieren», sagt der Südostschweiz-Chef und Verlegerpräsident.
Da und dort, vor allem bei Verlagen mit Publicitas-Regie, erntet Rohner auch vorsichtige Zustimmung. «Falls Rohner meinte, dass die P ihren Einsatz für Regietitel wieder verstärke, dann ist das für uns als langjähriger P-Partner durchaus positiv zu werten», sagt Marcel Geissbühler, Gesamtleiter Medien bei der Bieler W. Gassmann AG (Bieler Tagblatt/Journal du Jura). Nahm die P je einmal die Rolle einer Mutter Teresa ein? «In unserem Fall sicher nicht», wehrt sich Geissbühler.
Die P wird gut entschädigt«Uns gegenüber auch nicht», sagt Urs Bucher, Verlagsleiter der Thurgauer Zeitung (TZ). Die TZ arbeitet seit Anfang Jahr in Eigenregie, zuvor war sie in Teilpacht. «Ich hatte immer den Eindruck, dass unser Verhältnis auf Leistung und Gegenleistung beruht und dass dieses auch aus Sicht der P nicht zu knapp bemessen war», sagt Bucher. «Sie hat die TZ jedenfalls nie bemuttert.» Möglich sei, dass dies bei kleineren Titeln eher nötig sei, fügt Bucher noch hinzu.
Dort weist man dies jedoch weit von sich: «Die P war für uns nie eine Mutter Teresa», betont Fritz Lötscher, Verlagsleiter des Entlebucher Anzeigers (Auflage: 8800 Exemplare). Er verhehlt nicht, dass die P seiner Zeitung 30 bis 35 Prozent des Umsatzes generiert – dank Teilregie für den überregionalen Markt. «Kleine Zeitungen brauchen einen Fürsprecher, sonst kommen sie nicht zu grossflächigen Inseraten», erklärt er. Doch gratis sei dies nicht. «Die P wird für ihr Marketing nicht schlecht entlöhnt», weiss Lötscher, der auch Vorsitzender des Inseratepools «Luzerner Landzeitungen» ist (ebenfalls in P-Pacht).
Selbstbewusste GrosseUnd wie steht es bei den Grossen, etwa bei den Edipresse-Zeitungen: Werden sie von der P alimentiert? «Nein, wir sind nicht die Waisenkinder der P», hält Théo Bouchat, der Leiter von Edipresse Schweiz, entgegen. Edipresse sei ein recht grosser Kunde der P und befinde sich weder in einer Bettelsituation noch benötige das Unternehmen ein Sprachrohr. Vielmehr werde das Verhältnis zwischen Edipresse und P jeweils «businessorientiert ausgehandelt».
Das ist auch bei der NZZ so. Dennoch wischt Markus Ehrle, Leiter des NZZ-Werbemarktes, Rohners These von der «Mutter Teresa» nicht einfach vom Tisch. «Publimedia, die bisher als Promotorin der Gattung Print auftrat, betreibt mit 2500 Titeln im Portfolio tatsächlich einen Riesenaufwand», sagt er. Und er wird es wissen: Bis vor knapp einem Jahr war er noch Marketingdirektor ebendieser Publigroupe-Tochter.
«Obwohl sie ein Profitunternehmen ist, macht Publimedia auch Dinge, die sich – isoliert gesehen – eigentlich nicht lohnen, im Gesamten aber ihr und der Presse doch etwas bringen», fährt Ehrle fort. Angesichts des Trends zu Direktbuchungsrabatten und Eigenregie müsse sich Publimedia nun wohl überlegen, was zu tun sei, wenn sie von den Verlagen nicht mehr adäquat bezahlt werde. «Die NZZ als Regiepartnerin ist jedenfalls nicht unglücklich, wenn die P ihre Politik ändert und uns in den Verhandlungen mit den Kunden stärker vertritt», sagt Ehrle.
Boni als Stein des Anstosses?Vor zwei Jahren liefen schon einmal harte Verhandlungen zwischen Tamedia und Publicitas, die sich länger als ein Jahr hinzogen. Damals hatte Tamedia das Abkommen für die Inseratekommission gekündigt – jedoch nur bei Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung (SoZ).
Als der neue Vertrag rückwirkend per Mitte 2005 in Kraft trat, gab es eigentlich nur eine inhaltliche Änderung – bei der Bonusregelung. Die Boni, die Tagi und SoZ seither an Publimedia zahlen, sind nicht mehr rein umsatz-, sondern auch marktanteilsabhängig. Die P habe keinen Anspruch auf Boni, wenn sie bloss mit der Marktentwicklung mitschwinge, argumentierte Tamedia damals. Sobald die P aber – selbst bei sinkenden Umsätzen – für die Tamedia-Titel Boden gut mache, wolle man ihre Anstrengungen honorieren. Diese Bonusregelung gilt seit 2006 auch für alle andern Tamedia-Titel. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Publigroupe nun genau diesen Punkt erneut zur Diskussion stellen will.
Markus Knöpfli

«Der erhoffte Aufschwung ist ausgeblieben»

Christoph Zimmer, Leiter der Tamedia-Unternehmenskommunikation, kommentiert in einem Interview das Aus von Facts.

 Werbewoche: Weshalb ist der Entscheid, Facts einzustellen, gerade zu diesem Zeitpunkt gefallen? Gibt es einen Zusammenhang mit der Lancierung der ersten Schweizer Beilage des deutschen Nachrichtenmagazins Spiegel am Montag, den 25. Juni 2007? 
 
Christoph Zimmer: Nein. Der Entscheid steht in keinem Zusammenhang mit der Erscheinung der einmaligen Schweizer Spiegel-Ausgabe. Grund ist, dass wir keine Perspektiven mehr für das Wochenmagazin Facts sehen. Zwar ist es uns gelungen, Leserzahlen zu stabilisieren und den Werbemarkt aufzubauen, doch leider hat dies nicht ausgereicht. Der erhoffte Aufschwung ist ausgeblieben. 
 
WW: Laut Gerüchten hat das Zürcher Medienhaus Tamedia mit dem Spiegel verhandelt. Doch man konnte sich preislich nicht einigen? 
 
C.Z.: Wir haben über eine gemeinsame Split-Ausgabe verhandelt. Allerdings sind wir gemeinsam zur Überzeugung gekommen, dass dies auf dem Schweizer Markt nicht rentabel wäre. 
 
WW: Wird auch der Abonnenten-Stamm nicht an Spiegel verkauft? 
 
C.Z.: Nein. Wir bieten unseren Abonnenten andere Titel von Tamedia wie etwa die Sonntagszeitung an. 
 
WW: Bleibt Andreas Durisch weiterhin Chefredaktor der Sonntagszeitung? 
 
C.Z.: Ja. Es war immer vorgesehen, dass Andreas Durisch nach seinem befristeten Engagement bei Facts zur Sonntagszeitung zurückkehrt. Wir danken ihm und allen Facts-Mitarbeitern an dieser Stelle für ihren grossen Einsatz und bedauern, dass wir keine andere Möglichkeit sehen. 
 
WW: Was passiert mit den Mitarbeitern? Wie sieht das weitere Verfahren aus? 
 
C.Z.: Die Mitarbeiter können das gesetzliche Recht geltend machen, Vorschläge zur Rettung von Facts sowie von milderen Kündigungen anzubringen. Wir werden ausserdem versuchen, möglichst viele Mitarbeiter entweder intern weiter zu vermitteln oder sie bei der Suche nach einer neuen Stelle zu unterstützen. 
 
WW: Bestehen Chancen, dass die Mitwirkungsrechte der betroffenen Mitarbeiter das Blatt retten können? 
 
C.Z.: Es ist nicht auszuschliessen, dass ein Mitarbeiter einen überzeugenden Vorschlag macht – aber wir haben in den letzten Monaten alles versucht, um eine Perspektive für Facts zu finden. 
 
WW: Wie sieht die Zukunft von wöchentlichen Nachrichtenmagazinen bei Tamedia aus? Sind andere Titel geplant? 
 
C.Z.: Nein, wir planen kein neues wöchentliches Nachrichtenmagazin. Wir haben in den letzten zwölf Jahren über 100 Millionen in Facts investiert. Facts schrieb jedoch nur in einem Jahr keine roten Zahlen. Wir sind zur Überzeugung gekommen, dass der Wochenmarkt in der Schweiz aufgrund der starken Sonntags-Ausgaben zu klein ist. 
 
WW: Die Mediengewerkschaft Comedia kritisiert Tamedia für die Einstellung des Nachrichtenmagazins Facts und bezeichnet das Aus als «unverständlich». Was halten Sie von dieser Kritik? 
 
C.Z.: Wir haben in zwölf Jahren alles versucht, um Facts zum Erfolg zu führen und mussten schliesslich einsehen, dass das Blatt in der Schweiz keine Zukunft hat. Daher sehen wir keine andere Perspektive als die Einstellung von Facts. 
Interview: Rona Grünenfelder

Presseförderung muss in die Einigungskonferenz

Noch kein Ende im Presseförderungsstreit in Sicht: Wegen der Vorlage zur Verbilligung der Zeitungstransporttaxen kommt es zu einer Einigungskonferenz. Dem Ständerat genügt das Entgegenkommen des Nationalrates nicht.

 Noch kein Ende im Presseförderungsstreit in Sicht: Wegen der Vorlage zur Verbilligung der Zeitungstransporttaxen kommt es zu einer Einigungskonferenz. Dem Ständerat genügt das Entgegenkommen des Nationalrates nicht. Beide Räte wollen von der indirekten Presseförderung nur noch die Regional- und Lokalpresse mit beschränkter Auflage und kleinere Mitgliederblätter profitieren lassen. Ohne Widerstand war der Nationalrat in der letzten Runde von seinem «Giesskanne»-Konzept abgerückt, das weiterhin auch Grossverlage berücksichtigt hätte.
Der Nationalrat war aber bezüglich der einzusetzenden Summe grosszügiger: gegenüber der kleinen Kammer verdoppelte er die Abgeltung zugunsten der Regional- und Lokalpresse von 20 auf 40 Millionen und zugunsten der Mitgliederpresse von 10 auf 20 Millionen Franken.
Damit war der Ständerat am Mittwoch nicht einverstanden. Die 30 Millionen genügen in seinen Augen, um die Tarife zu garantieren. Es gehe nicht an, einem Teil der Presse zur Gratisdistribution zu verhelfen. Die kleine Kammer opponierte auch dem Beschluss des Nationalrates, die Hilfe an die kleinauflagigen Titel nicht bis Ende 2011 zu befristen.
In der Einigungskonferenz stellen beide Räte gleich viele Mitglieder. Scheitert ihr Antrag auch nur in einer der beiden Kammern, ist die ganze Vorlage vom Tisch.

Den Medien bleibt mehr übrig

Marktforschung Laut der Stiftung Werbestatistik Schweiz sind die Nettowerbeumsätze im Jahr 2006 erneut gestiegen. Marktanteile gewonnen haben dabei die beiden Gattungen Fernsehen und Aussenwerbung, die Presse blieb immerhin stabil.

Marktforschung Laut der Stiftung Werbestatistik Schweiz sind die Nettowerbeumsätze im Jahr 2006 erneut gestiegen. Marktanteile gewonnen haben dabei die beiden Gattungen Fernsehen und Aussenwerbung, die Presse blieb immerhin stabil.Zum dritten Mal in Folge ist der Nettowerbeaufwand wieder am Steigen. Der Tiefpunkt war 2003, als die Nettowerbeumsätze für die ganze Schweiz bei 5,123 Milliarden Franken lagen. Mittlerweile sind sie nun bei 5,632 Milliarden Franken angelangt, also praktisch wieder auf dem Niveau von 2001. Auf den ersten Blick zumindest. Doch dem ist nicht so, der aktuelle Gesamtwert ist mit den Vorjahren nicht wirklich vergleichbar. Denn bei den Messen und Ausstellungen erfuhr die Statistik eine Erweiterung, die das Nettovolumen deutlich höher erscheinen lässt (siehe Kasten «Messen und Ausstellungen»). Wäre die Statistik genau wie bisher erhoben worden, läge der aktuelle Nettogesamtwert wohl noch rund 130 000 Franken unter jenem von 2001. Da die Wemf die Statistik aber für 2005 ebenfalls nach dem neuen Muster nachgerechnet hat, lässt sich dennoch folgende Aussage machen: Die 5,632 Milliarden Nettoumsatz im Jahr 2006 liegen rund 180 Millionen Franken oder 3,3 Prozent höher als der vergleichbare Wert von 2005.
Betrachtet man die einzelnen Mediengattungen, zeigt sich, dass ausser Teletext (–23,7 Prozent), Radio (–2,9 Prozent) und Kino (unverändert) alle Gattungen gegenüber dem Vorjahr leicht zulegen konnten. Die Zuwachsraten betrugen bei der Aussenwerbung 7 Prozent, beim Fernsehen 4,5 Prozent, bei der Presse 3,1 Prozent, bei der Direktwerbung 3 Prozent und bei den Adressbüchern 0,7 Prozent. Erstmals sind auch Online und Ad-Screen aufgeführt – diese aber erst mit Bruttowerten und deshalb ausserhalb der Gesamtstatistik.
Interessant ist die Feststellung, dass die Nettowerbeumsätze 2006 gegenüber dem Vorjahr in etwa gleich stark oder sogar leicht stärker gewachsen sind als das Bruttoinlandprodukt (BIP), das gegenüber dem Jahr 2005 um 3,3 Prozent zulegte. In den vergangenen Jahren (Ausnahme: 2004) lagen die Nettowerbeumsätze jeweils sehr deutlich unter dem BIP-Wachstum.
Bei den Nettowerbeinvestitionen in die Presse dürfte folgender Aspekt auch für die künftige Entwicklung der Schweizer Zeitungslandschaft von Bedeutung sein: Für Inserate in Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen wurden letztes Jahr 1,688 Milliarden Franken investiert, 4,5 Prozent mehr als 2005.  Am meisten legte der Sonntagsmarkt zu (+10,1 Prozent). Noch mehr aber profitierten die gratis vertriebenen Tages- und Wochenzeitungen: Ihre Nettowerbeumsätze stiegen auf 298 Millionen Franken – 40 Millionen oder 15,2 Prozent mehr als 2005. Diese Mehreinnahmen mussten die bestehenden Gratistitel aber mit den vier Newcomern Matin Bleu, 20 minutes, Heute und Cash daily teilen. Die abonnierten Pressetitel legten übrigens nur um 2,5 Prozent zu.
Schaut man dies nach Sprachregionen an, zeigt sich die Situation noch von einer anderen Seite: In der Deutschschweiz legten die Tages- und die regionale Wochenpresse (ohne Sonntagstitel) um ingesamt 4,5 Prozent zu, die gratis vertriebenen Titel wuchsen um 7,5 Prozent – doppelt so stark wie die abonnierte Presse. In der Romandie und im Tessin wuchsen die Tages- und die Wochentitel zwar um 4,8 Prozent oder 18 Millionen Franken. Dieser Zuwachs und noch mehr dazu –  total 22 Millionen – gingen aber vollumfänglich in die Gratistitel, vorab wohl zu Matin Bleu und 20 minutes. Die abonnierte Presse verzeichnete gegenüber 2005 gar ein Minus von 1,1 Prozent.
Positiver sieht es für die West- und die Südschweiz bei der Publikums-, bei der Finanz- und Wirtschaftpresse sowie bei den Spezial- und den Fachzeitschriften aus: Die Titel in den französisch- und in den italienischsprachigen Gebieten schliessen immer mit einem Plus, in der deutschsprachigen Schweiz hingegen durchs Band mit einem Minus ab.
Bei der TV-Werbung (ohne Sponsoring) legten erneut die Schweizer Privatsender am meisten zu, sie steigerten sich um 13,8 Prozent, während die ausländischen Werbefenster um 7 und die SRG um 0,2 Prozent zulegten. Inklusive Sponsoring sind die prozentualen Umsatzzunahmen der Schweizer Privaten und der Werbefenster hingegen beinahe egalisiert. Das Sponsoring von TV-Sendungen weist denn auch eine wesentlich höhere Zuwachsrate als die TV-Werbung auf: Es legte um 11 Millionen auf 54 Millionen Franken zu (plus 27,1 Prozent).
Radiowerbung war dagegen weniger gefragt. Ohne Sponsoringanteil – und damit ohne SRG-Sender – reduzierte sich der Nettowerbeumsatz um 10 Millionen auf 104 Millionen Franken (–8,3 Prozent), wobei die Deutschschweiz prozentual und absolut stärker blutete als West- und Südschweiz. Bezieht man das Sponsoring und damit auch den Anteil der SRG-Radios ein, zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim TV: Sponsoring stösst auch beim Radio auf starke Nachfrage. Es wuchs letztes Jahr um 6 auf 34 Millionen Franken (+19,1 Prozent) und macht bereits ein Fünftel des Nettoumsatzes dieser Gattung aus.   
Die Methodik Die Werte basieren auf Umfragen bei den Medienfirmen (Verlage, Sender) in der ganzen Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein und zeigen die Beträge, welche die Auftraggeber für Werbestreuung effektiv bezahlten. Befragungen von März bis Mai 2007.
 
Schätzungen sind nur enthalten, wenn sich durch Auskunftsverweigerungen relevante Verzerrungen im Vorjahresvergleich ergeben hätten. Das Ausmass der Auskunftsverweigerung sei am Beispiel Print aufgezeigt: Für 2006 meldeten 379 Titel ihre Nettoumsätze – 79,8 Prozent der Gesamtauflage aller Printtitel. 2005 waren es 377 Titel, die damals 73,8 Prozent der Gesamtauflage vertraten.
 
Bei der Direktwerbung handelt es sich einerseits um die effektiven Einnahmen der Verteilorganisationen aus dem Vertrieb unadressierter Werbung und andererseits um eine Hochrechnung der Post für die Portoeinnahmen aus adressierter Werbung aufgrund repräsentativer Unternehmungsbefragungen.
So entsteht Kunden-NettowerbeumsatzDer Kunden-Nettowerbeumsatz wird berechnet aus den Bruttoumsätzen minus Rabatte (für Mengen- und Wiederholungsabschlüsse). Provisionen, Kommissionen (JUP, BK) und sonstige Vergünstigungen werden nicht berücksichtigt. Produktionskosten (etwa für die Leistungen der Werbe- und Mediaagenturen) für den Druck von Prospekten oder Plakaten, die Herstellung eines Spots oder für den Bau eine Messestandes sind ebenfalls nicht enthalten.
Spezialfall Messen
Die Erhebung «Messen und Ausstellungen» basiert auf einer jährlichen Umfrage der Vereinigung Messen Schweiz (VMS).  Basis bilden die kommerziell ausgerichteten internationalen, nationalen oder regionalen Veranstaltungen, die im Messekalender Schweiz publiziert sind. Nun hat die VMS ihre interne Statistik letztes Jahr auf die Bedürfnisse der Branche angepasst, dadurch wurde sie umfassender als zuvor und ist deshalb nicht mehr mit den früheren Publikationen der Stiftung Werbeaufwand Schweiz vergleichbar.
 
Die Zahlen der erweiterten Statistik wurden rückwirkend auch für 2005 erhoben. Die Vorjahresvergleiche basieren auf der erweiterten Statistik: Für 2006 wurden die Einnahmen von 217 Messen erfasst (2005: 199 Messen). Die Nettoeinnah
men betrugen 2006 345 Millionen Franken und lagen um 1,7 Prozent über dem Vorjahr.

Habbo und Penguin laden zum Spiel

Internet Second Life ist der Star in den Medien. Dabei boomen andere Welten mehr. Über virtuelle Welten und ihre Chancen für Werber.

Internet Second Life ist der Star in den Medien. Dabei boomen andere Welten mehr. Über virtuelle Welten und ihre Chancen für Werber. Nach der Schule verbringt Elias Hauenstein seine Freizeit gern mit Freunden. Er spielt Fussball oder hilft an freien Nachmittagen seinem Grossvater in der Autowerkstatt. Nach dem Abendessen zieht sich Elias zurück und kehrt der realen Welt den Rücken. Er loggt sich ins Internet und taucht für Stunden in virtuelle Welten ab. Sein Revier ist nicht die utopische Welt von Second Life. Elias, 10 Jahre alt, bevorzugt das Habbo Hotel oder Webkinz.Habbo Hotel ist ein Treffpunkt für Jugendliche seines Alters. In selbst eingerichteten Räumen verabredet man sich zum Plaudern. Elias chatet über Fussball oder die Schule. Nebenbei füttert er in einem anderen Broswer-Fenster Hippo, sein Cyberstofftier. Vor wenigen Tagen bekam er von seinem Onkel aus Übersee das inzwischen millionenfach verkaufte Schmusetierchen. Durch den mitgelieferten Sicherheitscode konnte Elias das Wesen online zum Leben erwecken. Seither füttert und pflegt er es wie ein Tamagotchi. Zur Erinnerung: Das japanische Spielzeug war in den Neunzigerjahren weltweit ein Verkaufsschlager. Mit Hilfe von drei Tasten musste man das elektronische Tierchen am Leben erhalten.
Aufwärtstrend für Onlinewelten Der 10-jährige Elias ist Teil eines boomenden Phänomens. Immer mehr Menschen treffen sich in virtuellen und interakiven Internetumgebungen. Vor allem die jüngeren Generationen entdecken die Online-Spielwiesen. Marktforscher von Hitwise gehen davon aus, dass 2011 mehr als 80 Prozent der Internetnutzer ihre Zeit regelmässig in einer Pixelwelt verbringen. Heute sind es laut einer Analyse des Beratungsunternehmens Fittkau & Maass 30 Prozent.
Der virtuelle Spieltrieb wird nicht von einer Subkultur gelebt. Der Markt ist milliardenschwer. Die Beratungsfirma Screen Digest rechnet weltweit mit Einnahmen von 1,5 Milliarden Dollar. Und das allein durch Gebühren für Mitgliedschaften. Experten der Gartner Group schätzen, dass bereits 2006 in den USA 526 Millionen Dollar mit Abos für virtuelle Welten verdient wurden. Vor allem mit Kindern und Jugendlichen wird mit Phantasiewelten Kasse gemacht.
Der Boom erfasst inzwischen auch klassische Medienkonzerne. Die News Corp., deren Chef Medienmogul Rupert Murdoch ist, hat ein Auge auf den Online-Kinderspielplatz Club Penguins geworfen. Sein Angebot von 400 Millionen Dollar stösst bei den Inhabern jedoch auf taube Ohren. Obwohl der Betrag etwa dem Preis entspricht, den Murdoch für das Homepage-Portal MySpace hinblätterte. Das Homepage-Portal ist eine der beliebtesten Internetsites mit dem grössten Datenverkehr in den USA.
Club Penguins ist das MySpace für 7- bis12-Jährige. Seit 2005 watscheln Kinder mit ihren Pixelpinguinen im Netz. Mit 15000 Mitgliedern gestartet, zählt der Klub mittlerweile mehr als vier Millionen registrierte Kinder. An guten Tagen kommen bis zu 50000 Kids dazu. Tendenz steigend. Da liegt es auf der Hand, dass Murdoch und übrigens auch Google sich für die Pinguine interessieren. Keine Zielgruppe ist gegenüber Werbung so empfänglich wie Kinder. Ist eine Marke bei den Kids verankert, ist sie nur schwer aus den Köpfen zu verbannen.
Inhaberin Lane Merrifield hat jedoch andere Pläne mit dem Portal. Ein Verkauf kommt für sie nicht in Frage. Stattdessen will sie den Kindern im Netz eine werbefreie Zone einrichten. Werbung interessiert sie nicht. Denn Geld verdient der Klub überwiegend mit dem Verkauf von Fanartikeln und Spielsachen. Das ist kein Geschäft, den die Unternehmerin als Nebenerwerb betreibt. Die Kinder überhäufen den Onlinestore nur so mit Anfragen. Global sieht es laut Mediamark Research gut aus. 47 Prozent der 9- bis 17-Jährigen fordern ihre Eltern auf, ihre Spielsachen nur noch übers Internet zu kaufen. Jährlich geben in den USA Eltern für ihre Sprösslinge 112 Milliarden Dollar für Spielsachen aus. Merrifield ist sich dessen bewusst.
Der Club der Pinguine ist nicht die einzige aufstrebende Spielwelt mit grossem Potenzial. Auch Gaiaonline.com floriert und ist die derzeit die am meisten besuchte Fantasiewelt. «Join the fastest growing online hangout», wirbt die Internetwelt auf der Startseite. Dagegen ist Second Life (SL) nichts. Jährlich verdoppelt sich die Anzahl registrierter User auf Gaiaonline.com. Die Site findet in den USA regelmässig Platz in den Top Ten Rankings. Second Life steht weit im Abseits. Trotz des Booms und der intensiven Berichterstattung. Das renommierte Wirtschaftsblatt Businessweek schätzt, dass gerade mal 0,00091 Prozent des amerikanischen Web Traffic auf Second Life zurückfallen. Das unbekannte Mittelalterspiel RuneScape kommt auf 0,17 Prozent.
Liest man solche Zahlen, erntet der Hype um das zweite Leben Fragezeichen. Unverständlich sind die vielen SL-Stories und Tagebücher in den Zeitungen, die über das virtuelle Entenhausen berichten. Dabei verbringt die Jugend und die Mehrheit der User ihre Freizeit in anderen Onlinesphären. In der Schweiz überwiegend im Habbo Hotel oder in der Fussballwelt Hattrick. Beides Spiele, die ohne aufwändiges Grafikdesign auskommen. Schweizer sind süchtig nach diesen Games und investieren erstaunlich viele Stunden mit Spielertransfers, mit dem Bau von Stadien, mit Einrichten von Zimmern oder virtuellen Schnitzeljagden.
Second Life hält nicht mitWeltweit hat Habbo Hotel mehr als 75 Millionen jugendliche Mitglieder. In der Schweiz sind es derzeit über eine Million registrierte Spieler, die sich in den 2D-Räumlichkeiten treffen. Und seit 2005 kommen jährlich mindestens 400000 neue «Habbos» dazu. An regnerischen Wochenenden treffen sich in der Schweizer Version bis 2600 Jugendliche gleichzeitig in der digitalen Hotel-Lobby zum Plaudern.
Die Wirtschaftssimulation Second Life hält da, was die Anzahl Spieler betrifft, nicht mit. Eine Studie der Internetberatungsfirma Fittkau & Maass zeigt, dass die Goldrauschstimmung um Second Life für die Mehrheit der User in einer Enttäuschung endet. Für 70 Prozent, so die Berater, sei der erste Besuch auch der letzte. Zwei von drei Spielern sind Karteileichen. Wer eine Second-Life-Präsenz in Form eines pompösen Pixelpalastes aufbauen möchte, überlege sich das gut. Im Gegensatz zu den anderen aufstrebenden Welten ist die Linden-Lab-Welt zum Gähnen leer. Das zeigt ein Video eines Bloggers eindrücklich. 60 Unternehmen und deren Filialen besuchte er regelmässig und knipste jeweils ein Bild seines Vorbeischauens. Die Fotos fügte er zu einem Film zusammen. Ernüchterndes Fazit: gähnende Leere vor Ort.
Tausende Transfers – täglichIm finnischen Onlinehit Habbo Hotel hingegen trifft man seit 2001 immer irgendwo Leute an. Auch in der schwedischen Fussballwelt Hattrick sind immer mehrere Tausend Spieler gleichzeitig online. Täglich werden Tausende Transfers getätigt. In vielen Schweizer Firmen herrscht sogar ein Hattrick-Verbot. Grund: Die Manager-Simulation mache süchtig.
Laut Habbo-Hotel-Betreiber Sulake ist das Digital-Hotel das erfolgreichste Onlinespiel für Jugendliche. Die axonometrische 2D-Welt punktet bei Usern. Auch Werber schätzen das virtuelle Gästehaus. Die Schweizer Hotelversion ist für In-Game-Advertising äusserst beliebt. Grosskonzerne wie Coca-Cola, L’Oréal, Universal Pictures oder die UBS investieren Geld für Produkteinführungen.
Eine Kampagne kostet jeweils 20000 Franken. Gegen oben sind keine Grenzen gesetzt. Die User stört die Werbung nicht. Auch deshalb, weil die Betreiber keine plumpe Bannerwerbung schalten, sondern Werbung so platziert, dass sie als spielerisches Element wahrgenommen wird. Zum Beispiel Ovomaltine. In einem Labyrinth mussten die Spieler Fragen zum neuen Ovo-Riegel beantworten und gleichzeitig den Weg zum Ziel finden. Auch die Interstitials, sie sind so was wie Unterbrecherwerbung im Fernsehen, erreichen nach Aussagen der Betreiber Sulake hervorragende Kilckraten.
In dieser Hinsicht ist Habbo Hotel eine Erfolgsgeschichte, was das Thema In-Game-Advertising betrifft. Sulake setzt viel Hoffnung in ihre Chat-Spiel-Plattform und ihr Werbeangebot. Anders als in Fantasy-Games wie World of Warcraft eignet sich die Hotel-Umgebung für einen Markenaufbau gut. Das Umfeld ist frei von Gewalt.
 
Christian Lüscher

Neuer Leiter Ressort Wirtschaft bei der Aargauer Zeitung

Daniel Imwinkelried übernimmt per 13. August 2007 die Leitung des Wirtschaftsressorts der Aargauer Zeitung.

 Daniel Imwinkelried übernimmt per 13. August 2007 die Leitung des Wirtschaftsressorts der Aargauer Zeitung. Der 40-Jährige tritt die Nachfolge von Max Fischer an, der zur Schweizer Illustrierten wechselt. Imwinkelried war zuvor unter anderem für den Bund, für die Bankgesellschaft und die Handelszeitung tätig, wo er für den Finanzteil verantwortlich war und die Bankbranche betreute. Nach kurzer Auslandtätigkeit bei der Tageszeitung Die Welt in Berlin wechselte er im November 2004 zu Cash als Leiter des Anlageteils.

Schweizer in Cannes präsenter denn je

Löwenjagd III DieSchweizer bemühen sich, Baustellen bleiben.

Löwenjagd III DieSchweizer bemühen sich, Baustellen bleiben. Es ist schon erstaunlich, mit welch Riesenschritten die Eidgenossen ihr Cannes-Engagement vorantreiben: In diesem Jahr sind 617 Arbeiten aus der Schweiz im Rennen. Das entspricht einer Steigerung von knapp 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im Vergleich zu 2005 sind es 69 Prozent mehr. Ärgerlich ist nur, dass sich die Anzahl der gewonnenen Löwen bis dato nicht proportional zu den erhöhten Investitionen entwickelt. Sowohl 2005 als auch 2006 waren es fünf Trophäen, die in die Schweiz gewandert sind.Das könnte sich dieses Jahr zum Positiven ändern. So ist im Outdoor-Bereich mit der Amnesty-International-Kampagne von Walker eine Arbeit im Rennen, die bereits bei anderen internationalen Award-Shows punkten konnte. Hier stimmen sowohl Idee als auch Ausführung. Der Auftritt hebt sich wohltuend von anderen Motiven aus der Schweiz ab, die nach wie vor zu sehr den «brasilianischen» Trend bemühen. Sprich: nett erzählte Bildwitze, die nicht wirklich überraschend sind – wie etwa die Gran-Gusto-Gelateria-Kampagne von Advico Young & Rubicam oder die Hug-Kampagne von Jung von Matt/Limmat. Diese Arbeiten mögen originell gedacht sein, aber sie bringen den Betrachter weder zum Nachdenken, noch verursachen sie einen Aha-Effekt.
Mit solcherlei Arbeiten konnte man in Cannes vor einigen Jahren sicherlich noch punkten. Inzwischen werden aber Print- und Outdoor-Beiträge bevorzugt, die den Betrachter herausfordern beziehungsweise mit dem jeweiligen Medium spielen. Das mag auch einer der Gründe dafür sein, weshalb es die in der Schweiz und in Deutschland überaus beliebten Fleurop-Anzeigen von Walker beim Festival an der Côte d’Azur nicht einmal auf die Shortlist geschafft haben. Zwar lösen diese Arbeiten beim Betrachter ein angenehmes Déjà-vu-Erlebnis angesichts der dargestellten Mutter-Kind-Situationen aus, es bleibt aber bei einem kurzem Schmunzeln.
Bei den Lions Direct zeigen die Schweizer seit drei Jahen eine konstant gute Leistung – auch in diesem Jahr schafften es wieder drei Arbeiten aufs Siegertreppchen. Hier zeigt sich sehr gut, worauf die Jurys wie schon im Vorjahr besonders grossen Wert legen: die einzigartige Idee. Zweimal wurde die Kampagne «Tailored Shirts» für Artesanos Camiseros von DraftFCB/Lowe Group prämiert, die auch in punkto Media-Einsatz sehr innovativ ist. Durchsetzen konnte sich ausserdem die Kampagne «Alternative World Cup 2006» für Schweiz Tourismus von SFLB. Hier fällt positiv auf, dass der originelle Kampagnengedanke konsistent über verschiedene Medien gespielt wird. Eine gute Ausführung und hübsches Artwork allein reichen nämlich nicht für einen Löwen. Originell und ungesehen muss die Arbeit sein und eine starke Botschaft enthalten. Bei den Schweizer DM-Arbeiten ist dies der Fall.
In der Königskategorie Film haben die Fleurop-Arbeiten von Walker Potenzial, in Cannes zu bestehen. Andere Beiträge wie etwa die Beck-&-Bondi-Filme für Swisscom mögen zwar in ihrem Heimatland populär sein. Für die Cannes Lions sind sie aber weder schräg noch emotional genug, um sich bis in die Endrunde durchsetzen zu können.
Doch so sehr sich die Schweizer auch bemühen, in Cannes eine signifikante Rolle zu spielen, es gibt nach wie vor eine riesige Baustelle: Bei den Cyber Lions spielen die Eidgenossen bis dato kaum eine Rolle. Bescheidene 17 Arbeiten wurden in dieser Disziplin eingereicht. Während alle Welt von Web 2.0 redet und die Unternehmen ihre Marketingbudgets in Richtung online umschichten, konzentrieren sich die Schweizer Agenturen weiterhin auf Print und Outdoor. Hier gibt es riesigen Nachholbedarf – und ganz viel Raum für weiteres Wachstum.
Bärbel Unckrich

Des Schweinebratens Glück – Elvis lebt

Automobil Jung von Matt/Limmat ruft mit digitalen Kettenbriefen zum Probefahren mit einem Mini.

Automobil Jung von Matt/Limmat ruft mit digitalen Kettenbriefen zum Probefahren mit einem Mini. Ein ungewöhnliches Auto ruft auch in der Werbung nach unkonventionellen Ideen. «Is it love?» – mit diesem Slogan begann 2001 die neue Zeitrechnung beim Mini, als die englische Marke unter die Fittiche von BMW wechselte. Bald darauf wurde der neue Mini mit einer Aufsehen erregenden «Mission Mini» beworben. TV-Teams und Medienleute aus aller Welt starteten in Barcelona zu einer medienwirksamen «Schnitzeljagd» mit über 100 Mini in den Farben der Teilnehmerländer. Nun steht seit November 2006 die zweite Generation des beliebten Kleinwagens bereit. Diesmal unter dem Motto «Incredibly Mini. The new Mini». Während das Design nur massvoll aktualisiert wurde, sind vor allem die Motoren neu und sparsamer. Das Resultat: ein Fahrspass, den man am besten bei einer Probefahrt testet. Denn: «60 Prozent aller potenziellen Käufer, die einen Mini probefahren, kaufen ihn auch», weiss Adrian Riesen bei Mini Schweiz.
Stimmen aus dem InternetFür den Aufruf zur Probefahrt hat Jung von Matt/Limmat nun digitale Kettenbriefe entwickelt. Diese sind an die Empfänger des Mini-Newsletters verschickt worden. Die Briefe enthalten sehr schräge Texte, die natürlich zum viralen Weiterleiten verführen sollen. Um die Anonymität des Mediums zu unterstreichen, liess JvM die Texte mit Computerstimmen aus dem Internet sprechen. Besonderer Viraleffekt: Eine «e-mail to 50 friends»-Funktion gibt dem Empfänger die Möglichkeit, den Brief mit einem Klick an Dutzende Bekannte weiterzuleiten.
Die Kettenbriefe «Glück und Schweinebraten» oder «Elvis lebt» sind auch auf www.50-freunde.ch sicht- und hörbar sowie partiell im Radio.
Andreas Panzeri

Der Wörtermann

Thomas Meyer hat die Agentur Malstube übernommen und in Meyer Werbung umbenannt. Er plant weitere Guerillaaktionen.

Thomas Meyer hat die Agentur Malstube übernommen und in Meyer Werbung umbenannt. Er plant weitere Guerillaaktionen. «Mädchengeruch ist ein herrliches Gift. Schon ganz wenig davon versetzt mich in lähmende Verzückung und beschert mir die eine oder andere fantastische Halluzination», verrät Thomas Meyer. Ist er einmal «vergiftet», weiss er zu texten: «Liebe ist der wilde Tanz übers dünne Eis und der Schwebeflug in den brodelnden Vulkan.» Oder: «Liebe ist die Passfahrt ohne Bremse, der Sprung ins Bärengehege und das Nickerchen auf dem Pilotensitz.» Ganz schön poetische Worte von einem, der sich soeben mit dem schlichten Namen Meyer Werbung als neuer Jungunternehmer vorgestellt hat. Blenden wir zurück.All diese Sätze finden sich im Buch «Die Federhure» von Thomas Meyer. Bevor er sich diesem Beruf des Wortarbeiters nicht mehr entziehen konnte, versuchte Meyer seinen Eltern mit einem Jusstudium ein guter Sohn zu sein. Obwohl Werbung ihn schon damals viel mehr interessierte. Aber wie wird man Werber? Die Verantwortlichen von Schweizer Werbung (SW) wird die Antwort freuen: Jung-Meyer hat in ihrer Broschüre entdeckt, dass es den Beruf des Texters gibt. Der Rest ist ohne viel Worte erzählt: Praktika bei Wirz, Hostettler und Fabrikant, GGK.
1997 fand er in Zürich bei dieser Agentur die erste richtige Anstellung. Mit anderen Worten: «Die juristische Karriere war damit im Eimer.»
Bei GGK fand Juniortexter Meyer in Markus Rottmann nicht nur «einen sehr guten Lehrmeister». Dieser gab ihm auch den Anstoss, in Zürich mit eigenen Undergroundtexten an die Öffentlichkeit zu gelangen. Meyer entwickelte eine Website, die man als «den ersten Blog» der Zürcher Werberszene bezeichnen könnte. Meyer unterschrieb seine Texte mit Hans Schmerz. Auf die Idee zu diesem Pseudonym ist er im Kino beim Abspann des Films «Alien» gekommen. Dort spielt ein gewisser John Hurt mit. Der Rest ist Übersetzung. Später arbeitete Meyer beim Magazin Kult mit.
Für seine Pionierwebsite hat Meyer ebenfalls schon ein paar Jahre vor dem grossen Trend «Guerillawerbung» betrieben. Er streute überall Kleber mit nur einer geheimnisvollen Webadresse drauf: www.hansschmerz.ch. Inzwischen bei Advico gelandet, schickte Meyer diese Adresse – ohne weiteren Text – auch an Reini Weber. Dieser fand: «Den wollen wir haben für WHS.» Meyer fand: «Das will ich auch.»
In seinem Jahr bei WHS wurde Meyer «vom Junior zum Halbsenior» und durfte neben Schweiz Tourismus zum Beispiel auch an der legendären Kampagne für den Tagi mittexten. Das waren die Schlagzeilen mit dem Claim: «Wir bleiben dran.»
Werbetexter oder Journalist? Meyer wollte auch die Welt der Medien näher kennen lernen und wechselte zum City-Blick. Für dieses Schwesterprodukt von Blick Online durfte er als rasender Reporter über die Arbeit der Flughafenpolizei berichten oder sich zum Beispiel bei den VBZ in einem Crashkurs zum Tramführer «ausbilden» lassen. «Alles Dinge, die ich schon immer einmal machen wollte», meint Meyer, der natürlich bedauerte, dass der City-Blick nach einem halben Jahr wieder eingestellt wurde. Der Journalist mit Werberseele – oder umgekehrt –  ging wieder zurück zu WHS, durfte aber weiterhin als Freelancer Kolumnen für Blick online schreiben.
«Es gab immer wieder Leute, die meinten, ich müsse mich entscheiden zwischen zweckfreien Texten und Werbetexten. Ich bin aber heute noch überzeugt, dass ich mich nicht entscheiden muss», meint Meyer. Mit dem Ende von WHS und «einem Rauswurf bei Euro RSCG» wurde die Situation dann trotzdem geklärt. Meyer bewarb sich 2005 als Produzent bei Facts und wurde als Textchef angestellt.
«Sex und Sprache» – das waren die beiden Themen, die Meyer in seinem Nebenjob als journalistischer Autor am meisten interessierten. Heute sind es «Liebe und Sprache». Neben seinen beiden Büchern «Die Federhure» und «Die Federhure ff.» erschien 2000 auch sein erster Text im Magazin des Tages-Anzeigers. Seither geniesst er dort alle Jahre einmal Gastrecht und schreibt gelegentlich auch für die Weltwoche. «Solche und andere Nebenjobs in den Medien werden weiterhin bleiben, sonst mache ich etwas falsch», sagt Meyer, der dann einmal mehr in die Werbung zurückpendelte, als bei Facts die Rolle des Textchefs «einem Strukturwandel zum Opfer fiel». 
Meyer kaufte sich in der Folge bei der Malstube ein. Für dieses grafische Atelier von Fabian Gruber hatte er bereits 2001 den Namen geliefert. Seither wirkte er dort als Freelancer, während sich die Malstube immer mehr zu einer Fullserviceagentur entwickelte. Die wichtigsten Kunden sind nach wie vor Hostpoint sowie der Online-Marktplatz Piazza. Für diesen fiel die Malstube mit der witzigen Geschichte «Sorry, aber ihre Eheprobleme eher nicht» auf.  Später konnte man doofe Geschenke über Piazza wieder loswerden.
Als Fabian Gruber vor ein paar Monaten meinte, er wolle keine Werbung mehr machen – «und diese Meinung auch umsetzte» –, übernahm Meyer ebenso kurz entschlossen die Malstube zu 100 Prozent.
Der Ausstieg des Partners lieferte Meyer die Möglichkeit, «für alles eine neue Entscheidung zu finden». Wie heisst die Agentur? Mit wem mache ich es und wo?
«Da habe ich gleich alles geändert», konstatiert Meyer. Statt mit neuen Partnern will er nur noch mit Freelancern arbeiten. «Diskussionen langweilen mich, was oft als Arroganz ausgelegt wird. Aber es ist eine Tatsache: Ich arbeite am liebsten allein.» Hat er eine Idee, so will er sie möglichst ohne fremde Einflüsse entwickeln und konsequenterweise auch noch selber den Kunden davon überzeugen. «Die Idee muss dann eben so gut sein, dass ich sie verkaufen kann.»
Auch den Namen Malstube fand er nicht mehr so passend. «Sagen wir es so banal, wie es wirklich ist: Meyer macht Werbung, also schreiben wir das auch so an die Tafel.»
Und in welchem Bereich der Werbung will Meyer künftig tätig sein?
Hostpoint und Piazza bleiben treue Kunden. Dazu arbeitet Meyer viel mit der Agentur Mediabox zusammen. Guerillamarketing. «In dieser Sparte ist es noch anspruchsvoller, Erfolg zu haben, weil man so direkt auf die Leute zugeht, dass man sie wirklich abholen muss. Bei einer Anzeige kann man nichts falsch machen, aber Guerilla ist messbar und muss wirklich funktionieren.»
Wie steht es um das Vertrauen der Kunden in eine so kleine «Küchentischagentur»? «Diese Frage kann ich erst in drei Jahren beantworten. Aber ich bin zuversichtlich, sonst würde ich es nicht machen. Es ist eine Frage von Disziplin und Fleiss. So viel, wie man will und fordert – so viel bekommt man.» Oder um es noch einmal mit den Worten der «Federhure» zu sagen: «Niemals würde ich meine Seele verkaufen. Aber Teile meines Körpers.»   
 
Andreas Panzeri

Comedia bezeichnet das Aus von Facts als «unverständlich»

Die Mediengewerkschaft Comedia kritisiert Tamedia für die Einstellung des Nachrichtenmagazins Facts. Für Zentralsekretär Serge Gnos ist es nicht nachvollziehbar, dass dieser Entscheid zum jetzigen Zeitpunkt kommt: Der Tamedia gehe es hervorragend.

 Die Mediengewerkschaft Comedia kritisiert Tamedia für die Einstellung des Nachrichtenmagazins Facts. Viele Arbeitsplätze seien betroffen, meinte Comedia-Zentralsekretär Serge Gnos auf Anfrage der SDA. Gnos bezeichnete das Ende von Facts als extrem bedauerlich. Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, dass dieser Entscheid zum jetzigen Zeitpunkt komme: Der Tamedia gehe es hervorragend. Sie habe letztes Jahr das beste Ergebnis ihrer Geschichte geschrieben und investiere nun über 200 Millionen Franken in die Übernahme der Espace Media.
«Dass es jetzt nicht mehr möglich sein sollte, Facts eine Chance zu geben, sich am Markt zu entwickeln, ist unverständlich», sagte Gnos der SDA. Jetzt werde Comedia die Tamedia kontaktieren, um Verhandlungen über einen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeitenden aufzunehmen.
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