Prozessintegration Druckmaschinenbauer Heidelberg sagt der manuellen Produktionsplanung den Kampf an. Der Arbeitstag in den meisten Druckereien und/oder Druckweiter- verarbeitungs- betrieben beginnt mit einer Planungssitzung am frühen Morgen. Hier werden die zu fertigenden Aufträge des Tages besprochen, mittel- und langfristige Termine festgelegt, auf Plantafeln eingetragen bzw. abgesteckt. Im Weiteren werden Prioritäten definiert, die dann nicht selten während des Tages wieder über den Haufen geworfen werden … Fehlende oder ungenügende Daten, Verschiebungen der Datenlieferung seitens der Kunden etc. sind alltägliche Problemstellungen, mit denen Druckereien und in der Folge auch die Drucksachenveredler oder Weiterverarbeiter konfrontiert sind und die ständige Anpassungen an die Terminpläne erfordern.
Elektronisch planen Mit modernen Workflow-Lösungen bekommen die Unternehmen die Verschiebungen der Termine zwar genauso wenig wie den Problemkreis kurzfristiger Änderungen in den Griff, aber vermutlich kann dank eines erweiterten Funktionsumfangs dieser Systeme schon bald besser und vor allem schneller auf die genannten äusseren Einflüsse reagiert werden. Damit nicht genug: Geht es nach den Plänen der Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg), dann wird die manuelle Plan- oder Produktionsplanungstafel schon bald obsolet. Ein wichtiges Mosaiksteinchen, genauer eine zu deren Produktions-Workflow-System Prinect passende Komponente, hat das Unternehmen im Juni im Rahmen einer internationalen Fachpressekonferenz in der Schweiz und Liechtenstein vorgestellt. Vor Ort bei Praktikern – der im Zürcher Oberland in Egg beheimateten Druckerei Fotorotar AG und der im «Ländle» bzw. Schaan domizilierten BVD Druck+Verlag AG – stellte Jörg Bauer von Heidelberg die neuen, Prinect ergänzenden Software-Komponenten Prinect Scheduler und Prinect Postpress Manager (siehe Kasten) vor.
Der von Bauer besprochene Prinect Scheduler ist eine Erweiterung der Heidelberg-Workflow-Lösung Prinect und soll zur Fachmesse Drupa im Juni 08 verfügbar sein. «Druckereien werden mit dem Scheduler in die Lage versetzt, ihre Druckaufträge deutlich schneller, flexibler und auch einfacher zu planen», skizziert Bauer die Möglichkeiten dieser integrierten, elektronischen Produktionsplanung. Um diese umfassende Übersicht zu gewährleisten, verbindet sich der Prinect Scheduler mit dem Prinect Integration System, das für eine zentrale Datenhaltung innerhalb einer Druckerei auf Basis von JDF (Job Definition Format) sorgt. Mittels eines zentralen, JDF-basierenden Jobtickets – das Informationen zur Auftragsidentifikation und zu den verwendeten Materialien bereithält sowie den Produktionsweg beschreibt – und durch JDF-Routing – dem Zuordnen bzw. Weiterleiten von JDF-Instruktionen – lassen sich bereits heute auftragsrelevante Informationen zwischen den Abteilungen Arbeitsvorbereitung/ Kalkulation und Produktion elektronisch hin- und hersenden bzw. abrufen.
Auf Herz und Nieren testen Beim Presse-Event zum Thema «Prozessintegration» sollten erste Testanwender nicht zu kurz kommen. Das Unternehmen Fotorotar wird in Kürze als Betatest-Kunde die von Heidelberg entwickelte Komponente Prinect Scheduler einsetzen. Die Fotorotar gilt als eine Druckerei, die schon lange und eng mit Heidelberg zusammenarbeitet und gar mitentwickelt. Jüngstes Beispiel dieser Kooperation ist der Feldtest der Speedmaster SM 52 mit dem Farbwerk Anicolor, die in Egg über längere Zeit getestet wurde und dem Druckmaschinenhersteller Heidelberg wichtige Erkenntnisse über ihren Einsatz in der Praxis liefert. Gleiches will man in Egg nun auch mit dem Prinect Scheduler vornehmen und die Komponente mit Start im Herbst 2007 auf Herz und Nieren testen. Dieses Termin- und Zeitplanungsinstrument verspricht, die Plantafel ins digitale Zeitalter zu überführen. «Alle Daten, die die AVOR erfasst/liefert, können nun zur Produktion genutzt werden», freut sich Geschäftsführer Jürg Konrad. Otto Brunner, ebenfalls Mitglied der Geschäftsleitung, geht davon aus, «dass dank der Funktion als elektronische Plantafel weniger Rücksprachen beim Kunden notwendig sein werden». Zum Einsatz kommt bei Fotorotar neben dem Prinect Integration System samt Pressroom Manager die Vorstufenlösung Prinect Printready. Als Branchen-Software bzw. MIS-System setzt die Druckerei auf das Schweizer Produkt Printplus.
Den schnellen Durchlauf im Fokus Im Gegensatz zur Fotorotar verwendet die BVD das MIS-System Prinect Prinance von Heidelberg. Peter Göppel, Mitglied der Geschäftsleitung, ist begeisterter Anwender dieser Branchen-Software: «Service am Kunden ist, wenn man schnell und kompetent Auskunft über den Produktionsstatus geben kann. Prinect mit Prinance ist eine überzeugende Lösung.» 8500 Aufträge unterschiedlicher Grösse werden im Schaaner Druck- und Verlagshaus in Offset- und Digitaldruckverfahren jährlich produziert. Diese Zahl veranschaulicht, welchen Stellenwert die Auskunftsfähigkeit der AVOR-Mitarbeitenden bei den Kunden einnimmt. Mit dem Prinect Postpress Manager testet die BVD ein weiteres in Entwicklung befindliches, ebenfalls von Heidelberg auf die Drupa hin angekündigtes Modul. Die auf die Druckweiterverarbeitung ausgerichtete Prinect-Komponente erlaubt die Online-Anbindung der Weiterverarbeitungsmaschinen von Heidelberg und damit einen bidirektionalen Datenaustausch mit dem Management-Informationssystem (MIS) einer Druckerei – inklusive dem Laden von Auftragsdaten direkt auf die Maschine. Quasi im Gegenzug liefert der Postpress Manager Analysedaten direkt an das MIS zurück. Für Peter Göppel, der sich als an betriebswirtschaftlichen Zahlen und Auswertungen interessierter Manager vorstellte, dürfte vor allem letzteres ein Argument sein, den Postpress Manager weiterhin in der Praxis einzusetzen.
Fazit: Scheduler = Vernetzung 2.0 Die Vernetzung bzw. die Integration von Prozessen ermöglicht weit mehr als die Weitergabe von Produktionsdaten und die Rückmeldung diverser Statusinformationen. Eingebettet in ein System und mit Tools wie dem Prinect Scheduler lässt sich, wie bei den beiden Druckereien deutlich wurde, die Planung von Produktionsressourcen sowie die Auskunftsfähigkeit gegenüber dem Kunden deutlich verbessern. Ein Thema, das viele Druckereien und teilweise auch deren Kunden interessieren dürfte.
Jürgen Franck
Prozessintegration Mit dem Prinect Scheduler
(to schedule = planen, disponieren) integriert Heidelberg mit Verfügbarkeit Drupa 2008 die elektronische Plantafel in den Produktions-Workflow. Druckereien werden damit in die Lage versetzt, Aufträge schneller, flexibler und einfacher zu planen.
Bereits heute kann mit Prinect Cockpit
der Produktions-Workflow kontrolliert werden; der optionale Scheduler führt darüber hinaus die Planungsaktivitäten mit einer Produktionssteuerung zusammen. So genannte Checkpoints zeigen an, ob definierte Meilensteine wie zum Beispiel die Freigabe des Proofs oder die Verfügbarkeit von Druckplatten und Papier erreicht wurden. Damit erhalten zugriffsberechtigte Personen einen schnellen Überblick über die Situation in der Produktion.
Der Prinect Postpress Manager
ermöglicht ebenfalls ab der Drupa 2008 die Online-Anbindung von diversen Heidelberg-Weiterverarbeitungsmaschinen oder die Offline-Anbindung via Data Terminals von Maschinen von Drittanbietern oder solchen, bei denen keine Online-Anbindung möglich ist. (jf)