Die neue Gratiszeitung .ch habe ein Problem mit der geplanten Distribution, berichtete der Sonntagsblick am Wochenende: Das Konzept, die Zeitung in Ständern vor Mehrfamilienhäusern aufzustellen, stosse bei einigen Immobilienbesitzern auf Ablehnung. So erlaube es beispielsweise die Immobilienverwalterin Livit den Herausgebern der Gratiszeitung nicht, die Ständer vor ihren Liegenschaften aufzustellen. «Wir hatten aber noch gar keinen Kontakt mit Livit», sagte Sacha Wigdorovits, der Initiator von .ch, gegenüber der Werbewoche. Man werde erst Ende dieser Woche den Plan fertig stellen, an welche Liegenschaften im Einzelnen das neue Blatt überhaupt verteilt wird. «Deshalb können wir erst nächste Woche damit beginnen, die Liegenschaftsverwaltungen zu kontaktieren.» Man werde die ausgewählten Hausbesitzer und Liegenschaftsverwalter in den Verteilregionen Zürich, Winterthur, Bern, Basel, St. Gallen und Luzern anschreiben und ihnen erklären, wie die Verteilung geplant sei. Wer keinen Ständer vor seinem Haus haben wolle, könne sich melden. In diesen Wohnhäusern werde die Zeitung auf der Treppe oder im Eingang deponiert.
Wigdorovits’ Zeitung .ch wird schon Mitte September starten. Dennoch erachtet er den Zeitplan, um mit den Immobilienverwaltern zu verhandeln, nicht als zu eng: «Wir müssen ja nicht mit allen Verwaltungen sprechen. Wir werden die Briefe verschicken und darin kommunizieren, dass sie auf uns zu kommen sollen, wenn sie nicht einverstanden sind.» Auf diese Weise sollen die Abklärungen bis September gut möglich sein. Miete werde man für die Ständer keine bezahlen: «Wer nicht einverstanden ist, dem stellen wir halt keinen hin». Die Ständer seien in erster Linie eine Dienstleistung für die Hausbesitzer, damit die Zeitungen ordentlich verteilt werden könnten und nicht herumliegen würden.
Wigdorovits ist guten Mutes, dass die Verwaltungen sich einverstanden zeigen werden, auch wenn in der Presse in den letzten Tagen häufig geunkt wurde, das Konzept gehe nicht auf: «Das ist eine Diffamierungskampagne von Tamedia, Espace Media und Ringier gegen unsere Zeitung, um den Werbemarkt zu verunsichern», sagte Wigdorovits. Bei den Werbekunden komme .ch nämlich sehr gut an.
Verunsicherung ist in Wigdorovits’ Augen auch rund um die Boxen und Ständer entstanden. Ein Ständer, wie er vor den Wohnhäusern stehen wird, fasst etwa 15 Zeitungen. Er sei damit also viel kleiner als die Boxen der Konkurrenz-Gratiszeitungen, die im öffentlichen Verkehr stehen. Anfänglich werde ausserdem die Post-Tochter DMC, welche die Distribution übernimmt, die Kapazität der Ständer nicht voll ausschöpfen. Man wolle zuerst prüfen, wie das Echo ausfällt: «Für eine Liegenschaft mit fünf Wohnungen deponieren wir also zuerst einmal nur drei Zeitungen. Stossen diese auf Akzeptanz, füllen wir mehr Exemplare nach und sonst eben weniger». Auf diese Weise will man die Auflage, die bei 430’000 Exemplaren startet, innerhalb der ersten sechs bis neuen Monate auf über 500’000 Stück anheben.
Auch im öffentlichen Verkehr wird .ch präsent sein, mit etwa 30 Prozent der Auflage. Mit den entsprechenden Behörden und den SBB wurde der Kontakt laut Wigdorovits bereits aufgenommen.