Zu guter Letzt: Der Knasti, unser Medienstar

Die Medienszene scheint eine neue Bevölkerungsgruppe zu entdecken: Nach der klassischen Zielgruppe der unter 50-Jährigen, nach den Best Agers und nach den Kindern kommen nun Knastinsassen dran.

 Die Medienszene scheint eine neue Bevölkerungsgruppe zu entdecken: Nach der klassischen Zielgruppe der unter 50-Jährigen, nach den Best Agers und nach den Kindern kommen nun Knastinsassen dran. Das Schweizer Fernsehen zeigt ab November eine Doku-Soap mit dem klingenden Titel «Chor auf Bewährung». Darin werden 15 Insassen des Jugendheims Aarburg begleitet, die zusammen mit 15 Schülern der Kanti Zofingen einen Chor bilden. Zeitgleich mit der Ankündigung des SF-Formats erreicht uns ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der ausführlich die rund 70 Knastzeitungen beschreibt, die in Deutschland hinter Gitterstäben produziert werden. Die grösste darunter ist mit einer Auflage von 5’500 Stück ein Blatt namens Lichtblick aus der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel. Grösste Resonanz darin finden zwar anscheinend nicht die redaktionellen Inhalte, sondern die Partnerschaftsanzeigen, die beispielsweise so lauten: «33-jähriger Löwe, derzeit im Käfig, sucht wilde Katze zum gemeinsamen Brüllen.» Dennoch werden die Zeitungen von manchen Gefängnisdirektoren als Bedrohung angeschaut, während andere sie als Mittel zur Reintegration schätzen. Auf Resonanz scheint die bis anhin unterschätzte Pressegattung auf jeden Fall zu stossen.
Eine offene Frage bleibt nun, ob jene Politiker mit harter Hand davon profitieren, wenn die Menschen hinter schwedischen Gardinen vermehrt in Presse, Funk und Fernsehen auftauchen. Schliesslich wollen die Zuschauer bestimmt verhindern, dass es mal weniger ihrer Glotzobjekte geben wird – da könnte es ja eine Strategie sein, jene Parteien zu wählen, die jeden Brotdieb ins Gefängnis stecken…

Gutes tun – und gut daran verdienen

Ökomarketing Anzeigen und PR-Kampagnen, die das Umweltbewusstsein und das ethische Verhalten von Unternehmen preisen, ist der letzte Schrei im US-Marketing.

Ökomarketing Anzeigen und PR-Kampagnen, die das Umweltbewusstsein und das ethische Verhalten von Unternehmen preisen, ist der letzte Schrei im US-Marketing. Es vergeht keine Woche, in der nicht eine neue Ökokampagne oder Naturschutzaktion gestartet wird. Grosse Konzerne wie Wal-Mart, FedEx oder Procter & Gamble sind ganz vorne mit dabei. Eines der jüngsten Projekte, das allein durch sein Volumen auffällt, ist eine 20 Milliarden Dollar umfassende Initiative der Bank of America, dem grössten US-Finanzinstitut. Mit dieser Initiative sollen in den nächsten zehn Jahren umweltfreundliche Wirtschaftsprojekte angeschoben und damit auf den Klimawandel aufmerksam gemacht werden. «Die Initiative ist herausragend, weil die Bank of America gute Geschäfte machen kann und zugleich eine hervorragende PR-Kampagne damit verknüpft», sagt Jacquelyn Ottman, Business Consultant und Autorin des Buches «Green Marketing». Und genau dies ist ihrer Meinung nach auch der Grund, dass so viele Firmen auf den Öko-Zug aufspringen. «Es ist nicht nur gut für das Image einer Firma, sondern auch für ihr Geschäft.»  
Ähnlich innovativ ist auch die neue Kampagne des Baumaterial-Unternehmens Home Depot, das vor wenigen Wochen als erster Handelskonzern ein hauseigenes grünes Label namens «Eco Options» eingeführt hat. Damit werden über 2500 umweltfreundliche Produkte wie etwa reizstoffarmer Insektenspray oder organischer Torf ausgezeichnet. Die Firma reagiert damit unter anderem auf den wachsenden Trend zum ökologischen Bauen.
 
Dabei ist es erst wenige Jahre her, dass globale Konzerne wie Nike, The Gap oder Chiquita negative Schlagzeilen wegen unethischer Geschäftspraktiken, wie etwa Kinderarbeit in Drittwelt-Ländern, machten. Alle drei Firmen haben ihre Probleme seitdem öffentlich diskutiert, ihre Methoden revidiert und gehören heute zu jenen US-Konzernen, die als Vorbilder im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) gelten – jenem Unternehmenssektor also, der sich mit den ethischen Fragen des Business auseinandersetzt und Bereiche wie Arbeitnehmerrechte, Philantropie und umweltfreundliche Produktion umfasst. «Früher war es Qualität, was die Marken voneinander unterschied. Heute ist es der Ruf einer Firma», sagt Bradley Googins, Direktor des Boston College Center for Corporate Citizenship. «Die Kunden, aber auch die Beschäftigten erwarten heute mehr von einer Firma in dieser Hinsicht.» Die Zielgruppe dieser Bemühungen auf Konsumentenebene ist das so genannte «Lifestyle of Health and Sustainability» (Lohas)-Segment, eine rund 50 Millionen starke Bevölkerungsgruppe in den USA, die in ihren Kaufentscheidungen grossen Wert auf Umwelt, Menschenrechte und Gesundheit legt.
 
Einige Unternehmen begannen schon in den 90er-Jahren, Abteilungen für «Community Relations» zu gründen, die häufig dem direkten lokalen Umfeld des Unternehmens zu Nutze kamen. Doch die Bemühungen der Konzerne, diese Aktivitäten auch nach aussen zu kommunizieren, gingen im vergangenen Jahr sprunghaft in die Höhe, sagt Jay Whitehead, CEO des Business-Magazins The CRO. «Die Fachzeitschrift wurde im gleichen Jahr gegründet, nachdem Unternehmen wie General Electric, BP, Toyota oder Ecolab 2006 anfingen, sich von den defensiven Kommunikationspraktiken abzuwenden und offensiv Geld in CSR zu investieren, um mehr Produkte zu verkaufen, Kapital zu gewinnen und talentierte Beschäftigte anzuheuern.» Laut Whitehead wurden allein 2006 insgesamt 31,7 Milliarden Dollar für CSR ausgegeben.
 
Industriebeobachter glauben jedoch auch, dass mit dem zunehmenden Umweltbewusstsein der Verbraucher auch die Skepsis am Wahrheitsgehalt solcher Kampagnen wachsen wird. So galt die von General Electric (GE) schon 2005 eingeführte Kampagne «Ecomagination», die für die Nutzung umweltverträglicher Energien warb, lange Zeit als Vorbild für eine überzeugende Ökowerbung. Doch nicht alle grünen Marketer sind davon überzeugt, hat GE seitdem doch nicht nur energiesparendere Lokomotiven hergestellt, sondern gleichzeitig auch Lobby betrieben, um geplante neue Smog-Regulierungen der Regierung zu konterkarieren. «GE widerspricht damit seinen eigenen Grundsätzen», sagt BJ Cook, Direktor bei der Ökomarketingagentur Digital Telepathy, der darauf hinweist, dass dies in der Öffentlichkeit jedoch kaum diskutiert wird. «Man wollte in erster Linie Nutzen daraus schlagen, und das gelang auch, indem man beim Kunden Markenbewusstsein schuf.»
 
Gerti Schön, New York
 
 
 
«CSR ist überall integriert»  
Stanley Litow,
bei IBM für die Corporate Social Responsibility zuständig, über Ökologie als Marketingtool.  
WW: Wie kann man CSR in eine erfolgreiche Marketing- und Kommunikationsstrategie integrieren?  
Stanley Litow: Man kommuniziert seine Grundsätze zuallererst an Kunden und Geschäftspartner. Wir betreiben eine 47 Milliarden Dollar schwere Zuliefererkette, das sind Firmen, die regelmässig mit uns zusammenarbeiten. Es gibt einen Verhaltenskodex für diese Unternehmen, der nicht nur unsere CSR-Praktiken enthält, sondern auch das, was wir von unseren Partnern erwarten. CSR wird in alle unsere Aktivitäten integriert, unser Marketing, unsere Werbung, unsere Kundenbeziehungen, unsere Angestelltenpolitik und Business-Beziehungen.  
WW: Wie glaubhaft kann ein Unternehmen dastehen, das sich laufend selbst lobt?  
SL: Es ist wichtig, Dritte dabei einzuschalten, statt es allein zu machen. IBM hat beispielsweise ein Netzwerk zur Promotion von Technologien zu Gunsten humanitärer Zwecke gestartet, und viele Organisationen haben darüber berichtet. Wir überlassen es anderen, unsere Fortschritte zu loben.  
WW: Was ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen CSR-Politik?  
SL: Man braucht den entsprechenden Content. Man kann keine schlechten Bilanzen hernehmen und dann versuchen, sie als etwas Positives zu verkaufen, das wäre, als würde man eine Bulldogge mit Lippenstift schminken. Die Leute sind nicht dumm, sie merken, wenn man versucht, sie einzuseifen.  
Interview Gerti Schön
 
 

Keystone zeigt Kreativen den Stock

Bildagenturen Keystone hat ein neues Bildportal. Dieses soll vor allem Werbern die Arbeit mit Stockbildern einfacher machen.

Bildagenturen Keystone hat ein neues Bildportal. Dieses soll vor allem Werbern die Arbeit mit Stockbildern einfacher machen. Das neue Bildportal ist von Nose gestaltet worden. Das Resultat ist für Keystone ein gelungenes Beispiel dafür, wie dank guter Gestaltung Geschäftsprozesse optimiert werden können. Für die grösste Bildagentur der Schweiz ist das Internet der wichtigste Verkaufskanal. Mit neu zwei Eingängen soll nun der Kreative seine Bilder «einfacher und schneller finden», wie Rainer Kupper bei Keystone erklärt. Vorher war das Portal mehr auf die Bedürfnisse von Medienschaffenden ausgerichtet. Da sich Keystone hier aber immer mehr in einem internationalen Verdrängungsmarkt sieht, will man sich in Zukunft noch intensiver als Bildagentur auch für die Werber positionieren, denn hier sieht Kupper «die Chance zum Wachstum».  
Bei Keystone sind über zwei Millionen Bilder online abrufbar. Dazu finden sich elf Millionen im physischen Archiv. Eine grosse Kompetenz bietet Keystone auch im historischen Bereich. Über Keystone haben Kreative in der Schweiz zudem exklusiven Zugriff auf einige der wichtigsten Bildagenturen der Welt. Für den Kreativmarkt ist die attraktive Präsentation der Bilder entscheidend. Neu werden die angebotenen Bilder auf dem Web-Portal auf tiefschwarzem Hintergrund und weit grösser als allgemein üblich dargestellt. Das Portal wird so zum «digitalen Leuchtkasten».
 
Beworben wird die neue Dienstleistung mit einer Kampagne von Euro RSCG. Diese arbeitet mit persiflierten «Stockbildern», die in Wahrheit von Keystone-Fotograf Martin Rütschi bei echten Kunden des Bildarchivs inszeniert worden sind. «Wir fanden es eine witzige Idee von Euro RSCG, Werbeagenturen im Stil dieser fürchterlich klischierten Business-Stockbilder festzuhalten und damit zu beweisen, dass schlechte Bilder dem besten Image schaden können. Die Selbstironie, die es dafür braucht, haben wir gern aufgebracht. Wahrscheinlich rufen demnächst unsere Mütter in die Agentur an und finden, jetzt seien wir endlich mal anständig angezogen», meint zu diesem Gag Markus Ruf. Und Markus Gut ergänzt: «Ich habe beim Sujet mitgemacht, weil ich die Kampagnen-Idee gut finde.»
 
Und was denken die beiden über die Verwendung von Agentur-Bildern? Markus Ruf: «Für klassische Werbung sind Agenturbilder oft nicht geeignet, weil die Idee nach einem Bild verlangt, das es so noch nirgends gibt, oder weil der AD eine Bildsprache im Kopf hat, die sich nur mit einem Fotografen umsetzen lässt. Braucht man aber beispielsweise exotische Landschaften oder berühmte Gebäude, können sich Bildagenturen wie Keystone prima eignen. Gelegentlich lassen sich auch Broschüren und Geschäftsberichte mit Agenturbildern illustrieren. Und natürlich brauchen wir sie zu Layout-Zwecken.»
 
Markus Gut: «Stockbilder haben zu Unrecht einen viel schlechteren Ruf, als sie wirklich sind. Die Idee bestimmt das Bild. Somit sind Stockbilder theoretisch überall einsetzbar.»
 
Andreas Panzeri

Dynamit für das SDM-Lager

Distribution Die Direct Mail Company wählt beim Vertrieb der Gratiszeitung .ch den Alleingang und macht sich so zum Marktleader unter den privaten Zustellern.

Distribution Die Direct Mail Company wählt beim Vertrieb der Gratiszeitung .ch den Alleingang und macht sich so zum Marktleader unter den privaten Zustellern.Markus F. Hof, Direktor der Direct Mail Company (DMC), ist nicht zu beneiden, hat er doch die Herkulesaufgabe, den Vertrieb für die Gratiszeitung .ch bis Mitte September auf die Beine zu stellen: eine Frühzustellung von Montag bis Freitag in Hauseingänge von Wohnblöcken mit mindestens fünf Haushalten – und dies in Zürich, Basel, Bern und Winterthur. Anfang Juni wurde dann der Auftrag noch auf St. Gallen und Luzern ausgedehnt. Ob DMC, die bisher nur in der Tagzustellung tätig war, dies schafft, bleibt abzuwarten. Immerhin ist der Markt der Zeitungsverträger recht ausgetrocknet, da derzeit ja auch andere Gratistitel sowie neue Sonntagstitel intensiv auf Verträgersuche sind.  
Einen Moment schien auch Hof daran zu zweifeln, ob der Alleingang klappt, jedenfalls gab er Mitte Juni an, bei andern Früh- und Tagzustellern «nach möglichen Synergien» sondiert zu haben (WW 24/07). Inzwischen aber hat Hof seine Strategie geändert. Ein Angebot der Zuvo, der Zustellorganisation von Tamedia und NZZ, schlug er aus. Ähnlich in Bern. «Es bestand eine Absicht zur Zusammenarbeit zwischen DMC und AWZ. Unterdessen beschloss die DMC jedoch, die Frühzustellung für .ch eigenständig aufzubauen», sagt Marco Hinni, Geschäftsführer der AWZ Bern. Markus F. Hof bestätigt dies. Auf das Zuvo-Angebot verzichte er aus «verlagstechnischen Überlegungen». Jenes der verlagsunabhängigen AWZ hingegen habe er ausgeschlagen, weil dort «keine Infrastruktur für die Frühzustellung» bestehe.
 
Dass Hof den verlegereigenen Zustellfirmen gegenüber vorsichtig ist, mag nachvollziehbar sein. Allerdings vertragen sie alle auch Konkurrenzprodukte. Die Absage an AWZ ist dagegen eine Ausflucht, muss doch auch die DMC selbst erst eine Frühzustell-Infrastruktur aufbauen. Weshalb sollte dies der AWZ nicht möglich sein?
 
Gelegenheit zur Grossexpansion
Der wahre Grund für Hofs Alleingang dürfte denn auch ein anderer sein: Mit dem Zusatzauftrag für St. Gallen und Luzern bietet sich der DMC eine einmalige Expansionsmöglichkeit. Bisher war die Post-Tochter «bloss» in den Städten Zürich und Winterthur sowie in eher ländlichen Gebieten tätig, neu wird sie auf einen Schlag in den sechs wichtigsten Deutschschweizer Städten präsent sein. Noch dazu täglich. Im Frühzustellbereich schwingt sich die Post-Tochter damit zur wichtigsten Gegenspielerin der Zuvo und ihren Partnern auf. Mit einem Unterschied: Die DMC-Frühzustellung erfolgt unadressiert.
 
Noch stärker unter Druck geraten aber zwölf regional tätige und meist verlagsabhängige Tagzustellfirmen. Diese sind im Verbund Swiss Direct Mail (SDM) mit den Post-Töchtern DMC und Epsilon vernetzt. Dank dieser Kooperation ist jeder der 14 SDM-Mitglieder in der Lage, zweimal pro Woche eine schweizweite Distribution für unadressiertes Werbematerial anzubieten. Der SDM ist aber auch Garant dafür, dass jedes Mitglied je über ein eigenes Rayon verfügen kann, wo es von keinem SDM-Partner konkurrenziert wird. Diese Ordnung droht DMC jetzt in Bern, Basel, St. Gallen und Luzern zu stören, weil die Post-Tochter für die Distribution von .ch in die Hoheitsgebiete der SDM-Partner AWZ, Distriba, Prisma und Anzeiger Luzern eindringen wird. Zwar betont Markus F. Hof, dass DMC dort nur in der Frühzustellung tätig wird, was die SDM-Verträge nicht tangiere. Die SDM-Partner sehen dies indessen etwas anders. Bei Distriba spricht Geschäftsführer Alexander Pytloun von «Vertragsbruch». Die andern sind zwar zurückhaltender, doch alle äussern die Sorge, dass DMC in Zukunft zusammen mit .ch auch unadressiertes Werbematerial verteilen könnte – Volumen, das dann den SDM-Partnern verloren ginge. «Es gibt diese Befürchtung – und ich will sie nicht einfach ins Reich der Träume verbannen», sagt Marco Hinni, Geschäftsführer der AWZ Bern, der auch als Präsident im SDM-Koordinationsausschuss sitzt.
 
Die Aussage des SDM-Koordinators zeigt, dass Hof die Bedenken der SDM-Partner nicht zu zerstreuen vermochte. Kein Wunder: Statt konkret zu antworten, stellt Hof Gegenfragen oder behilft sich mit Scheinargumenten. So war es jedenfalls, als die Werbewoche ihn auf die Sorge seiner Partner ansprach: Zunächst tat er so, als ob DMC das Gratisblatt .ch exklusiv verteilen müsste. Nachweislich stimmt das aber nicht. Hofs Auftraggeber Sacha Wigdorovits würde sogar weitere Frühzustell-Kunden bei DMC begrüssen (WW 24/07).
 
Neue Kräfteverhältnisse
Dann versuchte Hof glaubhaft zu machen, dass die DMC-Frühzustellung für Direktmarketingkunden kaum interessant sei, da sie ja nur Wohnblöcke bediene und somit unvollständig sei. Nur stellt sich da die Frage, weshalb dann ausgerechnet die von DMC verteilte Gratiszeitung .ch ein Erfolg werden soll. Immerhin muss das Blatt mit denselben Abdeckungslücken auskommen. Hof windet sich. «Es macht für mich doch keinen Sinn, die gut funktionierende SDM-Kooperation zu torpedieren», sagt er leicht enerviert. Mag sein. Doch das ist noch immer keine Absage ans Verteilen von Werbematerial. Vor allem aber ist auch den SDM-Partnern klar: Selbst wenn DMC vorerst darauf verzichtet, ist das Unternehmen jederzeit in der Lage, ein entsprechendes Angebot zu starten.
 
Durch sein Verhalten nährt Hof also die Sorgen seiner Partner. Dennoch will SDM-Koordinator Marco Hinni vorerst nicht aktiv werden. Das ist verständlich, denn DMC, schon bisher das grösste SDM-Mitglied, erhält nun dank der .ch-Distribution mindestens so viel Gewicht wie alle privaten SDM-Partner zusammen. Künftig kann DMC den Ton angeben und sich wohl auch gewisse Sonderkonditionen aushandeln. Denn schon bald ist sie nicht mehr auf die SDM-Kooperation angewiesen, sondern genügend breit abgestützt, um jederzeit eigene Wege gehen zu können. Dazu ist kein anderer SDM-Partner in der Lage.
 
Markus Knöpfli
 
 
 
Vertrag mit Distriba gekündigt  
Vor zwei Wochen hat Markus F. Hof
den Vertrag mit der zur Basler Zeitung Medien (BZM) gehörenden Distriba per Ende 2007 «vorsorglich» gekündigt. Ein gewagter Schritt in der aktuellen Situation von SDM. Doch Hof beschwichtigt: Er habe nur einen von zwei Verträgen mit Distriba gekündigt. Der eine regle die SDM-Zusammenarbeit, der andere die Kooperation beim Verteilen des BZM-Gratisblattes Baslerstab: DMC verteilt die Regionalausgabe des Baslerstab zweimal pro Woche. Gekündigt habe er dies bloss zwecks preislicher Anpassungen. Es ist durchaus denkbar, dass Hof erst mal testen will, wie hoch er nun seine Forderungen angesichts der veränderten Kräfteverhältnisse bei SDM treiben kann. (mk)

Die Talent-Pfadfinderin

Andrea Wedel will mit ihrer Talent-Schmiede mithelfen, damit in der Werbebranche mehr in Menschen als in Pitches und Hardware investiert wird.

Andrea Wedel will mit ihrer Talent-Schmiede mithelfen, damit in der Werbebranche mehr in Menschen als in Pitches und Hardware investiert wird. «Es ist schade um jeden Tag, den man nicht inspiriert arbeiten kann. Schade für den Mitarbeiter und schade für die Firma.» Diese Erkenntnis von Andrea Wedel ist nicht nur eine Philosophie, nach der sie in ihrer Talent-Schmiede heute die Kunden coacht. Es war auch ihre persönliche Konsequenz, mit der sie nach 16 Jahren in der Werbung in hoher Position ausgestiegen ist und noch einmal von unten etwas völlig Neues angehen wollte.  
Die Strategie-Planerin bei Fisch Meier Direkt und Kaderfrau der erfolgreichsten DM-Agentur der Schweiz fühlte sich 2003 «werbemüde» und verkündete ihrem Mann und Agenturleiter Gilbert Fisch, dass sie die Agentur nach zwölf Jahren verlassen werde. Das war für die beiden «kein Problem». Ein bisschen mehr Kopfzerbrechen stellte sich aber bei der Aussteigerin ein, als sie realisierte, dass es gar nicht so einfach war, eine neue berufliche Herausforderung zu finden, die zu ihr passte.
 
Was glückliche Frauen in solchen Momenten haben, ist eine gute Freundin. Diese wusste, was im Inneren von Andrea Wedel schlummerte, und kam deshalb mit dem richtigen Tipp: «Du musst ins HR einsteigen.» Human Resources heisst seither die Herausforderung, mit der Andrea Wedel ihre Zeit wieder mit inspirierter Arbeit ausfüllen kann. Zuerst ging sie als Assistentin in einer Unternehmensberatung «in die Lehre» und begleitete dort im Bereich Personal in drei Jahren «Hunderte von Assessments». Sie bildete sich psychologisch weiter und lernte als ehemalige Kaderfrau auch Führungskräfte zu coachen. «Das waren zum Teil Leute, die in eine Führungsposition gerutscht sind und mehr intuitiv als bewusst führen», erklärt Wedel ihre Arbeit, von der sie auch selber viel profitieren konnte. «Man lernt, wie wir Menschen ‘funktionieren’ und wieso wir uns in bestimmten Situationen so und nicht anders verhalten.»
 
Solche Erfahrungen aus unzähligen Führungsgesprächen führten nach drei Jahren dazu, dass sich die Beraterin im neuen Metier akzeptiert und auch spezialisiert genug fühlte, um in Zukunft noch mehr auch ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen zu wollen.
 
In Bürogemeinschaft mit der guten Freundin, die ebenfalls am Zürcher Bleicherweg eine Personalagentur betreibt, hat Andrea Wedel im Frühling 2006 ihre Talent-Schmiede gegründet. Anders als eine etablierte Vermittlung will Wedels Beratungsfirma aber mehr als «nur» Talente vermitteln. Ihr USP: «Ich habe 16 Jahre in der Kommunikationsbranche gearbeitet und alle Stufen von der jungen Werbeassistentin über die Beratungsgruppenleiterin bis zur Strategin und 20-Mann/Frau-Unit-Leiterin selber durchlebt. Dazu kann ich eine zweite Laufbahn im Bereich Personalselektion und Personalentwicklung vorweisen. Diese beiden Ansätze von Erfahrung möchte ich jetzt zusammen führen.»
 
Werber investieren in Pitches, in PCs und kreative Köpfe. Wedel glaubt, dass «viel mehr möglich wäre». Kreativität und unternehmerischer Erfolg in allen Bereichen könnten potenziert werden, «wenn man die richtigen Leute im richtigen Umfeld hat». Mit ihrer Talent-Schmiede möchte sie somit Agenturinhaber, Geschäftsführer und Kaderleute beraten, wie sie in ihrem Team ein Umfeld kreieren können, wo sich die Talente am besten entfalten. Neben der allgemeinen Personalsuche will die Schmiede auch bei der Personalentwicklung beratend mit einem Coaching zur Seite stehen. Der Name der Agentur ist dabei Programm, denn Wedel ist überzeugt, dass «jeder Mensch Talent hat. Die Frage ist nur, welches.» Die zweite wichtige Analyse: Ist jemand mit diesem Talent am richtigen Ort, und schöpft er es schon zur Genüge aus?
 
Rund um solche Fragen stellt Wedel zusammen mit dem Auftraggeber Überlegungen an, «was man gezielt tun kann, damit die Mitarbeitenden alle Talente einbringen können und damit auch im Unternehmen bleiben wollen». Für Wedel präsentiert sich die Fluktuation in der Branche nämlich als viel zu hoch. «Wer sich nicht gefördert und geschätzt fühlt, versucht es in einer anderen Agentur», weiss sie. Und aktuell habe das Anziehen der Wirtschaft dazu geführt, dass wieder mehr Leute die Lust nach einer Veränderung packt. Steigert das auch das Bedürfnis nach den von ihr angebotenen Dienstleistungen?
 
«Die Werbebranche macht da noch viel zuwenig. Wird ein Mitarbeiter eingestellt, ist er noch ‹eine Investition in die Zukunft›, nachher meist nur noch ein Kostenfaktor. Diese Tendenz ist stark in der Werbung», hat Wedel beobachtet. Kaum eine Agentur habe eine Fachstelle für Personalstrategie und Personalentwicklung. Und wenn, dann nur für die Personaladministration. Ähnlich dürftig sei es um den Bereich Ausbildung bestellt. Man mache nichts, was über das Praktische und rein Fachliche hinaus geht. Da seien andere Dienstleistungsbranchen viel weiter, die gezielt und systematisch in Persönlichkeits- und Führungsentwicklung ihrer Schlüsselleute investieren.
 
Als ein Beispiel, wo die Talent-Schmiede das Wachstum einer Agentur sinnvoll und erfolgreich begleiten konnte, darf Wedel Spinas Gemperle präsentieren. Die Spezialisten für Kommunikation im Bereich NGO sind in kurzer Zeit von zwei auf zwanzig Leute angewachsen. Viele dieser Mitarbeitenden stammten ursprünglich aus dem Bereich Kreation. Die Talent-Schmiede hat deshalb mit Lorenz Spinas und der Führungscrew zusammen eine Organisationsform in die Agentur hinein gebracht, Prozesse strukturiert und mit einem «Mitarbeiterbarometer» analysiert, wie Abläufe optimiert, an Effizienz hinzugewonnen und zu einem inspirierten Arbeiten beigetragen werden kann.
 
In anderen Beratungen kann Wedel auch zur Erkenntnis kommen, dass ein Unternehmen die Schlüsselstellen mit den falschen Leuten besetzt hat. Und immer wieder muss sie feststellen, dass der «Kündigungsgrund Nummer eins nach wie vor der Vorgesetzte ist», was auch statistisch belegt ist. Das würden intelligente Inhaber allerdings langsam realisieren und im Sparring mit ihr erkennen, «dass man von den Mitarbeitenden nicht nur immer mehr verlangen und fordern kann, sondern sich auch Gedanken zum Umfeld machen muss, damit die Menschen motiviert funktionieren und so ihr Bestes geben können». Die Talent-Schmiede ist nach nur einem Jahr bereits sehr gut ausgelastet. Trotzdem sei es bei vielen Agenturen weiterhin die Norm, dass der «Leidensdruck sehr gross» sein muss, bevor man die Hilfe eines Coaches anfordert.
 
«Leiden» kann für Andrea Wedel allerdings auch Spass bedeuten. Dann nämlich, wenn sie sich wieder einmal völlig von der Werbung abmeldet. So wie diese Woche zum Beispiel. Da läuft, schwimmt und radelt die begeisterte Triathletin nämlich im Tross des längsten Gigathlons der Schweiz sieben Tage lang quer durch das Land, von Basel über Chur bis Nyon nach Bern. Ansonsten erholt sie sich nach wie vor gerne beim Malen. – Jeder Mensch hat eben tatsächlich mehr als nur ein Talent, das er manchmal ausleben muss.
 
Andreas Panzeri

Reckitt Benckiser entscheidet sich für Mediaxis

Die Media-Agentur Mediaxis-MPG betreut ab dem 1. September 2007 den weltweit grössten Reinigungsmittel-Hersteller Reckitt Benckiser. In einer mehrstufigen Konkurrenzpräsentation hat sich die Agentur gegen verschiedene Mitbewerber durchgesetzt.

 Die Media-Agentur Mediaxis-MPG betreut ab dem 1. September 2007 den weltweit grössten Reinigungsmittel-Hersteller Reckitt Benckiser. In einer mehrstufigen Konkurrenzpräsentation habe sich Mediaxis dank ihrer strategischen Kompetenz und ihrer Stärke im Einkauf gegen verschiedene Mitbewerber durchgesetzt, heisst es im Communiqué. Die Media-Agentur wurde im Jahr 2000 mit nur drei Mitarbeitern gegründet. Mit einem Wachstum von durchschnittlich 20 Prozent jährlich liege sie weit über der Marktentwicklung der Werbeausgaben in der Schweiz. Mit unterdessen 15 Mitarbeitern betreut Mediaxis Kunden wie Orange, Swisscanto, Ricola und Calida.

Rollympics 2007 von Meyer Werbung eröffnet

Meyer Werbung hat in Zusammenarbeit mit der Medienagentur Mediabox für den Tabakimporteur Oettinger einen Wettbewerb entworfen, bei dem Raucher in mehreren «rollympischen Disziplinen» ihre Fertigkeit im Selberdrehen von Zigaretten unter Beweis stellen können.

 Meyer Werbung hat in Zusammenarbeit mit der Medienagentur Mediabox für den Tabakimporteur Oettinger einen Wettbewerb entworfen, bei dem Raucher in mehreren «rollympischen Disziplinen» ihre Fertigkeit im Selberdrehen von Zigaretten unter Beweis stellen können. Die Teilnahmebedingungen für die Rollympics 2007 sind einfach: Man braucht Tabak, Papier und eine Digitalkamera. Man rollt eine Zigarette, photographiert sie und reicht sie in einer von drei Kategorien ein: die schönste Zigarette, die längste Zigarette und die dickste Zigarette.
Gleichzeitig können die Nutzer auf der offiziellen Rollympics-Website Slowsmoking.ch als Juror amten und andere Einsendungen bewerten. So entstand innert kürzester Zeit eine fröhliche kleine Gemeinschaft von Zigarettenkünstlern, wie einer Mitteilung von Meyer Werbung zu entnehmen ist.
Beworben wird der Wettbewerb per Anzeige, Flyer, Banner und Promotion, an welcher Tabakpouches verteilt werden, die mit «Official Training Equipment» beschriftet sind.

Am Anfang steht der Entwurf

Kultur TBS Identity lässt für das Theaterspektakel 2007 mit Skizzen hinter den Vorhang blicken.

Kultur TBS Identity lässt für das Theaterspektakel 2007 mit Skizzen hinter den Vorhang blicken. Theater bedeutet immer die Welt und ist damit Entwurf: Gesellschafts- entwurf, Skizze, Rede und Gegenrede, Experiment und lustvolles Spiel in einem. Diese Definition ist von TBS Identity zusammengefasst worden. Die Zürcher Design- und Kommunikations- agentur leitet aus diesem Sachverhalt auch das Konzept ab für ihre Kampagne zum Theaterspektakel 2007. Auf der gestalterischen Ebene arbeiten CD Daniel Leber und sein Team dabei mit den allseits bekannten Kritzelzeichnungen, die wir alle bei längeren Telefongesprächen oder Sitzungen beiläufig, unbewusst und subversiv irgendwo loswerden müssen.  
Grundlage der drei Sujetserien ist jeweils eine provokative Streichung eines der drei Bestandteile des Festivallogos und die kulturell und politisch korrekten und unkorrekten Einfälle, welche die Streichung ersetzen, um gleich selbst wieder überschrieben und überzeichnet zu werden. Eine Bewegung, die ins Unendliche zielt.
 
Das Zürcher Theater Spektakel findet vom 16. August bis zum 2. September statt. Die Sujets der Kampagne sind allgegenwärtig auf Plakaten, Inseraten, Tramhängern, Programmzeitung, E-Board und im Internet zu sehen. Mehr als nur die Skizzen zum Programm sind auch auf www.theaterspektakel.ch zu finden.
 
Andreas Panzeri

BSW sucht den Peak

Verbände Nach rund 100 Tagen im Amt hat BSW-Präsident Frank Bodin zu einem klärenden Frühstück geladen.

Verbände Nach rund 100 Tagen im Amt hat BSW-Präsident Frank Bodin zu einem klärenden Frühstück geladen. Das traditionelle Medienfrühstück mit dem BSW-Vorstand hat heuer erstmals im Zürcher Park Hyatt stattgefunden. Auch inhaltlich sollte die Stimmung ein bisschen mehr internationalen Geist ausstrahlen. «Herausforderung Globalisierung» lautete ein Stichwort, und BSW-Präsident Frank Bodin ebenso wie Vize Peter Felser zeigten sich überzeugt, dass die Schweizer BSW-Agenturen auch im internationalen Wettbewerb durchaus mithalten können.  
«Werbung für den Werbestandort Schweiz» nennt sich ein Konzept, das jetzt auch in eine Broschüre mit dem Titel «Creativity Swiss Made» eingeflossen ist. Der 90-seitige Prospekt rund um helvetische Kreativität wurde erstmals in Cannes aufgelegt und soll in Zukunft jährlich die neue Hellebarde im Kampf gegen abwanderungswillige Auftraggeber sein. Für Felser bleibt es dabei eine Illusion, dass Firmen mit dem Hauptsitz in London ihre Werbung in der Schweiz kreieren lassen. Eine Chance sieht er aber bei den vielen internationalen Konzernen, die mit ihrem Headquarter hier ansässig sind. Diesen soll gezeigt werden: «Kreativität ist ein Kapital der Schweiz.»
 
Neu konnte Bodin verkünden, dass im Oktober 2007 wieder ein BSW-Ranking errechnet wird. Die Agenturen des Verbandes sollen dazu ihre Zahlen bei einem Treuhänder deponieren. Dieser erstellt daraus eine Rangliste ohne Publikation der Umsätze.
 
Mit dem Swiss-Effie will der BSW im August den «Königs-Award» der vielen Werbepreise ausschreiben. Einreichen kann man bis Oktober. Die lange Frist soll berücksichtigen, dass die Teilnahme administrativ mit einem grösseren Aufwand verbunden ist. Als Präsident der Jury wird diesmal Ralph Büchi wirken. Peter Felser wagt zum Effie die Prognose, dass «auch klassische Ansätze hoch effizient sein können und nicht nur crossmediale Kampagnen». Der Vorstand stellte fest, dass die Ausgaben für klassische Werbung wieder einen ähnlichen Peak wie 2002 erreichen.
 
Eine Folge davon: Im Moment ist der Markt für gute Leute ausgetrocknet. Ansonsten neu wird die ADC- BSW-Kreativschule jährlich statt alle zwei Jahre stattfinden. Es wird ein Intensivseminar zum Thema Werbewirkungsforschung geben sowie das Intensivseminar für Strategische Planung.
 
Andreas Panzeri
 
 
Young Creatives Award  Ein neuer Wettbewerb
soll neue Talente fördern. Der bisherige Nachwuchswettbewerb U28 wird vom ADC Young Creatives Award abgelöst. Der neue Wettbewerb des ADC findet erstmals im Oktober 2007 statt und wird in Zukunft jährlich durchgeführt. Teilnehmen können Praktiker aus Werbeagenturen sowie Studierende, die im Juni des folgenden Jahres noch 28-jährig sind.  
Das Briefing erfolgt Mitte August
in Form eines Warm-up-Events. Es soll eine Arbeit für Amnesty International gestaltet werden, die vom Kunden auch veröffentlicht wird.  
Drei Siegerteams
in den Kategorien Print und Outdoor, Film sowie Web und New Media dürfen zur Belohnung nach Cannes.

Stänkernd zum Trendbarometer

Marketing 24seven ist ein Blog-Portal des Marketingforschers Concept Zürich. Der Konsumalltag von Verbrauchern soll damit live mitverfolgt werden.

Marketing 24seven ist ein Blog-Portal des Marketingforschers Concept Zürich. Der Konsumalltag von Verbrauchern soll damit live mitverfolgt werden. «Das Personal ist unfreundlich und demotiviert. Der Frass einfach schlecht», schreibt ein gewisser CMH79 nicht in einem Gastroführer, sondern auf dem Blog-Portal 24seven. CMH79 ist einer von insgesamt 40 Bloggern, die dort über ihr Konsumleben berichten.  
24seven ist ein Projekt des Marketingforschers Concept Zürich. Das Unternehmen ist spezialisiert auf qualitative Marketingforschung. Das Anfang Juni für Kunden lancierte Portal ist so etwas wie eine Mini-Blogosphäre. Die Teilnehmer schreiben in einer geschlossenen Umgebung über ihr Empfinden und Tun in der Welt des Konsums. Rücksicht müssen sie auf nichts und niemanden nehmen, denn die Macher wollen möglichst genau wissen, wie die Verbraucher ticken.
 
In der Themenwahl sind die Autoren frei, auch in der Tonalität. Das Ausdrucksspektrum reicht von brav-korrekt bis frech-witzig. Ein Blatt nehmen die wenigsten vor den Mund. Mängel werden bis ins letzte Detail ausgeschlachtet, bebildert und diskutiert. Würde die Umgebung frei zugänglich sein, hätten die Einträge möglicherweise rechtliche Konsequenzen. Concept Zürich will den Teilnehmern jedoch kein Verhalten aufzwingen. Die Schreiber sollen frei und unverfälscht die Feinheiten ihres Lebens dokumentieren.
 
Einblick in die Gedankenwelt
Alain Messerli ist Projektleiter von 24seven. Der studierte Politologe beabsichtigt, Blogs als Forschungswerkzeug fest zu etablieren. «Wir haben es heute mit einem neuen Konsumenten zu tun», meint Messerli. Er bezieht sich auf den «Performing Consumer», der entgegen den in der Marketingforschung definierten Stereotypen und Klischees irrational handle, Marken neu definiere und im Web seine Kreativität auslebe. Die Blogs, so Messerli, sollen dabei helfen, das neue Konsumverhalten nachzuzeichnen. Denn über einen Blog könne nicht nur der Inhalt analysiert werden, sondern auch die Verlinkung, der Diskurs untereinander und die gegenseitigen Bewertungen.
 
Messerli betont, dass sein Blog-Portal keinesfalls einen repräsentativen Anspruch verfolge. Stattdessen soll sich 24seven zu einem Trendbarometer für Entscheidungsträger entwickeln. Denn Blogger gelten als zuverlässige Trendsetter.
 
Für Alain Messerli ist Authentizität sehr wichtig. Ehrlich und offen wünscht er sich das Treiben auf seiner Plattform. Die Zahl der Teilnehmer, die frei von der Leber schreiben, nimmt jedoch ab. Seit Januar, damals ging 24seven an den Start, sind gerade mal rund 1700 Einträge geschrieben worden. Das macht im Schnitt etwa 50 Einträge pro Person. Im Vergleich zur aktiven Blogosphäre im Internet schreibt die Community eher reserviert. Auch verhält sich der gezüchtete Blog-Kosmos im Kommentieren zurückhaltend. Dabei texten die Tagebuchschreiber nicht gratis. Für ihr Blog-Mandat erhalten die Teilnehmer 150 Franken pro Monat, mehr als die Amateurjournalisten im Web verdienen. Für Messerli stellt der Anreiz nicht nur einen Schreiblohn dar. Der Betrag soll den Denkapparat der Gemeinde voll auf Konsum einstellen.
 
Während die Blog-Einträge einzelner Teilnehmer konstant bleiben, werden andere schreibfaul und verabschieden sich vom Projekt. Roman Hanhart, der privat den Yoda-Blog betreibt und in der Schweizer Blog-Szene einen guten Namen hat, ist gegenüber dem Projekt kritisch eingestellt. Er selbst ist seit Anfang an dabei, meint aber nach 22 verfassten Einträgen: «24seven ist mir zu unecht, zu doof und einfach nicht lebendig genug, wie die richtige Szene.» Von den Gründern von 24seven fühlt er sich in ein Schema gedrückt. Hanhart spricht Blog-Text: «Für Leute, die gerne über ihre Vorlieben beim Konsumieren berichten, die über jeden Furz etwas schreiben wollen, mag es recht gut sein. Der Blog-Zwang ist aber nichts für mich.»
 
Die Macher des Projekts haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt. 120 Blogger wollen sie beschäftigen. Das junge Portal wird gegenwärtig vermarktet. Für 350 angeschriebene Kunden ist die Umgebung derzeit frei zugänglich. Was sich bald ändern soll. Messerli will exklusive Blog-Studien anbieten. Die Beobachtung einer 100 starken Schreiberschaft während zwei Wochen kostet dann umgerechnet 60 000 Franken.
 
Christian Lüscher

Der Ruf des Edi

Werbefilm Das «Eidgenössische» der Filmindustrie ist wieder ausgeschrieben. Einsendeschluss ist der 31. August.

Werbefilm Das «Eidgenössische» der Filmindustrie ist wieder ausgeschrieben. Einsendeschluss ist der 31. August.Sein Grossvater heisst Oscar, sein Onkel Cesar und eine entfernte Tante nennt sich Lola. Edi stammt aus einer ziemlich illustren Familie. Entsprechend ehrgeizig würden ihn ein paar Kreative aus der Schweiz gerne einmal persönlich kennen lernen. Dazu gibt es jetzt wieder Gelegenheit. Am 20. November wird der Schweizer Filmpreis für Werbe-, Industrie- und Unternehmensfilme wieder im Rahmen einer grossen Gala verliehen. Es ist bereits die achte Auflage des Kreativwettbewerbs unter dem Patronat des Eidgenössischen Departements des Innern. Organisiert wird das «Eidgenössische» der Filmindustrie vom Branchenverband Swissfilm Association. Beiträge können ab sofort noch bis zum 31. August eingereicht werden in den drei Kategorien «Commercials», «Corporate» sowie «Clips & Trailers». Verliehen werden für die drei besten Produktionen goldene, silberne und bronzene Edis sowie Spezialpreise. Die Arbeiten müssen innerhalb der letzten zwölf Monate entstanden und von einer Schweizer Produktionsfirma oder von Schweizer Regisseurinnen und Regisseuren realisiert worden sein. Eine vom EDI abgesegnete Jury bewertet die Filme innerhalb der einzelnen Kategorien nach verschiedenen Kriterien. Weitere Infos sind unter www.edinet.ch zu finden.  
Trotz achtjähriger Präsenz ist übrigens auch Edi nicht mehr ganz der Alte. Der gesamte Kommunikationsauftritt für den Wettbewerb wird neu von Cavegnwerbung betreut, getreu dem Motto: «Kameraden: Das Eidgenössische ruft!»
 
Andreas Panzeri

Neue Drucksysteme kriegt das Land

Digitaldruck Die Kodak Graphic Communication Group baut das Standbein Digitaldruck aus.

Digitaldruck Die Kodak Graphic Communication Group baut das Standbein Digitaldruck aus. Kodak Graphic Communication Group (Kodak GCG) kann heute ein attraktives Portefeuille anbieten: Dieses reicht von Scannern, über Workflow- und Proof-Lösungen bis hin zu Computer-to-Plate-Belichtern samt Verbrauchsmaterialien. Abgerundet wird das Angebot durch Digitaldruckmaschinen und Lösungen für den Kreativbereich. 
Kodak GCG hat dazu in der Vergangenheit auch seine Organisationsstrukturen entsprechend angepasst. So unterteilt sich die Gruppe in vier Bereiche: Prepress Solutions, Digital Solutions, Document Imaging und Enterprise Solutions. Gezielt verstärkt Kodak GCG derzeit seine Angebotspalette in den verschiedenen Bereichen und merzt damit auch gewisse Schwachpunkte aus.
 
Kernpunkte einer Kodak-GCG-Präsentation in Belgien waren die Vorstellung und Demonstration der neuen Digitaldrucksysteme Kodak NexPress S3000, Kodak NexPress M700, neue Tools für den Kodak Unified Workflow sowie eine überarbeitete Kodak NexStation. Im Rahmen der Pressekonferenz wurde auch noch auf die mittlerweile 10 000 CtP-Installationen hingewiesen, womit sich die wahre Grösse von Kodak GCG zeigt.
 
Digitaldruck aus einer Hand Die wohl wichtigste Neuheit ist dabei die NexPress M700. Hierbei handelt es sich um ein leistungsfähiges und qualitativ hochstehendes Digitaldrucksystem im, was dessen Leistungsfähigkeit angeht, Midrange-Bereich. Die M700 druckt bis zu 70 A4-Farbseiten/min (einseitiger Druck). Bei einem maximalen Bogenformat von 330 ¥ 487 mm deckt die M700 ein Grammatur-Spektrum von 64 bis 300 g/m2 ab. Interessanterweise kommt das Druckwerk der M700 von Canon, der Rest wurde von Kodak entwickelt. Bedienung, Wartungskonzeption und Workflow-Technologie sind gleich wie bei den NexPress-2100plus-, 2500- und 3000-Modellen. Damit kann Kodak sein Digitaldruck-Portefeuille entscheidend erweitern.
 
Neu ist auch die Kodak NexPress S3000. Sie rundet als leistungsstärkste Maschine die NexPress-Plattform nach oben ab. Das System eignet sich gemäss Kodak vor allem für Anwenderbetriebe mit höchsten Ansprüchen an Produktivität und Druckvolumen.
 
Neues von der Workflow-Front Kodak stellte auch die neue Version 4.0 seines Prinergy-Workflow-Systems vor, das über die Adobe PDF Print Engine verfügt, womit Transparenzen nativ verarbeitet werden können. Transparente Objekte in PDF-Dateien bleiben jetzt auch bei der Verarbeitung durch die Software-Module Color Matcher (Farbanpassung) und Trapper (Über-/ Unterfüllungen) erhalten. Damit können Transparenzen den gesamten digitalen Fertigungsablauf hindurch ohne Reduzierung bewahrt und ohne Nachbearbeitung qualitativ hochwertig ausgegeben werden.
 
Der vereinheitlichte Workflow wächst durch die Ergänzung von Prinergy um die internetgestützten Kodak-InSite-Portalprodukte. Diese Software-Lösungen ermöglichen eine effiziente, zentral verwaltete Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Druckereien, Kunden, Verlagen und Kreativen bzw. Werbeagenturen.
 
Paul Fischer
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