Versorgungsgebiete Die Art, wie der Bundesrat die TV-Versorgungsgebiete festlegte, löst besonders im Wallis, in der Waadt und im Jura Besorgnis und Verärgerung aus. Die vom Bundesrat jüngst beschlossene neue Aufteilung der Fernsehgebiete hat vor allem ein Ziel: Künftig soll die ganze Schweiz mit konzessionierten Privat-TVs abgedeckt werden. Heute ist dies nicht der Fall. Das Oberwallis, der frankofone Teil des Kantons Fribourg sowie der nördliche Jura waren bisher punkto Privat-TV nicht oder nur rudimentär versorgt. Da jedoch trotz der neuen Regeln keine dieser Regionen eine eigene TV-Konzession erhält, sondern zu einem Gebiet mit bestehenden TV-Anbietern geschlagen wird, müssen sich die interessierten Parteien jeweils erst zusammenraufen.
Dies dürfte im Wallis, für das der Bundesrat einen einzigen zweisprachigen Sender vorsieht, trotz gegenwärtiger Eiszeit zwischen Canal 9 in Sierre und Tele Oberwallis ziemlich rasch möglich werden. Zwar hat Christian Stärkle, VR-Präsident des Projektes Tele Oberwallis, bisher lautstark eine eigene Konzession für den deutschsprachigen Kantonsteil gefordert und noch letzte Woche gepoltert, er starte notfalls auch ohne Konzession. Unterdessen tönt es jedoch schon viel moderater. «Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns zwar für die ganze Konzession bewerben, das Unterwalliser Programm aber an Canal 9 abtreten», sagt er. Auch Aline Nicol, Geschäftsführerin von Canal 9, schliesst eine Kooperation nicht aus. Nur hat sie den Eindruck, dass ihr Stärkles Türen verschlossen sind. Stärkle hingegen hält ihr vor, ihn gar nie kontaktiert zu haben. Kurz: Hier fehlt es vor allem an Kommunikation. Ein wenig behördlicher Druck scheint da offenbar gar nicht zu schaden.
Vaud-TV gefährdet Nicht unlösbar, aber etwas schwieriger dürfte die Situation im neuen Gebiet Vaud-Fribourg sein, bei dem der Bundesrat ein fribourgisches Sendefenster vorschreibt. «Wir müssen nun noch einmal bei Null anfangen», sagt Christophe Rasch, Leiter TV bei Edipresse. Der Grund für die Enttäuschung: In mühsamer Kleinarbeit war es Edipresse gelungen, die aufgesplittete Waadtländer Privat-TV-Szene hinter dem gemeinsamen Projekt Vaud-TV zu scharen. Rasch sieht diese Einheit nun gefährdet. Einerseits, weil nun auch noch das frankofone Fribourg ohne TV-Erfahrung integriert werden muss, andererseits, weil er die Kosten für ein Fribourger Fenster für höher hält als den Betrag, den er aus dem Gebührentopf erwartet. «Wenn das Projekt aber zu teuer wird, springt uns der eine oder andere Waadtländer Akteur wieder ab», befürchtet Rasch.
Nicht ganz so schwarz sieht es Albert Noth, Mitglied der Stiftungs- und Verwaltungsräte von Radio Fribourg, Freiburger Nachrichten und La Liberté. «Wer meint, er müsse nun noch einmal bei Null anfangen, hat sich vorher zu viele Illusionen gemacht», sagt er. Er jedenfalls habe mit diesem bundesrätlichen Entscheid gerechnet. Und er glaubt, dass man sich über die Kantonsgrenzen hinaus finden werde. «Zudem denke ich, dass die Fribourger Medien durchaus etwas zum TV-Fenster beitragen können.»
Spannend wird es auch im nördlichen Jura: Der Bundesrat sieht vor, das heutige Gebiet von Canal Alpha (Neuenburg) zu verdoppeln, indem er den Kanton Jura und den Berner Jura anhängt, punkto Privat-TV zwei bisher unbefleckte Gebiete. Pierre-André Léchot, Direktor von Canal Alpha, ist über die derart vergrösserte Spielwiese nicht allzu erfreut. Lieber wäre ihm je eine eigene Konzession pro Kanton gewesen. Doch Léchot will die Herausforderung annehmen, auch wenn er noch nicht weiss, ob er die beiden neuen Gebiete mit Fensterlösungen oder eher mit alternierenden Stundenschlaufen bedienen soll. Aber er steht bereits in Kontakt mit möglichen Partnern, so etwa mit dem Quotidien Jurassien in Delémont.
Markus Knöpfli
Zünglein an der Waage Unzufrieden mit dem Bundesrat
ist man auch im Kanton Schaffhausen. Sowohl das Schaffhauser Fernsehen (SHTV) als auch die Kantonsregierung hatten ein eigenes Versorgungsgebiet gewünscht. Nun wurde der Kanton aber bloss mit eigenem Sendefenster zum Gebiet Zürich-Nordostschweiz geschlagen. Die Regierung bedauert dies, erwartet aber, dass für das künftige Fenster das SHTV eingebunden wird.
Dies verleiht dem Sender nun eine wichtige Position:
Ein Projekt, das SHTV mit im Boot hat, wird zumindest bei der Schaffhauser Kantonsregierung schon mal einen Pluspunkt verbuchen können. Interesse am Gebiet Zürich-Nordostschweiz angemeldet haben bisher Tele Züri, Tele Top und ein loses Konsortium um ZüriPlus. Letzterem gehörte bisher auch SHTV an. Doch SHTV-Chef Norbert Neininger behält sich ausdrücklich auch Kooperationsgespräche mit den andern Interessenten vor. (mk)