Vergangene Woche forderten vier Konsumentenorganisationen besseren Schutz vor missbräuchlichem Telefonmarketing. Der Agenturenverband BSW Leading Swiss Agencies unterstützt die Forderung der Konsumentenorganisationen. Wie hält es der Schweizerische Direktmarketing-Verband (SDV) mit dem Ruf nach mehr Schutz? Laut Präsident Jakob Nef geht der SDV zusammen mit dem Branchenverband CallNet.ch anders vor: Er will mit einer Zertifizierung wirtschaftlichen Druck ausüben. «Für die Telefonmarketer entsteht so ein Zwang, sich richtig zu verhalten. Die Auftraggeber werden mit zertifizierten Anbieter zusammenarbeiten wollen», erklärt Nef. Schwarzen Schafen könne man künftig die Zertifizierung entziehen, die nach Plan ab nächstem Jahr realisiert werden kann. An zwei Orten setzt der Verband an: Für den Bereich Direct Sales soll das Zertifizierungssystem bis Ende 2007 laufen, im Telekombereich im Laufe des kommenden Jahres.
Daneben hat der SDV ebenfalls zusammen mit CallNet.ch einen Ehrenkodex ausgearbeitet. Der Vorstand hat ihn bereits verabschiedet, gegenwärtig ist das Papier bei den Mitgliedern zur Vernehmlassung. Nef glaubt daran, dass der Kodex mehr sein kann als ein Papiertiger: «Im Bereich Direct Mailing haben wir gute Erfahrungen mit einem Kodex gemacht». Man wolle das Bewusstsein für bestimmte Regeln schärfen. Teil des Kodexes ist zum Beispiel, dass Kunden ein Rücktrittsrecht erhalten. Wichtig sei es laut Nef aber auch, dass die Auftraggeber bereit seien, sich an diese Spielregeln zu halten. Daneben spiele eine grosse Rolle, dass die Angestellten in Telefonmarketingfirmen gut ausgebildet und entlöhnt seien.
Die Forderungen der Konsumentenverbände teilt Nef grösstenteils: Er findet es richtig, dass im Telefonbuch mit einem Stern gekennzeichnete Adressen nicht angegangen werden und dass die Telefonmarketer nicht mit unterdrückter Nummer anrufen. Dagegen hält er es für überflüssig, dass Telefonmarketingfirmen eine eigene Vorwahl erhalten: «Es ist ausreichend, wenn die Nummer ersichtlich ist. Für kleine Unternehmen können sich Probleme ergeben, wenn sie sich plötzlich mit einer neuen Vorwahl ausweisen müssen».
Dass nun der gesetzliche Weg für mehr Schutz vor missbräuchlichem Telefonmarketing eingeschlagen wird, findet Nef dagegen nicht optimal: «Ich bin für Freiheit und Eigenverantwortung». Ausserdem sei der Weg über die Gesetzesmühlen ein sehr langer: «Ich denke, als Verband können wir hier effizienter arbeiten». Wenn sich ein Konsument auf rechtlichem Weg gegen Telefonmarketing wehren wolle, sei dass für ihn mit grossem Mühsal verbunden. Nicht erwünscht ist für Nef daneben, dass sich das Telefonmarketing nur noch auf jene Kunden beschränkt, die vorher explizit eingewilligt haben. Solche Lösungen werden in anderen Ländern praktiziert. «Es ist ausreichend, wenn die Konsumenten die sogennante opt-out-Möglichkeit haben, also mittels Stern im Telefonbuch bekannt geben, dass sie keine Werbeanrufe erhalten wollen».
Dass der wirtschaftliche Druck im Telefonmarketing beträchtlich ist, bestätigt Nef. Die Akzeptanz für diese Form der Werbung sinke: «Jeder dritte Haushalt ist mit einem Stern im Telefonbuch gekennzeichnet, jeder sechste ist gar nicht aufgeführt». Das habe sich in den letzten Jahren stark verändert. Dennoch glaubt Nef daran, dass in diesem Bereich auf seriöse Art gewinnbringend gewirtschaftet werden kann. Auftraggeber als schwarze Schafe seien aber auch ihm bekannt.
Wie sich der Gesetzgeber zum Thema Telefonmarketing entscheidet, wird demnächst bekannt. Die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates, die eine entsprechende Initiative behandelt, tagt am 13. und 14. September. Es wird erwartet, dass sie dann eine Entscheidung trifft.