Der Tages-Anzeiger, die Berner Zeitung und die Basler Zeitung lancieren gemeinsam eine neue Pendlerzeitung namens News. Die Zeitung soll noch vor Ende Jahr herauskommen; auf ein genaues Datum wollte sich Espace-VR-Präsident Charles von Graffenried an der Pressekonferenz nicht festlegen. Ab kommendem Frühjahr gibt es ausserdem ein gemeinsames Online-Netzwerk. Die Zeitung erscheint in einer Auflage von 330’000 Exemplaren in den Grossräumen Basel, Bern und Zürich. Chefredaktor ist Philippe Pfister, der zuletzt Mitglied der Chefredaktion beim mittlerweile eingestellten Magazin Facts war. Für das Blatt wird eine gemeinsame Aktiengesellschaft namens NP News Print gegründet. An dieser sind alle drei Zeitungen beteiligt; die Basler und die Berner Zeitung zu je 25 und der Tages-Anzeiger zu 50 Prozent. Über den Betrag, der in das neue Blatt sowie in den Onlineauftritt investiert wird, wollten die Verleger der drei Zeitungen an der Medienorientierung keine Auskunft geben.
Die Distribution der Pendlerzeitung läuft über Zeitungsboxen; mit der SBB sei man dazu bereits in Verhandlung. News soll, wie der Name impliziert, eine reine Nachrichten-Zeitung sein. «Die Formel ist relativ einfach: Wir setzen erstens auf News, zweitens auf News, drittens auf News», erklärte der designierte Chefredaktor Philippe Pfister. News wird in jeder Stadt mit einem eigenen Zeitungskopf herausgegeben, der den Titel der verkauften Zeitung enthält. Es wird also «News Tages-Anzeiger», «News Berner Zeitung» und «News Basler Zeitung» geben. Der Inhalt der drei Ausgaben ist ansonsten identisch. Einziger Unterschied bildet jeweils auf der Seite «Schweiz» ein Kasten mit Hinweisen darauf, was es in den abonnierten Titeln zu lesen gibt. Obwohl die Verlage mit der neuen Zeitung explizit das Ziel haben, ihre verkauften Regional-Tageszeitungen zu stärken, wird News keine Lokalseiten enthalten. Regionale Nachrichten erscheinen nur, wenn sie von nationaler Bedeutung sind.
Die Redaktion wird im Zürcher Tamedia-Haus in den Räumlichkeiten der ehemaligen Facts-Mannschaft ihr Domizil haben. Insgesamt werden 34 neue Stellen geschaffen, 26,5 in der Redaktion und 7,5 im Verlag. Zu der Redaktion gehören Rolf Hürzeler, zuvor bei Facts, als Leiter Kultur; Christian Maurer als Blattmacher; Stefan Regez, vormaliger Jungfrauzeitung-Chefredaktor, als Nachrichten-Chef.
Die Zeitung fokussiert sich auf Agenturmeldungen als Quelle von 80 Prozent der Beiträge; laut Pfister sollen diese Nachrichten aber in einer «hochwertigen Aufbereitung» vermittelt werden. Auf Kolumnen oder Kommentare wird verzichtet. Das Blatt soll sich an eine junge, gut gebildete und urbane Leserschaft richten. «Gratiszeitungen stehen im Vorurteil, dass sie aus Sicht der Werbewirtschaft eine qualitativ schlechtere Leserschaft als abonnierte Zeitungen anziehen. Das stimmt aber nicht», betonte Projektleiter Rolf Bollmann. «Es ist jedoch einfach so, dass Junge nicht mehr bereit sind, für eine Zeitung zu bezahlen». Der Werbewirtschaft könne man nun neue Angebote machen: News ist auf nationaler Ebene alleine, im Verbund mit dem Kombi Metropool sowie regional jeweils mit dem abonnierten Titel zusammen buchbar. Dank der erhöhten Reichweite wolle man attraktive Preise schaffen. Die Anzeigenkosten wurden aber noch nicht genannt.
Auf die Frage, ob das neuste Blatt nicht die Gefahr einer Kannibalisierung der bestehenden Zeitungen berge, antwortete Bollmann: «Eine gewisse Kannibalisierung lässt sich nicht verhindern. Aber wenn Einnahmen in die Gratiszeitungen fliessen, wollen wir diese lieber in den eigenen Häusern behalten». Die von Sacha Wigdorovits initierte Gratiszeitung .ch sei für die Lancierung von News nicht entscheidend gewesen, meinte Tamedia-VR-Präsident Pietro Supino vor den Medien: «Unabhängig davon, ob .ch startet oder wie lange es auf dem Markt bleibt, wollen wir News lancieren».
Online-Newsnetzwerk soll im Frühjahr startenNicht nur im gedruckten Zeitungsmarkt, sondern auch im Online-Bereich wollen die drei Titel expandieren. Im Frühjahr 2008 startet ein gemeinsames Online-Newsnetzwerk. Daran werden sich auch der Winterthurer Landbote und die Thurgauer Zeitung beteiligen. Es umfasst insgesamt rund 37 Vollzeitstellen. Eine Mantelredaktion mit 18 Stellen wird in Zürich sitzen, die regionalen Redaktionen in Zürich, Basel und Bern bleiben erhalten. «Wir wollen nicht den Fehler machen, den andere schon gemacht haben, und nur mit einem zentralen Newsdesk fahren», erklärte Res Strehle, der Projektleiter Redaktion Online-Newsnetzwerk. Das Netzwerk setzt auf die bestehenden Internetadressen der drei Tageszeitungen. An allen Standorten werden so genannte Page-Macher arbeiten, das digitale Pendant zum bekannten Blattmacher. Online setzen die drei Verlage, im Gegensatz zum Pendlerblatt News, auf regionale Inhalte. «In der Schweiz sind die regionalen Teile im Online-Bereich noch unterentwickelt», so Strehle. Der Chefredaktor des neuen Netzwerkes ist noch unbekannt.
Die drei Medienhäuser streben an, mit dem neuen Netzwerk zur meistbesuchten Medien-Site der Schweiz zu werden. Zählt man die Net-Metrix-Zahlen vom August 2007 von Tagesanzeiger.ch, Baz.ch und Espace.ch zusammen, resultieren tatsächlich mehr Unique Clients als bei Blick Online, dem bis anhin führenden Online-Portal eines Schweizer Medienhauses. Ob diese Rechung in der Praxis aufgeht, wird sich weisen müssen. Res Strehle freute sich vor den Medien jedenfalls darüber, dass nun «die Mittel für einen den Qualitätszeitungen angemessenen Online-Auftritt» vorhanden seien.
Carole Scheidegger