No Risk für Familie Schweizer
Magazine Die Schweizer Familie dringt – parallel zum Relaunch – mit einem kostenlosen Rechtsberatungsdienst für Abonnenten in fremde Domänen ein.
Magazine Die Schweizer Familie dringt – parallel zum Relaunch – mit einem kostenlosen Rechtsberatungsdienst für Abonnenten in fremde Domänen ein.
Die Zeitung ist auch eine Versicherung: Diese Praxis ist ziemlich in Vergessenheit geraten, beziehungsweise beschränkt sich auf kaum mehr als einen Traditionstitel. Doch die gedruckte Presse hat mit Zusatzangeboten eine lange Geschichte. Vor allem in den Gründerjahren der traditionellen Zeitungstitel waren speziell Versicherungen bei Krankheit und Arbeitsausfall beliebter Lockvogel zur Abogewinnung. Da soziale Einrichtungen noch weitgehend fehlten, stand beim Erwerb eines Zeitungsabos oft nicht das Blatt, sondern die Versicherung im Fokus des Publikums. Neuer BeratungsdienstJetzt knüpft die Schweizer Familie (SF) mit einem für die Leserschaft kostenlosen Rechtsberatungsdienst sowie einer Rechtsschutzversicherung zum Vorzugspreis an diese Tradition an und spannt mit der Mobiliar-Tochter Protekta zusammen. Ab dem 20. September können sich Abonnentinnen und Abonnenten werktags kostenlos über alle Rechtsgebiete telefonisch von Protekta-Juristen beraten lassen. Darüber hinaus bietet der Rechtsversicherer der SF-Leserschaft eine entsprechende Rechtsschutzversicherung zu Sonderkonditionen an. Strategisch gesehen – eine Hand wäscht die andere – ermöglicht dieses Modell der Schweizer Familie, ihre Leserschaft enger an sich zu binden und neue Abos zu generieren, andererseits kommt die Mobiliar-Tochter zu neuen Versicherungsnehmern.
«Die Schweizer Familie bot schon immer viel Leserservice», sagt SF-Chefredaktor Daniel Dunkel. «Aber ein knackiges Haltbarkeits-Instrument für Abonnenten fehlte bisher.» Für Dunkel wurde mit dem Deal das matchentscheidende Added-Value-Teilchen gefunden. Historischer Nebeneffekt: Das Angebot ist auch eine Reminiszenz an die eigene Vergangenheit des 113-jährigen Blattes. Bereits in den 30er- Jahren waren nichterwerbstätige Frauen mit einem Abo der Schweizer Familie im Fall von Tod, Invalidität und Unfall versichert. Laut Angaben des Verlages sind das bis heute immer noch rund 20000 Personen.
Das neue Angebot entspricht durchwegs dem Profil der SF-Leserschaft, darunter viele Familien, die tendenziell Sicherheit hoch bewerten und nur begrenzt risikobereit sind. Die Rechtsberatung füllt da eine Lücke, sei es beim Autoleasing, beim Buchen von Ferien oder bei komplizierten Vertragsabschlüssen mit Telefonanbietern oder bei Mietproblemen. «Die Leute brauchen Rat, weil sie sich im Paragraphendschungel nicht mehr zurechtfinden», so Dunkel.
Nichts gegen BeratungsblätterIm vergangenen März hatte der Schweizerische Beobachter seinen Auftritt verjüngt und gibt seither Familienthemen mit einem eigenständigen Teil mehr Raum im Blatt. Die neue Rechtsberatung von Schweizer Familie/Protekta ist in diesem Zusammenhang auch als publizistische Retourkutsche zu lesen. Denn die SF-Akteure dringen mit ihrem Angebot in eine Domäne vor, die landläufig und über Generationen mit dem Beo-Beratungsdienst assoziiert wird. «Der Beobachter darf uns schon ein paar Zehntausend Leser abgeben», meint Daniel Dunkel, was er indessen nicht als Kampfansage versteht, weder gegen den Beobachter noch andere Beratungszeitschriften. So will die Schweizer Familie – bis auf einen anonymisierten Modellfall pro Monat – keine Geschichten aus der Rechtsberatung ins Blatt heben.
Für Dunkel halten denn auch Vergleiche mit dem Beobachter nicht stand. «Für uns stehen Leserbindung und Abogewinnung im Vordergrund.» Man wolle kein Kampfblatt für betrogene Konsumenten werden, sondern die Leser aufklären. Der beste Effekt, den sich Dunkel durch die Beratung seiner Leserschaft vorstellt, ist, dass die Leute – sozusagen juristisch imprägniert – gar nicht erst in schwierige Situationen geraten. Das entspricht konsequent dem Umgang mit den typischen Schweizer-Familie-Themen, deren Verantwortliche ihre Schäfchen nicht mit düsteren Geschichten vor den Kopf stossen wollen. Die Welt ist schon schlecht
genug.
René Worni
Siehe auch:
Relaunch für Mainstreamer
