Nadja Schildknecht macht als Leiterin für Marketing und Sponsoring das Zurich Film Festival zu einer wichtigen Plattform für Filmfans, Filmkunst und Wirtschaft.
Mit der «Masterclass» und dem internationalen Wettbewerb ist das Festival insbesondere für junge Filmtalente sehr attraktiv. Und mit den erwarteten 25’000 Zuschauern ist es eine offensichtlich gefragte Bereicherung für die Kultur in dieser Stadt.Im Jahre 2004 ist Zürich mit «onedotzero» erstmals von einem neuen Festival überrascht worden. Das internationale Filmfestival onedotzero aus London steht heute für das grösste und einflussreichste Festival im Bereich des animierten Films. Nadja Schildknecht, Karl Spoerri und Antoine Monot Jr. holten onedotzero 2004 zum ersten Mal nach Zürich, und es gelang ihnen, 3’000 Besucher zu begeistern. «Wieso also nicht mehr daraus machen?», sagte sich das Trio. Schliesslich hat der heutige Festivaldirektor Karl Spoerri schon immer die Vision gehabt, in Zürich ein Filmfestival mit internationaler Ausstrahlung zu etablieren.
«Wir wussten zu Beginn gar nicht, auf was wir uns einlassen. Aber wir haben mit viel Leidenschaft und Freude die anfänglichen Schwierigkeiten hinter uns gelassen. Zürich ist eine Filmstadt, und wir haben uns genau überlegt, wieso wir hier ein Filmfestival aufbauen wollen. Wir hatten von Beginn an das Ziel, ein bedeutendes Festival zu werden», sagt Schildknecht. Es gibt für sie viele Gründe, weshalb Zürich ein Filmfestival haben soll: «Wir haben die grösste Kinodichte Europas, haben die nötige Infrastruktur mit Flughafen, Hotels und einer interessanten Wirtschaft. Dazu kommt die boomende Filmbranche. Zürich ist eine Medienstadt.» Im Ausland waren viele sogar erstaunt, dass es hier nicht schon lange ein Filmfestival gibt.
Von der Wirtschaft ist das neue Festival von Beginn an gut aufgenommen worden. Andere Seiten haben auch Skepsis gezeigt. Die Stadt Zürich hat anfangs daran gezweifelt, ob hier wirklich ein neues Festival ins Leben gerufen werden soll. Die Bedenken waren aber unbegründet. «Beim zweiten Mal sehr gut und jetzt, beim dritten Mal, steht die Stadt Zürich nun ganz offiziell hinter uns.» Die Stadt hat in diesem Jahr das Patronat übernommen, «was für uns sehr wichtig ist», so Schildknecht. So darf vom 27. September bis 7. Oktober ein grosses Festivalzelt neben dem Zürcher Rathaus aufgestellt werden. In diesem Zentrum sollen sich Filmfans, Profis und Medien im angeregten Rahmen bei Drinks und Häppchen vor oder nach dem Kinobesuch begegnen können.
Das Zurich Film Festival hat im letzten Jahr 18’000 Besucher begeistern können. Gezeigt wurden 18 Filme im Wettbewerb und über 30 im Programm. In der aktuellen dritten Ausgabe wurde das Festival auf 11 Tage erweitert und das Programm ausgebaut. 24 Wettbewerbsfilme, zusätzliche Reihen wie die Reihe Neue Welt Sicht mit dem Gastland Russland, die exklusiven Galapremieren im Kino Le Paris und die Reihe Spotlight mit einer Auswahl von Wettbewerbsfilm anderer grosser Festivals stehen auf dem Programm. Meine Funktion im Trio der Festivalleitung ist das ganze Marketing, das Sponsoring und die Events.» Nadja Schildknecht konnte für das heurige Festival mehr als 30 Sponsoren gewinnen, darunter die vier Hauptsponsoren Credit Suisse, Jobs.ch, L’Oréal Paris und Audi. Die Kunst des Marketings beherrscht Nadja Schildknecht dank «learning by doing».
Die Jungunternehmerin hat eine kaufmännische Lehre absolviert. Das habe ihr bei der täglichen Routine «geholfen», erklärt Schildknecht ihren Background. Noch wertvoller sind natürlich bereits 13 Jahre Erfahrung als selbständige Geschäftsfrau rund um ihre erfolgreiche Karriere als Model. «Da habe ich gelernt, was Business heisst. Das schärfte meinen Geschäftssinn.» Während dieser internationalen Tätigkeit in der Welt der Mode ist Schildknecht viel gereist. «Das hat meinen Horizont erweitert.» Dazu war sie immer neugierig. «Dank meiner direkten und offenen Art, bin ich immer auf die Leute zugegangen und habe von der Erfahrung anderer profitiert, sei es von einem wichtigen CEO, einem Werber oder einer Medienfrau.»
Beim Zurich Film Festival 2007 arbeitet sie mit einem Budget von rund 2,3 Millionen Franken. «Nicht alles davon ist cash, sondern beinhaltet auch sachliche Gegenleistungen», meint die Marketingleiterin. Dank welchem Konzept konnte sie so viele Sponsoren gewinnen? «Wir bieten ein gutes Produkt. Wir stehen hundertprozentig hinter unserem Projekt und können mit überzeugenden Zahlen einem Sponsor den Return on Investment zeigen.» Und vielleicht das Wichtigste: «Film ist für viele Firmen ein schönes Thema. Wir decken eine breite Zielgruppe ab.» Dazu komme das positive Gefühl für den Sponsor, dass er von Beginn an bei etwas dabei sein kann, das für die Zürcher Kulturszene jährlich wichtiger wird.
Das Zurich Film Festival geniesst inzwischen international einen guten Ruf. In der Jury sitzen in diesem Jahr neben Dieter Meier (Yello) und Bettina Oberli («Die Herbstzeitlosen») auch Moritz Bleibtreu («Lola rennt»), Matthew Modine («Full Metal Jacket»), Justus von Dohnányi («Der Untergang») und der Festivalpräsident Produzent Albert S. Ruddy (zweifacher Oscargewinner unter anderem für «Million Dollar Baby»). Als ein weiterer Stargast wird Oliver Stone erwartet. Das Zurich Film Festival freut sich natürlich sehr, dass eine solche Hollywoodgrösse dem Festival seine Ehre gibt. Ausserdem gehört das US-Branchenblatt Variety neuerdings zu den Medienpartnern des Zurich Film Festival.
Heiner Kunz