Kooperationen Norbert Neininger, Verleger der Schaffhauser Nachrichten (SN), sagt, weshalb er beim Kombi Nordostschweiz (NOS) mitmacht.
WW: Als die NOS-Pressemeldung kam, hiess es in der Szene sofort: Die SN rücken näher zum Tamedia-Konzern. Was sagen Sie dazu?Norbert Neininger: Wir setzen das Kombi 1B, das es schon seit vielen Jahren gibt, unter dem Namen «Nordostschweiz» fort. Neu ist einzig, dass es von den Thurgauer Medien und nicht mehr von der Publicitas vermarktet wird. Das ist alles – von einer Annäherung an Tamedia kann keine Rede sein.WW: Noch etwas ändert: Das Kombi-Modul Landbote/Thurgauer Zeitung (TZ) fällt künftig weg, was wohl den SN am meisten nützt. Haben Sie also auch Bedingungen gestellt?Norbert Neininger: Wir standen jedenfalls nicht mit dem Rücken zur Wand. Im Gegenteil. Aber es wäre auch lächerlich zu glauben, wir hätten die andern an die Wand gespielt. Es ging wie immer bei solchen Gesprächen um ein Geben und Nehmen. Klar ist: Das NOS-Kombi nützt allen drei Zeitungen. Gerade bei den Stellen rechnet jeder der drei Verlage mit mehr Volumen, weil die Stellenanzeigen nun in allen drei Titeln sein werden. Das Unterkombi hat uns aber schon lange gestört. Wir sind deshalb froh, dass sich unser Wunsch durchsetzen liess.WW: Warum willigten die andern ein? Weil die NOS erst mit der SN auf eine Auflage von 100’000 Exemplaren kommt?Norbert Neininger: Ja, natürlich. Aber auch wegen des neuen gemeinsamen Stellenbundes, dem NOS-Herzstück: Unterstellenbunde wären da kaum sinnvoll. Zudem ist der Wechsel von der P zur Eigenvermarktung ein grosser Schritt. Da wäre auch aus Sicht von TZ und Landbote ein Alleingang nicht sinnvoll gewesen. Auch für sie ist es besser, auf ein Kombi zu setzen, das seit Jahren eingespielt ist. Wir haben also unsere Interessen gewahrt. Aber das machen wir immer, wenn es geht.
WW: Auch auf anderer Ebene, beim Vertrieb etwa? Seit rund einem Jahr ist die Zuvo, die Frühzustellorganisation von Tamedia und NZZ, auch in Schaffhausen präsent und konkurrenziert Ihre Schazo. Bahnt sich dort jetzt eine Änderung an?Norbert Neininger: Im Moment reden wir nur vom Kombi. Aber es ist klar, dass die Zuvo-Präsenz bei uns ein extrem störendes Element ist.
WW: …das in den Kombi-Verhandlungen ein Thema war?Norbert Neininger: Dazu sage ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts.WW: Zurück zum NOS: Sie hätten sich schon per 1. April 2007 anschliessen können. Warum tun Sie es erst jetzt?Norbert Neininger: Weil es damals darum ging, ob wir uns dem NOS-Zeitungssystem anschliessen wollen. Damit hätten wir aber das Layout angleichen und gewisse Redaktions- und Verlagsteile auslagern müssen. Doch wir wollen keine Mantellösung, keine Angleichung des Layouts, keinerlei Abbau beim Verlag. Wir bleiben eine eigenständige, unabhängige Zeitung, die lediglich weiter im Kombi mitarbeitet.WW: Sie wollten also bloss den nationalen Verkauf weiter auslagern können?Norbert Neininger: Ja. Den nationalen Verkauf, der primär über das Kombi läuft, hatten wir immer bei der P, die das besser kann als wir. Doch im Gegensatz zum Landboten, der vollständig in P-Regie war und nun seine ganze Regie an die TZ abtritt, behielten wir den lokalen Verkauf und immer auch einen Teil des nationalen Verkaufs bei uns. Denn Kundenbeziehungen sind etwas Wichtiges für einen Verlag. Das handhaben wir auch künftig so, und wir werden uns nun im Dienste der Sache voll engagieren.WW: Lehnen Sie redaktionelle Kooperationen ab?Norbert Neininger: Nein, aber wir wollen sie nur in dem Mass, wie wir es machten, bevor Tamedia die Thurgauer Zeitung übernahm. Schon damals hatten wir gemeinsame Beilagen, tauschten Artikel aus und hatten sogar eine gemeinsame Bundeshausredaktion. Alle diese Dinge würden wir gerne wieder aufnehmen.WW: Kommt es per 2008 zu Tarifänderungen?Norbert Neininger: Die SN heben ihren Tarif an, gleichzeitig wird der Kombirabatt deutlich grösser, damit das Kombi gegenüber der Einzelbelegung möglichst attraktiv wird. Wir wollen einen Sog ins Kombi erzeugen.WW: Wie gross ist der Anteil, den die SN in diesem Jahr über das Kombi 1B, also aus dem nationalen Markt, bekamen?Norbert Neininger: Der Anteil liegt unter 50 Prozent, aber ein Kombi ist für uns ausserordentlich wichtig.WW: Letzte Frage zum TV-Projekt mit ZüriPlus, RingierTV und Goldbach Media im neuen TV-Gebiet Zürich-Nordostschweiz: Wurde es schon
eingereicht?
Norbert Neininger:Nein, im Moment ist wieder einmal alles im Fluss. Interview: Markus Knöpfli
Siehe auch
Gemeinsam die Grössten