Nachwuchsförderung Die Agentursprösslinge stehen den Althasen des ADC in Sachen Kreativität in nichts nach. Das zeigte der Young Creatives Award.
Die Zukunft liegt in den Händen der Jungen. Das hat auch der ADC erkannt und startete in diesem Jahr zum ersten Mal einen Nachwuchswettbewerb: den Young Creatives Award. Jungwerber durften eine Kampagne für die Menschenrechts- organisation Amnesty International kreieren. Die Botschaft, die vermittelt werden soll: Die Verletzung von Menschenrechten geschieht nicht hier, aber jetzt. In den Kategorien «Print & Outdoor», «Film» und «Cyber» durfte der Kreativnachwuchs Ideen einreichen. Knapp zwei Monate hatte die U28-Generation Zeit, die im August ausgeschriebene Aufgabe auf Papier zu bringen. Der Wettbewerb erzeugte ein grosses Echo. Insgesamt 100 Arbeiten wurden dem ADC zugeschickt. Davon waren mehr als zwei Drittel Ideen für die Kategorie «Print & Outdoor». Nur vier Arbeiten beschäftigten sich mit Umsetzungen fürs Internet, was die ADC-Werbergilde schockierte. Ist die Internet-affine und printscheue Jugend nur Mythos? Urs Schrepfer, beim ADC für den Award verantwortlich, sieht Handlungsbedarf: «Der ADC muss sich im Bereich Internet noch mehr öffnen.»Grosszügige Agenturen Der Grossteil der Teilnehmer stammt aus den hiesigen Kreativschmieden, die ihre Jugend bei den Eingaben finanziell unterstützen. Die Agenturen zeigten sich zum Teil ausgesprochen grosszügig. Bis zu zehn Arbeiten konnten einzelne Teams dank des Agenturzustupfs einreichen. Pro Eingabe verlangte der ADC eine Gebühr von 110 Franken.
Hochkarätige JuryMit Amnesty International stand nicht nur ein relevanter Auftraggeber für den ersten ADC Young Creatives Award Pate. Auch die Jury, welche sich mit den Ideen der jungen Kreativen auseinander setzte, war namhaft besetzt. Unter der Leitung von Urs Schrepfer jurierten die ADC-Mitglieder Danielle Lanz (Ruf Lanz), Pius Walker (Walker Werbung), Peter Brönnimann (SFLB), Uwe Schlupp (KSSJ), Stefan Ehrler (Hasenfeld), Ralf Kostgeld (Publicis), Pierre Rebetez (Headbanger), Christian Bobst (AY&R), Matthias Freuler (Wirz), Petra Bottignole (Euro RSCG), Alexander Jaggy (JvM/Limmat). Ausserdem waren Paul Tschurtschenthaler von Amnesty International Schweiz, Philipp Petersson von Condor Films und Glenn Gibbins von BBH London in der Jury vertreten.
Die Jury musterte die Arbeiten der Jungkreativen sehr genau. Längere Diskussionen führten letztlich auch dazu, dass die Preisverleihung im Kaufleuten fast zwei Stunden später als geplant stattfand. Über eine Platzierung auf der Shortlist entschieden Details. Die besten Karten hatten Ideen, die mit dem Medium und den Formaten experimentierten. Schrepfer: «Klassische, ordentliche Werbung reicht heute nicht mehr. Auch international. So haben wir bewusst frische Ideen, die mit den Formaten experimentierten, ausgezeichnet.»
Plagiate wurden übrigens von der Jury sofort erkannt. So machte Matthias Freuler von Wirz schnell ein Sujet aus, das im bekannten Lürzers Archiv einmal auftauchte. Jurypräsident Urs Schrepfer fasst zusammen: «Unter den eingereichten Arbeiten befanden sich ein ADC Winner aus Deutschland und einer aus Cannes. Diese konnten wir natürlich nicht berücksichtigen.» Arbeiten, die sich nicht an das Briefing hielten, hatten bei der Jury auch keine Chancen. Fast sechs Stunden dauerte die Jurierung, bis der Gewinner feststand.
Nächstes Jahr nach CannesDa keine Arbeit aus dem Bereich Cyber überzeugen konnte, wählte die Jury zwei Sieger aus den insgesamt 78 eingereichten Print-&-Outdoor-Arbeiten. Überzeugt hat die Jury die Arbeit von Moritz Stillhard (AD) und Andrea Heierli (AD) mit ihrem Plakat «Gitter». Die Media-Idee arbeitet mit der Mechanik der Prismaplakate. Hinter den blockierten Lamellen zeigt ein Plakat das Elend eines Gefangenen. Pius Walker: «Eine echt starke Idee, die genau der Marke von Amnasty entspricht.» Die Siegerarbeit bekam ausserdem den Grand Prix zugesprochen. Diese Idee wird Amnesty realisieren lassen.
Zum anderen überzeugten Iris Alder (Text) und Roswitha Brülisauer (AD) mit «What’s up in Guantanamo». Die beiden Jungkreativen platzierten neben den Ausgehtipps von 20 Minuten im selben Layout die «Top-Events» von Bagdad bis Guantanamo. Neben den Partys in Zürich platzierten sie die Massen-hinrichtungen, Steinigungen und Folterungen in Guantanamo. Pius Walker über die Arbeit: «Knallhart und subtil zugleich.»
In der Kategorie Film siegten Martin Arnold (Text) und Nik Hodel (AD) mit ihrer Idee «Wetterkamera». Die Idee: Während Wetterkameras die Bilder von idyllischen Schweizer Ferienorten zeigen, switcht der Spot ganz unvermittelt in die Katastrophengebiete von Rwanda bis Irak.
U23-Talent gekürtZudem hat die Jury jemanden auserwählt, der an einen Förder-Workshop der renommierten Roger Hatchuel Lions Academy in Cannes darf. Das Team Claudia Gaisser (Text) und Andrei Vid (AD) muss unter sich ausmachen, wer von beiden den einzigen Schweizer Platz an der Hatchuel Academy belegen wird. Sie haben mit ihrer Idee «Postkarten» gewonnen, bei der Plakate mit Postkarten beklebt werden, welche insgesamt das Bild eines Gefolterten zeigen. Entfernt man die Karten, wird darunter der positive Effekt sichtbar, welche die Postkarten und damit die Unterstützung von Amnesty International bewirken können.
Christian Lüscher
Der ADC-Sprengsatz schlägt ein – Plagiat?
Man muss das Rad nicht neu erfinden, wird sich der Schöpfer der YCA-Trophäe und -Sujets gesagt haben. Das Granatenhirn war 1995 Albumsujet der schwedischen Cross-Rocker Clawfinger. Der Titel des Albums passt zum ADC-Sprengsatz: «Use your Brain».