Mit Dialog zum Erfolg

Corporate Publishing Um mit einem Kundenmagazin Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu erzielen, müssen Qualität und Handwerk stimmen. Die wichtigsten Punkte im Dialog mit der Leserschaft.

 
Corporate Publishing Um mit einem Kundenmagazin Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu erzielen, müssen Qualität und Handwerk stimmen. 
Für einen langfristigen Erfolg und um diesen mess- und nutzbar zu machen, braucht es den konsequenten Dialog mit der Leserschaft. Erfüllt die Publikation dies nicht, erhält sie nur selten eine zweite Chance. Unternehmen sollten die erzielte Aufmerksamkeit bei ihren Corporate-Publishing-Produkten von der kommunikativen Einbahnstrasse hin zum Dialog oder noch besser zur Interaktion führen. Kein Dialog ohne Evaluation. Nur so kann sich ein Unternehmen konsequent an der Zielgruppe orientieren und seine Kommunikations- und Verkaufsaktivitäten optimieren. Und liefert damit zugleich Argumente, welche Anzeigenkunden vermehrt dazu veranlassen, auch Corporate-Publishing-Produkte als Werbeträger zu nutzen.Was heisst Dialog in Corporate Publishing?Dialog beginnt mit dem ersten Eindruck. Eine glaubwürdige Publikation zeichnet sich durch die journalistische Aufbereitung von Inhalten, eine aktuelle Themenwahl, passend zum Umfeld des Herausgebers, sowie eine ansprechende und emotionale Bildsprache aus. Den langfristigen Erfolg sichert sie sich allerdings durch ihre Dialogfähigkeit.
Wer von Dialog spricht, muss nicht nur wissen, wer seine Leser sind und was sie wollen, er muss dies auch laufend überprüfen. Dialog und Interaktionsmöglichkeiten machen nur dann Sinn, wenn danach eine konsequente Nachbearbeitung erfolgt und wenn sie auf das übergeordnete Kommunikations- und Marketingkonzept des herausgebenden Unternehmens abgestimmt sind. Tamedia Production Services erachtet den Dialog in Corporate-Publishing-Produkten als eines der zentralsten Kundenbindungselemente. Bereits während der Konzeptphase wird höchster Wert auf eine intelligente und vor allem effiziente Dialogstrategie gelegt, Hand in Hand mit dem Redaktions- und Grafikkonzept. Dabei sind neben Inhalt und Form auch die erforderlichen Ressourcen bereits im Vorfeld zu definieren.
Worin besteht der Erfolg beim Dialog?Den Grundstein für eine erfolgreiche Dialogstrategie legt primär eine qualitative Analyse der Zielgruppe. Sie zu kennen, heisst heute nicht nur, über die geografischen und soziodemografischen Aspekte wie z. B. Alter, Geschlecht oder Einkommen informiert zu sein. Mehr denn je sind die psychografischen Aspekte massgebend, die Charakter, Persönlichkeit und Lebensstil beschreiben. 25-jährige Konsumenten unterscheiden sich heute beispielsweise in ihrem Konsumverhalten nicht mehr unbedingt von 50-jährigen.
Auf dieser Basis können die «richtigen» Leserangebote erarbeitet werden: vom Wettbewerb über Einladungen zu Events oder Leserreisen bis hin zu Blogs und Diskussionen, im Idealfall sogar zur Bildung von Communities.
Nur mit der Platzierung von Dialogelementen findet aber noch kein Zwiegespräch statt. Wie bringen wir die Leser dazu, mit uns zu kommunizieren? Dazu müssen der emotionale Nerv getroffen und ein wirklicher Nutzwert geschaffen werden. Als Beispiel dafür sei eine Leserveranstaltung erwähnt, die Production Services gemeinsam mit einem Kunden für dessen Publikation entwickelt hat: Leser können exklusiv an einer Informationsveranstaltung über Grand Cru, der besten Schokolade der Welt, teilnehmen. Seit einiger Zeit ein Thema in Gourmetkreisen, hat sich bei der Edelschokolade, ähnlich wie beim Wein, eine eigene Sprache zu deren Charakterisierung entwickelt. Während eines halben Tages lernen die Teilnehmenden die so genannte Sensoriksprache kennen, erfahren alles über die Herstellung einer Grand-Cru-Schokolade und stellen schliesslich selber Truffes her.
Das erwähnte Beispiel erzielte einen positiven und grossen Response. Denn es greift gleichzeitig ein emotionales Thema auf und  trifft bei der avisierten Zielgruppe auf einen aktuellen Trend.
Neben der Attraktivität der Dialogmassnahmen entscheiden auch Schnelligkeit und Einfachheit der Antwortmöglichkeit massgeblich über den Response. Im Gegensatz zu früher unterstützen uns heute dabei neue Technologien und moderne Infrastruktur.
Worin besteht der Nutzen beim Dialog?Erst die Auswertung und Nachbearbeitung der Dialogelemente machen den Erfolg oder Misserfolg einer Kundenzeitschrift messbar. Beide, die quantitative und die qualitative Auswertung. lassen ein Unternehmen Entwicklungen und Bedürfnisse ihrer Zielgruppe erkennen. Die Erkenntnisse und Daten ermöglichen einerseits, frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren und die Kommunikationsaktivitäten laufend zu optimieren. Andererseits können sie der Verkaufsabteilung wertvolle Argumente und eine erhöhte Affinität zur Anspruchsgruppe liefern.
Heute erkennen auch Mediafachleute und Anzeigenkunden immer häufiger die Vorteile, die mit der Platzierung von Werbung in qualitativ anspruchsvollen und professionell umgesetzten Corporate-Publishing-Produkten erzielt werden können. Die klar definierte Zielgruppe und detaillierten Informationen über das Publikum mittels intelligenter Dialogstrategie ermöglichen eine zielgerichtete Ansprache und verringern den Streuverlust. Zudem führen Glaubwürdigkeit und Verbundenheit der Leserschaft mit der Publikation zu einer erhöhten Kontaktwahrscheinlichkeit. Ein überzeugendes Argument, wenn es um Werbung geht.
Cosette Schwarz

Bronze für Saatchi & Saatchi Simko am Airport Media Award

Die Genfer Agentur Saatchi & Saatchi Simko bringt für Carlsberg Stadion-Atmosphäre in den Zürcher Flughafen und hat damit Bronze beim Airport Media Award in München gewonnen.

Die Genfer Agentur Saatchi & Saatchi Simko bringt für Carlsberg Stadion-Atmosphäre in den Zürcher Flughafen und hat damit Bronze beim Airport Media Award in München gewonnen. Gezeigt wird die preisgekrönte Werbung in 17 Fingerdocks, welche die Gates mit den Flugzeugen verbinden. Diese Flugbrücken sind zwei Meter hoch und rund 18 Meter lang. Das Sonderformat fordere eine spezielle Kreation, welche die ganze Länge des Plakates ausnutze, heisst es in einer Mitteilung der Agentur. Seit Juni 2007 zeigen nun die 17 Fingerdocks auf beiden Seiten Fussball-Fans, die eine La Ola-Welle bilden. Für die Kreation sind Evelyne Cerutti (Art Director) und Boris Declerck (Copywriter) unter Leitung von Olivier Girard (Chief Creative Officer) verantwortlich.

Weiterhin im Trend: visuelle Aufbereitung

Award Der Zeitungs-Designer Norbert Küpper, Gründer und Organisator des European Newspaper Award, berichtet über die aktuellen Trends, die sich aus dem Wettbewerb ergeben.

 
Award Der Zeitungs-Designer Norbert Küpper, Gründer und Organisator des European Newspaper Award, berichtet über die aktuellen Trends, die sich aus dem Wettbewerb ergeben. 
Von der Organisation des European Newspaper Award wurden mehr als 2000 Verlage in Europa angeschrieben, und 287 Zeitungen aus 26 Ländern haben sich am Wettbewerb beteiligt. Dabei sind Irland, Schweden, Norwegen und die Niederlande überdurchschnittlich vertreten, während aus Frankreich, Italien und Griechenland nur wenige Verlage mitgemacht haben. Der Umgang mit den visuellen Mitteln spielt eine bedeutende Rolle bei der Beurteilung der Zeitungen: Bildschnitte, Bildformate, ungewöhnliche Perspektiven können die gesamte Anmutung einer Zeitung stark beeinflussen und zu einem modernen, zeitgemässen Erscheinungsbild beitragen. Generell bringen die Mitglieder der Jury ihr gesamtes Fachwissen ein und diskutieren über viele der Einsendungen im Detail.Die Jury Die Jury des achten Wettbewerbs bestand aus acht Personen aus sieben Ländern. Es sind Journalisten, Wissenschaftler und Designer aus Norwegen, Schweden, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Deutschland und der Schweiz. Es wird nicht nur das Design beurteilt, sondern zum Beispiel auch die Visualisierung von Themen. In einigen Kategorien, wie z. B. Konzept und Innovation, liefern die Zeitungen schriftliche Begründungen, um der Jury die Arbeit zu erleichtern. In vielen Fällen werden auch die Überschriften ins Englische übersetzt, damit die Einreichung insgesamt beurteilt werden kann.
Gewinner aus der Schweiz Die wesentlichen Ergebnisse aller acht Wettbewerbe, die bisher stattgefunden haben, befinden sich auf der Homepage www.editorial-design.com. Neben den Hauptpreisen «Europe’s Best Designed Newspaper» gibt es Awards of Excellence in 18 Kategorien.
Basler Zeitung, St. Galler Tagblatt und NZZ am Sonntag haben in mehreren Kategorien Awards gewonnen, die Schaffhauser Nachrichten haben für eine doppelseitige Infografik einen Award gewonnen und Le Matin in der Kategorie Innovation für die Einführung der kostenlosen Zeitung Le Matin Bleu.
Wechsel zum Tabloid-Format vollzogen In den letzten Jahren haben Zeitungen in ganz Europa zum Tabloid-Format umgestellt. Dieser Wechsel ist nun vollzogen.
Es sind noch einige Regionalzeitungen in Deutschland im nordischen Format.

Hier wäre ein Wechsel zum Halbformat logisch. Es gibt hingegen keine Anzeichen dafür, dass überregionale Zeitungen wie die FAZ oder die Süddeutsche Zeitung ihr Format verkleinern werden. Das Schweizer Format ist bereits sehr handlich, sodass auch hier kein besonderer Grund zu einem Wechsel zum Tabloid-Format festzustellen ist.
Haupttrend: Farbe, Fotos, Gliederung Farbe:
Es sind vorwiegend Farbbilder, weniger Farbflächen, die in Zeitungen eingesetzt werden. Manche sind durchgehend vierfarbig, vor allem in Skandinavien. In der Schweiz und Deutschland sind viele Innenseiten nach wie vor schwarzweiss, und die Aussenseiten der Bücher sind mit Farbfotos besetzt.
Fotos:
Der Trend zu grossen Fotos setzt sich unvermindert fort. Bei einigen Zeitungen werden z. B. bei lokalen Ereignissen auch viele kleine Bilder zu einem Block arrangiert. Der Bildanteil auf einer Seite ist damit recht hoch. Gliederung:
Es sind öfter monothematische Seiten zu sehen, bei denen der Inhalt, in mehrere Blöcke gegliedert, präsentiert wird.Kein Gegentrend:
Es ist keine Gegenbewegung sichtbar. Niemand sagt, dass man den Lesern kleine Schwarz-Weiss-Bilder und ununterbrochene Textwüsten präsentieren soll. Es gibt allerdings etwa tausend Zeitungen in Europa, bei denen man sagen würde: Die sollte man mal gestalterisch überarbeiten. Der Grund ist einfach: Die Regeln für gute Lesbarkeit, Übersichtlichkeit und Leserfreundlichkeit werden vielfach nicht beachtet. Welche Trends sind in einzelnen Kategorien sichtbar, und was kann man für die eigene Arbeit lernen?TitelseitenNatürlich gewinnen bei einem Wettbewerb ungewöhnliche Titelseiten, die weit entfernt sind von alltäglichen Standardlösungen. Upsala Nya Tidning zeigt zum Beispiel eine rein typografische Lösung, bei der es um die Anzahl von Aidstoten geht. Bei einer ähnlichen Gestaltung einer anderen Zeitung aus Schweden ging es um die Ergebnisse von Wahlen. Andere Beispiele sind sehr plakativ in der Motivwahl. Man kann daraus lernen, dass man öfter mal das Standard-Layout verlassen sollte, um die Leser direkter und aggressiver mit einem Thema zu konfrontieren, als man es sonst tut. Nur wer auf sich aufmerksam macht, wird auch gesehen. Kontinuität ist sicher ein Merkmal der Verlässlichkeit unserer Zeitungen. Zu viel Gleichförmigkeit kann aber den Leser langweilen. Darum: Öfter mal eine freche und ungewöhnliche Titelseite machen.
FotoreportageDie Fotoreportage ist eine Geschichte, die vorwiegend mit Bildern erzählt wird. Dieses Genre kommt fast nur in Skandinavien vor, wo etwa 600 Tageszeitungen nahezu täglich Fotoreportagen veröffentlichen. Beim achten Wettbewerb konnte die Basler Zeitung in dieser Kategorie einen Award gewinnen. Die Fotoreportage beschäftigt sich mit der Basler Fasnacht. Sie wurde in drei Beilagen der BZ veröffentlicht. Den Fotografen der BZ ist es gelungen, den Ablauf der Fasnachtsumzüge zu dokumentieren und eine Geschichte in Bildern zu erzählen. Dabei wählten sie oft ungewöhnliche Perspektiven und Bildschnitte. Zusätzlich wurden einzelne Personen interviewt und Leser eingeladen, eigene Handy-Fotos an die Redaktion zu übermitteln.
Leserreporter bei der Basler ZeitungDie Leserreporter der BZ haben meist ihre Kinder, sich selbst und ungewöhnliche Masken oder Motive der Fasnacht übermittelt. Die Fotos wurden in der Zeitung veröffentlicht oder ins Internet gestellt. Bei der deutschen Bild-Zeitung sind ebenfalls Leserreporter aktiv. Dort werden vorwiegend Prominente gejagt. Beim European Newspaper Congress in Wien betonte Norbert Neininger, Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten, dass die Beteiligung von Lesern an der Berichterstattung bei seiner Zeitung schon seit 142 Jahren Tradition habe, was wiederum mit dem ausgeprägten Bürgersinn und der Demokratiekultur in der Schweiz zusammenhänge.
Verhältnis des Lesers zu seiner ZeitungDas Verhältnis des Lesers zu seiner Zeitung hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Früher kamen die Nachrichten von einer belehrenden Position auf den Leser herab. Inzwischen sind die Redaktionen bei vielen Zeitungen bemüht, auf gleicher Augenhöhe mit dem Leser zu sein. Man merkt die Veränderung daran, dass beispielsweise die Artikel mit Namen und E-Mail-Adresse des Autors versehen sind und bei vielen skandinavischen Zeitungen sogar mit dem kleinen Porträtbild des Autors und des Fotografen. Der Leser soll die Macher der Zeitung kennen.
Bildseiten Auf Bildseiten werden Bilder zu einem Thema veröffentlicht. Es wird keine abgeschlossene Geschichte erzählt, sondern oftmals eine Sammlung gleichartiger Fotos präsentiert. Das St. Galler Tagblatt schafft herausragende Seiten durch den Kontrast von einem grossen Bild zu wenigen kleinen Bildern. Bei Amsterdam Weekly sind dagegen alle Bilder gleich gross. Die Bildschnitte sind ebenfalls identisch. Durch die Reihung wird der Charakter einer Sammlung unterstrichen. Bildseiten sollte man ruhig häufiger einsetzen, weil sie einen entspannenden und auflockernden Moment in der Zeitung bilden.
Sektions-TitelseitenSektions-Titelseiten machen es möglich, der Zeitung einen Rhythmus zu geben. Bei vielen Zeitungen in Europa werden hier die besten Bilder platziert. Extreme Bildschnitte, Freisteller und Weissraum sind die Stichworte. Durch eine neue Sektion mit einem kraftvollen Start kann man dem Leser auch einen neuen Schub, neues Interesse an dem Produkt geben.
Innenseiten mit mehr SoftnewsSofern auf das Tabloid-Format umgestellt wurde, werden die Innenseiten aufgelockerter und damit den Zeitschriften immer ähnlicher. Bei skandinavischen Titeln sind auch Innenseiten an normalen Wochentagen oft mit Softnews bestückt. Bei Zeitungen im deutschen Sprachraum sieht man diesen Trend eher bei den Ausgaben am Wochenende.
Visualisierung bleibt weiter problematischBei der Visualisierung von Themen müssen eher textorientierte Schreiber lernen, visuell zu denken. Es ist festzustellen, dass es innerhalb der Redaktionen kaum mehr Leute gibt, die Fotografen so briefen können, dass ungewöhnliche und treffende Visualisierungen das Ergebnis sind. Man muss das jeweilige Thema mit den Augen der Leser sehen. Man muss die einzelnen Bestandteile des Themas durchdenken: Das lässt sich visuell darstellen, da brauchen wir eine Infografik, dieser Teil wird als Text präsentiert, die Überschrift muss für den Leser die passenden Schlagworte enthalten.
Erst wenn man zumindest die wichtigsten Themen der Zeitung systematisch durchdenkt, bevor man sie schreibt, wird sich die Visualisierung auch verbessern.
Trends im Überblick Wenn man die Jahrbücher des European Newspaper Award einmal durcharbeitet, nimmt man automatisch die Trends auf. Man kann dann auch feststellen, wo das eigene Produkt steht. Insbesondere bei den Kategorien Titelseiten, Konzept und Fotoreportage dürfte man fündig werden und einige neue Anregungen bekommen. «Zeitungsdesign 8», das Jahrbuch des europäischen Zeitungsdesigns, wird im Herbst erscheinen und kostet 60 Franken.
Norbert Küpper

Ist gutes Handwerk gut genug?

Q-Award Die Jury vergab dieses Jahr nur drei von fünf Awards. Unter den zehn eingereichten Dossiers fand sich zu wenig Qualität.

Q-Award Die Jury vergab dieses Jahr nur drei von fünf Awards.Drei attraktive Problemlösungen aus dem Bereich der Fach- und Spezialzeitschriften sind im vierten Durchgang des Q-Awards aus Anlass des «Tages der Fach- und Spezialpresse» ausgezeichnet worden: Preisträger sind SMM Schweizer Maschinenmarkt, Swiss Engineering STZ und Competence H+ Hospital Forum. Der Jury-Entscheid, auf die Vergebung des «Top Awards» und des Awards für Innovationen zu verzichten, soll als dringlicher Appell an die Branche verstanden werden, die qualitativen Anstrengungen zu verstärken. Es sind zehn Dossiers eingereicht worden; die Tiefe und die Qualität der Unterlagen waren sehr unterschiedlich. Die Jury wird in Zukunft nicht nur aus den eingereichten Bewerbungen schöpfen, sondern von sich aus Bewerbungen anregen. Oder zwingende Kandidaten, die sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht beworben haben, aus eigener Initiative nominieren. So wird dem Sinn der Awards wohl am besten Rechnung getragen.
Im Hintergrund dieser Awards steht die permanente Qualitäts-Offensive zu Gunsten der Druckmedien, die der Verband Schweizer Presse seit Jahren führt. In einem Land mit teilweise winzigen Marktgrössen und entsprechend beengten Budgetverhältnissen werden an die Sorgfalt sowohl auf der redaktionellen wie auf der verlegerischen Seite hohe Ansprüche gestellt. Im gleichen Sinne verleiht der Verlegerverband auch schon seit längerer Zeit das Q-Gütesiegel. Hohe Anforderungen – und dieses Jahr eine eher durchschnittliche Ausbeute: gute Modellpflege, aber wenig neue Antriebe.
Q-Publikationen erscheinen regelmässig und werden in einem klar definierten Markt vertrieben. Firmenpublikationen, Event- und Messeveröffentlichungen sind nicht zugelassen.
Q-Publikationen werden von einer unabhängigen Redaktion gestaltet. Redaktionelle und bezahlte Beiträge sind klar unterscheidbar und entsprechend gekennzeichnet. Die Grundsätze der Lauterkeitskommission werden beachtet.
Q-Publikationen veröffentlichen solide Marktdaten. Ihre Tarifdokumentationen entsprechen den Normen des Verbandes Schweizer Presse. Die Auflagen sind Wemf-beglaubigt, die Anzeigendaten werden monatlich gemeldet, damit eine verlässliche Branchenstatistik erstellt werden kann.
Q-Publikationen sind ausserdem in den E-Services der Publimag AG integriert, die als führende Werbegesellschaft im Bereich der Fach- und Spezialtitel etabliert ist und die Projekte Q-Publikation und Q-Award als Sponsor fördert.
Karl Lüönd

Print oder Online? Beides!

Medientage München Die Verlage haben angesichts von Web 2.0 ihr Geschäft nicht aus der Hand gegeben.

 
Medientage München Die Verlage haben angesichts von Web 2.0 ihr Geschäft nicht aus der Hand gegeben. 
Auch am diesjährigen Grossereignis der deutschsprachigen Medienbranche, an den Münchner Medientagen, präsentierte sich die Gästeschar vornehmlich schwarz gekleidet. Allerdings waren heuer im Vergleich zum Vorjahr etwas mehr Farbtupfer zu beobachten. Dies mag man als Hinweis nehmen, dass viele Medienunternehmer die vom Internet nachhaltig durchgeschüttelte Medienwelt nicht mehr ganz so schwarz sehen wie noch im letzten November. Auf diesen Tenor einigte man sich am Printgipfel, der Elefantenrunde der Verleger. So werde der Infomarkt im Web heute eindeutig von den Verlagen dominiert, meinte etwa Welt-Chefredaktor Christoph Keese. Es sei an der Zeit, die Kannibalisierungsfrage beiseite zu schieben und einfach zu handeln.Wie die Digitalisierung meistern?Abgesehen vom Schlagabtausch zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Veranstaltern über den Ausbau ihrer Internetangebote, welchem die begleitenden Medien prominente Schlagzeilen widmeten, bot sich in der Fülle von gegen 100 Panels, Elefantenrunden und Nebenveranstaltungen aus allen Sparten die eine oder andere Diskussion, die hier eine etwas nähere Betrachtung verdient. 
Wie gehen zum Beispiel die (Print-)Verleger mit der Digitalisierung um? Beispielhaft für eine überaus geglückte Integration von Inhalten ins Internet erläuterte Tom Turcan, Generalmanager Digital des Guardian, die zahlreichen Funktionsmöglichkeiten seiner Website «Guardian unlimited». Der Guardian hatte als eines der ersten unter den Flaggschiffen der britischen Presse sein Blatt massiv verschlankt und zum kompakten Format gewechselt. In München konnte Turcan kraft der Online-Offensive seines Unternehmens die beeindruckende Gesamtreichweite, die Total Audience, von 18 Millionen Usern der Marke Guardian präsentieren. Dass sich ein Printtitel mit dieser Strategie selber kannibalisiert, versteht sich von selbst. «Das muss man zugunsten von zusätzlichen Werbeerlösen in Kauf nehmen», meinte Peter Würtenberger, Verlagsleiter bei Welt und Berliner Morgenpost. Würtenberger warnte hingegen vor einem Super-Hype im Internet angesichts noch geringer Erlöse. Offenbar lassen sich die Verleger durch Erfolgssites wie YouTube oder MyVideo zu eigenen Markenextensions im Internet hinreissen, die möglicherweise gar nicht zum Markenkern passen. Nicht jeder brauche auch noch eine eigene Dating-Plattform, warnte Würtenberger. Der Guardian profitiert als englischsprachiges Produkt vom weltweiten Fokus, wo es deutschsprachige Medien vergleichsweise schwer haben. Immerhin können auch deutsche Regionalverleger bereits einiges vorweisen. So hat etwa die Rheinische Post mit ihrem Online-Angebot die Meinungsführerschaft in ihrem Einzugsgebiet massiv ausgebaut. «Online bietet auch die Chance, überregional auf Beachtung zu stossen», meinte Oliver Eckert, Geschäftsführer der RP online.
Zeitungen bewegen sich seitwärtsDen wohl radikalsten Ansatz im Web verfolgt der Vorarlberger Verleger Eugen A. Russ. Russ hat die Printausgabe seiner Vorarlberger Nachrichten praktisch zurückgestuft, beziehungsweise ausgegliedert, weil die Integration von Online nicht funktioniert hat und weil das Internet bei weitem das dominierende Geschäftsfeld seines Hauses ist. «Die Zeitungen verlieren, sie bewegen sich seitwärts, deshalb muss man neue Erlösquellen erschliessen.» Mit einem umfassenden Online-Angebot, das praktisch für sämtliche Aspekte des Vorarlberger Alltags Inhalte bereit hält, erzielt er Reichweiten von über 90 Prozent bei den 14- bis 19- Jährigen. Damit hat Russ auch Google geschlagen. Die eigentliche Zeitung bedient sich der Online-Plattform wie einer Agentur.  Russ fokussiert seine Medien auf einen ungefähren Aktionsradius des Publikums von durchschnittlich 25 Kilometern. Innerhalb dieses Kreises agieren nach amerikanischen Vorbildern seine MoJos, die mobilen Journalisten, aber auch eine stolze Reihe privater Content-Zulieferer.
Auf die Frage, was die User letztlich wollen, und ob das ein Angebot wie in Vorarlberg zu sein hat, darauf fanden sich bloss widersprüchliche Antworten in der Diskussionsrunde. Annik Rubens alias Larissa Vassilian, mit «Schlaflos in München» eine der Ikonen der deutschen Audio-Podcast-Szene, meinte, dass die Verleger mit ihren Webseiten noch allzu stiefmütterlich umsprängen und überflüssige Videos online stellten, bloss um beim gegenwärtigen Trend mitzumachen. Vassilian selber setzt sich schon lange über die Erwartungshaltung der User hinweg. «Ich tue, was mir Spass macht, und das überträgt sich auf das Publikum.» Für unbedingten Qualitätsjournalismus im Web sprach sich dagegen der Chefredaktor von stern.de, Frank Thomsen, aus. Für Vielfalt warb Stefan Herbst, der Chefredaktor der Saarbrücker Zeitung, der den Leser als Quelle nutzen will. So sei man schon an Geschichten und Bilder gekommen, die man sonst nicht hätte.
René Worni

Eine Lehre: Die Migros hats

Berufsbildung Die Migros ist die grösste Arbeitgeberin der Schweiz. Auch bei den Berufslehren, die heute generell als Grundbildungen bezeichnet werden.

Berufsbildung Die Migros ist die grösste Arbeitgeberin der Schweiz. Auch bei den Berufslehren, die heute generell als Grundbildungen bezeichnet werden.Dass die 2950 Lernenden jedoch nicht nur im Detailhandel ausgebildet werden, ist noch zu wenig bekannt. Neben den genossenschaftlich organisierten Läden gehören zur Migros-Gruppe auch viele weitere Betriebe, von der Schokoladenfabrik über das Reisebüro bis zum Logistikunternehmen. Und diese bilden auch Lernende aus. Insgesamt sind es 40 Bildungsbetriebe, die engagierten jungen Menschen Jahr für Jahr in 40 Berufen eine Zukunft bieten. Diese Auswahl überstrahlt sogar die nicht gerade geringe Vielfalt an Produkten, für welche die Detailhändlerin Migros bekannt ist. Das sagten sich auch die Kreativen von Weber Harbeke und machten diese Zahl mit einem Plakat für alle erlebbar.

Stabsübergabe bei der P

PubliGroupe Robert Schmidli leitet Media Sales. Publipresse-Chef Otto Meier tritt ab.

PubliGroupe Robert Schmidli leitet Media Sales. Publipresse-Chef Otto Meier tritt ab.Am 1. November fand bei der PubliGroupe in aller Stille und mitten im Konzernumbau die offizielle Stabsübergabe statt: Otto Meier trat als Generaldirektor der Division Publipresse zurück, die er seit 2002 leitete, gleichzeitig trat der bisherige Publidirect-Chef Robert Schmidli die Gesamtleitung des neu geschaffenen Geschäftsbereichs Media Sales an. Im Gegensatz zu Publipresse umfasst Media Sales nicht nur das Schweizer Printgeschäft, sondern auch jenes im Ausland sowie die Vermarktung der elektronischen Medien. «Ich habe die Verantwortung für Publipresse per 31. Oktober abgegeben», bestätigt Meier auf Anfrage, ergänzt aber, dass er noch bis Ende Dezember innerhalb der PubliGroupe mithelfe, den Übergang geordnet durchzuführen.Meier hat bereits einige Verwaltungsratsmandate bei P-Filialen abgelegt, weitere werden bis Ende Jahr folgen – so auch bei Publimedia. Andere VR-Mandate werde er hingegen noch bis zur entsprechenden Generalversammlung behalten. «Es wird also keinen abrupten Abgang geben», sagt er. Mitte Dezember, so ist aus P-Kreisen zu hören, werde Meier zudem offiziell und während eines Abendessens von PubliGroupe-CEO Hanspeter Rohner verabschiedet.
Über seine Zukunft schweigt sich der 56-jährige Meier aus. Er habe mit der PubliGroupe vereinbart, dass er erst Anfang Dezember darüber informiere. Es seien ohnehin noch einige Gespräche im Gang. «Höchstwahrscheinlich wird meine neue Tätigkeit aber P-unabhängig sein», sagt er.
Markus Knöpfli

Vernetztes Angebot unter einem Dach

Branding Die Schneiter Meier Külling AG wird neues Kompetenzzentrum für Unternehmenskommunikation. Das vernetzte Angebotsspektrum bietet nachhaltige Kundenvorteile.

 
Branding Die Schneiter Meier Külling AG wird neues Kompetenzzentrum für Unternehmenskommunikation. 
Die Külling Identity AG und die m/& AG haben sich per 1. Oktober 2007 zusammengeschlossen und firmieren neu unter Schneiter Meier Külling AG. Dieser Schritt trage dem zunehmenden Kundenwunsch nach einem integrierten Partner für Branding und Unternehmenskommunikation Rechnung, teilt Schneiter Meier Külling mit. Andy Schneiter, 43, bisheriger Creative Director von Külling und einer der führenden visuellen Gestalter der Schweiz, wird neu Creative Director von Schneiter Meier Külling. «Unternehmenskommunikation und Branding wachsen immer stärker zusammen. Sind neue Identitäten einmal erarbeitet, müssen sie auch langfristig gepflegt und weiterentwickelt werden. Der Zusammenschluss unserer Unternehmen lag somit auf der Hand.»
Hohes kreatives PotenzialDas vernetzte Angebotsspektrum unter einem Dach bietet nachhaltige Kundenvorteile. «Jetzt können wir eine breite Palette von Lösungen aus einer Hand anbieten: von der strategischen Beratung über Corporate Identity bis hin zu Verpackungen, Geschäftsberichten, Kunden- und Mitarbeiterpublikationen. Das kreative Potenzial, das über das ganze Spektrum freigesetzt wird, ist enorm», sagt Philip Meier, 38, bisheriger Geschäftsführer der m/& AG und neuer CEO von Schneiter Meier Külling. Verstärkt wird das Führungsduo durch Christine Gasser und Christian Guler, die ebenfalls Partner von Schneiter Meier Külling sind. Christine Gasser, 38, Mitglied der Geschäftsleitung, blickt auf eine langjährige Beratungstätigkeit zurück. Christian Guler, 37, war Art Director in renommierten Design-Agenturen in Los Angeles, San Francisco, Berlin und Zürich, bevor er 2003 zu Külling stiess. Kurt Lips, bisher Geschäftsführer von Külling, konzentriert sich auf die gestalterische Betreuung von Schlüsselmandaten und bleibt dem Unternehmen erhalten. Gründer Ruedi Külling zieht sich von den strategischen Aufgaben zurück und übergibt dem neuen Führungsteam die Umsetzung der definierten Strategie. Das Unternehmen ist am 1. Oktober 2007 mit sämtlichen Mitarbeitenden in den gemeinsamen Büroräumlichkeiten an der Rämistrasse 35 in Zürich gestartet.
Philip Meier

Neu im Kino: «Tell me the Truth»

Kino Der Cinecom sind die heute erhältlichen Statistiken zu widersprüchlich. Sie erwägt deshalb eine eigene Studie.

 
Kino Der Cinecom sind die heute erhältlichen Statistiken zu widersprüchlich. Sie erwägt deshalb eine eigene Studie. 
Das Problem ist alt: Die Kinobranche kennt zwei Methoden und Währungen, nach denen die Zahlen der Kinobesuche erhoben und ausgewiesen werden. Zum einen existiert die Erhebung von Procinema, dem Schweizerischen Verband für Kino und Filmverleih, zum andern die Mach Basic Kino der Wemf (siehe Kasten). Deren Resultate sind jeweils nicht nur widersprüchlich, sie liegen auch «weit ausserhalb jeglicher Logik», wie die Kinovermarkterin Cinecom kürzlich schrieb. So weist die Mach Basic seit jeher viel höhere Besucherzahlen aus. Von 2003 bis 2007 betrug die Differenz zwischen 7 und 11,5 Millionen Personen. Die Wemf lag damit um 32 bis 43 Prozent über den Werten von Procinema. Noch ein Unterschied ist feststellbar: Gemäss Wemf gehen die Kino-Reichweiten seit 2004 stetig und teils signifikant zurück, wogegen die Procinema-Zahlen Schwankungen aufweisen. «Seit jeher wundern sich die Branchen-Insider über die hohen Abweichungen zwischen den (bezahlten) Eintritten und den (befragten) Wemf-Zahlen», moniert die Cinecom in ihrem Newsletter.Allseitige VerunsicherungWeder bei der Wemf noch bei Procinema hat man dafür eine schlüssige Erklärung. «Da uns die Erhebungsmethodik von Procinema nicht im Detail bekannt ist, müssen wir die beiden Ansätze beziehungsweise die Differenzen zuerst analysieren, um gültige Aussagen machen zu können», sagt Marco Bernasconi, Wemf-Direktor seit März 2007. Ähnlich klingt es von René Gerber, dem Geschäftsführer von Procinema, der seine Zahlen für «hart» hält, jedoch ebenfalls nichts über die Hochrechnungen der Wemf weiss.
Für die Cinecom ist dieser Zustand unbefriedigend. Beim Verkauf von Kinowerbung setzt Marketingleiter Jean-Claude Bruhin deshalb primär auf die «härteren» Procinema-Zahlen, wie er sagt. Die Wemf-Reichweiten nutze er nur noch für Zielgruppen-Analysen. «Gleichzeitig prüfen wir die Möglichkeiten, eine eigene Studie mit genaueren Werten zu publizieren», ergänzt Bruhin. Ihm schwebt eine Messung vor, basierend auf dem digitalen Auftragsbearbeitungssystem, das die Cinecom in den von ihr vermarkteten Kinos eingerichtet hat. Über dieses werden heute die Werbespots abgespielt, gleichzeitig lässt sich mittels automatisierter Rückmeldung kontrollieren, ob die Spots auch tatsächlich zur richtigen Zeit gezeigt wurden. Bruhin möchte auch die Besucherzahlen elektronisch erfassen und mit dem System verbinden. Dies könnte über ein Messinstrument oder via Eintrittskontrolle erfolgen. «Das Konzept wäre sehr schnell umsetzbar», sagt er. Doch noch konnte er es der Muttergesellschaft PubliGroupe nicht vorlegen. Diese ist derzeit auf anderen Baustellen beschäftigt. Ausserdem müssten auch die Kinobetreiber ihr Einverständnis geben, was noch einigen Gesprächsstoff liefern wird. «Vorderhand ist deshalb kaum etwas zu erwarten», sagt Bruhin.
Zum Vorteil für die Wemf. Denn dort wurde der Cinecom-Newsletter auch gelesen. Bernasconi nahm mit Bruhin Kontakt auf. «Wir treffen uns noch im November, um das Problem zu erörtern», sagt er. «Das Ziel sind plausiblere Daten», sagt Bernasconi, ohne sich jetzt schon festzulegen, wie er das erreichen will. Wird er an der heutigen Methodik etwas ändern, oder will er sie bloss transparenter machen? Oder wird er der Cinecom eine ganz neue Methode vorschlagen? «Ich denke, wir werden einen Weg finden», sagt Bernasconi.
Markus Knöpfli
Sehr verschiedene MethodenWährend die Wemf
jährlich rund 23’000 Personen telefonisch befragt (analog zur Mach Basic Print), sammelt Procinema bei den Kinobetreibern wöchentlich die Zahl der verkauften Eintritte. Die Vorteile der Mach Basic:
Sie weist echte Reichweiten aus, und ihre Währung ist anerkannt. Die Nachteile: Die Zahlen enthalten, bedingt durch das Hochrechnen, Unschärfen. Eine Auswertung nach Einzelkinos ist nicht möglich. Zudem weist die Wemf lediglich eine «Durchschnittswoche» pro Jahr aus, saisonale Schwankungen erscheinen nicht in der Statistik.Dem gegenüber kommen die Procinema-Zahlen
ohne Hochrechnung aus. Zudem können die Besucherzahlen nach Wochen, Einzelkino oder Film ausgewertet werden. Die Nachteile: Es sind keine soziodemografischen Daten verfügbar, und alle Angaben beruhen auf Selbstdeklarationen der Kinobesitzer. In 80 Prozent der Kinos sind indessen elektronische Kassensysteme installiert, deren Daten auch zur Abrechnung mit den Filmverleihern dienen.Beide Erhebungen haben einen gemeinsamen Makel:
Sie sind unvollständig. Die Procinema-Zahlen enthalten keine Gratiseintritte. Diese machen aber bloss etwa zwei Prozent aus, meint René Gerber. Die Wemf wiederum weist nur die Besuche in jenen Kinos aus, die vom Studienauftraggeber Cinecom vermarktet werden. Das seien über 90 Prozent aller Besucher und Kinosäle, sagt Jean-Claude Bruhin. (mk)Weitsichtige CinecomAuf den 12. November,
dem Datum der Buchungseröffnung für das Kinojahr 2008, hat die Cinecom ihre Preisbildungsbasis von den Mach-Basic-Werten auf die Kinoeintrittszahlen von Procinema umgestellt, dabei aber die absoluten Preise auf dem Niveau von 2007 belassen. Die Änderung biete den Kunden «mehr Planungssicherheit dank geringerem Schwankungsbereich», so die Begründung der Cinecom.Die Umstellung erstaunt,
denn auf den ersten Blick ist sie für das Medium Kino nachteilig: Die deutlich tieferen Procinema-Werte führen zu einem höheren Tausendkontaktpreis. Doch die Cinecom hat offensichtlich aus dem Jahr 2006 gelernt: Damals stiegen die Kinoeintritte um fast 10 Prozent, was sich jedoch nicht in den Wemf-Werten widerspiegelte (siehe Grafik). Im Gegenteil, diese sanken um gut 2 Prozent. Die Cinecom befürchtet offenbar 2008 ein ähnliches Szenario, denn sie erwartet dank attraktiver Filme wieder steigende Besucherzahlen. Diesen Erfolg will sie sich nicht vermiesen lassen, darum sorgt sie mit der Umstellung vor. Noch einen Vorteil rechnet man sich aus:
Aktuelle Procinema-Zahlen sind schneller verfügbar als die der Wemf. Ein Beispiel: Sollten die Besucherzahlen tatsächlich im ersten Semester 2008 anziehen, liegen die entsprechenden Procinema-Zahlen im Juli vor, jene der Wemf dagegen erst im September 2009. Sollte also dem Medium Kino tatsächlich ein (Zwischen-)Hoch beschieden sein, wird sich der TKP von nun an rascher verbessern. (mk)

SF bringt Sportsendungen in neuem Studio und in High Definition

Am Sonntag, 2. Dezember 2007, geht das «Sportpanorama» erstmals im neuen Sportstudio auf Sendung. Für die drei Sportsendungen baute das Schweizer Fernsehen das Studio 6 in ein multifunktionales, auf High Definition ausgerichtetes Sportstudio um.

 
Nach einer Bauzeit von einem halben Jahr geht am Sonntag, 2. Dezember 2007, das «Sportpanorama» erstmals im neuen Sportstudio auf Sendung. Für die zuvor dezentral aus drei Studios ausgestrahlten Sportsendungen baute das Schweizer Fernsehen das Studio 6 in ein multifunktionales, auf High Definition ausgerichtetes Sportstudio um. Mit dem Wechsel ins neue Studio findet auch die Überarbeitung der drei SF-Sportsendungen «Sportaktuell», «Sportlive» und «Sportpanorama» mit je einem neuen Erscheinungsbild ihren Abschluss. Die Inbetriebnahme des neuen Studios sei für das Schweizer Fernsehen der Auftakt zum Sportjahr 2008, heisst es in einer Mitteilung. Das neue Studio ist auf High Definition ausgerichtet und tontechnisch auf den Raumklang-Standard Dolby Digital 5.1 vorbereitet. «Einmal mehr übernimmt der Sport bei SF eine Vorreiterrolle. Mit dem neuen Sportstudio machen wir einen Riesenschritt in die Fernsehzukunft», so Urs Leutert, Abteilungsleiter Sport. Das neue Sportstudio bietet 113 Besuchern Platz. Das Hintergrunddekor besteht aus zwei HD-Plasmabildschirmen und einer LED-Wand. Je nach Sendung werden diese mit Hintergrundbildern und den sendungsspezifischen Farben bespielt. Im Mittelpunkt des Studios steht das multifunktionale, weisse Moderationspult aus Stahl.

Das vollständige Aus für Betty TV

Anfang November verkündete die Swisscom die Einstellung des interaktiven Fernsehens Betty in der Schweiz, nun wurde auch das Ende im Zweitmarkt Deutschland beschlossen. Vor kurzem war noch Hoffnung auf einen Investor. Doch dessen Ideen und jene der Swisscom waren zu weit voneinander entfernt, sagt Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus. Betty TV ist Geschichte.

 
Anfang November verkündete die Swisscom die Einstellung des interaktiven Fernsehens Betty in der Schweiz, nun ist es auch in Deutschland soweit: Bis spätestens Ende Dezember 2007 wird der Betrieb eingestellt und damit Betty gänzlich zu Grabe getragen. In Deutschland hätte der Betrieb bis zum möglichen Verkauf vorerst weiterlaufen sollen, ein Investor war bereits im Gespräch (siehe ). Der Plan ging nicht auf. Wie Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus gegenüber der Werbewoche sagte, waren sich die Swisscom und der potenzielle Investor nämlich alles andere als einig. In welcher Hinsicht die Vorstellungen auseinandergingen, kommentiert Neuhaus nicht, auch einen Namen nennt er nicht. Von der Schliessung sind in Deutschland 70 Mitarbeitende betroffen. Sie werden im Rahmen der Arbeitsverträge und normalen Kündigungsfristen entlassen. Die übrigen TV-Aktivitäten von Swisscom werden von diesem Entscheid nicht tangiert. Die Swisscom werde sich nun verstärkt dem Multimedia-Bereich, Bluewin TV und Teleclub zuwenden, sagte Neuhaus. Nachfolgeprojekte für Betty, wo das bisher gesammelte Fachwissen wieder gebraucht werden könnte, gibt es nicht. Wenn der Betrieb in der Schweiz am 30. November und etwas später in Deutschland eingestellt wird, wird das erste interaktive Fernsehen der Schweiz Geschichte sein.
Bleibt noch zu sagen: Die Betty-Fernbedienung bleibt weiterhin als Mehrzweck-Fernbedienung voll funktionstüchtig. Wer keine Verwendung mehr für sie hat, dem wird sie gegen Vorweisung der Kaufquittung in Swisscom-Gutscheinen abgegolten. Was aber die Swisscom mit den 200’000 Fernbedienungen macht, die noch produktionsneu und verpackt in irgendeinem Lager liegen, weiss niemand.

Ringier: «Marktführer der Konsolidierung»

Das bewegte Jahr 2007 mit neuen Projekten im Ausland, ein Umsatzwachstum um sieben Prozent und ein integrierter Newsroom für den Blick waren Themen am Ringier-Herbstmedienfrühstück.

 «Ringier ist ein Unternehmen, das ohne erkennbare Strategie gewachsen ist.» Dieses Zitat, es stammt aus der nächstes Jahr erscheinenden Chronik zur Ringier-Firmengeschichte von Publizist Karl Lüönd, stand am Anfang des Ringier-Herbstmediengesprächs. Verleger Michael Ringier nutzte es, um auf den Gegensatz zwischen Strategie und Intuition aufmerksam zu machen. Seine Firma habe sich tatsächlich eher durch die Intuition leiten lassen – man folgte dem Gefühl, wo eine gute Gelegenheit für ein Geschäft zu finden wäre. So sei der Verlag beispielsweise in Osteuropa vorgegangen.Ganz ohne Strategie geht es aber anscheinend doch nicht: Ringier erläuterte einige Punkte, die künftig für sein Unternehmen prägend sein sollen. Das Medienhaus will sich auf bestehende Märkte fokussieren, nicht in neue Marktsegmente einsteigen. Der Verleger geht davon aus, dass sich in Osteuropa die Marktentwicklung der westlichen Länder in raschem Tempo wiederholen wird, und aus diesem Prozess will Ringier als Sieger hervorgehen: «Wir wollen der Marktführer der Konsolidierung sein». Titel gründen, kaufen oder verkaufen liegt also durchaus drin, aber nur in Segmenten und Ländern, in denen das Unternehmen schon tätig ist.
Erneutes Umsatzwachstum Diese Strategie scheint sich auszuzahlen: Ringier rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzwachstum von sieben Prozent – und das, obwohl das Magazin Cash eingestellt und die TV-Zeitschriften an Axel Springer verkauft wurden. Zum erwarteten Gewinn äusserte sich CEO Martin Werfeli nur sibyllinisch: «Wir werden mehr Gewinn machen als im vergangenen Jahr».
Im Ausland sieht das Verlagshaus weiterhin die Wachstumschancen – die Schweiz dagegen wird als «maturer Markt» eingestuft. In einigen Jahren werde der Umsatz wohl zur Hälfte im Ausland generiert. Obwohl ausserhalb des Heimmarktes für den Konzern die Post abzugehen scheint, betonten Verleger Ringier und CEO Werfeli die Wichtigkeit der Schweiz: Hier habe das Verlagshaus seine Wurzeln. Auf die Frage nach möglichen Fusionen antwortete Michael Ringier – nachdem er sich davor die Frage nach einer Übernahme durch Axel Springer verbeten hatte – dennoch, dass er einer «sinnvollen Verbindung» zustimmen würde, wenn sich die Möglichkeit dazu ergäbe. Man mache sich Gedanken, auch wenn es nicht oberstes Ziel sei, unbedingt zu fusionieren.
Marken im MedienverbundIm Bereich neuer Medien will das Verlagshaus auf integrierte Medienangebote setzen. Online-Angebote gehören nach Auffassung  von Ringier in einen Verbund: «Wir wollen Marken über alle Medien verteilen». Um diesen Verbund voranzutreiben, wird beim Blick als gewichtige Neuerung ein integrierter Newsroom eingeführt: «Wir wollen Print und Online verschmelzen», sagte dazu CEO Martin Werfeli. Viel mehr zum neuen Blick liessen sich Ringier und Werfeli darüber hinaus nicht entlocken: Wie die Werbewoche bereits gemeldet hatte, soll das Blatt zum Ein-Bund-Konzept zurückkehren, daneben wird es «magaziniger». Dem Blick wird also anscheinend das gleiche Rezept verordnet wie dem Sonntagsblick.
Auffällig bedeckt hielt sich die Ringier-Spitze auch, was die Abendzeitung Heute angeht. Als Erfolgsmeldung gab man zwar den bisherigen Spitzenwert in Sachen Absatz bekannt: Am 2. November gingen knapp 260’000 Exemplare weg. Weiterhin fehlt aber trotz Anklang im Lesermarkt der kommerzielle Erfolg. Man rechnet nach wie vor damit, dass es zwei bis drei Jahre dauert, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Nach den Verlusten befragt, meinte Werfeli: «Die Verluste sind nicht so hoch, als dass wir sie nicht tragen könnten, und wir werden sie noch eine Weile tragen». Heute sei aber als Abendzeitung auch ein «Experiment». Der Weiterbestand des Blattes scheint möglicherweise nicht in Stein gemeisselt.
Carole Scheidegger

 

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