Die Genfer Agentur Saatchi & Saatchi Simko holt den ehemaligen Publicis-Chef Kaspar Loeb als CEO und mischt den Deutschschweizer Markt mit einer Zürcher Niederlassung auf. Pedro Simko und Kaspar Loeb sprechen über die richtige Chemie, den Mangel an Deutschschweizer Werbern in der Romandie und ihr Vorhaben, Publicis nicht anzugreifen. Herr Simko, Sie setzen ab nächstem Jahr mit Kaspar Loeb einen neuen CEO ein. Wieso haben Sie diese strukturelle Veränderung beschlossen? Pedro Simko: Wir sind in der letzten Zeit stark gewachsen, deshalb braucht es zusätzliche Führungskräfte. Das internationale Saatchi & Saatchi-Netzwerk drängte schon seit einiger Zeit, dass ich zusätzliche Aufgaben übernehmen solle. Darauf wollte ich aber erst eingehen, wenn ich die Agentur in den richtigen Händen weiss. Ich wusste, dass ich mir den Kaspar Loeb jetzt schnappen musste, sonst hätte er eine andere Aufgabe in Angriff genommen. Wie werden Sie die Aufgaben verteilen, damit Sie einander nicht auf den Füssen herumstehen? Simko: Kaspar Loeb wird, entsprechender seiner Rolle als CEO, das operative Geschäft leiten. Er trifft alle operativen Entscheidungen. Wo immer nötig, werde ich aber für meine Kunden auch da sein. Ich bin mir eine klare «Bottom-up»-Haltung von meiner Zeit bei Procter & Gamble gewöhnt: Ich arbeite für Leute, nicht die Leute für mich. Herr Loeb, was reizt Sie an dieser Position? Kaspar Loeb: Ich glaube, Sie können momentan keine bessere Aufgabe finden, als in diesem Netzwerk Verantwortung zu übernehmen. Die Haltung, die es verkörpert, findet sich nicht oft. Auch die Atmosphäre im Genfer Büro ist sehr anders: Bedeutend internationaler – das fasziniert mich. Daneben funktionieren Pedro Simko und ich gut zusammen: Die Chemie stimmt. Im Gegensatz zu Ihrer letzten Position bei Publicis? Loeb: Nun, es ist wohl kein Geheimnis, dass Fredy Collioud und ich in manchen Dingen anderer Meinung waren. Jetzt bin ich zuversichtlich, dass Pedro Simko und ich uns sehr gut verstehen werden. Hatten Sie andere Angebote in Betracht gezogen? Loeb: Ja, ich hatte zwei, drei andere Angebote, eines aus der Werbebranche, ein zweites im Beratungsbereich. Saatchi & Saatchi Simko eröffnet eine Niederlassung in Zürich. Sie hatten bis anhin stets gesagt, dass Sie von Genf aus gut geschäften können – wieso nun doch die Expansion in die Limmatstadt? Simko: Ich hatte bereits einmal mit meiner Agentur in Zürich ein Büro, bevor wir mit Saatchi & Saatchi fusioniert haben. Damals waren aber die Umstände anders: Bei einer inhabergeführten Agentur ist es zentral, dass der Inhaber an Ort und Stelle ist. Danach habe ich gemerkt, dass man das Geschäft auch sehr gut in Genf managen kann. Jetzt haben sich die Bedingungen wieder geändert: Durch die Fusion mit Saatchi & Saatchi und dadurch, dass wir nun das nötige Volumen erreicht haben. Was bringt es Ihnen für Vorteile, über eine Niederlassung in Zürich zu verfügen? Simko: Die Entscheidung, nach Zürich zu expandieren, ist ein strategischer Schritt, nicht eine kurzfristige Massnahme. Unser Netzwerk steht voll dahinter. Es wurde für uns zusehendes schwierig, die nötigen Schweizer Leute in Genf zu rekrutieren. Wir beschäftigen Mitarbeiter, die von Orten rund um den Globus stammen. Australier waren bereit, zu uns zu kommen – viele Deutschschweizer aber nicht. Deshalb dachten wir uns, dass es doch sinnvoller ist, etwas für die Deutschschweizer in Zürich zu tun, statt diese Leute zu uns nach Genf zu schleppen. Wir haben nach der Bekanntgabe des BSW-Rankings viele Bewerbungen aus der Deutschschweiz erhalten – allerdings mit dem Hinweis, dass sie sich sehr gern für eine allfällige Niederlassung in Zürich bewerben möchten. Dann steht gar nicht die Betreuung der Kunden in der Deutschschweiz im Vordergrund bei Ihrer Expansion nach Zürich? Simko: Doch. Natürlich wird die Betreuung unserer Kunden einfacher, wenn wir in Zürich sind. Wie gross soll Ihr Büro in Zürich sein? Loeb: Wir werden anfangs mit etwa 10 bis 15 Leuten starten und je nach Bedarf ausbauen. Sie wollen Anfang 2008 in Zürich starten. Verfügen Sie schon über Räumlichkeiten? Loeb: Nein, wir sind noch auf der Suche. Wer einen guten Makler kennt, soll es uns wissen lassen (lacht). Einige waren erstaunt, dass Sie im neuen BSW-Ranking den Platz 2 belegen. Kann es sein, dass Ihre Agentur bis anhin in der Schweiz zu wenig wahrgenommen wurde? Simko: Ja, davon bin ich überzeugt. Wir haben unseren Umsatz in den letzten zwei Jahren vervielfacht, haben etliche Preise gewonnen, unser CD war Juror in Cannes – vieles davon ist aber in der Deutschschweiz nicht wahrgenommen worden. Wollen Sie nun zur Nummer 1 in der Schweiz werden? Simko: Wir haben nicht vor, auf Biegen und Brechen zu wachsen. Natürlich streben wir ein Wachstum an. Wenn wir um 15 Prozent zulegen, ist das mehr als genug. Wir wollen nicht zwingend Publicis als Nummer 1 ablösen. Schliesslich ist diese Agentur wie wir Mitglied im Publicis-Netzwerk. Wir werden sie deshalb nicht angreifen, keine Kunden und keine Mitarbeiter von Publicis abwerben. Es kann aber doch immer wieder sein, dass Sie und Publicis in eine Konkurrenzsituation geraten, beispielsweise bei einem Pitch. Loeb: Wir möchten keinen Konkurrenzkampf haben mit Publicis, bei einem Pitch würden wir aber natürlich mit grösster Freude antreten. Am Ende entscheidet ja dann immer der Kunde, welche Agentur er will. Stehen eher internationale oder nationale Kunden auf Ihrer Wunschliste? Simko: Beides. Es ist zentral, eine gute Mischung zu erreichen. Für die Kreativen ist es wichtig, dass sie auch für lokale Kunden arbeiten können – sie wollen ihre Arbeiten sehen, wenn sie durch die Strassen spazieren. Loeb: In der Schweiz ist die Situation insofern spannend, als dass hier viele grosse Firmen angesiedelt sind. Die haben bis in die 70er-Jahre Schweizer Agenturen beauftragt, seither laufen die Budgets der Multis aber meistens über New York oder London. Wir möchten die Etats dieser Konzerne gerne in die Schweiz zurückholen. Herr Simko, Sie werden sich künftig vor allem für das Netzwerk engagieren. Was interessiert Sie daran? Simko: Ich kann mich mit dem beschäftigen, was mich am meisten interessiert. Ich werde als einer von vier Köpfen im europäischen Management-Team sitzen und mich vor allem um das New Business kümmern, was mich sehr reizt. Daneben sitze ich als einziger Europäer im Worldwide Executive Board. Ich werde häufig mit Kevin Roberts, dem CEO von Saatchi & Saatchi, arbeiten. Das gehört zu den schönsten Erlebnissen, die es in unserer Branche gibt. Interview: Carole Scheidegger