Giuseppe Scaglione sagt Roger Schawinski den Kampf an: Der Radio-105-Gründer bewirbt sich mit dem Sender RMC Züri um die ausgeschriebene UKW-Frequenz von Radio Tropic. Geplant sei ein 24-Stunden-Vollprogramm, das sich an
die 30- bis 60-Jährigen richte, die sich vom bisherigen Mainstream-UKW-Angebot in Zürich nicht bedient fühlten, teilte Scagliones Firma Music First Network mit. RMC
Züri soll auf der Basis von Scagliones Radio Monte Carlo aufgebaut werden, welches seit fast zwei Jahren über Kabel sendet. Die Sendermacher werden am kommenden Mittwoch beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) ein entsprechendes Konzessionsgesuch einreichen. RMC Züri bewerbe sich um die Frequenz von Radio Tropic, da dieser Sender durch die Übernahme von Roger Schawinski praktisch bei Null beginne und somit «kein Gewohnheitsrecht und keinen Bestandesschutz geltend machen» könne, heisst es in der Mitteilung weiter. Der Sender soll ein 24-Stunden-Programm für Zürich bieten und will sich an ein modernes, gut verdienendes und überdurchschnittlich gut gebildetes Publikum richten. Im Fokus des Programms stehe der Lifestyle dieser Zielgruppe. Der Musikmix soll aus zeitgemässer und anspruchsvoller Popmusik gemischt mit «Soundperlen vergangener Jahre» bestehen. RMC
Züri will Musikstile präsentieren, die im kommerziellen Hitradio keinen Platz hätten. Auch in dieser Hinsicht klingen die Pläne des Senders also ähnlich wie jene von Roger Schawinski. Im Wortteil will RMC
Züri laut Communiqué einen anderen Weg gehen als die meisten Mitbewerber und zum Beispiel ganz auf «Sauglattismus», Hörerspiele oder Comedy-Elemente verzichten. Vorgesehen sind stündliche Nachrichten, tägliche Info-Magazine, Diskussionssendungen und Reportagen zu Themen. RMC Züri will rund 30 Mitarbeiter beschäftigen, die Hälfte davon in der Redaktion. Giuseppe Scaglione beurteilt Konzessionschancen als intaktScaglione weist den Vorwurf von sich, er kopiere das Programm von Schawinskis Sender Radio 1. «Wenn schon, dann ist es umgekehrt: Wir machen mit Radio Monte Carlo schon lange das Programm, das nun auch RMC Züri zugrunde liegt». Er will mit seinem Team das Programm von Radio Monte Carlo für Zürich adaptieren. «Ausserdem richten wir uns nicht einfach nur an Erwachsene, sondern stellen den Lifestyle ins Zentrum», sagt Scaglione der Werbewoche.
Seine Chancen, die Konzession zu erhalten, betrachtet er als intakt: «Das Rennen ist noch völlig offen. Das Bundesamt für Kommunikation wird die eingegangen Gesuche prüfen und dann entscheiden – jeder könnte das Rennen machen». Er frage sich, wieso sich Schawinski so sicher sei, dass er die Konzession erhalte. «Wir werden erst Leute einstellen, wenn wir auch wirklich den Zuschlag haben», erklärt Scaglione. Ob er auch für seinen Sender Radio 105 noch ein Konzessionsgesuch einreichen will, liess der Radiomann offen. Es scheint aber gut möglich zu sein.
Roger Schawinski findet das Konzept dreist«Es ist etwas gar dreist, wie Giuseppe Scaglione unser Konzept «Nur für Erwachsene» für Radio 1 subito abkupfern will», nahm Roger Schawinksi gegenüber der Werbewoche zu Scagliones Plänen Stellung.
«Es ist schade, dass ihm keine eigene originäre Idee eingefallen ist». Scaglione habe sich seit Jahren um die Zürcher Jugendfrequenz geprügelt, einem Segment, in dem er tatsächlich einen Leistungsausweis habe, und auf das er sich konzentrieren sollte. Nun mache er eine seltsame Kehrtwendung, so Schawinksi weiter: «Das ist für mich schon etwas verblüffend, vor allem, da er journalistisch überhaupt keinen vergleichbaren Leistungsausweis hat, um seine vollmundigen Ankündigungen zu stützen». Scaglione habe Schawinski noch vor kurzem angefragt, ob er seinen Sender nicht Radio Monte Carlo nennen wolle, was der Radio-1-Gründer eher für einen
«nicht ganz gelungenen Scherz» gehalten habe. «Und nun kommt er doch tatsächlich selbst mit diesem Projekt! Da nimmt es mich schon langsam wunder, welche ausländischen Interessen und Finanzierungen hinter seinen Unternehmungen stehen», erklärt Schawinski.