Werbung im Kreuzfeuer
Kritik Diskriminierend, sexistisch, irreführend oder schlicht unwahr. Werbung, die 2007 für Furore sorgte.
Kritik
Diskriminierend, sexistisch, irreführend oder schlicht unwahr. Werbung, die 2007 für Furore sorgte.
Im Kampf um Aufmerksamkeit brechen Werber gerne Tabus. Das sorgt im Normalfall bei Konsumenten für ein Schmunzeln. Dennoch wird für wenige Sekunden Aufmerksamkeit die Grenze des guten Geschmacks immer wieder bewusst überschritten. Dann reklamiert der Verbraucher. So zum Beispiel im Fall Hornbach. Im Juni lag der Frauenzeitschrift Annabelle eine Broschüre mit dem harmlosen Namen «Woman at Work» bei. Darin warben Frauen für Bohrer, Winkelschleifer oder Doppelklebeband. Beim genaueren Hingucken offenbarte die Broschüre aber unzählige sexuelle Anspielungen. Zum Ärger vieler Frauen, die sich daraufhin bei der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich meldeten. Dore Heim erinnert sich: «Die Broschüre irritierte viele Frauen.» Spitzenreiter SexObwohl in den letzten Jahren die Zahl sexistischer Werbung abgenommen hat, sind freizügige Anzeigen nach wie vor Auslöser der meisten Beschwerden. Piero Schäfer von der Schweizerischen Lauterkeitskommission: «Wir hatten im letzten Jahr fast 200 Beschwerden zu bearbeiten. Der Grossteil wegen sexistischer Werbung.» Welche Kampagnensujets am meisten Beschwerden auslösten, kann Piero Schäfer nicht sagen, da die Lauterkeitskommission das statistisch nicht erhebe. Ein Einblick in die behandelten Fälle zeigt aber, dass der Konsument dann Werbung anprangert, wenn die klare und relevante Botschaft fehlt. «Sex sells» wird nicht überall akzeptiert. Neben der Hornbach-Broschüre waren die Sujets der Modehäuser Bernies und Burger im Kreuzfeuer der Kritik. Auf den Bernies-Plakaten schüttet eine schlecht gelaunte Frau dem Mann ein Glas Champagner ins Gesicht. Die Burgersujets hatten Skandalcharakter, weil sie Schambehaarung zeigten.
Neben Sex wurde 2007 auch die Diskriminierung als Stilmittel genutzt, um aufzufallen. Zu reden gab Ende Jahr ein Werbespot von Red Bull, der die Weihnachtsgeschichte aufs Korn nahm. Im Spot erscheinen im Stall zu Bethlehem plötzlich vier statt drei heilige Könige. Das Geheimnis wird gelüftet: Neben Gold, Weihrauch und Myrrhe hat der vierte im Bund eben eine Red-Bull-Dose dabei, was den Engeln Flügel verleiht. Laut Peter Kaufmann von der Fernsehvermarkterin Publisuisse gingen nach der ersten Ausstrahlung des Spots sehr viele Beschwerden ein. «Das kommt eigentlich sehr selten vor», so Kaufmann. Grund für die Entrüstung der Zuschauer: Die Weihnachtsgeschichte würde zu sehr ins lächerliche gezogen. Der Spot sorgt gerade deshalb für Gesprächsstoff, weil die Veräppelung des Christentums in Kauf genommen würde, Provokationen gegenüber eines gewissen anderen Propheten von Medien und Werbung bewusst verhindert werden. Der Spot wird laut Kaufmann jetzt beim Bakom diskutiert.
Passugger verärgert Coca-ColaAus dem Mittelmass ausbrechen wollte im Jahr 2007 auch die Bündner Traditionsmarke Passugger. Aufgefallen ist das Mineralwasser nicht wegen zweideutiger Werbung oder Diskriminierung, sondern wegen eines Slogans. Die Allegra-Mineralquellen AG wirbt mit «Passugger Nr. 1» und ärgerte damit die Süsswasserstrategen bei Coca-Cola. Diese reichten bei der Lauterkeitskommission Beschwerde ein, weil der Slogan den Eindruck erwecke, dass Passugger Schweizer Marktführer sei. Nach dem Entscheid gegen Passugger zeigen sich die Bündner unbeeindruckt und werben weiter mit «Passugger Nr.1». Will Coca-Cola gegen die «irreführend und unwahre» Werbung vorgehen, muss die Firma vor Gericht klagen.
Christian Lüscher?
Diskriminierend, sexistisch, irreführend oder schlicht unwahr. Werbung, die 2007 für Furore sorgte.
Im Kampf um Aufmerksamkeit brechen Werber gerne Tabus. Das sorgt im Normalfall bei Konsumenten für ein Schmunzeln. Dennoch wird für wenige Sekunden Aufmerksamkeit die Grenze des guten Geschmacks immer wieder bewusst überschritten. Dann reklamiert der Verbraucher. So zum Beispiel im Fall Hornbach. Im Juni lag der Frauenzeitschrift Annabelle eine Broschüre mit dem harmlosen Namen «Woman at Work» bei. Darin warben Frauen für Bohrer, Winkelschleifer oder Doppelklebeband. Beim genaueren Hingucken offenbarte die Broschüre aber unzählige sexuelle Anspielungen. Zum Ärger vieler Frauen, die sich daraufhin bei der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich meldeten. Dore Heim erinnert sich: «Die Broschüre irritierte viele Frauen.» Spitzenreiter SexObwohl in den letzten Jahren die Zahl sexistischer Werbung abgenommen hat, sind freizügige Anzeigen nach wie vor Auslöser der meisten Beschwerden. Piero Schäfer von der Schweizerischen Lauterkeitskommission: «Wir hatten im letzten Jahr fast 200 Beschwerden zu bearbeiten. Der Grossteil wegen sexistischer Werbung.» Welche Kampagnensujets am meisten Beschwerden auslösten, kann Piero Schäfer nicht sagen, da die Lauterkeitskommission das statistisch nicht erhebe. Ein Einblick in die behandelten Fälle zeigt aber, dass der Konsument dann Werbung anprangert, wenn die klare und relevante Botschaft fehlt. «Sex sells» wird nicht überall akzeptiert. Neben der Hornbach-Broschüre waren die Sujets der Modehäuser Bernies und Burger im Kreuzfeuer der Kritik. Auf den Bernies-Plakaten schüttet eine schlecht gelaunte Frau dem Mann ein Glas Champagner ins Gesicht. Die Burgersujets hatten Skandalcharakter, weil sie Schambehaarung zeigten.
Neben Sex wurde 2007 auch die Diskriminierung als Stilmittel genutzt, um aufzufallen. Zu reden gab Ende Jahr ein Werbespot von Red Bull, der die Weihnachtsgeschichte aufs Korn nahm. Im Spot erscheinen im Stall zu Bethlehem plötzlich vier statt drei heilige Könige. Das Geheimnis wird gelüftet: Neben Gold, Weihrauch und Myrrhe hat der vierte im Bund eben eine Red-Bull-Dose dabei, was den Engeln Flügel verleiht. Laut Peter Kaufmann von der Fernsehvermarkterin Publisuisse gingen nach der ersten Ausstrahlung des Spots sehr viele Beschwerden ein. «Das kommt eigentlich sehr selten vor», so Kaufmann. Grund für die Entrüstung der Zuschauer: Die Weihnachtsgeschichte würde zu sehr ins lächerliche gezogen. Der Spot sorgt gerade deshalb für Gesprächsstoff, weil die Veräppelung des Christentums in Kauf genommen würde, Provokationen gegenüber eines gewissen anderen Propheten von Medien und Werbung bewusst verhindert werden. Der Spot wird laut Kaufmann jetzt beim Bakom diskutiert.
Passugger verärgert Coca-ColaAus dem Mittelmass ausbrechen wollte im Jahr 2007 auch die Bündner Traditionsmarke Passugger. Aufgefallen ist das Mineralwasser nicht wegen zweideutiger Werbung oder Diskriminierung, sondern wegen eines Slogans. Die Allegra-Mineralquellen AG wirbt mit «Passugger Nr. 1» und ärgerte damit die Süsswasserstrategen bei Coca-Cola. Diese reichten bei der Lauterkeitskommission Beschwerde ein, weil der Slogan den Eindruck erwecke, dass Passugger Schweizer Marktführer sei. Nach dem Entscheid gegen Passugger zeigen sich die Bündner unbeeindruckt und werben weiter mit «Passugger Nr.1». Will Coca-Cola gegen die «irreführend und unwahre» Werbung vorgehen, muss die Firma vor Gericht klagen.
Christian Lüscher?
