Marketing Das Direktbuchen rentiert besser: Weil Verlagsangebote zusammengelegt oder andere ausgebaut wurden, erreichen Agenturen die Mindestvolumen eher.
Für Mediaagenturen, die direkt beim Verlag statt über Publimedia buchen, fällt ein Mehraufwand an – nicht nur beim Buchen selbst, sondern auch beim Controlling und beim Abrechnen. Vor drei Jahren hat Tamedia bekanntlich damit begonnen, Grossagenturen, die bei Tamedia-Titeln direkt buchen, für ihren Mehraufwand zu honorieren. Tamedia gewährt seither eine «Direktbuchungsentschädigung» (DBE) von 1,5 Prozent, sofern die Agentur pro Jahr ein Mindestvolumen von einer Million Franken bei Tamedia-Titeln platziert. Übertrifft die Agentur zudem das Volumen des Vorjahres, zahlt Tamedia auf den Mehrumsatz zwei Prozent.Neuerungen bei TamediaDieses Angebot führt Tamedia auch 2008 weiter – mit einigen gewichtigen Änderungen: Weil der Zürcher Konzern letztes Jahr die Berner Espace Media zu 100 Prozent übernahm, wird deren DBE-Angebot nun ebenfalls in jenes der Tamedia integriert. Kommt dazu, dass Espace Media ihr Angebot erstmals auch auf ihre Zeitschriften Automobil Revue, Revue automobile, Motosport Schweiz und Motosport Suisse ausdehnt, wie Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer mitteilt. Neu wird auch die Pendlerzeitung News einbezogen. Weiterhin nicht dabei sind dagegen die drei Gratiszeitungen von Tamedia und Espace Media sowie weitere Titel im Portfolio von Espace Media.
Ebenfalls erstmals Bestandteil des DBE-berechtigten Tamedia-Umsatzes ist jenes Volumen, das im neu aufgestellten Verbund Nordostschweiz gebucht wird. Dies bestätigt NOS-Anzeigenleiter Peter Menzato. Auch wenn das NOS vom Tamedia-Titel Thurgauer-Zeitung vermarktet wird, so ist diese Integration dennoch bemerkenswert: Zum einen, weil sich damit die NOS-Partner Landbote und Schaffhauser Nachrichten noch stärker bei Tamedia anlehnen. Und zweitens, weil die beiden Titel, die bisher keine DBE gewährten, zumindest teilweise das Lager gewechselt haben. Die Schaffhauser Nachrichten allerdings nur teilweise: denn sie hält Solobuchungen sie weiterhin aus dem DBE-berechtigten Volumen raus.
Basler ohne MindestvolumenZu den DBE-Newcomern gehört auch die Basler Zeitung Medien (BZM), die neuerdings in Eigenregie ist. Sie schreibt kein Mindestvolumen vor. Keinerlei Änderungen ergeben sich beim Walliser Boten, der ebenfalls kein Mindestvolumen verlangt. Edipresse bleibt sich ebenfalls treu, auch Ringier und Axel Springer Schweiz belassen ihr Angebot wie bisher – wobei bei Axel Springer Schweiz neu auch jenes der ehemaligen Jean Frey integriert wird. «Wir ziehen derzeit Schlussbilanz betreffend 2007 und stehen in Gesprächen mit den Media-Agenturen für 2008. Die bisherigen Erfahrungen sind durchwegs positiv und wir beabsichtigen, die neuen Vereinbarungen für 2008 auf der gleichen Basis wie 2007 abzuschliessen», schreibt CEO Ralph Büchi auf Anfrage der Werbewoche.
Unklar ist weiterhin, wie die Weltwoche mit dem Thema umgeht. «Wir stehen dem Thema sehr zurückhaltend gegenüber und möchten uns diesbezüglich nicht äussern», richtet Verlagsleiterin Maike Juchler aus. Den Agenturen dürfte diese Antwort allerdings kaum genügen.
Disziplin der Pachttitel bröckeltVon den Titeln mit P-Pacht ist weiterhin die NZZ die einzige, die eine von der P akzeptierte Handlingsentschädigung (HE) gewährt (siehe Kasten). Doch wie lange noch bleibt sie allein? Die Edipresse-Zeitungen, allesamt in P-Pacht, harren schon seit einem Jahr auf eine ähnliche Vertragsanpassung und lassen nicht locker. «Im Rahmen der totalen Neuausrichtung der Publicitas hoffen wir, dass sie auch in diesem Bereich den Marktpartnern und Regieverlagen eine akzeptable Lösung anbieten wird. Entsprechende Vorgespräche haben bereits stattgefunden», schreibt Marcel Siegenthaler, Leiter Werbemarkt Edipresse Schweiz. Ähnlich klingt es im Aargau. «Das Thema steht nach wie vor zur Diskussion. Vorderhand verzichten wir jedoch auf die Einführung einer HE», teilt AZ-Medien-Sprecherin Eva Keller mit. Und weiter: «Wir gewähren individuell und situativ Rabatte sowohl auf Kunden- wie auf Mediaagenturseite.» Woraus man wohl schliessen kann, dass die Disziplin bröckelt.
«Teilregie» bei SüdortschweizWachsende Unstimmigkeiten sind bei der Südostschweiz offensichtlich. Die Anfrage der Werbewoche nach einem allfälligen DBE/HE-Angebot beantwortete Susanne Lebrument, Geschäftsleiterin der SO-Publicitas, jedenfalls kurz und knapp mit «kein Kommentar». Der Hintergrund: Die SO-Medien-Gruppe vermarktet trotz Pachtvertrag mit der P ihre Titel seit knapp einem Jahr selbst – «in Teilregie», wie man es dort nennt.
Keine Unzufriedenheit lässt man sich dagegen bei den NZZ-Töchtern in Luzern und St. Gallen anmerken. «Da wir auf Grund unserer Kooperationsverträge die Anzeigenabteilung Publicitas Neue Luzerner Zeitung als integralen Bestandteil unseres Verlagshauses betrachten, ist eigentlich jede Buchung bei unserer Anzeigenabteilung eine Direktbuchung beim Verlag, die aufgrund des attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnisses des Titels nicht noch zusätzlich rabattiert werden muss», hält etwa Erwin Bachmann, VR-Delegierter der LZ Medien, fest. Ein nahezu identisches Statement kommt von Daniel Ehrat, Verlagsleiter des St. Galler Tagblatts, und auch von Erland Herkenrath von der Zürcher LandZeitung.
Markus Knöpfli
Die NZZ hält an ihrer Regelung festVor einem Jahr hat auch die NZZ
für die meisten ihrer Titel eine Art DBE eingeführt. Doch weil damit Publimedia und Publicitas nicht umgangen werden sollten, sondern im Gegenteil, Buchungen über die beiden Publigroupe-Töchter ebenfalls honoriert werden, nannte man den Nachlass an der Falkenstrasse Handlingsentschädigung (HE). Die HE war eine Reaktion auf die Situation, dass ab 2007 alle grossen Wirtschaftstitel und auch Sonntagszeitung und SonntagsBlick eine DBE gewährten. Damit war die NZZ auf dem Platz Zürich im Segment Wirtschaftspresse und im Sonntagsmarkt praktisch der einzige Titel ohne DBE.Die HE beträgt weiterhin ein Prozent
und wird an Kunden und Agenturen ausbezahlt, deren jährlicher BK-/ JUP-berechtigter kommerzieller Anzeigen- und Beilagenumsatz bei NZZ-Titeln mindestens 500000 Franken beträgt. Die HE gilt für Buchungen in der NZZ, NZZ am Sonntag, im Magazin Z und neu auch bei NZZCampus sowie Bücher am Sonntag, nicht aber für Buchungen im NZZ Folio. (mk)