VSW-Inseratestatistik Mitte Februar werden die Januar-Daten der VSW-Inseratestatistik nach neuem System publiziert. Wemf-Direktor Marco Bernasconi erklärt, weshalb schon wieder eine Änderung nötig geworden war.
WW: Vor vier Jahren erfuhr die Inseratestatistik ein Redesign, nun kommt es bereits wieder zu einem Wechsel. Warum?Marco Bernasconi: In den letzten Jahren kam es zu diversen Verlagskonzentrationen, es entstanden teils komplexe Kopfblattsysteme, und es wurden Sonntagsausgaben lanciert. Das alles führte immer wieder zu Interpretationsdifferenzen beim Melden der Daten. Um dies zu unterbinden, stellte der Verband Schweizer Presse eine Projektgruppe unter dem Vorsitz von Jürg Weber, Geschäftsleiter der Neuen Luzerner Zeitung, zusammen, die am Reglement verschiedene Präzisierungen vornahm. Man wollte die Inseratestatistik wieder auf eine Basis stellen, die glaubwürdig und transparent ist und auch Kontinuität gewährleistet.
Kommt es zu einem Währungsbruch?Ja, die neuen Daten sind mit den bisherigen Daten nicht mehr direkt vergleichbar.
Nun liegt aber der letzte Währungsbruch erst vier Jahre zurück.Ja, er erfolgte damals parallel zur Einführung des Advertising Index Switzerland (AIS). Zu jener Zeit konnte aber niemand ahnen, dass der AIS schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt würde. Daher haben wir die Inseratestatistik neu aufgleisen müssen.
Apropos Währungsbruch: Werden die Daten von Januar 2008 vergleichbar sein mit den Januar-Daten 2007 und 2006?Mit jenen von 2006 nicht mehr, nein. Aber mit 2007 schon. Denn wir haben ein Jahr zurückerfasst. Wir haben also alle Daten von 2007 sowohl nach altem als auch nach neuem System aufbereitet, damit eine gewisse Vergleichbarkeit gewährleistet bleibt.
Es wird also für 2007 zwei Datensätze geben, einen, der bereits publiziert ist und mit den Vorjahren (bis 2004) vergleichbar ist. Und einen zweiten Datensatz, der nun Monat für Monat zusammen mit den Zahlen von 2008 publiziert und ergänzt wird.Richtig.
Beim Wechsel vor vier Jahren gab es ebenfalls Parallelstatistiken, was aber zu Konfusionen führte. Wie verhindern Sie ein erneutes Durcheinander?Indem die jetzt abrufbaren Daten 2007 ab Mitte Februar nicht mehr automatisch erscheinen. Der Januar 2008 wird in der Statistik nur mit dem Januar 2007 nach neuem System verglichen. Und wenn man die 2007er-Daten auswerten will, wird kein Vergleich mit 2006 möglich sein. Doch wie alle Daten seit 1990 bleiben auch die bisherigen 2007er- Daten im Onlinesystem manuell abruf- und auswertbar. Zu erwähnen ist noch, dass es Titel gibt, bei denen die Daten 2007 nicht auf die neue Basis gestellt werden konnten. Das betrifft etwa die Basler Zeitung und die TV-Programmzeitschriften, die von Ringier zu Axel Springer Schweiz wechselten. In diesen Fällen werden weder 2007er-Daten publiziert noch ein Vorjahresvergleich integriert. Das werden wir mit einer Fussnote in der Statistik kommunizieren.
Eine Werbewoche-Umfrage bei den Verlagen zeigt: Insgesamt vertraut man der heutigen Inseratestatistik kaum. Wird sich dies nun ändern?Das ist das erklärte Ziel der Wemf und von Jürg Weber, der diesen Prozess begleitet.
In fünf von insgesamt 14 Umfrage-Rückmeldungen hiess es, die Statistik stimme nicht mit den gemeldeten Zahlen überein. Drei andere vermuteten, die Daten der Konkurrenz seien in Frage zu stellen. Warum sollte dies nun besser werden?Wir haben mit vielen Verlagen Kontakt aufgenommen, ihre Differenzen genau untersucht und gegebenenfalls Korrekturen vorgenommen. Aufgrund einer detaillierten Analyse der identifizierten Abweichungen haben wir sämtliche notwendigen Massnahmen ergriffen, um die Genauigkeit zu erhöhen. Es sind insbesondere Präzisierungen im Reglement und den von der Wemf durchgeführten Auditings und Beratungen, die dazu führen, dass die Verlage die Daten gleichartig eingeben. Im Weiteren haben wir festgestellt, dass viele Differenzen daher zustande kommen, dass bei verlagsinternen Statistiken andere Definitionen zur Anwendung kommen.
Während etwa zwei Jahren waren die Zahlen der Basler Zeitung unvollständig – was vom Verlag auch bewusst so gehandhabt wurde. Gibt es für solche Fälle künftig Sanktionsmöglichkeiten?Nein, wir können einzig auf die Verlage zugehen und mit ihnen eine Lösung suchen. Denn die Inseratestatistik ist nicht vergleichbar mit der Auflagebeglaubigung, deren Daten man auch gegen aussen kommuniziert. Dort braucht es Sanktionsmöglichkeiten, um Missbrauch zu verhindern. Die Inseratestatistik hingegen ist ein Tool für die Branche, damit diese die Trends erkennen und sich selbst messen kann.
Soll Ihnen ein Verleger melden, wenn er glaubt, dass die Zahlen der Konkurrenz nicht stimmen?Klar. Wie bei der Auflagenbeglaubigung sind wir darauf angewiesen, dass man uns solche Beobachtungen meldet. Aber wir stellen auch von uns aus Fragen, sobald uns eine Veränderung nicht plausibel vorkommt.
Immer wieder ist zu hören, dass die Eigenregieverlage eine Fehlerquelle darstellen. Denn diese müssten ihre Daten individuell melden, während die Daten der P-Pachttitel einheitlich aus dem EDV-System MIS stammen.Es trifft zu, dass die Verlage mit verschiedenen EDV-Systemen arbeiten. Aber gerade grosse Eigenregieverlage haben ihre Datenaufbereitung ebenfalls automatisiert. Diese Systeme haben wir angeschaut. Doch es ist klar, dass eine Statistik nie perfekt sein kann. Darum suchen wir immer wieder das Gespräch mit den Leuten, die in den Verlagen für die Inseratestatistik zuständig sind. Wir achten darauf, dass die Auslegungen im Reglement möglichst einheitlich gehandhabt werden. Ich denke, dass sich die Fehler im Promillebereich bewegen werden.
Gemäss Umfrage besteht noch eine Unsicherheit punkto Aufbereitung der neuen monatlichen Nettoumsatzzahlen. Klar ist: Rabatte werden abgezogen, nicht aber die Beraterkommission. Und wie steht es um Direktbuchungsrabatte oder Nachforderungen?Bei der monatlichen Statistik können wir nicht auf Nachforderungen eingehen. Gegenüber der jährlich erscheinenden Netto-Werbestatistik erwarte ich deshalb auch gewisse Differenzen. Der Direktbuchungsrabatt hingegen wurde bisher in der Arbeitsgruppe nicht thematisiert. Aber für ihn gilt wohl dasselbe wie bei den Nachforderungen.
Bleiben wir bei der jährlichen Netto-Werbestatistik: Wird sie im Wesentlichen mit den neuen monatlichen Nettowerten vergleichbar sein – quasi als Summe der Monatsdaten?Nein, die Werbestatistik ist umfassender. Sie enthält zum Beispiel bei einer Zeitung mit Kopfblattsystem auch die Lokalumsätze der Kopfblätter, bei der Inseratestatistik hingegen sind diese nicht enthalten. Zudem haben wir in der Werbestatistik wesentlich mehr Titel aus der Kategorie Fach- und Spezialpresse. Bei der Inseratestatistik hingegen machen vor allem die Q-Publikationen mit. Die Universen der beiden Nettostatistiken unterscheiden sich also.
Sind die neuen Nettodaten mit den Bruttowerten von Mediafocus (MF) vergleichbar?Überhaupt nicht. Denn MF schliesst bewusst einen Teil des Volumens aus. Rubrikeninserate und kleine Anzeigen werden nicht gemessen. Nach Franken betrachtet sind die Differenzen noch grösser, weil MF jeweils für den ganzen Titel einen Brutto-Seitentarif anwendet. Kombirabatte oder Lokaltarife werden nicht berücksichtigt.
Wie ist es generell: Müssen die Titel bei der Inseratestatistik mitmachen? Und bezahlen sie etwas dafür?Die Verlage sind freiwillig dabei, müssen aber etwas bezahlen. Da es sich um eine Branchenstatistik handelt, sollte eigentlich jeder Verlag das Interesse haben, mitzumachen. Denn die Branche ist daran interessiert, valide Daten zu haben. Auch der Verband Schweizer Presse legt Wert darauf. Natürlich braucht es da und dort etwas Überzeugungsarbeit. Aber man muss ja keine vertraulichen Daten veröffentlichen.
Interview: Markus Knöpfli
Inseratestatistik – was sich konkret ändertGrundsätzlich werden alle mehrwertsteuerpflichtigen Anzeigen gezählt – also auch Inserate aus Gegengeschäften, Sponsoring oder von Anlagefonds. Diese gehörten zwar schon bisher dazu, weil sie aber im alten Reglement nicht erwähnt waren, kam es immer wieder zu Unsicherheiten.
Volumenmässig wohl die grösste Veränderung ergibt sich bei Anzeigen und Prospektbeilagen für andere Verlagsobjekte (Print, Radio, TV, Online) aus dem selben Medienunternehmen. Bisher galten diese als Eigeninserate und wurden voll gezählt. Neu hingegen werden solche Inserate nur noch gezählt, wenn das Unternehmen zu höchstens 50 Prozent am Verlagsobjekt beteiligt ist. Bei Beteiligungen über 50 Prozent gelten sie als Eigeninserate und werden nicht mehr gezählt.
Eine Umstellung ergibt sich auch bei den Rubriken: Neu werden nur noch Immobilien und Stellen separat ausgewiesen, die «Übrigen» (Todes-, Gelegenheits- und Erotikanzeigen) hingegen werden ab sofort zu den Kommerziellen gerechnet.
Eine Neuerung ergibt sich bei Stellenbeilagen wie Alpha oder NZZExecutive, die sowohl der Tages- als auch der Sonntagspresse beiliegen. Sie werden neu separat ausgewiesen und es bleibt dem Statistik-Benutzer überlassen, welcher Gattung er das Volumen zuordnet. Die Inseratestatistik enthält neu auch Netto-Umsätze nach Titelgruppen. Umsätze nach Einzeltitel werden jedoch nicht ableitbar sein.
Das neue Reglement ist auf der Wemf-Homepage downloadbar (
). (mk)