Michel Juhasz ist als CEO bei Assai Dialog + Digital bereit, wenn «below the line» massiv verstärkt wird.
Assai ist ein Begriff aus der klassischen Musik und bedeutet «Verstärkung». Wird auf dem Notenblatt ein Tempo mit «assai» angegeben, kommt das Konzertpublikum in den Genuss einer besonders dynamischen Passage. Und aus dieser Wirkung leitet sich auch das Versprechen der Agentur ab. Assai verstärkt Botschaften «und ihre Wirkung in Bauch, Kopf und Markt», formuliert CEO Michel Juhasz. Assai Dialog + Digital ist als Tochter der Wirz-Gruppe 1997 gegründet worden und hat letztes Jahr das Zehnjahr-Jubiläum feiern können. Die Geschichte von Assai illustriert für ihren CEO Michel Juhasz auch «den Weitblick der Wirz-Gruppe». Diese gründet immer dann eine spezialisierte Unit, wenn man sieht, dass die Relevanz einer Kommunikationsdisziplin so bedeutend wird, «dass man entsprechende Spezialisten haben muss, welche die Kunden beraten können».
Unter Wirz Interactive wurde einst Online-Kommunikation angeboten. 2002 wurde das Dienstleistungsspektrum mit der Fusion von Endeed, einem spezialisierten Anbieter von Internet-Technologien und Digital Intelligence erweitert und in Assai umbenannt. Das war rückblickend ein guter Zeitpunkt, weil damals die Internetblase platzte und sich viele Internetdienstleister neu positionieren mussten.
Assai Dialog + Digital hat seine Wurzeln in der Online-Kommunikation. Heute ist die Kernkompetenz der Agentur neben Digital auch Dialog. Die Dialog-Unit wird von Karin Lang, ehemals Fisch Meier Direkt, geleitet. Mit dem Team von Karin Lang ist Assai in der Lage, die Marken- und Produktversprechen nicht nur über digitale, sondern crossmedial auch über analoge Kommunikationskanäle zu verbreiten.
In der einen Hälfte seiner Arbeit sieht sich Juhasz als «Enabler», der etwas möglich macht, «damit Assai den Markt durch Innovation mitgestalten kann. Für die restliche Zeit lässt sich der Unternehmer aber nicht nehmen, an Mandaten und Projekten strategisch und konzeptionell mitzuarbeiten. «Ich brauche das, um ein Feedback unserer Kunden zu bekommen. Ich will den Markt persönlich erleben, um den Bezug zum kommunikativen Alltag nicht zu verlieren.»
In der Branche erwarten viele eine Verschiebung von klassischen Medien in «below the line»-Disziplinen wie Digital und Dialog. Ist dieser Trend auch in der Wirz-Gruppe zu spüren? «Absolut», meint Michel Juhasz. «Schon heute sind bei Wirz 20 Prozent der Mandate integrierte Mandate. Das Potential liegt aber eher bei 30 bis 40 Prozent.»
In der Wirz-Gruppe bestehen unter dem Begriff «Total Work» für integriertes Arbeiten klare Prozesse und Methoden. Diese werden im Wirz Campus intensiv geschult. «Kommunikation unter einem Dach ist für unsere Mitbewerber oft nur ein Schlagwort, in der Wirz- Gruppe jedoch seit mehr als 50 Jahren eine Selbstverständlichkeit und in den Köpfen und im Herzen der Mitarbeitenden fest verankert», zeigt sich Juhasz selbstbewusst.
Kreativ konnte Assai Dialog + Digital ihren Erfolg soeben am «Best of Swiss Web» bestätigt sehen. Für den Relaunch von «Laax» gab es Gold im Online-Marketing und Silber in der Kreation. Auch am letzten ADC-Award gab es für die die Online-Schadenskizze der Mobiliar mit dem bronzenen Würfel eine der begehrten Auszeichnungen. Die aktuellste Arbeit ist der neue Internetauftritt für die Annabelle, das zum 70-Jahr-Jubiläum der Frauenzeitschrift aufgeschaltet wurde. Unter
werden nicht nur die Inhalte mediengerecht ins Web gestellt, sondern auch interaktive und multimediale Tools angeboten. «Die Bildung von Communitys und Social Networks sind für eine Frauenzeitschrift besonders wichtig», meint Juhasz.Nach einer kaufmännischen Lehre ist Michel Juhasz über die damalige SKA zum Investment Banking gekommen. Während seiner Lehre hat er einen Investment-Club gegründet. Damit ist er der Fachzeitung Finanz und Wirtschaft aufgefallen. Diese hat ihn «portiert» und Juhasz konnte bei der Bank innerhalb von nur zwei Jahren die internen Ausbildungen durchlaufen und vom ersten Tag an direkt am Börsenring arbeiten. 1992 wurde er bei der CS First Bosten in London zum jüngsten Aktienhändler diplomiert, der im Ausland Schweizer Aktien handeln durfte. «Das war mein erster Traumberuf», meint Juhasz zu diesem Lebensabschnitt in einer der wichtigsten Finanzmetropolen der Welt. Und noch heute gilt sein damaliges Motto: «Was ich mache, das mache ich richtig. Ich bin ambitioniert und will etwas erreichen.»
Nach vier Jahren hatte der junge Investment Banker aber realisiert, dass ihm der Börsenhandel «viel zu wenig Inhalt bietet». Zudem waren mit dem Aufkommen von derivativen Produkten nicht mehr die Händler mit Herzblut gefragt, sondern die berechnenden Mathematiker. «Also war der Zeitpunkt richtig, um auch meinem Leben mehr kreativen Inhalt zu geben», beschloss Juhasz.
Der in Solothurn Aufgewachsene kehrte in die Provinz zurück und studierte in Olten an der Fachhochschule Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing. Die weite Welt wurde ihm aber nie fremd. Im Zusammenhang mit dem Erasmus-Programm verbrachte Michel Juhasz ein Semester in Barcelona. «Die Brötchen» für sein Studium hat er als Reiseleiter verdient. In verschiedenen Weltstädten betreute er Schweizer Touristen. Aber auch dieser Massentourismus war auf die Dauer nicht sein Ding. Juhasz erwarb sich das Diplom als «Qualified MTB Guide» für Swiss Cycling und führt seither mit dem Mountainbike Trekkings in den Höhen des Himalaya oder durch den Sand der Sahara. Diese Leidenschaft hat er bis heute beibehalten. Der grösste Teil seiner Ferien verbringt er weiter als Trekking-Guide auf dem Sattel.
Das Internet hat Juhasz bereits in der Pionierzeit des Mediums entdeckt. 1993 bekam er seine erste E-Mail-Adresse. Das war damals noch eine vierstellige Compuserve-Nummer. Das Surfen mit dem Modem kostete 12 Franken die Stunde plus 20 Franken Telefongebühr. Die Neugierigen ahnten aber, dass bald alles anders kommen wird. So hat Michel Juhasz in seiner Diplomarbeit bereits rund um das Thema «Internet und die Möglichkeiten in der Reisebranche» geforscht.
Nach dem Studium stieg er bei Pixelpark ein. Der 1991 in Berlin gegründete, international tätige Internetdienstleister wurde zu einem der wichtigsten Taktgeber für die kommerzielle Nutzung des World Wide Web und ging später unter Bertelsmann an die Börse. Noch vor dem Ende der Expansionskurve 2001 realisierte Juhasz aber, dass sich Pixelpark «im Boom verzettelte». Ihm wurde klar: «Reine Webdienstleister haben ein Ablaufdatum. Die Zukunft liegt im Vermitteln von Inhalten über das Medium und nicht im Medium per se. Und wo kann man das besser als in der Kommunikationsbranche.»
Wirz war für ihn schon immer «eine der stärksten Kommunikationsmarken in der Schweiz». 2000 wurde Juhasz in den Verwaltungsrat von Wirz Interactive gewählt, wo er zwei Jahre später die Fusion zu Assai mitgestaltete. 2005 wurde er in die Wirz-Gruppen-Leitung aufgenommen und übernahm im gleichen Jahr mit seinen Geschäftspartnern im Rahmen eines MBO die Mehrheit an der Wirz-Gruppe.
Bei Wirz fühlt er sich heute gut aufgehoben. Mit 32 Spezialisten bei Assai Dialog + Digital und total fast 150 Kommunikationstalenten in der Gruppe sieht er «alle Möglichkeiten und Chancen, um Kommunikation über alle Disziplinen hinweg auf höchstem Niveau anbieten zu können».
Andreas Panzeri