«CRM kann man nicht kaufen»

Marken Konsumenten ändern sich und damit die Anforderungen an die Kundenbindung: Ogilvy & Mather lud Schweizer Marketingchefs zum Update.

 
Marken Konsumenten ändern sich und damit die Anforderungen an die Kundenbindung: Ogilvy & Mather lud Schweizer Marketingchefs zum Update.  
Der Konsument hat sich verändert. Er vergleicht, tauscht sich mit anderen Konsumenten über Produkte aus, bewertet und empfiehlt. Alles Aktivitäten, die der klassischen Werbetheorie widersprechen. Das Problem einer neuen Generation Konsumenten, des «Verbrauchers 2.0», wie Trendforscher das Phänomen bezeichnen, ist das grosse Thema. Auch Werbeagenturen haben es sich zur Aufgabe gemacht, das «soziale Marketing» greifbar zu machen. Erst kürzlich lud die Zürcher Werbeagentur Ogilvy & Mather die Marketingchefs hiesiger Unternehmen ein, um die Kundenbindung im Zeitalter der Digitalisierung zu thematisieren. Unter dem Titel «Beziehungswechsel? Ausführungen zur Kundenbindung in der heutigen Markenkommunikation» erläuterte Larissa Pohl von Ogilvy Brains in Frankfurt die neuen Herausforderungen für Marken. Gleich zu Beginn des Referats kam Pohl auf die Vorteile zu sprechen, die sich die Branche Ende der 90er-Jahre vom Customer Relationship Management versprochen hat. Damals feierte man CRM-Lösungen in Form cleverer Software als Zauberformel zur Lösung aller Marketingprobleme. Durch technologische Power sei es möglich, auf einen Schlag die Beziehung zum Kunden zu verbessern, Umsätze in die Höhe zu treiben und das Marketing effizienter zu machen. Alles Illusion. Zehn Jahre später kam die Erkenntnis: CRM funktioniert nicht als Technologie. Die Idee, Kunden einfach in eine Datenbank zu zwängen, hat sich als Flop entpuppt. «Unternehmen kauften im Prinzip teure Sportwagen, ohne Benzin und ohne Fahrer», so Larissa Pohl. Kunden wurden in Datenbanken gehortet, aber niemand wusste etwas Schlaues damit anzufangen. Die in den Direktionsetagen weit verbreitete Erwartung, schnelle Erfolge mit computergestützten CRM-Lösungen herbeizurufen, offenbarte sich als Trugschluss. «CRM kann man nicht kaufen. Man muss sich den Erfolg hart erarbeiten», so Pohl.
So hat ein Umdenken stattgefunden. Der Kunde steht heute als Person und nicht nur als statistische Grösse im Mittelpunkt. Das macht die Kundenbindung allerdings nicht einfacher. Im Gegenteil. Der Kunde definiert sich heute in immer kürzeren Zeitabständen neu, schlüpft nach Belieben in neue Rollen und lässt sich mehr schlecht als recht in Konsumstereotypen einteilen. Es findet ein steter Identitätswandel statt, der die berechtigte Frage aufwirft: Was ist für den heutigen Konsumenten relevant?
Kunden gewinnen ist ein LangstreckensportFür Larissa Pohl bedeutet Relevanz, dass Marken über die reine Produktleistung hinaus Erlebnisse schaffen müssen. «Die Marken haben heute eine wichtige Rolle im Leben der Kunden zu spielen und müssen die Kraft aufbringen, in der Interaktion mit ihnen die Markenidentität zu leben», sagt Pohl. Dies erfordert zum einen ein gutes Beziehungsmanagement. Zum anderen machte Pohl in ihrem Vortrag fünf Kernaussagen darüber, was eine gute Kundenbeziehung heute ausmacht.
 
Als Erstes gilt es, die Zielgruppen noch genauer zu definieren, weil bei vielen Produkten eine kleine Gruppe für den Grossteil des Umsatzes verantwortlich ist. Man spricht deshalb auch von der 80/20-Regel: Stellt man die Anzahl Kunden und den kumulierten Umsatz dieser Kunden einander gegenüber, wird klar, dass ungefähr 20 Prozent der Kunden für ungefähr 80 Prozent des Umsatzes verantwortlich sind.
Aufgrund dieser Faustregel empfiehlt Pohl – zweite Kernaussage – gezielt dort zu fischen, wo sich die «Grossen» tummeln. Dabei sind Kenntnisse über Kunden wichtig, was ihre Werte sind, wo sie sich orientieren und welche Momente sie antreiben. Darauf müsse, als dritter Punkt, eine Kontaktstrategie folgen, die dem Kundensegment angepasst sei und dem Motto folgt: «Don’t count the people you reach, reach the people who count.» Wer diesem Leitsatz folge, müsse im Markt nie mehr laut werden. «Kommunikation, die relevant und persönlich ist», so Larissa Pohl zum vierten Kernpunkt ihres Referats, «bedarf nur noch einer markenspezifischen kreativen Idee, die es aber immer braucht.» Grund: Rationale Kundenbindung hält nur so lange, wie es keine emotionale Alternative gibt.
Larissa Pohl machte ihre Aussagen am Beispiel der Deutschen Bahn anschaulich. Das Unternehmen führte vor Jahren Bonuskarten ein: Wer viel fährt und dabei Punkte sammelt, verbucht Vorteile. Der Erfolg ist beachtlich. Der Bahnkartenbestand stieg innert drei Jahren um 40 Prozent. Larissa Pohl fasste ihre Ausführungen mit dem fünften Kernpunkt, einem Merksatz von David Ogilvy, zusammen: «Loyalty cannot be bought, you must earn it.»
Und wie sieht die Kundenbindung von morgen aus? Larissa Pohl sieht die Zukunft im richtigen Einsatz aller Mittel im Sinne einer «360-Grad-Kommunikation». Sie bestreitet aber nicht, dass das Internet seinen Siegeszug fortsetzen wird. «Alles wird digital», sagt Pohl. Der Verbraucher sei «all-ways-on» und verlange nach stringenter Kommunikation.
Wandel zum launenhaften KonsumentenDer neue Verbraucher bewegt sich heute in einem Netz von Beziehungen, in dem Meinungen, Tendenzen und Verhaltensweisen sich räumlich weiter und zeitlich schneller ausbreiten als je zuvor. Wie Pohl ausführt, stelle sich in der so genannten Generation Web 2.0 nicht die Frage «Wer bin ich?», sondern «Wer will ich sein?». Das Zielpublikum werde komplex und diffus. Wichtig werde deshalb sein, die Beeinflusser von Zielgruppen zu identifizieren, denn sie hätten durch die technologischen Umwälzungen neue Bühnen, die es ihnen erlauben, auf Markenwelten Einfluss auszuüben. Dieses vernetzte Verhalten können Marken nicht steuern. Es gilt daher mehr, einen dynamischen Austauschprozess entstehen zu lassen, in dem Anerkennung stattfinden kann. Wie erfolgreich ein solcher Prozess sein kann, beweist das Beispiel Dove. Pohl findet, dass die Initiative «für wahre Schönheit» eindrücklich aufzeige, wie Markenwerte künftig weitergegeben werden.
«Der Konsument hat sich vom Hund zur Katze gewandelt», beschreibt Pohl den Konsumenten. Das Sinnbild verdeutliche, wie sich der Kunde vom treuen Markenbegleiter zum launenhaften Verbraucher gewandelt habe, der nicht mehr alles glaube, was die Werbung sage. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die Markenkommunikation: «Marken müssen einladend sein, statt nur zu überzeugen zu versuchen. Es müssen mehr Geschichten erzählt, der Dialog akzeptiert und gefördert werden.»
Pohls Fazit: Marken müssen heute auffallen in einem Meer der Uniformität, es gilt, vermehrt Wissen über Kunden zu sammeln, die Meinungsführer zu finden und letztlich den Wandel zuzulassen. Ogilvy hat dies in einem eigenen Leitsatz lustig zusammengefasst: «Dada, Data, Alpha, Beta.»   
Christian Lüscher
 
 
 
 
Dada, Data, Alpha, BetaMit diesem prägnanten Leitspruch beschreibt Ogilvy die Herausforderungen für Marken im Internet.
Dada:
Dadaismus steht für Kunstrebellion. Kreative Arbeit muss überraschen, egal ob durch Worte, Musik, Kunst oder Design. Wie kann die Werbeindustrie heute Marken schaffen, schützen und beeinflussen? Auffallen um jeden Preis heisst die Devise. Data:
Das Internet ist ein wahrer Datenfundus geworden. Die Datenfülle erlaubt neue Formen des Storytellings und ermöglicht die Analyse der Konsumenten. Alpha:
Steht für Meinungsführerschaft. Wenige treiben die Mundpropaganda voran, bestimmen Werte und sorgen in der Zielgruppe für die nötige Differenz, die eine Marke heute braucht. Beta:
Ist ein Synonym für die ständige Weiterentwicklung im Netz. Beta steht für das kontinuierliche Voranschreiten der Techniken und neuer Denkweisen.

Küchentrick 77

Essen Wissen Sie, wie man eine verbrannte Sauce rettet? Oder wie trockenes Brot ein zweites Leben gewinnt? Diese und weitere Antworten auf Fragen zum Küchenalltag liefert das neue Buch «Kückentrick 77» von Waskochen.ch.

 Essen Wissen Sie, wie man eine verbrannte Sauce rettet? Oder wie trockenes Brot ein zweites Leben gewinnt? Diese und weitere Antworten auf Fragen zum Küchenalltag liefert das neue Buch «Kückentrick 77» von Waskochen.ch. Die Kochplattform sammelte ein Jahr lang einfache Küchentricks in ihrer Community und veröffentlichte diese in einem eigenen Kapitel auf der Website. Als Partner dieser Aktion belohnte Teflon-Antihaftversiegelungen von DuPont jeden veröffentlichten Trick mit einem Kochtopf. Aus den insgesamt rund 150 eingesandten Tricks hat Waskochen.ch 77 ausgewählt und zu einem Buch aufbereitet. Das Buch wurde von Fauxpas, einem Zürcher Grafikbüro, gestaltet.

Spotlight mit Teilnahmerekord

Film Mit insgesamt 304 eingereichten Commercials ist das Werbefilmfestival Spotlight so gross wie noch nie. Der Branchenevent findet am 25. und 26. April zum 11. Mal statt.

 
Film Mit insgesamt 304 eingereichten Commercials ist das Werbefilmfestival Spotlight so gross wie noch nie. Der Branchenevent findet am 25. und 26. April zum 11. Mal statt. Neben den Awards der Fachjury wird auch das Publikum seine Lieblinge mit Preisen auszeichnen. Parallel zum Festival beschäftigt sich der Spotlight-Kongress mit dem Thema «Werbung – mitten im Leben».

JEVP überklebt Stop-Aids-Plakate

Die Junge Evangelische Volkspartei (JEVP), berühmt-berüchtigt für ihre Abneigung gegen sexistische Werbung, hat wieder zugeschlagen: Sie überklebte in Basel und Zürich Plakate der aktuellen Aids-Präventionskampagne. Die Sujets seien eine «neue Eskalationsstufe», findet die Jungpartei.

Die Junge Evangelische Volkspartei (JEVP), berühmt-berüchtigt für ihre Abneigung gegen sexistische Werbung, hat wieder zugeschlagen: Sie überklebte in Basel und Zürich Plakate der aktuellen Aids-Präventionskampagne von Euro RSCG. Die Sujets sind den Jungpolitikern nämlich zu heiss: «Das ist eine neue Eskalationsstufe», sagte Niklaus Hari, Generalsekretär der JEVP, gegenüber 20minuten.ch. Kopulierende Paare habe man auf Schweizer Plakatwänden noch nie gesehen, darüber hinaus würden die Bilder suggerieren, dass Sex in jeder Situation unbedenklich sei. «Man sollte doch auch noch mit dem Kopf bei der Sache sein und an Präservative denken», so der Jungpolitiker weiter. Das ist allerdings exakt die Message der Kampagne – für Hari scheint sie nicht offensichtlich genug zu sein.
Seine Partei stört sich vor allem an der Bildsprache der Plakate, was sie mit einem offen Brief an das Bundesamt für Gesundheit dargelegt hat. Die Notwendigkeit der Aids-Prävention sei unbestritten, doch liessen die Sujets die nötige Sensibilität bei der Bildsprache vermissen. Gerade für Kinder seien die Motive unverständlich: «Ich höre schon Kinder ihre Eltern fragen: Was machen die da?», befürchtet Hari.
Neben dem offenen Brief griff die JEVP auch zu handfesten Mitteln: Sie überklebte Plakate in Zürich und Basel mit Warnkleber, die darauf hinweisen, dass «Jugendgewalt und Sexualstraftaten unter anderem in der Übersexualisierung unserer Gesellschaft durch solche Bilder wurzeln. So werden Kinder und Jugendliche nicht geschützt, sondern gefährdet!». Immerhin: Die Warnkleber sind wieder entfernbar.

Wer sich beraten lässt, reist besser

Reisen Freiburghaus und Partner rät dazu, bei der Ferienplanung auf die Dienste des Reisebüros zu vertrauen.

 
Reisen Freiburghaus und Partner rät dazu, bei der Ferienplanung auf die Dienste des Reisebüros zu vertrauen. 
Konkurrenz durchs Internet zwingt die Reisebüros zum Handeln. 2007 investierte der Schweizerische Reisebüro-Verband erstmals in eine Positionierungskampagne. Jetzt hat man der Agentur Freiburghaus den Auftrag für eine Fortsetzung erteilt.
Die Verbandsmitglieder repräsentieren zwar beachtliche 80 Prozent des Gesamtumsatzes auf dem Reisesektor. Doch immer mehr Konsumenten planen und buchen ihre Reisen selbst, unterstützt durch Info-Dienste und Direktbuchungsmöglichkeiten im Internet. Dieser Tendenz stellt Freiburghaus die Vorteile einer professionellen Beratung entgegen. Die Kampagne umfasst TV-Spots und Inserate in der ganzen Schweiz sowie diverse Begleitmassnahmen und natürlich auch Internet.
Medienpartner ist Travel Inside. Die Fachzeitschrift hat eine Umfrage zur neuen Kampagne lanciert und der Werbewoche Einsicht gewährt. Dabei zeigt es sich, dass die Reisebüros es wichtig finden, in die Offensive zu gehen, auch wenn die meist kleinen Unternehmen dafür höchstpersönlich in die Tasche greifen müssen. Pech sei, «dass die Kampagne selber zurzeit natürlich nicht das Hauptthema in der Branche ist», wie man beim Mitglied Media Touristik in Basel meint.
Viel zu reden gibt nämlich der Ausschluss von Swiss/Lufthansa aus der Kampagne. Dazu Walter Kunz, Geschäftsführer SRV: «Es war einfach nicht möglich, die im Leistungskatalog der Prioritätspartner enthaltenen Dienstleistungen an LX/ LH zu erbringen, ohne unsere Glaubwürdigkeit bei den Mitgliedern zu untergraben. Da ein Inseratestopp nicht mehr möglich war, haben einige Partner ihre Beträge erhöht, was ein klares Signal ist. Grundsätzlich haben aber die Kampagne und die Auseinandersetzung mit LX/LH nichts miteinander zu tun.» Andere Mitglieder glauben sogar, dass der «Kampf gegen die Swiss» den kleinen Reisebüros «einiges an Sympathien eingebracht hat».
Andreas Panzeri

Zanox kommt in die Schweiz

Das Online-Marketing-Unternehmen Zanox eröffnet in Zürich ein Büro. Damit expandiert die gemeinsame Tochter von Publigroupe und Axel Springer in die Schweiz. Zanox wird mit der Publicitas-Einheit Web2com eine strategische Partnerschaft eingehen.

 Das Online-Marketing-Unternehmen Zanox eröffnet in Zürich ein Büro. Damit expandiert die gemeinsame Tochter von Publigroupe und Axel Springer in die Schweiz. Zanox wird mit der Publicitas-Einheit Web2com eine strategische Partnerschaft eingehen und will so ganzheitliche Online-Lösungen anbieten. Die beiden Partner möchten Display Advertising und Performance Marketing, also Branding- und Verkaufs-Prozesse, miteinander verzahnen. Philipp Scheidegger, Head of Interactive bei Web2com, freut sich über die neue Zusammenarbeit, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Kunden könnten künftig im «One-Stop-Shop»-Prinzip Lösungen von Zanox und Web2com aus einer Hand beziehen. Schweizer Werbekunden hätten darüber hinaus die Möglichkeit, ihre Aktivitäten über das globale Netzwerk von Zanox zu internationalisieren. Das Zürcher Zanox-Büro wird geleitet von Torsten Trogisch, Regional Sales Manager AT/CH.

Swisscom KMU startet mit Erdmannpeisker

Die Bieler Agentur Erdmannpeisker übernimmt als Leadagentur für Swisscom KMU die Umsetzung des neuen Corporate Designs. Sie hat Image- und Produktbroschüren gestaltet.

Die Bieler Agentur Erdmannpeisker übernimmt als Leadagentur für Swisscom KMU die Umsetzung des neuen Corporate Designs. Das Erscheinungsbild wurde von der Agentur Moving Brands mit dem Anspruch auf vielfältige Einsatz- und Gestaltungsmöglichkeiten kreiert, heisst es in einer Mitteilung. Erdmannpeisker hat nun nebem einer Imagebroschüre in einem ersten Schritt auch vier Bereichsbroschüren sowie diverse Produktebroschüren und Preislisten konzipiert und umgesetzt. Die Resultate sollen den «frischen Wind» bei Swisscom sicht- und erlebbar machen. Von Erdmannpeisker ist bald auch eine Kampagne für das Telekomunternehmen zu erwarten. Verantwortlich bei Swisscom:
Guiseppe Luciano, Beatriz Fernandez. Verantwortlich bei Erdmannpeisker: Gabriel Peisker (Creative Director), Jörg Fassmann, Anna Kiefer (Art Direction), Lindo Ganarin, Cornelia Beutler (Text), Sybille Erdmann, Claudio Garovi (Beratung).

Punkten mit Mehrwerten

Elektronik Inhalt & Form zeigt, dass bei M-Electronics neben Geräten auch Dienstleistungen erhältlich sind.

 
Elektronik Inhalt & Form zeigt, dass bei M-Electronics neben Geräten auch Dienstleistungen erhältlich sind. 
 
Im Markt der Unterhaltungselektronik herrscht der Verdrängungswettbewerb. Interdiscount und Fust sind mittlerweile unter einem Dach vereint. Media-Markt hat sich innert 15 Jahren in der Schweiz eine Milliarde Umsatz pro Jahr gesichert. In diesem Umfeld steht M-Electronics «Tag für Tag in harter Konkurrenz», wie Jürg Meyer bei Inhalt & Form die Situation analysiert. Alle vier Fachmärkte bieten vergleichbare Angebote. Alle versuchen sich mit einer ähnlichen Preisstruktur zu unterbieten. Allerdings «genügt das dem Konsumenten nicht mehr», ist Meyer überzeugt. Zwar sei der Preis «ein ganz entscheidender Umsatztreiber. Der mündige Konsument von heute erwartet aber auch vermehrt Dienst- und Serviceleistungen.» Hier setzt die Strategie von Inhalt & Form an, weil «M-Electronics hier einiges zu bieten hat». Punkten will man mit dem Heimlieferservice, überdurchschnittlichen Garantieleistungen sowie einer eigenen Serviceorganisation und Dienstleistungen nach dem Kauf.Diese Dienstleistungsangebote thematisiert die neue Kampagne. Gestartet wird mit dem Thema «Gratis-Heimlieferung». Dramatisiert wird viel Situationskomik beim Transport eines grossen Fernsehers. Zwei weitere Image-TV-Spots, verbunden mit einem konkreten Angebot, werden folgen und sind jeweils von ganzseitigen Inseraten in Tageszeitungen begleitet.
 
 
Andreas Panzeri

Konkurrenz in der Nische

Online II Mit Swisster und World Radio Switzerland gibt es in der Romandie zwei englischsprachige Angebote, die sich in die Quere kommen könnten.

 
Online II Mit Swisster und World Radio Switzerland gibt es in der Romandie zwei englischsprachige Angebote, die sich in die Quere kommen könnten.  
Seit dem 5. November 2007 sendet das englischsprachige World Radio Geneva unter dem Namen World Radio Switzerland (WRS). Das vor elf Jahren gegründete WRS war ein Privatradio für die internationale Gemeinschaft in Genf. Nach unzähligen Querelen und Problemen übernahm Radio Suisse Romande einen substanziellen Aktienanteil und die Schirmherrschaft über WRS. Letztes Jahr wurde die bestehende Aktiengesellschaft, an der neben Radio Suisse Romande auch die BBC und Genfer Wirtschaftskreise beteiligt waren, definitiv aufgelöst. Die SRG übernahm die Aktivitäten des Radios mit dem Ziel, ein gesamtschweizerisches Angebot aufzubauen. WRS verfügt über ein Budget von 3,9 Millionen und hat ein Team von gesamthaft 20 Personen, darunter 14 Journalisten, einer davon ist als Korrespondent in Zürich tätig.WRS konnte zulegenWRS hat eine UKW-Konzession für das Genferseegebiet. Hier konnte das Radio gemäss Radiodirektor Philippe Mottaz seit dem letzten November seine Reichweite um 9’000 Hörer pro Tag steigern, der Besuch der Internetsite habe um 63 Prozent zugenommen. In den anderen Gebieten der Schweiz ist WRS hingegen gemäss Konzession nur über Kabel, Internet und – nach und nach – auch über DAB (digital audio broadcasting) zu empfangen. Wie Alfons Birrer vom Bakom erklärt, ist das englischsprachige Programm über DAB heute erst in der Westschweiz und in einigen Deutschschweizer Orten zu hören.
Die Konzession sieht eine Übergangsfrist bis November 08 vor, ab dann muss WRS in der ganzen Schweiz empfangen werden können. WRS ist also noch weit von seiner vollen Fahrtgeschwindigkeit entfernt. Ein weiteres Problem ist die Versorgung der Schweizer Haushalte mit den entsprechenden Empfangsgeräten, um die sich die Konsumenten bis anhin nicht gerade reissen. Birrer ist jedoch davon überzeugt, dass sich DAB «nach einer längeren Übergangsphase» durchsetzen werde.
Christophe Rasch, Chefredaktor der Edipresse-Online-Zeitung Swisster lässt durchblicken, dass er daran zweifelt. Das UKW-Radio im Genferseegebiet sei ok, aber an die nationalen Pläne via Kabel, Satellit oder DAB glaube er nicht und die Internetsite von WRS sei bisher wenig überzeugend. «WRS ist für uns keine Konkurrenz.» Philippe Mottaz kontert: «Es besteht ein Bedürfnis nach englischsprachigen Medien in der Schweiz. Dass sich Edipresse auf diesen Markt wagt, ist der Beweis dafür, dass wir richtig liegen.» Was Swisster betreffe, könne er nur sagen: «Que le meilleur gagne!»     
Helen Brügger

Kreativ keine Wüste mehr

Festivals In Dubai hat das erste International Advertising Festival stattgefunden. Es wurden Arbeiten aus den Bereichen Print, Outdoor, TV/Cinema, Media, Direct, Radio, Interactive und Integrated präsentiert.

 
Festivals In Dubai hat das erste International Advertising Festival stattgefunden. 
Der Mittlere Osten rückt näher. Neben den wachsenden Finanzmärkten, dem Immobilienmarkt und dem blühenden Tourismus entdeckt nun auch die Marketing- und Werbeindustrie die Bedeutung dieser Region. Dubai hat sich zum wirtschaftlichen Zentrum der Region entwickelt, und mit den verschiedenen Kulturen, Nationalitäten und Religionen bietet es  Möglichkeiten für jeden und für alles an.Das Potential ist gross, «sehr gross und noch lange nicht ausgeschöpft», meint Produzent Michael Kindermann, der am Festival als einziger Schweizer Delegierter teilgenommen hat. 
Dubai Lynx, das Advertising Festival in Dubai, ist vom Unternehmen Emap Media Limited ins Leben gerufen worden, das auch das Cannes Lions International Advertising Festival ausrichtet. Dubai Lynx konzentriert sich auf den Mittleren Osten und Nordafrika und präsentiert in einem hochprofessionellen Rahmen deren Kreativität auf dem Gebiet der  Werbung.
Es wurden Arbeiten aus den Bereichen Print, Outdoor, TV/Cinema, Media, Direct, Radio, Interactive und Integrated präsentiert. Nach einer jeweiligen Shortlist sind an der Schlussgala mit einem Dinner für 1550 Gäste die Gewinner und die Agentur des Jahres (JWT Dubai) ausgezeichnet worden. «Ein wunderschöner Abend, an dem man den Dresscode respektierte und sich ausgiebig von Herzen über seine Auszeichnung freute», schwärmt Kindermann.
Inhaltlich gab es Top-Arbeiten zu sehen. Arbeiten, bei denen man selbstverständlich die kulturellen Einflüsse spürte und den offenen Umgang mit internationalen Stilen erkannte. Auch hier gilt es natürlich, durch Originalität aufzufallen, und der Humor wird im arabischen Raum genauso gepflegt wie in Europa oder Amerika. «Ich habe mit vielen Kreativen, Marketingleuten und Filmemachern aus der Region sprechen können. Wir alle haben in diesen Tagen wieder einmal gelernt, dass die Welt näherrückt und die Bedürfnisse ähnlicher werden», erlebte der Inhaber von Snap Film.
Bereits beim Screening der TV- und Kinospots durften er und viele andere beim späteren Grand-Prix-Gewinner herzhaft lachen. «Die Spots für einen Musiksender aus Ägypten sind einfach perfekt und zeigen, wie gut sich verschiedene Kulturen vereinbaren lassen. Ich muss immer noch lachen, wenn ich die Spots ansehe …» Kindermann ist überzeugt: «Sicherlich wird diese Kampagne auch in Cannes ausgezeichnet werden.»
Auf der Website des Dubai International Advertising Festival
  sind alle Gewinner- und Shortlist-Arbeiten zu sehen.Besonders beeindruckend waren für den Delegierten der Schweiz das Seminar über die Marke Jumeirah und deren globale Marketing-Strategie sowie die Rede von Steve Harrison «How to build a creative culture». Ebenso die Lynx-Debatte mit Fady Chamaa (JWT Cairo), Ed Jones (Saatchi & Saatchi Dubai) und Walid Kanaan (Impact BBDO KSA) über das Thema, ob der Mittlere Osten auch mit einer kreativen Werbeindustrie dem allgemeinen Aufschwung folgen kann. Eine heisse Debatte, an der sich auch das Publikum rege beteiligte.
«Für mich als Europäer und global denkenden Menschen ist die Entwicklung im Mittleren Osten und besonders in Dubai einfach fantastisch und fordert mich als offen denkenden Unternehmer auf, in diesem Markt tätig zu sein, auch um die Trends, die Entwicklung und die Neuigkeiten für unsere Kunden im Heimatmarkt zum Vorteil machen zu können», ist Kindermann überzeugt.
Bereits seit über einem Jahr pflegt und intensiviert die Zürcher Snap Film Kontakte nach Dubai und dem Mittleren Osten. Dass man die französische Sprache perfekt spreche, habe natürlich in einigen Ländern auch «die schweren und doppelten Türen geöffnet». In dieser Zeit hat Snap Film bereits viel erfahren und erleben können. «Die Dienstleistungen aus der Schweiz finden grosses Interesse, und in den nächsten Monaten wollen wir diese Kontakte und unser Angebot weiter ausbauen.»
Bearbeitung: Andreas Panzeri

Werbewirksames Werbeverbot

Aufgefallen Minus mal minus ergibt plus. Das hat schon in der Mathematik funktioniert. Jetzt hat das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) das Gesetz auch für die Werbung adaptiert.

Bücher Minus mal minus ergibt plus. Das hat schon in der Mathematik funktioniert. Jetzt hat das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) das Gesetz auch für die Werbung adaptiert. Carla Del Ponte hat ein Buch über ihre Arbeit «Die Jagd – Ich und die Kriegsverbrecher» geschrieben. Das EDA hat ihr nun einen Maulkorb umgehängt. Die Ex-Chefanklägerin des Uno-Tribunals darf in ihrer Funktion als Schweizer Botschafterin keine Werbung für ihr Buch machen, weil es brisante Informationen enthält, die sie gemäss EDA als Privatperson macht. Das Departement fordert Del Ponte auch auf, Interviews und Artikel zum Buch jeweils einzeln mit Bern abzusprechen. Diese Minus-Politik ist nun in den Medien entsprechend negativ aufgenommen worden.
«10 vor 10» hat sich mit dem Verbot beschäftigt. In den Zeitungen werden flächendeckend Kommentare abgedruckt. Fazit: Das Werbeverbot müsste eigentlich mit dem Effie ausgezeichnet werden. (pan)

Do you speak franglais?

Online I Edipresse will mit Swisster die englischsprachige Bevölkerung der Schweiz ansprechen. Der Lausanner Verlag tritt damit in Konkurrenz zum englischsprachigen Radio der SRG, World Radio Switzerland.

 
Online I Edipresse will mit Swisster die englischsprachige Bevölkerung der Schweiz ansprechen. Der Lausanner Verlag tritt damit in Konkurrenz zum englischsprachigen Radio der SRG, World Radio Switzerland. 
«Die Idee ist einfach bestechend», sagt Christophe Rasch, Projektmanager und Chefredaktor des am 31. März gestarteten englischsprachigen Nachrichtendienstes «Swisster». Er verteilt damit Blumen an die eigene Adresse: Edipresse scheint tatsächlich eine neue Marktnische ausfindig gemacht zu haben. «Ein Fünftel bis ein Viertel der aktiven Bevölkerung der Westschweiz sind englischsprachig oder verwenden Englisch als Umgangssprache», freut sich Rasch auf ein Zielpublikum, das in den nächsten Jahren noch stark zunehmen werde. Denn die Westschweizer Kantone betreiben eine aktive Wirtschaftsförderung zur Ansiedlung internationaler Firmen.«Dieses Publikum liest keine lokalen Zeitungen, weil es keine lokalen Bindungen hat», diagnostiziert Rasch. Gemäss Abklärungen des Verlags handle es sich um ein hochgebildetes Publikum mit hoher Kaufkraft, das sich für die Fahrt zur Arbeit auf die öffentlichen Verkehrsmittel stütze und dort Gratiszeitungen lese, um sich mit der französischen Sprache vertraut zu machen. «Damit ist aber ihr Informationsbedarf nicht gedeckt, und da springen wir ein», so Rasch. Mit Swisster (ein Zusammenzug von «Swiss» und «Napster»), das sich an die auf rund 100’000 Personen geschätzte englischsprachige Gemeinschaft der Westschweiz richtet und fünfmal pro Woche Aktualitäten, Kommentare, Hintergrund und Dienstleistungen bringt. Swisster hat mit sechs Personen, davon vier Journalisten (zwei in Lausanne, eine in Genf und eine in Zürich) eine dem ehrgeizigen Projekt angemessene Redaktion.
Bereits bisher führte die Tribune de Genève eine englischsprachige Ecke. Edipresse habe aber schnell entdeckt, dass es eine eigene Redaktion brauche, um das Zielpublikum nachhaltig anzusprechen. Christophe Rasch: «Der Blickwinkel ist anders, die Interessenlage ist anders, die Aufarbeitung und die Gewichtung der Story müssen anders sein.» Zudem gebe es Themen, die hiesige Medien zu wenig behandelten, etwa Informationen in den Bereichen Forschung und Entwicklung oder Wirtschaft, alles Themen, die eine mobile Bevölkerung, die in internationalen Organisationen oder Spitzensektoren der Wirtschaft arbeite, sonst nirgends finde. «Ganz wichtig sind auch unsere Serviceleistungen: Tipps und Beratungen zu den Themen Gesundheit, Schulsystem oder Steuern.» Swisster arbeitet etwa mit Ärzten der Privatklinik Hirslanden zusammen, die auf eingesandte Fragen englisch antworten.
Edipresse hat sich die Mitarbeit verschiedener Partner gesichert, so der Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch oder der Lausanner ETH, die wissenschaftliche und technologische Inhalte beisteuert. Für die News stützt sich Swisster auf die beiden Edipresse-Regionalzeitungen Tribune de Genève und 24 Heures und arbeitet mit den beiden Neuenburger Zeitungen von Philippe Hersant zusammen, die Themen aus dem Gebiet des Jurabogens beisteuern – eine bemerkenswerte Zusammenarbeit zwischen Partnern, die sich im Printbereich als heftige Konkurrenten gegenüberstehen, oder zumindest so tun als ob. Die britische Times gehört ebenfalls zu den Partnern, mit denen Swisster inhaltlich zusammenarbeitet.
Das Business-Modell ist überraschend, denn die Online-Zeitung ist nicht ausschliesslich werbefinanziert. Sie hat einen Gratis- und einen Bezahlbereich. Im Gratisteil gibt es Themen, die älter sind als 48 Stunden, im Bezahlbereich die Tagesnews und die Dienstleistungen. Rasch setzt vor allem auf viele Kollektivabonnemente von Firmen (Abopreis 300 Franken pro Jahr), möglich ist aber auch ein Abonnement auf eine bestimmte Anzahl Zugriffe oder Artikelpakete. «Wir wollen sehr schnell auf nationaler Ebene aktiv werden», verspricht Rasch. Da locken «Deals» mit Deutschweizer Partnern, etwa mit dem Inside Switzerland Magazine in Zürich und vor allem die Erweiterung des Zielpublikums auf rund 350’000 Personen.
Edipresse hat im Bereich fremdsprachiger Online-Nachrichtendienste bereits Erfahrungen gesammelt, mit dem erwähnten «English corner» auf der Tribune de Genève-Website und mit einer russischen Ecke daselbst. Das Online-Magazin Nashagazeta beschäftigt zwei Personen und zieht pro Tag immerhin zwischen 400 und 500 Besuchende an. Nashagazeta-Chefin Nadia Sikorsky ist überzeugt: «Man liest uns nicht nur in Genf, sondern bis in französische Städte wie Lyon oder Evian.» Sikorsky will nicht ein russischsprachiges Gärtchen pflegen, «sondern aktiv zur Integration der hier ansässigen Russinnen und Russen beitragen.» Dazu gehöre, diese für Genf, aber auch die Genferinnen und Genfer für Russland zu interessieren: «Wir helfen, Vorurteile abzutragen.»
Helen Brügger

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