Online-Forschung Beim Forschungswettlauf bahnt sich das Finale an. Die Resultate der Anbieter werden aber unterschiedlich ausfallen.
Die Ankündigungen bei der Internetforschung jagen sich: Kaum hatte Nielsen Online mitgeteilt, man werde das Homepanel um das Fünffache aufstocken und auch ein Workpanel machen, zog Net Metrix, die Internetforschung von Mediapulse und Wemf, nach. Ihr Panel, bekannt unter dem Namen Net-Metrix-Tracking, messe mittlerweile ebenfalls und werde Mitte Juli erste Daten freigeben, liess man dort verlauten. Doch Vorsicht: Beides sind bloss Ankündigungen. Die Branche weiss: Insbesondere seitens Net Metrix gab es schon öfters Versprechen, die nicht eingehalten wurden.Klar ist aber: Es ist bereits ein Wettlauf zweier Forschungssysteme im Gang, die – falls sie funktionieren – auch zwei verschiedene Währungen aufweisen. Denn von der Anlage her werden die beiden Messansätze und das, was sie als Reichweite ausweisen, nicht miteinander vergleichbar sein.
Die Unterschiede sind vielfältig. Die verschiedenen Panelgrössen (Net Metrix: 3’000 Panelisten; Nielsen: 15’000 Panelisten) gehören dabei nicht einmal zu den wesentlichsten. Denn Net-Metrix-Tracking steht bekanntlich nicht isoliert da, sondern ist Teil eines ganzen Forschungssystems. Seine Ergebnisse werden mit jenen von Net-Metrix-Profile kombiniert, das wiederum auf etwa 15’000 bis 20’000 Online-Befragungen pro Halbjahr basiert. Damit dürften die Resultate dereinst eine ähnliche Tiefenschärfe aufweisen wie bei Nielsen.
Auch beim Messen der Internetnutzung zu Hause gehen beide Anbieter ähnlich vor: Die Panelisten müssen auf ihrem Heim-PC eine Mess-Software installieren, die die Daten sammelt und an eine Zentrale sendet. Beim Messen der Internetnutzung ausser Haus und am Arbeitsplatz unterscheiden sich die Methoden hingegen sehr. Nielsen verpflichtet die Panelisten, die Messsoftware auch auf Laptops und beim PC am Arbeitsplatz zu installieren. Ob dies auch bei Banken, Versicherungen und öffentlichen Verwaltungen möglich sein wird, ist fraglich. Für ein repräsentatives Nutzungsverhalten wäre dies aber unabdingbar. Jörg Dietz (Foto), Director Sales und Marketing bei Nielsen Schweiz, ist zuversichtlich. In andern Ländern wie Grossbritannien oder Italien habe es Nielsen auch geschafft. Net Metrix wählte einen andern Weg: Unterwegs oder am Arbeitsplatz sollten die Panelisten immer über ein bestimmtes Webportal ins Internet einsteigen. Offen ist, ob sie diesen Umweg auch jedes Mal in Kauf nehmen. Und ob die Arbeitgeber dies eher tolerieren. Zudem: Das Webportal misst nur die Nutzung jener Sites, die auch bei Net-Metrix-Audit teilnehmen. Andere Sites – etwa Google – werden bei der Ausser-Haus-Messung von Net Metrix nicht berücksichtigt.
Für Laien nachvollziehbarEin weiterer Unterschied: Die Forschungsanlage von Nielsen ist für Laien leichter nachvollziehbar als jene von Net Metrix, wo die Ergebnisse aus verschiedenen Messmethoden stammen (Net-Metrix-Audit, Profile-Befragung, Panel). Und die Währung von Nielsen ist international vergleichbar, jedenfalls mit jenen Ländern, in denen dasselbe Messsystem eingerichtet ist. Net Metrix dagegen liefert primär Marktdaten für die Schweiz.
Last but noch least: Bei Net Metrix hat die Branche über eine User Commission die Möglichkeit, Details zum Messverfahren zu erfahren. Eine solche Kommission gibt es derzeit bei Nielsen Schweiz nicht. Doch Dietz betont, dass Nielsen im Ausland, etwa in Italien, vergleichbaren Gremien ebenfalls Mitsprache ermögliche. Man sei zudem jederzeit bereit, Details seiner Messung offen zu legen.
Das sind nur einige wenige der zahlreichen Unterschiede. Offen ist, wie nun die Branche reagiert. Zwei wichtige Datenbezüger, die Online-Vermarkter Web2com und Adlink Media, nahmen erst zurückhaltend Stellung. Vanessa Marr, Forschungsleiterin bei Adlink Media und Mitglied der Forschungskommission von Net Metrix, wollte sich aktuell noch nicht auf einen Anbieter festlegen. Derzeit beziehe Adlink Media zwar Daten von Nielsen, doch werde man Net-Metrix-Tracking, sobald im Markt eingeführt, eingehend prüfen. Für Letzteres spreche die Transparenz, die Schweizer Lösung und dass es punkto Währung mit Net-Profile kompatibel sei. Nielsen hingegen bilde die Internetnutzung im internationalen Vergleich seit Jahren systematisch ab, sagt Marr.
Auch Ueli Weber, Leiter Electronic und Interactive bei PubliGroupe, wollte sich noch nicht festlegen. Er zieht zwar grundsätzlich Net Metrix vor, will aber noch die Unterschiede und die Preise vergleichen. «Die Zukunft wird zeigen, welche der beiden Währungen sich langfristig durchsetzen kann», fügt er an.
Markus Knöpfli