Award Beim Deutschen Dialogmarketing-Preis (ddp) in Berlin gab es keine einzige Medaille für die Schweiz.
Gelbe Karte für die Schweizer Agenturen: Beim Deutschen Dialogmarketing-Preis 2008 gab es nicht nur keine Medaille, sondern auch Kritik an der Passivität der Helveten. «Wir sind enttäuscht über den Response unserer internationalen Ausschreibung», sagte Michael Koch, Jurypräsident des Deutschen Dialogmarketing-Preises (ddp) und Geschäftsführer bei OgilvyOne Worldwide in Frankfurt. Dem Vorsitzenden ist die mangelnde Teilnahme der Schweizer an einem der renommiertesten Dialog-Wettbewerbe Europas «völlig schleierhaft». «Aus Österreich», so Koch, «gab es Beschwerden über 1’000 Euro, die zusätzlich fällig werden, wenn eine Kampagne entweder eine Medaille bekommt oder ausgezeichnet wird.» Aber das sei ein Unkostenbeitrag, der für eine aktuelle Buchveröffentlichung fällig werde.
Weil von den Schweizer und den österreichischen Dialogagenturen nur wenig Post an die Jury des Deutschen Dialogmarketing Verbandes (DDV) gelangte, gab es auch nicht viel auszuzeichnen. Andere Kategorien wie «Kundenbindung», «Mailing» oder «Digitale Medien» feierten zwei Goldmedaillen. Dagegen blieb die internationale Rubrik «D-A-CH» ohne Goldgewinner.
Negativrekord«Wir sind traurig, dass aus der Schweiz und aus Österreich nur 21 Kampagnen eingereicht wurden», beschrieb DDV-Präsident Dieter Weng den absoluten Negativrekord.
Nichts desto trotz war es die Wiener Agentur PKP proximity, die mit Silber («How oh») und Bronze («smartam Zug!») für den Kunden ÖBB-Personenverkehr AG in der internationalen Kategorie punkten konnte. Zwei Agenturen aus der Schweiz fielen immerhin mit je einer Auszeichnung positiv auf und schafften es auf die Shortlist.
Belobigt wurde von der Jury die Agentur am Flughafen AG, die für den Textilverband Schweiz ein mehrstufiges Mailing konzipierte. Ziel war es, qualifizierten Nachwuchs für die Textilindustrie zu akquirieren. Dies erfolgte über eine gezielte Ansprache und Informationen an Lehrer der Oberstufe. Die Jury fand Ansatz und Ausführung gut, zumal die Response-Quote für die Dialog-Aktion bei 1’200 Aussendungen 15 Prozent betrug.
Ebenfalls berücksichtigte die Jury die Arbeit von Publicis Dialog für den Kunden Hewlett-Packard Schweiz. Unter dem Titel «HP Lupen-Mailing» ging es darum, Schweizer Kunden für effiziente Druckerlösungen aus dem Haus HP zu sensibilisieren. Publicis entwickelte eine ansprechende Box, in der ein winziges Anschreiben war, das man nur mit der beigefügten Lupe lesen konnte: «Sparen Sie im Kleinen…» Auch in diesem Fall erkannten die Juroren den Response-Erfolg der Aktion an. Innerhalb von zehn Tagen hatten sich 28 Präsentationstermine vor Ort ergeben.
Die Teilnehmerzahl aus Österreich und der Schweiz für die internationale Kategorie DACH hat sich in den vergangenen vier Jahren mehr als halbiert. Noch 2005 reichten 56 Agenturen für diese Sparte beim ddp ein. Damals gewann Lowe Direct Bronze. Im Jahre 2006 holte sich OgilvyOne Silber, und im vergangenen Jahr gab es ebenfalls Bronze für die Schweizer Werbeagentur Fisch.Meier.Direkt/Publicis und ihre Arbeit für Saab.
Teilnehmer sensibilisierenDDV-Präsident Weng und ddp-Juryvorstand Koch wollen nun mit Schwerpunktaktionen und im persönlichen Kontakt die Schweizer und österreichischen Dialogagenturen für den ddp sensibilisieren. «Der Deutsche Dialogmarketing Verband ist heute der grösste nationale Zusammenschluss von Dialogmarketing-Unternehmen in Europa und einer der Spitzenverbände der Kommunikationswirtschaft. Wir sind offen für Kooperationen», sagte Weng. «Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen, zumal das Dialogmarketing zunehmend an Bedeutung gewinnt.»
Diesen Trend bestätigen die deutschen Dialogagenturen. Diesmal beteiligten sich mit 126 Unternehmen so viele Agenturen wie nie zuvor. Insgesamt 628 Arbeiten standen zur Bewertung (2006 waren es 728). Mit der Vergabe von 15 Gold-, 14 Silber- und 21 Bronze-Trophäen sowie 46 Auszeichnungen (Shortlist) zeige der aktuelle Jahrgang, so Juryvorsitzender Koch, «eine sehr hohe Qualität. Bei weniger Einreichungen haben wir im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr Gold verliehen.»
Den Titel «Beste Dialogagentur» konnte OgilvyOne Worldwide verteidigen. Die Kreativen erzielten insgesamt 62 Punkte und distanzierten ihre Verfolger Heye, 121 (27 Punkte) und DDB Germany (21) um Längen.
Doch den grössten Applaus des Abends kassierte nicht Dauersieger OgilvyOne, sondern DDB Germany. Die Dialogagentur mit Sitz in Hamburg und Berlin gewann den Grand Prix «Best in Show» für die bereits mehrfach ausgezeichnete Volkswagen-Kampagne mit dem kauzigen Lokaljournalisten Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling. «Keine Kampagne zeigt eindrucksvoller, wie sich das Dialogmarketing durch die digitalen Medien verändert hat und welche Möglichkeiten sich hier bieten», begründete Michael Koch die Entscheidung für Horst Schlämmer.
Über den Kundenpreis «Eddi», der bereits zum 15. Mal vergeben wurde, freute sich Procter & Gamble. Die Goldmedaille beim Junior Creative Award gewann Leo Burnett Frankfurt. Alle beim ddp 2008 ausgezeichneten Kampagnen und Arbeiten erscheinen im ddp-Jahrbuch, das im Mai im Bonner Varus-Verlag zum Preis von 50 Euro erscheint.
Peter Ehm, München
Mitgliederschwund gestopptAn der DDV-Mitgliederversammlung
, die vor der Gala-Veranstaltung ebenfalls in Berlin stattfand, wurde Präsident Dieter Weng mit grosser Mehrheit für die kommenden drei Jahre wiedergewählt. Der ehemalige Reemtsma-Vorstand hatte den Verband aus einem wirtschaftlichen und medialen Tief geholt. Der seit 2002 anhaltende Mitgliederschwund konnte im vergangenen Jahr gestoppt werden. Der Verband zählt derzeit 754 Mitglieder, allein seit Jahresbeginn kamen 15 Unternehmen und Agenturen neu hinzu. Auf seiner Versammlung beschloss der DDV ausserdem eine Namensänderung: Der Deutsche Direktmarketing Verband heisst nun Deutscher Dialogmarketing Verband. (pe)