Im Dienst von Mensch und Natur

Landwirtschaft Exxtra Kommunikation lanciert eine Kampagne für das neue Label TerraSuisse der Migros. Entspannende Orientierungshilfe für Verwirrte.

 
Landwirtschaft Exxtra Kommunikation lanciert eine Kampagne für das neue Label TerraSuisse der Migros. 
Der Trend zu naturnah produzierten Lebensmitteln ist unübersehbar. Bei Coop heisst diese Entwicklung «Naturafarm». Bei der Migros dürfen wir uns unter dem Label «TerraSuisse» am Segen aus einer tiergerechten und naturnahen Schweizer Landwirtschaft erfreuen. Das neue Label steht für Schweizer Qualität, für Genuss und für eine reiche Pflanzen- und Tierwelt in unserem Land. 
Garantiert naturnahTerraSuisse ersetzt bei der Migros die bisherigen Labels IP-Suisse und M7. Damit wird das Sortiment übersichtlicher und der Verkauf einfacher. Das neue Label hat jedoch nicht nur für das Verkaufspersonal Vorteile, sondern auch für die Bauern und Bäuerinnen. TerraSuisse garantiert eine naturnahe Schweizer Landwirtschaft. Und vor diesem Hintergrund setzt auch die soeben lancierte Kampagne von Exxtra Kommunikation ein.
Die Sujets für das neue Migros-Label zeigen heimische Tiere und Pflanzen beim Relaxen. «Die Einfachheit und Klarheit der Kampagnenbotschaft sollen aber auch die Konsumenten entspannen», meint CD Dieter Hofmann. Sich über den Nutzen eines Labels klar zu werden, «kann nämlich ganz schön anstrengend sein», wissen die Kreativen bei Exxtra. Der Grund: Das Konsumentenbedürfnis nach sozial und ökologisch verträglichen Produkten ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Entsprechend gross präsentiert sich das mit verschiedenen Labels gekennzeichnete Angebot, das den einen oder anderen Dienst an Umwelt, Mensch oder Tier verspricht. «Eigentlich sollten die Labels ja Orientierung bieten – ihre Vielfalt und die teilweise unklare Abgrenzung voneinander stiften zuweilen aber mehr Verwirrung.» TerraSuisse will deshalb mit anderen Labels innerhalb der Migros aufräumen und unter dem Dachprogramm «Engagement» alles Naturnahe mit TerraSuisse zusammenfassen.
Schutz der LebensräumeDamit der Nutzen des neuen Labels auch bekannt wird, hat Exxtra Kommunikation eine breit gefächerte, starke Kampagne lanciert, die seit Mitte April auf Plakaten, Print, am POP sowie in Promotionsaktivitäten zu sehen ist. Die Sujets zeigen Mauswiesel, Feldlerche und gelbes Windröschen, wie sie in schon fast menschlich anmutenden Posen Entspannung demonstrieren. Der Kauf von TerraSuisse-gelabelten Produkten dient demnach dem Schutz von natürlichen Lebensräumen heimischer Tiere und Pflanzen.
Was genau dahintersteckt, präsentiert sich dem Interessierten natürlich weitaus komplexer: von landwirtschaftlicher und biologischer Diversität ist etwa die Rede und von einem ganzen Katalog an Massnahmen, welche naturnahe Landwirtschaftsbetriebe ergreifen müssen. Deutlich sollte dabei aber jedem werden: Was die Migros mit TerraSuisse verfolgt, ist Naturschutz. Und zwar nicht im fernen Ausland, sondern vor der eigenen Haustür. Das neue Konzept dürfte viele Schweizer mit ökologischem Bewusstsein ansprechen. Diese Zielgruppe soll mit einer klaren Imageprofilierung mit dem neuen Label vertraut gemacht werden. Dazu wollen die relaxten Tiere natürlich auch den Absatz der neu gelabelten Produkte von Kartoffeln über Fleisch und Getreide bis hin zu Rapsöl fördern.
Andreas Panzeri

Altlast als Quelle des Neuen

Magazine L’Hebdo wirft die traditionellen Rubriken über Bord: Am 30. April startet das Newsmagazin mit neuem Layout und, neuen Inhalten.

 
Magazine L’Hebdo wirft die traditionellen Rubriken über Bord: Am 30. April startet das Newsmagazin mit neuem Layout und, neuen Inhalten. 
Der «Hebdo-DNS», dem «Erbgut» aus den achtziger Jahren, will das nach dem Tod von Facts schweizweit einzig verbleibende Nachrichtenmagazin allerdings treu bleiben. L’Hebdo ist ein Monument. Gegründet 1981 vom heutigen Ringier-Berater und Kolumnisten Jacques Pilet, segelte das erste Newsmagazin der Romandie im frischen Wind der Westschweizer Europaeuphorie. «Tut dem Kopf gut», war der freche Werbespruch zu einer Zeit, als die Zeitungen noch brav waren und die Politik noch institutionell. L’Hebdo war kritisch, weltoffen, fortschritts- und wirtschaftsgläubig – und vor allem europäisch. Das soll auch weiterhin so bleiben, versichert Chefredaktor Alain Jeannet. Doch ansonsten ist es ein echter Relaunch, den Jeannet und der von Ringier als externer Berater in die Westschweiz entsandte Ex-Blick-Chefredaktor Werner de Schepper zurzeit in der Redaktion am Lausanner Pont Bessières vorbereiten.Wider die Informationsflut «Die Leute sind von der Informationsflut überfordert und haben zu wenig Zeit», analysiert Jeannet. Das sei die Ausgangsthese für die redaktionellen und graphischen Neuerungen im Heft. L’Hebdo helfe den Lesern nicht nur, die wesentlichen Informationen zu erhalten, sondern auch, sich in der Informationsflut zurechtzufinden, sie zu positionieren und dem Weltgeschehen einen Sinn zu geben. Aus diesem Grund baue das Heft auf drei völlig neuen Bereichen auf: «Actuels», «Mieux comprendre» und «Passions». In diesen drei Bereichen werden die traditionellen Rubriken zusammengefasst. Die aktuelle Info aus Schweiz, Welt, Wirtschaft und Kultur findet man in «Actuels», die vertiefende, didaktisch aufbereitete Hintergrundinformation sowie Meinungen, Debatten und Polemiken in «Mieux comprendre», schliesslich engagierte Kulturkritik und leidenschaftlichen Lifestyle in «Passions».
Viel Hoffnung setzt Alain Jeannet auf die von der englischen Wochenzeitung «The Week» inspirierte Rubrik «Affaires à suivre», in der die Fakten begleitet werden von Kommentaren aus anderen Zeitungen und einer prospektiven Analyse der Redaktion. Die Graphik setze auf klare Linien und edle Erscheinung – extra zu diesem Zweck haben zwei junge Lausanner Typografen, Maxime Buechi und Ian Party, eine neue Druckschrift entworfen, die «L’Hebdo». Bei so vielen Neuheiten sollen jedoch die «positiven Grundwerte» des Magazins, die «Hebdo-DNS», so Alain Jeannet, weiterhin gepflegt werden. Auch Werner de Schepper hat sich mit dieser «Erbmasse» auseinandergesetzt: «Zurück zu den Quellen, zu den Ursprüngen ist das Ziel», sagt er.
Erfolgsfaktor «Erbmasse»Was aber ist diese «Hebdo-DNS»? Um die Frage zu beantworten, braucht es einen kurzen Blick zurück in die Gründerjahre des Magazins. Im Jahr 1981 lancierte Verleger Ringier gleichzeitig Die Woche und L’Hebdo. Während Die Woche nach einem Jahr bereits wieder eingestellt wurde, konnte sich das Westschweizer Magazin durchsetzen (siehe Kasten). Mit wechselndem Erfolg zwar, aber immerhin mit dem Erfolg, dass es heute das einzige verbleibende Newsmagazin der Schweiz ist, nachdem sowohl Facts wie auch Cash im vergangenen Jahr eingestellt worden sind. Dazu beigetragen hat sicher die entspannte Konkurrenzsituation: In der Romandie gibt es keine Sonntagspresse wie in der deutschen Schweiz. Der einzige Sonntagstitel, Le Matin Dimanche, richtet sich an ein breites Publikum. Edipresse positioniert ihn so, dass er L’Hebdo nicht konkurrenziert – schliesslich sitzen die beiden Verleger ja bei Le Temps miteinander im gleichen Boot.
Zum Erfolg beigetragen hat aber auch die «Erbmasse». Werner de Scheppers definiert sie so: «L’Hebdo hat Profil, Meinungen und eine politische Identität, man liest das Magazin, weil man weiss, wo es steht.» Unvergesslich sind etwa die Tiraden des Heftes gegen die «Arroganz der Zürcher» mit ihrem «Unique Airport», unvergesslich das Engagement des Magazins im mausarmen Pariser Vorort Bondy und das Experiment in Sachen Bürgerjournalismus mit dem Bondy-Blog. Unvergesslich auch das Anti-Blocher-Edito der früheren Chefredaktorin Ariane Dayer, in dem sie die SVP mit einer Epidemie verglich und dafür eine Klage der SVP einheimste.
Der Anti-Blocher-Kurs hat dem Magazin denn auch letzten Herbst eine gehörige Schelte der Weltwoche eingetragen: L’Hebdo sei nachgerade der einzige Titel der Romandie, der das Genie von Christoph Blocher noch nicht verstanden und seine verbissene, sture und veraltete Anti-Blocher-Haltung noch nicht über Bord geworfen habe. Der Ratschlag der lieben Kollegen ennet der Saane für L’Hebdo: Es sei Zeit, die «Pilet’sche Altlast» über Bord zu werfen. «Ich habe Blochers Genie noch immer nicht verstanden», versichert Alain Jeannet. An der Altlast werde man festhalten: «Blocher ist nicht gut für die Wirtschaft, Blocher ist nicht gut für die Schweiz, Blocher tut dem Kopf nicht gut.»
Helen Brügger
Monument L’Hebdo1981 gegründet, konnte L’Hebdo schon zwei Jahre später
über 10’000 Exemplare verkaufen. Mitte der neunziger Jahre waren es gegen 60’000 Exemplare. Der Erfolg geht auf das Konto des ersten Chefredaktors Jacques Pilet, der aus dem Magazin ein Kampfblatt für die Westschweizer Elite machte, das Sprachrohr einer wirtschaftlichen und kulturellen Minderheit. Unablässig spitzte er seine Feder für die Romandie, für Europa, und wenn nötig auch gegen die deutsche Schweiz. Zum andern verdankt L’Hebdo seine anfänglichen Erfolge der Abwesenheit von Konkurrenz: Die Tageszeitungen waren mit wenigen Ausnahmen noch im Kantönligeist verhaftet, den L’Hebdo stets verspottete. Eine Konkurrenz von links wie etwa die Wochenzeitung in der deutschen Schweiz war inexistent. Den Boulevardbereich deckte Ringiers L’Illustré ab, ohne dabei L’Hebdo in die Quere zu kommen.Diese Erfolgsstory
erfuhr in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre eine Zäsur. Le Temps wurde aus der Taufe gehoben, die erste überregionale Qualitätszeitung in der Romandie und auch praktisch die erste Zeitung, die Aktualität mit Hintergrund kombinierte. Das Newsmagazin tat sich schwer mit der neuen Konkurrenz. Es liebäugelte mit Beliebigkeit und Kommerz, die Auflage erodierte Jahr für Jahr bis unter 44’000. Erst 2007 schrieb L’Hebdo nach mehrjähriger Durststrecke wieder schwarze Zahlen, die Auflage stieg auf 48’450 Exemplare und Chefredaktor Alain Jeannet macht eine «neue Glaubwürdigkeit bei Meinungsmachern und Entscheidungsträgern» aus. Als eine der heutigen redaktionellen Prioritäten bezeichnet er Umwelttechnologien und nachhaltige Entwicklung. (hb)

Durch und durch gesundes Wachstum

Die Beteiligungsgesellschaft BB Medtech investiert in prägnante Werbung von Ruf Lanz.

 
Finanzmarkt Die Beteiligungsgesellschaft BB Medtech investiert in prägnante Werbung von Ruf Lanz. 
Werbung für Banken, Technik und Finanzgesellschaften muss nicht immer technokratisch daherkommen. Es darf immer häufiger auch kreativ sein. Bereits im letzten Winter hat die Werbewoche über eine Print-Kampagne von Ruf Lanz für ihren Neukunden BB Biotech geschrieben. Die verantwortliche Vermögensverwaltung hinter BB Biotech ist die Bellevue Asset Management AG in Küsnacht, die gemeinsam mit der Bank am Bellevue zur Bellevue Group AG gehört.Nun wurde Ruf Lanz auch mit der Kampagne für die Beteiligungsgesellschaft BB Medtech beauftragt. BB Medtech beteiligt sich fokussiert an den erfolgreichsten und am Erfolg versprechendsten Unternehmen im Wachstumsmarkt Medizinaltechnologie. Ein Team von Ärzten, Wissenschaftern und Finanzspezialisten bereitet aufgrund fundamentaler Analyse die Anlage-Entscheide vor.
Die Medizinaltechnikbranche wächst mit gut 10 Prozent pro Jahr. Die Anzahl Menschen, die über 65 Jahre alt sind, steigt um rund 1 Million pro Monat. Mit der steigenden Lebenserwartung erhöht sich die Nachfrage für die medizinische Versorgung. Neue innovative Produkte und Technologien treiben die Entwicklung in der Medizin voran: Krankheiten sollen schneller erkannt werden und deren Behandlung soll effektiver sein. Aufgrund dieser Tatsachen bietet die Medizinaltechnik langfristig interessante Anlageperspektiven. Seit 1. Januar 2000 hat BB Medtech eine Kurs-Performance von +157 Prozent erzielt.
Ruf Lanz hat es – wie schon in der Kampagne für BB Biotech – verstanden, das komplexe Thema überraschend und intelligent auf den Punkt zu bringen. Potenzielle Investoren werden vorläufig mit zwei grossformatigen Inseratensujets angesprochen: Das Sujet «Kinderzeichnung» zeigt die zukünftig noch erhöhte Nachfrage nach Produkten der Medizinaltechnikbranche, weil die Menschen immer älter werden. Das Sujet «Hörgeräte» dramatisiert die Performance, ohne die üblichen Kursverläufe zu zeigen. Die Anzeigen sind in Wirtschaftstiteln in der Schweiz und in Deutschland zu sehen.
Andreas Panzeri

Italo-Nielsen

Internet Audiweb, ein von den italienischen Medienverbänden getragenes Unternehmen, das die nationale Internetnutzung erhebt, kooperiert mit Nielsen online. Nielsen wurde damit beauftragt, ein Panel für die Online-ReichweitenMessung zu erstellen.

 
Internet Audiweb, ein von den italienischen Medienverbänden getragenes Unternehmen, das die nationale Internetnutzung erhebt, kooperiert mit Nielsen online. Nielsen wurde damit beauftragt, ein Panel für die Online-ReichweitenMessung zu erstellen. Es kommen auch site-basierte Messdienste zum Einsatz und es soll auch ein Planungstool für die Auswertung und Anwendung der Daten bereitstehen. «In einer Branche, die zuverlässige Messungen für Umsatzwachstum benötigt, können Nielsen und Audiweb nun eine Lösung anbieten, die den Markt mit den nötigen Daten und Werkzeugen versorgt», sagt Enrico Gasperini, Präsident von Audiweb. (mk)

«Die IGEM hat sehr viel erreicht»

Zehn Jahre IGEM Stephan Küng zieht als Präsident der Interessengemeinschaft elektronische Medien zum Zehnjahrjubiläum Bilanz.

 
Zehn Jahre IGEM Stephan Küng zieht als Präsident der Interessengemeinschaft elektronische Medien zum Zehnjahrjubiläum Bilanz. 
WW: Herr Küng, die Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Können Sie bitte eine Kurzbilanz ziehen über zehn Jahre IGEM. Was haben Sie gut gemacht, was wollen Sie verbessern oder erneuern?Die IGEM wurde vor zehn Jahren ursprünglich auf Initiative hin der Vermarkter der Schweizer Werbefenster initiiert. Mit dem Ziel für Transparenz und Mitspracherecht in Bezug auf Forschungsdaten zu sorgen. Insbesondere, weil damals der Forschungsdienst der SRG ein Forschungsmonopol innehatte. Die SRG gründete dann ja die Publica Data, welche die Forschungsdaten an die Privaten vermarktete. Die Publisuisse dagegen als SRG-eigene Vermarkterin hatte direkten Zugriff auf die Daten, musste sie also nicht einkaufen wie die anderen Marktteilnehmer, und hatte dadurch einen Vorteil. Die Idee der IGEM war aber, dass die Publisuisse eingebunden wird. Es war auch von Anfang an im Februar 1998 ein Vorstandssitz für die Publisuisse reserviert.
Wie wurde dann die Publisuisse tatsächlich eingebunden?Es war vom Markt her klar, dass die Situation verbessert werden musste. Unter Ingrid Deltenre erkannte die Publisuisse dann auch, was der Markt wollte, und ist der IGEM beigetreten.
Man hat sich der Gattung zuliebe gefunden?Ja. Und man kann sagen, wenn man auf das Fazit zurückkommen will. Die IGEM hat sehr viel erreicht, wir haben aber auch künftig noch Aufgaben zu machen.
Konkret, was hat die IGEM in diesen zehn Jahren erreicht?Beispielsweise in Bezug auf TV-Tools hat die IGEM erreicht, dass der Markt ein anbieterübergreifendes TV-Planungstool erhalten hat. Das gab es vor der IGEM nicht. Hanna Kaminski vom Drei-Media-Team hatte selber ein Tool konzipiert und in einer IGEM-Arbeitsgruppe vorgestellt. Erst diese Initiative hat dazu geführt, dass die Publisuisse die Notwendigkeit erkannte und ihren Media-Optimizer entwickelte. Als zweiter Erfolg darf sicher die seit Jahren von uns mitfinanzierte Komm-Tech-Studie genannt werden, welche jeweils im Media Trend Journal publiziert wird. Diese wird in Zusammenarbeit mit der Publica Data erstellt und kann als einzige Studie der Schweiz bezeichnet werden, welche die Nutzung der neuen Technologien erforscht. Ebenfalls in der Erfolgsbilanz auftauchen muss die Ausbildung. Das ist ein weiterer wesentlicher Punkt, den die IGEM intensiv verfolgt. Wir führen auf der einen Seite regelmässig Informationsveranstaltungen durch und vertiefte Seminare zu unterschiedlichen Themen der elektronischen Medien.
Sie sprechen die IGEM-Academy an, die es seit rund zwei Jahren gibt. Was bietet diese und wie wird sie genutzt?Wir haben in den letzten zwei Jahren die Seminare «Digitalisierung zum Anfassen» durchgeführt, welche sehr gut besucht waren, weil man nicht nur trockene Theorie vorgesetzt bekam, sondern die neuen digitalen Medien wirklich erleben konnte. Dies vor dem Hintergrund, dass derart viele Schlagwörter herumgeistern und niemand mehr genau wusste, was das alles bedeutet. Stichworte: HDTV, DAB-Radio etc. Weiter gab es bei der IGEM im letzten Jahr die Seminarreihe «E-Planungstools», welche den Teilnehmern einen vertieften Einblick gab in die Tools – und zwar nicht als Anwenderkurs im Sinne von wie bediene ich das Tool, sondern stärker aus der Sicht, was steckt dahinter. Und erst kürzlich wurde der Kurs «Interaktive Kommunikation» durchgeführt. Das ist ein Basiskurs, um einen Überblick über die Möglichkeiten und Technologien der neuen Medien zu erhalten.
Es gibt Media-Agenturen, die in Rückstand geraten sind bezüglich Kompetenz zu den neuen Medien. Da bedrängen neue Agenturen aus der technologischen Ecke oder auch von Anbieterseite traditionelle Agenturen, sehen Sie das auch so?Das war sicher in der Vergangenheit so, ist aber auch erklärbar: Die Volumina waren klein. So klein, dass damit die bestehenden Agenturen ihre Ressourcen schlicht nicht finanzieren konnten. Das hat natürlich dazu geführt, dass innerhalb dieser neuen Medien eine Vermittlerstruktur entstanden ist. Und man muss diesen Vermittlern danke sagen, dass sie das gemacht haben.
Wie geht es nun mit der Academy weiter?Es sind weitere Seminare geplant und wir richten uns immer auch nach den Bedürfnissen des Marktes. Zudem haben wir verstärkten Kontakt mit anderen Verbänden wie BSW und SWA, um allenfalls gemeinsam aktiv die Ausbildung anzugehen beziehungsweise weiterzuführen.
Und die Auftraggeber fragen die neuen Medien ja auch vermehrt nach.Das ist so, das kann ich aus meiner Tätigkeit als Agenturleiter sagen. Es gibt kaum mehr Strategien oder Aufgabenstellungen, die ohne den Einbezug neuer Medien auskommen.
Kommt man da eigentlich auch mal in Konflikt mit Print, dass man als IGEM-Mitglied vermehrt elektronische Medien pusht?Überhaupt nicht. Ich bin ja beispielsweise auch sehr aktiv im Bereich Plakatforschung und pflege den Kontakt mit der Wemf. Es bedeutet also überhaupt nicht, dass ich jetzt elektronische Medien bevorzugen würde. Die Entwicklung zeigt, dass Print grundsätzlich unter Druck ist, das liegt aber natürlich nicht an Aktivitäten der IGEM, sondern hat mit der Entwicklung des Medienkonsums, aber auch mit dem dadurch veränderten Preis-Leistungs-Verhältnis zu tun.
Werden wir ein wenig politisch. Die IGEM lehnt gemäss Statuten inhaltliche und zeitliche Beschränkungen für die Bewerbung von frei gehandelten Produkten und Dienstleistungen in TV, Radio, Kino und Internet ab. Lehnen Sie nur ab oder tun Sie auch etwas gegen solche Beschränkungen?Wir setzen uns für liberale Werbemöglichkeiten ein. Das ist eines unserer zentralen Anliegen. Die IGEM war Mitglied der Allianz gegen Werbeverbote, die ja leider aufgelöst wurde. Aber wir engagieren uns aktiv in einer Neuorganisation über die verschiedenen Verbände zu diesem Thema. Wir haben uns beispielsweise sehr stark in die Debatte zum neuen RTVG eingesetzt…
Was heisst «stark eingesetzt» konkret?Wir haben – neben den normalen Stellungnahmen zu Vernehmlassungen – den Kontakt zu den Politikern gesucht, was zwar teilweise sehr ernüchternd war.
Weshalb?Ernüchternd war zu erfahren, wie die Politik Gesetzgebungen angeht, ohne am Markt zu sein.
Wie sind Sie denn mit dem Resultat zufrieden?Sagen wir es so: Alle können irgendwie mit dem Resultat leben, und keiner ist richtig glücklich damit.
Interview: Urs Schnider
Das vollständige Interview erscheint in der Mai-Ausgabe des Media Trend Journal.
Stephan KüngStephan Küng (41) ist CEO
der Initiative Media Schweiz und seit einem Jahr Präsident der IGEM, der Interessengemeinschaft elektronische Medien. Küng ist verheiratet und Vater dreier Töchter.Die IGEM in KürzeStarke Mitglieder
In der IGEM sind alle relevanten Geschäftspartner im Bereich der elektronischen Medien vertreten. Dazu gehören:
– Mediaagenturen
– Vermarkter der SRG/SSR-Programme
– Vermarkter von Werbefenstern in ausländischen TV-Programmen
– private Schweizer TV-Veranstalter
– private Schweizer Radioveranstalter bzw. Werbepools
– Vermittler von Radio- und Fernsehwerbezeit
– Kinovermarkter
– Internetvermittler und -vermarkter
– Marktforschungsfirmen
Das aktuelle Mitgliederverzeichnis ist auf http://www.igem.ch zu finden.
Starkes Engagement
– Die IGEM setzt sich für vielfältige und liberale Möglichkeiten der kommerziellen Kommunikation in den elektronischen und interaktiven Medien ein. Sie unterstützt alle Projekte und Werbeplattformen, welche im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften zur Vielfalt der elektronischen Medienlandschaft beitragen.
– Die IGEM setzt sich für Qualität und Transparenz von Daten zum Verhalten von Nutzern elektronischer und interaktiver Medien ein und fördert deren Erhebung, Beschaffung und Verwertung. Sie hat Ziele formuliert, wie sich die Nutzungsforschung entwickeln soll.
– Die IGEM beschafft Informationen über die Entwicklung der Kommunikationstechnologie und ihre Auswirkungen auf die kommerzielle Kommunikation und stellt sie ihren Mitgliedern zur Verfügung.
– Die IGEM unterstützt die Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten, lehnt aber inhaltliche und zeitliche Restriktionen sowie formale Einschränkungen bezüglich Gestaltung und Anordnung von Werbung für frei gehandelte Produkte und Dienstleistungen ab.
Starke Erfolgsbilanz
– Der Mitgliederbestand hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 1998 verdoppelt.
– Die angestrebte neutrale Trägerschaft für die Durchführung der Nutzungsforschung wurde 2007 mit dem neuen RTVG Tatsache.
– Die angestrebte Liberalisierung der Werberegelungen in Radio und TV wurde (allerdings nur teilweise) erreicht.
– Mit der seit 2005 jährlich durchgeführten Kommtech-Studie wurde ein wichtiges Instrument geschaffen, das die Digitalisierung der Kommunikations- und Unterhaltungstechnologie dokumentiert.
– Den Mitgliedern steht auf der Website eine Sammlung von Werbewirkungsstudien zur Verfügung.

Zu guter Letzt: Kleine Gemeinheiten unter Freunden

Lauterkeit in der Werbung führt zu einem Schweigen zwischen den Produkten. Eigentlich schade, wie ein kleiner Schlagabtausch zwischen vier Automarken zeigt.

 
Lauterkeit in der Werbung führt zu einem Schweigen zwischen den Produkten. Die Konkurrenz wird mit vollkommenster Nichtbeachtung gestraft, man findet kaum Bezüge zu Nebenbuhlern, kein Vergleich. Eigentlich schade, wie der kleine Schlagabtausch unter folgendem Link zeigt. Kleine Gemeinheiten unter Freunden wirken ganz offensichtlich belebend.

Kraft des Willens 

Sport Wirz macht klar: Ochsner-Sport bleibt auch an der Euro 08 am Ball. Kaum eine Firma, die zurzeit nicht auf den Euro-08-Zug aufspringt – die einen mit Ambush-Marketing, die anderen offiziell.

Sport Wirz macht klar: Ochsner-Sport bleibt auch an der Euro 08 am Ball. 
Kaum eine Firma, die zurzeit nicht auf den Euro-08-Zug aufspringt – die einen mit Ambush-Marketing, die anderen offiziell. Ochsner-Sport ist zwar nicht Sponsor der Euro 08. Aber seit 2003 offizieller Partner des Schweizer Fussballverbandes und «Ausrüster der Nati-Fans». Damit führt Ochsner auch den offiziellen Nati-Fanshop inmitten der Zürcher Fanmeile. Kommuniziert wird das Engagement und Angebot von Wirz. CD Hanspeter Schweizer arbeitet dabei weiter nach der Idee: «Der erbitterste Gegner bist du selber.» Entstanden ist damit eine Kampagne, bei der es nicht ums Mitmachen, sondern vor allem ums Gewinnen geht, «um den Willen zu siegen und um die positive, vorbildliche Einstellung jedes Einzelnen», wie Texter John Leuppi meint. Im Fokus steht «unsere» Fünfermauer mit Köbi Kuhn, Johan Djourou, Tranquillo Barnetta, Philipp Degen und Marco Steller, die mit ihren Aussagen für Aufmerksamkeit sorgen. Die Kampagne kommt in fast allen Medien zur Anwendung: Plakate, Anzeigen, Megaposters, Gebäudeverkleidung, Broschüren und Kommunikation am Verkaufspunkt.Andreas Panzeri

Guerilla-Aktion für die Kultur

Buchhandel Fnac kommt in die Deutschschweiz. Numéro 10 hat in Basel die Eröffnung des ersten Ladens begleitet.

 
Buchhandel Fnac kommt in die Deutschschweiz. Numéro 10 hat in Basel die Eröffnung des ersten Ladens begleitet. 
Basel ist die Stadt der Kultur. Hier findet sich die älteste Universität Europas. Es gibt die weltbekannte Art, historische Fasnacht und führendes Theater. Dazu proben im Underground über 300 junge Bands. «Happy Basel», kommentiert deshalb Gilles Aeby von Numéro 10 diese glückliche Situation für die Basler und Baslerinnen. Und weil er wusste, dass die Kulturstadt bald noch mehr glücklich werden darf, weil Fnac, die französische Ladenkette für Bücher, Film, Musik und Unterhaltungselektronik, am Rheinknie ihren ersten Ableger in der Deutschschweiz eröffnen will, hat der Spezialist für Guerilla-Marketing am 7. April die ganze Stadt mit farbigen Klebern «Happy Basel» vollgepropft. Die Verwirrung war perfekt, denn am Abend zuvor hat der FC Basel den Cupfinal gewonnen. «Es war ein glücklicher Zufall», freut sich Aeby. Im Siegestaumel wurde seine Aktion von der Bevölkerung überall mit grosser Sympathie aufgenommen. Ärger hätte es aber auch sonst kaum geben können. Wie es sich für eine professionelle Guerilla-Aktion gehört, war auf den Klebern auch noch ein Hinweis aufgedruckt, dass die Entsorgung und Reinigung bereits «offiziell organisiert» ist.
Viel ActionNach dem Teasing dann die Auflösung. Als die Kleber weggeputzt waren, folgten Plakate im identisch farbigen Stil. Diese erklärten, wieso Basel am 17. April dank Fnac noch einmal «happy» werden wird.
Ergänzt wurde die Fnac-Plakatkampagne von einem Kinofilm, Inseraten, viel Action im Web sowie einem Event am Vorabend der Eröffnung.
Mehr als 2’500 Leute wollten die acht Etagen des neuen Ladens in der Steinenvorstadt 5 bestaunen. Unter die Gäste aus Basel hat Numéro 10 und ihre Guerilla-Unit Buzzilla auch zwölf Schauspieler aus Zürich gemischt. Diese wussten die Besucher im Laden gekonnt zu verblüffen, als sie zum Beispiel plötzlich in der Buchabteilung mitten unter den Leuten theatralisch aus einem Roman rezitierten. Oder die Vernissagenbesucher auch verunsicherten, als eine Schauspielerin in der DVD-Abteilung spontan ein Remake der legendären Orgasmus-Szene aus dem Film «Harry und Sally» zum Besten gab.
Zum weiteren Bonusmaterial rund um die Eröffnung gehört eine CD, die Numéro 10 mit den besten der 300 jungen Basler Bands produzieren liess. Sie wird für Fr. 6.90 im Fnac verkauft. Der ganze Erlös geht als Fördergeld in die lokale Musikszene. Mit 4’000 «Kulturbuttons», die fantasievoll unter das Volk gebracht wurden, sowie einem «Happy Basel»-Tram wird das Ereignis des ersten Fnac in der Deutschschweiz abgerundet.
Der französische Mediengrosshändler Fnac (Fédération nationale d’achat des cadres) ist seit 2000 bereits in den Hochschulstädten Genf, Lausanne und Fribourg präsent. In der Filiale Basel sind rund 70 Leute beschäftigt. Bis 2010 sollen noch fünf weitere Filialen in Zürich, Bern, St. Gallen und Luzern folgen.
Die Fnac ist Marktleader in Frankreich und weiteren Ländern. Das Unternehmen war 1954 von zwei Trotzkisten als Genossenschaft gegründet worden. Seit 1994 gehört die Buch- und Medienkette zum Imperium der französischen Luxusartikel- und Kaufhaus-Gruppe Pinault-Printemps-Redoute.
Andreas Panzeri

Zurück im Basislager 

Sportartikel Die Bieler Agentur Erdmannpeisker zeigt ihre ersten Arbeiten für Mammut.

Sportartikel Die Bieler Agentur Erdmannpeisker zeigt ihre ersten Arbeiten für Mammut. 
«Mammut 2.0» heisst das Konzept, mit dem Erdmannpeisker neue Wege mit Mammut gehen will. Der letzte Weg des Labels für Alpinbekleidung, Outdoor-Mode und Zubehör führte auf den Mount Everest. Mary Woodbridge hat von der Schweiz aus Werbegeschichte geschrieben und machte Mammut weltweit bekannt. Aber nicht alle sportlichen und erdverbundenen Bergsteiger haben sich mit der alten und etwas abgehobenen Lady identifizieren können. Zurück ins Basislager lautet deshalb das Konzept der neuen Kampagne. Das Budget wurde international ausgeschrieben und nach mehreren Stufen an Erdmannpeisker vergeben. Sybille Erdmann und Gabriel Peisker haben gepunktet dank einer «Produktwerbung mit hohem Image-Anteil». Das Internet mache es vor mit Web 2.0, meint Peisker. Die Firmen werden ständig durchlässiger. Statt der herkömmlichen Einwegkommunikation suchen sie den Dialog mit dem Kunden und beziehen ihn immer stärker mit ein. Kommentare oder Voting sind nur einige der neuen Tools, die dem Kunden die direkte Einflussnahme ermöglichen. Erdmannpeisker geht nun «einen Schritt weiter und will den Kunden gleich in die Kommunikation mit einbeziehen».
Die Agentur organisierte dazu einen «Schlafsacktest bei 20 Grad minus». Eingeladen wurden die Mitarbeitenden von Mammut. Mit einem Making-of-Film und spektakulären Fotos Robert Böschs, dem Bergführer und Gewinner des internationalen Bergbuchpreises, wurde der Event auf dem Corvatsch-Gletscher für die verschiedensten Medien dokumentiert. Aus den Actionfotos sind Plakate, Inserate, Produktflyer und ein Magalog gestaltet worden. Dieser liegt in Sportgeschäften auf und wird diversen Special-Interest-Heften beigelegt.
Im Magalog und auf der Website wird bereits ein zweites Happening im Mai 2008 angekündigt. Bei diesem Test im Umfeld des Eiger sollen nun die Kunden eingeladen werden. Auf der Mammut-Website haben sich nach wenigen Tagen schon über 500 Interessierte gemeldet. Die Werbung wird so zum Endprodukt einer langen Kette von Kontakten mit bestehenden und zukünftigen Kunden. Zu sehen ist als Eyecatcher jeweils ein irritierender Eingriff in der fantastischen Bergwelt.
Michael Gisler, Marketingleiter bei Mammut, meint zu dieser ungewöhnlichen Werbung: «Wir haben ganz bewusst einen anderen Weg eingeschlagen als unsere Mitbewerber. Wir wollten näher zum Endkonsumenten. Diese Zielgruppe erreichen wir mit einer authentischen Bildwelt aus den Bergen.»
Bei Mammut gehts aber nicht nur in den Bergen steil nach oben. Man will auch in die Breite wachsen. Bereits wurden neue Tochterfirmen in Japan und England gegründet. Weltweit sind insgesamt 40 bis 50 Shops geplant.
Andreas Panzeri

Feldschlösschen in Rosa

Getränke I Feldschlösschen überrascht mit einer Innovation den heimischen Biermarkt. Feldschlösschen Fresca mit Yuzu-Lemon- oder Grapefruit-Cranberry-Fruchtsaft will junge und jung gebliebene Menschen erfrischen, die den Geschmack von Hopfen und Malz weniger mögen.

 
Getränke I Feldschlösschen überrascht mit einer Innovation den heimischen Biermarkt. Feldschlösschen Fresca mit Yuzu-Lemon- oder Grapefruit-Cranberry-Fruchtsaft will junge und jung gebliebene Menschen erfrischen, die den Geschmack von Hopfen und Malz weniger mögen. Mit seinem spritzig-fruchtigen, aber nicht süssen Geschmack positioniert sich Feldschlösschen Fresca als Outdoor-Durstlöscher, den man an lauen Sommertagen im Freundeskreise direkt aus der Dose geniesst. Das Mandat für die Online-Kommunikation hat die Zürcher Crossover-Agentur Angelink gewonnen. Als erste Kommunikationsmassnahme hat Angelink bereits eine trendige Flash-Microsite unter Feldschloesschen.ch hochgezogen. Sie wird als Drehscheibe für weitere Promotionsaktivitäten dienen. Worum es sich dabei handelt, wollen Feldschlösschen und Angelink noch nicht verraten.

Konzessionsverfahren löst Unmut aus bei Tamedia

Das laufende Neukonzessionierungsverfahren für Radio und TV sorgt bei Tamedia für schlechte Laune, das war an der Medienkonferenz vom Mittwoch deutlich zu spüren. Man findet es wenig verständlich, dass die Konzessionserteilung an Radio 24 und Tele Züri vom Regierungsrat angezweifelt wird.

 
Das laufende Neukonzessionierungsverfahren für Radio und TV sorgt bei Tamedia für schlechte Laune, das war an der Medienkonferenz vom Mittwoch deutlich zu spüren. Man sehe sich mit «überraschenden Stellungnahmen» konfrontiert und finde es wenig verständlich, dass die Konzessionserteilung an Radio 24 und Tele Züri von Exekutivbehören in Frage gestellt werde, sagte Verwaltungsratspräsident Pietro Supino. Er sei aber zuversichtlich, dass am Schluss die Vergabe «aufgrund der gesetzlich verankerten Leistungskriterien» im Sinne von Tamedia erfolge. Aber was geschieht, wenn sich Bundesbern doch anders entscheidet? Erhalte Radio 24 keine Konzession, dann müsse der Betrieb praktisch eingestellt werden. Wenn es nur die sogenannte kleine Konzession für die Stadt Zürich bekomme, dann müsse der Betrieb stark redimensioniert werden, erklärte Supino an der Medienkonferenz. Doch Tamedia hat sich für die kleine Konzession gar nicht beworben, sondern nur für das grosse Versorgungsgebiet 23. Und das Bundesamt für Kommunikation betont stets, dass sich die Bewerber nun nicht mehr für ein anderes Gebiet umentscheiden können. Versucht Tamedia einen Weg einzufädeln, damit es doch noch mit der kleinen Konzession klappt, sollte Radio 24 das grosse Gebiet verwehrt bleiben? «Nein», dementierte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer nach der Konferenz. «Herr Supino hat lediglich eine theoretische Möglichkeit angesprochen. Wir gehen davon aus, dass die Erteilung der kleinen Konzession nicht möglich ist.» Das Bakom seinerseits bekräftigte auf Nachfrage der Werbewoche, dass ein Umschwenken auf ein anderes Konzessionsgebiet nicht mehr möglich sei.
Der zweite Tamedia-Sender, der um die Neukonzessionierung bangen muss, ist Tele Züri. Er könnte aber ohne Konzession weitersenden, auch wenn die Garantie auf die technische Übertragung und die Gebührengelder wegfallen würden. Für diesen Fall überlegt man sich laut Supino Alternativen und fragt bei allen Kabelnetzbetreibern an, ob sie Tele Züri auch ohne Konzession in ihrem Netz verbreiten würden. Man rüstet sich also beim Medienhaus für alle Fälle – der Unmut ob dem Konzessionierungsprozess blieb dennoch deutlich spürbar: «Wenn keine Klarheit über die massgeblichen Kriterien hergestellt werden kann, bezweifle ich, dass vernünftige Unternehmer in Zukunft bereit sein werden, in diesem Umfeld zu investieren», erklärte Pietro Supino.

Fernsehen in der Hosentasche

Handy-TV Swisscom bringt 50 Tage vor der Euro 20 TV-Sender auf das Mobiltelefon.

 
Handy-TV Swisscom bringt 50 Tage vor der Euro 20 TV-Sender auf das Mobiltelefon. 
Just 50 Tage vor dem offiziellen Start der Euro 08 bringt das national grösste Telekommunikationsunternehmen Swisscom 20 TV-Sender über das neue DVB-H-Netz aufs Handy. Die Verantwortlichen betonten kürzlich vor angemessener Kulisse im Zürcher Letzigrund-Stadion vor den Medien, dass das «Bluewin-TV mobile» genannte Angebot Konsumentinnen und Konsumenten Fernsehen in nie gekannter Qualität auf das Mobiltelefon bringe. Das Angebot sei in HDTV-Qualität, hiess es.
Das ist allerdings ein Etikettenschwindel, denn einerseits gibt es (abgesehen von wenigen Ausnahmen) noch keine Sender, die in vollem High Definition Programme verbreiten und andererseits macht die volle Auflösung auf dem Bildschirm selbst von Handys der neuesten Generation wenig Sinn. Ehrlicherweise hätten die Macher für ihren Auflösungsstandard einen neuen Namen finden müssen. Es sei jedoch darum gegangen, mit dem Begriff HDTV den Kunden zu vermitteln, dass Fernsehen auf dem Handy «in look and feel» dem nahe komme, was sie vom richtigen Fernsehen auf dem Flachbildschirm bereits gewohnt seien.
Das DVB-H-taugliche Testgerät, ein Nokia N77, welches der Handyhersteller in Zusammenarbeit mit Swisscom entwickelt hat, zeigt im Praxistest, dass die bewegten Bilder leicht ruckeln. Livesendungen können zudem nur mit einer Verzögerung von durchschnittlich acht Sekunden wiedergegeben werden, und das Angebot ist im Ausland nicht nutzbar.
Doch Fernsehen ist allemal möglich und sogar Untertitel sind, mit einiger Mühe zwar, doch lesbar. Im Vergleich zum seit Monaten über den Standard UMTS empfangbaren Bluewin-TV ist der Unterschied in Bild und Ton deutlich erkennbar. Zudem lässt sich beim neuen Angebot erheblich schneller zappen und es bietet einen Programmguide für die schnelle Übersicht über die Senderprogramme.
Der Launch von Bluewin-TV mobile verstehe sich als Teil der Multimediastrategie von Swisscom, wie GL-Mitglied und Leiter Privatkunden Christian Petit vor den Medien betonte. Die Vision dieser Strategie zielt dabei auf die drei Bildschirme im Alltag der Kunden: Computer, Handy und TV-Bildschirm. Ziel ist, Musik, Internet und bewegte Bilder jederzeit drahtlos nutzbar zu machen. Praxistests hätten ergeben, dass die Leute den Aspekt des persönlichen TV-Geräts besonders schätzten und zum Beispiel ihr DVB-H-Handy gern mit ins Bett nähmen, selbst dann, wenn in der guten Stube der grosse Flachbildschirm für die ganze Familie stehe.
Mit dem Start von Handy-TV sei indessen nicht der letzte Schritt in der Entwicklung getan, betonte Petit. Noch fehle zum Beispiel die Interaktivität, das heisst, dass die Benützer zum Beispiel auf TV-Angebote per Tastendruck reagieren und etwa abstimmen könnten. Weiter solle Bluewin-TV und seine Ausprägung fürs Handy mehr und mehr zusammengehen und sich nach Möglichkeit kaum mehr voneinander unterscheiden. Laut Petit werde das den Medien vorgestellte Testgerät Mitte Mai im Handel erhältlich sein. Weitere Modelle folgen.
Swisscom wird, wie vom Bakom gefordert, Ende Mai 44 Prozent der Bevölkerung ausser Haus und 31 Prozent indoor mit dem neuen DVB-H-Netz erreichen. Das Netz fokussiert vorerst auf die Zentren Basel, Bern, Zürich sowie den Arc Lémanique mit Genf und Lausanne. Dort wo das Netz nicht verfügbar ist, müssen Handy-TV-Nutzer auf den Standard UMTS umsteigen und haben dafür 30 statt bloss 20 Sender zur Auswahl, darunter dann zum Beispiel auch ARD und ZDF. Das Angebot soll unabhängig davon, ob über DVB-H oder UMTS ferngesehen wird, monatlich 16 Franken kosten.
Die Verantwortlichen schwiegen sich darüber aus, wie viele Zuschauer Swisscom benötigt, damit sich ihr neues Handy-TV rechnet, ebenso, wie viel der Auf- und Ausbau des DVB-H-Netzes, das mit 25 Antennenstandorten am 18. April gestartet ist, den Konzern gekostet hat. «Es ist weniger kostspielig als der Aufbau eines UMTS-Netzes», meinte Christian Petit lediglich.
René Worni
DVB-H noch nicht auf der HöheMit dem Handy-TV-Angebot
über das neue DVB-H-Netz, welches die Swisscom-Tochter Swisscom Brodcast im Hinblick auf die Euro 08 aufgebaut hat, sind die technologischen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Handy-TV könnte mehr sein als blosses Übertragen der Fernsehsendungen. Entscheidender Faktor dabei ist die Interaktivität. Swisscom kann diese jedoch noch nicht anbieten, und die Verantwortlichen können nicht sagen, wann es so weit sein wird.Grundsätzlich stünde das DVB-H-Netz
auch weiteren Anbietern offen, auch solchen, welche auf diese interaktiven Features der Technologie angewiesen sind. Gegenwärtig ist Mobile TV Schweiz mit MoTV, einem speziell aufs Handy angepassten Programm, der einzige Fremdanbieter. Erfunden hat es der Bieler und einstige Swisscom-Mann Bruno Bucher. Laut einem Abkommen mit Swisscom wird er einen der 20 Kanäle nutzen können. Einer der angebotenen Sender wird dann gegen MoTV ausgetauscht. Doch für Bucher ist es ein Spiessrutenlauf. Sein interaktives MoTV musste er zurückstellen, weil der Hauptakteur nicht sagen könne, wann Interaktivität technisch möglich werde. Voraussichtlich noch im Mai, «as soon as possible» will Bucher deshalb auf ein lineares Programm ausweichen und hofft, zu einem späteren Zeitpunkt sein innovatives Konzept umsetzen zu können. (rw)
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